August 2024 - Routenänderung
Bereits nach dem Ende der letzten Weltreise der ARTANIA 2023/2024 stellte sich die Frage, wie die endgültige Route für die Reise 2024/2025 aussehen wird. Denn geplant war, im Mai 2025 durch das Rote Meer zu fahren, um am 2. Juni 2025 in Savona/Italien festzumachen.
Die Weltreise 2024/2025 war bereits ab November 2022 buchbar und da begann damals gerade die Krise im Nahen Osten und die Angriffe der Huthi-Rebellen mit Raketen auf Schiffe im Golf von Aden, einem Fahrgebiet, welches die Schiffe, die durch das Roten Meer fahren wollen oder von dort kommen, nehmen müssen.
Das konnten die Planer von Phoenix bei der Konzeption der Reise natürlich noch nicht berücksichtigen.
Beim Umgang mit dieser Krise hatte sich dann Phoenix bei der Weltreise 2023/2024 allerdings nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als Kapitän Hansen am 22.3.2024 auf der ARTANIA stolz die Entscheidung von Phoenix bekannt gab: „Wir fahren durchs Rote Meer“ und er würde nicht wie geplant in Dubai von Bord gehen, sondern er selbst würde die ARTANIA durch dieses kritische Fahrgebiet steuern.
In seiner Rede spielte er die Gefahr in unverantwortlicher, sträflicher Art und Weise herunter. Er bezeichnet die Huthi-Rebellen als lediglich kleine Terrorgruppe, gaukelte den in der Atlantic Show Lounge versammelten Passagieren vor, der Schutzschirm im Rahmen der militärischen Aktion Aspides böte einen absoluten Schutz und behauptete es würden täglich nach wie vor noch immer hunderte von Schiffen durch das Rote Meer fahren, was nachweislich eine Falschbehauptung war.
Als schon der letztmögliche Zeitpunkt verstrichen war, statt durchs Rote Meer zu fahren, doch die Route um Afrika herum zu nehmen und dennoch pünktlich und planmäßig am 15. Mai 2024 in Savona anzukommen, revidierte Phoenix diese Entscheidung.
Eine kluge Entscheidung – besser spät als nie.
Natürlich war jetzt alles durcheinander. Am 15. Mai 2024 war die ARTANIA nicht in Savona/Italien, sondern erst in Namibia. Das wiederum hatte immense Auswirkungen auf die Routenführung der nächsten beiden Reisen.
Am 29. August 2024 herrschte dann Klarheit. Phoenix gab bekannt, dass wegen der nach wie vor anhaltenden Nahost-Krise eine Fahrt durchs Rote Meer nicht in Frage kommt, was natürlich gravierende Änderungen des Fahrplans nach sich zieht.
Bis zum 29. April 2025 wird die Fahrt wie geplant verlaufen.
Vom 27. – 28. April wird die ARTANIA in Singapur liegen und am 29.April in Port Kelang/Kuala Lumpur/Malaysia.
Ab dann greift die Routenänderung. Die ARTANIA nimmt Südwest Kurs auf Richtung Kapstadt via Mauritius, La Réunion, Durban und Port Elizabeth.
Von Kapstadt geht es weiter die Westküste Afrikas hoch über Namibia, São Tomé, Banjul (Gambia), Dakar (Senegal) nach Las Palmas/Gran Canaria, wo die Weltreise dann endet.
Dadurch verändert sich auf dieser letzten Etappe (29.4 – 2.6.2025) das Verhältnis Hafentage zu Seetage signifikant.
- Ursprüngliche Verhältnis: 22 Hafentage zu 13 Seetagen
- nun gemäß neuer Route: 14 Hafentage zu 21 Seetagen
Das Verhältnis hat sich ziemlich genau umgekehrt.
Doch Doris und ich begrüßen die Entscheidung von Phoenix und können gut mit den ausgefallenen Destinationen und den vielen Seetagen leben.
Ins Grübeln kamen wir jedoch wegen des Angebots von Phoenix bezüglich der Folgereise.
Diese sollte ursprünglich von Savona nach Bremerhaven gehen und muss jetzt natürlich in Las Palmas/Gran Canaria starten. Sollten wir an Bord bleiben und statt von Las Palmas nach Hause zu fliegen mit der ARTANIA weiter bis nach Bremerhaven fahren, würde uns (und den anderen betroffenen Passagieren natürlich auch) ein Preisnachlass von 30% auf diese 17-tägige Reise eingeräumt.
Neben diesen 30% Ersparnis würden zusätzlich die 500 Euro für den Flug von Las Palmas nach Frankfurt (ca. 4 ½ Stunden) wegfallen.
Deshalb kamen wir ins Grübeln.
Das Ergebnis unserer Grübelei war eine Mail an Phoenix, in der wir unser Interesse an dieser Anschlussreise kundtaten. Wir würden diese auch verbindlich buchen. aber nur wenn wir in unserer Kabine 4243 bleiben könnten. Ein Umzug in eine andere Kabine käme für uns nicht in Frage.
Auf der Phoenix-Internetseite konnten wir selbst nicht nachschauen, ob unsere Kabine für diese Anschlussreise noch frei wäre,

da Phoenix dort erst einmal für sämtliche Kabinenkategorien im Internet den Status auf “Ausgebucht – nur Warteliste“ gesetzt hatte.
Nur einen Tag später erhielten wir folgende Mail:
Ob tatsächlich jemand die Reise in “unserer“ Kabine storniert hat oder ob die Kabine sowieso noch frei gewesen wäre und Phoenix uns unsere Entscheidung nur noch etwas schmackhafter machen wollte, bleibt im Dunkeln.
Die Verlängerung unserer Weltreise hat aber noch ein weiteres Goodie.
Am 2. Juni 2025 ist der Tag unserer Silberhochzeit. Solch einen Tag verbringt man doch lieber in angenehmer Atmosphäre auf einem Kreuzfahrtschiff, als auf einer Rückreise in Flughafenterminals und einem Flieger.
November 2024
Der Reisetermin rückte langsam in sichtbare Nähe und es wurde Zeit, sich auch mal um die Visa für Australien und Neuseeland zu kümmern.
Phoenix hatte bereits ein Informationsschreiben verschickt aus dem ersichtlich wurde, welche „Einreisepapiere“ für Australien und Neuseeland benötigt werden.
In den einschlägigen ARTANIA-Facebook-Gruppen, wurde speziell über die Visumfrage für Neuseeland schon heftig diskutiert. Es gab Stimmen, die besagten, dass für dieses Land kein Visum benötigt würde.
Ein anderer schilderte ein Problem, dass seine Frau eine Heiratsurkunde einreichen müsse, zusammen mit einer beglaubigten englischen Übersetzung.
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Auch über die Kosten herrschte eine gewisse Verwirrung.
Die Frage, ob ein Visum für Neuseeland benötigt wird oder nicht, kann man tatsächlich mit „kein Visum erforderlich“ beantworten. Es besteht keine Visumspflicht bei der Einreise.
ABER
Bei der Einreise nach Neuseeland muss man als deutscher Passinhaber nämlich eine elektronische Einreisegenehmigung, die "New Zealand Electronic Travel Authority“, abgekürzt NZeTA, vorweisen.
Auch die Kostenfrage ist von neuseeländischer Seite eindeutig geregelt.
Die "New Zealand Electronic Travel Authority" kostet 17 Neuseeland-Dollar (NZD), (das sind ca. 9,40 € ), wenn man sie über die offizielle NZeTA-App beantragt.
Hingegen bei der Beantragung über die entsprechende Homepage https://nzeta.immigration.govt.nz kostet die Einreisegenehmigung 23 NZD (ca. 12,70 €).
Aber damit nicht genug. Zu den Gebühren für das Einreisepapier kommen seit dem 1. Oktober 2024 noch 100 NZD (55,20 €) für eine „Touristensteuer“ hinzu. Vor diesem Stichtag betrug dieses „Eintrittsgeld“ nur 35 NZD (19,30 €).
Man kann sich das Einreisepapier auch über diverse Dienstleister besorgen lassen, die sich ihre Dienstleistung natürlich gut bezahlen lassen. So kostet die Beschaffung (einschließlich Touristensteuer) dann schon mal statt 65 € stolze 150 €.
Solch eine Vielfalt der Preise und der Beschaffungsmöglichkeiten und die Unterscheidung zwischen Visum und Einreisegenehmigung feuert natürlich eine Facebook-Diskussion kräftig an, insbesondere wenn „Halbwissende“ mitdiskutieren.
Was sich nicht aufklärt ist die Forderung nach einer Heiratsurkunde, von der einer der Facebook-User berichtet hatte.
Vielleicht hat er ja als Einreisegrund angegeben: „Trennung von der Ehefrau“?😊
Jedenfalls ist es uns gelungen über die NZeTA-App die Einreisegenehmigung zu bekommen (ohne eine Heiratsurkunde vorlegen zu müssen).
Das Einschalten eines der bereits erwähnten Dienstleisters zur Beschaffung der Einreisepapiere, egal ob Visum oder nur Einreisegenehmigung, wie z. B der von Phoenix empfohlene Visa Dienst Bonn GmbH, macht trotz der Gebühren für viele Reisende durchaus Sinn. Zum einem sind hier die zahlreichen gestellten Fragen des Beschaffungsantrags ins Deutsche übersetzt worden und zum anderen kann bei Unklarheiten auch mal nachgefragt werden.
Nicht ganz so viel Facebook-Diskussionsmunition liefert das Visum für Australien, da es sich hier tatsächlich um ein Visum handelt und es außerdem kostenlos auf der Internetseite
https://immi.homeaffairs.gov.au/visas/getting-avisa/visa-listing/evisitor-651
(in englischer Sprache) beantragt werden kann.
Etwas aufwendiger als die Visumsbeschaffung, war die Tatsache, dass der Baukasten, mit dem ich meine Internetblogs erstelle, mich seit mehr als 15 Monaten mit der Meldung nervt, dass die Version, mit der ich seit Jahren arbeite (Joomla 3), nicht mehr aktuell ist und ich gefälligst die neuere Version (Joomla 4) einsetzen soll.
Da ich das Standard-Layout, das dieser Baukasten anbietet, seinerzeit mit erheblichem Aufwand meinem Geschmack angepasst hatte, habe ich mich vor dem Versionswechsel gescheut.
Ich habe aber dann doch in den sauren Apfel gebissen und mich für die neue Version entschieden, obwohl das bedeutet, dass ich für diesen Blog die erwähnten Anpassungen in den Müll werfen musste. Es folgten tagelange Bastelarbeiten am neuen Baukasten, wobei ich erst gar nicht versucht habe, das bisherige Layout vollständig nachzubauen. Deshalb ist das Erscheinungsbild jetzt etwas anders als bei meinen vorherigen Reiseblogs.
Die vorhandenen Komponenten und Menüpunkte sind natürlich alle geblieben, auch das Gästebuch. In der alten Joomla-Version gab es für das Gästebuch eine kostenlose Light-Version. Das war jetzt nicht mehr der Fall, sondern für diese Software war in der neuen Joomla-Version für die Pro-Version 40,00 € zu berappen. Aber ein Verzicht auf das Gästebuch kam nicht in Frage.
In den grauen Novembertagen gingen ja auch bekanntermaßen die Rot-Gelb-Grünen Lichter unserer Regierung aus und es wird deshalb im Februar Neuwahlen geben.
Ich sehe seit meinem 18. Lebensjahr leider zum ersten Mal überhaupt keine Möglichkeit, mein Wahlrecht wahrzunehmen, weil wir am 23.2.2025 irgendwo in der Südsee schippern werden.
Auch die Überlegungen von Doris und mir, irgendwie die Briefwahl nutzen zu können, liefen ins Leere. Das ist insofern sehr bedauerlich, weil wir keine Gegenstimmen zur AFD abgeben können.
Dezember 2024
Wenn man länger als 60 Tage von zu Hause weg ist und sich niemand um die Wohnung kümmert, verliert man im Normalfall den Versicherungsschutz der Hausratversicherung. Um nicht in diese Falle zu tappen, habe ich der Versicherung unsere längere Abwesenheit gemeldet und erklärt, dass beinahe täglich jemand in die Wohnung kommt, um unsere Post dort zu deponieren.
Außerdem wird unsere Haushaltshilfe auch während unserer Abwesenheit mindestens einmal die Woche nach dem Rechten sehen.
Auf Grund dieser Maßnahmen erklärte die Hausratsversicherung schriftlich, dass in diesem Fall der Versicherungsschutz nicht gefährdet sei.
Um unterwegs an Land Internetzugang zu haben, werden wir wieder die Technik mit der E-SIM-Karte nutzen. Wie das Ganze funktioniert, hatte ich bereits ausführlich in meinem letzten Blog beschrieben. Hier der Link, mit dem man direkt zu den entsprechenden Ausführungen springen kann:
https://2024.pehoelzer.de/index.php/reverse/106-04-blogeintrag-02-01-2024-xx-01-2024-stand-02-01-2024-22-00-uhr#esim
Für diese Reise haben wir beide bereits ein E-SIM-Paket vom Anbieter AIRALO gekauft und auf den Smartphones installiert; 20 GB für 136 Länder und einer Laufzeit von einem Jahr.
Noch ein kleiner Spar-Tipp: unter https://travel-dealz.de/ findet man in der Regel einen Gutscheincode für eine Preisreduzierung bei AIRALO von15%.
Und immer wieder gerne diskutiert: Die Kleiderfrage!
In diesen Tagen fiel mir auf, dass in den Tagesprogrammen von allen Phoenix-Hochseeschiffen der Bekleidungshinweis für die Galaabende neu formuliert wurde.
Bisher lautete der Hinweis kurz und bündig:
Was genau nun Elegant ist, liegt dann im Ermessen von jedem Einzelnen und im Auge des Betrachters.
Dass es einen Ermessungsspielraum gibt, habe ich auch aus dem entsprechenden Passus im Phoenix-Katalog entnommen und entsprechend interpretiert.
Seit Dezember 2024 findet man in den Tagesprogrammen der Phoenix-Schiffe ARTANIA und AMADEA folgenden “verschärften Hinweis“ zur Kleiderordnung
Bei der AMERA fasst man sich etwas kürzer:
An den Galaabenden waren (zumindest auf der ARTANIA) bisher Smoking und Dinner-Jacket eher die Ausnahme.
Ein großer Teil der Herren trug eine Kombination, also Stoffhose und Sakko.
Aber jetzt hat Phoenix den (Abend)anzug anscheinend als Mindeststandard postuliert.
Ob das eine so kluge Entscheidung war?
Ich habe spaßeshalber das Thema mal in zwei Facebookgruppen zur Diskussion gestellt.
- https://www.facebook.com/groups/558762859395064/posts/883185410286139/
- https://www.facebook.com/groups/306423309557687/posts/2722136014653059/
Unabhängig wie die Diskussion ausgeht, werde ich weiter mit meiner seit Jahren bewährten Kombination (dunkle Hose, weißes Hemd, helles Jackett und passende Krawatte) auftreten.
Die ARTANIA ist in meinen Augen eher ein "Volksdampfer" und ist in keinster Weise mit Luxuslinern wie z.B. der Queen Mary 2 zu vergleichen.
Unter anderem deshalb empfinde ich den abgehobene Bekleidungshinweis auf der ARTANIA als völlig überzogen.
Aber das ist im Grunde genommen unbedeutender Kleinkram und völlig bedeutungslos gegenüber einem wirklichen Problem, das uns für die kommende Reise sehr bedrückt.
Der Steward Florante Batul ist nicht an Bord und wird voraussichtlich auch nicht an Bord kommen. Er wartet verzweifelt seit Monaten zu Hause auf den Philippinen darauf, dass er wieder, wie all die vielen Jahre davor, einen Vertrag erhält.
Die Crewmitglieder bekommen immer nur befristete Verträge, gehen dann für 2-3 Monate nach Hause und werden meist dann wieder für mehrere Monate erneut angestellt.
Bei Florante war das jetzt nicht mehr der Fall.
Wir kennen Florante seit vielen Jahren und schätzten seinen hervorragenden und herausragenden Service im Lido-Restaurant. Florante ist nicht nur gut, er ist sehr gut. Er hat einen 360º-Rundumblick, sieht z. B. sofort, wenn an einem der Tische in seinem Servicebereich etwas zu tun ist. Sei es Geschirr abzuräumen, Getränke nachzuschenken, versehentlich heruntergefallenes Besteck zu ersetzen – oder was auch immer. Sofort ist er da oder schickt einen seiner Kollegen aus dem Team, das er leitet.
Wenn „seine“ Gäste das Lido betreten, begrüßt er sie sofort und sucht mit ihnen einen passenden Tisch.
Florante ist einfach außergewöhnlich, dazu herzlich und freundlich. Doris und ich sind nicht die Einzigen, die ihn schätzen. Man kann das allein daran erkennen, dass in seinem “Revier“ im Lido freie Plätze eher rar sind, während bei anderen Kellnern (die in der Regel ebenfalls einen guten Job machen) viel mehr Tische frei sind.
Wir haben mit Florante Kontakt über Facebook und er kann sich, genau wie wir, nicht erklären, warum seine Arbeit nicht mehr gefragt ist. Es habe auch keinen Vorfall gegeben, bei dem er irgendwie in “Ungnade“ gefallen sein könnte.
Ich kann nicht nachvollziehen, warum ein so erfahrener, engagierter und exponierter Mitarbeiter keinen Vertrag mehr erhält. Er ist im Mai 2024 regulär von Bord gegangen und seither hat sich sein Arbeitgeber (Sea Chefs, ein Subunternehmen, das den Hotel- und Restaurantbereich auf den Phoenix-Schiffen betreibt) nicht mehr bei ihm gemeldet.
Wir haben den Fall jetzt per Mail dem derzeitigen Kreuzfahrtdirektor auf der ARTANIA, Jörn Hofer, geschildert. Er wird, wie er uns geantwortet hat, der Sache nachgehen.
Der nächste Meilenstein bestand im Packen der ersten 3 Koffer, die der Gepäckservice Tefra nach Hamburg direkt aufs Schiff verfrachten soll.
Wir werden am 17.12.2024 mit dem Bus vom "Parkplatz P36" am Frankfurter Flughafen bis direkt vor das Hamburg Cruise Center in Hamburg-Altona fahren und werden dann noch zusätzliche Koffer dabei haben und ohne Tefra müssten wir uns dann mit 5 Koffern + Handgepäck auf dem großen Parkplatz bewegen und das wollten wir uns nicht antun.
Neben dem Packen selbst war noch eine kleine Bastelarbeit von Nöten, denn die Kofferanhänger lagen nur als PDF-Datei vor und mussten ausgedruckt und gefaltet werden, um sie dann an den Koffern per Heftklammern festzutackern.
Da Papier zwar geduldig aber nicht unbedingt reißfest und wasserbeständig ist, habe ich die Anhänger noch mit Hilfe von transparentem Paketband stabilisiert und gleichzeitig so vor Witterungsunbilden geschützt.
Am Vormittag des 12.12.2024 wurden die 3 Koffer schließlich abgeholt.
Anreise und "Leinen los!"
Am Dienstag, 17.12.2024 war es dann so weit. Um 7:30 Uhr kam das Taxi und brachte uns zum Parkplatz “P36“ des Frankfurter Flughafens. Von dort startete der von Phoenix gecharterte Reisebus, der uns nach Hamburg zum “Cruise Center Altona“ brachte.

Am Hamburger Cruiseterminal findet ein strenger Sicherheitscheck statt, wie z.B. auch an Flughäfen.
Später wird in vielen Häfen lediglich der Bordausweis kontrolliert, aber nicht der mitgeführte Rucksack oder der Hosentascheninhalt.
Sicherheitskontrolle und Check-in gingen zügig vonstatten.
Vor jeder Etappe einer Kreuzfahrt findet die obligatorische Rettungsübung statt, ...
.... an der wir auch diesmal teilnehmen mussten und auch bei den nächsten 7 Etappen wieder dabei sein müssen, auch wenn wir mittlerweile die immer gleichlautenden erklärenden Texte auswendig mitbeten können – Seerecht halt.
Pünktlich um 22:00 legte die Artania ab.
Die Nacht war leicht stürmisch und auch am nächsten Morgen war die See noch kabbelig.
2. Reisetag – Mittwoch, 18.12.2024 - Seetag
Dieser 2. Reisetag verlief völlig unspektakulär, insbesondere auch, weil Kofferauspacken angesagt war.
Am Vormitttag war Doris dran, die Sachen in den Schränken und Schubladen zu verstauen, während ich am Nachmittag diese Herkulesarbeit mit dem Einräumen meiner Siebensachen vollendete.
Ein Lichtblick war, dass unsere guten Freunde Elisabeth und Clemens Groth ebenfalls an Bord waren und wir bei sämtlichen Fütterungen der Passagiere (Frühstück, Mittagessen, Kaffeestunde und Gala-Abendessen) immer zusammen an einem Tisch saßen.
Beim heutigen Gala-Abend traten wir selbstredend im feinen Zwirn auf.
Wie ich im ersten Blogeintrag bereits thematisiert habe, hatte sich Phoenix bezüglich der Kleiderordnung an Galaabenden eine neue Formulierung einfallen lassen, die suggerierte, dass für die Herren jegliche Kleidung, die nicht in die Kategorie Smoking, Dinner-Jacket oder Abendanzug fiel, dem Anlass nicht angemessen sei. Eine schicke Kombination genügte demnach diesen gehobenen Ansprüchen nicht mehr.
Nachdem ich Anfang Dezember eine „Protest-Mail“ an Phoenix schickte und gleichzeitig in einer ARTANIA-Facebook-Gruppe eine Diskussion anzettelte, indem ich die neue „verschärfte Kleiderordnung“ dort postete, ruderte Phoenix zurück und das Thema Smoking & Co. war vom Tisch.
Nicht unbedingt wegen meiner E-Mail (eine Antwort habe ich nie erhalten), sondern wegen der Facebook-Diskussion mit weit über 300 Diskussionsbeiträgen. Der allgemeine Tenor war, dass hier Phoenix über das Ziel hinausgeschossen sei.
Schon wenige Tage später wurde für einen Galaabend, wie bisher auch, lediglich „elegante Kleidung“ vorgeschlagen.
3. Reisetag – Donnerstag, 19.12.2024 – Antwerpen/Belgien
Pünktlich um 7:30 Uhr laufen wir in Antwerpen ein.
Antwerpen liegt an der Schelde, 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee. Der Fluss weitet sich im Stadtgebiet zu einer breiten, von Seeschiffen befahrbaren Trichtermündung auf, die über den Meeresarm Westerschelde zur Nordsee führt.
(Quelle: Wikipedia)
Die Pier, an der die ARTANIA festmachte, liegt äußerst zentral in der Nähe des Stadtzentrums.
Gegen 10:30 Uhr starten wir unseren Landgang zusammen mit Elisabeth und Clemens Groth.
Es regnet und es weht ständig ein starker kalter Wind, was dem Wohlbehagen diametral gegenübersteht. Und auch das gleichzeitige Hantieren mit Schirm und Smartphone ist beim Fotografieren bemerkenswert umständlich.
Der erste Eindruck von Antwerpen ist äußerst positiv. Das prachtvolle Gebäudeensemble am „Grote Markt“ hat uns schwer beeindruckt
Aber trotz aller touristischen Verlockungen hatte das Auffinden eines Schuhgeschäfts die höchste Priorität. Warum das?
Weil Doris vorgestern während der Taxifahrt zum Frankfurter Flughafen auf halber Strecke festgestellt hat, dass sie noch ihre Hausschuhe anhatte. Wären das ausgelatschte Filzpantoffel gewesen, hätte sie den Fauxpas wahrscheinlich noch rechtzeitig bemerkt, was bei den „Hybrid-Schuhen“, die man sowohl zu Hause als auch durchaus auf der Straße tragen kann nicht der Fall war. Zum Umkehren war es nun zu spät ...
... und deshalb war jetzt die Anschaffung eines festen Straßenschuhs von Nöten.
Da ein Schuhkauf immer eine aufregende Sache ist, machten wir danach erst einmal Rast in einem urigen Café (Du Muze)
Ob des ekligen Wetters verkürzten wir unseren Stadtrundgang und außer einigen Weihnachtsmarkt-Buden, die sich auf der gesamten Innenstadt verteilten, blieben sonstige touristischen Ziele unbesucht.
Gegen halb drei waren wir dann auch schon wieder zurück auf der ARTANIA.
Wir waren noch nicht ganz in unserer Kabine angekommen, als eine Durchsage des Kreuzfahrtdirektors erfolgte. Er musste den Passagieren leider mitteilen, dass das für morgen geplante Anlaufen von Amsterdam ausfallen müsse. Grund sind die für morgen vorausgesagten starke Winde. Jetzt ist die ARTANIA recht sturmerprobt, aber um per Schiff nach Amsterdam zu gelangen, muss die Schleuse bei Ijmuiden passiert werden. Starker Wind, Schiff und Schleuse harmonieren nun einmal ganz und gar nicht und die Hafenbehörden haben gewarnt, dass eine entsprechende Passage zu gefährlich wäre.
Ergo würden wir erst am nächsten Tag nachmittags mit Ziel Hamburg unseren Liegeplatz in Antwerpen verlassen.
Als Trostpflaster wurde ein kostenloser Bustransfer nach Amsterdam angeboten. Der Bus würde um 8:00 Uhr losfahren und je nach Verkehrslage Amsterdam in 2-3 Stunden erreichen. Um 13:15 Uhr sollte bzw. musste es dann auch schon wieder zurückgehen.
Für uns war das keine Alternative.
Wir waren aber auch nicht böse, noch einen Tag länger in Antwerpen zu bleiben, schließlich sollte morgen das Wetter viel besser als heute sein, mit weniger Wind und ohne Regen.
4. Reisetag – Freitag, 20.12.2024 – Antwerpen/Belgien (2. Tag)
Nach dem Frühstück trabten wir in der gleichen Konstellation wie gestern, also zusammen mit den Groths, gegen 10: 00 Uhr wieder los.
Das Wetter war wie vorhergesagt, zwar mit recht niedriger Temperatur so um die 3° C, aber ab und zu ließ sich sogar die Sonne blicken.
Wie wir auf unserem Weg durch die Stadt feststellen konnten, sind nicht nur die Niederländer ein fahrradaffines Völkchen, sondern auch die Antwerpener.
Und sie sind gekonnte Radfahrer. Sie radeln mit rasantem Tempo auf Straßen und durch Fußgängerzonen. Dabei kann man bewundern, wie sie in den Fußgängerzonen mit viel Geschick und Können um die Fußgänger herumfahren, wie alpine Skifahrer um die Slalomstangen.
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"Diamonds are the girls best friends"
Antwerpen ist die Stadt der Diamanten. An der Hauptgeschäftsstraße zum Antwerpen Centraal liegt ein Laden mit Diamantenschmuck neben dem anderen.
Unser Ziel war Antwerpen Centraal, der Hauptbahnhof, den wir nach einem 30-minütigen Fußmarsch erreichten.
Der Bahnhof kann sich wirklich sehen lassen, sowohl von außen als auch von innen.
In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs stand ein Riesenrad mit dem klangvollen Namen „The View“, das uns magisch anzog. Als einzige Passagiere (von 216 möglichen Fahrgästen in 36 Gondeln) drehten wir exklusiv unsere Runden, um Antwerpen aus 50 Meter Höhe zu erleben.
In luftiger Höhe entdeckten wir ein chinesisches Tor, wie es in vielen Metropolen den Eingang zu einem Chinatown kennzeichnet.
Nach der Riesenradfahrt lenkten wir unseren Weg schnurstracks Richtung Chinatown. Chinatown entpuppte sich aber lediglich als eine kurze China-Street, mit einigen düsteren chinesischen Lebensmittelgeschäften und Restaurants.
Der nächste Punkt auf unserer To-Do-Liste war der Verzehr einer belgischen Waffel, alternativ eine Tüte belgische Pommes. Leider waren die Straßen rund um den Bahnhof 0815-City-Straßen mit Kaufhäusern und Fast-Food-Restaurants und sonstigen Läden, wie man sie in jeder Großstadt findet und die wenig bis gar kein Flair besitzen.
So war die Suche nach einer kleinen Konditorei oder einer Pommesbude, die nicht von McDonalds oder Burger King betrieben wird, erfolglos. Auch in den Seitenstraßen wurden wir nicht fündig.
Aber als brauchbare Alternative fanden wir eine kleine originelle Kneipe, wo wir mit heißem Kaffee und einem Teller mit Käsewürfeln versorgt wurden.
Auf dem Rückweg zur Artania kamen wir dann doch noch in den Genuss der angestrebten Waffel.
Das Ablegen der ARTANIA war für 17 Uhr vorgesehen, verzögerte sich aber um eine gute Stunde, weil einer der Busse mit den Ausflüglern in Amsterdam auf einen Passagier wartete, der bezüglich der Abfahrtszeit 13:15 Uhr mit 14:15 Uhr verwechselt hatte.
Ich fand es übrigens nicht so geschickt, dass der Kreuzfahrtdirektor bei seiner Ansage wegen der Verspätung, diese ganz offen mit dem Warten auf einen schusseligen Passagier begründete. Ich bevorzuge zwar offene, transparente und ehrliche Information und Kommunikation. Aber hier könnte der ein oder andere Spitzklicker daraus die Lehre ziehen, dass man es zwecks Einhalten einer vorgegebenen Abfahrtszeit eines Ausflugbusses gar nicht so genau nehmen muss. Schließlich weiß man ja jetzt, dass geduldig auf verspätete Trödler gewartet wird.
Als kleines Trostpflaster für die ausgefallene Destination Amsterdam und die verspätete Abfahrt von Antwerpen spendierte Phoenix beim Ablegen Sekt und O-Saft.
Nach dem Abendessen machten wir eine Stippvisite auf dem Phoenix-Weihnachtsmarkt in der Kopernikus-Bar auf Deck 8. Hier gab es (gratis) Bratwurst, gebrannte Mandeln und Linseneintopf, wovon die Gäste trotz vorheriger Mahlzeit gerne und reichlich Gebrauch machen.
Ich begnügte mich mit einem Glühwein, um kurz darauf ins gemütlichere Schiffsinnere zu verschwinden und mir in Harry’s Bar noch einen Absacker (alkoholfreies Weizenbier) zu gönnen.
5. Reisetag – Samstag, 21.12.2024 – Seetag
Schon gestern wurde der große Weihnachtsbaum im Foyer vor dem Restaurant "Vier Jahreszeiten" aufgestellt .
Wir vermissen noch die elektrische Eisenbahn, die in den letzten Jahren immer unermüdlich das schön geschmückte Nadelgehölz umkreiste.
Aber wir haben die Hoffnung, dass sie doch noch bis zum Heiligen Abend aufgebaut wird.
Morgen geht die Adventreise zu Ende und es startet die Weltreise.
Wie üblich fand am letzten Seetag der Reise von 11-12 Uhr der allseits beliebte “Stadl-Frühschoppen“ mit Freibier, Weißwurst, Schweinsbraten etc. statt. Wegen des usseligen Wetters wurde diese Vergnüglichkeit nicht im Freien auf Deck 8 in der Kopernikus-Bar, sondern im Schiffsinneren im Restaurant “Vier Jahreszeiten“ zelebriert.
Auch Doris und ich stürzten uns gegen 11:30 Uhr ins Gewühl, um wie hunderte andere Passagiere auch, deftige Speisen zu uns zu nehmen.
Zwar habe ich verabsäumt von diesem Event Fotos zu machen, aber da bis zum Ende unserer Reise noch weitere 7 Stadl-Frühschoppen auf dem Programm stehen werden, wird es irgendwann schon mal klappen.
Wahrscheinlich gehörten wir zu den wenigen Ausnahmen, die nicht um 12:30 Uhr schon wieder zum reich gedeckten Mittagstisch eilten. Wir suchten stattdessen zwecks Ausruhen unsere Kabine auf.
Um 15:30 Uhr mussten wir allerdings schon wieder das Restaurant “Vier Jahreszeiten“ aufsuchen, denn dort wartete die „Weihnachtliche Tee- und Kaffeestunde“.

Fast alle Mitreisenden müssen heute ihre Koffer packen, da sie morgen von Bord gehen.
Wir befürchteten beinahe, auch von Bord zu müssen, denn wir fanden in unserer Kabine 3 grüne Banderolen, die man an den Koffern befestigen soll. „Grün“ bedeutete: Bustransfer von Hamburg nach Frankfurt am 22.12.2024 um 10:00 Uhr.
Der Kabinensteward, der uns diese Abreise-Fazilität in die Kabine gelegt hatte, meinte, dass wir auf der entsprechenden Liste stünden. Er hat aber ohne Widerspruch die Banderolen wieder entgegengenommen, nachdem wir ihm glaubhaft versichern konnten, dass wir noch ein paar Tage länger an Bord bleiben würden.
6. Reisetag – Sonntag, 22.12.2024 – Hamburg
Der Tag begann gegen Viertel vor 5 mit Ungemach. Die Spülung der Vakuum-Toilette in unserer Kabine streikte. Vor dem Schlafengehen war noch alles in Ordnung.
Ein kurzer Anruf an der Rezeption genügte und der Notdienst-Klempner eilte herbei. Er inspizierte kurz unsere Toilette, um sofort wieder zu entschwinden, da das Problem im Leitungssystem außerhalb unseres Badezimmers lag.
Um viertel nach 5 war die Welt wieder in Ordnung, zumindest für uns Passagiere. Der Crew stand ein harter Tag bevor bzw. war der harte Tag schon im vollen Gange.
Seit 2 Uhr in der Nacht mussten die Koffer, die von den abreisenden Passagieren vor den Kabinen in die Gänge gestellt wurden, eingesammelt werden.
Nach dem Anlegen wurde das eingesammelte Gepäck in großen Käfige gestapelt per Kran von der ARTANIA an Land geschafft.
Die umgekehrte Prozedur erfolgt dann am Nachmittag, wenn die neuen Gäste angereist kommen (heute ca. 850 an der Zahl). Das heißt, dass mehr als 2000 Koffer vor die zugehörigen Kabinen, die auf den Kofferanhängern vermerkt sind, zu befördern sind.
Die Kabinenstewardessen und Kabinenstewards müssen die Kabinen auf Vordermann bringen und zwar zwischen 9:00 Uhr, wenn die abreisenden Gäste ihre Kabine geräumt haben müssen bis 15:00 Uhr, wenn die ersten neuen Passagiere an Bord kommen.
Für die Neuankömmlinge stehen sämtliche Crewmitglieder vom Housekeeping parat, um die Gäste auf ihre Kabinen zu geleiten.
Und noch tausend andere Dinge sind zu tun, um eine möglichst reibungslose Ein- und Ausschiffung zu gewährleisten, wie Check-in oder zusätzlicher warmer Imbiss am Nachmittag für hungrige Neuankömmlinge.
Auch der Kreuzfahrtdirektor hat zu tun, er steht mehrere Stunden an der Gangway, erst um jeden einzelnen Abreisenden zu verabschieden und später jeden einzelnen Ankömmling zu begrüßen. Heute allerdings hatte unser Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer Glück, weil jemand anders am Nachmittag die Rolle des Grüß-August übernommen hatte (dazu später mehr).
Dass Passagierwechsel sein muss liegt auf der Hand, aber wenn dieser Stress-Hoch-Drei-Tag alle 5-7 Tage stattfindet, wie jetzt im November und Dezember bei den Kurzkreuzfahrten, ist das schon eine ziemlich harte Nummer, denn normalerweise dauern Kreuzfahrten im Schnitt ca. 3 Wochen.
Also Hut ab vor der Crew!!!
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir mit etwas Wehmut Familie Groth, die den Weg nach Hause antreten wollten.
Nachdem Familie Groth den Reisebus nach Hannover bestigen hatten, machten wir uns für unseren Landgang fertig.
Unser Weg führte (ähnlich wie in Antwerpen) zum Bahnhof. Aber nicht weil der Bahnhof Altona baulich so interessant wäre, sondern weil sich dort ein Lidl befindet. Es war zwar Sonntag, aber für die Geschäfte in Bahnhöfen galt das strenge deutsche Ladenschlussgesetz nicht.
Den Weg dorthin bewältigten wir zu Fuß. Da wir dort nicht nur einen geöffneten Lidl vorfanden, sondern auch eine genauso geöffnete Rossmann Drogerie konnten wir neben Bodylotion (da diesbezüglich vom Housekeeping nichts mehr in die Dusche geliefert wird) und Duschgel (weil das in der Dusche irgendwie nicht allzu toll ist) auch einen kleinen Schirm kaufen, da meiner noch zu Hause liegt, obwohl ich Stein und Bein schwören könnte, dass ich ihn eingepackt hatte.
Bei Lidl erstanden wir noch Batterien, um unser mitgebrachtes Zimmerthermometer damit bestücken zu können.

Gegen 13:00 Uhr trafen die ersten neuen Passagiere im Terminal ein. Die Zeit bis zum Beginn des Check-ins um 15:00 Uhr wurde musikalisch von einem Shanty-Chor überbrückt.
Zurück auf der ARTANIA konnten wir den Ballast, den wir eingekauft hatten, wieder abwerfen, um uns nun zu Fuß Richtung Landungsbrücken zu bewegen.

Ein Kurzbesuch des alten Elbtunnels. Der Eingang ist nur einen Steinwurf weit von den Landungsbrücken entfernt. Auf eine vollständige Unterquerung der Elbe haben wir verzichtet.
Den Rückweg von den Landungsbrücken nahmen wir über die Hafenstraße ...
Die Graffitis der linken Szene waren ein schönes Fotomotiv,
... während bei den 5 jungen zwielichtigen Männern, die augenscheinlich auf Kundschaft für irgendwelche Drogengeschäfte warteten, mein Handy in der Hosentasche blieb.

Dieses Schild befand sich direkt bei der Dealer-Ecke. Übersetzung:
Drogen zu verkaufen ist nicht unser Wunsch.
Wenn man uns erlaubt zu bleiben und zu arbeiten, würde hier niemand etwas verkaufen.
Da ist etwas Wahres dran!
Als wir an einem Fisch-Imbiss vorbeikamen, kam ich nicht umhin, mir dort ein Fischbrötchen (Bismarck) zu kaufen. Der Kauf hat sich gelohnt. Zwar war der Preis von 5,00 € kein Schnäppchen, aber einen so guten Fischweck hatte ich bisher noch nicht gegessen.
Im Hafenterminal trafen wir Hagenows, alte Bekannte, die wir von früheren Kreuzfahrten kennen. Sie fuhren allerdings nicht mit der ARTANIA mit, sondern waren nur da, um das Schiff beim Start für die Weltreise zu verabschieden.

Zurück an Bord dräute schon die für 18:00 Uhr angesetzte Rettungsübung. Über Lautsprecher wurden wir informiert, dass wir im Rahmen der Übung zusätzlich draußen an Deck 4 anzutreten haben und deshalb warme Kleidung anziehen sollten.
Dass es nach den üblichen Einweisungen für den Notfall an den Sammelpunkten, den sogenannten Musterstationen, im Gänsemarsch zu den Rettungsbooten an Deck ging, gehörte noch vor einigen Jahren zum Repertoire einer jeden Übung.
Irgendwann ist man davon abgekommen und dieser Teil einer Schiffsevakuierung wurde lediglich verbal thematisiert.
Warum nun ausgerechnet an so einem ungemütlichen Tag so verfahren wurde wie früher, blieb im Dunkeln. War es eine Idee von Kapitän Hansen, der heute Kapitän Alex Zinkovskyi abgelöst hat? War es Michael Schulz geschuldet? Michael Schulz ist ein “hohes Tier“ bei Phoenix und seines Zeichens “Direktor Schiffsreisen“. Er war heute an Bord, um die Ankömmlinge für die anstehende Weltreise zu begrüßen, eine Aufgabe, die ansonsten der Kreuzfahrtdirektor ausübt.
Aber es half alles nix, mit Hut und Mantel ging’s zur Musterstation, wo in einem ca. 20-minütigen Vortrag das Verhalten in einem Notfall erläutert wurde. Dann wurde das Anlegen der Schwimmweste geübt und mit umgeschnallter Schwimmweste ging es nach draußen.
Ob es gesund ist, erst im Warmen in voller Montur im Schiffsinneren im eigenen Saft zu schmoren, um sich anschließend in den kalten Wind zu stellen, ist sehr fraglich. Der berühmt-berüchtigte ARTANIA-Husten lässt grüßen.
Um 19:00 Uhr legte die ARTANIA ab, ohne viel Tamm-Tamm und Auslaufparty, nur mit einem Gläschen Sekt. Ein erhebendes Gefühl, so am Anfang einer hoffentlich grandiosen Weltreise zu stehen.
Um 20:30 Uhr eröffnete der Phoenix-Weihnachtsmarkt seine Pforten. Zwar fand dieses Event schon einmal vor zwei Tagen statt, aber die meisten Glühweintrinker und Würstchenesser von damals sind ja heute von Bord gegangen.
Für die Crew bedeutete das einen immensen Aufwand. Die gesamte Deko und die Buden mussten abgebaut werden, nur um zwei Tage später wieder aufgebaut und installiert zu werden.
War vor zwei Tagen hier reger Betrieb, waren heute nur eine Handvoll Leute zu sehen, da es regnete. Wirklich sehr schade für Crew und Gäste.

Wo sich vorgestern die Leute gegenseitig auf die Füße getreten sind, herrschte heute beinahe gähnende Leere.
7. Reisetag – Montag, 23.12.2024 – Seetag
Schon gestern Abend hat der Kreuzfahrtdirektor für die Nacht vor Sturm und hohen Wellen gewarnt.
Der morgige Gala-Abend wurde deshalb abgesagt und auf den 1. Weihnachtsfeiertag verschoben.
So ab 4 Uhr morgens fing es an, richtig zur Sache zu gehen. Das Schiff schwankte und schaukelte so stark, dass die ersten Gegenstände durch die Kabine flogen. Wir schoben die Sachen auf dem Schreibtisch möglichst weit von der Tischkante weg und hofften so, alle sicherungstechnischen Maßnahmen getroffen zu haben.
Aber am Morgen war ersichtlich, dass es doch den ein oder anderen Flurschaden gegeben hat.
Die Mandeln vom gestrigen Weihnachtsmarkt hatten ihre Papiertüte verlassen und verteilten sich auf dem Fußboden zusammen mit den Pralinen, die vom Galaabend noch übrig waren.
Schlimmer sah es im Bad aus. Dass sich der Inhalt von Doris‘ Kulturbeutel, den Mandeln nicht unähnlich, auf dem Badezimmerboden wiederfand, war nicht weiter schlimm. Allerdings ist auch ein gläserner Zahnputzbecher zu Bruch gegangen. Wegen der Scherben auf dem Boden, musste das morgendliche Duschen auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Neben dem Duschen fiel aus “windigen“ Gründen auch der heutige, für den Vormittag avisierte Maritime Frühschoppen aus.
Am späten Vormittag beruhigten sich Wind und Wellen allmählich.
8. Reisetag – Dienstag, 24.12.2024 – Seetag – Heiligabend
Heute trafen wir einige von unseren Bekannten an Bord wieder, die gestern wegen diverser Unpässlichkeiten, die der rauen See geschuldet waren, einen Aufenthalt in der Kabine vorgezogen hatten und insbesondere die Restaurants zu den Mahlzeiten mieden.

Obwohl der Sturm schon etwas nachgelassen hatte, waren die Pools noch nicht gefüllt, sodass ein erfrischendes Bad leider nicht möglich war.
Der Vormittag des Heiligen Abend an Bord unterschied sich nicht von den üblichen Seetagen. Shuffle Board, “Bauch, Beine, Po“ etc., also Animationsangebote wie sonst auch.
Ab Nachmittag wurde es dann schon feierlicher; hier einige Programmpunkte aus dem heutigen Tagesprogramm.
Nachdem wir uns während der weihnachtlichen Kaffeestunde ein Stück des sehr schmackhaften Stollens genehmigt hatten, ...
... versuchten wir die so angehäuften Kalorien im Fitnessraum wieder loszuwerden, während in dieser Zeit der Großteil der Passagiere sich zum Weihnachtsliedersingen im Foyer eingefunden hatte.
Zum Abendessen im Lido-Restaurant wurden Reh-Sauerbraten und der Klassiker „Würstchen mit Kartoffelsalat“ angeboten. Wir entschieden uns für die klassische Variante und krönten das Menü hinterher mit einem Eisbecher, womit ein erneuter Besuch im Fitnessraum für morgen wohl notwendig sein wird.
Unser Kabinensteward, Ruben, überraschte uns mit der Überbringung eines Pakets von der Familie Groth.

Das Glas mit Leberwurst wird irgendwann noch hier an Bord einen persönlichen Gourmet-Abend einleiten. 😊
Die elektrische Eisenbahn war tatsächlich aufgebaut, aber es fuhr kein Zug. Die Lokomotive stand bewegungslos mit nur einem angekoppelten Waggon auf dem Gleis, der zweite Wagen war hinter dem Weihnachtsbaum versteckt.
Als der Kreuzfahrtdirektor uns Frohe Weihnachten gewünscht hatte, nutzten wir die Gelegenheit ihm zu erklären, dass wir diese Kreuzfahrt eigentlich nur wegen der elektrischen Eisenbahn gemacht hätten und nun fuhr sie nicht, als hätte sie sich die Deutsche Bahn als Vorbild genommen. 
Er kümmerte sich sofort um die notwendige Bahnsanierung und brachte die Lok mit dem Waggon zum Laufen.
Das Glück währte allerdings nicht lange, da der Waggon entgleiste und von der Schiene genommen werden mussten.
Ergo dreht die Lok nun ohne Waggons ihre Runden, wie weiland die Emma mit Lukas dem Lokomotivführer auf Lummerland.
Mit einer halben Tasse Gulaschsuppe und einigen Käsespießchen vom Late-Night-Snack-Buffet beendete ich den Heiligen Abend. (Doris hat heldenhaft das Buffet ignoriert.)
9. Reisetag – Mittwoch, 25.12.2024 - Seetag – 1. Weihnachtsfeiertag
Seetag ist auch immer Bürotag und "mein" Büro befindet sich seit Jahr und Tag in der ARTANIA-Bibliothek.
Der späte Nachmittag läutete den Galaabend ein, mit Kapitän-Fototermin und Vorstellung der wichtigen Offiziere und Crewmitglieder, wie z. B. die Küchenchefin Katrin Gabardi.
Ein idealer Zeitpunkt für einen Besuch des Fitnessraums, weil dieser dann erfahrungsgemäß leer ist.
Lobend erwähnenswert ist das heutige Gala-Abendessen. Es gab Gänsebraten, Klöße und Rotkohl pur ohne Aufpeppen mit irgendwelchem Schnickschnack der Nouvelle Cuisine oder was man hier an Bord dafür hält. Es hat ausgezeichnet geschmeckt.
10. Reisetag – Donnerstag, 26.12.2024 – Lissabon/Portugal – 2. Weihnachtsfeiertag

Die Linienbusse in Lissabon waren allerdings noch in Feiertagsstimmung (Feliz Natal = Frohe Weihnachten).
Auf der ARTANIA war Weihachten so gut wie vorbei, genau wie in Lissabon auch, denn hier ist der 26.12. kein Feiertag mehr.
Gegen 11:00 Uhr bog die Artania vom Atlantik in den Fluss Tejo. Die Passage verfolgten wir draußen auf dem Promenadendeck, denn wir passierten etliche Sehenswürdigkeiten von Lissabon, bevor wir unseren Liegeplatz an der Santa Apolonia Pier erreichten, als da wären:
- die Hängebrücke Ponte 25 de Abril, die eine große Ähnlichkeit mit der Golden Gate Bridge in San Francisco aufweist,
- die monumentale Christusstatue Cristo Rei, die der berühmten Statue in Rio de Janeiro nachempfunden ist,
- den Torre del Belem, eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons,
- das Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen).
An der Phoenix-Bar wurde heiße Bouillon ausgeschenkt, die vorläufig unser Mittagessen ersetzen musste. Wir wollten nach der Schiffsfreigabe gegen 12:30 Uhr sofort unseren Landgang beginnen, da erfahrungsgemäß bei Ankunft um die hohe Essenszeit die gesamte Schar der Passagiere gleichzeitig die Restaurants flutet.
Für unseren Landgang hatten wir kein großartiges Konzept ausgearbeitet, sondern wollten lediglich ein wenig durch die nahegelegene Altstadt pengeln, allerdings mit einem ganz wichtigen Anlaufpunkt, der Patisserie Nataria Nacional.
Hier gibt es die zweitbesten Pasteis de Nata, eine Spezialität von Lissabon.
Wir hatten sie letztes Jahr schon einmal probiert und für sehr gut befunden.
Die besten und originalen Pasteis gibt es im Stadtteil Belem, aber es wäre etwas aufwendiger, um dorthin zu kommen.
Dass es dort die besten gibt, hat uns vor 3 Jahren ein Fremdenführer glaubhaft versichert und wir konnten uns von dieser Aussage durch Probieren überzeugen.
Aber der Unterschied zwischen Platz 1 und 2 ist kaum merkbar.

Eine Fahrt mit der nostalgischen Straßenbahn war nicht erstrebenswert, es sei denn, man liebt die Enge und Tuchfühlung mit Fremden.
Nach dem Genuss der Pasteis (1,40 €/Stück) ließen wir uns bei lauem Frühlingswetter ein wenig durch die Straßen treiben, um irgendwann zum Schiff zurückzukehren.

Während in Deutschland das Wetter noch kühl, nass und trübe ist, sitzt man hier in den Restaurants und Cafés schon draußen.
Um 19:00 Uhr, es war bereits dunkel, verließ die ARTANIA wieder Lissabon.
11. Reisetag – Freitag, 27.12.2024 – Seetag
Heute war ein ganz normaler Seetag ohne Höhen und Tiefen.
Einzig erwähnenswert ist vielleicht der Diebstahl eines halben Mohnbrötchens.
Und das kam so:
Am Frühstücksbuffet nahm sich Doris ein Mohnbrötchen, teilte es mit dem dort bereitliegenden Brotmesser in zwei Hälften und legte diese auf den Toaster, um selbige so ein wenig aufzupeppen. Nachdem sie noch diverse Leckereien vom Buffet eingesammelt hatte, kehrte sie zum Toaster zurück, um ihre Brötchen abzuholen. Da aber statt zwei nur noch ein halbes Brötchen auf dem Toaster lag, entfuhr ihr der Schreckensruf: „Da hat doch tatsächlich jemand mein Brötchen mitgenommen!“.
Ein in der Nähe stehender Herr spendete ihr mit Hinweis auf das vorhandene Buffet den zwar gutgemeinten, aber wenig passenden Trost: „Es ist ja noch von allem genügend da.“
Denn der Dieb kam ja ungestraft davon und Doris hatte jetzt nur noch die Wahl, entweder mit einem halben Brötchen zu darben oder sich mit eineinhalb Brötchen der Völlerei hinzugeben.
12. Reisetag – Samstag, 28.12.2024 – Arrecife/Lanzarote/Kanaren/Spanien
Sowohl die ARTANIA als auch das Phoenix-Schiff AMADEA waren heute auf dem Weg nach Arrecife, um am frühen Nachmittag dort einzutreffen.
Auf See beglückt uns unser Kapitän regelmäßig mit seiner 10-Uhr-Ansprache. Allerdings wiederholt er oft nur noch einmal mit eigenen Worten das, was der Kreuzfahrtdirektor wenige Augenblicke vor ihm bereits durchgesagt hatte. Oder er teilt uns lediglich irgendwelche Belanglosigkeiten mit, aber heute hatte er eine echte Nachricht. Die AMADEA werde sich etwas verspäten, weil sie vor der Küste von Lanzarote auf ein Flüchtlingsboot mit ca. 20 Leuten getroffen ist. Die AMADEA begleitet jetzt dieses Boot so lange, bis die Küstenwache eintrifft und sich um die Flüchtlinge und das Boot kümmern wird.

Die "Mein Schiff 5" lag an einer ganz anderen Pier, sodass wir uns nicht gegenseitig ins Gehege kommen konnten.
Die ARTANIA legte pünktlich um 13:00 Uhr an der Pier in Arrecife an.
Phoenix bot neben den üblichen Ausflügen auch einen Strandtransfer in den ca. 15 Kilometer entfernten Ort “Puerto del Carmen“ an. Der Transfer sollte 19,00 € pro Person kosten. Doris hatte jedoch über Google Maps und der Internetseite des örtlichen Verkehrsbetriebs (https://arrecifebus.com) herausgefunden, dass sich in der Nähe unseres Liegeplatzes eine Bushaltestelle befindet, von wo wir mit dem Linienbus Nr. 3 ebenfalls nach Puerto del Carmen kommen können und zwar für 3,40 € pro Person (hin und zurück).
Und Glück hatten wir bei dieser Aktion auch noch. Die Busse verkehren halbstündlich und als wir an der Bushaltestelle ankamen, kam schon nach 2 Minuten unser Bus.
Wir stiegen in Puerto Del Carmen auf gut Glück an der Station “Costa Mar“ aus. Hier befindet sich ein sehr breiter Strand, aber ansonsten steppte hier jetzt nicht gerade der Bär.
Eine Ausnahme bildete eine Bude, an der sich viele Leute für den heutigen “Carrera Navidena“ registrieren ließen. „Carrera Navidena“ ist ein 5-Kilometer-Weihnachts-Volkslauf für die ganze Familie.

Die Funktion dieses Turms hat sich uns nicht erschlossen, aber den Cache, der hier gut versteckt war, haben wir gefunden.
Wir nahmen nicht an diesem Lauf teil, sondern hoben stattdessen 2 Geo-Caches und fuhren mit dem Bus wieder zurück.
Auf der Hinfahrt hatten wir gleich beim ersten Stopp einen Lidl gesehen. Deshalb stiegen wir jetzt hier aus, um noch ein wenig zu shoppen. Danach machten wir uns zu Fuß auf zum Hafen. Google Maps meinte, dass ein Fußgänger die Strecke in einer knappen halben Stunde schafft.

Durch diese Mondlandschaft führte einmal ein direkter Weg zum Hafen. Der war nun gnadenlos weggebaggert.
Aber hier irrte Google. Wegen großer Baumaßnahmen war der Fußgängerweg, der normalerweise quer durch Lavafelder führte, gesperrt bzw. gar nicht mehr vorhanden.
Also mussten wir den wesentlich weiteren beschwerlichen Weg an der Hauptstraße entlang um das Lavafeld herum wandern, aus Sicherheitsgründen hinter der Leitplanke.
Zu allem Übel mussten wir am Hafen noch durch eine Sicherheitskontrolle. Neben der ARTANIA und der AMADEA lag noch die AMBITION von der Reederei Ambassador Cruise Line an der Pier. Also mussten von 3 Schiffen die heimwärts ziehenden Passagiere abgefertigt werden. Es standen aber nur 2 Gepäckscanner (für die Rucksäcke, Gürtel etc.) und ein einziger Personen-Scanner zur Verfügung, logisch, dass sich eine sehenswerte Warteschlange bildete.

Vor uns verließ die AMADEA Arrecife.
In Mindelo auf den Kapverden werden wir wieder aufeinander treffen.
Um 20:00 Uhr verließ die ARTANIA ihren Liegeplatz mit Kurs auf die Nachbarinsel Teneriffa.
13. Reisetag – Sonntag, 29.12.2024 – Santa Cruz/Teneriffa/Kanaren/Spanien
Anlegen 8:00 Uhr, Ablegen 13:00 Uhr.
An Tagen mit so einer kurzen Liegezeit kann man als Passagier zwar gut einen Ausflug mit Phoenix machen, aber die “Freigänger“ haben da eher schlechte Karten, insbesondere wenn das Schiff einen derart suboptimalen Liegeplatz hat, wie die ARTANIA heute.
Die Pier ist mehr als einen Kilometer lang und wir lagen ganz hinten.
Vor uns hatte die AMBITION, die wir noch von gestern kannten und das MSC-Schiff Opera festgemacht.
Für die beiden großen vor uns liegenden Schiffe gab es einen Shuttleservice zum Hafenausgang, für uns natürlich nicht.
Nichtsdestotrotz freuten wir uns sehr auf den heutigen Landgang, denn wir wollten uns mit unserer guten Freundin Katharina treffen, die über Weihnachten und Neujahr im Nord-Westen der Insel Urlaub macht. Per Bus kam sie hier nach Santa Cruz an die Nord-Ostspitze der Insel.
Gegen 9:00 Uhr trafen wir an der Plaza de España unter großem Hallo zusammen. Wir setzten uns erst einmal in ein Café, um in Ruhe einen Schwatz halten zu können.
Danach statten wir dem sonntäglichen Flohmarkt und der Obst-Markthalle einen Besuch ab.
Um 12 Uhr waren wir wieder zurück auf dem Schiff, diesmal ohne jegliche Kontrolle. Weder für den Bordausweis noch für unsere Rucksäcke interessierte sich ein Mensch außerhalb der ARTANIA.
14. Reisetag – Montag, 30.12.2024 – Seetag
An Seetagen findet regelmäßig in „meinem Büro“, sprich in der Bibliothek, ab 14 Uhr ein Skatturnier statt. Das bedeutet, dass von 8 Tischen 6 für das Turnier reserviert werden und so für die Nicht-Turnier-Teilnehmer, die den größten Teil der Passagiere ausmachen, nur noch zwei Tische übrigbleiben.
In der Vergangenheit konnte, wenn alle Tische belegt waren, in die Bodega-Bar ausgewichen werden, weil auch dort passende Tische und Stühle zum Arbeiten und Spielen zu Verfügung stehen, im Gegensatz zu Harry’s Bar, wo es nur niedrige Cocktail-Tischchen gibt.
Aber die Bodega gibt es in dieser Form nicht mehr. Beim letzten Werftaufenthalt vor einigen Wochen wurde sie zu einem „Pichler‘s“ umgebaut und umfunktioniert.
Namensgeber für das Pichler’s ist der “Culinary Director“ von Phoenix, das heißt, er ist der Ober-Chefkoch und zuständig für alle Phoenix-Kreuzfahrtschiffe.
Das Pichler’s ist nun ein Spezialitätenrestaurant mit einem besonderen Abendmenü. Um in den Genuss des von Pichler kreierten Dinners zu kommen, muss man sich anmelden, um einen Platz zu reservieren.
Als wir vor einigen Tagen an einem frühen Nachmittag keinen freien Platz mehr in der Bibliothek fanden, wollten wir, wie gewohnt in Bodega-Bar bzw. jetzt ins Pichler’s ausweichen, aber da waren schon alle Tische eingedeckt, sodass wir unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten.
Auch am heutigen Seetag sollte am Nachmittag ein Skatturnier stattfinden und dazu wurden um 11:00 Uhr laminierte Reservierungsschilder auf die Tische gelegt.
Das brachte eine Dame auf den Gedanken, wenn für Skatspieler reserviert wird, warum nicht auch für Bridgespieler.
Sie frage in der Bibliothek eine junge Phoenix-Mitarbeiterin, ob sie für ihre Bridgerunde nicht auch einen Tisch reservieren könne. „Machen Sie!“ war die kurze, positive Antwort der Phoenix-Dame.
Ein Din A4 Blatt mit „Reserviert für Bridge“ war schnell geschrieben ...
... und zur Sicherheit wurde auch gleich das gesamte Bridge-Equipment aufgebaut.
Blieb also für den Nachmittag nur noch ein Tisch für die restlichen ca. 800 Passagiere übrig, der nicht reserviert war.
Als zufällig der Kreuzfahrtdirekter vorbeikam, konnten wir im lockeren Gespräch unsere Sichtweise zu den Reservierungen schildern, dass wir "private“ Reservierungen genausowenig prickelnd fänden, wie auch die (See)-täglichen Skat-Reservierungen. Unser Unmut basierte natürlich auf rein egoistischen Überlegungen, weil an solchen Tagen möglicherweise unser Büro geschlossen bleiben müsste.
Aber unser sehr geschätzter Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer wusste Rat: „Ihr könnt doch ins Pichler’s ausweichen“. Dass dort schon nachmittags voll eingedeckt war, war gegen eine getroffene Vereinbarung zwischen dem Kreuzfahrtdirektor und der Restaurantleitung. Einige Tische sollten nämlich bis 17:00 Uhr nicht eingedeckt werden und frei bleiben, um sie für Spielen, Basteln etc. freizuhalten.
Jörn Hofer versprach sofortige Abhilfe. Und so war es auch.
Am Nachmittag konnten wir nach der Kaffeestunde ins Pichler’s ausweichen, da die Bibliothek voll war.
Wir waren’s voll zufrieden und: „Gut, dass wir darüber gesprochen haben“. 😊
Während der Kaffeestunde hatten wir Spaß, als wir beobachteten konnten, wie eine Passagierin aus dem zur Deko aufgestellte Lebkuchenhaus einen der dort verbauten Marshmallows mit viel Mühe aus dem Dach löste und genüsslich verspeiste.
Zum Glück sind solche Fälle der Genussmittelbeschaffung eher selten (kommen aber vereinzelt doch hin und wieder vor), sonst wären die überall auf dem Schiff platzierten Lebkuchenhäuser in Kürze nur noch Lebkuchen-Bau-Ruinen.
Am Abend wechselten wir von Harry’s Bar in die Casablanca Bar, um dort den von “Doro“ unterhaltsam und gekonnt vorgetragenen Musical-Liedern zu lauschen.
15. Reisetag – Dienstag, 31.12.2024 (Silvester) – Mindelo/São Vicente/Kapverdische Inseln
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Von ganz hinten werden die Fotos nicht ganz so brilliant. Aber man erkennt Jörn Hofer trotzdem ganz gut.
Bis 17:29 Uhr hatten wir noch einen ganz normalen Seetag und ab 17:30 Uhr begannen die Silvesterevents und zwar mit dem 20-minütigen Bühnenstück „Dinner For One“ in der Atlantik-Show-Lounge mit unserem Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer als Butler James.
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Besonders die Leute, die rechts hinter dieser stehenden Dame saßen, hatten schlechte Karten. Sie wollte tatsächlich so die gesamte Aufführung mit ihrem Smartphone filmen. Als Sie zur Ordnung gerufen wurde, trollte sie sich murrend.
Zwei Phoenix-Reiseleiterinnen übernahmen die beiden anderen Rollen, als da wären, die 90-jährige Miss Sofie und der liegende Tiger, über den der Butler bekanntermaßen immer stolperte.
Nach dem Besuch dieses Spektakels mussten wir auch schon gleich raus aufs Promenadendeck, denn wir machten in Mindelo fest.
Genau gegenüber von unserem Liegeplatz lag die AMADEA, die schon einige Stunden vorher angekommen war.
Mittlerweile war auch der Silvester-Gala-Abend im vollen Gange, dem wir uns bekleidungstechnisch natürlich angepasst haben.
Gegen 23:00 Uhr begaben wir uns zur Silvester-Party in die Phoenix Bar am Heck der ARTANIA. In diesem Jahr spielte hier nicht die Haus-Band, die stattdessen in der Pazifik Lounge auf Deck 9 einheizte, sondern ein Diskjockey sorgte mit entsprechender Musik für Stimmung.
Die Phonzahl konnte allerdings locker mit jedem Heavy Metall Konzert mithalten. Wir flohen deshalb drei Decks höher, wo die Lautstärke dann erträglich war.
Das eigentlich Highlight bestand darin, dass Doris in diesem Jahr mit alkoholfreiem Sekt um Mitternacht mit mir anstoßen konnte.
Wieso soll das ein Highlight gewesen sein? Da muss ich etwas weiter ausholen.
Silvester 2017, auf der AMADEA floss kurz vor und nach Mitternacht der Sekt in Strömen, aber für Doris, die keinen Alkohol trinkt, war nirgends ein Glas Orangensaft aufzutreiben und sie konnte daher mit mir nicht anstoßen, was sehr betrüblich war.
Aus dieser Erfahrung haben wir gelernt, dass wir uns um den Mitternachts-O-Saft selbst kümmern müssen, indem wir entweder den Bar-Manager oder alternativ den Hoteldirektor bitten, doch dafür zu sorgen, dass für Doris um Mitternacht ein Gläschen O-Saft zur Verfügung steht. Das hat dann auch mehr oder weniger gut geklappt. Nur einmal wurde der O-Saft-Wunsch dann doch vergessen und ein Kellner musste ihn dann von irgendwoher organisieren und kam gerade noch rechtzeitig kurz vor 24:00 Uhr damit zurück. Aber jedenfalls blieb seither Doris nie mehr auf dem Trockenen.
Eigentlich ist es Standard auf den Phoenix-Schiffen, dass z. B. beim Sektempfang beim Eintreffen der Gäste am Anfang einer Reise oder bei Auslaufpartys die Kellner neben den Gläsern mit Sekt auch immer Gläser mit O-Saft auf dem Tablett haben – nur eben an Silvester nicht und das ist grundsätzlich all die Jahre gewesen und war auch so dieses Silvester 2024.
Ob dem ein Aberglaube, etwa die Angst vor Klabautermännern, zu Grunde liegt oder ob einfach im Phoenix-Silvester-Organisationshandbuch das Kapitel “Organensaft“ fehlt, blieb uns bisher verschlossen.
Aber die Geschichte ging trotzdem sehr gut aus!
Nämlich gestern (30.12.) beim Frühstück kam die „Maître d’hôtel“, Gülten Cebeci, von allen nur Gül genannt, auf uns zu und fragte, was sie uns denn Gutes tun könne.
Sie wusste, dass wir, wie die Jahre zuvor auch, mal wieder das für die Weltreisegäste ausgerichtete Spezial-Dinner geschwänzt hatten, weil erfahrungsgemäß unsere proletarischen Geschmäcker mit der Menüfolge, wie z. B. Lobster und sonstigen exotischen Köstlichkeiten, nicht kompatibel sind.
Als Ersatz dürften wir uns etwas zu trinken wünschen. Doris erklärte, dass Sie mit einem Glas Orangensaft oder einem Gläschen alkoholfreien Sekt an der Phoenix Bar zum morgigen Jahreswechsel voll zufrieden wäre. Gül erhöhte auf eine ganze Flasche Sekt und mein Wunsch nach einem Weizenbier erhielt einen Upgrade auf eine Flasche Wein.
Am heutigen Silvesterabend in Harry’s Bar versicherte uns der Bar-Manager Juanico Amido de Guzmann noch einmal, dass bezüglich Sekt und Wein für uns an der Phoenix Bar alles vorbereitet sei. Er selbst wird dort auch anzutreffen sein, damit sichergestellt ist, dass wir unsere Goodies bekommen.
Und so war es dann auch. Trotz des Trubels und des Stresses, den der Bar Manager, die Kellnerinnen und die Kellner hatten, um die feiernde Meute zu versorgen, wurde ein Kellner abgestellt, die Gläser, die Flasche Sekt für Doris und die Flasche Wein für mich hoch zu uns auf Deck 7 zu bringen.
Für diesen tollen individuellen Service sagen wir ein ganz herzliches: „Dankeschön!“.
Der Count-Down erfolgte traditionsgemäß durch den Kapitän mit 12 Schlägen auf einer Schiffsglocke.
Doris und ich verspeisten, ebenfalls traditionsgemäß, einen Berliner (bzw. Kreppel, wie wir Hessen sagen).
Das Feuerwerk, dass die Stadt Mindelo gezündet hat, war recht beeindruckend und dauerte stolze 20 Minuten.
Kurz vor 1:00 Uhr waren wir dann im Bett, während die AMADEA schon wieder ablegte. Die AMADEA hat es etwas eiliger als wir, da deren Weltreise “nur“ 128 Tage dauert. Die Route ähnelt zwar der unseren, führt allerdings nicht um ganz Südamerika herum , sondern nimmt die Abkürzung durch den Panamakanal.
Und jetzt schau’n wir erst mal, was uns das neue Jahr bringen wird!
16. Reisetag – Mittwoch, 01.01.2025 (Neujahr) – Mindelo/São Vicente/Kapverdische Inseln
Ich bestellte mir das angebotene Katerfrühstück, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass man das auch ordern darf, wenn man keinen Kater hat.
Doris hat sich bereits eine Erkältung eingefangen, sodass heute keine größeren Aktivitäten auf dem Programm standen.
Wenn man aus dem Hafen herauskommt und sich nach rechts wendet, gelangt man in die City von Mindelo. Diesen Weg waren wir bereits zweimal gegangen, sodass wir diesmal nach links abbogen, wo wir zu einem hübschen Stadtstrand kamen.
Nach einem kurzen Fotostopp machten wir wieder kehrt, hoben noch schnell einen Geo-Cache und kehrten alsbald wieder zurück zum Schiff.
Um 17:00 Uhr legte die ARTANIA ab. Das Ablegemanöver beobachteten wir, wie so oft, auf dem Außendeck. Das Ablegen, verbunden mit einem neuen Ziel hat, obwohl schon so oft zelebriert, für uns nichts von seiner Faszination verloren.
17. Reisetag – Donnerstag, 02.01.2025 – Praia/Santiago/Kapverdische Inseln
Praia ist die Hauptstadt der kapverdischen Inselgruppe und ist mit 140.00 Einwohnern die größte Stadt des Landes.
Phoenix bot neben den typischen Ausflugsangeboten, wie z. B. eine Inselrundfahrt, für 7 € auch einen Shuttle in die City an und zusätzlich einen Transfer (ohne Betreuung durch eine örtliche Reiseleitung) in das ca. 15 Kilometer entfernte Cidade Velha (19 €/Person).
Diesen Transfer hatten wir gebucht.
Nach dem Frühstück entschied Doris, dass sie trotz der typischen Erkältungssymptome, wie Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit, den Transfer (mit Maske) mitmachen wollte.
Nach einer ca. 30-minütige Fahrt durch ein karge Gebirgslandschaft (erst hoch, dann wieder runter) erreichten wir gegen 11:00 Uhr das Städtchen Cidade Velha (deutsch: Alte Stadt).
Die Leute leben hier vom Fischfang, Landwirtschaft (Zuckerrohr, Kokosnüsse, Mangos) ...
... und vom (noch recht bescheidenen) Tourismus.

Etwas abseits vom touristischen Marktgeschehen, war dieser Verkaufstisch für die einheimische Kundschaft ausgelegt.
Auf dem Marktplatz wartete man schon auf die Touristen. Auf Tischen wurde ein größeres Angebot mit dem üblichen Andenken-Schnick-Schnack präsentiert.
In einem kleinen Kulturzentrum hingegen konnte man wirklich hübsche kunsthandwerkliche Arbeiten kaufen. Aber unsere Wohnung zu Hause ist bereits gut mit entsprechenden Mitbringseln gefüllt.

Der Pranger am Ort des historischen Sklavenmarktes.
Über drei Jahrhunderte waren die Inseln Schauplatz des transatlantischen Sklavenhandels.
Die Sehenswürdigkeiten waren schnell abgeklappert, als da sind der Pranger am historischen Sklavenmarkt und die „Rua da Banana“, die Bananenstraße, die älteste Straße der Kapverden.
Auf unserem kleinen Rundgang bemerkte ich plötzlich, dass meine Füße nicht, wie auf unseren Landgängen üblich, in dem halbhohen, stabilen, mit einer Profilsohle ausgestattetem Schuhwerk steckten, ...
... sondern ich nur meine leichten, halbhohen, textilen Bordschühchen trug.
Das nahm mit jetzt gehörig Wind aus den Segeln, kann ich doch Doris wegen ihrem Start der Weltreise in Hausschuhen nicht weiter aufziehen.
In einem hübschen Restaurant, dem "Restaurante Old City“ mit herrlichem Blick auf die Bucht, machten wir es uns bis zur Abfahrt unseres Busses um 14:30 Uhr bequem.
Die Preise waren für europäische Verhältnisse moderat - Cola oder Bier: 200 Kap-Verde-Escudo (CVE), das sind ca. 1,80 €, Hamburger mit Spiegelei und Pommes für 400 Escudos. Geschenkt, dass wir auf den Burger über eine Stunde warten mussten, da unsere Bestellung irgendwo untergegangen war, sowas kann passieren. Das Bier kam ja dafür sofort und war immer wunderbar gekühlt.
Dass der Burger, weil dann wohl auf die Schnelle zubereitet, halb roh war und wir den größten Teil übriglassen mussten, Schwamm drüber, die Pommes waren ja in Ordnung.
Auch das Bezahlen sollte eigentlich problemlos mit Kreditkarte funktionieren, zumindest theoretisch. Wegen Verbindungsproblemen mit dem Internet konnte das mobile Kartenlesegerät die Zahlung von 1.400 Escudos nicht abwickeln, wie uns die Bedienung erklärte. Also zahlten wir 15 € in bar, mangels Escudos.
Auf dem Schiff, als wir wieder Verbindung zum Internet hatten, bekam Doris eine Nachricht auf ihr Handy, dass von ihrer Kreditkarte 1.400 Escudos abgebucht worden seien.
Wir sind also auf einen ganz profanen Beschiss reingefallen.
Nachdem nämlich Doris ihre Kreditkarte kontaktlos dem Lesegerät präsentiert und ihre PIN eingegeben hatte, nahm ihr die Bedienung das Gerät sofort aus der Hand und machte uns auf Portugiesisch und viel Gestik klar, dass die Zahlung nicht geklappt hätte. Zur Demonstration streckte sie das Gerät in die Höhe, um anschließend mit betrüblicher Miene aufs Display zu schauen, um zu signalisieren: „Kein Netz!“
Noch völlig arglos, zahlten wir in bar.
Jetzt bringt uns der Verlust des abgebuchten Betrags von umgerechnet 12,70 € nicht um die Existenz, aber so etwas ärgert uns tierisch.
Jetzt könnte man das auch mit der allgemeinen Armut der Bevölkerung entschuldigen, aber gerade Leute, die an vorderster Front im touristisch-gastronomischer Umfeld einen Job haben, wie unsere weibliche Bedienung, sind gegenüber anderen Inselbewohnern sicherlich privilegiert.
Ich habe aus Prinzip den Vorfall per Mail der örtlichen Polizei gemeldet und auch über die E-Mail-Adresse des Restaurants angefragt, ob es sich nur um einen Irrtum oder um Betrug handeln würde und habe natürlich keinerlei Antwort erhalten, womit bewiesen wäre, dass es sich um keinen Irrtum gehandelt hat und dass die Polizei an solchen Bagatellen nicht interessiert ist.
Um 18:00 Uhr legten wir ab und werden nach 4 Seetagen Atlantiküberquerung Brasilien erreichen.
18. Reisetag – Freitag, 03.01.2025 – Seetag
Das Skatturnier findet seit unserem Gespräch mit dem Kreuzfahrtdirektor im Pichler’s statt und nicht mehr in der Bibliothek. Ob mich die Skatbrüder deswegen lieben werden, wage ich zu bezweifeln.
Am Abend in Harry’s Bar kam ich mit einer Kellnerin ins Gespräch. Sie erzählte, dass sie seit 6 Monaten an Bord ist und trotz eines Crashkurses in Deutsch gerade am Anfang Probleme hatte, die Gäste zu verstehen.
So wurde im Kurs z. B. folgendes geübt, zunächst auf Englisch:
Die Kellnerin fragt: Do you want some more coffee?
Mögliche Antworten des Gastes:
- No, thank you
- Yes, please
- Yes, a little
Und nun das Ganze auf Deutsch
Möchten sie noch etwas Kaffee?
- Nein, danke
- Ja, bitte
- Ja, ein wenig
Dass es für den Begriff „a little“ in Deutschland so viele Varianten gibt, waren ihr anfangs gar nicht bewusst gewesen und sie zählte auf:
- ein wenig
- ein bisschen
- a bisserl
- a wäng
- e bissje
- … und noch weiteren Varianten im germanischem Slang.
Viele Passagiere machen sich anscheinend überhaupt keine Gedanken darüber, dass sie, wenn sie in ihrem Dialekt und nicht Hochdeutsch sprechen, die Crew im Service, die hauptsächlich von den Philippinen und aus Indonesien stammt, in arge Verlegenheit bringen.
Für morgen steht der Maritime Frühschoppen auf dem Programm, auf dem frische Austern angeboten werden sollen.
Doris fragte zu diesem Thema unsren Kreuzfahrtdirektor flaxenderweise, wann denn heute Nacht der Austernkutter käme und längs an der ARTANIA festmachen würde, sie möchte das Manöver so gerne fotografieren.
Der gute Jörn Hofer wusste mit dieser Frage natürlich nichts anzufangen, bis Doris ihn aufklärte, dass es doch morgen frische Austern gäbe und die müssen, da wir ja mitten auf dem Atlantik sind, irgenwie herbeigeschafft werden.
Man einigte sich gütlich darauf, dass die Austern doch vor der Reise ganz frisch eingefroren worden sind. 😊
19. Reisetag – Samstag, 04.01.2025 – Seetag
Die Meldung des Tages:
Florante Batul wird endlich einen neuen Vertrag bekommen; er wird allerdings nicht auf der ARTANIA sondern auf der AMADEA zum Einsatz kommen.
Ich hatte ja im ersten Blogeintrag im Kapitel „Reisevorbereitung“ geschildert, dass unser Lieblingskellner Florante seit Monaten auf einen Vertrag wartet.
Normalerweise ist es so, dass nach dem Ablauf eines Arbeitsvertrags über 6 oder 9 Monate ein Vierteljahr „Vacation“, also (unbezahlte) Freizeit ansteht und anschließend ein neuer Vertrag gemacht wird.
Florante ist, warum auch immer, aus dieser sogenannten „Rotation“ herausgefallen.
Deshalb baten wir vor unserer Reise den Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer, in dieser Sache doch mal nachzuhaken, was er auch gewissenhaft getan hat.
Als wir an Bord kamen, erklärte er uns, dass sämtliche Vorgesetzte von Florante, angefangen von den Restaurant-Aufsichten, über Gül, die derzeitige Maître d’hôtel und auch der Hotel-Direktor an Bord, Remo Jahnkow, Florante äußerst schätzten und ihn lieber gestern als heute auf der ARTANIA im Einsatz hätten. Auch sie hatten keine Erklärung für sein „Fernbleiben“.
Die Causa „Florante Batul“ wurde daraufhin an den Hotel Operations Manager bei Sea chefs, Andreas Vespermann, übertragen. Sea chefs ist ein Subunternehmen, dass die Hotel- und Restaurantbetriebe auf den Phoenixschiffen - den sogenannten Hoteldepartments - betreibt. Andreas Vespermann ist seines Zeichens Flottenchef über sämtliche Hoteldepartments von allen Phoenix Hochseeschiffen.
Man hörte erst mal lange nichts, aber heute kurz nach 15:00 Uhr rief uns Jörn Hofer auf der Kabine an, das er wiederum vom Hoteldirektor Remo Jahnkow informiert wurde, dass Florante Batul auf der AMADEA eingesetzt werden wird.
Warum nicht auf der ARTANIA , bleibt derzeit noch im Dunkeln.
Aber egal, Hauptsache Florante hat wieder einen Job.
Und vielleicht ist er im nächsten Jahr wieder auf der ARTANIA, wo wir dann wieder seinen Super-Service genießen können.
Jetzt warten wir aber erst mal ab, bis Florante sich meldet und bestätigt, dass er unterwegs zur AMADEA ist.
20. Reisetag – Sonntag, 05.01.2025 – Seetag
Um 9:15 Uhr erfolgte die Durchsage des Kreuzfahrtdirektors, dass wir in Kürze den Äquator passieren werden.
Er fügte dann noch hinzu, wer ihm das schönste Foto von der Äquatorlinie präsentieren würde, der erhält ein Freigetränk.
Und keine Äquatorüberquerung ohne das Spektakulum der Äquatortaufe, das ab 11:30 Uhr seinen Lauf nahm.
Auch wenn ich diesmal wegen des Andrangs nicht jedes Detail fotografisch festhalten konnte, als da wären z. B. Neptun in Großaufnahme, Einseifen der Täuflinge und deren Sturz in den Pool etc.,

Der Kapitän (mitte) musste Neptun (rechts) Rede und Antwort stehen.
(Smartphone + großer Zoom ergibt unscharfe Fotos.)
... so kann ich als Trost auf noch drei weitere Äquatorüberquerungen auf dieser Reise verweisen.
Die nächste (von Süd nach Nord) erfolgt am 20.4.2024 auf der Höhe von Sulawesi/Indonesien. Die beiden weiteren erfolgen vor der Ostküste Afrikas (Nord nach Süd) und vor der Westküste Afrikas (Süd nach Nord).
21. Reisetag – Montag, 06.01.2025 – Seetag (Heilige Drei Könige)
Heute am Dreikönigtag kam Neptun noch einmal zum Einsatz. Ihm wurde der Wunsch-Weihnachtsbaum übergeben, der seit dem 4. Advent in Harry’s Bar steht.
Von der Möglichkeit auf einen Zettel seine Wünsche aufzuschreiben und an den Baum zu hängen wurde reichlich Gebrauch gemacht.
Noch vor einigen Jahren wurde der Baum an Neptun derart übergeben, dass er einfach über Bord geworfen wurde. Das macht man nicht mehr, um zu verhindern, dass Segel- oder Fischerboote mit dem Baum kollidieren.
Neuerdings holt also Neptun den Baum persönlich ab und schreddert ihn irgendwo im Bauch der ARTANIA. Das soll aber bezüglich der Erfüllung der Wünsche absolut geleichwertig mit dem Werfen über Bord sein.
Heiliger Klabautermann sind die Passagiere abergläubig, einschließlich Doris und mir!
Heute ging der 3. Blogeintrag online. Das ist für mich insofern interessant, dass ich sehen kann, ob und wie die Zugriffszahlen steigen.
Ein absoluter Rekord seit mehr als 10 Jahren Bloggerei war am 28.12.2024 zu verzeichnen. Das war ein Tag nachdem der 2. Blogeintrag online gegangen ist und dies über einen Newsletter und über Facebook publik gemacht wurde.
Der Zugriffszähler meldete damals fast 1.500 Besucher. An „normalen“ Tagen, dass sind Tage, an denen die letzte Veröffentlichung schon ein bisschen zurück liegt, liegen die Zugriffszahlen so zwischen 100 und 300 pro Tag.
22. Reisetag – Dienstag, 07.01.2025 – Recife/Brasilien
Anlegen im Liegen.
Um 6:30 Uhr machte die ARTANIA an der Pier in Recife (1,6 MIllionen Einwohner) fest, zu früh, um schon das Bett zu verlassen und an der Reling zu stehen.
Der Start in solche “Landtage“ ist bei uns immer gleich. Aufstehen 7:30 Uhr, Frühstück 8:30 Uhr bis 9:30 Uhr. Die Stunde hierfür brauchen wir, denn Frühstück ist jedes Mal der erste Höhepunkt des Tages.
Nach dem Frühstück wird sich für den Landgang fertig gemacht, dazu gehört Rucksack packen, Sonnenschutz auftragen, „Ausgeh-Klamotten“ anziehen (einschließlich vernünftigem Schuhwerk (siehe hierzu auch Eintrag vom 2.1.2025). Und dann noch dies und dann noch das, alles gemütlich und in Ruhe, und schwupps ist die nächste Stunde vorbei. Es ist fast immer genau 10:30 Uhr, wenn wir das Schiff verlassen.
Noch an Bord bekamen wir heute die Durchsage des Kreuzfahrtdirektors mit, dass sich im Hafenterminal eine Wechselstube befindet. Aber um Geld wechseln zu können, muss man einen Reisepass vorlegen können oder zumindest eine Fotokopie desselben. Alternativ könne man auch ein digitales Foto des Passes per WhatsApp oder E-Mail verschicken. Allerdings blieb bis dato, die Antwort, wohin schicken, noch offen.
An der Rezeption, wo alle Pässe aufbewahrt werden und zur Freigabe des Schiffes dort auch bleiben mussten, wurden jetzt auf Wunsch Fotokopien angefertigt, Das hätte dort zu einer langen Schlangenbildung geführt hätte und der Kreuzfahrtdirektor bat über Lautsprecher um Geduld.
Da wir farbige Passkopien schon zu Hause schon angefertigt hatten und diese auch immer mit an Land nehmen und die auch noch zusätzlich als PDF auf dem Smartphone haben, konnten wir froher Dinge mit dem Shuttlebus zum Terminal am Hafenausgang fahren, wo wir nach wenigen Fahrminuten ankamen.
An der Wechselstube waren Aushänge angebracht, die noch einmal bestätigten, was der Kreuzfahrtdirektor über die Reisepässe durchgesagt hatte, unter anderen auch, dass man eine Kopie per WhatsApp schicken könne. Aber auch hier fehlte die Angabe eines Ziels für das Versenden.
Der Andrang am Schalter (dem einzigen) der Wechselstube war überschaubar, nur zwei Leute vor uns.
„Schon“ nach 20 Minuten waren wir endlich dran.
Warum ein Wechselvorgang mehr als 10 Minuten gedauert hat? Hier die Erklärung:
Die Dame am Schalter musste bei jedem Geldwechsel erst einmal mühsam die Daten vom Pass oder der Kopie per Tastatur in den Computer übertragen. Das ist sicherlich für eine Brasilianerin nicht einfach, deutsche Straßennamen, Ortsnamen, Vor- und Nachnamen zu übertragen. Da wurde jeder Buchstabe einzeln angeschaut und auf die Tastatur übertragen. Nachdem das bewerkstelligt war, fotografierte die Dame die Kopie mit ihrem Handy und schickte das so angefertigte Foto über irgendeinen Kommunikationsweg (WhatsApp?) ebenfalls auf ihren Computer.
Über eine separate Rechenmaschine erfolgte die eigentliche Währungsumrechnung, deren Ergebnis ebenfalls noch in den Computer eingegeben werden musste.
Dieser spuckte dann eine Art Kassenbon aus, den man zu unterschreiben hatte und erhielt schließlich die brasilianischen Real (R$) ausgehändigt.
Wenn ich mich jetzt nicht verrechnet habe, konnten so in den folgenden 2 Stunden noch etwa 12 ARTANIA-Gäste abgefertigt werden. Da werden wohl nicht alle Wechselwilligen zum Zuge kommen.
Wir konnten jedenfalls mit 290 Real in der Tasche, die wir für 50 US-Dollar erhalten hatten, jetzt frohgemut in die Stadt ziehen.
Doris hatte eine Route ausgearbeitet, auf der einige Sehenswürdigkeiten lagen und wir trabten los.

An den touristischen Hotspots, wie hier im "Casa da Cultura", traf man auf die Phoenix-Ausflugsgruppen.

Ein Straßenzug in der Nähe des Rio Capibaribe war fest in der Hand zahlreicher Zierfischhändler. Artgerechte Tierhaltung geht anders.
Nach ungefähr 9 Kilometer bei 30° im Schatten (und Schatten war eher rar) und dem Erwerb einiger Schnäppchen, als da sind:
- eine Trinkflasche (10 Real ~ 1,70 €),
- ein Bluetooth-Lautsprecher (25 Real) und
- 12 bunte Karabinerhaken (10 Real),
kamen wir ziemlich groggy gegen 16:00 Uhr wieder am Hafenterminal an.
Zum Abendessen gingen wir heute nicht ins Lido-Restaurant, sondern bestellten uns in Harry’s Bar jeder eine Pizza-Salami, die uns sehr mundete.
Diverse kleine Gerichte kann man nämlich den ganzen Tag über in allen Bars oder in der Kabine ordern. Das offizielle Abendmenü hat uns heute nicht so richtig zugesagt. Zur Auswahl standen:
- Strammer Lachs,
- Hirsch Pot au Fu,
- Penne Pasta al Buffo con Tonno.
Am Abend fand in der Atlantik-Show-Lounge die beliebte Crew-Show statt, die, wie alle Shows dort, auf Kanal 55 des Bordfernsehens übertragen wurde. So konnten wir sie bequem vom Bett aus anschauen. Das Anschauen, zumindest von Ausschnitten, ist praktisch Pflichtprogramm, da die Teilnehmer in der Crew am nächsten Tag fragen, ob man die Show gesehen hat. Da darf man nicht ganz unwissend dastehen.
23. Reisetag – Mittwoch, 08.01.2025 – Maceió/Brasilien

Nach dem Frühstück war noch genügend Zeit um einen ersten Eindruck von unserem Liegeplatz und der Umgebung zu bekommen.
Und wieder haben wir schon um 6:30 Uhr angelegt und wieder standen wir nicht an der Reling.
Da wir im Hafengelände nicht laufen durften, gab es einen Shuttleservice, wobei das Wort Service jetzt nicht wörtlich zu nehmen ist.
Wir bestiegen den schon wartenden Bus, der Platz für 40-50 Personen hatte.
Wir saßen bereits eine gute Viertelstunde im Bus
als er plötzlich …
… immer noch nicht losfuhr.
Ein Passagier (einer von den fünf, die im Bus saßen) erbarmte sich und fragte den Fahrer, wann er denn losfahren wolle. Der Passagier sprach nur Deutsch und Englisch und der Busfahrer nur Portugiesisch. Der Passagier kam mit der Meldung zurück, dass die Fahrt in 15 Minuten starten würde (wie er das dem portugiesisch sprechenden Fahrer entlockt hat, weiß ich nicht). Kaum aber hatte er uns die Information überbracht, setzte sich der Bus in Bewegung und nach 3 Minuten waren wir am Hafenausgang. Da Shuttlebusse auf solchen Kurzstrecken nicht nach Fahrplan fahren, brauchte der Fahrer wohl einen kleinen Anschubs (Sprache egal) durch einen Passagier, um in die Gänge zu kommen.
Auf dem Parkplatz, wo wir ausstiegen, schien eine Völkerwanderung stattzufinden. Die Erklärung war ganz einfach. Mit uns lag das MSC-Schiff Grandiosa im Hafen. Dort passen fast 6.500 Passagiere drauf plus 1.700 Mann/Frau Besatzung.
Die Völkerwanderung zog zielstrebig in die nahegelegene große Markthalle „Mercado Artes 31“, um sich dort an den reichlich vorhandenen Souvenirständen zu tummeln oder die zahlreichen gastronomischen Angebote zu nutzen.
Doris und ich betraten ebenfalls die Halle, verließen sie jedoch gleich am anderen Ende wieder, um einen kleinen Stadtbummel zu starten. In der Stadt selbst waren Touristen eher rar.

Die Phoenix-Reiseleitung warnte vor der hohen Kriminalität in Brasilien und riet nur wenig Bargeld mitzunehmen und keinen auffälligen Schmuck zu tragen.
Aber in allen brasilianischen Häfen, in denen wir anlegten, sorgte die hohe Präsens von Polizei und Militär-Polizei für relativ große Sicherheit für uns Touris.

Gar nicht so weit von unserem Liegeplatz befand sich ein breiter, kilometerlanger, schöner Sandstrand.
Nach einer guten Stunde waren wir wieder an der Shuttlebus-Haltestelle. Diesmal gab es keine Wartezeiten und wir kamen, was für uns eher ungewöhnlich ist, rechtzeitig zum Mittagessen zurück aufs Schiff.
Am Abend fand noch einmal die Crew-Show statt, da bei dem regen Interesse der Gäste die Atlantik-Show-Lounge an nur einem Vorstellungstermin dem Besucherandrang nicht gewachesen gewesen wäre.
24. Reisetag – Donnerstag, 09.01.2025 – Salvador da Bahia/Brasilien
Heute war für die Crew um 10:00 Uhr eine Rettungsübung angesetzt. Diese Übungen sind etwas komplexer als die Rettungsübung für uns Passagiere. Hier trainiert die Crew z. B. die Aktivitäten, die beim Ausbruch eines Feuers an Bord notwendig sind.
Um 9:15 Uhr, wir saßen gerade im Restaurant ARTANIA beim Frühstück, erfolgte eine Durchsage, dass aufgrund einer unerwarteten externen behördlichen Kontrolle die Rettungsübung ersatzlos gestrichen werden muss. Für diese „externe Kontrolle“ werden wohl die Offiziere gebraucht, die eigentlich für die Durchführung und Überwachung der Übung notwendig gewesen wären.
Jedenfalls brach noch während der Durchsage bei dem anwesenden Servicepersonal, einschließlich der Restaurant-Aufsicht, tosender Jubel aus. Die Freude gipfelte in dem Gesang des Ballermann-Hits „Hey Baby“, der schon gestern Abend auf der After-Show-Party von den Show-Teilnehmern begeistert geschmettert wurde.
Der Ausfall der Übung bedeutet nämlich für viele eine ungeplante bzw. verlängerte Landgangsmöglichkeit.
Unser Liegeplatz lag günstig in der Nähe der Altstadt, genauer der Oberstadt. Die Oberstadt musste allerdings erst erklommen werden, da sie sich auf einem 60 Meter hohen Plateau befindet und unser Schiff sich, wie nicht anders zu erwarten, auf Meereshöhe befand.
Das "Erklimmen“ war allerdings recht bequem, denn hierfür konnten wir kostenlos die „Plano Inclinado“ nutzen, eine Standseilbahn aus dem Jahre 1889.
Ein wenig Schlangestehen war allerdings angesagt, bevor wir den Waggon besteigen konnten.
Das Beobachten des Auspressens von Zuckerrohr mit dieser Maschine verkürzte die Wartezeit in der Schlange.
Die Oberstadt ist hauptsächlich touristisch geprägt und so stürzen auch wir uns in das touristische Treiben.
Nach dem Besuch der Kathedrale und dem Betrachten von diversen Kolonialbauten, ähnlich denen, denen wir schon im Recife und Maceió begegnet sind, zog es uns wieder zurück aufs Schiff.
Da wir heute erst um 22:30 Uhr ablegen, wurde von Phoenix eine Folkloregruppe engagiert, die um 21:00 Uhr hinten an der Phoenix-Bar tanzte und musizierte.
Da es bereits um 20:00 Uhr nur noch Stehplätze mit nur geringer Chance dem folkloristischen Geschehen folgen zu können gab, blieben wir dem Ereignis fern.
25. Reisetag – Freitag, 10.01.2025 – Ilhéus/Brasilien
Auch der heutige Liegeplatz in Ilhéus, einer Stadt mit 220.000 Einwohnern, zeichnete sich nicht gerade durch seine betörende Schönheit aus.
Ein Shuttlebus brachte uns zu unserer gewohnten Zeit (10:30 Uhr), diesmal ohne längere Standzeiten, zum Hafenausgang (Fahrzeit 10 Minuten).
Unser Plan heute: Spaziergang zum ca. 3 Kilometer entfernten Monumento do Cristo Redentor, einer Statue, ähnlich der in Rio de Janeiro, nur nicht ganz so groß, statt 30 Meter bringt es die hiesige Statue nur auf 7 Meter.
Bei vielen unserer Unternehmungen ist der Weg das Ziel, weil es meist etwas zu entdecken gibt, etwas Schönes oder etwas Skurriles, was auch immer, etwas, wo man eben hinguckt.
Das war heute nicht so richtig der Fall. Wir marschierten auf einer langweiligen schattenlosen Promenade am Rande einer stark befahrenen 4-spurigen Straße.

In der Katedrale war die Krippe noch aufgebaut. Im katholischen Kirchenjahr geht die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar (Mariä Lichtmess).
Einer der wenigen Lichtblicke, die Catedral de São Sebastião. Wikipedia schreibt hierzu: Die Kathedrale São Sebastião wurde im neoklassischen Stil zwischen 1931 und 1967 gebaut.
Unser Ziel, die Christus Statue, stand auf einem geschotterten Parkplatz und mehr als ein Fotostopp war hier eigentlich nicht angebracht.
Aber nur einen Steinwurf weit weg befand sich eine kleine wunderschöne Halbinsel mit einem von Einheimischen genutzten Strand.
Gegenüber dieser Halbinsel befand sich eine bescheidene Strandbar, in der wir einkehrten. Wir waren die einzigen Gäste.
Strom gab es nicht, die Getränke wurden in Styroporkisten mit Eis gekühlt.
Die Preise waren Ok, die Dose Cola oder Fanta für umgerechnet 1 €.
Ermutigt durch unsere Zeche, bot uns die “Wirtin“ am Tisch einige Tütchen mit Erdnüssen an, die wir ihr zuliebe auch kauften. Die darauffolgende Verkaufsveranstaltung für Bonbons, Schokolade, Kekse und Sonstiges aus ihrem Sortiment konnten wir aber relativ rasch und unbeschadet überstehen. Unser freundliches „Não, obrigado!“ (Nein, danke) wurde nämlich ebenso freundlich akzeptiert.
Vor dem langweiligen Rückweg graute uns ein wenig, aber in Brasilien gibt es ja den Fahrdienst Uber. Und eine, wenn auch schwache Internetverbindung mit Hilfe unserer E-SIM-Karten, hatten wir auch, sodass wir ein Fahrzeug ordern konnten. Innerhalb weniger Minuten war es da und brachte uns für ungerechnet 1,50 € zurück zum Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung, wo uns der Shuttlebus zurück zur ARTANIA brachte.
Am Abend war Harry’s Bar ungewöhnlich voll. Das lag schlicht und ergreifend am Wetter – es regnete. Dadurch wurde die geplante Show „Viva la Vida“, die draußen an der Phoenix-Bar stattfinden sollte, ins Innere des Schiffs, in die Pazifik-Show-Lounge auf Deck 9, verlegt.
Aufführungen in der Pazifik-Show-Lounge sind eher nur für einen kleinen Publikumskreis geeignet. Eigentlich spielt hier abends eine Band zum Tanz auf. Die Bands wechseln alle paar Monate - zurzeit ist die Elena-Band an Bord.
26. Reisetag – Samstag, 11.01.2025 – Seetag
Wenn der Stadl-Frühschoppen stattfindet, ist das ein Indiz, dass der derzeitige Reiseabschnitt bald zu Ende geht. Diese Veranstaltung mit Freibier, Frohsinn und Ballermann-Musik findet in der Regel am letzten Seetag einer Reise statt – so auch heute.
Dieser Event trifft zieht dann meist noch die abendliche Abschiedsgala nach sich.
Da ich mit meiner täglichen Berichterstattung nun schon am Ende bin, kann ich den freien Platz hier auf der Internetseite dazu nutzen, über ein mittlerweile gelöstes Suppenproblem im Lido-Restaurant zu schreiben.
Wenn wir dort zu Mittag oder Abend essen, eilen wir nicht gleich zur Öffnungszeit dorthin, sondern gehen eher etwas später, weil dann der größte Schub an hungrigen Menschen bereits abgefüttert wurde und das Restaurant nicht mehr so voll ist.
Irgendwann fiel mir negativ auf, dass die Suppen, die eigentlich immer ganz gut schmecken, sehr oft nur noch lauwarm waren.
Deshalb sprach ich Antony, den wir schon seit vielen Jahren gut kennen, darauf an. Antony ist zur Zeit die Restaurantaufsicht im Lido.
Er versprach sich zu kümmern.
Und das hat er auch getan. Die Suppen waren fortan wieder heiß und das nicht nur am Anfang der Restaurant-Öffnungszeiten.
Die Erklärung war dann auch recht trivial. Die beiden Töpfe mit den Suppen, aus denen man sich selbst bedient, stecken in einer Anrichte und können elektrisch beheizt werden.
In einem der beiden Töpfe wurde eines Tages mittags Kaltschale angeboten und deshalb sinnvollerweise die elektrische Heizung abgestellt, genauer, es wurde der Temperaturregler auf Null zurückgedreht.
Leider hatte danach niemand mehr den Regler hochgestellt, bis Antony dann der Sache auf den Grund gegangen ist. 😊
Frage an die Kommentatoren in den Phoenix- und ARTANIA-Facebookgruppen, die gerne konstruktive Kritik mit Meckern gleichsetzen: Ihr hättet tatsächlich weiterhin klaglos lauwarme Suppe gelöffelt?
27. Reisetag – Sonntag, 12.01.2025 – Búzios/Brasilien
Búzios ist ein beliebter Ferienort im Bundesstaat Rio de Janeiro. Einst war es ein verschlafenes Fischerdorf und wurde dann in den 60er Jahren durch Brigitte Bardot „entdeckt“, es folgte einiges an Prominenz und heute gilt der Ort als die Perle der Costa do Sol in Brasilien. Rund 30.000 Einwohner sind hier zuhause; die wichtigsten Industriezweige sind der Fischfang und der Tourismus. Das historische Ortszentrum liegt auf einer 16 qkm großen, hügeligen Halbinsel. Rings um die Halbinsel liegen 25 Strandbuchten, die zu den schönsten Brasiliens gezählt werden. Auch das ganzjährig ausgeglichene maritime sowie die relative Nähe zu Rio de Janeiro (170 km) tragen zur Beliebtheit von Búzios bei, weiterhin das durch strenge Bauvorschriften gut erhaltene Fischerdorf-Ambiente.
Quelle: Phoenix-Landgangsinformation
Gegen 8:00 Uhr warf die ARTANIA den Anker vor Búzios, weil es hier keine Pier für so große Schiffe gibt.
Obwohl, so groß sind wir ja eigentlich gar nicht, das MSC-Schiff GRANDIOSA ist viel, viel größer und auch sie lag in Sichtweite auf Reede. Die GRANDIOSA mit ihren 5.000 Passagieren ist uns ja bereits vor einigen Tagen in Maceió begegnet.
Gegen 10:00 Uhr tenderten wir an Land und betraten, um es freundlich auszudrücken, einen quirligen Ort.
Ein nicht abreissender Strom von Menschen bevölkerte die Promenade.
Aus südlicher Richtung der Promenade, wo sich auch unser Anleger für das Tenderboot befindet, strömten die Massen von einheimischen Touristen Richtung Norden, infiltriert von einer vernachlässigbar kleinen Menge von „Artanianern“, die von den Tenderbooten im Viertelstunden-Takt ausgespuckt wurden. Aus der Gegenrichtung, also aus Norden, kamen die Passagiere der GRANDIOSA und die Einheimischen, die sich schon wieder auf dem Rückweg befanden.
Außer Restaurants, Hotels und Souvenirläden gab es noch die Bronzestatue der Brigitte Bardot.
Was der armen Statue so angetan wurde, natürlich in der Hauptsache von Männern, wäre auf keine Kuhhaut gegangen, aber Bronze kann das wohl ab.
Allzulange dauerte unser Landgang in dieser touristischen Hochburg nicht.
An der Tenderstation erwartete die Heimkehrwilligen eine Erfrischung.
Wenn die ARTANIA an einer Pier liegt, wird Saft oder Eistee an der Gangway angeboten.
Eine schöne Geste von Phoenix.
Irgendwann fuhren wir wieder zurück auf die ARTANIA, wo wir einen ruhigen, gemütlichen Nachmittag verbrachten.
Nur bei der Kaffeestunde ging es etwas ruckelig zu.
An „Landtagen“ findet sie oft nicht wie an Seetagen im Restaurant Vier Jahreszeiten plus in Harry’s Bar statt, sondern im Lido-Restaurant, weil dann sehr viel weniger Passagiere an Bord sind. Der Rest ist auf Ausflug oder erforscht auf eigene Faust die jeweilige Destination. Aber heute, bei einem solchen nicht besonders attraktiven und interessanten Ziel, waren am Nachmittag die meisten Passagiere schon wieder zurück.

Wenn diese beiden Lästermäuler, Waldorf und Statler, im Blog auftauchen, ist irgendetwas rund um die ARTANIA "suboptimal" gelaufen.
Das war auch zu erwarten, nur anscheinend von den Planern der Kaffee-Stunde nicht. Das Lido war rappelvoll und die Kellner kamen mit Kaffee einschenken, abräumen, wieder neu eindecken kaum nach. Kurzum, es war hektisch und ungemütlich und der gewohnte Service musste leiden.
Dann ging auch noch die Schwarzwälder Kirschtorte (die es nur an Sonntagen gibt) zur Neige und der daraufhin versprochene Nachschub blieb aus. Stattdessen wurde kommentarlos irgendein anderer Kuchen präsentiert.
Und genau diese Unbilden hatte Doris schon heute Morgen prophezeit. (Nur mit der Vorhersage der Lottozahlen tut sie sich noch ein wenig schwer.)
28. Reisetag – Montag, 13.01.2025 – Rio de Janeiro/Brasilien
So war es im Tagesprogramm zu lesen, das wir am Vorabend unseres 3-tägigen Aufenthalts in Rio de Janeiro erhalten hatten.
Die hohe Wahrscheinlichkeit Corcovado und Zuckerhut zu einer etwas christlicheren Zeit zu Gesicht zu bekommen, ließ uns die Einfahrt verschlafen. Wach wurden wir erst durch das Vibrieren des Schiffs, als es unter Zuhilfenahme der Bugstrahler an der Pier am Passagierterminal anlegte.
Beim Blick aus unserem Fenster sprang uns sofort die erste Sehenswürdigkeit ins Auge – das Etnias Mural (ethnisches Wandbild). Dieses Werk des Künstlers Eduardo Kobra gilt als größtes Graffiti der Welt mit einer Höhe von 15 und einer Länge von 170 Metern. Es wurde anlässlich der Olympiade 2016 in Rio geschaffen.
Eine genauere Inspektion des Werks musste ebenfalls auf später verschoben werden, denn um 10:00 Uhr sollte Marion am Ausgang des Terminals auf uns warten. Marion (Rölleke) ist lizenzierte Fremdenführerin. Vor ziemlich genau 10 Jahren hatte sie uns für 2 Tage die Hauptsehenswürdigkeiten von Rio gezeigt. (siehe auch den entsprechen Eintrag im Blog von 2015: hier der Link).
Wir waren mehr als zufrieden und haben sie deshalb gerne wieder gebucht, mit der Bitte Ziele auszusuchen, die wir noch nicht von damals kannten, mit Ausnahme des Zuckerhuts, auf den wir gerne auch ein zweites Mal hochfahren wollten. Unser einziger konkreter Wunsch war der Besuch einer Samba-Schule.
Am Terminalausgang gab es dann eine kleine Überraschung. Marion hatte ihre Tochter Julia mitgebracht, weil diese ein wenig in das Touristikgeschäft ihrer Mutter reinschnuppern wollte.
Nach einer überaus herzlichen Begrüßung fuhren wir los. Marion am Steuer, meine Wenigkeit daneben und die beiden “Mädels“ hinten, denn so hatte Marion die Sitzordnung festgelegt.
Die erste Station war die Kirche des Klosters Sao Bento do Rio de Janeiro, die uns Marion als die schönste Kirche Brasiliens angekündigt hatte.
Das war gewiss nicht übertrieben. Die Wände und die Decke des gesamten Kirchenschiffs sowie der sieben Seitenkapellen sind vollständig mit Holzschnitzereien verkleidet, teilweise vergoldet. Solch eine Pracht!
Obwohl schon beim letzten Mal aufgesucht, machten wir dennoch einen kurzen Abstecher an die Copacabana, dem berühmtesten Strand von Rio.
Eigentlich ist Copacabana ein Stadtteil von Rio mit 150.000 Bewohnern, aber im touristischen Sprachgebrauch ist „die Copacabana“ der Strand, den wir eigentlich gar nicht sooo toll finden. Marion gab uns recht und versprach, uns morgen einen schöneren zu zeigen, nämlich den Strand im Stadtviertel Barra da Tijuca, dem Viertel im Westen von Rio, wo sie auch lebt.
Das nächste Ziel, das wir ansteuerten, war der 360 Meter hohe Aussichtspunkt Dona Marta, wobei der Weg dorthin schon beinahe das Ziel war, denn wir fuhren durch die verschiedensten Stadtteile mit den unterschiedlichsten Charakteristika, die uns Marion wortreich nahebrachte.
Nachdem wir die Ausblicke in alle Himmelsrichtungen von Dona Marta genossen hatten, hatte wir schon die wichtigsten Highlights von Rio „“im Sack“, zumindest optisch,
als da wären: Der Zuckerhut, ...
... die Christus Statue, ...
<
... das Maracána Fussballstadion, die Guanabara-Bucht (hier fanden bei der Olympiade 2016 die Segelwettbewerbe statt) und die Lagune Rodrigo de Freitas.
Den krönenden Abschluss der heutigen City-Tour bildete der Besuch einer Sambaschule.
Unter einer Sambaschule ist keine Tanzschule zu verstehen, wo Samba gelehrt wird. Vielmehr handelt es sich um eine Art Karnevalsverein, wobei der „Vereinszweck“ die Teilnahme an der offiziellen Karnevalsparade beim Karneval in Rio im Sambódromo ist. Die verschiedenen Sambaschulen treten hierbei im Wettbewerb gegeneinander an.
Die Sambaschulen präsentieren sich dort für je 90 Minuten mit ihren Prunkwagen und Fuß- und Musikgruppen. In den Paraden treten bis zu 6000 Tänzer und Sambatrommler auf, die von einer Jury bewertet werden.
Ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga gibt es auch hier verschiedene Ligen (A, B, C, …), deren zugehörige Sambaschulen im Wettbewerb stehen. Die bestbewerteste Schule einer Liga, steigt in die nächst höhere Liga auf, die Schule mit der schlechtesten Bewertung steigt ab. Die höchste Liga ist die A-Liga. Das große Finale der Liga A findet am Fastnachtsfreitag und am Rosenmontag im Sambódromo statt.
Ein Sieg in dieser Liga ist das Größte für eine Sambaschule und wird mehr gefeiert als eine Deutsche Meisterschaft in der Fußball Bundesliga.
So lernten wir also bei unserer Führung bei Acadêmicos do Grande Rio, dass die Karnevalsparade in Rio überhaupt nicht mit den Rosenmontagszügen im Mainz, Köln und Düsseldorf zu vergleichen ist.
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Die Wagen in den Hallen waren streng geheim (Fotografierverbot).
Dieser hier ist wohl ein Überbleibsel aus dem Vorjahr.
Es ist fast unvorstellbar, welcher Aufwand für den Bau der Motivwagen und der Kostüme getrieben wird.
Diese Arbeiten werden in einer großen Halle durchgeführt. Hier wird das ganze Jahr über geschweißt, geschraubt, dekoriert, gebastelt, und geschneidert und das alles für die entscheidenden 90 Minuten.
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Die junge Dame informierte umfassend über die Aktivitäten der Sambaschule Grande Rio, die sich 2022 als Sieger der A-Liga feiern konnte.
In dieser Fabrikhalle der Sambaschule war fotografieren streng verboten.
Wir bekamen deshalb alle einen Umhängebeutel ausgehändigt, in den wir unsere Smartphones stecken mussten.
Neben all diesen ausführlichen Informationen war auch noch genügend Raum und Zeit für echten touristischen Frohsinn und Mummenschanz. Die folgende kleine Fotostrecke soll einen Eindruck davon vermitteln.
Zum Abschluss gab es noch einen Probierschluck des brasilianischen Kultgetränks Caipirinha bzw. wahlweise eine alkoholfrei Limonade.
Ganz klar war dieser Besuch der Sambaschule das Highlight des Tages.
29. Reisetag – Dienstag, 14.01.2025 – Rio de Janeiro/Brasilien
Heute mussten wir “mitten in der Nacht“ aufstehen, denn wir waren schon um 8:00 Uhr mit Marion verabredet.
Unser erstes Ziel sollte der berühmte Zuckerhut sein und wir wollten schon vor der touristischen Rush-Hour dort sein.
In der Nähe der Seilbahn, die uns auf die Zuckerhut-Spitze bringt, parkte Marion ihr Auto.
Auf dem Weg zur Seilbahnstation fiel uns ein Fotoshooting mit einer Samba-Schönheit ins Auge und wir beschlossen, uns das näher anzusehen.
Der Plattenweg, auf dem wir liefen, war uneben und hatte lose Platten. Marion ermahnte uns, beim Gehen darauf zu achten.
Die eigentliche Gefahr waren aber nicht die Stolperfallen, sondern ein starker Ast. Doris konnte, da etwas kleiner als ich, erhobenen Hauptes drunter durchgehen, ich hingegen nicht. Der Ast bremste spontan die Vorwärtsbewegung des Kopfs, während die Beine einfach weiterliefen. Dadurch kam es zu einer instabilen Schräglage, was wiederum zur Folge hatte, dass ich mich auf meinen Hintern setzte und dadurch der von uns allen anvisierte Po der Samba-Schönheit etwas in den Hintergrund geriet.
Nachdem ich meine drei Damen (Marions Tochter Julia war auch wieder mit dabei) halbwegs beruhigt hatte, dass außer einer kleinen Beule und einer kleinen Schürfwunde keine weiteren Schäden entstanden waren, ...
... besorgte Julia bei einem Strandverkäufer einen Plastikbeutel mit Eiswürfeln, damit ich mein lädiertes Haupt kühlen konnte.
Die Verabreichung von Schmerztabletten, eine Therapie, die Marion favorisierte, lehnte ich ab, denn ich hatte ja keine Schmerzen, sondern es tat nur ein bisschen weh.
Der nächste Schock ereilte Doris und mich, als wir die ellenlange Schlange an der Kasse der Seilbahn sahen.
Ob wir vor Einbruch der Dunkelheit noch den Gipfel des Zuckerhuts erreichen würden? Eher unwahrscheinlich!
Aber Marion ging frohen Muts auf eine der anwesenden Ordnerinnen zu, verhandelte wortreich ...
... und wir konnten an der Schlange vorbei an einer wenig bevölkerten Priority-Kasse unsere Tickets lösen - umgerechnet ca. 32 € für uns beide, der Tarif für Personen über 60 Jahre; jüngere zahlen genau das Doppelte. (Marion brauchte als lizensierte Führerin nichts zahlen.)
Auch die nächste Schlange am Einstieg für die Gondel umschiffte Marion souverän.
Um auf den Gipfel (396 Meter) des Zuckerhut zu fahren, dient der niedrigere Nachbarberg (Morro da Urca, 220 Meter) als Zwischenstation.
Auf dem Morro da Urca mussten wir in eine weitere Seilbahn umsteigen, die uns dann schließlich ganz nach oben auf den berühmten Zuckerhut brachte.
Auf der Rückfahrt waren die Schlangen zwar nicht mehr so lang, aber auch hier konnte Marion unsere Wartezeiten erheblich verkürzen.
Den Besuch der Christus Statue hatten wir von Anfang an ausgeschlossen. Da wir dort schon vor 10 Jahren waren wussten wir noch, wie voll und ungemütlich es dort ist, weil im Gegensatz zu Morro da Urca und Zuckerhut auf dem Plateau des Cristo Redentor (so die portugiesische Bezeichnung) nur wenig Platz ist, und die Massen sich dort auf die Füße treten.
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Die Barra Beach ist zur Straße hin mit einem grünen Gürtel abgeschirmt, wodurch sie allein dadurch viel gefälliger als die Cobacabana ist.
Wie gestern versprochen, kutschierte uns Marion zu einem schönen Strand, die Barra Beach, ...
... etwa 20 Kilometer von der Copacabana entfernt. Sie fuhr auch heute wieder bewusst Umwege, um uns die vielen Facetten der Stadt zu zeigen und zu erklären.
Da wir an der Barra Beach nicht vorhatten zu baden, war es nicht allzu tragisch, dass es anfing zu regnen.
Der letzte Punkt des heutigen Programms war der Vista Chinesa (chinesische Aussicht).
Dieser Aussichtspunkt liegt mitten im Tijuca-Nationalpark.
Nur wenige Kilometer außerhalb Rios fuhren wir auf einer engen, kurvenreichen Straßen (Estrada da Vista Chinesa) durch einen grünen Urwald.
Am Aussichtspunkt auf 380 Meter Höhe, also fast die gleiche Höhe wie der Zuckerhut, ...
... befindet sich ein unter Denkmalschutz stehender Pavillon im orientalisch-chinesischen Baustil, daher der Name Vista Chinesa.
Der Ausblick brauchte sich hinter dem des Zuckerhuts nicht zu verstecken und Eintritt musste auch nicht gezahlt werden.
Nun war es schon Zeit, zurück zum Schiff zu fahren. Eine Tagestour war immer mit 6 Stunden angesetzt, mehr als genug, um die vielen Eindrücke alle noch aufnehmen zu können.
Am Hafen mussten wir uns nun von Marion und Tochter Julia verabschieden, mit dem Versprechen, nicht erst wieder 10 Jahre bis zu einem Wiedersehen zu warten.
Sicherlich ist es für einige Leser von Interesse, wieviel so eine individuelle Führung kostet. 240,00 €/Tag (Eintrittspreise etc. zahlt man selbst) ist sicherlich nicht billig, aber die 2-tägige Tour war jeden Euro wert. Und wenn man bedenkt, dass wir für eine Tagestour vor 10 Jahren 220 € bezahlt haben, hält sich die Preissteigerung doch sehr in Grenzen.
Und genau wie vor 10 Jahren mache ich hier im Blog gerne noch ein wenig Werbung für Marion Rölleke.
Marion Rölleke
Telefon: +55 21 985852030
E-Mail:
Heute ging der erste Teilabschnitt der Weltreise “Von Hamburg nach Rio de Janeiro“, so die Bezeichnung laut Phoenix-Katalog, zu Ende und der Abschnitt “Vom Zuckerhut rund ums Kap Hoorn bis nach Chile“ fängt an. Viele Passagiere sind heute nach Hause geflogen und Neue kamen am Abend an.
Das Schiff ist dann mit 1.040 Passagieren gegenüber den vorherigen 880 proppenvoll.
30. Reisetag – Mittwoch, 15.01.2025 – Rio de Janeiro/Brasilien
Heute zogen wir auf eigene Faust los.
In Hafennähe lockte uns ein Riesenrad.
Das Rio Yup Star ist mit 88 Metern das höchste Riesenrad Lateinamerikas.
Auch hier kamen wir in den Genuss des „Renterrabatts“ und zahlten für die Fahrt pro Nase ca. 6 Euro.
Die nächste Unternehmung sollte eine Fahrt mit der modernen Straßenbahn sein.
Wir wussten zwar nicht genau, wohin wir fahren wollten, doch es reizte uns die Herausforderung des Ticketkaufs anzunehmen. Zwar hatte uns Marion noch erklärt, dass alle öffentliche Verkehrsmittel für Personen über 60 Jahre kostenlos seien und das gelte auch für ausländische Touristen. Diese bräuchten nur ihren Pass vorzeigen. Allerdings, so ganz sicher war sie sich aber doch nicht, ob jeder Kontrolleur das so akzeptieren würde.
Auf das Abenteuer als Schwarzfahrer eingestuft zu werden, wollten wir uns dann doch nicht einlassen.
Die Anzeigen auf dem Display des Ticketautomat waren nur portugiesisch, es gab keine Möglichkeit eine andere Sprache einzustellen. Am Anfang war es noch etwas ungewohnt, mit der Google-Übersetzungs-App die Anzeige zu fotografieren und übersetzen zu lassen, aber mit jedem Schritt wurden wir gewandter und wir kamen schließlich zu dem Punkt, wo wir mit 10 brasilianische Talern (ca. 1,60) den Automaten füttern mussten. Dann geschah lange nichts, sogar sehr lange nichts. Zwei Minuten können sich ziehen wie Kaugummi. Aber dann spuckte der Ticket-Automat tatsächlich ein Plastikkärtchen aus, das ein Guthaben von 5,30 Real auswies. Das Kärtchen selbst schlug mit 4,70 Real zu Buche.
Dann wurde Doris mutig und beschloss ihr Ticket mit der Kreditkarte zu bezahlen. Und tatsächlich, das Experiment gelang. Auch hier rotierte die Bitte-Warten-Anzeige gut 2 Minuten, aber mit unserem mittlerweile erworbenen Know-How warteten wir gelassen ab, bis auch diesmal der Automat bereitwillig ein Kärtchen lieferte. Außerdem wussten wir, dass nun, dass wir am Ausgabeschlitz das Kärtchen abfangen mussten, sonst schoss es, einem Toast in einem Toaster mit zu starker Feder nicht unähnlich, heraus und flog im hohen Bogen auf die Erde.
Die Straßenbahn der Linie 1 fuhr bis zum Aeroporto Santos Dumont, ein kleiner nationaler Flughafen, quasi mitten in der Stadt. Da wir ja nicht genau wussten, wo wir eigentlich hinwollten, fuhren wir mit bis zur Endstation. Zumindest konnten wir die öffentlichen Toiletten am Flughafen für eine Pippi-Pause nutzen, aber ansonsten war dies kein lohnendes Ausflugsziel.
Also fuhren wir wieder zurück und stiegen auf halber Strecke zwischen Flughafen und unserem Liegeplatz im Stadtteil Centro aus. Hier gab es Geschäfte und Verkaufsstände, die ein wenig zum Bummeln einluden.
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Im Gegensatz zur Sao Bento do Rio de Janeiro, die wir vor zwei Tagen besucht hatten, war hier in der Catedral de São Sebastião wenig Holz, dafür viel Beton.
In diesem Viertel befindet sich auch die Catedral de São Sebastião, eine Kirche im Architekturstil der Moderne.
Einen letzten Stopp legten wir am futuristische Museu do Amanhã (Museum von Morgen) ein.
Das Museu do Amanhã ist ein riesiges Wissenschaftsmuseum, aber nicht für Wissenschaftler, sondern für Leute wie Du und ich.
Wir konnten, schon allein aus Zeitgründen, nur einen Blick ins Foyer werfen und den Museumsshop besuchen (ohne etwas zu kaufen).
Auf dem kurzen Weg vom Museum zum Schiff trafen wir einen ARTANIA-Passagier, der uns erzählte, dass den Kontrolleuren in der Straßenbahn sogar seine ARTANIA-Ship-Card (mit Bild und Geburtsdatum) genügt hätte.
Wir selbst wurden trotz unserer (unnötigen) Tickets auf keiner Fahrt kontrolliert. Nein, wir ärgerten uns natürlich nicht, sondern trösteten uns (halbherzig) mit unserer sozialen Verantwortung als Tourist gegenüber dem brasilianischen Volk und den Verkehrsbetrieben von Rio.
Um 18:15 Uhr fand die obligatorische Rettungsübung statt.
Diesmal mussten wir nicht, wie im sehr kalten und nassen Hamburg, mit unseren Schwimmwesten nach der Unterweisung in der Atlantik-Show-Lounge hinaus aufs Außendeck. Da stellt sich natürlich die Frage: "Ist das Raustreten wichtig im Sinne der Übung oder ist es das nicht?" Wenn es wichtig ist, warum wird es nicht jedes Mal durchgeführt. Wenn es nicht wichtig ist, was anscheinend der Fall ist, weil es seit Jahren nicht mehr praktiziert wird, warum wurde es dann aber im schlechten Wetter in Hamburg vom Kapitän Hansen angeordnet. Schikane? Wichtigtuerei? Die Antwort bleibt offen!
Nach der Übung wurden um 19:00 Uhr die Restaurants geöffnet. Normal startet das Abendessen um 18:30, aber auf Grund der Übung, an der alle teilnehmen mussten, hätte das wenig Sinn gemacht. Jetzt stand allerdings gleich um 20:00 Uhr das Auslaufen nebst Auslaufparty und Sekt auf dem Programm. Da nutzte es auch wenig, dass die Restaurants bis 21:00 geöffnet blieben, weil alle 1.040 Passagiere (Doris und ich inklusive) um 19:00 Uhr gleichzeitig speisen wollten, mit dem Ziel vor 20:00 fertig zu sein.
Dementsprechend war auch im Lido-Restaurant der Teufel los.
Wir bekamen gerade noch 2 Plätze und die Schlange am Buffet stand der Gestrigen an der Seilbahn zum Zuckerhut in nichts nach.
Die Ausfahrt von unserem Liegeplatz heraus aus der Guanabara-Bucht, vorbei am Zuckerhut, der Christus Statue und der Copacabana hatte schon etwas Besonderes.
31. Reisetag – Donnerstag, 16.01.2025 – Ilhabela/Brasilien
Ilhabela ist eine Insel im brasilianischen Bundesstaat São Paulo.
Die ARTANIA ankerte vor einem kleinen Urlaubs- und Badeort.
Um an Land zu kommen, mussten wir tendern, was aber heute problemlos vonstatten ging. Zum einen war die See ruhig und zum anderen der Tenderweg kurz.
Unser Landgangsprogramm war heute sehr einfach und bodenständig.
Ein kleiner Spaziergang am Strand und das war es schon. Nach 3 Tagen Rio lässt man es etwas ruhiger angehen.
32. Reisetag – Freitag, 17.01.2025 – Porto Belo/Brasilien
Gegen 12:00 Uhr sollten wir ankommen und auch heute sollte die ARTANIA wieder auf Reede liegen.
Aber schon am Morgen, die See war etwas kabbelig, prophezeite Doris, dass es mit dem Tendern wohl nichts werden wird.
Um 10:00 Uhr, bei der morgendlichen Ansprache an sein Volk, verkündete Kapitän Hansen, dass die Chance, tendern zu können bei 50:50 stünde. Solche Ansagen sind ein todsicheres Zeichen, dass Tendern nicht möglich sein wird, weil es für die Passagiere zu gefährlich ist. Das Umsteigen von der ARTANIA in ein Tenderboot bei unruhiger See erfordert ein gewisses sportliches Geschick, eine Voraussetzung, die nicht alle Kreuzfahrtgäste mitbringen.
Die Dramaturgie für solche Situationen ist immer dieselbe. Die Tender-Plattform wird an die Ausstiegsluke geflanscht. Dann wird ein Tenderboot zu Wasser gelassen und schließlich wird endgültig entschieden, die Sache abzublasen. Das Tenderboot wird wieder hochgezogen und die Plattform wieder abgebaut. Gleichzeitig erfolgt die Durchsage, dass bedauerlicherweise ...usw. …
Uns ist es recht. Einen zusätzlicher Seetag nehmen wir gerne mit.
Dann wird das entsprechende Foto in einem separaten Fenster "in groß" angezeigt.
33. Reisetag – Samstag, 18.01.2025 – Seetag
Der erste Seetag eines neuen Reiseabschnitts ist prädestiniert für den Kapitäns-Handshake und Galaabend und das hat die Reiseleitung wieder gnadenlos ausgenutzt. Aber mein benutztes weißes Hemd beim letzten Galaabend war für den Heutigen noch gut genug (2 x abends ist wie 1 x ganztägig). 😊
Erwähnenswert wäre höchstens noch diese kleine Facebook-Geschichte:
Die Übergabe hat dann auch problemlos geklappt. Man sieht, dass Facebook manchmal sogar nützlich sein kann. (Trotzdem mag ich Herrn Zuckerberg nicht besonders.)
34. Reisetag – Sonntag, 19.01.2025 – Rio Grande/Rio Grande do Sul/Brasilien
Rio Grande? Erinnert mich sehr an einen Western mit John Wayne. Aber der Rio Grande ist nicht nur ein Fluss zwischen USA und Mexiko, von dem der besagte Filmtitel herrührt, sondern ist auch der Name einer Stadt (210.000 Einwohner) im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul, die in der Lagune Lagoa dos Patos liegt. Im 18. Jahrhundert hielten die Portugiesen, als sie Südamerika kolonialisierten, die Lagune für einen großen Fluss, also für einen Rio Grande.
Rio Grande wurde nur deshalb angelaufen, weil hier der Papierkram für die Ausreise aus Brasilien, das sogenannte Ausklarieren, erledigt werden musste.

(Blick von Steuerbord)
Für uns Kreuzfahrer wurden ein paar Souvenierstände aufgebaut. Ansonsten herrschte im Hafen Sonntagsruhe.
An dieser Stelle kann ich kurz nachtragen, warum wir am Montag, den 6.1.2025, nicht in Natal angelegt haben, wo eigentlich die Einklarierung, also der Einreisepapierkram, erfolgen sollte.
An diesem Tag, Heilige drei Könige, wollten oder konnten die brasilianischen Behörden keine Papiere und Pässe stempeln. Also musste der Stempeltag auf den 7.1. und nach Recife verlegt werden. Am 8.1. war eigentlich ein Seetag vorgesehen, aber als Ersatz für das ausgefallene Natal wurde Maceio angelaufen.
Die heute geplante Liegezeit von 6:00 Uhr bis 13:00 Uhr ließ wenig Zeit für ausgeprägte Landgänge. Der Kreuzfahrtdirektor legte uns Passagieren nahe, im Hafen zu bleiben. Das ca. 2 Kilometer entfernte Stadtzentrum sei unattraktiv. Außerdem warnte er mehrmals vor Kriminalitität und mahnte, einsame Straßen und Wege zu meiden.
Da wir sowieso keine konkreten Pläne hatten (außer vielleicht einen Geo-Cache zu heben) vertraten wir uns ein wenig die Beine im Hafen, wo wir uns an der Pier relativ frei bewegen konnten, was in dem meisten anderen Häfen nicht erlaubt ist.

Die Pier bot genügend Platz für mehrere Schiffe. Aber mit uns lagen hier nur noch 2 Frachtschiffe und einige Schlepper.
Um 13:00 Uhr legten wir ab.
Am späten Nachmittag wurde die See unruhig. Aufgrund dieser Tatsache und dass die Wetter-App für morgen in Punta del Este/Uruguay starken Wind voraussagte, gingen Doris und ich davon aus, dass morgen nicht getendert werden kann, denn wir sollten wieder mal auf Reede liegen.
35. Reisetag – Montag, 20.01.2025 – Punta del Este/Uruguay
Unsere gestrige Prophezeiung war falsch, denn wir konnten heute problemlos tendern. Weil der Tenderweg mit 2 Seemeilen (3,7 Km) sehr lang war, wurden zusätzlich zu unseren Tenderbooten zwei große lokale Boote, jeweils mit Platz für mehr als 100 Personen, bestellt, sonst hätte man die Landgangswilligen nicht innerhalb einer vernünftigen Zeit an Land bringen können.
Punta del Este, am nördlichen Ufer an der Mündung des Rio de la Plata gelegen, ist ein beliebter Badeort, viele Argentinier verbringen hier ihren Urlaub.
Allerdings herrschte heute kein ideales Badewetter. Bei bedecktem Himmel, starkem Wind und Temperaturen, gerade so um die 20°, lagen die Tausende von Urlaubern nicht am Strand, sondern bevölkerten die Straßen und die Restaurants.
Bei unseren ersten Zielen an Land, dem Leuchtturm (hier war ein Geo-Cache zu finden) und die daneben liegende Kirche, bemerkten wir von den Massen allerdings noch nichts.
Das änderte sich schlagartig als wir Ziel Nummer 3 anvisierten, La Mano (die Hand) eine Skulptur an der Playa Brava.
Am Strand fallen uns 2 Dixiklos auf, die wir auch ansteuern. Als wir uns nähern, erhebt sich die Betreiberin dieser Fazilitäten von ihrem Klappstühlchen im Schatten. Wir können beide für 1 US$ eines der Klos benutzen.
Wir waren uns anschließend einig. Noch nie, nirgendwo auf der Welt einschließlich Deutschland, haben wir ein so sauberes und gepflegtes Dixiklo benutzt.
Hut ab! Dieser Besuch war ganz bestimmt den Dollar wert.

Bumerangs, heute gesehen in einem Souvenierladen in Punta del Este. Ich werde mit Kapitän Hansen sprechen. Australien brauchen wir jetzt eigentlich nicht mehr anlaufen.
Auf dem Rückweg zum Schiff kamen wir an einer Wechselstube vorbei. Wir überlegten, ob wir uns für den morgigen Besuch in Montevideo ein paar uruguayischer Pesos eintauschen sollten. Wir kamen rasch zu dem Ergebnis, morgen kein Bargeld zu brauchen. Aber Doris kam auf die brillante Idee, sich stattdessen gleich hier argentinische Pesos zu beschaffen. Bei zwei Tagen Aufenthalt in Buenos Aires und jeweils einen Tag in Puerto Madryn und Ushuaia machte das Sinn.
Außerdem machten wir vor 10 Jahren bei unserem Besuch von Buenos Aires die Erfahrung, dass in der dortigen U-Bahn Bargeld unerlässlich war und am Hafen keine Wechselmöglichkeit bestand.
Für 50 US-Dollar erhielten wir 58.000 Pesos. Laut unser Währungs-App hätten das „nur“ 53.000 Pesos sein sollen. Schon hier wird man anscheinend mit der starken Inflation in Argentinien konfrontiert.
Bevor wir zurück zur ARTANIA pilgerten, erstanden wir in einem Supermarkt noch 2 Dosen einheimisches Bier, das wir mit der Kreditkarte bezahlen konnten.
Erst um 21:00 Uhr wurde der Anker eingeholt und wir schipperten gemütlich den Rio de la Plata flussaufwärts nach Montevideo. Für die zurückzulegenden 70 Seemeilen hatten wir bis morgen 7:00 Uhr genügend Zeit.
36. Reisetag – Dienstag, 21.01.2025 – Montevideo/Uruguay
Das Wetter war heute wieder so, wie man es sich für Südamerika vorstellt, sonnig und warm.

Heute kamen neue Crew-Mitglieder an Bord, anderea flogen nach Hause, so z. B. auch unser Kabinensteward Ruben.
Wie geplant, machten wir einen kleinen Stadtrundgang, vom Hafen zum Plaza Independencia (Patz der Unabhängigkeit) und wieder zurück. Am Plaza Independencia gibt es zwei Sehenswürdigkeiten, das Puerta de la Ciudadela (Zitadellen-Tor) und das Mausoleum Montevideo.
Das Puerta de la Ciudadela ist der älteste noch vorhandene Teil der Stadtmauer.
Man sieht sich das Tor an, macht ein Foto (oberste Touristenpflicht) und das war es dann auch schon.
Das unterirdische Mausoleum wurde 1977 eingeweiht und dient einzig und allein der Aufbewahrung der Urne mit der Asche des Nationalhelden José Gervasio Artigas.
Artigas war ein uruguayischer General und Politiker. Er wird auch als „Vater der Unabhängigkeit Uruguays“ bezeichnet.
Die Urne wird von 2 Soldaten einer Kavallerieeinheit bewacht. Wir dachten zuerst, dass es sich um lebensgroße Puppen oder Figuren handelt.
Nur aus der Nähe und an den Augen erkannten wir, dass es sich um lebende Menschen handelt, da ihre Pupillen sich leicht bewegten, ansonsten standen sie absolut regungslos auf ihrem Posten.
Was macht der arme Soldat denn, wenn ihm plötzlich die Nase juckt, er aber im absoluten „Stillgestanden“ verharren muss?
Ich weiß aus leidvoller Erfahrung aus meiner Bundeswehrzeit, wie langweilig und ätzend es ist, auf Wache stehen zu müssen Aber wir durften uns wenigsten bewegen und sogar die Nase putzen, wenn es erforderlich war.

Mit uns lag die Costa Diadema im Hafen.
Bis zu 4.947 Passagiere und 1.253 Besatzungsmitglieder passen auf diesen maritimen Plattenbau..
Um 18:00 Uhr legten wir ab, weiter den Rio de la Plata läppische 152 Seemeilen flussaufwärts mit Ziel Buenos Aires.
37. Reisetag – Mittwoch, 22.01.2025 – Buenos Aires/Argentinien
Wir lagen im Containerhafen und mussten zunächst mit einem Shuttlebus zum großen Passagierterminal gebracht werden.
Mit unseren argentinischen Peseten in der Tasche, die wir uns schon vor 2 Tagen in Uruguay besorgt hatten, machten wir uns auf dem Weg zur U-Bahn-Station Retiro. Wir hatten vor ziemlich genau 10 Jahren schon einmal Buenos Aires per Kreuzfahrtschiff bereist. Damals war es unerlässlich Bargeld zu haben, um mit der Subte, so nennt sich hier die U-Bahn, fahren zu können; Kreditkarten wurden nicht akzeptiert.
Auf dem ca. 15-20-minütigen Fußmarsch zur Station, wurden wir von einer Soldatin gefragt, ob sie uns helfen könne. Eigentlich brauchten wir keine Hilfe, wir kannten den Weg und wurden dabei noch von Google-Maps unterstützt.
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Die freundliche Soldatin der Luftwaffe (Fuerza Aerea) nahm, bevor dieses Foto gemacht wurde, ihr Namensschild ab.
Aber sie ließ es sich nicht nehmen, uns ein Stück zu begleiten, damit wir nicht vom rechten Weg abkommen.
An der U-Bahn-Station angekommen, galt nach wie vor: „Nur Bares ist Wahres!“
Zunächst mussten wir an einem Schalter für jeweils 1.500 Pesos (1,50 €) eine Subte-Karte kaufen, das ist eine Art Prepaid-Karte. Am Automaten konnte man dann ein Guthaben auf die Karte laden, indem man ihn mit 1000- oder 2000-Peseten-Scheinen fütterte. Laut Erkenntnis aus dem Internet sollte eine Fahrt 40 Peseten kosten, also fast nichts, sodass wir mit einem Guthaben von 1000 Peseten, mit denen wir unsere Karten aufgeladen hatten, gut aufgestellt waren.
Am Drehkreuz zum Bahnsteig hielten wir unsere Karten an den dafür vorgesehenen Sensor und konnten sehen, dass 150 Peseten von der Karte eingezogen worden waren. Aber auch mit umgerechnet 15 Euro-Cent ist eine Fahrt noch erschwinglich.
Unser Ziel war die Subte-Station Perú, die, ebenfalls laut Internet, wegen ihres Jugendstil-Interieurs besonders sehenswert sei.
Um dort hinzukommen mussten wir zwischendurch umsteigen.
Eine entsprechende Umsteigemöglichkeit suchten wir uns an einem ausgehängten Plan aus.
Ein Uniformierter (Polizist?) fragte nach unserem Vorhaben und dadurch erfuhren wir von ihm, dass unser Plan nicht ausführbar war, weil die Umsteigestation, die wir uns ausgesucht hatten, wegen Bauarbeiten geschlossen war. Seinen Alternativvorschlag, mit der Linie F zur Station Bolivar zu fahren und von dort die wenigen Schritte nach Perú zu laufen, nahmen wir dankend an.
In Bolivar angekommen, hoben wir unweit der Station schnell noch einen Cache. Auf Grund dieser „Schnitzeljagt“ kamen wir bereits in die Nähe der Plaza de Mayo, deshalb tappten wir auch dorthin. An diesem großen Platz steht die Casa Rosada (Rosa Haus), der Sitz der argentinischen Präsidenten.
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Ein paar Fotos von diesem „Roten Rathaus 😊“ und dem weitläufigen Platz waren schnell im Kasten und schon konnten wir die beiden Sehenswürdigkeiten Plaza de Mayo und Casa Rosado abhaken.
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Sein Hauptgeschäft ist eigentlich das Schuheputzen. Aber uns hatten es die neonfarbigen Schnürsenkel angetan. Wir kauften 2 Paar.
Unser eigentliches Ziel, die Metro-Station Perú, erwies sich als Flop. Hier war aber rein gar nichts spektaktulär.
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Nicht alles was im Internet zu finden ist, ist auch zutreffend. Dieses angebliche touristische Highlight ist gar keins.
Die Stahlträger und die Lampen könnte man zur allergrößten Not noch als Jugendstil durchgehen lassen.
Aber ansonsten war das eine ganz gewöhnliche U-Bahn-Station.
Wir stellten fest, dass wir bei 30° im Schatten genug gelaufen waren und beschlossen, zurück zum Schiff zu fahren.
38. Reisetag – Donnerstag, 23.01.2025 – Buenos Aires/Argentinien
Im Terminal gab es einen Infostand. Dort fragten wir nach, ob man nicht per Bus zur Subte-Station Retiro fahren könnte, um sich den Fußweg dorthin zu sparen. Die Antwort war ein eindeutiges: „Nein“. Die einzige Möglichkeit wäre, sich ein Taxi zu nehmen.
Allerdings war keine 300 Meter vom Terminal entfernt, direkt auf der Strecke zu unserer Station Retiro, eine Bushaltestelle. Wir befragten Google und erhielten als Antwort, dass wir mit Bus Nummer 6, der in wenigen Minuten ankommen soll, uns die Lauferei nach Retiro sparen könnten.
Bus Nr. 6 kam tatsächlich, das Bezahlterminal im Bus gab grünes Licht, nachdem wir unsere Karte an den Sensor gehalten hatten und wir kamen bequem bei Retiro an.
Schönen Gruß an die Tourist-Info im Terminal. Habt ihr keine Ahnung oder hat die Taxi-Lobby Einfluss auf eure Aussagen?
Ursprünglich wollten wir von Retiro mit der Subte zum Friedhof Cementerio de la Recoleta fahren, aber ermutigt durch unsere gerade eben erfolgreich durchgeführte Busfahrt, wollten wir versuchen, mit dem Bus dorthin zu kommen, denn im Bus sieht man bekanntlich mehr von der Stadt als mit der unterirdischen Bahn.
Also zückten wir unsere Smartphones, befragten erneut Google-Maps und erfuhren, dass der Bus 101 fast bis an die Eingangspforte des Friedhofs fahren würde. Während unserer Recherche wurden wir von zwei Hilfspolizistinnen gewarnt, unsere Smartphones nicht so offen zu präsentieren, das sei sehr gefährlich. Wir gelobten Vorsicht und nutzten die Gelegenheit zu fragen, wo genau der 101er Richtung Friedhof abfahren würde.
Sie begleiteten uns die 20 Meter zur Haltestelle und warteten, bis wir in den Bus eingestiegen waren.
Da gab es allerdings ein Problem. Das Kartenlesegerät im Bus gab kein grünes Licht, irgendwie meinte ich aus der (spanischen) Fehlermeldung herauszulesen, dass ich meine Karte erst aufladen müsse. Die Schlange der Einsteigewilligen hinter mir wurde leicht ungeduldig, ob meiner mehrfachen vergeblichen Versuche, den Kasten zu überzeugen, endlich grün zu leuchten. Auch der Fahrer rollte mit den Augen und seine für mich mangels Spanischkenntnissen unverständlichen Hinweise halfen nicht weiter. Also war die Busfahrt erst einmal ersatzlos gestrichen.
An den Automaten in der Subte-Station kann festgestellt werden, welcher Betrag auf der Subte-Karte noch vorhanden ist. Mit allergrößtem Erstaunen stellte ich fest, dass ich mit über 1000 Peseten im Minus stand. Auch Doris stand mit etwas mehr als 700 Peseten in der Kreide.
Eine Erklärung, wo die Kohle geblieben ist, haben wir bis heute nicht in Erfahrung bringen können und wissen auch nicht, warum Doris und ich verschieden hohe Schuldenberge angehäuft haben.
Es half ja alles nichts, wir mussten unsere Karten neu aufmunitionieren. Wir hielten einen Betrag von 3000 Peseten für angemessen, um unsere Schulden zu tilgen und noch ein Polster für die nächsten Fahrten zu haben.
Aber so einfach ist es nun auch wieder nicht, dem (nur spanisch kommunizierenden) Automaten klarzumachen, dass man ihn nun mit 3000 Peseten füttern möchte. Eine Subte-Mitarbeiterin, die bereits Leuten am benachbarten Automaten Hilfestellung leistete, kümmerte sich parallel auch um uns. Sie bearbeitet gekonnt den Touchscreen des Automaten, sodass dieser nun wissen wollte, was wir denn gedenken, ihm zukommen zu lassen. Nach Eingabe des gewünschten Betrags (3000 Pesos) boten wir ihm den ersten 1000-Pesos-Schein an seinem Eingabeschlitz an. Er zog ihn ein und spuckte ihn gleich angewidert wieder aus, obwohl der Schein absolut sauber und neuwertig war. Die Subte-Dame probierte einem Schein aus ihrem Fundus und scheiterte gleichfalls.
Sie umschiffte dieses Problem nun dadurch, dass Sie dem Automaten klar machte, dass jetzt nicht mit Bargeld, sondern mit ihrem Smartphone über einen QR-Code bezahlt würde. Das klappte dann auch und ich gab der Dame meine 3000 Pesos in bar.
Nun war Doris an der Reihe. Neuer Versuch mit Bargeld – und siehe da, es funktionierte, ohne dass der Automat zickte.
Nur die Option die Doris noch gewählt hatte, nämlich eine Quittung auszudrucken, ignorierte dieser arrogante Kasten kommentarlos.
Von einer Busfahrt nahmen wir erstmal Abstand und beschlossen, unserem ursprünglichen Plan zu folgen, mit der Subte zur Station Las Heras zu fahren und von dort zum Cementerio de la Recoleta zu laufen.
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An der Station Jujuy mussten wir umsteigen. Wir waren fasziniert von den wunderschönen Darstellungen mit den bunten Wandkacheln.
Der Friedhof La Recoleta (Cementerio de la Recoleta) liegt im gleichnamigen Stadtteil Recoleta der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, einem der teuersten Wohn- und Geschäftsviertel der Hauptstadt. Er wurde Ruhestätte zahlreicher wohlhabender und prominenter Einwohner.
Hier wurden argentinische Präsidenten bestattet, Profisportler, Wissenschaftler und Schauspieler; zu den bekanntesten zählt die zweite Ehefrau von Juan Perón, Eva Perón.
Der Friedhof umfasst eine Fläche von 5 Hektar auf der sich 6.000 Mausoleen und Gräber befinden.
Quelle: Wikipedia
Am Friedhof angekommen erlebten wir die nächste Pleite. Wir waren durchaus bereit, die 1.760 Pesten (ca. 16 €) Eintritt zu zahlen, aber das Kartenlesegerät akzeptierte die VISA-Kreditkarte von Doris nicht. Nach 2 Fehlversuchen versuchte ich es dann mit meiner VISA-Karte, mit dem gleichen negativen Ergebnis.
Wir waren sogar bereit unserer argentinischen Bargeldreserven anzugreifen, mussten aber erfahren, dass der Mensch an der Kasse unsere Peseten nicht annehmen wollte (oder nicht konnte oder nicht durfte).
Auch mit US-Dollars konnten wir ihn nicht erweichen, uns ein Ticket auszuhändigen.
Etwas genervt wandte er sich von uns ab und wendete sich dem nächsten Kunden zu.
Aus Frust kehrten wir in einen nahegelegen McDonalds ein. Dort wollten wir auch noch mal versuchen, mit der VISA-Karte zu zahlen, um vielleicht die Ursache für die Pleite am Friedhof herauszubekommen.
Beim Bezahlen mit der Karte bei MacDoof fiel Doris auf, dass sie am Friedhof bei der Pin-Eingabe einen Zahlendreher gemacht hatte und deshalb die Sache so nicht funktionieren konnte.
Mein Fehler hingegen war, dass ich die falsche Kreditkarte dabei hatte. Zwar haben meine beide Karten die gleiche PIN, aber die von AMAZON herausgegebene Karte hatte ich nicht für Auslandseinsätze freigeschaltet, im Gegensatz zu meiner Visa-Karte der HANSEATIC-Bank.
Jedenfalls konnten wir unsere beiden Cheeseburger und 2 x Cola ohne Pleiten, Pech und Pannen mit Doris‘ Karte bezahlen. Die Preise hier bei McDonalds sind übrigens genau so hoch wie in Deutschland. Unsere Zeche betrug umgerechnet ca. 13 €.
Nachdem wir fastfoodmäßig gestärkt waren, nahmen wir einen zweiten Anlauf für das Projekt Cementerio de la Recoleta, um zum Mausoleum der Familie Duarte zu pilgern, in dem auch Evita Peron geb. Duarte (Don’t cry für me Argentina) bestattet ist.
Auf diesem Prominenten-Friedhof sind unzählige mächtige, ja protzige Mausoleen beheimatet.
Wir hatten befürchtet, dass es schwierig sein könnte, das Duarte-Mausoleum zu finden, aber auch hier konnte uns Google-Maps punktgenau hinführen.
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Auch ohne Google-Maps hätten wir das Grab von Evita Peron finden können - einfach den Touristentrüppchen folgen.
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No me llores perdida ni lejana, yo soy parte esencial de tu existencia, todo amor y dolor me fue previsto, cumplí mi humilde imitación de Cristo, quien anduvo en mi senda que la siga.
SUS DISCIPULAS
Trauert nicht um mich, ich bin ein wesentlicher Teil eurer Existenz, alle Liebe und alles Leid waren für mich vorgesehen, ich habe meine demütige Nachahmung Christi erfüllt, der auf meinem Weg gegangen ist, um ihm zu folgen.
DEINE DISZIPLINEN
Übersetzt mit deepl.com
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Ein wenig makaber, aber eine recht originelle Art der Straßenmusik. Ein "Geköpfter" mit einer singenden Säge vor dem Eingang des Cementerio de la Recoleta.
Nachdem wir auch diesen touristischen Hotspot abgearbeitet hatten, machten wir uns auf den Heimweg.
Auf dem Weg zum Friedhof hatten wir eine Bushaltestelle für den 101er entdeckt und wir nahmen einen erneuten Anlauf mit dieser Buslinie zu fahren, diesmal eben in die Gegenrichtung.
Der Bus kam auch nach wenigen Minuten und siehe da, unsere Karten beherbergten noch genügend Guthaben, sodass wir jetzt mitfahren durften und wir kamen so zu einer kleinen Sightseeing-Tour durch die Stadt.
Ein Herr, der uns im Bus gegenübersaß, gab mir per Zeichensprache zu verstehen, dass ich mein Smartphone lieber einstecken sollte, mit dem ich mir gerade per Google die Routenführung des Busses angeschaut hatte.
Allerdings kann man mir nicht ganz so einfach das Handy aus der Hand reißen und verschwinden, den es hängt an einer Kordel um meinen Hals. Aber um den Ratschlag des Herrn nicht unhöflicherweise zu ignorieren, steckte ich es weg.
An der Haltestelle Retiro stiegen wir und auch der besagte Herr aus. Er warnte uns noch einmal davor, dass es gerade hier in dieser Gegend bis runter zum Hafen äußerst gefährlich wäre.
Aber wir kamen am Hafen an, ohne bestohlen worden zu sein.
Die hohe Kriminalität hängt sicherlich auch mit der hohen Armutsrate zusammen. In den Straßen sahen wir unzählige Obdachlose, die wohl aus Sicherheitsgründen tagsüber auf den Bürgersteigen schlafen, um nachts auf sich und ihre wenigen Habseligkeiten aufpassen zu können.
Auch gibt es unzählige fliegende Händler mit nur ein paar Kaugummis oder Bonbons im Angebot. Einige versprechen sich von der folgenden Verkaufsmethode etwas Umsatz. Sie steigen in einen Waggon der Subte und legen den Fahrgästen z. B. eine Kaugummipackung auf die Beine, Rucksäcke, Handtaschen etc. Danach wird die „Ware“ bei denen, die nichts kaufen wollen, wieder eingesammelt. Bei unserer Fahrt Richtung Friedhof (15-20 Minuten) versuchten in unserem Waggon nacheinander 3 fliegende Händler mit der eben beschriebenen Methode (erfolglos) Umsatz zu machen; ein Bettler versuchte nach einer kurzen Rede Geld einzusammeln und eine junge blinde Frau sang ein Lied, bevor sie langsam durch den Waggon ging, in der Hoffnung, dass ihr jemand etwas zusteckt.
Gegen 19:00 Uhr legten wir ab, folgten dem Rio de la Plata flussabwärts bis zur Mündung und fuhren dann weiter mit südlichem Kurs an der argentinischen Küste entlang. Zwei volle Seetage lagen vor uns.
39. Reisetag – Freitag, 24.01.2025 – Seetag
Der heutige Seetag verlief fast ereignislos, also ganz nach unserem Geschmack.
Jetzt sind wir schon mehr als 5 Wochen an Bord. Vieles hier an Bord hat sich gegenüber den Vorjahren nicht geändert. Aber nach ganz kurzem Nachdenken, fallen mir doch 4 bedeutende Veränderungen ein.
- Kaffeemaschine.
- Wasserspender.
- Das Artania-Restaurant.
- Die Pfälzer Leberwurst.
1. In allen Kabinen und nicht nur in der Gold- und Silber-Kategorie befindet sich jetzt eine Kaffeemaschine.
Die zugehörigen Kapseln sind kostenlos und die verbrauchten werden täglich von der Kabinenstewardess/dem Kabinensteward ersetzt.
Es gibt verschiedene Sorten als da sind: Lungo, Espresso und Coffeinfrei.
Für eine Kaffeetante wie Doris eine absolute Verbesserung, die gerne und häufig genutzt wird.
2. Auf allen Decks gibt es jetzt Wasserspender, an denen man seine Trinkflasche(n) (leere Wasserflaschen vom Aldi gehen auch) mit stillem Wasser auffüllen kann, wahlweise gekühlt oder ungekühlt. Auch dieser Service ist kostenlos.
Wie bisher, kann man auch Mineralwasser kaufen, das macht insofern Sinn, wenn man Wasser mit Kohlensäure haben möchte. Aber warum sollte man stilles Wasser kaufen, wenn die Spender selbiges kostenlos bereitstellen?
Das hat sich wohl auch Phoenix überlegt und bietet nun anstatt des schnöden Gerolsteiner, das in üblichen Glasflaschen daherkam, nun ein italienisches Wasser in blauen Designerflaschen an.
Andrea Eggert, die Flottenchefin des Housekeeping-Department, erläuterte uns, dass gegenüber des wegfallenden Gewinns aus den Verkaufserlösen, doch jetzt sehr viel weniger Glasabfall (Einwegflaschen!) anfällt. Und die Abfallentsorgung in den Häfen ist sehr teuer.
3. Das ARTANIA-Restaurant wurde komplett umgestaltet. Bis zum letzten Jahr wurde das Frühstücksbuffet in der Mitte des Restaurants aufgebaut, wofür mehrere große Tische genutzt wurden, die zum Mittag- und Abendessen wieder als „Esstische“ dienten. Die Stühle rund um diese Tische wurden zum Frühstück unter diese Tische verfrachtet und nach dem Frühstück wieder hervorgeholt.
Jetzt befindet sich das Buffet an einer Wand mit stationären Vitrinen, die mit den mittlerweile üblichen Scheiben, dem sogenannten „Spuckschutz“ ausgestattet sind. Für dieses Konstrukt fielen etliche Sitzplätze weg. In Summe hat das ARTANIA-Restaurant jetzt weniger Sitzplätze als vorher.
Das Buffet ist modern und gefällig, hat aber einen gravierenden Nachteil für Personen mit einer Körpergröße unter 2 Metern.
Das Buffet ist sehr tief, wenn man sich zum Beispiel Marmelade aus dem ganz hinten stehenden Gefäß nehmen möchte, klebt man zwangsläufig mit dem Gesicht an der Scheibe (dem Spuckschutz), weil sonst die Armlänge nicht reichen würde, um an das begehrte Frühstücks-Leckerli ranzukommen
Aber dadurch kann auch manchmal ein Tag gleich morgens ein unerwartetes Glücksmoment bereithalten, nämlich dann, wenn der Topf mit der von mir bevorzugte Orangenmarmelade nicht ganz hinten, sondern weiter vorn steht und ich mir ohne Dehnübungen und Verrenkungen ein Löffelchen davon holen kann.
4. Das Wurstangebot zum Frühstück und Abendessen war schon immer und ist immer noch nach unserem subjektiven Geschmack, bis auf wenige Ausnahmen, lediglich Mittelmaß. Herausragend war aber immer die Pfälzer Leberwurst, die ab und an angeboten wurde.
Leider wurde die Pfälzer Leberwurst ersatzlos gestrichen.
Das stattdessen angebotenen grobe Leberwürstchen ...
...ist geschmacklich etwas sehr gewöhnungsbedürftig - grob gesprochen.
Aber über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten und das Essen an Bord wird vielerorts frenetisch gefeiert. Leider gehören wir nicht zu der Fraktion, die in die Lobgesänge mit einstimmt.
Ja und trotzdem fahren wir immer wieder mit der ARTANIA, denn verhungern tun wir hier trotz allem nicht und die Routen und das Schiff selbst sind der Grund, weshalb wir „Wiederholungstäter“ sind.
40. Reisetag – Samstag, 25.01.2025 – Seetag
Seit ca. 2 Wochen zickt der Fernseher in unserer Kabine. Er hat manchmal keine Lust, sich, wie vorgesehen, mit der Fernbedienung anschalten zu lassen.
Dann müssen wir den Stecker aus der Steckdose, die hinter dem Fernseher versteckt ist, rausziehen und ihn anschließend wieder in die Dose fummeln.
Daraufhin startet das Gerät erst mal in aller Ruhe sein Betriebssystem und erst dann ist es wieder bereit, das anzuzeigen, was wir sehen möchten.
Das ist in der Regel der Kanal 1, denn hier läuft 24 Stunden am Tag die sogenannte Cruise-Show.
Das sind alle Informationen und Daten über Geschwindigkeit, Kurs der ARTANIA, das aktuelle Wetter, die Wetterprognosen und noch dies und das.
In gewissen Abständen werden auch die Bilder der Bugkamera eingeblendet.
Außerdem erfolgen über diesen Kanal wichtige Durchsagen des Kreuzfahrtdirektors und (meist weniger wichtige) Durchsagen des derzeitigen Kapitäns.
Nachdem wir das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel heute schon dreimal gespielt hatten und es, wenn es nach dem launischen Fernseher gehen sollte, nun noch ein viertes Mal spielen sollten, outeten wir uns als Spielverderber. Stattdessen zeigten wir das unfreundliche Verhalten des Geräts als Mangel bei der Rezeption an.
Es dauerte auch nicht lange, da erschien ein Mitarbeiter des Housekeepings und bevor wir irgendwelche Erklärungen abgeben konnten, zog er souverän den Stecker, steckte ihn gekonnt wieder ein und erklärte freudestrahlend, dass die Welt jetzt wieder in Ordnung sei.
Das sahen wir naturgemäß etwas anders und traten mit dem Herren in zähe Verhandlungen (und das mit unserem bescheidenen Schulenglisch).
Wie auch bei Gewerkschaften üblich, formulierten wir erst einmal unsere Maximalforderung, nämlich ein Austauschgerät.
Unser Verhandlungspartner erklärte sich schließlich, bereit unser Anliegen an der Rezeption vorzubringen.
Unsere Forderung nach einem Austauschgerät wurde aber erstmal abgelehnt. Begründung: Der Apparat ist noch keine sechs Monate alt. Stattdessen kam jetzt ein Mitarbeiter der IT-Abteilung in unsere Kabine, überprüfte Kabel und den Router, mit dem der Fernseher verbunden ist.
Er rief am Gerät ein Wartungsmenü auf (leider konnte ich nicht erkennen, wie er das gemacht hat) und surfte durch diverse Seiten dieses Menüs.
Nachdem er genug gesurft hatte, hoffte er, dass jetzt alles wieder gut sei, aber falls wider Erwarten doch nicht, sollen wir ihn über die Rezeption erneut ordern.
Um es vorwegzunehmen. Gleich am nächsten Morgen um 7:00 Uhr forderten wir den Herren erneut bei der Rezeption an. Schon nach wenigen Minuten war er da, aber anscheinend derart erschrocken, weil wir noch unsere Nachtgewänder trugen, dass er nur ganz schnell mit einer geheimen Tastenkombination auf der Fernbedienung das Wartungsmenü und in Folge das „normale“ Programm einschaltete und schnell wieder entschwand samt seinem mitgebrachten USB-Stick und dem Versprechen, in einer Stunde wiederzukommen, um die Software noch einmal komplett aufzuspielen.
Na dann schau‘n wir mal, ob die Geschichte weitergeht oder das Happy End bereits erreicht wurde.
41. Reisetag – Sonntag, 26.01.2025 – Puerto Madryn/Argentinien
Was man machen muss, wenn man in Puerto Madryn liegt, ist ein Ausflug zur Pinguin-Kolonie Punta Tombo, die wirklich sehenswert ist. Dieses Ausflugsziel ist allerdings 180 Kilometer weit entfernt. Wir hatten zunächst in Erwägung gezogen, diese Tour individuell mit einem lokalen Tourenanbieter durchzuführen. Das erschien uns aber wegen der großen Strecken dann doch zu riskant, falls z. B. bei Stau, Panne oder Unfall eine pünktliche Rückkehr zum Schiff nicht mehr möglich ist und dann stünde man im wahrsten Sinne des Wortes in der Pampa, welche hier in Patagonien vorzufinden ist.

Zumindest ein paar Seelöwen, die auf einem Gitter unterhalb unserer Pier dösten, bekamen wir zu Gesicht.
Wir hatten den Ausflug zu den Pinguinen vor 10 Jahren schon einmal gemacht und werden ihn im nächsten Jahr, wenn wir wieder hier sein werden, mit Phoenix durchführen.
Für heute begnügten wir uns mit einem ausgiebigen Strandspaziergang.
Der Strand war gleich am Ende der 500 Meter langen Pier und zog sich über viele Kilometer hin.

Uns fiel am Starnd schon von Weitem eine größere Menschenansammlung auf.
Als wir uns näherten, erkannten wir, dass es sich um einen Prediger ...
Wir begnügten uns mit den ersten 3 Kilometern, drehten dann um und wanderten zum Schiff zurück.
Hier hätte eigentlich der Tagesbericht geendet, wenn nicht am Nachmittag ein Sturm mit einer Windgeschwindigkeit von bis zu 60 Knoten (ca. 115 Kilometer/Stunde) aufgezogen wäre.
Ohne das Kapitän Hansen das Kommando “Leinen los“ gegeben hätte (das war erst für 19:00 Uhr vorgesehen), rissen gegen 17:00 Uhr zwei der Taue, mit denen die ARTANIA festgemacht war. Eine Windböe mit voller Breitseite hatte die ARTANIA getroffen. Dadurch driftete das Schiff einige Meter von der Pier ab. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Verbindung zwischen der Ausstiegsluke und der Gangway abriss und niemand mehr an oder von Bord konnte.
Über das Walkie-Talkie eines Phoenix-Reiseleiters konnten wir mithören, dass sich noch 230 Leute an Land befanden.
Bei der Gangway handelte es sich nicht um die eigene der ARTANIA, die üblicherweise in Häfen genutzt wird,

Der Ingenieur konnte sich bei der Entwicklung dieses
Gangway-Ungetüms so richtig austoben.
Das Ergebnis erinnert ein wenig an einen
zusammengefalteten Eiffelturm.
sondern um ein vom Hafen gestelltes seltsames Ungetüm.
Manche Häfen bestehen darauf, dass ihre eigene Hafen-Gangway zu benutzen sei, was in aller Regel ein komplizierteres, langwieriges Manöver nach sich zieht, bis das Teil ordentlich an die ARTANIA angeflanscht ist und man ein- und aussteigen kann.
Auf der Pier, rund um die (zum Schiff verbindungslose) Gangway standen etliche Männer, Bedienstete des Hafens, und diskutierten heftig und beratschlagten sich.
Natürlich hielten viele Passagiere, Doris und ich eingeschlossen, an der Reling am Promenadendeck Maulaffen feil. Es dauerte aber nicht lange, da wurden wir per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, uns ins Schiffsinnere zu begeben, angeblich aus Sicherheitsgründen, weil der Wind immer noch so stark pfiff.
An den Panoramafenstern der Bibliothek konnten wir das Geschehen aber dann weiterverfolgen.
Dann passierte erstmal eine gute Stunde lang nichts Entscheidendes, bis ein Gabelstapler die Gangway erst einmal zur Seite stellte und eine Neue herbeischaffte. Die neue Gangway war von der Konstruktion um vieles einfacher, letztlich ein breites metallenes Brett mit Geländer.
Das Anbringen schien aber nicht ganz so einfach, aber
teils mit Motorunterstützung, teils mit Muskelkraft gelang schließlich die Unternehmung.
Jetzt konnten die Wartenden zurück aufs Schiff.
Ein in weiß Uniformierter trieb mit entsprechenden Gesten die Leute zur Eile an. Warum? War die Konstruktion nicht ganz sicher? Wurde befürchtet, dass das Schiff wieder abdriften könnte? Ich weiß es nicht.
Aber es ging alles gut und alle Mann und alle Frau waren wohlbehalten an Bord zurück.
Um 19:00 Uhr war der Wind noch zu stark, um ein gefahrloses Ablegemanöver zu fahren. Aber schon eine dreiviertel Stunde später, der Wind hatte sich etwas gelegt, konnten wir dann ablegen. Vor uns lagen 2 Seetage, bevor wir im südlichsten Hafen der Welt, in Ushuaia, festmachen würden.
42. Reisetag – Montag, 27.01.2025 – Seetag
Der starke Wind hielt die ganze Nacht an, sodass die ARTANIA ordentlich schaukelte – In der seemännischen Sprache spricht man von Schiffsbewegungen.
Ansonsten verlief der Tag ohne besondere Vorkommnisse.
Was aber nicht heißt, dass es nichts gibt, worüber man sich Gedanken machen könnte. Wir haben nämlich einen Finanzberater an Bord, der ähnlich wie der Bordlektor, Vorträge hält. Aber nicht über Land und Leute oder Ackerbau und Viehzucht, sondern, wie es sich für einen gestandenen Finanzberater gehört, über Finanzen im Allgemeinen und im Besonderen.
Bisher hat er über folgende Themen referiert:
- Argentinien - Ein Land der wirtschaftspolitischen Extreme
- Geldanlage - Strategien in unsicheren Zeiten
- Die europäische Währungsunion
- Entnahmephase - Sinnvolle Strategien im Ruhestand
So weit, so gut, es ist durchaus begrüßenswert, wenn die ausgetretenen Pfade in Sachen Lektorat auch mal verlassen werden.
Uns machte ein wenig stutzig, dass der Referent, Mathias Uffelmann, ein (freier) Mitarbeiter von MLP ist. MLP ist ein Finanzdienstleister, der, wenn man dem Internet glauben darf, durchaus nicht unumstritten ist, siehe z. B.
- https://de.wikipedia.org/wiki/MLP_SE#Kritik oder
- https://www.dasinvestment.com/verbraucherzentrale-warnt-studenten-vor-finanzdienstleister-mlp/ ).
Allerdings erwähnte Herr Uffelmann sein Engagement bei MLP mit keinem Wort, als er sich im Rahmen seiner Vortragsreihe vorstellte, sondern er bezeichnete sich lediglich als selbstständiger Finanzberater.
Das ist de jure zwar vollkommen korrekt, aber de facto bleibt ein Geschmäckle, denn das Mitarbeiterkonzept von MLP sieht wie folgt aus:
Die Kunden werden von selbständigen MLP-Handelsvertretern betreut. Die Handelsvertreter, auch Berater genannt, durchlaufen eine „gezielte Weiterentwicklung“. Von ihnen wird die Bereitschaft erwartet, das MLP-Leistungsversprechen zu erfüllen und zum „Großen und Ganzen“ beizutragen.
Quelle: Wikipedia.
Das heißt nichts anderes, als dass ein freier Mitarbeiter bei MLP dort einen Fulltime-Job hat.
Aber auch das ist völlig Wurscht, solange es wirklich nur um Information geht und der Auftritt nicht stattdessen eine verdeckte Akquise ist, um hier an Bord für das Neukundengeschäft Kontakte zu knüpfen. Denn ein Teil der Passagiere ist mit Sicherheit das passende Klientel.
Die Leute vertrauen Phoenix, somit können sie doch auch einem Referenten vertrauen, den Phoenix an Bord geholt hat?
Wenn man sich die bisherige Vortragsreihe anschaut, sieht man, dass sich jeweils ein allgemeiner Vortrag über Wirtschaft und Finanzen mit einem Vortrag abwechselt, in dem es um Geldanlagestrategien geht, also um das Kerngeschäft eines Finanzberaters.
Doris und ich haben im Vortrag “Geldanlage - Strategien in unsicheren Zeiten“ am 19.1.2025 gelernt, das Tages- und Festgeld die schlechteste Strategie ist. Die Inflation frisst das Kapital trotz Zins auf. Außerdem ist diese Anlage gar nicht so sicher, wie man glauben mag, denn im Falle einer Bankpleite wird der Einlagesicherungsfond wahrscheinlich nicht ausreichen. Wurde da etwa unter den konservativen Sparern (wie auch wir welche sind) Angst und Schrecken verbreitet?
Herr Uffelmann betonte ausdrücklich, dass kein seriöser Finanzberater einen Gewinn garantieren kann, aber dennoch sei eine kluge Anlagestrategie unerlässlich.
Die dann erläuterten Anlagestrategien kann zwar jeder im Prinzip selbst managen, aber die Materie ist halt doch sehr komplex, somit ist der Vorteil einer professionellen Finanzberatung nicht von der Hand zu weisen, sagte uns der Finanzberater.
Über anfallende Gebühren und Courtagen, die erst einmal erwirtschaftet werden müssen, wurde wenig erzählt.
Irgendwie sehe ich Parallelen zu einer Aktion von MLP, zunächst “verdeckt“ an Unis und Hochschulen zu referieren, so wie auf der Internetseite “Das Investment“ beschrieben, um dann letztendlich den Studenten Geldanlageprodukte zu verkaufen. Werden hier an Bord lediglich Studenten durch vermeintlich betuchte Rentner ersetzt?
Ich betone, dass mein Bauchgrummeln über das Warum und Weshalb dieser Vortragsreihe mit einem MLP-Finanzberater reine Spekulation ist. Ich halte es dennoch für legitim, dies hier im Blog zu thematisieren. Es kann und soll sich jeder seine Meinung selbst bilden.
43. Reisetag – Dienstag, 28.01.2025 – Seetag
Seetage, ein volles Schiff und schlechtes Wetter sind eine sehr unglückliche Konstellation auf der ARTANIA.
Wobei schlechtes Wetter so zu definieren ist: Es ist nicht besonders gemütlich draußen zu sitzen.
Die Temperatur betrug heute nur ca. 15 Grad, es war bewölkt, aber trocken und es wehte ein teils kräftiger Wind, sprich wir hatten schlechtes Wetter gemäß obiger Definition.
Da die Leute sich wetterbedingt nicht auf den Außendecks um die Liegestühle streiten konnten, fand das Bordleben ausschließlich im Inneren statt.
Wir hatten Glück, in der Bibliothek den letzten noch freien Tisch zu erwischen.
Beim Mittagessen war jedoch etwas Geduld angesagt. Vor den Eingängen des Lido-Restaurants bildeten sich kleine Warteschlangen, denn die „freie Platzwahl“, wie sie im Katalog beschrieben ist, konnte mangels freier Plätze nicht erfolgen. Vielmehr musste man warten, bis man an der Reihe war und von der Restaurantaufsicht eingelassen wurde, wenn wieder PLätze freigeworden waren.
An solchen Tagen ist die 1 ½-stündige Öffnungszeit von 12:30 – 14:00 Uhr zu knapp bemessen.
Hier wird meines Erachtens der Betrieb mit einer zu dünnen Personaldecke gefahren, denn sonst könnte an solch “kritischen“ Tagen auch eine längere Öffnungszeit angeboten werden, etwa von 12:00 – 14:00 Uhr, was die Situation entzerren würde.
44. Reisetag – Mittwoch, 29.01.2025 – Ushuaia/Argentinien
Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt mit 83.000 Einwohnern, ist Ausgangspunkt für Expeditionsschiffe, die in die Antarktis fahren. Wobei die meisten dieser Expeditionen nicht wissenschaftlich orientiert sind, sondern rein touristisch.
Allerdings sind Kreuzfahrten auf diesen Schiffen, die eine spezielle Eisklasse nachweisen müssen, ...
... um ein Vielfaches teurer als „normale“ Kreuzfahrten. Eine 3-Wochenkreuzfahrt auf einem solchen Schiff kostet fast genau so viel wie eine Weltreise in der Holzklasse auf der ARTANIA.
An der Pier lagen neben der ARTANIA 3 weitere Kreuzfahrer und zwar sehr luxuriöse.
- Die ULTRAMARINE , ein Expeditionsschiff für nur 199 Passagiere aber mit 140 Mann/Frau Besatzung
- Die OCEAN VICTORY hat mit 200 Passagieren und der 100-köpfigen Besatzung ein etwas schlechteres Verhältnis von Passagieren zu Besatzung als die ULTRAMARINE. (Im Vergleich dazu die Artania 1260 Passagiere zu 510 Besatzungsmittglieder.)
- Die Odyssey VILLA VIE RESIDENTIALS hat gar keine Passagagiere, sondern Eigentümer, die eine der ca. 350 Kabinen gekauft haben.
Durch die Kreuzfahrtschiffe zunächst verdeckt, sahen wir, nachdem wir von Bord der ARTANIA gegangen waren, einen alten Segler mit einer Harpune am Bug.
Da Walfänger inzwischen aus der Mode gekommen sind, dachten wir, dass es sich um eine Art Museumsschiff handeln könnte.
Aber aus der Nähe stellten wir fest, das junge Leute an Bord waren und Lebensmittel gebunkert wurden.
Der Rumpf der EUROPA, so der Name des Seglers, war einst das Feuerschiff Elbe 4 (bis 1977) und wurde dann zu einem Segler umgebaut (siehe auch https://www.barkeuropa.com). Die Harpune ist wohl nur nostalgische Deko.
Außer als Startpunkt für Expeditionen in die Antarktis besticht Ushuaia durch seine Landschaft und Nationalparks.
Wir begnügten uns allerdings mit einem ausgiebigen Stadtrundgang.
Die Strecke wurde uns vorgegeben von einem sogenannten Adventure Lab. Hierzu nur soviel: Ein Adventure Lab ist mit einer Fußgängerrallye vergleichbar, gehört aber in die Familie der Geo-Caches.
So ergab sich ein Stadtrundgang von knapp 7 Kilometern.
Auf einem Parkplatz stach uns ein bunter klappriger Bus ins Auge.
Um ins Innere schauen zu können, presste ich neugierig meine Nase von außen an die Frontscheibe. Der Bus war innen zum Wohnmobil ausgebaut und an einem Tisch vor einem Laptop saß der Eigentümer und hatte mich natürlich sofort bemerkt. Er winkte mir freundlich zu und ich winkte zurück.
Er kam sogar heraus und er erzählte uns, dass er mit diesem Vehikel durch die Gegend reist.
Bei Interesse kann man seinen Instagram-Kanal besuchen.

Auf dieser Tafel stachen sofort die Farben schwarz-Rot-Gold ins Auge. Die Übersetzung des spanischen Textes: Dieses Werk ist eine Hommage an Gunther Plüschow, den Pionier der patagonischen Luftfahrt, der am
3. Dezember 1928 als erster Mensch Ushuaia per Flugzeug erreichte.
Um 19:00 Uhr verließen wir Ushuaia und damit unseren letzten Hafen in Argentinien.
45. Reisetag – Donnerstag, 30.01.2025 – Seetag (Kap Hoorn)
„Vom Zuckerhut rund ums Kap Hoorn bis nach Chile!“, so lautet ja bekanntlich der offizielle Titel dieser Etappe. Also ist heute ein ganz besonderer Reisetag, denn der Teil „rund ums Kap Hoorn“, der südlichsten Spitze von Südamerika, stand an.
Diese Spitze befindet sich auf der kleinen Insel Isla Hornos (28 km2).
Laut Plan sollte die Passage zwischen 8:00 und 9:00 Uhr in Angriff genommen werden, demzufolge klingelte heute früh schon um 7:00 Uhr unser Wecker.
Das Wetter war zumindest in Ansätzen so, wie man es sich um Kap Hoorn vorstellt: Regen, Wind und schlechte Sicht.
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Die Positionsanzeige auf Kanal 1 des Bordfernsehens zeigte gegen 7:15 Uhr, dass es noch eine Weile dauern wird, bis der südlichste Punkt erreicht ist.
Anhand der angezeigten Schiffsposition auf Kanal 1 im Bordfernsehen und auf Google-Maps konnten wir uns ausrechnen, dass bis zum Erreichen des südlichsten Punktes unserer Reisen noch etwas Zeit ist.
Nach einem kurzen Ausblick auf Isla Hornos auf dem Promenadendeck gingen wir erst einmal zum Frühstück.
Gegen 8:30 Uhr, wir waren gerade mit dem Frühstück fertig, passierten wir die Westseite von Isla Hornos mit dem Leuchtturm und dem Denkmal für die vor Kap Hoorn ertrunkenen Seeleute (mehr als 10.000).
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Wir hatten Glück, die Sicht war besser geworden.
Der kleine Fleck links ist der Leuchtturm und
das silbrige Gebilde auf dem Hügel rechts ist das Denkmal.
Kapitän Hansen drehte noch eine zusätzlich Runde um Isla Hornos.
Beim erneuten Passieren des Leuchtturms hatte sich das Wetter erheblich verbessert. Doris, nun ausgestattet mit einem richtigen Fotoapparat und einem kräftigen optischen Zoom statt nur mit einem Smartphone, schoss noch einige Fotos, auf denen ein paar Details mehr erkennbar sind.
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Das Albatros-Denkmal mit dem Gedicht der Dichterin Sara Vial ist den etwa zehntausend Menschen gewidmet, die hier am größten Schiffsfriedhof der Erde ihr Leben verloren.
Die Übersetzung der Inschrift:
Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf dich wartet.
Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute,
die Kap Hoorn ansteuerten von allen Meeren der Erde.
Aber sie sind nicht gestorben vom Toben der Wellen.
Denn heute fliegen sie auf meinen Flügeln in die Ewigkeit.
Nach diesem Rundkurs fuhr aber die ARTANIA nicht weiter westlich in den Pazifik, sondern machte kehrt, um am frühen Abend wieder in den Beagle Kanal einzubiegen, aus dem wir gestern in der Gegenrichtung von Ushuaia in den offenen Atlantik gefahren waren.
Genaugenommen war unsere heutige Route gar keine richtige Passage um das berühmt-berüchtigte Kap Hoorn, sondern nur ein kurzes Streifen oder Antippen. Umrundet wurde lediglich Isla Hornos.
Aber egal, jetzt wollen wir mal nicht so pingelig sein.
Übrigens ist der Beagle Kanal kein künstlicher Kanal, wie etwa der Nord-Ostsee-Kanal, sondern eine Gewässerstrecke zwischen dem Inselgewirr, welches dem südamerikanischen Festland vorgelagert ist, und den Atlantik und den Pazifik verbindet.
Die erneute Einfahrt in den Beagle Kanal verzögerte sich allerdings wegen der dort herrschenden Windverhältnisse um 2½ Stunden. So lange dümpelten wir in einer Warteschleife im Atlantik, bogen dann schließlich wieder in den Beagle Kanal ein und passierten noch einmal Ushuaia.
Ab 21:00 Uhr erreichten wir die sogenannte Gletscherallee.
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Wir bezogen unseren Beobachtungsposten dann auf dem Promenadendeck (Deck 4).
Hier waren wir auch näher an unserer (warmen) Kabine.
Trotz Wind und niedrigen Temperaturen waren die meisten Passagiere auf den Außendecks unterwegs, um die „Gletscherparade“ abzunehmen.
In der Kopernikus-Bar wurde Eintopf angeboten, um den Witterungsunbilden besser trotzen zu können.
Von den 5 Gletschern, mit den Namen Holanda, Italia, Francia, Alemania und Romanche, die sich alle an der Steuerborseite befanden, konnten bis zu vollständigen Dunkelheit kurz nach 22:00 Uhr, die ersten vier noch bei Tageslicht bestaunt ...
... und vor allem fotografiert werden.
46. Reisetag – Freitag, 31.01.2025 – Punta Arenas/Chile
Über den Beagle Kanal und die Magellanstraße, ein unübersichtlicher Wirrwarr von Kanälen und Fjorden erreichten wir gegen 11:00 Uhr unsere erste chilenische Destination, Punta Arenas, eine Stadt mit 150.000 Einwohnern.
An der Pier lag die VASCO DA GAMA von Nicko Cruises, sodass wir auf Reede liegen mussten und tendern, um an Land zu kommen.
Da die ersten Phoenix-Ausflüge erst für 12:30 angesetzt waren, durften die „freien Landgänger“ schon mit den ersten Tenderbooten übersetzen, die ab 11:45 Uhr ihren Dienst aufnahmen.
Statt Mittagessen stärkten wir uns notdürftig mit der 11-Uhr-Boullion, die, wenn die ARTANIA noch auf See ist, an der Phoenix-Bar ausgegeben wird.
Wir erwischten tatsächlich ohne Wartezeiten einen Tender, der uns an Land brachte.
Auch das Wetter war uns hold. War es am Vormittag noch bewölkt und kühl, zeigte sich jetzt die Sonne, sodass wir bald eine Schale von unserer Zwiebel-Look-Garderobe ablegen konnten.
Unser Landgangskonzept war, wie in Ushuaia auch, dass wir uns über einen Adventure Lab fußgänger-rallye-mäßig durch die Stadt zu 5 verschiedenen Sehenswürdigkeiten lotsen ließen.
Uns fielen sehr positiv die rücksichtsvollen Autofahrer an den Zebrastreifen auf.
In Ushuaia hatten die Zebrastreifen einen rein dekorativen Charakter, denn die argentinischen Autofahrer dachten nicht im entferntesten daran, anzuhalten, wenn wir deutlich sichtbar die Straße überqueren wollten. Im Gegenteil, sie gaben noch ein wenig mehr Gas, wahrscheinlich deshalb, weil dadurch unsere Wartezeit am Straßenrand verkürzt wurde.
Ganz anders hier die chilenischen Fahrzeuglenker. Sobald wir uns auch nur einem Zebrastreifen näherten, hielten sie an, einige schalteten zusätzlich noch die Warnblinkanlage an.
Sogar wenn wir eine Straße ohne Zebrastreifen überqueren wollten, hielten viele Autos an und winkten uns über die Straße.

Monumento A Tripulantes Goleta Ancud
Dieses Denkmal ist den Besatzungsmitglieder des Segelschiffs ANCUD gewidmet, die die Magellanstraße 1843 für Chile annektiert hatten.
Gegen 17:00 Uhr tenderten wir wieder zurück auf die ARTANIA.
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Um 19:30 wurde der Anker gelichtet. Vor uns lagen 3 Tage an denen wir in den chilenischen Kanälen und Fjorden kreuzen werden.
47. Reisetag – Samstag, 01.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (1)
Das Wetter ist nach wie vor bescheiden.
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Die Karte aus dem Bordfernsehen zeigt die zurückgelegte (gelb) und die vor uns liegende (orange) Strecke.
(Die Landesgrenzen sind braun und ähneln leider sehr der orangen Streckenführung)
Das ist sehr schade, denn die imposanten Landschaften backbord und steuerbord entlang der Kanäle und Fjorde, die wir durchkreuzen, könnte man bei Sonnenschein und auf den Außendecks viel besser genießen.
So müssen uns halt mit dem Blick aus den Fenstern begnügen.
Gegen 15:30 Uhr klarte es rechtzeitig etwas auf, denn die ARTANIA steuerte im Peel Fjord auf den gigantischen Amalia-Gletscher zu.
Dem Apell des Kapitäns, sich dieses Naturereignis auf den Außendecks anzusehen, folgten die meisten Passagiere, obwohl genau parallel zu dieser Zeit die Kaffeestunde stattfand – Pech für den Kuchen.
Heute stellte ich einen weiteren Teil dieses Reiseblogs online, wofür ich einen intakten Internetzugang brauche. Das Internet auf dem Schiff ist mittlerweile stabil und genügend schnell. Der Ärger, dass man manchmal minütlich rausflog und sich neu anmelden musste oder der Verdruss über Totalausfälle und elend langes Warten, bis sich eine Seite aufgebaut hat, gehören nun endgültig der Vergangenheit an.
Die Internet-Flatrate auf der ARTANIA für die gesamte Reise ist zwar teuer (799,00 €), aber mittlerweile das Geld auch wert.
Noch vor einigen Jahren hatte ich diese Kosten gescheut und habe auf unseren Landgängen oft das Netbook im Rucksack mitgenommen, um freies WLAN zu suchen, damit ich Text und Fotos (etliche Megabytes) hochladen konnte. Das ist natürlich mit der Flatrate an Bord viel komfortabler und das Netbook braucht nicht mit an Land.
Auch die Beschaffung von Informationen über die verschiedenen Reiseziele im Internet selbst ist sehr viel einfacher geworden. Gerade über unsere Ziele der letzten Wochen in Südamerika gab es viele interessante Internetseiten auf Spanisch. Mit einem einzigen Mausklick übersetzt der Firefox-Browser fremdländische Sprachen, egal ob Spanisch, Englisch oder Portugiesisch mühelos in ein verständliches Deutsch.
48. Reisetag – Sonntag, 02.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (2)
Das Wetter blieb weiterhin unverändert trübe.
Gegen 12:00 Uhr, die ARTANIA kreuzte gerade im Messier-Kanal, “mussten“ alle Mann/Frau raus an Deck zum Fotografieren, denn wir passierten das Wrack des Frachters Capitàn Leonidas.
Das Schiff wurde am 7. April 1968 absichtlich auf Grund gesetzt.
Der Kapitän wollte das Schiff wegen eines Versicherungsbetrugs versenken. Das Schiff wurde jedoch nur auf Grund gesetzt und der Betrug flog auf. Das Wrack benutzt die chilenische Marine manchmal als Ziel für ihre Schießübungen.
Sonntags wird zur Kaffeestunde normalerweise Schwarzwälder Kirschtorte (Black Forrest Cake) angeboten. Normalerweise, denn wenn sonntags eine Themen-Kaffeestunde stattfindet, wie z. B. “Alles Schokolade“ oder “Wiener Kaffeehaus“, gibt es Gebäck und Süßspeisen, die dem jeweiligen Thema geschuldet sind, aber eben keine Schwarzwälder Kirsch.
Gegenüber dem Hoteldirektor flachsten wir vor einiger Zeit einmal tränenreich, dass wir das hinterhältige Aushebeln der Schwarzwälder-Kirsch-Verköstigung durch diese Sonderveranstaltungen missbilligen würden.
Und heute war es wieder soweit – Wiener Kaffeehaus – Schwarzwälder Kirsch ade!
Aber dann die glückliche Wende. Am Vormittag besuchte uns der Hoteldirektor im Büro (also in der Bibliothek), wo ich ein wenig am Blog arbeitete und er eröffnete uns, dass es trotz Wiener Kaffeehaus dennoch Schwarzwälder Kirsch geben würde. Wir könnten diese beim Kellner bestellen.
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Heute war das Wiener-Kaffeehaus-Buffet zusätzlich mit thematisch passenden Kohlezeichnungen dekoriert, die ein Crewmitglied angefertigt hatte.
Pünktlich um 15:30 Uhr eilten wir in das Restaurant Vier Jahreszeiten.
Dort wurde schon das Kuchenbuffet gestürmt, wo Sachertorte, Hawelkas Gugelhupf, Kaiserschmarren, Topfenstrudel etc. auf die ausgehungerten Passagiere wartete. Schwarzwälder war an dem Buffet natürlich nicht präsent, denn das wäre Stilbruch, politisch nicht korrekt und kulturelle Aneignung gewesen.
Wir nahmen an einem Tisch Platz und fragten vorsichtig beim Kellner nach, ob man tatsächlich Black Forrest Cake ordern könne. Der Kellner wusste tatsächlich Bescheid, entschwand und kam mit 2 Tellern wieder, auf jedem ein Tortenstück, doppelt so breit wie normal und auch noch doppelt so hoch. Der Konditor hatte anscheinende jeweils 2 breite Tortenstücke irgendwie übereinander drapiert.
Grinsend servierte uns der Kellner diese Ungetüme.
Genüsslich machten wir uns über die dargereichte Atzung her, die neidischen Blicke der benachbarten Kaffeehaus-Besucher ignorierend.
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Die grandiose vorbeiziehende Fjordlanschaft konnten wir wetterbedingt nur durch die Panoramafenster bewundern.
Zum Abendessen begnügten wir uns mit einem Teller Chilenische „Pantrucas“ Gaucho Suppe, für mehr war kein Platz.
49. Reisetag – Montag, 03.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (3)
Im letzten Blogbeitrag (Eintrag vom 27.1.2025) hatte ich meine Verwunderung ausgedrückt, dass der MLP-Finanzberater Matthias Uffelmann an Bord Vorträge hält, ohne “zuzugeben“, dass er für den (teilweise umstrittenen) Finanzdienstleister MLP arbeitet.
In Facebook hat eine Passagierin als Reaktion auf meinen Blog diesen Kommentar gepostet, der genau auf meiner Linie liegt.
Diese Passagierin, Barbara Moormann, arbeitet als selbstständige Journalistin. Ihre Fachgebiete sind Geldanlagen und Steuern.
Sie sprach mich gestern in “meinem Büro“ an. Sie hatte Herrn Uffelmann direkt mit seiner MLP-Tätigkeit konfrontiert und ihm gegenüber geäußert, dass es sich gehören würde, wenn zumindest in den Vorankündigungen im Tagesprogramm ein Hinweis auf MLP erscheinen würde. Angeblich hat er erwidert, dass er damit kein Problem hätte. Allerdings waren für seine Vorträge am 1.2.2025 “Die Immobilie als Kapitalanlage“ und am 2.2.2025 “Pflegevorsorge - Gut abgesichert im Pflegefall“ wieder keine Hinweise auf MLP im Tagesprogramm zu finden.
Ich bin nach wie vor skeptisch. Zwar versicherte Herr Uffelmann der Dame, dass er keine Neukunden mehr annehme und deswegen auch keine Adressen akquirieren würde, aber er hatte in einem seiner Vorträge angeboten, dass Interessenten kostenlos ein an sich kostenpflichtiges Finanzanalyse-Tool nutzen könnten. Er hat zu diesem Tool einen persönlichen Internetzugang und würde diesen Zugang zur Verfügung stellen. Die Analyse kann anonym durchgeführt werden, man müsse “nur“ seine E-Mail-Adresse hinterlegen.
Nach solch einer Analyse steht sicherlich ein konkretes Finanzprofil verknüpft mit einer E-Mail-Adresse zur Verfügung und das im Zugriff eines MLP-Finanzberaters.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich Herrn Uffelmann schreiendes Unrecht tue, kann ich nicht glauben, dass solch ein Datenschatz ungenutzt bleibt, egal ob von ihm selbst oder von einem seiner MLP-Kollegen.
Auf alle Fälle sind seine Vorträge ein voller Erfolg. Das Bordkino, in dem er die Vorträge hält, ist immer bis auf den letzten Platz besetzt. Nach den Vorträgen bildet sich eine Traube von Fragestellern um den Referenten; die Leute sind sehr interessiert. Ja, wer möchte nicht, dass sich sein Geld wie von selbst kräftig vermehrt.
Ob sich aber Phoenix auf lange Sicht mit solch einem Vortragskonzept einen Gefallen tut, bleibt dahingestellt. Mir drängt sich in diesem Zusammenhang der Begriff “Kaffeefahrt“ auf.
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Auch am 3. Tag in den chilenischen Fjorden war das Wetter wieder schlecht. Trübe Sicht, sehr oft Regen und starker Wind.
50. Reisetag – Dienstag, 04.02.2025 – Castro/Insel Chiloé/Chile
Eigentlich hatten wir für heute über die Internetseite
einen privaten Ausflug gebucht (u.a. Besuch einer Pinguinkolonie), den wir leider wieder stornieren mussten, da Doris kränkelte – ARTANIA-Husten + alle möglichen Erkältungssymptome.

Die wenigen Plätze "oben" im Tenderboot sind die beliebtesten, sie haben nämlich den Vorteil, dass man zu den Ersten gehört, die wieder aussteigen können. Der Zeitgewinn kann bis zu 5 Minuten gegenüber dem zuletzt Aussteigenden betragen. Doris und ich haben allerdings noch nie um diese Plätze gekämpft.
Die ARTANIA lag auf Reede und ich tenderte notgedrungen solo an Land ...
... und unternahm einen ausgiebigen Stadtrundgang in der quirligen City mit den unzähligen kleinen Läden und Geschäften.
Das Wetter zeigte sich endlich mit sonnigen 20° von seiner freundlicheren Seite.
Castro ist eine quirlige bunte Stadt mit 34.000 Einwohnern, die sich im Chiloé-Archipel befindet.
Eine der wenigen Sehenswürdigkeiten ist die zum Weltkulturerbe gehörende Pfarrkirche San Francisco de Castro.

Der zentrale Omnibus Bahnhof.
Unzählige Schalter der verschiedenen Busgesellschaften und ein Kommen und Gehen unzähliger Busse. Ich denke, hier kommt die Fahrplanauskunft von Google an ihre Grenzen.

Eine typische Geschäftsstraße. Wegen des dichten Verkehrs ist eine Aufnahme ohne ein Fahrzeug fast unmöglich.
Mein Trost: Dadurch wird die Aufnahme authentisch. 😊
Nach 3 Stunden ging es per Tenderboot wieder zurück zur ARTANIA.
Das heutige Tendern war die wahre Freude, keine Wartezeiten und das Boot nur halb gefüllt.
Um 20:00 Uhr wurde der Anker gelichtet und weiter ging die Reise.
51. Reisetag – Mittwoch, 05.02.2025 – Puerto Montt/Chile
Hier in Puerto Montt bestand wieder mal die Hafenbehörde darauf, ihre eigene Gangway an die ARTANIA anzuklöppeln. Erfahrungsgemäß geht so ein Vorhaben meist nie glatt. Wen wundert’s, dass die Durchsage kam:
"Die geplanten Ausflugszeiten verschieben sich mindestens eine halbe Stunde nach hinten, da es Schwierigkeiten gibt, die hafeneigene Gangway anzubringen.“
Der Wetterbericht sagte für heute bedeckten Himmel und Wind voraus, aber keinen Regen.
Den Landgang musste ich auch heute alleine antreten, da Doris immer noch von dem ARTANIA-Husten geplagt wurde. Der ARTANIA-Husten scheint seit vielen Jahren eine Dauerseuche hier auf dem Schiff zu sein, das halbe Schiff hustet.
Ich trabte also allein los, ohne genaues Ziel und Plan. In so einem Fall strebt man am Besten auf den Plaza de Armas (Paradeplatz) zu, den es anscheinend in jeder chilenischen Stadt gibt und der in den Reiseführern erwähnt wird.
Auf dem Weg dorthin kam ich an einem kleinen Fähranleger vorbei.
Von hier setzte ein kleines Fährboot zur nahe gelegenen Insel Tenglo über.
Die wenige Minten dauernde Fahrt sollte 1.000 Pesos (1 €) kosten und da meine chilenische Barschaft noch stolze 4.000 Pesos betrug, konnte ich mir eine Fahrt auf die Insel und - was besonders von Belang ist - auch die Rückfahrt leisten.
Somit wurde das Projekt „Plaza de Armas“ auf Eis gelegt.
Die Insel Tenglo mit den vielen Booten am Strand ...
... und dem Kreuz oben auf der Bergspitze hatten wir schon vom Promenadendeck der ARTANIA gesehen und sie hatte gewisse touristische Begehrlichkeiten geweckt.
Drüben angekommen ...

Isla Tenglo hat ca. 1000 Bewohner und anscheinend genausoviele freilaufende Hunde, die sich aber alle als harmlos erwiesen.
... machte ich mich gleich auf dem Weg zum “Gipfelkreuz“, ...
... das sich laut GPS 101 Meter über dem Meeresspiegel befindet.
Der Weg dorthin war steil, sehr steil.
Meine Smartwatch meldete einen Puls von 125, als ich oben ankam.
Die Aussicht war allerdings nur mittelprächtig bis trüb.
Zu allem Überfluss erwies sich die prognostizierte Regenwahrscheinlichkeit von 0% als unzutreffend, ...
... denn es fing an zu regnen, nicht besonders heftig, aber der starke böige Wind sorgte dafür, dass der Regen nicht von oben, sondern von vorn sein Unwesen trieb und mein Schirm rein gar nichts dagegen ausrichten konnte.
Der daraufhin eingeleiteter Rückzug erfolgte ohne besondere Vorkommnisse, wenn man davon absieht, dass ich nasser und nasser wurde.
Das Fährboot wollte gerade abfahren und wartete zum Glück dann doch noch freundlicherweise auf mich.
Völlig durchnässt kam ich auf der ARTANIA an.
Ich hoffe, dass das Regenabenteuer nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit einem Infekt ist, egal ob bakteriell oder viral. ☹
Der eigentliche Grund, warum Puerto Montt angelaufen wird, ist unter anderem der 2652 m hohe Vulkan Osorno (und nicht unbedingt Isla Tenglo).
Einen wunderschönen Panoramablick auf den Osorno hat man vom Ufer des Llanquihue-See. Hierhin gingen heute auch einige Ausflüge.
Leider war den Ausflüglern der Panoramablick auf den kleiner Fuji, wie der Osorno auch genannt wird, auf Grund der Witterung verwehrt.
Die Abfahrt aus Puerto Montt wurde von ursprünglich 18:00 Uhr auf 17:00 Uhr vorverlegt.
Einer der Flüge übermorgen, der die abreisenden Passagiere nach Hause bringen soll, geht schon sehr früh am Morgen los. Deshalb will die ARTANIA übermorgen, nach einem Seetag, in San Antonio statt wie geplant um 8:00 Uhr, schon um 6:00 morgens ankommen.
Jetzt mussten sich die Hafenarbeiter, die Lebensmittel verluden, ein wenig beeilen. Nicht nur die frühere Abfahrt, sondern auch die fortschreitende Ebbe trieb sie zur Eile an. Wegen der Ebbe befand sich die Ladeluke auf Deck 1 jetzt unterhalb der Pier, sodass die Kisten nicht mehr mit Gabelstablern ins Schiffsinnere verbracht werden konnten, sondern mit einem Kran umständlich auf Deck 4 an die Phoenix-Bar gehievt und von dort von der ARTANIA-Crew in die Laderäume verfrachtet werden mussten.
52. Reisetag – Donnerstag, 06.02.2025 – Seetag
Den gestrigen Gala-Abend feierten wir mit Schnitzel und Hot Dogs, die wir über den Kabinenservice orderten. Getrübt wurde das Festmahl durch die Tatsache, dass das chilenische Bier, das ich in Castro gekauft hatte, nicht richtig temperiert war, obwohl es im Kühlschrank in der Kabine gelagert wurde.
Eine Temperaturmessung im Kühlschrank mit unserem Zimmerthermometer ergab eine Temperatur von viel zu hohen 18°.
Da der Kühlschrank keine Temperaturregelung besitzt, baten wir über die Rezeption einen Techniker zu schicken, der irgendwie eine tiefere Temperatur einstellen sollte.
Der Techniker kam, fackelte nicht lange und tauschte den Kühlschrank durch einen Neuen aus, der ordentlich kühlt.
Ein rustikales Mittagessen konnten wir im Rahmen des Bayerischen Frühschoppens einnehmen.
Da morgen der Reiseabschnitt zu Ende geht, luden der Kapitän und der Kreuzfahrtdirektor zum Abschiedscocktail in die Atlantik-Show-Lounge ein.
Die Prozedur und die Reden sind immer die gleichen und wir kennen das alles bereits zur Genüge, einschließlich der schmissigen Version von “Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“, zu der alle begeistert im 2/4-Takt mitklatschen.
53. Reisetag – Freitag, 07.02.2025 – San Antonio (1)/Chile
Die Idee, von San Antonio mit dem Bus in die gut 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Santiago (5 Millionen Einwohner) zu fahren, hatten wir gestern Abend eigentlich wieder verworfen, weil Doris sich noch nicht fit genug fühlte.
Da sie aber heute Morgen meinte, wieder Bäume ausrei?en zu können, buchten wir bei
für 11:00 Uhr eine Fahrt in die chilenische Hauptstadt (Fahrpreis für uns beide zusammen: 12,19 €) . Für die Rückfahrt wählten wir die Abfahrtszeit 14:45 Uhr. Damit hatten wir 2 Stunden in Santiago, was in Sachen Bäume ausreißen fürs Erste genügen sollte.
Bei der Buchung für die Rückfahrt nutzten wir die (kostenpflichtige) Option, die Sitzplätze selbst auszuwählen (Fahrpreis für uns beide zusammen: 14,45 €).
Wir wählten die besten Plätze, die es in einem Reisebus gibt, nämlich in der ersten Reihe die beiden Sitze rechts, denn da kann man nicht nur rechts aus dem Fenster sehen, sondern auch nach vorne durch die große Frontscheibe.
Diese exponierten Sitze werden bei Phoenix-Ausflügen ausschließlich von “Goldgästen“ besetzt.
Hierzu muss ich zum besseren Verständnis ein wenig ausholen.
Bei Phoenix gibt es 3 verschiedene “Klassen“ von Gästen.
- keine Bezeichnung: Gäste in den Kabinen ohne Balkon
- Silbergäste: Gäste in den Balkonkabinen
- Goldgäste: Gäste in den teuersten Suiten (die natürlich auch Balkone haben)
Die Gold- und Silbergäste erhalten zusätzlich Sekt, Blumen auf die Kabine und sonstige Goodies an Bord. Das ist auch vollkommen OK, denn die entsprechenden Kabinen sind ja auch signifikant teurer als die Unterkünfte in der “Holzklasse“.
Bei Ausflügen gibt es für die Goldgäste das zusätzliche Privileg, schon in die Ausflugsbusse einsteigen zu dürfen, wenn der Rest der Ausflügler (Silber und Holz) noch in der Atlantik-Show-Lounge warten muss, bis sie von der Lounge an die Busse geführt werden.
Logisch, dass dann die vorderen Reihen schon besetzt sind.
Ich finde dieses Privileg übrigens nicht in Ordnung, auch wenn wir kaum an solchen Ausflügen teilnehmen, denn für die Ausflüge wird klassenunabhängig von allen der gleiche Preis bezahlt.
Der Silber- und Holzgast hat also nie die Chance, einmal einen der begehrten Plätze in den vorderen Reihen zu ergattern.
Außerhalb des Schiffs und bei Leistungen, für die alle Gäste den gleichen Preis bezahlen, dürften die “Klassenunterschiede“ eigentlich keine Rolle mehr spielen - das tun sie aber!
Soviel zu den Goldgästen bei Phoenix, aber jetzt hatten wir uns ja für ca. 2 Euro einen Gold-Platz im FlixBus gekauft.
Der Busbahnhof in San Antonio war übersichtlich, sodass der richtige Bussteig mit nur einmal fragen gefunden wurde.
Der Bus war auf die Minute pünktlich.
Leider war die Sicht nicht sehr gut, sodass die Anden, an deren Fuß Santiago liegt, mit den schneebedeckten Gipfeln beim Annähern an die Stadt nicht klar zu sehen waren.
Nach 1 Stunde 45 Minuten kamen wir in Santiago in der Estación Central an.
Der Busbahnhof Terminal San Borja, der Teil der Estación Central ist, hat fast 100 Bussteige, also ist entsprechend groß und unübersichtlich.
Die Bussteige sind nummeriert, dass ist aber schon die einzige Hilfestellung, denn Fahrpläne und Monitore mit Informationen gibt es keine.
Wir wussten vom Busfahrer, dass wir von Bussteig 40, wo wir angekommen waren auch wieder zurückfahren müssen.
Jetzt hatten wir aber erst einmal das Problem, den Ausgang zu finden. Nach einiger Zeit kamen wir dahinter, dass sich der Busbahnhof quasi im Obergeschoss befand und ein Stock tiefer die Ausgänge sein müssten. Aber auch hier war zunächst einmal weit und breit kein Ausgang (oder entsprechende Wegweiser) zu finden. Wir schienen gefangen in einer unübersichtlichen Shopping Mall mit Kaufhäusern, Schuh- und Modegeschäften, Elektronik-Läden, allen möglichen Gastronomien und dem Fernbahnhof, aber nirgendwo Ausgänge.
Kein Wunder, wir befanden uns an der Stirnseite eines rechteckigen Gebäudekomplex und die Ausgänge waren auf der gegenüberliegenden Seite in 448 Meter Entfernung (ich habe das mit Google Maps nachgemessen).
Nachdem wir endlich draußen waren, erwartete uns ein buntes Treiben von Händlern und Ständen vor und hinter einem hohen grünen Metallzaun, der die Estación Central umgab.
Der Hauptstrom der Tausende von Menschen, die hier in diesem eingezäunten Bereich wuselten, kam anscheinend von der Metro, die hier auch ihre Ein- und Ausgänge hat, den beiden Parkdecks unterhalb der Estación Central, den Fernzügen und den Bussen.
Dieser Zaun schien unüberwindlich, sprich die Suche nach einem Ausgang begann von vorn.
Aber schließlich gab es doch ein kleines Schlupfloch, um ganz nach draußen zu kommen.
Nachdem wir in einem Schnellrestaurant etwas getrunken hatten, war es auch schon wieder an der Zeit uns in Richtung Busbahnhof zum Bussteig 40 zu bewegen.
Der grüne FlixBus kam und unsere Goldplätze erwiesen sich als der Flop des Jahrhunderts.
Statt freier Sicht auf Land und Leute, saßen wir praktisch vor einer Kunststoffwand.
Der komplette vordere Teil, wo der Busfahrer sitzt und sein Gefährt lenkt, ist eine Kabine mit Durchgang, durch den die Passagiere in den Mittelgang des Fahrgastraum gelangen um dann von dort ihre Plätze einzunehmen. Sind alle Passagiere im Bus, wird der Durchgang durch ein Paneel verschlossen.
Zu allem Überfluss befanden sich unsere Goldplätze über dem Vorderrad, sodass der Boden vor unseren Sitzen eine erhabene Rundung auswies. Ab 1,60 Meter Körpergröße saß man auch noch mit angezogenen Knien auf seinem Sitz, bedingt durch diese Bodenwelle.
Zum Glück war der Bus nur zur Hälfte besetzt, sodass wir uns reumütig zwei vernünftige Plätze aussuchen konnten.
Pünktlich auf die Sekunde (nicht übertrieben) fuhren wir los und kamen wohlbehalten in San Antonio wieder an.
54. Reisetag – Samstag, 08.02.2025 – San Antonio (2)/Chile
Für heute hatten wir uns nichts vorgenommen, da um 13:00 Uhr das Auslaufen terminiert war. Außerdem war bereits für 12:15 Uhr die für alle obligatorische Rettungsübung angesetzt, schließlich begann gestern ein neuer Reiseabschnitt, “Von Chile aus quer durch die Südsee nach Auckland!“, so der Titel.
Unser heutiger “Ausflug“ führte uns per Shuttlebus zum Passagier-Terminal am Hafenausgang, ...
... denn dort gab es freies WLAN.
Jetzt wird sich der aufmerksame Leser fragen, wieso wir wegen des WLANs ins Terminal fahren, wo wir doch auf dem Schiff unsere gekaufte Flatrate nutzen können und ich die Internetverbindung doch vor Kurzem erst gelobt hatte?
Die Antwort: Anscheinend beherrscht das Schiffs-WLAN nicht das gesamte Internet-Spektrum, der Fachmann spricht von Übertragungsprotokollen.
Der Verdacht kam bei uns deshalb auf, weil sich ein unbedingt notwendiges Update für die WhatsApp-Funktion unter WINDOWS nicht ausführen ließ. Es gab auch keine Fehlermeldung – es passierte einfach nix. Wir googelten uns den Wolf, um herauszufinden, woran das lag, aber wir fanden keinerlei Hinweise oder Problemmeldungen. Daher rührte unser Verdacht, dass das ARTANIA-Internet der Schuldige ist.
Im Passagierterminal angekommen meldeten wir uns im dort angebotenen WLAN an.
Und siehe da, das Update, das trotz einem Dutzend Versuche auf der ARTANIA nicht funktioniert hat, installierte sich hier klaglos, wenn auch sehr langsam.
Jetzt konnten wir wieder WhatsApp-Nachrichten auf dem PC senden und empfangen, was allemal komfortabler ist als auf dem Mini-Bildschirm des Smartphones.
Nach dem Ablegen kam kräftiger Wind auf, der sich zu einem Sturm entwickelt hatte, was „heftige Schiffsbewegungen“ (seemännischer Ausdruck für Schwanken) zur Folge hatte.
Das wiederum verursachte bei vielen Passagieren ein gewisses Unwohlsein, weshalb es zum Abendessen im Lido-Restaurant genügend freie Tische gab.
Das war heute beim Frühstück und zum Mittagessen ganz anders.
Schon beim Frühstück mussten die Gäste am Eingang warten, bis es freie Plätze gab auf die sie platziert wurden.
Der Engpass war meines Erachtens durch einen Planungsfehler verursacht. Die Restaurants ARTANIA und 4-Jahreszeiten schlossen bereits beide um 9:00 Uhr mit der Begründung, dass ab 9:00 Uhr ca. 300 Leute bereits mit Ausflügen unterwegs sind.
San Antonio selbst ist keine besonders attraktive Stadt, sodass für viele der verbliebenen 750 Gäste dieser Vormittag einen „Fast-Seetag“ darstellte und an solchen frühstückt man erfahrungsgemäß etwas später und hierfür stand nun mal einzig und allein das Lido mit seinen 280 Plätzen zur Verfügung.
Zum Mittagessen war die Situation noch gruseliger. Allerdings diesmal nicht wegen eines Planungsfehlers, sondern eher situationsbedingt.
Wegen dem Ende der Rettungsübung wurden die Öffnungszeiten auf 13:00 – 14:30 Uhr verlegt. Gleichzeitig lockte ab 13:00 Uhr die Auslaufparty mit kostenlosem Sekt, sodass die meisten Passageriere statt „in Ruhe“ in den Bedienrestaurants zu speisen, heute lieber das Selbstbedienungsrestaurant bevölkerten.
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Nachdem man glücklich eingelassen worden war, war man noch lange nicht an den Futternäpfen.
In diese lange Schlange mussten wir uns erst einmal einreihen und zwar ganz am Ende.
55. Reisetag – Sonntag, 09.02.2025 – Robinson Crusoe Insel/Chile
Diese knapp 50 km2 große Insel mit ca. 1000 Bewohnern liegt 670 Kilometer westlich von unserem letzten Ziel San Antonio im Pazifik.
Im Jahre 1704 wurde der schottische Seemann Alexander Selkirk auf dieser Insel ausgesetzt und lebte hier vier Jahre in völliger Einsamkeit.
Seine Geschichte inspirierte den Schriftsteller Daniel Defoe zu seinem Roman Robinson Crusoe.
Ursprünglich hieß die Insel Isla Más a Tierra und bekam erst 1966 ihren Namen in Anlehnung an die berühmte Romanfigur.
Die Insel hat keine große Pier, wo die ARTANIA anlegen könnte, also stand mal wieder Tendern auf dem Plan.
Der Sturm von gestern Abend hat sich im Laufe des heutigen Tages gelegt, aber ob getendert werden kann oder nicht, entscheidet sich immer erst vor Ort.

3 Tenderboote dümpelten in Wartestellung, während das vierte in Richtung Tenderpier zum Ufer unterwegs war.
Ich möchte es nicht allzu spannend machen und betitele deshalb die nächsten Zeilen mit
“Eine Choreographie des Nicht-Tenderns!“
Über die Bordlautsprecher informierte der Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka (der Jörn Hofer vor 2 Tagen abgelöst hat) über den Stand der Dinge wie folgt:
- Die Tenderboote werden zu Wasser gelassen.
- (Optimismus)
Die Wetterbedingungen sind gut, wir werfen noch keinen Anker und driften.
(Die weißen Schaumkrönchen im Uferbereich stimmen Doris und mich allerdings ein wenig nachdenklich.) - Eines der Tenderboote fährt Richtung Land, um die Behörden an Bord zu holen, die die Schiffsfreigabe erteilen sollen.
- Die Chancen stehen gut im Zeitplan zu bleiben.
- (Erste Abweichungen vom zuvor geäußerten Optimismus):
Der Hafenmeister rät wegen der starken ablandigen Winde vom Tendern ab. - (neue Hoffnung):
Nicht der Hafenmeister entscheidet, ob wir Tendern können, sondern unser Kapitän. - (Hoffnung zerschlagen):
Der Hafenmeister hat den Hafen geschlossen. - (Einsicht):
Der starke Wind von 30 Knoten hätte das Anlegen des Tenders sehr erschwert und es hätte die Gefahr bestanden, dass das Boot Schaden nimmt. Da die Tenderboote Rettungsmittel sind, wäre ein Ausfall äußerst problematisch. - Die Sicherheit der Passagiere und der Crew steht an erster Stelle.
- (Trost):
Wir werden die Insel mit der ARTANIA umfahren.
Es war wirklich sehr schade, dass wir die Insel nicht betreten konnten, aber es gibt (neben der Inselumrundung mit der ARTANIA) noch einen Trost.
Statt des Landgangs konnten wir um 15:30 Uhr zur Kaffeestunde gehen. Heute ist nämlich Sonntag und da gibt es Schwarzwälder Kirsch!!!
56. Reisetag – Montag, 10.02.2025 – Seetag
Heute war der erste von vier Seetagen. Am 14. Februar werden wir vor der Osterinsel dann den Anker werfen.
Auf dieses Ziel freuen wir uns ganz besonders, nicht zuletzt, weil es unser 3. Versuch ist, einen Fuß auf die Osterinsel zu setzen, um die monumentalen Steinskulpturen, die Moai, aus der Nähe zu sehen.
Unseren ersten Versuch unternahmen wir 2017, ebenfalls mit der ARTANIA. Damals konnten wir wegen der bewegten See nicht an Land tendern und mussten uns mit einem Blick durch das Fernglas begnügen.
Der zweite Anlauf war drei Jahre später während der ARTANIA-Weltreise 2019/2020. Die musste aber wegen Corona im März 2020 in Sydney abgebrochen werden, womit die Weiterfahrt durch die Südsee Richtung Südamerika ins Wasser fiel und damit war auch der Versuch bei der Osterinsel anzulanden im Keim erstickt.
Nun hoffen wir innständig, dass es diesmal klappen wird.
Doch gleich zu Beginn dieser Etappe gab es diesbezüglich ein großes ABER.
Laut Plan sollten wir von Freitag, den 14.2., 8:00 Uhr bis Samstag, den 15.2, 13:00 Uhr auf Reede vor Hangaroa an der Westküste der Osterinsel liegen. Damit hätten wir 1½ Tage Zeit gehabt, die 1000 Passagiere peu à peu an Land und wieder zurückzubringen.
Jetzt soll aber plötzlich und unerwartet am 15.2. ein großes Kreuzfahrtschiff, die MSC Magnifica mit 2.500 Passagieren, ebenfalls vor Hangaroa auf Reede liegen.
Deshalb müssten wir uns mit diesem Mammutschiff am Samstag die Tenderpier teilen. Das macht wenig Sinn.
Deshalb hat Phoenix umdisponiert und wir werden in der Nacht von Freitag auf Samstag unseren Ankerplatz verlegen und zwar an die Nordküste. Dort soll es eine Behelfsplattform geben, an der wir mit unseren Tenderbooten bei entsprechend ruhiger See anlegen können.
Bei uns schrillten sämtliche Alarmglocken ob solcher Änderungen und Ankündigungen. Wir befürchten ein wenig, dass wir an diesem Samstag keinen Fuß auf festen Boden bekommen werden.
- Wird die See ruhig genug bleiben?
- Ist die Behelfsplattform kompatibel mit unseren Tenderbooten oder ist sie zu hoch oder zu niedrig?
- Wird uns die Hafenbehörde erlauben, den provisorischen Anleger zu nutzen (und das am Wochenende)?
- Hat Phoenix tatsächlich eine Anlandung geplant oder sind die Ankündigungen reine Makulatur?
Aber lassen wir vorerst das Unkenrufen und sehen der Sache optimistisch ins Auge.
Übrigens war heute schon wieder Gala angesagt. Begrüßungscocktail, Foto mit Kapitän und Kreuzfahrtdirektor und Schlips und Kragen auch für die Schwänzer dieser Vergnüglichkeiten. Dabei liegt der letzte Galaabend (Abschiedsgala) gerade mal vier Tage zurück. Das ist nun mal das schwere Los bei den Langzeitreisen über mehrere Etappen.
Ich vermute aber, dass sich das Mitleid der Leser dieses Blogs in Grenzen hält. 😊
57. Reisetag – Dienstag, 11.02.2025 – Seetag
Schreck in der Morgenstunde (7:30 Uhr)!
Eine der ersten Tätigkeiten nach dem Aufstehen, noch vor dem Zähneputzen, besteht darin, Kanal1 des Bordfernsehens einzuschalten. Hier in der sogenannten Cruise-Show erfahren wir die aktuellen Kurs- und Wetterdaten. Bei den Kursdaten stutzen wir. Geschwindigkeit 10 Knoten, Entfernung zum nächsten Ziel, den Osterinseln, mehr als 1.000 Seemeilen. Die Ankunft ist in 3 Tagen um 8:00 Uhr vorgesehen, das heißt in 72 Stunden.
Eine einfache Rechnung ergibt:
10 Knoten x 72Stunden = 10 Seemeilen/Stunde x 72 Stunden = 720 Seemeilen.
Das hieße schlicht und ergreifend wir kämen viel zu spät an. Haben wir einen Maschinenschaden?
Entwarnung nach einigen Minuten!
Unser Dampfer nimmt wieder Fahrt auf und hält dann eine Geschwindigkeit von mehr als 16 Knoten.
Neue Rechnung:
16 Knoten x 72 Stunden = 1.152 Seemeilen.
Wir werden höchstwahrscheinlich rechtzeitig ankommen.
58. Reisetag – Mittwoch, 12.02.2025 – Seetag
Es ist schon etliche Tage her, dass wir mit dem Chefkoch, Aleksei Anisimov, zufällig gesprochen und erwähnten, dass Doris es bedauert, dass bei Grill-Events in der Kopernikus-Bar die Sauercreme für die Folienkartoffeln grundsätzlich mit Knoblauch versetzt ist.

Das Grillen an der Kopernikus-Bar erfreut sich immer großer Beliebtheit. Außerdem entlasten diese Veranstaltungen die Platzknappheit im Lido-Restaurant, das sich auf dem gleichen Deck befindet.
Doris hat, in den vielen Jahren als Berufspendlerin, in den vollen S- und U-Bahnen eine “Knoblauchallergie“ entwickelt.
Aleksei Anisimov zeigte volles Verständnis und meinte, dass er für Doris eine Portion knoblauchfreie Sauercreme bereithalten würde.
Heute war der Tag, an dem sich weisen sollte, ob der gute Küchenchef sich noch an seine Worte erinnern würde? Er wirbelt an der Grillstation hin und her und hält so den Laden am Laufen.
Aber als er uns erblickte, wandelte sich sein bis dato so angestrengter Gesichtsausdruck zu einem Lachen und er überreichte Doris ein Schüsselchen mit der Doris-Spezial-Sauercreme.
10 von 10 möglichen Punkten auf der Hut-ab-Skala für Herrn Anisimov. 😊
59. Reisetag – Donnerstag, 13.02.2025 – Seetag
Seit heute Vormittag fährt die ARTANIA nur noch mit spritsparenden 8,5 Knoten.
Eine kurze Rechnung (einfacher Dreisatz) ergab, dass wir rechtzeitig ankommen würden.
Abends, so ab halb zehn, zieht in Harry’s Bar das “Schnapsi-Duo“ seine Kreise.
Die Getränke-Stewardess Maricel und der Getränke-Steward Ervin präsentieren im täglichen Wechsel verschiedene hochwertige Spirituosen und weisen ihnen nicht ganz ernstgemeinte Eigenschaften zu (z. B. spräche man nach dem Genuss eines Gläschens Grappa hinterher perfekt Italienisch).
60. Reisetag – Freitag, 14.02.2025 – Hangaroa/Rapa Nui (Osterinsel)/Chile
Wir konnten es kaum glauben, pünktlich um 8:15 Uhr fuhren für die Vormittags-Ausflügler die ersten Tenderboote an Land.
Der Anleger lag am Rand der einzigen Stadt der Osterinsel, Hangaroa. Hier leben auch die meisten der ca. 8.000 Inselbewohner.
Wir hatten, entgegen unseren Gewohnheiten, für heute bei Phoenix einen Ausflug gebucht.
Die Chance auf der Osterinsel anlanden zu können ist schlechter als 50:50 und die Entscheidung, ob es klappt oder nicht wird sehr kurzfristig getroffen, sodass die Buchung eines individuellen Ausflugs ein hohes Risiko darstellt, auf den Kosten sitzen zu bleiben, insbesondere da die Ausflüge keine Schnäppchen sind.
Bei Phoenix-Ausflügen hingegen fallen keinerlei Stornokosten an, falls der Ausflug nicht stattfinden kann. Das ist bei einem Ausflugspries von 170 Euro pro Person durchaus ein Argument. In diesem Ausflugspreis ist der Eintritt für den Nationalpark in Höhe von 80 US-Dollar enthalten.
Zu diesem Nationalpark gehört praktisch die gesamte Insel bis auf die Stadt Hangaroa.
Das Sammeln für unseren Ausflug in der Atlantik-Show-Lounge war zwar erst für 13:00 Uhr angesetzt, aber wir tenderten schon am Vormittag an Land, denn es gab auch die Option, erst an Land zur Ausflugsgruppe hinzuzustoßen. Und am allerwichtigsten war für uns, erst mal einen Fuß an Land zu bekommen. Weiß man, was die Wellen am Nachmittag vorhaben werden? Und zurückbringen auf die ARTANIA wird man uns auf alle Fälle schon irgendwie – so unsere Gedankengänge.
Aber um die Spannung vorwegzunehmen, Wetter, Wind und Wellen blieben den ganzen Tag äußerst tenderfreundlich.

Noch vor dem Anlegen an der Tenderpier erspähten wir durch eine Luke des Tenderboots unseren erst Moai.
Um 11:00 Uhr betraten wir beinahe ehrfurchtsvoll Rapa Nui, so lautet der polynesische Name der Osterinsel.
Die Osterinsel liegt 3.500 Kilometer vom südamerikanischen Festland entfernt und gehört zu Chile. Aber des einzige chilenische auf dieser Insel ist die Währung und die spanische Amtssprache, kulturell und ethnisch gehört sie eindeutig zu Polynesien.

Dieser Wagen mit den seltsamen Figuren erinnerte uns stark an einen Motivwagen im Rosenmontagszug.
Wir sollten später noch erfahren, dass wir damit gar nicht so falsch lagen.
Da wir bis zum Beginn des Ausflugs noch gut zwei Stunden Zeit hatten, machten wir einen Spaziergang in die nahegelegene Stadt Hangaroa.
Unser Ausflug am Nachmittag nannte sich
Akahanga Ahu, Rano Raraku und Ahu Tongariki.
Im Ausflugstitel verbergen sich ausschließlich polynesische Bezeichnungen (ausgenommen das Bindewort „und“), also deshalb hier die wichtigsten Begriffe:
- Rapa Nui ist der polynesische Name der Osterinsel.
- Ein Ahu ist eine zeremonielle Plattform auf der Moais aufgestellt werden.
- Ein Moai ist eine steinerne monolithische humanoide Statue, die typisch für die polynesische Osterinsel ist.
- Der Rano Raraku ist ein erloschener Vulkan mit einer Höhe von bis zu 126 Metern im Südosten der Osterinsel. Hier wurden die Moais aus dem vulkanischen Tuffstein geschlagen.
Man weiß nicht sicher, mit welcher Technik die bis zu 10 Meter hohen und mehrere Tonnen schweren Figuren von hier über die gesamte 162,5 km² große Insel verteilt worden sind. In halber Höhe rund um den Kraterrand stehen 396 fertige, halbfertige und auch beschädigte Moais. - Akahanga ist der Name eines Geländes an der Südküste der Insel. Hier befinden sich die Überreste eines alten Dorfes und viele auf dem Gesicht liegende Moais.
- Ahu Tongariki ist der Name des größten und eindrucksvollsten Ahu von Rapa Nui.

Die Erklärungen der örtlichen Reiseleiterin erfolgen über ein Funkmikrofon. Jeder Ausflugsteilnehmer hat einen Empfänger mit Ohrhörer (siehe türkisen Knopf im Ohr bei Doris).
Das Ausflugsdrumherum war, wie Ausflüge in der Masse halt so sind, nicht unser Ding.
Aber wegen der unzähligen Moais in einer grandiosen Landschaft und überhaupt wegen des Traums, hier auf der Insel sein zu können, fiel unsere Massen-Ausflug-Phobie überhaupt nicht ins Gewicht.
Ich entsinne mich dabei an die Fernsehdokumentation “Kontiki“, die ich als kleiner Junge Anfang der 1960er Jahre im Fernsehen gesehen habe.
1947 segelte der Norweger Thor Heyerdahl mit der Kontiki, einem Floß aus Balsaholz, von Peru nach Rapa Nui.
In dem (schwarz-weißen) Dokumentarfilm wurden auch die steinernen Statuen der “Langohrmenschen“ gezeigt, was damals den kleinen Jungen total fasziniert hatte.
Die frühen Bewohner von RapaNui trugen schweren Ohrenschmuck, wodurch sich die Ohren in die Länge zogen. Bei diesem Foto eines Moai sind die langen Ohren ganz gut zu erkennen
Und jetzt mehr als sechs Jahrzehnte später stehen wir vor diesen steinernen Kolossen.
Ich spare mir hier die weiteren Ausführungen von historischen Details über die Moais, Besiedlung und Geschichte der Insel; das kann bei Interesse jederzeit im Netz nachgelesen werden.
Stattdessen einfach eine kleine Fotostrecke.

Rückenansichten am Akahanga .
Diese Moais sind nicht einfach umgefallen, sondern wurden aus spirituellen Gründen auf das Gesicht gelegt.
Die lokale Ausflugsbegleitung, die ihre Erklärungen in Englisch abgab, war sehr darauf bedacht, dass wir die vorgesehene Ausflugszeit von 3 Stunden einhielten, denn heute war der Höhepunkt des mehrtägigen traditionellen Tapati-Festivals.
Im Rahmen dieses Fests werden verschiedenste sportliche und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt. Diese haben auch das Ziel, die alten und uralten Traditionen zu bewahren
Wegen des anstehenden Festzugs sollten Straßensperren erfolgen, ...
... somit mussten wir vor der Sperrung mit unseren beiden klapprigen Minibussen, auf die sich unsere Ausflugsgruppe aufteilte, wieder am Tender-Anleger sein.
Etwas abseits unseres Anlegers in und rund um eine hölzerne Freilufthalle, bereiten sich die Einheimischen auf den heutigen Abschluss des Tapati-Festivals vor.
Natürlich erschloss sich uns nicht die Bedeutungen der Körperbemalungen ...
... und das “Einschmieren“ (mir fällt kein passenderes Wort ein) der Körper mit einer lehmartigen Masse.
Die ARTANIA-Gäste (einschließlich Doris und ich) mischten sich neugierig unter das lebhafte Treiben, wobei uns die Einheimischen nicht weiter beachteten.
Wenn man allerdings fragte, ob man fotografieren darf, stellten sie sich gerne in Pose.
Leider konnten wir nicht bis zum Start des Festzugs am Abend warten, da das letzte Tenderboot schon um 20:00 Uhr zurück zu ARTANIA fuhr, obwohl wir über Nacht unseren Ankerplatz behielten. Tendern bei Dunkelheit ist auf Grund örtlicher Behördenauflagen nicht gestattet.
61. Reisetag – Samstag, 15.02.2025 – Anakena Beach/Rapa Nui (Osterinsel)/Chile
Gegen 6:00 Uhr in der Frühe verließ die ARTANIA ihren Ankerplatz vor Hangaroa, denn es drohte die Ankunft der MSC Magnifica mit ihren 2.500 Passagieren. Damit hat sie gegenüber unserem Schiff nicht nur die absolute Mehrheit, sondern sogar eine qualifiziere 2/3-Mehrheit.
Das sahen die Behörden von Hangaroa genauso und hätten der ARTANIA nur noch alle 45 Minuten die Anlandung eines Tenderbootes gestattet. Die restliche Zeit war für die Magnifica reserviert.
Da in ein Tenderboot ca. 75 Passagiere passen, braucht es, um die 1.000 Passagiere an Land zu bringen etwa 13 Fuhren. 13 x 45 Min = 585 Min = 9,75 Stunden.
Bei der heute geplanten Liegezeit bis 13:00 Uhr hätte man also die Plätze im Tenderboot verlosen oder an die Meistbietenden verkaufen müssen.
Da war es wirklich klüger, diesen Liegeplatz im Osten zu verlassen. Die Artania sollte vor der Nordküste dümpeln und versuchen an den Anakena-Strand zu tendern, wo es eine behelfsmäßige Tenderpier gibt.
Pünktlich um 8:00 Uhr begann
Eine Kurz-Choreographie des Nicht-Tenderns*.
- Der Kreuzfahrtdirektor äußert über Bordlautsprecher große Bedenken, ob Tendern wegen der starken Dünung überhaupt möglich ist.
- Der Kreuzfahrtdirektor kündigt an, dass dennoch ein Boot zu Wasser gelassen wird, um zumindest zu versuchen, ob ein Tendern doch möglich sein könnte.
- Der Kapitän Alex Zinkovskyi bläst kurzerhand alle derartigen Aktionen und Versuche ab.
- Die Sicherheit der Passagiere und der Crew steht an erster Stelle.
- (Trost): Wir werden die Insel mit der ARTANIA umrunden.
*siehe auch Blogeintrag vom 9.2.2025
Da nach dem Aufstehen ein Blick aus dem Kabinenfenster genügte, um zu sehen, dass der starke Schwell ein Tendern unmöglich machte, gingen wir erst einmal in Ruhe frühstücken. Nach dem Frühstück war die Inselumrundung allerdings schon weit fortgeschritten und der Anakena Strand war schon nicht mehr in Sichtweite.
Somit war eine Fotoaufnahme des Strandes einschließlich des dort befindlichen Ahu Nau Nau mit sieben Moai nicht mehr möglich. Die hätten wir auf unserem Weg über das Promenadendeck zum Frühstück bewerkstelligen müssen.
Aber so schlimm war das nun auch wieder nicht, schließlich hatten wir die Übung des Nicht-Tenders an den Anakena Strand am 31.1.2027 schon einmal durchgeführt und damals hatten wir Fotos angefertigt (mit mäßigem Erfolg mangels Teleobjektiv).
Hier die beste der misslungenen Aufnahmen aus dem Jahr 2017.
62. Reisetag – Sonntag, 16.02.2025 – Seetag
Wie wir alle wissen, ist auf der ARTANIA sonntags der Tag der Schwarzwälder Kirsch Torte – normalerweise.
Auch heute hat man uns wieder mal einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn statt der „normalen“ Kaffeestunde wurde
im Tagesprogramm angekündigt
Und der Gag mit der Schwarzwälder-Sonderedition für Doris und mich, wie vor 2 Wochen, wurde leider nicht noch einmal wiederholt.
Dass das Tagesprogramm auch eifrig außerhalb der ARTANIA auf der entsprechenden Internetseite* gelesen wird (link siehe unten), zeigt die WhatsApp-Nachricht unseres Freundes Wolfgang „Wolle“ aus Ramelsloh, die uns schon am Vormittag erreicht hatte.
* Link zur Phoenix-Internetseite auf der man die Tagesprogramme abrufen kann:
https://www.phoenixreisen.com/hier-ist-die-artania-heute-.html
63. Reisetag – Montag, 17.02.2025 – Seetag

So sieht das normale Hauptmenü des Kabinenfernseher aus.
Man sieht, dass das Gerät viel mehr kann, als nur TV-Programme zeigen.
Unser Fernseher zickt immer noch. Mal lässt er sich nicht mehr einschalten, ...
... mal blendet er zusätzlich zum normalen Bild noch irgendwelche Texte ein, die dort gar nicht hingehören.
Oder auf einem "nackten" Bildschirm wird ein kryptische Text eingeblendet.
Diese Phänomene haben den Nebeneffekt, dass die Sonderfunktionen, wie z.B. das Anzeigen der aktuellen Bordrechnung nicht mehr aufgerufen werden können.
Wie ich schon im Januar beschrieben hatte, kann man das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel spielen, um die Kiste wieder zum Laufen zu bringen oder an der Rezeption Bescheid sagen. Anfangs schickten sie einen Techniker, der mit Hilfe einer geheimen Tastenfolge auf der Fernbedienung ein Service-Menü aufrief und damit das Gerät wieder in den Normalzustand zurückversetzten konnte.
Irgendwann kam der Techniker gar nicht mehr in die Kabine, sondern löste „remote“, also aus der Ferne, einen Neustart aus, das sogenanntes Booten (ausgesprochen: [ˈBuːtən]), um den Fernseher in einen geordneten Zustand zurückzuversetzen.
Ein Austausch des Geräts wurde durch den Techniker kategorisch abgelehnt, mit der Begründung, dass der Fernseher ganz neu sei und deshalb die Ursache des Fehlers dort nicht liegen könne.
Ich sehe das anders, denn auch Neugeräte können eine Macke haben.
Jetzt war es aber wieder mal soweit, dass ich an der Rezeption anrufen musste. Diesmal bat ich aber inständigst um eine dauerhafte Lösung und nicht einfach mit einem neuen Boot-Vorgang das Problem einfach nur zu vertagen.
Die Dame an der Rezeption zeigte, wie sie es gelernt hatte, vollstes Verständnis und versprach mein Anliegen genau so weiterzugeben.
Nach zwei Minuten rief sie erfreut an, dass der Techniker aus der Ferne gebootet hätte und die Hoffnung geäußert hat, dass das Problem damit dauerhaft gelöst sein könnte.
Da ist mir die Hutschnur geplatzt und ich forderte vehement einen Gerätetausch. Das wurde von der Rezeptionistin abgelehnt, obwohl das gar nicht ihre Entscheidung sein konnte. Trotz eindringlicher wiederholter Forderung meinerseits blieb sie stur. Ich stellte sie vor die Alternative entweder meine Forderung weiterzugeben oder mir einen Termin mit dem Kreuzfahrtdirektor zu machen. Sie blieb dabei, ich solle abwarten, ob der gegenwärtige „Lösungsversuch“ dauerhaft sei und ich protestierte, kein Versuchskaninchen sein zu wollen und so verblieben wir, dass sie einen Termin mit dem Kreuzfahrtdirektor machen soll. Damit war das etwas unfreundliche Telefonat beendet.
Keine 5 Minuten später klopfte es an unsere Kabinentür, davor stand der Techniker, den wir ja mittlerweile sehr gut kennen und ein Kollege mit einem Fernseher unterm Arm. Innerhalb weniger Minuten war der Austausch erfolgt.
Warum nicht gleich so. Und nun schau’n wir mal, ob das etwas gebracht hat.
64. Reisetag – Dienstag, 18.02.2025 – Adamstown/Pitcairn/Großbritannien
Das Inselchen Pitcairn liegt wirklich am A… der Welt. Die Entfernung nach Südamerika beträgt 5.400 Kilometer und nach Neuseeland 5.000 Kilometer.
Die Bewohner der 4,5 km² kleinen Insel sind zu einem Teil Nachfahren der Meuterer von der Bounty und ihrer polynesischen Frauen. Über die Anzahl der Bewohner kursieren zwei Zahlen. Einmal etwas mehr als 50 und einmal knapp über 30.
Bereits gestern teilte uns der Kreuzfahrtdirektor über Bordlautsprecher mit, dass auf Grund der Wetterlage ein Landgang nicht möglich sein wird. Wir hätten sowieso nicht mit unseren Tenderbooten an Land fahren können, weil diese nicht mit Pier kompatibel sind.
Vielmehr hätten wir uns von den Inselbewohnern mit ihren Langbooten, die einer Badewanne nicht unähnlich sind, übersetzen lassen müssen. Hierbei ist der Umstieg von der ARTANIA nicht ganz ungefährlich und setzt ein gewisses sportliches Geschick voraus.
Deshalb kann es passieren, dass selbst bei guter Witterung der Kapitän einem Landgang nicht zustimmt.
Stattdessen kommen in der Regel die Einheimischen an Bord und verkaufen Souvenirs und selbsterzeugten Honig.
Auch heute mussten wir uns die knappe Ressource Zeit mit der MSC Magnifica teilen.
Dieser vermaledeite Dampfer hatte uns heute Nacht überholt und nahm auch zuerst die Einheimischen an Bord.
Wir drehten derweil eine Warteschleife um die Insel, ...
... denn erst gegen halb zwölf war die ARTANIA dran, die Pitcairner an Bord zu nehmen.
Als es soweit war, hatten Doris und ich einen super Platz an der Reling auf der Steuerbordseite, um das Boarden der Pitcairner zu beobachten.
Die ARTANIA-Crew begann damit die Tenderplattform ...
... und Gangway halb herunterzulassen, ...
... womit man uns komplett die Sicht versperrt hatte. Die Insulaner „enterten“ die ARTANIA gar nicht, wie zunächst geplant und angenommen, über die Gangway,

Die Einstiegsluke befindet sich rechts von der ausgeklappten Gangway an der Bordwand, auf die jetzt die Sicht versperrt war.
sondern über die Ladeluke, aus der auch die Lotsen zurück auf ihr Lotsenboot umsteigen.
Warum der verantwortliche Offizier dann die Gangway nicht wieder zur Bordwand hin einklappen ließ, wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben. Die Gangway hatte jetzt mit der halb drin-halb-draußen-Lage keinerlei Nutzen mehr, außer dass sie die Sicht versperrte.
Alle Leute, die mit uns in diesem Bereich der Reling standen, hatten dadurch praktisch ein großes metallenes Brett vorm Kopp.
Aber der diensthabende Offizier hatte (im übertragenen Sinn) anscheinend ein noch viel Größeres vor seiner Birne.
Die Plätze an der Reling jenseits der Gangway waren natürlich mittlerweile alle belegt, an einigen Stellen sogar in Doppelreihen.
Aber wenn man höflich fragte, wurde man für eine Fotoaufnahme für einen kurzen Moment vorgelassen.
Nachdem alle Insulanerinnen und Insulaner trotz des heftigen Schwells irgendwie ins Innere der ARTANIA geklettert waren, ...
... breiteten sie gleich in Harry’s Bar auf den bereitgestellten Tischen ihre Waren aus. Parallel dazu hielt in der Atlantik-Show-Lounge ein Dame aus dem illustren Trüppchen einen Vortrag über Fauna, Flora, Land und Leute von Pitcairn.
Hätte ich mir den Vortrag bis zu Ende angehört wüsste ich jetzt bestimmt, ob nun 30 oder 50 Leute die Insel bevölkern.
War das Gedränge an den Ständen schon während des Vortrags enorm, ...
... wo noch mehrere hundert Leute in der Show-Lounge saßen, ging dann, als diese sich noch dazugesellten, der Punk erst so richtig ab, ...
... wie im Sommerschlussverkauf früher an den Wühltischen.
Kurz nach 14:00 Uhr stiegen die Nachfahren der Meuterer, einer nach dem anderen ...
... über eine Jakobsleiter in ihr schwankendes auf den Wellen auf und ab tanzendes Langboot zurück.
Diesmal versperrte uns keine Gangway die Sicht.
Mit gezückter Handy-Kamera wollte ich jetzt die Abfahrt fotografieren. Aber da musste ich mich noch über eine halbe Stunde gedulden.
Mit Erstaunen sah ich, wie – nicht gelogen -, im Sekundentakt Karton um Karton aus der Luke, aus der die Pitcairner ausgestiegen waren, geworfen und von einem “Fänger“ im Boot aufgefangen wurde. Die Kartons wurden von dem Fänger in einer fließenden Bewegung ...
... an einen Kollegen weitergereicht, ...
... der das Ladegut dann blitzschnell in einer der Ladeluken verstaute.
Manchmal konnten wir sehen, was da aus der Luke geflogen kam, nämlich z. B. Papppaletten mit Cola- und Fanta-Dosen. Was in den geschlossenen Kartons sonst noch für Schätze verpackt waren? Unsere Neugier blieb unbefriedigt.
Als die Ladeluken voll waren, wurden die weiteren Kartons auf dem Boden im Boot verteilt.
Irgendwann versiegte der Strom der fliegenden Kartons,...
... das Boot drehte daraufhin ab, zurück Richtung Adamstown ...
... und wurde mit einem dreimaligen langgezogenen und lauten Tuuuut des Typhon, dem Nebelhorn der ARTANIA, verabschiedet.
Die ARTANIA nahm Nord-Westkurs auf, zwei volle Seetage vor sich, um dann vor Fakarava/Französisch Polynesien den Anker zu werfen.
65. Reisetag – Mittwoch, 19.02.2025 – Seetag
Der Fernsehtechniker hatte also recht. Das Austauschgerät zickte genauso wie das Vorherige auch.
Immerhin kann man jetzt sicher sein, dass das eigentliche Problem im Server bzw. im Netzwerk zu suchen ist, in dem alle TV-Geräte der ARTANIA eingebunden sind.
Wo der Techniker nicht recht hatte, ist seine Aussage, dass dieses Problem nur bei uns und sonst bei niemandem auftreten würde.
Wir wissen von mehreren Leuten, die regelmäßig das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel spielen müssen. Es ist wenig glaubhaft, dass ich bisher der Einzige war, der die regelmäßigen sporadischen Ausfälle an geeigneter Stelle angezeigt und bemängelt hat.
Ja und ich weiß aus beruflicher Erfahrung, dass in IT-Systemen die Analyse von sporadische Fehlern, die man nicht beliebig reproduzieren kann, äußerst knifflig sein kann.
Was also tun? Den Techniker immer wieder neu booten lassen? Die Hoffnung, dass man ernsthaft nach der Ursache sucht, habe ich aufgegeben.
Ein Sprichwort besagt: Hilf Dir selbst, dann hilft dir Gott.
Anhand des Typenschilds konnte ich die genau Modellbezeichnung des TV-Geräts ermitteln und auf der Internetseite von Samsung eine ausführliche Bedienungs- und Installationsanleitung finden und als PDF herunterladen.
In diesem Manual wurde die Tastenfolge auf der Fernbedienung “verraten“, mit der das Service-Menü aufgerufen werden kann.
Damit bin ich nun selbst in der Lage, relativ einfach und ohne das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel den Fernsehapparat wieder zur Vernunft zu bringen.
66. Reisetag – Donnerstag, 20.02.2025 – Seetag
Heute war eigentlich ein Seetag ohne besondere Ereignisse, bis auf eine Kleinigkeit.
Patricia, eine treue Leserin des Blogs, kennt die etwas versteckte Seite “Blogeintrag im Aufbau“, wo man schon mal vorab in den Entwicklungstand eines noch im Entstehen befindlichen Blogeintrags kiebitzen kann. Deshalb kannte sie bereits meine Ausführungen über das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel und hat sogleich den folgenden Eintrag im Gästebuch verfasst:
Damit wurde die Aussage des Technikers, dass dieses Phänomen einzig und allein nur bei uns in der Kabine auftreten würde, endgültig in den Bereich der Märchen und Sagen verbannt.
67. Reisetag – Freitag, 21.02.2025 – Fakarava/Tuamotu-Archipel/Franz. Polynesien
Doris konnte sich noch von unserer Kreuzfahrt 2017 daran erinnern, dass die Artania eine ganz enge Einfahrt passieren musste, um in das Innere des Atolls zu gelangen. Diese Passage war sehr spektakulär gewesen.
Doris war damals extra früh aufgestanden, während der Gemahl faul im Bette liegen blieb. Dieser Schlendrian sollte diesmal nicht Einzug halten. Der Wecker klingelte um 6:15 Uhr und nach einer kurzen Katzenwäsche standen wir am Bug der ARTANIA, um die tolle Einfahrt zu genießen.
Leider fand die tolle Einfahrt gar nicht statt, denn das Atoll Fakarava ist kein kreisförmiges Korallenriff, sondern hat mehr die Form eines auf dem Kopf stehendem “L“. Um zu unserem Ankerplatz vor dem (einzigen) Ort Rotoava zu gelangen, braucht es keine Einfahrt, sondern die ARTANIA konnte einfach direkt dorthin darauf zu fahren. Ansonsten hat Fakarava alle typischen Eigenschaften eines Atolls. Das Korallenriff bildet einen Saum von äußerst schmalen Inseln. Die See im inneren Teil ist ruhig und eignet sich zum Baden, während die Außenküste mit starker Brandung und gefährlichen Strömungen zum Baden und Schnorcheln nicht geeignet ist.
Das Rätsels Lösung für die fehlende spektakuläre Einfahrt: Es handelte sich damals um das Atoll Rangiroa, das zwar auch zum Tuamotu-Archipel gehört, aber 230 Kilometer nordwestlich von Fakarava liegt.
Damals fuhren wir zuerst Fakarava und einen Tag später Rangiroa an, diesmal halt nur Fakarava. Hätten wir mal eher in unseren Blog von 2017 nachgeschaut, da stand das alles drin.
Somit hatten wir jetzt sehr viel Zeit bis 9:30 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem alle Bewohner von Deck 4 (und Deck 8) zum Tendern in der Atlantik-Show-Lounge gesammelt und geordnet zur Tenderplattform geführt wurden.

Das Tendern ging bisher immer sehr zügig ohne lange Wartezeiten voran, das war die Jahre davor nicht immer so. Liegt's an den nagelneuen Tenderbooten?
Das Wetter war so, wie es sich für die Südsee gehört, sonnig und warm (30 ° im Schatten).
Unser Ziel: Spaziergang zum 3 ½ Kilometer entfernten Leuchtturm von Topaka, der 1957 erbaut wurde und das Aussehen einer Maya-Pyramide hat.
Auf dem Rückweg wollten wir eigentlich noch kurz im Meer schwimmen.
Aber es zog sich zu und kräftiger Wind kam auf, ...
...sodass wir dieses Vorhaben für später verschoben, schließlich standen für die nächsten Tage noch einige Südseeinseln auf dem Programm.
Unser Versuch, zur Tenderpier zurück per Anhalter zu fahren schlug fehl, was auch dem geringen Verkehrsaufkommen geschuldet war. Das erste Auto hielt nicht an und das zweite bremste zwar ab, aber es war schon voll besetzt, was uns einer der Insassen quasi als Entschuldigung zurief.

Mit der App "KOMOOT" haben wir unseren kleinen Spaziegang aufgezeichnet.
Man kann auf der Karte gut erkennen, wie schmal die Insel ist.
"A" ist der Startpunkt an der Tenderpier.
Um 15:00 lichtete die ARTANIA den Anker mit dem Ziel Moorea.
68. Reisetag – Samstag, 22.02.2025 – Moorea/Franz. Polynesien
Die Insel Moorea gehört, genau wie Fakarava, zu dem französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien: Aber während Fakarava ein flaches Korallenriff ist, ist Moorea von vulkanischem Ursprung mit bis zu 1.200 Meter hohen Bergen.
Auch Moorea hat, wie alle unsere Ziele in der Südsee (mit Ausnahme von Papeete), keine Pier, die für die ARTANIA groß genug ist.
Also ist wieder Tendern angesagt.

In der Südsee werden Kreuzfahrtgäste musikalisch begrüßt. Das wichtigste Instrument hierbei ist die Ukulele.
Doris hatte uns für heute das Cook's Bay Hotel rausgesucht. Mit dem Erwerb eines sogenannten Tagespasses kann man die dortigen Einrichtungen, wie Pool, Hotelstrand, Umkleide, Dusche, WC etc. nutzen. Weiterhin beinhaltet der Pass Hand- und Badetücher, eine Schnorchelausrüstung, sowie ein Mittagessen. Ganz billig ist der Spaß nicht, denn so ein Tagespass kostet 75 US-Dollar.
Denn Pass kann man schon vorab im Internet buchen.
Von dieser Vorab-Buchung machten wir aber keinen Gebrauch, da wir ja erst ein Taxi brauchten, um dorthin zu kommen. Und ob man mit den Taxifahrern handelseinig wird, weiß man vorher nie so genau.
Gegen 10:00 Uhr tenderten wir an Land. Große Verhandlungen mit der Taxifahrerin, die uns angesprochen hatte, waren nicht nötig, da die Fahrt mit einem Taxameter mit den gesetzlich geregelten Tarifen erfolgen sollte, wie in Deutschland auch. Geklärt werden musste nur, ob wir mit Kreditkarte bezahlen können (“nein, nur Cash“) oder mit US-Dollars (“kein Problem“).
Die Küstenstraße entlang ging es die 15 Kilometer zum Cook's Bay Hotel. Wir baten unsere Fahrerin, noch zu warten, bis uns im Hotel Einlass gewährt würde. Leider wurde uns der Einlass nicht gewährt, sondern verwehrt. Mit ehrlichem, großen Bedauern teile uns die nette Dame an der Rezeption mit, dass die Kapazität bezüglich der Tagesgäste bereits voll erschöpft sind. All unser Weinen, Bitten und Betteln half nichts – wegen Überfüllung geschlossen.
Auf unsere Frage nach einer Alternative, nannte uns die Dame das Hilton-Resort, von dem wir aber wussten, dass der Tagespass dort so richtig teuer ist. Plan B war also abgelehnt, aber Plan C klang gut. Ein paar Meter weiter befand sich das Hotel Kaveka. Die Rezeptionistin rief dort an und teilte uns freudig mit, dass wir dort erwarten würden.
Also wieder rein ins Taxi und nach einer Minute waren wir am Hotel Kaveka.
Das Taxameter zeigte den Fahrpreis in der hiesigen Währung, knapp 3.500 CFP-France, was auch genau dem Tarif für diese Strecke entsprach. (1.000 CFP Grundgebühr + 160 CFP pro Kilometer).
Meine Umrechnungs-App zeigte, dass dies etwa 30,68 US-$ sind.
Auf solche krumme Umrechnungsfaktoren war unsere Fahrerin aber nicht eingestellt, 100 CFP sind 1 US-Dollar, das kann man ganz leicht im Kopf rechnen. Also zahlten wir klaglos 35 $.
Wir vereinbarten noch, dass sie uns um 16:00 Uhr wieder abholen soll.
Das Kaveka war nicht so mondän, wie das Cook's Bay, es hatte z. B. keinen Pool, aber es gefiel uns trotzdem sehr gut.
Tim, der dortige Rezeptionist und Bar-Mann, hatte uns schon erwartet und erklärte uns, dass wir für unseren reinen Aufenthalt nichts bezahlen müssten, aber wir würden ja sicherlich etwas trinken und essen.
Badetücher und Schnorchelausrüstung konnten wir gegen Gebühr ausleihen.
Gebühren: 500 CFP pro Handtuch (oder 5 $), 1.000 CFP für eine einfache Tauchermaske + Schnorchel (oder 10 $).
Da war er wieder der beliebte Umrechnungskurs. Doris war aber so pfiffig und bezahlte mit Kreditkarte in Landeswährung, weil die Kreditkarte auch mit krummen Umrechnungskursen sehr gut zurechtkommt und wir so fast 15% sparen konnten:
Die Kaution für Badetücher und Tauchermasken in Höhe von stolzen 90 $ zahlten wir in wieder in bar, da wir nicht vorhatten, die Sachen zu verlieren oder zu behalten und somit die Chance, das Geld wieder zu bekommen, sehr hoch war.
Wir hatten schon seit einer Ewigkeit nicht mehr geschnorchelt, hatten es aber noch nicht verlernt und es war wieder großartig, die Fische zwischen den bizarren Korallenformationen zu beobachten.
Unser Mittagessen, ein Burger zu 2.500 CFP (= 25 $ bei Barzahlung) war jetzt nicht gerade ein Schnäppchen, aber auf Grund des “freien Eintritts“ in das Ressort völlig OK.
Wir waren fast die einzigen Gäste. Ein junger Mann an einem Tisch vor einem Laptop sah irgendwie nicht nach Urlauber aus.
Neugierig wie wir waren, kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er für die Organisation „Coral Gardeners“ (Korallen-Gärtner) arbeitet.
Diese Organisation hat sich, grob gesprochen, die Aufgabe gestellt, zerstörte oder abgestorbene Korallenriffe wieder „aufzuforsten“.

An einem großen Bildschirm zeigte uns Alex ein wenig über die Arbeit der Coral Gardeners.
(Bei Aufnahmen gegen die Sonne kommen Smartphones an ihre Grenzen, da hilft auch hinterher ein Bildbearbeitungsprogramm nichts mehr.)
Der junge Mann, Alex sein Name, war der Tourenmanager der Coral Gardeners.
Alex organisiert Schnorcheltouren zu den „Korallengärten“, die die Organisation auf Moorea anlegt und pflegt.
Wenn wir in 2 Jahren wieder hier sein werden (siehe 2027.pehoelzer.de), werden wir sicherlich eine solche Tour buchen.
Bis dahin begnügen wir uns damit, eine Koralle zu adoptieren, was über die Homepage von Coral Gardeners angeboten wird.
Pünktlich um 16:00 Uhr holte uns unsere Taxifahrerin wieder ab und brachte uns (wieder für 35 $) an die Tenderpier zurück.
Um 18:00 Uhr lichtete die ARTANIA den Anker, ...
... um keine 2 Stunden später an der Pier von Papeete, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien, festzumachen.
Nach dem Anlegen warteten wir auf die Bekanntgabe über Bordlautsprecher, dass das Schiff von den Behörden zum Landgang freigegeben worden sei. Nachdem wir schon länger gewartet hatten, sahen wir aber vom Promenadendeck aus, dass Passagiere schon fleißig Gebrauch von der ausgebrachten Gangway machten. Eine Phoenix-Mitarbeiterin, die uns zufällig über den Weg lief, sprachen wir auf dieses Mysterium an und erfuhren, dass die Freigabe vor 10 Minuten erfolgt und vom Kreuzfahrtdirektor über Lautsprecher bekannt gegeben worden sei. Zu diesem Zeitpunkt saßen wir noch im Lido-Restaurant und dort kam definitiv die Durchsage nicht, wie sonst üblich, an.
Die Phoenix-Mitarbeiterin war darüber sehr erstaunt und versuchte sofort über ihr Walkie-Talkie den Kreuzfahrtdirektor zu erreichen. Für uns war die Sache erst einmal erledigt und wir verfolgten ihre Bemühungen nicht weiter. Von anderer Stelle erfuhren wir, dass auch in dem großen Restaurant Vier-Jahreszeiten die Durchsage nicht angekommen war.
Nur wunderten wir uns jetzt erst recht, dass die Durchsage trotzdem nicht wiederholt wurde.
Sonst wird doch auch jeder Kiki-Kram, der sowieso schon dick und fett im Tagesprogramm steht, noch einmal akustisch über das gesamte Schiff verteilt.
Warum sich also sehr viele Gäste die Info über die Freigabe selbst irgendwie beschaffen mussten, können vielleicht die Herren Waldorf und Statler klären.
Aber jetzt ging es raus an Land, denn zum Einbruch der Dunkelheit wird rund um den Anleger ein bunter quirliger Food-Market aufgebaut, mit Essenständen und mobilen Garküchen. Und dort herrscht ein reges und buntes Treiben und genau da wollten wir hin.
Soweit die Theorie.
Dort, wo immer dieser Markt aufgebaut wurde, (dieses Wissen stammt aus unseren beiden Kreuzfahrten 1999 und 2017) steht jetzt ein nagelneues Passagierterminal.
Mehr aus Zufall fanden wir hinter dem Terminal einen jämmerlichen Abklatsch von dem, was einmal war.
Drei einsame Foodtrucks versuchten notdürftig die Tradition des ehemals sehens- und erlebenswerten Food-Market hochzuhalten.
Enttäuscht kehrten wir auf die ARTANAIA zurück in Harry’s Bar, wo Wolfgang Krik auf dem Flügel für dezente Pianoklänge sorgte. Da weiß man, was man hat!
Doris trinkt dort ihren allabendlichen Espresso, ich mein alkoholfreies Weizenbier und zur Krönung des Abends genehmige ich mir vom Late-Night-Buffet noch 2 Käsespieße (Käsewürfel mit Traube).
69. Reisetag – Sonntag, 23.02.2025 – Papeete/Franz. Polynesien
Eigentlich hätten wir schon am gestrigen Samstag früh morgens in Papeete anlegen und dann heute in aller Frühe nach Moorea schippern sollen. Aber gestern kreuzte die MSC Magnifica wieder mal unsere Route. Wir hätten uns deshalb mit einem weiter außerhalb liegenden Liegeplatz begnügen müssen (also Festmachen an der “Katzen-Pier“).
Deshalb hat die ARTANIA die Liegezeiten von Papeete und Moorea getauscht.
Nach dem Aufstehen, so gegen 7:10 Uhr gab es schon die ersten Prognosen aus Deutschland über den Ausgang der Bundestagswahl, denn dort war es bereits 18:10 Uhr.
Meinen Unmut über das Wahlergebnis (20% für eine als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte Partei) lasse ich hier nicht weiter aus, denn der Blog ist weitestgehend unpolitisch.
Bis Doris und ich gegen 10:00 Uhr fertig für den Landgang waren, hatte einer der Touristenmagnete, die große Markthalle, bereits geschlossen, schließlich war es ja Sonntag. (Danke MSC Magnifica! ☹)
Wir ließen uns wieder mal von einem Geocache Adventure Lab durch die Stadt führen und liefen folgende Stationen an:
- Place Vai'ete, das ist der Platz wo gestern der müde Food-Market stattgefunden hat.
- Marché municipal Mapuru a Paraita, die bereits erwähnte Markthalle, die um 10:00 Uhr geschlossen wurde.
- Cathédrale Notre-Dame.
- Assemblée de la Polynésie française; hier tagt das Parlament von Französisch-Polynesien.
- Jardins De Paofai, ein hübscher Park.
Es war heiß und drückend, sodass es uns nach der Beendigung unserer touristischen Pflicht auf das klimatisierte Schiff zog, nicht zuletzt wegen der Aussicht auf ein Stück Schwarzwälder Kirsch während der Kaffeestunde, denn heute war ja Sonntag.

Mit uns lag die Star Breeze der Reederei Windstar Cruises im Hafen, ein Luxus-Kreuzfahrer für maximal 312 Gäste.

.. während der Getränkeservice für die heimkehrenden Phoenix-Passagiere auf der Pier eher rustikal daherkommt.
Aber dem Durst sind solche Unterschiede völlig egal.
Gegen 18:30 Uhr schwammen wir noch eine Runde im Pool. Zur hohen Abendbrotzeit stand uns der Pool exklusiv allein zur Verfügung. Sehr bald dämmerte es und die Poolbeleuchtung schaltete sich ein – beinahe eine neue Erfahrung, Schwimmen bei Nacht. 😊
70. Reisetag – Montag, 24.02.2025 – Huahine/Franz. Polynesien
Einen genauen Plan für heute hatten wir nicht, nicht Mal einen Ungenauen. Wie auch! In der Landgangsinformation war zu lesen:
- Tenderpier: Baie Maroe an der Nordküste von Huahine Iti ca. 10 km vom Hauptort Fare entfernt. In der Regel ist an der Pier der eine oder andere private Tourenanbieter sowie Autoverleiher aus Fare präsent.
- Transport: Taxis kaum gegeben; evtl. offeriert ein privater Anbieter einen Shuttleservice nach Fare.
Zuviel eventuell und vielleicht, daher unser Konzept „schau’n wir mal“.
Also tenderten wir erst mal mit leichtem Gepäck an Land.
Es wurde tatsächlich ein Shuttle nach Fare angeboten. Dort sollte sich auch ein schöner Strand befinden.
Es war abzusehen, dass die Nachfrage nach einem Platz im Shuttle größer war als das Platzangebot.
Damit kam zumindest jetzt für uns der Shuttle nicht in Frage, weil wir Kämpfe um knappe Ressourcen in der Regel verlieren.
Es war wieder sehr heiß und so bogen wir erst einmal von der schmalem Küstenstraße ab, dorthin wo Bäume Schatten versprachen.
Neben einem Feld mit für uns unbekannten Pflanzen ...
... arbeiteten eine Frau und ein Mann.
Sie befreiten rübenartige Früchte von der anhaftender Erde.
Mit Hilfe der Übersetzungs-App Deutsch-Französisch / Französisch-Deutsch kamen wir ins Gespräch.
Auf dem Feld bauten die beiden Taro an. Taro wird häufig auch als „Kartoffel der Tropen“ bezeichnet, wie ich später im Internet nachlesen konnte.
So richtig spektakulär wurde es, als der Mann für mich mit der Machete eine Kokosnuss “köpfte“.
Doris hat dieses Schauspiel in einem kleinen Video festgehalten und auf YouTube hochgeladen.
Wir zogen weiter, jetzt wieder in der Sonne am Ufer entlang, als wir eine Stelle entdeckten, von der man bequem ins zunächst seichte Wasser waten konnte. Schwimmen wäre ungefährlich, da wir uns tief in einer Bucht befanden.
Die Stelle hatte zwar mit einem Traumstrand gar nichts gemein,
... aber das türkisblaue Wasser zog uns magisch an.
Mangels Badesachen tenderten wir zum Schiff zurück und kamen ausgestattet mit Badebekleidung, Badeschuhen (wichtig wegen der Korallen) und Badetüchern wieder zurück.
Nachdem wir reichlich geschwommen und geplantscht hatten, musste noch das etwas umständliche Umziehen ohne Umkleidekabine bewerkstelligt werden.
Mittlerweile hatte unser Beispiel Schule gemacht und den ein oder anderen badewilligen Artanier angelockt.
Wir waren sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages, der ja so völlig planlos begonnen hatte.
71. Reisetag – Dienstag, 25.02.2025 – Bora Bora/Franz. Polynesien
Bora Bora wird gerne synonym für den Südseetraum an sich genannt.
In der Tat ist die Landschaft kolossal und der Hauptstrand Matira Beach sehr schön. Aber dass sich beides signifikant von den anderen Südseeinseln abhebt, können wir eigentlich nicht bestätigen.
Berühmt wurde Bora Bora schon vor sehr vielen Jahren durch die ins Wasser gebauten Bungalows.
Bora Bora gilt als einer der exklusivsten und luxuriösesten Urlaubsorte in der oberen Preisklasse und gehört zu den teuersten Reisezielen der Erde (lt. Wikipedia).
Wir waren diesmal nicht so planlos wie gestern, denn wir wollten zum Matira Beach. Das „Wie“ stand allerdings noch offen.
Das Tendern klappte wieder ohne große Wartezeiten.
An der Tenderpier wurden diverse Bootstouren angeboten, aber von dem in Aussicht gestellten Shuttle zum Strand fehlte bei unserer Ankunft jede Spur und auch die Auskünfte darüber waren eher schwammig.
Wir taten uns deshalb mit noch drei anderen Paaren zusammen, um mit einem Großraumtaxi zum besagten Strand zu fahren. Die Preisverhandlung war einfach, denn der geforderter Fahrpreis von 5 US-$ pro Person war völlig OK.
Der Strand war sehr langezogen und einige Bäume spendeten auch etwas Schatten.
Was uns jedoch sehr entgegen kam, war ein einfaches Strandrestaurant, zu dem auch ein kleiner "Biergarten" mit einigen Tischen und Stühlen gehörte, wo ein großer Baum reichlich Schatten spendete.
Da wir lieber auf Stühlen sitzen als auf einer Decke zu liegen, bezogen wir hier gerne für 2½ Stunden Quartier. Für 12:30 Uhr hatten 3 Paare als Taxi-Fahrgemeinschaft die Rückfahrt bei unserer Fahrerin geordert. Für uns war diese Zeit für einen Strandaufenthalt genügend und die beiden anderen Paare hatten am Nachmittag noch Termine, nämlich Ausflüge mit Phoenix.
In dieser Zeit konnten wir in Ruhe ein Bier trinken (5$ für 0,33 l), Schwimmen und Meer und Landschaft auf uns wirken lassen.

Das ARTANIA-Restaurant hat heute Mittag geschlossen, so dass die dort normalerweise eingesetzten Crew-Mitglieder frei hatten.
Pünktlich um 12:30 Uhr traf sich unsere Fahrgemeinschaft an der vereinbarten Stelle. Allerdings war unser Taxi nicht da. Um 12:35 Uhr wurden die anderen unruhig und schauten sich nach Alternativen um, die es auch gab. Mit Pritschenwagen auf denen Bänke mit Platz für etwa ca. 10 Personen auf der Ladefläche montiert waren, konnte man sich für 5$ pro Person zur ca. 5 Kilometer entfernten Tenderpier transportieren lassen.
Um 12:40 Uhr wollte man nicht mehr länger warten und enterte den nächsten Pritschenwagen.
Kurze Zeit darauf kam ein richtiger großer Reisebus, mit einem Schild im Frontfenster, der ihn als den Shuttlebus auswies, von dem heute Morgen schon die Rede war. Mittlerweile hatte sich auch ein Grüppchen Crew-Mitglieder eingefunden, die den Bus bestiegen.
Das war für uns irgendwie das Signal, auch einzusteigen.
Kaum saßen wir drinnen, kam unser Taxi angefahren und die Fahrerin suchte überall ihr 6er-Grüppchen, schaute auch in den Bus, hat uns beide aber nicht erkannt oder nicht gesehen.
Jetzt stellte sich für uns die Frage, wie wir uns verhalten sollten. Was passiert, wenn wir mit dem Taxi zurückfahren würden? Würde die Fahrerin versuchen, uns in Sippenhaft zu nehmen und die jeweiligen 5 $ für die anderen vier entschwundenen Fahrgästen von uns einfordern? Oder würde sie erst dann wieder zurückfahren, wenn ihr Großraumtaxi wieder voll wäre? Es schien für uns auf alle Fälle stressfreier, still im Bus sitzen zu bleiben, zumal für die Fahrt auch hier der Einheitspreis von 5 $ zu entrichten war.
Als der Bus losfuhr meldete sich dann doch ein etwas schlechtes Gewissen und das Mitleid mit der Fahrerin.
Es ist wahrscheinlich zu einfach, ihr vorzuwerfen, dass sie unpünktlich war und deshalb selbst schuld an der Situation ist (in der Südsee gehen die Uhren wahrscheinlich ein wenig langsamer). Aber sie müsste doch eigentlich wissen, dass Kreuzfahrtpassagiere wegen ihrer Termine Wert auf Pünktlichkeit legen. (Obwohl zumindest deutsche Bahnkunden Unpünktlichkeit als normal empfinden müssten.)
Vielleicht hatte sie noch schnell eine Fuhre dazwischengeschoben und war deswegen unpünktlich, sodass ihr Einnahmeverlust dadurch bereits wieder ausgeglichen war.
Wie dem auch sei, ein bisschen schaler Beigeschmack ist geblieben.
Um 18:30 Uhr verließ die ARTANIA ihren Reedeplatz, ...
.. während gleichzeitig am Heck die Party „Auf Wiedersehen Französisch Polynesien!“ in vollem Gange war.
Aus gegebenen Anlass wurde statt der üblichen Auslaufmelodie Tony Marshalls Hit „Bora Bora“ aus dem Jahr 1978 über die Bordlautsprecher gespielt.
2008 wurde Tony Marshall auf Grund dieses Hits zum Ehrenbürger von Bora Bora ernannt.
Das Abspielen von „Bora Bora“ gibt mir die prima Gelegenheit, ein wenig klug zu sch… .
Der Refrain dieses Liedes ist nämlich geografisch gesehen absoluter Unsinn und dazu noch grammatikalisch falsch.
Die beanstandeten Zeilen des Refrain lauten:
Bora Bora he,
Bora Bora in Tahiti he
Bora Bora und Tahiti sind zwei Inseln die 250 Kilometer auseinanderliegen.
Wenn Bora Bora tatsächlich ein Teil von Tahiti wäre, zum Beispiel ein Berg, ein Fluss, ein Naturschutzgebiet oder was auch immer, dann müsste es heißen „Bora Bora auf Tahiti he“ und nicht „in Tahiti“.
Nur wenn Tahiti ein Land wäre, wäre auch „in Tahiti“ richtig, wie z. B. „Bora Bora in Franz. Polynesien“.
Ich will aber nicht nur kritisieren, sondern auch gerne mit einem Lösungsvorschlag die von mir angekreideten Fehler ausmerzen:
Bora Bora he
Bora Bora humba täterää
72. Reisetag – Mittwoch, 26.02.2025 – Seetag
Die Nutzung des Pools auf Deck 9 bei Seegang hat seine Reize, denn dann mutiert er zu einem quirligen Wellenbad und das Wasser schwappt kräftig über den Beckenrand. Und wenn, wie am heutigen Spätnachmittag, außer uns niemand anders noch wellenbadet, machte es doppelt Spaß, sich von den Wellen im Pool hin und her schubsen zu lassen.
Hiermit wäre der Tagesbericht beinahe schon fertig gewesen, aber dann fanden wir das Tagesprogramm für morgen auf der Kabine:
Hier war zu lesen, dass die morgige Abfahrtszeit von Rarotonga um 18:00 Uhr sei und das letzte Tenderboot von Land um 17:30 abgehen würde.
In den uns vorliegenden „Hafeninformationen“, die wir von Phoenix als DinA4-Blatt erhalten hatten, war aber von 22:00 Uhr Abfahrt die Rede. Auch im derzeitigen Bordportal, das für alle Passagiere kostenlos über das Bord-Intranet aufgerufen werden kann, war die Abfahrt auf 22:00 Uhr terminiert.
Das war für uns insofern von Bedeutung, da wir für morgen privat eine Schnorcheltour an der Südspitze der Insel gebucht hatten, Beginn 13:00 Uhr voraussichtliches Ende 15:00 Uhr.
Wir begannen für den „worst case“ zu rechnen: Die Tour endet etwas später um 15:30 Uhr. Bis wir uns umgezogen und unserer Siebensachen verpackt haben ist es 16:00 Uhr. Der öffentliche Bus fährt nur einmal pro Stunde, also wenn wir Pech haben erst um 17:00 Uhr. Und für die 15 Kilometer lange Fahrt zurück zur Nordspitze braucht er eine gute halbe Stunde. Das Fazit für solche Sicherheitsfanatiker wie uns: Es könnte knapp werden.
Wir fragten an der Rezeption nach dem Grund der Planänderung, aber dort konnte man uns auch nichts Näheres sagen, versprachen aber, die Frage zu klären.
Kurz darauf rief uns der Kreuzfahrtdirektor auf unserer Kabine an und bat um Entschuldigung für die Informationspanne. Die frühere Abfahrt war schon seit Beginn dieses Etappenabschnitts bekannt. Die Behörden hätten verfügt, dass die ARTANIA noch bei Tageslicht ihre Weiterfahrt antreten müsse.
Dies wurde zwar in dem knapp 1-stündigen Vortrag im Bordfernsehen „Auf ein Wort“ erwähnt. Das haben wir allerdings in dem Sammelsurium von Informationen (Showprogramme, Nutzung des Bordausweises, Kleidungsvorschläge für die Restaurants und und und …) nicht zur Kenntnis genommen, insbesondere, da wir damals noch keinerlei entsprechende Pläne für Rarotonga hatten.
Aber der Kreuzfahrdirektor beruhigte uns und meinte, dass er keinerlei Schwierigkeiten sieht, dass wir nicht zeitig zurück sein könnten.
73. Reisetag – Donnerstag, 27.02.2025 – Rarotonga/Cookinseln
Die Cookinseln (englisch Cook Islands) sind ein unabhängiger Inselstaat in „freier Assoziierung mit Neuseeland“ und eine Inselgruppe im südlichen Pazifik. Die Fläche beträgt 236,7 km² und hat 14.987 Einwohner (Stand 2021). Die Hauptstadt ist Avarua auf der Insel Rarotonga (67, 1 km² und 10.863 Einwohner).
Quelle Wikipedia.
Das Bussystem, dieser fast kreisförmigen Insel ist recht einfach. Es gibt eine ca. 30 Kilometer lange Küstenstraße rund um die Insel. Die eine Buslinie umrundet die Insel im Uhrzeigersinn, die andere Linie gegen den Uhrzeigersinn.
Es gibt zwar Haltestellen, aber man kann den Bus auch per Handzeichen an einer beliebigen Stelle anhalten und zusteigen. Analog gilt diese Regelung auch für den Ausstieg.

Die ARTANIA lag wieder auf Reede, konnte aber bei einer Wassertiefe von 300m bzw. durfte wegen vorhandener Korallenbänke nicht ankern.
Stattdessen musste sie triften, d.h. sie treibt im Wasser und um die Position zu halten, muss auf der Brücke immer wieder gegengesteuert werden.
Mit dem 11-Uhr-Tender kamen wir an Land, an die Nordspitze der Insel.
Die Tourist-Information an der Pier erklärte uns, wo die Bushaltestelle in der Nähe ist und was eine Fahrt kostet, nämlich 5 Neuseeland-Dollar (NZD), alternativ 5 US-Dollar oder 5 Euro.
Hier war sie wieder, die vereinfachte Wechselkursarithmetik der Südsee, denn 5 NZD sind tatsächlich 2,86 US-Dollar oder 2,27 Euro:
Wir waren aber bereits mit Neuseeland-Dollars angereist, so dass uns das großzügige Aufrunden des Fahrpreises nicht betraf.
Wir waren noch 200 Meter von der Bushaltestelle entfernt, da kam auch schon der Bus und er hielt tatsächlich auf unser Handzeichen hin an, wir stiegen ein und bezahlten. Dann setzte sich der Bus wieder in Bewegung und fuhr die 200 Meter zur „offiziellen“ Haltestelle und nahm die dort Wartenden, meist Phoenix-Gäste, auf.
Die Fahrt zu „Snorkel Cook Islands“, dem Veranstalter unserer gebuchten Schnorchel-Tour dauerte 30 Minuten.
Damit hatten wir bereits die erste Hälfte einer kompletten Inselumrundung absolviert.
Der Veranstalter warb für seine Schnorcheltour wie folgt:
Swim with turtles at our top-rated snorkeling spot in Rarotonga! Encounter majestic turtles, vibrant coral gardens, and a variety of tropical fish.
Übersetzung:
Schwimmen Sie mit Schildkröten an unserem bestbewerteten Schnorchelplatz in Rarotonga! Begegnen Sie majestätischen Schildkröten, lebhaften Korallengärten und einer Vielzahl von tropischen Fischen.

Schilder warnten vor gefährlichen Strömungen. Schwimmen und Tauchen ohne qualifizierte Führer nicht erlaubt.
Was soll ich sagen, die Tour hielt, was sie versprach.
Zunächst erhielten wir eine ausführliche Einweisung in Englisch über die Ausrüstung (Badeschuhe, Flossen und Tauchermaske mit Schnorchel), die starken Strömungen, Verhaltensmaßregeln usw. Das meiste hatten wir aber nicht verstanden, ob es an unserem geringen englischen Wortschatz lag oder am Slang unseres Guides, blieb offen.
Über eine Sandbank wateten wir zu einer Stelle, von der wir zu den Riffen schwimmen konnten, wo sich die Schildkröten und Fische tummelten.
Aber anstrengend war das mehr als eine Stunde dauernde Schnorcheln dann schon. Für das lange Schwimmen an sich brauchte es schon eine gewisse Kondition und das Strampeln mit Flossen an den Füßen ermüdet die Beine bei gleichzeitigen Strömungen, die nicht zu verachten waren.
Aber es war auf alle Fälle ein tolles Erebnis!
Natürlich waren wir hinterher die Letzten, die die Station verlassen haben. Bis wir geduscht und uns umgezogen hatten, waren alle anderen schon verschwunden, einschließlich des Guides und seiner Helferinnen. Diese Helferinnen fungierten als Rettungsschwimmer und haben aufgepasst, dass alle die Tour gut überstanden haben.
Für die Rückkehr zur Tenderpier hatten wir jetzt zwei Möglichkeiten, wir konnten sowohl mit der Uhrzeigersinn-Linie fahren oder auch mit der Gegen-den-Uhrzeigersinn-Linie, denn beide Strecken zur Nordspitze waren ziemlich gleich lang.
Der erste Bus, der kam, war von der Sorte Gegen-den-Uhrzeigersinn. Somit hatten wir am Ende eine komplette Inselrundfahrt absolviert.
Zurück an Bord (rechtzeitig!), klingelte das Kabinentelefon. Der Kreuzfahrtdirektor war dran und erkundigte sich, ob wir unser Landgangs-Pensum trotz verkürzter Aufenthaltsdauer stressfrei absolvieren konnten. Das konnten wir ihm uneingeschränkt bestätigen. Er gelobte Besserung in Sachen Informationsweitergabe und ließ es sich nicht nehmen, uns am Abend ein Getränk in Harry’s Bar zu spendieren.
74. Reisetag – Freitag, 28.02.2025 – Seetag
Zusammen mit dem heutigen Tag liegen vier Seetage vor uns, bis wir in Auckland/Neuseeland festmachen werden.
Unser Kurs ist Süd-West, wir bewegen uns also vom Äquator weg und schon wird das Wetter schlechter, nur mehr etwas über 20°, bewölkt und ab und zu Regen, also ideale Bedingungen, um im Büro den 7. Blogeintrag fertigzustellen und dies per E-Mail und Facebook bekannt zu geben.
Laut Routenplan, so wie er auch immer noch im Internet steht, sollte am heutigen Freitag in der Nacht die Datumsgrenze überfahren werden.
Das hätte bedeutet, dass der Samstag (1.3.2025) übersprungen worden wäre und wir direkt im Sonntag (3.3.2025) gelandet wären.
Der Datumssprung fand aber gar nicht heute statt, sondern sollte erst morgen erfolgen. Das verriet uns das morgige Tagesprogramm, das wir heute am frühen Abend erhalten haben.
Wie es zu der Diskrepanz zwischen Routenplanung und Realität gekommen ist, blieb bisher im Dunkeln.
Jetzt könnte der geneigte Leser einwerfen, dass dies doch bei den vier Seetagen völlig egal ist, wann die Datumsgrenze überfahren wird und somit der Datumssprung erfolgt.
Es ist mitnichten egal!!! ☹
Bei der ursprünglichen Planung wäre der Samstag ausgefallen, jetzt aber fällt der Sonntag aus und damit drückt sich die ARTANIA erneut davor, die sonntägliche Schwarzwälder Kirschtorte zu kredenzen.
Wir können uns das nur so erklären, dass es an Bord eine geheime, bösartige Black-Forrest-Cake-Verschwörung gibt.
Das seit einigen Tagen bemerkbare leichte Kribbeln in der Nase hat sich heute zu einer richtigen Erkältung gemausert. Jetzt hat sie mich also auch erwischt, die ARTANIA-Seuche.
Das heißt, nach dem Abendessen den Tag nicht in Harry’s Bar beenden, sondern gleich Abmarsch ins Bett.
75. Reisetag – Samstag, 01.03.2025 – Seetag
Die Erkältung hält sich in Grenzen und ich konnte am normalen Bordleben teilhaben.
Reisetag, den es gar nicht gibt – Sonntag, 02.03.2025
Wie ist das nun genau mit dieser Datumsgrenze?
Seit wir Hamburg verlassen haben, wurde immer, wenn wir wieder 15 Längengrade von Ost nach West überfahren haben, die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Das machte ja auch insofern Sinn, weil die Sonne im Osten aufgeht, verschiebt sich der Sonnenaufgang je weiter man sich westlich bewegt.
Wenn man 24-mal jeweils solche15-Längengrad-Pakete überfahren hat, hat man in Summe 360 Längengrade überfahren (24 x 15 =360), also ist einmal rum um die Erde.
Bis heute haben wir die Uhr 11-mal zurückgestellt und beim Passieren des nächsten 15-Grad-Abschnitts werden wir die Uhr dann schon 12-mal zurückgestellt haben.
Wenn wir das Spiel so weitertreiben würden, hätten wir die Uhr genau 24 mal zurückgestellt, wenn wir wieder in Hamburg (bzw. Bremerhaven) ankommen. Dann hätten wir bei einem Abreißkalender auf dem Schiff ein Blatt weniger abgerissen als jemand, der während unserer Reisezeit in Deutschland geblieben wäre. Das Schiffsdatum würde mit dem Datum in Deutschland um einen Tag differieren, sprich hinterherhinken.
Spätestens jetzt müssten wir noch ein zusätzliches Kalenderblatt an Bord abreißen, damit die “Datümser“ wieder synchron sind.
Jetzt wurde uns, wenn wir die Uhr eine Stunde zurückstellen durften, diese Stunde nicht einfach geschenkt, wie oft behauptet wurde, sondern wir haben diese Stunde nur geliehen.
Wenn wir jetzt die Datumsgrenze überschreiten, müssen wir zuerst die Uhr noch einmal eine Stunde zurückstellen, aber gleichzeitig müssen wir auch unsere Zeitschulden bezahlen, d. h. wir müssen die Uhr jetzt um 12 Stunden vorstellen. Aber das Zeitgeschäft ist damit immer noch nicht angeschlossen, denn wir müssen noch weitere 12 Stunden “einzahlen“, sprich die Uhr um weitere 12 Stunden vorstellen. Jetzt haben wir die Uhr um 24 Stunden vorgestellt und somit ein “Zeitguthaben“ von 12 Stunden. Dieses Vorstellen der Uhr um 24 Stunden auf einen Schlag bedeutet, dass wir ein Kalenderblatt zusätzlich abreissen müssen.
Jetzt hinken wir der deutschen Zeit nicht mehr 12 Stunden hinterher, sondern sind 12 Stunden voraus.
Diese 12 Stunden bekommen wir nun peu à peu "zurückbezahlt", indem wir die Uhr Stunde um Stunde zurückstellen, je weiter wir nach Westen fahren, bis wir die wieder in Deutschland sind.*
Phoenix hat dieses Phänomen im Tagesprogramm vom Samstag, den 1. März, wie folgt erklärt:
* Bei meiner Erklärung habe ich so getan, als ob Hamburg genau auf dem 0. Längengrad liegen würde und zur gleichen Zeitzone wie London/Greenwich gehört, was beides nicht stimmt. Aber dadurch, dass in Deutschland zurzeit die Winterzeit gilt, passt meine Erklärung trotzdem.
76. Reisetag – Montag (Rosenmontag), 03.03.2025 – Seetag
Der mit Spannung erwartete Rosenmontagszug auf Deck 4 begann beinahe pünktlich um 11:00 Uhr. Die kleine Verspätung war der Tatsache geschuldet, dass sinnvollerweise erst das Ende des Vortrags vom Bordlektor Uwe Lexow “Neuseeland im Überblick“ abgewartet wurde.
Der Zug wurde von Kapitän Alex Zinkovski und Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka angeführt.
Die Motivwagen (Transportkarren und Einkaufswagen) sowie die Fu0gruppen wurden von den verschiedenen Abteilungen der ARTANIA gestaltet und besetzt.
Das Phoenix-Team.
Das Show-Ensemble.
Das Restaurant-Team, featuring Ani, unsere Lieblingskellnerin aus dem Lido-Restaurant.
Das Houskeeping-Team, erkannbar als solches an den mitgeführten Klopapierrollen.
Last but not least:
Das Getränkekellner-Team.
Deren Kostümierung bestand weitgehend darin, dass sie das weiße Hemd, das sie normalerweise unter ihrer Weste tragen, einfach weggelassen haben.
So bekam der Rosenmontagszug zum Schluss noch eine besondere sexy Note. 😊
Um ein Fazit zu ziehen:
An der Qualität und Originalität der Zugnummern gab es aber auch diesmal rein gar nicht zu bekritteln.
Aber: Früher war mehr Lametta!
Der Zug umkreiste diesmal das Deck nur einmal, im letzten Jahr gab es noch zwei Umdrehungen.
Die Ausbeute an „Kamelle“ war äußerst dürftig, was nicht nur an der fehlenden Runde gelegen hatte, sondern die Wurffrequenz und die jeweilige Wurfmenge waren eher verhalten. Es muss halt überall gespart werden und außerdem ist das besser so für die Zähne.
In diesem Sinne: ARTANIA Helau und Alaaf.
Die größte Überraschung gab es dann am Nachmittag zur Kaffeestunde.
Es gab Schwarzwälder Kirschtorte.
Wie war das möglich, schließlich war doch Montag und nicht Sonntag?
Da muss ich zwecks Erklärung dieses Wunders etwas weiter ausholen.
Benjamin von der Phoenix-Reiseleitung sitzt meist, wenn er nicht gerade Reisen leitet, an Seetagen in der Bibliothek ...
... und ist für den Gold- & Silber-Service zuständig.
Dieser Service dient als Anlaufstelle für die Gäste der Kabinenkategorien Gold und Silber für jedwede Fragen, Anregungen und Beschwerden. Benjamin ist dann praktisch die Schnittstelle zu den verschiedensten Departments auf der ARTANIA und insbesondere zu seinen Phoenix-Kollegen, die ja alle auch ganz spezielle Aufgaben innehaben.
Er hat für alles ein offenes Ohr, aber vor allem hat er keine zwei offenen Ohren, denn sonst ginge ja das Gesagte zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.
Wir mögen seine Art, wie er mit den Gästen umgeht und wie er bei Problemen kompetent nach Lösungen sucht und sie findet.
Und sein bereits erwähntes offenes Ohr ist auch sehr hellhörig. So bekam er vor einigen Tagen mit, wie wir in der Bibliothek mit einem Ehepaar am Nachbartisch über die Black-Forrest-Cake-Verschwörung flaxten.
Obwohl wir gar keine Gold- oder Silbergäste sind und wir auch nur geflaxt hatten, nahm er den Flax ernst, kam auf uns zu und gab an zu versuchen, gegen die besagte dunkle und im geheimen agierende Verschwörung vorzugehen.
Es gelang ihm tatsächlich, was wir nicht zu hoffen gewagt hatten, die Verschwörer zu neutralisieren. Am Kuchenbuffet strahlte uns die Schwarzwälder Kirschtorte entgegen.
Natürlich bedankten wir uns nach der Kaffeestunde bei Benjamin für seinen Einsatz, für den er übrigens einen sehr hohen Preis bezahlt hatte.
Denn montags ist eigentlich der Tag für den New-York-Cheese-Cake, sein Lieblingskuchen, auf den er sich die ganze Woche freut. Denn gab es heute natürlich nicht.
Im Eifer des Gefechts für die gute Sache hatte er die Konsequenzen seines Handelns nicht vollständig auf dem Radar gehabt und hat sich so selbst ins Knie geschossen.
Für seinen Einsatz gebührt ihm auf jeden Fall der Rosenmontagsorden am Band, ein kräftiger Tusch und der Narrhallamarsch.
77. Reisetag – Dienstag, 04.03.2025 – Seetag
Heute war der letzte Seetag des derzeitigen Reiseabschnitts. Somit standen Stadl-Frühschoppen, Abschiedscocktail und Galaabendessen auf dem Programm.
78. Reisetag – Mittwoch, 05.03.2025 – Auckland/Neuseeland
Um 7:00 Uhr machten wir an der Pier in Auckland fest. Da wir hier 3 Tage liegen werden, war keine besondere Eile bei den Vorbereitungen für unseren Landgang geboten.
So stornierten wir zunächst einmal die für morgen geplante 4-stündige Walbeobachtung, die wir im Internet über die Plattform Tripadvisor gebucht hatten. Stornierungen bis 24 Stunden vor Tourbeginn sind kostenlos.
Bei der Buchung war nicht klar, mit welcher Art Boot die Tour durchgeführt wird. Man muss erst buchen, erst dann kann man mit dem Veranstalter Kontakt aufnehmen. Aber der Veranstalter hielt es nicht für nötig, unserer Frage nach dem Boot zu beantworten.
So wussten wir nicht, ob es sich um ein „Freiluft-Schiff“ handelt oder ob es auch Innenräume hat. Bei Temperaturen um die 20 ° (und einer gerade überstandenen Erkältung) wäre es nicht besonders prickelnd 4 Stunden lang dem Fahrtwind ausgesetzt zu sein.

Foto aus 2023: Trotz Halstuch und Strickjacke hatten wir uns auf dieser windigen Fahrt eine Erkältung eingefangen.
Eine ähnliche Fahrt bei ähnlichem Wetter hatten wir vor einigen Jahren zusammen mit Bekannten 2023 im Khasab/Oman unternommen (Delfinbeobachtung), haben uns den Allerwertesten dabei abgefroren und wurden anschließend fast alle krank (siehe Blog von 2023).
Gleich ein Eye-Catcher nach dem Verlassen des Passagierterminals, ein Werbeplakat der All Blacks, der Rubgy-Nationalmannschaft von Neuseeland.
Die Mannschaft ist Kult und gehört zu Neuseeland genau so wie das Nationalsymbol, der Kiwi.
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Das Downtown Ferry Terminal am Fährhafen.
Ein altes, aber sehr schön restaurierte Gebäude; ein Relikt aus einer anderen Zeit inmitten der mordernen Hochhäuser.
Unser heutiger Landgang führte uns zunächst zu den Fähranlegern.
Dort konnten wir feststellen, dass das Boot für die Walbeobachtung ein ausgewachsener Katamaran war und kein offenes Bötchen nur mit einem Sonnensegel ausgestattet.
Also sollte es kein Problem, die Tour erneut zu buchen. Es war aber doch ein Problem und zwar ein unlösbares. Es gab für morgen keine freien Plätze mehr.
Ein Alternativprogramm war aber schnell gefunden. Vom selben Fährhafen gab es auch eine Verbindung zur gut 10 Kilometer entfernten Insel Rangitoto.
Fahrkarten hierfür konnten wir direkt am Automaten kaufen.
Wir zogen gleich für morgen 10:30 Uhr unsere Tickets. (Für uns beide zusammen 116 NZD = 63 € für Hin und Rückfahrt.)
Nun konnte unser eigentliches Programm starten, nämlich ein Stadtrundgang mit dem virtuellen Stadtführer Adventure Lab.
Er führte uns zu den folgen Sehenswürdigkeiten:
- Memorial Beacon (Leuchtturm zur Erinnerung).
Dieses Denkmal befand sich ganz in der Nähe unseres Liegeplatzes an der Uferpromenade.
Im Gegensatz zu anderen Kriegsdenkmälern, die in der Regel nur an die Gefallenen erinnern, erinnert diese Denkmal namentlich an alle Mitarbeiter der Auckland Harbor Board (Hafengesellschaft von Auckland), die während des 1. Weltkriegs zum Militärdienst eingezogen wurden, also auch an die, die den Krieg überlebt haben. - Downtown Ferry Terminal, ebenfalls an der Uferpromenade gelegen. Ein 1912 fertiggestelltes Gebäude im Neo-Barock-Stil.
- Old Custom House, das alte Zollhaus aus dem Jahre 1880. Es wurde im neoklassizistischen Baustil errichtet.
- St. Patrick's Square, ein charmantes und ruhiges Plätzchen mitten im hektischen Großstadtgetümmel von Auckland.
- St. Patrick's Cathedral, eine römisch-katholische Kirche.
Während eines Aufenthalts in Auckland ist eigentlich der Sky Tower ein absolutes Muss, aber da wir dort 2017 bereits ganz oben waren, haben wir ihn diesmal links liegen gelassen. Stattdessen machten wir noch einen kleinen Bummel durch die sehr noble Queen Street. Sie ist die bekannteste Straße der Stadt.
Mit heiß gelaufenen Füßen kehrten wir am Nachmittag zum Schiff zurück.
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Während wir uns ins der Stadt vergnügten, bunkerte die ARTANIA Lebensmittel und sonstige wichtige Dinge, wie z. B. Toilettenpapier.
79. Reisetag – Donnerstag, 06.03.2025 – Auckland/Neuseeland
Der zweite Tag unseres Neuseelandaufenthalts bedeutet: Neuer Reiseabschnitt und Passagierwechsel.
Der neue Reiseabschnitt wurde von Phoenix mit „Das Beste Neuseelands und Tasmaniens!“ betitelt.
Während viele der Gäste sich im Abreisestress befanden, frühstückten wir erst einmal in Ruhe und bereiteten uns anschließend auf den Landgang vor. Das heißt z. B. Sonnenschutz auftragen. Obwohl die Temperaturen sich maximal um die 20° bewegen, ist die Sonne trotzdem sehr heimtückisch.
Nachdem auch der Rucksack fertig gepackt war, machten wir uns auf den kurzen Weg zum Fähranleger, um von dort zur Insel Rangitoto überzusetzen. Die Tickets hatte wir ja gestern schon gekauft.
Dort bestiegen wir die Fähre, die uns in einer knappen halben Stunde zur Insel Rangitoto brachte.
Die kleine runde Insel (Durchmesser ca. 5,5 Kilometer) ist unbewohnt.
In den 1920er und 1930er Jahre gab es her noch etliche Ferienhäuser. Diese waren dann aber seit 1937 verboten und wurden abgerissen, bis auf eine kleine Anzahl, die praktisch als Freiluftmuseum dienen.
Die Insel vulkanischem Ursprungs ist heute ein Naturreservat und außer Spazierengehen und Wandern kann man hier nichts unternehmen.
Die gut 100 Leute, die das Fährschiff auf der Insel abgeladen hatte, "verflüchtigten" sich sehr schnell und waren bald aus unserem Blickfeld verschwunden.
Die meisten machten sich wohl auf den Weg zum 260 Meter hohen Gipfel, was uns zu strapaziös erschien und so blieben wir die meiste Zeit nur knapp über dem Meeresspiegel.
Wir hatten das Gefühl, als wären wir ganz alleine auf dieser schönen Insel.
Menschen begegneten wir erst wieder, als wir in die Nähe des Stegs kamen, der zum Fähranleger führte.
80. Reisetag – Freitag, 07.03.2025 – Auckland/Neuseeland
In und um Auckland gibt es eine Reihe von erloschenen Vulkanen. Der Mount Eden ist einer davon und ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Mit dem Bus (der Linie 27H oder 27W fährt man vom Zentrum ca. 5 Kilometer bis zur Haltestelle Tahiki Reserve und gelangt so an den Fuß des Vulkankegels Mount Eden.
Das Bezahlen der Busfahrt (ca. 1,50 € pro Strecke) erfolgt sehr einfach, kontaktlos mit der Kreditkarte. Zuerst beim Einsteigen, dann wieder beim Aussteigen hält man die Karte an das Lesegerät und der Fahrpreis wird von der Karte abgebucht.
Mit 196 Meter Höhe ist der Mount Eden die höchste Erhebung von Auckland.
Die letzten 100 Höhenmeter mussten wir zu Fuß bewältigen.
Oben angekommen, konnten wir einen Blick in den 50 Meter tiefen grasbewachsenen Krater werfen und hatten einen wunderbaren 360° Rundumblick auf die Stadt und die Umgebung.
Unser Rückweg führte uns zum nahegelegenen Friend & Whau Café.
Hier konnten wir uns vom Auf- und Abstieg vom Mount Eden erholen.
In den Räumen des Cafés gab es auch eine interessante Ausstellung über die Geschichte des Vulkans.
Sowohl geologische Aspekte als auch die Besiedlung dieses Vulkankegels durch das indigene Volk der Māori wurden durch Fotos, Texttafeln und Exponate erklärt.
In einem kleinen Kino lief in Endlosschleife ein Film, der die Ausstellung ergänzte und Lust auf die anderen Vulkanberge in und um Auckland machte.
Noch eine kleine ARTANIA-Episode zur Abrundung des Tages. Der Episode gebe ich mal den Arbeitstitel “Skandal der Herzen“.
Zu Beginn einer jeder Reise bzw. jedes Reiseabschnitts fanden wir bisher in der Kabine zwei Schoko-Herzen vor. Aber diesmal verlief der Start der neuen Etappe für uns absolut herzlos.
Von unserer Kabinenstewardess erfuhren wir, dass deren Supervisor, das ist ihr direkter Vorgesetzter, verfügt hatte, dass sogenannte Transitgäste ab sofort von der Herzensgabe auszuschließen seien. Zur Erklärung, Transitgäste sind Passagiere, die bereits bei der vorherigen Etappe dabei waren und nicht neu an Bord gekommen sind.
Die Schoko-Herzen sind ein Willkommensgeschenk und der Transitgast wurde ja bereits willkommen geheißen. Diese revolutionäre Erkenntnis muss der Auslöser für die innovative Sparmaßnahme gewesen sein.
Das Streichen dieses kleinen Goodies mitten in einer Weltreise ist meines Erachtens aber hochgradig albern. Das sah der Kreuzfahrtdirektor übrigens genauso ...
... und am Abend fanden alle Transitgäste wie gewohnt ihre Schokoherzen auf der Kabine vor.
Nach der beinahe erfolgreichen Einführung „Kein Herz für Transitgäste“ könnte man ja mal über „Keine Rettungsübung für Transitgäste“* nachdenken. 😊
Heute um 19:45 Uhr mussten wir hierzu zum 5. mal samt Rettungsweste erscheinen.
* Anmerkung:
Die Rettungsübungen sind laut internationalem Seerecht auch für Transitgäste obligatorisch, während die Gabe von Schokolade international nicht geregelt ist und somit nicht verpflichtend.
81. Reisetag – Samstag, 08.03.2025 – Bay of Islands/Neuseeland
Bay of Islands bezeichnet eine nördlich von Auckland gelegene bekannte Urlaubsregion, die aus den Orten Paihia, Russel, Kerikeri und Kawakawa besteht sowie aus mehr als 140 Inseln und Eilanden.
Wir hatten im Internet über die Plattform
einen Ausflug gebucht, der von den Zielen und der Dauer fast identisch mit einem Phoenix-Ausflug war. Preislich war unsere Buchung sogar preiswerter als bei Phoenix (dort 139 €/Person). Das ist aber nicht entscheidend. Für eine Tour mit wenigen Teilnehmern (hier: maximal 11 Personen) wären wir durchaus bereit gewesen, etwas mehr zu zahlen.
Unser Ausflug, durchgeführt von Mullarkey Tours nannte sich “Kawiti Glow Worm Caves, Hundertwasser Exhibition Centre & Opua Forest Walk Tour“.
Der Ausflug sollte schon um 9:30 Uhr losgehen, aber wir wären als private Landgänger laut Tagesprogramm erst um 10:15 Uhr mit dem Tendern dran gewesen. Für solche Fälle ist die Phoenix-Reiseleitung flexibel und wir durften als Beipack mit dem 8:45 Uhr Tender mitfahren.
An Land wartete bereits unser Guide Holger und die 6 anderen Tourteilnehmer auf uns. Holger ist ein gebürtiger Deutscher, der irgendwann nach Neuseeland ausgewandert ist.
Da unsere 6 Mit-Ausflügler ebenfalls ARTANIA-Passagiere waren, konnte die Tour in Deutsch statt in Englisch durchgeführt werden.
Mit Holger als Guide hatten wir das Glück, dass seine Erklärungen nicht nur in Deutsch, sondern auch verständlich, immer kurzweilig und oft humorvoll waren.
Im Mini-Van ging es los und nach einigen Fotostopps kamen wir bei der Glühwürmchenhöhle an.
Eine einheimische Maori-Guide führte uns durch die Höhle.
Vorher wurden wir vergattert die Wände der Höhle und die Stalaktiten und Stalagmiten nicht anzufassen. Außerdem durfte nicht fotografiert werden.
Die Höhlendecke mit den leuchtenden Glühwürmchen sah aus wie ein Sternenhimmel. Wir hätten auch viel über die Lebensform der Glühwürmchen lernen können, wenn unsere Englischkenntnisse besser wären, denn die Führung war in Englisch.
Gerade als unsere Führung zu Ende war, kam ein vollbesetzter Bus mit Phoenix-Ausflüglern an, deren direkter Weg gleich nach dem Aussteigen zu dem Toilettenhäuschen führte.
Auch wir hatten gleich nach der Ankunft bei der Höhle diese Einrichtung genutzt.
Wir konnten aber das Häuschen „just in time“ nutzen, während sich bei den 50 Ausflugsteilnehmern zwangsläufig sofort eine Warteschlange gebildet hatte.
Bei der Höhlenführung musste dann die Busladung noch in mehrere Teilgruppen aufgeteilt werden, die dann nacheinander durch die Höhle geführt wurden.
Der Vorteil einer kleinen Gruppe ist einfach unbezahlbar
Unser nächstes Ziel war die Hundertwasser-Toilette in Kaewakawa.
Der bekannte österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser
(* 15.12.1938 – † 19.2.2000) ...
... lebte über einen längeren Zeitraum für jeweils 6 Monate im Jahr hier in der Gegend, um seine „Batterien aufzuladen“, wie uns Holger erklärte. Der Zyklus, immer für 6 Monate hier zu sein, war den Visa-Bestimmungen geschuldet. Ein Visum hat eine maximale Gültigkeit von 6 Monaten und erst nach Ablauf von weiteren 6 Monaten kann ein Neues beantragt werden.
Während seines Aufenthalt war eine öffentliche Toilette in Planung und Hundertwasser plante mit und sein Entwurf wurde schließlich realisiert.
2020 wurde das Hundertwasser Cultural Centre eröffnet, dass natürlich im Hundertwasser-Stil gestaltet ist, einschließlich der dortigen Toiletten.
Das Souveniergeschäfte an der Hauptstraße, wo sich auch das berühmte Toilettenhäuschen befindet, imitiert den Hundertwasser-Stil

Man lasse sich durch die Aufschrift "15 min" nicht täuschen. Mit Holger dauerte der Opua Kauri Walk mehr als eine Stunde."
Nach der Kultur stand jetzt noch einmal die Natur auf dem Programm, der Opua Forest.
Das Besondere an diesem Wald sind die Kauri-Bäume, die bis zu 4.000 Jahre alt werden können.
Die Kauri-Bäume sind kerzengerade und sehr hoch.
Das hatte zu Zeiten der Segelschiffe die Begehrlichkeiten der Schiffsbauer geweckt, denn diese gerade gewachsenen Bäume eigneten sich ausgezeichnet als Schiffsmasten.
Deshalb gibt es heute hier nur noch wenige Exemplare, die streng geschützt sind.
Der Opura Kauri Walk ist ein schmaler Pfad, der in den Wald hineinführt.
Vor dem Betreten des Pfads mussten wir uns mit groben Bürsten die Schuhsohlen säubern, damit nichts in den Wald hineinkommt, was da nicht hingehört, insbesondere fremde Samen und Sporen.
Schon auf dem Weg hierher, eine schmale Schotterstrecke, wären große Reisebusse gescheitert und 50 Leute hier durch den Naturpfad zu schleusen, hätte sowieso wenig Sinn gemacht.
Holger brachte uns auf dem Pfad die Besonderheiten und Eigenarten der Bäume und Pflanzen dank seiner Erzählkunst näher.
Nach über 4 interessanten und unterhaltsamen Stunden brachte er uns zur Tenderpier zurück, wo wir uns von ihm verabschiedeten.
Solche tollen Ausflüge, wo man sagen kann, dass sie jeden Euro wert waren, sind ein echter Glücksfall.
82. Reisetag – Sonntag, 09.03.2025 – Seetag (mit Begrüßungsgala)
Heute wäre, von der Gala einmal abgesehen, ein normaler Seetag gewesen, wenn die Black-Forest-Cake-Verschwörung auch an diesem Sonntag nicht wieder ihr Unwesen getrieben hätte.
Das Unheil kündigte sich schon zur Mittagszeit an, ...
... um dann am Nachmittag voll zuzuschlagen.
Schwarzwälder Kirsch Torte ade!!!
Unser Held Benjamin, der vor zwei Wochen dafür gesorgt hatte, dass trotz des wegen Datumssprung ausgefallenen Sonntags dann am Folgetag die heißgeliebte Torte angeboten wurde, ist nicht mehr auf der ARTANIA. Er begleitet das Nachprogramm in Auckland und fliegt anschließend nach Hause; er hat dann Urlaub, konnte also nichts für uns tun.
Missmutig machten wir uns um 15:30 Uhr auf den Weg in das Restaurant Vier Jahreszeiten und kreisten lustlos um das Kuchenbuffet.
Da sprach uns unerwartet Antony an, der hier als Supervisor die Aufsicht führte. Wenn wir wollten, könnte er uns Schwarzwälder Kirsch besorgen. Das wollten wir.
Auf welchen Kanälen diesmal der Schlag gegen die Black-Forest-Cake-Verschwörung gelungen war, blieb im Dunkeln. Vielen Dank an den Robin Hood des Black-Forest, der im Stillen und im Untergrund wirkt.
83. Reisetag – Montag, 10.03.2025 – Gisborne/Neuseeland
Gleich nach dem Aufstehen, die ARTANIA hatte bereits den Anker vor Gisborne geworfen, genügte ein Blick aus dem Fenster und es war klar: Heute kann nicht getendert werden.
Alsbald erfolgten auch die entsprechenden Durchsagen über Bordlautsprecher und das Bordfernsehen.
Ursprünglich wollte man noch 2 Stunden abwarten, ob das Wetter vielleicht doch besser wird, aber sowohl der Wetterbericht als auch der Hafenmeisters legten uns nahe, dass das Warten auf besseres Wetter keine Aussicht auf Erfolg haben würde.
Die Idee, schon heute nach Napier zu fahren, um dort am späten Abend festzumachen, wurde ebenfalls fallen gelassen.
Das Anlegen schon heute Abend gegen 22:00 Uhr hätte mit 85.000 NZD (ca. 45.000 €) an zusätzlichen Hafengebühren zu Buche geschlagen. Da das Nachtleben von Napier eher sehr übersichtlich sein soll, wäre das Kosten-Nutzen-Verhältnis ungünstig, also hohe Kosten, wenig Nutzen. So hatte die Reiseleitung dann beschlossen, gemächlich Richtung Napier zu fahren und dort wie geplant am morgens um 7:00 Uhr anzukommen. Eine Entscheidung, die wir gut nachvollziehen können.
Gegen 9:00 Uhr wurde das schnell auf die Beine gestellte neue Tagesprogramm bekannt gegeben.
Bei der Bekanntgabe des Programmpunkts „Locker vom Hocker“ im Bordkino durchzuckte es uns.
„Locker vom Hocker“ war nämlich bis 2020 im Bordkino eine humorvolle Vortragsreihe von Professor Gerd Habenicht. Professor Habenicht war Stammgast auf der ARTANIA und bekam vom Phoenix-Entertainment-Manager immer mal wieder die Gelegenheit, im Bordkino etwas zum Besten zu geben.
Er, auf einem Barhocker sitzend mit einer kecken Fliege um den Hals, trug vor und seine Frau Elke bediente die Technik, speziell Laptop und Beamer. Neben seinen humorvollen Vorträgen (z. B. zum Thema Limericks) referierte er auch über Richard Wagners Ring der Nibelungen.
Sehr viele Passagiere haben Prof. Habenicht und seine Frau Elke gekannt. Beide waren äußerst beliebt. Auch wir haben oft beim Essen zusammen mit Familie Habenicht gesessen und uns unterhalten.
Prof. Habenicht hätte gerne im Januar 2021 auf der ARTANIA seinen 90. Geburtstag gefeiert, aber wegen Korona gab es zu dieser Zeit keine Kreuzfahrten.
Am 12. Oktober 2021 ist er verstorben. Wir fanden damals mehr zufällig die Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung.
Vielleicht kann der Leser jetzt ein wenig verstehen, dass sich für uns „Locker vom Hocker“ im Zusammenhang mit Sitzgymnastik im Bordkino irgendwie nicht richtig anfühlt.
84. Reisetag – Dienstag, 11.03.2025 – Napier/Neuseeland
Die Stadt Napier ist mit 60.000 Einwohnern mehr als nur ein kleines Hafenstädtchen und hatte demzufolge auch eine ordentliche Pier, an der die ARTANIA festmachen konnte, sodass wir heute nicht tendern mussten.
Die Stadt wurde 1931 durch ein Erdbeben völlig zerstört. Für den Wiederaufbau wurde beschlossen, die Stadt im Art-déco-Stil wieder aufzubauen.
Was jetzt der Art-déco-Stil genau ist, versuchten wir bei Wikipedia nachzulesen, haben aber letztlich nicht genau verstanden, was dort beschrieben ist.
So findet man dort Sätze wie:
Vielmehr handelt es sich um eine Entwicklung inmitten des generellen Aufbruchs der Klassischen Moderne, bei der die gestalterische Verbindung von Eleganz der Form, Kostbarkeit der Materialien, Stärke der Farben und Sinnlichkeit des Themas im Vordergrund stand.
Wir haben den Art-déco-Stil für uns dann vereinfacht so definiert: Irgendwie anders.
So angemessen intellektuell vorbereitet fuhren mit dem bereitgestellten Shuttlebus in die City.

Pania of the Reef ist eine Figur der Mythologie der Maori. Sie ist in Neuseeland ähnlich populär wir die Kleine Meerjungfrau in Kopenhagen.
Unser Stadtrundgang führte uns zu den entsprechenden Sehenswürdigkeiten, wie sie auch in der Landgangsinformation von Phoenix aufgelistet waren.
Den Abschluss bildete ein Besuch des Kaufhauses The Warehouse Napier, das Doris ausfindig gemacht hatte.
Ich war auf der Suche nach einer ganz bestimmten Workware, nämlich neonfarbenen Shirts, wie sie überall hier in Neuseeland und in Australien von Arbeitern getragen werden, die outdoor, also im Freien, arbeiten.
In diesem Kaufhaus wurden wir fündig.
Mir gefallen diese Shirts nun mal außerordentlich (und Doris kann mich in einer Menschenmenge schnell ausfindig machen) und finde sie originell.
Außerdem sind sie von guter Qualität, sind atmungsaktiv, haben einen Lichtschutzfaktor von 50 und sind obendrein noch preiswert. Es gibt sie in Gelb, Orange und Rosa, mit Kurz- oder Langarm, sowie mit Kragen oder Rundhalsausschnitt. In Summe gibt es also 12 verschiedene Varianten und meine damals 2020 in Sydney angefangene „Sammlung“ ist noch lange nicht komplett. 😊
Zurück am Schiff erfreute die Heimkehrer ein Musiker-Trio mit Dixieland-Klängen ...
... und der örtliche Oldtimerclub mit seinen „Hinguckern“ ließ die Herzen der Fotofreunde höher schlagen.
85. Reisetag – Mittwoch, 12.03.2025 – Picton/Neuseeland
Picton war unser erstes Ziel auf der Südinsel. Das Städtchen hat nur 5.000 Einwohner, aber dennoch ein Pier, die groß genug ist, dass die ARTANIA dort festmachen kann.
Wie gestern im Hafen von Napier wird auch hier im Hafen von Picton hauptsächlich Holz verschifft.
Die Anleger sind in der Hauptsache für die Frachtschiffe da; Kreuzfahrtschiffe sind hier eher in der Minderheit.
Das kleine Picton ist ein bedeutender Verkehrsknotenpunkt. Von hier fahren die Auto- und Eisenbahnfähren nach Wellington auf der Nordinsel bzw. kommen von Wellington hier an.
Ebenso ist der Tourismus ein beachtlicher Wirtschaftsfaktor.
Am Vormittag gegen 11:00 Uhr machte die ARTANIA an der Pier fest. Der Hafen lag etwas außerhalb, sodass es von Vorteil war, dass ein kostenloser Shuttleservice in die City eingerichtet war. Von Nachteil war, dass das halbe Schiff um sofort nach der Freigabe für den Landgang kurz nach 11 Uhr geshuttlet werden wollte, sodass sich eine sehr lange Schlange bildete, obwohl 5 Busse gleichzeitig im Einsatz waren.
Der Kreuzfahrtdirektor wies über Bordlautsprecher auf die lange Warteschlange hin und empfahl den Passagieren, die noch an Bord waren, besser erst mal eine halbe Stunde abzuwarten. Die Durchsage missverstanden etliche Passagiere als Aufforderung, jetzt, gleich und unverzüglich auch geshuttlet werden zu wollen und die Warteschlange wuchs noch einmal kräftig an.
Doris und ich gingen erst mal in Ruhe zum Mittagessen, die Restaurants hatten heute schon ab 11:30 geöffnet und waren erfreulich wenig frequentiert.
So gestärkt kamen wir, ohne vorher in einer Schlange stehen zu müssen, im Zentrum von Picton an.
Von unserem Streifzug durch die Stadt gibt es nichts Spannendes zu erzählen und ich bin deshalb mit meinem Tagesbericht schon fertig.
86. Reisetag – Donnerstag, 13.03.2025 – Akaroa/Neuseeland
Akaroa ist ein kleiner Ort mit gerade mal 800 Einwohnern an der Westküste der Südinsel. Akaroa ist ein beliebtes Ausflugsziel. Die größte Stadt der Südinsel, Christchurch mit ca. 400.000 Einwohner liegt 80 Kilometer von Akaroa entfernt.
Im 19. Jahrhundert gründeten französischen Siedler hier eine Kolonie, was aber die englische Krone wenig beeindruckt hat und einfach die britische Souveränität für die Südinsel verkündigte.
Die französischen Spuren sind bis heute sichtbar, so z. B. an einigen Straßennamen, etwa der Rue Jolie.
Wir kamen am Vormittag um 9:00 Uhr an unserm Ankerplatz an und bis die Behörden an Bord waren und die Freigabe für den Landgang erteilten, wurde es viertel vor 10 Uhr.
Jetzt hatten alle Passagiere schon gefrühstückt und sowohl die Phoenix-Ausflügler als auch die privaten Landgänger scharrten mit den Hufen und wollten an Land, möglichst gleichzeitig.
Für das heutige Tendern wurde aber Geduld vorausgesetzt, da die Tenderstrecke recht lang war und es somit auch länger dauerte, bis ein Boot wieder neue Passagiere von der ARTANIA einladen konnten. So kamen wir erst, nachdem die Hufenscharrer alle schon weg waren, gegen 12:30 Uhr an Land.
Durch Wald, Natur und den Ort wurden wir wieder von unserem virtuellen Guide (Geocache Adventure Lab) geleitet.
Zwei Punkte auf dieser Tour sind dabei besonders hervorzuheben. Zum einem unser Mittagessen, das gemäß unserer Bestellung aus einem Hotdog und Pommes bestand, denn der sogenannte Hotdog war außergewöhnlich. Der Hot Dog war letztlich ein in einem Backteig frittiertes Würstchen am Stiel.
Diesen frittierten Backteig kennt jeder, der in England schon mal Fish and Chips bestellt hat.
Das war aber bei näherer Betrachtung gar nicht sooo verwunderlich, denn das Restaurant oder besser der rustikale Imbiss nannte sich schließlich „Fish and Chips Shop“.
So gestärkt bestritten wir den steilen Aufstieg durch den Wald zum alten französischen Friedhof. Ein wenig verwundert bis leicht erschrocken war ich, als plötzlich ein kleiner Vogel von der Seite auf mich zu flatterte und mich einmal umkreiste und sich in die Nähe auf einen Zweig setzte.
Einen Augenblick später flog er wieder kurz auf und setzte sich auf einen anderen Zweig, aber wieder in meiner Nähe.
Auch vor Doris zeigte er keinerlei Scheu.
Es kam sogar noch ein Kumpel von diesem zutraulchen Piepmatz vorbei und veranstaltete das gleiche Spiel.
Wir blieben gebannt stehen, um dieses Schauspiel zu beobachten. Selbst als wir weiterzogen, blieben die Beiden noch eine Weile unsere Begleiter.
Gegen 18:45 machten wir uns auf den Rückweg zur Tenderpier, denn der letzte Tender sollte um 19:30 abfahren.
Wir gingen davon aus, dass die meisten Passagiere schon an Bord waren, aber diese Annahme war nicht ganz richtig. Auf dem Weg zur Pier fuhren vier vollbesetzte Phoenix-Ausflugsbusse an uns vorbei, was bezüglich Wartezeit an der Tenderstation nichts Gutes verhieß.
Als wir an der Pier angekommen waren, trafen wir auf eine lange Schlange, weil seit Ankunft der vier Busse noch kein Tender da war, um die Massen zum Schiff zu befördern.
Wir wollten uns irgendwo abseits dieses länglichen Ungeheuers hinsetzen und in Ruhe abwarten, bis die Schlange sich aufgelöst hat. Davon nahmen wir dann aber rasch Abstand, als wir sahen, dass noch ein Ausflugsboot, vollbesetzt mit Phoenix-Gästen, auf den Anleger zusteuerte. Da reihten wir uns dann doch lieber ein, um noch vor dem Schließen der Restaurants 20:30 Uhr auf der Artania an Bord zu sein. Das hat dann letztlich auch geklappt. Außerdem hatte das Hoteldepartment ein Einsehen und hat die Öffnungszeiten um eine halbe Stunde verlängerte, damit auch die letzten Spätheimkehrer noch einen Happen zu essen bekommen konnten.
87. Reisetag – Freitag, 14.03.2025 – Timaru/Neuseeland
Timaru ist ein weiterer neuseeländischer Hafen an der Ostküste der Südinsel.
Von der Pier ins Zentrum fuhr ein kostenloser Shuttlebus.
Als zusätzlicher Service machte der Bus noch eine kleine Stadtrundfahrt einschließlich Erklärungen durch den Fahrer, ...
... um uns am Ende in der Nähe eines kleinen Kusthandwerkermarktes abzusetzen.
Wir ließen uns wieder von einem virtuellen Stadtführer leiten und konnten so die wenigen Sehenswürdigkeiten dieses 25.000 Einwohner zählenden Ortes zu Fuß ablaufen. Dazu gehörte auch ein Abstecher in die Stafford Street, der Hauptgeschäftsstraße oder ein Halt beim Denkmal von Bob Fitzsimmons (*16.5.1863 †22.10.2017), der als erster Boxer mehrere Weltmeistertitel in drei verschiedenen Gewichtsklassen gewonnen hatte.
Den 10-minütigen Fußweg zurück zum Schiff schafften wir locker ohne Shuttlebus.
88. Reisetag – Samstag, 15.03.2025 – Port Chalmers/Neuseeland
Unser letzter neuseeländischer Hafen dieser Reise war Timaru, eine Stadt mit 26.000 Einwohnern.

... ein Containerhafen.
Die Container werden mit langen Güterzügen auf der Schiene ab- bzw antransportiert.
Für die touristischen Interessen bietet die Stadt einige Museen und Parkanlagen. Die interessanteren Alternativen waren ein Besuch der ca. 15 Kilometer entfernten Großstadt Dunedin oder eine mehrstündige Fahrt mit einer historischen Eisenbahn.
Da die Eisenbahn heute komplett von Phoenix gechartert wurde, blieb für uns nur noch der Großstadtbesuch.
Auch hier gab es wieder zwei Möglichkeiten:
- Hin- und Rückfahrt mit einem Shuttlebus, Fahrpreis 15 € pro Person, Tickets an der Rezeption.
- Hin und Rückfahrt mit dem öffentlichen Bus, Fahrpreis 6 NZD (ca. 3,15 €), Tickets beim Fahrer nur gegen einheimische Währung.
Der Shuttlebus fuhr alle 15 Minuten direkt an dem kleinen Passagierterminal ab. Der Weg zur Bushaltestelle für den Öffentlichen (Linie 14) war noch ca. 5 Minuten länger. Außerdem verkehrte die Linie 14 am Wochenende nur einmal die Stunde.
Es ist durchaus verständlich, dass die meisten Passagiere die teurere Variante gewählt haben, denn die Informationen für den öffentlichen Nahverkehr, wie Buslinie, Abfahrtszeiten, Haltestellen, etc. müssen aus dem Internet herausgefischt werden. Das ist nicht jedermanns Sache.
Langer Reder kurzer Sinn, Doris und ich wählten den ÖPNV und trafen rechtzeitig an der Haltestelle in der George Street ein und bestiegen planmäßig um 10:15 Uhr den fast leeren Bus. Die Fahrtzeit nach Dunedin betrug eine knappe halbe Stunde.
Die Fahrstrecke war nicht nur ein reiner Transport von A nach B, sondern war gleichzeitig eine Panoramafahrt entlang der Bucht, die sich “Otago Harbour“ nennt.
Dunedin wurde 1848 von schottischen Siedlern gegründet und hat heute 120.000 Einwohner.
Das Zentrum, das sogenannte Octagon wird von einer achteckigen Ringstraße eingerahmt.
Genau hier vertrieben wir uns die Zeit.
Unter anderem ließen wir uns von einem Geocache Adventure Lab zu verschiedenen Fassadenmalereien führen, die zum Teil etwas versteckt lagen und die ein schnell schreitender Tourist durchaus übersehen könnte.
Genau in der Mitte des Octagons steht das Denkmal des schottischen Dichters Robert Burns (* 25.01.1759 † 21.07.1796) . Ein Blick ins Internet verriet uns, dass Burns als der schottische National Dichter bezeichnet wird, also durchaus mit unserem Goethe oder Schiller vergleichbar.
Sein weltweit bekanntes Werk ist der Text des Liedes Auld Lang Syne.
Es folgte noch ein kurzer Abstecher zum imposanten Bahnhofsgebäude, quasi nur ein Fotostop. Hier fährt ein historischer Touristenzug an verschiedenen Tagen zu unterschiedlichen Landschaftsfahrten ab. Aber heute nicht, da, wie bereits erwähnt, Phoenix den ganzen Zug gechartert hatte und der fuhr nicht hier, sondern direkt am Hafen in Port Chalmers ab.
Öffentlichen Personenzugverkehr gibt es in Dunedin seit mehr als 20 Jahren nicht mehr.
Mit dem Bus der Linie 14 ging es wieder zurück nach Port Chalmers und um 18 Uhr legte die ARTANIA ab.
Vor uns liegen jetzt drei volle Seetage, bis wir auf der australischen Insel Tasmanien in Horbat anlegen werden.
89. Reisetag – Sonntag, 16.03.2025 – Seetag
Seit wir gestern die geschützte Bucht “Otago Harbour“ verlassen haben, kam kräftiger bis stürmischer Wind auf, der auch heute den ganzen Tag, an dem wir an der Westküste der neuseeländischen Südinsel entlangfuhren, anhielt.
Das blieb nicht ohne Konsequenzen.
Der maritime Frühschoppen um 11:00 Uhr musste von der Kopernikus-Bar ins Innere des Schiffs verlegt werden, und zwar ins Restaurant Vier-Jahreszeiten und ins Foyer.
Das hatte für mich den immensen Vorteil, dass es nur wenige Schritte vom Büro in Harry’s Bar sind. Von dort kann man auf das Foyer herunterblicken und die Austern-Theke und den Sektausschank fotografieren.
Der Maritime Frühschoppen ist jetzt nicht wirklich so unser Ding, aber er spielte uns trotzdem in die Karten, denn ein Highlight am Morgen und am Nachmittag wäre des Guten dann doch zu viel. So war heute eine ganz normale Kaffeestunde mit der zugehörigen Schwarzwälder Kirschtorte. Das Wiener Kaffeehaus wird erst morgen stattfinden.
Die für den frühen Nachmittag vorgesehenen Passagen durch den Dusky Sound (engl. Sound = deutsch Sund) und den Doubtful Sound mussten gestrichen werden, da starker Wind das Halten des Kurses in den engen Fjorden erschweren würde und demzufolge zu gefährlich war.
Sund? Fjord? Es handelt sich hier um Fjorde und nicht um Sunde, was die damaligen Entdecker bei der Namensgebung nicht wussten. Trotz des Irrtums wurde die Bezeichnung “Sound“ beibehalten.
ChatGpt erklärte mir den Unterschied zwischen Sund und Fjord wie folgt:
Fjord: Ein Fjord ist ein tiefes, schmales und oft verzweigtes Meeresgewässer, das durch Gletschererosion entstanden ist. Fjorde sind von steilen Felswänden umgeben und reichen oft weit ins Landesinnere. Ein berühmtes Beispiel ist der Geirangerfjord in Norwegen.
Am späten Nachmittag konnten wir dann doch noch in einen Sound einfahren, ...
... der in Wirklichkeit ein Fjord ist, nämlich in den Milford Sound, der als Trostpflaster herhalten musste.
Dieser Fjord liegt weiter nördlich, wo der Wind nicht mehr so stark wehte, sodass einer Einfahrt nichts im Wege stand.
Nach dieser Passage und der Ausfahrt aus dem Fjord nahmen wir direkten Westkurs auf Tasmanien.
90. Reisetag – Montag, 17.03.2025 – Seetag
Kaum hatten wir gestern die offene See erreicht, fing die ARTANIA wieder an zu schaukeln und das auch heute den ganzen Tag und die ganze Nacht.
Das hatte den Vorteil, dass zum Mittag- und Abendessen das Restaurant Lido nicht so voll war wie sonst. Einige Passagiere litten unter Appetitlosigkeit und andere bevorzugten die Restaurants ARTANIA (Deck 3) und Vier-Jahreszeiten (Deck 2), denn weiter unten sind die Auswirkungen der Schiffsbewegungen nicht so stark wie auf den oberen Decks.
91. Reisetag – Dienstag, 18.03.2025 – Seetag
Die Gästebuch-Schreiber werden bemerkt haben, dass nach dem Abschicken ihres Gästebucheintrags eine angstmachende Fehlermeldung erschienen ist:
Für den Gästebucheintrag hatte das zum Glück keine Konsequenzen, denn der wurde sauber eingetragen.
Ich selbst hatte lange von dem Fehler keine Ahnung, da ich mir selbst gästebuchmäßig kaum etwas mitzuteilen habe.
Als ich vor einiger Zeit zufällig auf dieses Phänomen gestoßen bin, habe immer wieder, wenn Zeit dafür war, versucht, die Ursache für die Übellaunigkeit des Gästebuchs zu finden.
Vergeblich!
Die Software-Firma
, die (unter anderem) die Gästebuchsoftware programmiert hat, bietet Support bei der Fehleranalyse an. Hierfür muss man für 20 € ein sogenanntes Support-Ticket kaufen, dann würde man schnelle und umfassende Hilfe bei Problemen erhalten.
Und genau so war es. Viktor Vogel selbst, der Inhaber von Kubik-Rubik hat innerhalb eines Tages mit Hilfe seiner Analysewerkzeuge den Fehler in meinem Blog gefunden.
Wie so oft in der Computerwelt saß das Problem vor dem Bildschirm.
Ich hatte bei System-Parameter-Einstellungen im Blog das dafür vorgesehene Feld für meine E-Mail-Adresse nicht ausgefüllt.
Das arme Gästebuch will mir aber, wenn jemand einen neuen Eintrag gemacht hat, dies per E-Mail mitteilen. Aber ohne E-Mail-Adresse irrte es hilflos in den Tiefen des Internets umher, um sich dann, völlig kirre, mit einer Fehlermeldung zu beklagen, die mit dem eigentlichen Problem gar nichts zu tun hat.
Nachdem ich meine E-Mail-Adresse dort hinterlegt hatte, war alles wieder so, wie es sein soll, Viktor Vogel sei Dank. Sein Support war jeden einzelnen Euro Wert
92. Reisetag – Mittwoch, 19.03.2025 – Hobart/Australien
Hobart ist eine 250.000 Einwohner zählende Stadt auf der australischen Insel Tasmanien.
Ca. 30 Kilometer von der Macquarie Wharf, unserem Liegeplatz, entfernt, befindet sich das Bonorong Wildlife Sanctuary.
Das Bonorong Wildlife Sanctuary ist ein 9,7 Hektar großes Wildschutzgebiet in Brighton, Tasmanien, Australien. Bonorong ist der Rettung, der Rehabilitation und dem Erhalt einheimischer australischer Tiere gewidmet und beteiligt sich aktiv an verschiedenen Naturschutzprojekten, trägt zu Zuchtprogrammen, Forschungsinitiativen und Interessenvertretungen zum Schutz der Tierwelt Tasmaniens bei.
Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Bonorong_Wildlife_Sanctuary
Der Besuchern zugängliche Teil vom Bonorong Wildlife Sanctuary ist letztlich ein Tierpark. Hier waren wir vor 8 Jahren schon einmal und hier wollten wir auch dieses Mal hin.
Den Transfer hatten wir im Internet gebucht, Abfahrt beim Tasmanian Travel & Information Centre, ungefähr 10 Gehminuten von unserem Liegeplatz entfernt.
Die Fahrt im Minivan mit 5 weiteren Parkbesuchern dauerte 30 Minuten.
Gleichzeitig mit uns kam am Bonorong Wildlife Sanctuary ein Bus mit 50 Phoenix-Ausflüglern an. Die Ausflügler wurden als Gruppe am Kassenhäuschen vorbeigeschleust, während wir dort anstanden, um unsere Eintrittskarten zu kaufen (34,50 NZD – 20,00 €). Die Phoenix-Reiseleitung musste aber den ein oder anderen Ausflügler wieder einfangen, der sich brav hinter uns eingereiht hatte.

Der Wombat ist neben dem Tasmanischen Teufel ein ganz typischer Vertreter der neuseeländischen Tierwelt.
Das Highlight vor 8 Jahren war das Handfüttern der freilaufenden Kängurus. Das Futter konnte man sich aus bereitgestellten Behältern nehmen.
Wie enttäuscht waren wir, dass auf der Wiese, wo sich damals jede Menge Kängurus tummelten, die sich nur zu gerne von den Besucher füttern ließen, lediglich zwei Tiere zu finden waren.
Und diese scheinbar völlig übersättigten beiden Gesellen wurden komplett von der Phoenix-Truppe in Beschlag genommen.
Ich musste meine Fütterungsambitionen auf eine Gans verlagern, die aber nur wenig Interesse an dem Kängurufutter hatte.
Der Phoenix-Ausflug verließ nach einer Stunde den Tierpark und wir schlenderten ein wenig frustriert durch die Anlage, zumal wir vor einigen Tagen im Internet gelesen hatten, dass der letzte hier verbliebene Koala vor kurzem verstorben war.
Unsere Laune verbesserte sich schlagartig, als, als wir einen Bereich entdeckten, wo sich etwa 20 Kängurus aufhielten.
Diesen Bereich konnten die Tiere, wenn sie wollten, durch Schlupflöcher im Gatter verlassen,
was sie jetzt, wo es im Park nicht mehr so vor Menschen wimmelte, auch ausgiebig taten.
Jetzt stand unserer Fütterungsorgie nichts mehr im Weg.
Zufrieden verließen wir gegen 13:30 Uhr den Park und unser Minivan brachte uns zurück nach Hobart.

Der dem Big Ben nachempfunde Uhrturm spielte zu jeder vollen Stunde, wie sein Londoner Vorbild, die bekannte Big-Ben-Melodie.
Hier durchstreiften wir noch etwas die Stadt, ehe wir zurück zum Hafen marschierten.
Erst spät um 23:00 Uhr legte die ARTANIA ab.
93. Reisetag – Donnerstag, 20.03.2025 – Port Arthur/Australien
Port Arthur war einmal eine tasmanische Gefängnis-Halbinsel und ist heute, warum auch immer, ein beliebtes Ausflugsziel und Weltkulturerbe.
Das Gefängnis war berühmt berüchtigt für seine unmenschlichen “modernen“ Haftbedingungen – ständige Einzelhaft und absolutes Sprechverbot.
Gegen 11:00 Uhr tenderten wir an Land.
Auf die dort angebotene Möglichkeit einer kostenlosen Katamaranfahrt haben wir verzichtet, unter anderem, weil uns die Fahrt zu ölsardinig schien (siehe Foto).
Das Gefängnis selbst hatten wir bereits 2017 besichtigt, deshalb machten wir lieber einen kleinen Spaziergang.
Nach zwei Stunden in Natur und im Park zog es uns wieder zurück aufs Schiff.
Nicht unbedingt wegen der zur Mittagessenszeit in der Kopernikus Bar angebotenen ...
... „Im Ganzen gebratenen Rinderkeule", sondern einfach so.
Aber wenn wir schon mal da waren, die Pellkartoffeln und die Sauercreme, die bei solchen Events zu den Beilagen gehören, erfreuten unseren Gaumen.
Eigentlich finden solche zusätzlichen Verköstigungen nur an Seetagen statt, aber eben nur „eigentlich“, wie wir heute gelernt haben.
94. Reisetag – Freitag, 21.03.2025 – Seetag
Am Vormittag von 11 – 12 Uhr fand wieder der Stadl-Frühschoppen statt, ein untrügliches Zeichen, dass der Reiseabschnitt “Das Beste Neuseelands und Tasmaniens!“ in Kürze zu Ende sein wird.
Von den “Schmankerln“, die bei diesem Großereignis angeboten werden, nehmen wir gerne das Bauchfleisch, das zwar naturgemäß sehr fett ist, aber gerade deswegen sehr gut schmeckt. Das ist dann bereits unsere Mittagessen und wir gehen um 12:30 Uhr nicht nochmal zur normalen Essenszeit ins Lido.
Leider ging unser Bauchfleisch-Konzept heute in die Hose. Die Bauchfleischscheiben waren nicht warm, nicht lauwarm, sondern schlicht und ergreifend kalt und somit nicht mehr genießbar. Da hat wohl die Küchen-Logistik total versagt.
Notgedrungen sattelten wir auf Leberkäse um, den man auch kalt essen kann. Aber, oh Wunder, er war warm und schmeckte gut (also: geht doch!). Auch das Freibier war wohltemperiert (kühl).
Heute bekamen wir eine E-Mail vom Projekt Coral Gardeners, das wir in Moorea kennengelernt hatten. Wir hatten inzwischen eine Koralle adoptiert und die ist heute in den sogenannten Korallenkindergarten (nursery) gekommen und wir erhielten ein erstes Foto.
In Zukunft werden wir über den Wachstumsfortschritt der Koralle weiter unterrichtet werden.
Nach etwa einem Jahr wird sie mit weiteren Korallen dann in ein geschädigtes Riff in der Südsee verpflanzt, um das geschwächte Ökosystem zu beleben.
95. Reisetag – Samstag, 22.03.2025 – Eden/Australien
Die kleine Stadt Eden (3.500 Einwohner) ist der erste Hafen auf dem australischen Kontinent.
Der Weg vom Hafen in die Stadt war zwar nicht allzu weit von unserem Liegeplatz entfernt (etwas mehr als 1 Kilometer), aber der Fußweg dorthin sei „recht steil“, wie die Phoenix-Landgangsinformation drohte. Deshalb kauften wir uns für 5 Euro pro Person Tickets für den Shuttlebus.
Eden ist kurz gesagt ein äußerst adrettes Städtchen, hübsche eingeschossige Häuser, gepflegte große Vorgärten und viel grüner Rasen, auf dem man wie auf einem Teppich läuft.
Die suche Suche nach einem Geo-Cache führte uns etwas abseits in die etwas wildere Fauna zu den Steilklippen.
Den Weg zurück zum Schiff bewältigten wir dann aber zu Fuß.
Das Ablegen gegen 16:00 Uhr beobachteten wir beim Kaffee durch die großen Fenster im Restaurant Vier-Jahreszeiten.
96. Reisetag – Sonntag, 23.03.2025 – Sydney/Australien 1. Tag
Die Einfahrt nach Sydney ist etwas Besonderes: Das Passieren der Oper und das Unterqueren der Harbour Bridge.
Wir sind deswegen extra früher aufgestanden, um dann zu erfahren, das wegen verspäteter Ankunft des bestellten Schleppers sich die Einfahrt um eine gute halbe Stunde verschiebt.
Da steht man schon mal früher auf … ☹
Aber dann war es tatsächlich soweit und wohl so ziemlich alle Passagiere tummelten sich auf den Außendecks.
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Diese 4 Kabinenstewardessen und Kabinenstewards haben wegen der Einfahrt kurz ihren Dienst unterbrochen.
Die ARTANIA machte nach dieser eindrucksvollen Passage am White Bay Cruise Terminal fest.
Dieser Liegeplatz befindet sich am A… der Welt und hat obendrein überhaupt keine Anbindung an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr.
Hier lagen wir auch schon 2017 und 2020. Damals gab es einen kostenlosen Shuttle Service, diesmal kostete dieser Service 10 € pro Tag und Person. Diese Tatsache sorgte für genügend Bord-Klatsch-Gesprächsstoff in den letzten Tagen.
Die Tickets wurden an der Rezeption verkauft. Es gab Tickets für die beliebten frühen Abfahrtszeiten und Flex-Tickets, die erst für Busse ab 10:15 Uhr galten.
Uns genügten die „späten“ Flex-Tickets.
Aber bevor es an Land gehen konnte, stand erst einmal das beliebte Drama „Anbringen der hafeneigenen Gangway“ auf dem Spielplan.
Die Gangway war hier in White Bay ein beweglicher Finger, der direkt mit dem Terminal verbunden war, ein Konstrukt, dass man auch von Flughäfen kennt.
Allerdings waren die beiden Ausstiegsluken der ARTANIA auf Deck 2 und Deck 3 mit besagtem Finger nicht kompatibel.
Nach der bekannten Methode von Versuch und Irrtum wurde nach einer Dreiviertelstunde notgedrungen die erforderliche Verbindung Finger mit Schiff auf dem Promenadendeck (Deck 4) bewerkstelligt.
Jetzt kamen allerdings die Zeitpläne für die Phoenixausflüge durcheinander und die auf den Shuttlebus-Tickets aufgedruckte Abfahrtszeit war Makulatur.
Aber bis Doris und ich startklar waren, war alle Hektik und Gedränge schon vorbei.
Eigentlich wollten wir am heutigen Sontag eine kleine Wanderung von Burrows Park zum berühmten Bondi Beach unternehmen, aber der Wetterbericht verhieß nichts Gutes und der Gedanke, sich in der freien Natur bei Regen nirgends unterstellen zu können, erzeugte ein gewisses Unbehagen.
Ganz in der Nähe der Haltestelle des Shuttlebus befand sich der Hyde Park, den wir gleich einmal besuchten.
Dort befindet sich auch das monumentale ANZAC Memorial.
Die Abkürzung ANZAC steht übrigens für „Australian and New Zealand Army Corps“ und ist in Australien und Neuseeland ein feststehender Begriff.
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Ein großer runder Raum in dem Dutzende dieser steinernen Stellwände aufgestellt sind, an denen Täfelchen mit Ortsnamen und ein Sichtglas mit der Erde dieses Orts angebracht waren. Jeder Ort in Australien aus dem Soldaten für den 1. und 2. Weltkrieg rekrutiert wurden, ist hier vertreten.
Eine komplette Besichtigung hätte gewiss den ganzen Tag gedauert, sodass wir uns nur mit einem ganz kleinen Teil begnügten.
Per Metro fuhren wir anschließend zum Circular Quay. Von hier fahren die Fähren zu verschiedenen Destinationen von Sydney und von hier sind es nur wenige Gehminuten zur Oper oder zur Harbour Bridge.
Das Fahren mit den „Öffis“ in Sydney ist einfach.
Das dichte Netz von Bussen und U-Bahn hat Google im Bauch und sagt uns exakt und zuverlässig, wie man von A nach B kommt, einschließlich der genauen Lage der jeweiligen Haltestellen. Das Bezahlen ist ebenfalls unkompliziert; Kreditkarte beim Ein- und Aussteigen an eine Lesegerät halten und der Fahrpreis wird abgebucht.
Ein Blick in den Himmel mehrte die Hoffnung, dass sich das Wetter halten könnte.
Also wagten wir, die komplette Harbour Bridge zu beschreiten (ca. 750 Meter).
Für den Rückweg wählten wir die Fähre, die ebenfalls zum öffentlichen Nahverkehr gehört.
Sie brachte uns innerhalb weniger Fahrminuten zurück zum Circular Quai.
Pünktlich zum Abendessen waren wir wieder zurück auf der ARTANIA.
97. Reisetag – Montag, 24.03.2025 – Sydney/Australien – 2. Tag
Der heutige Wetterbericht sagte für die Mittagszeit heftige Regenschauer voraus, was uns abhielt, unsere Wanderung zum Bondi Beach ins Auge zu fassen.
Das war insofern bedauerlich, da unser morgiger letzter Tag in Sydney für größere Unternehmungen eher ungeeignet war, da wir dann spätestens um 17:30 Uhr zurück an Bord sein müssten und das könnte etwas knapp werden.
Deshalb sah die heutige Planung wie folgt aus:
- Besuch des Stadtviertels Kings Cross,
- Haare schneiden,
- Foto-Papierabzüge machen lassen.
Der Reihe nach:
Kings Cross war einmal das Rotlichtviertel von Sydney und ist heute ein quirliger Stadtteil.
Am Ende der Macleay Street am Barncleuth Square befindet sich der El Alamein Brunnen, der absolute Lieblingsbrunnen von Doris.
Ein Aufenthalt in Sydney ohne dem einer Pusteblume nachempfundenen Brunnen einen Besuch abzustatten, wäre für uns undenkbar.
Der Weg zum El Alamein Brunnen führte uns durch die Darlinghurst Road.
Hier ließen Doris und ich uns 2020 in einem urigen klitzekleinen Friseursalon die Haare schneiden.
Da bei mir ein Haarschnitt wieder von Nöten war, suchten wir diesen Laden auf.
Nachdem wir ihn gefunden hatten, gab es allerdings lange Gesichter, der Salon war verwaist und stand zur Vermietung an.
Doris hatte die Idee, von dem Foto mit den vier Vertretern des Housekeepings, dass sie gestern gemacht hatte, Papierabzüge anfertigen zu lassen und die den so abgelichteten Kabinenstewardessen und Kabinenstewards zu schenken. Ich schloss mich dieser Idee an und wollte vom Foto des „Schnapsi Duos“, dass ich schon vor einigen Wochen geschossen hatte, ebenfalls Abzüge machen lassen.
Aber weit und breit war keine DM-Drogerie oder ein Rossmann zu finden, wo man den Plan leicht in die Tat hätte umsetzten können, denn bei den australischen Drogerien wurden wir nicht fündig.
In der Darlinghurst Road befindet sich eine Bibliothek, vielleicht könnte man uns hier weiterhelfen, so Doris' Gedanke.
Der freundliche junge Mann am Empfangsschreibtisch im Lesesaal bejahte unsere Frage noch dem Fotodruck ...
... und wollte schon mit meinem Stick zur Tat schreiten, als wir aber noch klären konnten, dass ein Ausdruck auf normalen Druckerpapier nicht unser Begehr sei.
Stattdessen befragte der junge Mann jetzt Google nach einem entsprechenden Service in der Nähe und erhielt einen Treffer von einem Lädchen ganz in der Nähe.
Das Lädchen war zwar klein, die Preise hingegen gesalzen.
Kostet ein Abzug an einem Automaten z. B. in einer DM-Drogerie ein paar Cent, wollte hier der chinesische Inhaber 2,50 Australische Dollar pro Abzug haben (ca. 1,45 €), also für die von uns benötigten 6 Abzüge 15,00 AUD. Aber was soll’s, dieser Laden war anscheinend alternativlos.
Im Cafe de la Fontaine mit Blick auf den Brunnen machten wir erst mal Pause, um zu beratschlagen, wie wir den Rest des Tages verbringen wollten.
Das Wetter war dem Wetterbericht zum Trotz prima, es kam sogar die Sonne durch, sodass wir beschlossen, die Wanderung zum Bondi Beach anzugehen.
Mit der Bahn der Linie T4 ging es zur Bondi Junction, dem großen zentralen Omnibusbahnhof, und von dort weiter mit dem Bus Nr. 360 zum Burrows Park.
Für die ca. 5 Kilometer lange Strecke Richtung Bondi Beach, einem Teilstück des sogenannten Costal Walk, benötigten wir drei Stunden, was gewiss keinen Geschwindigkeitsrekord darstellt, aber vielleicht einen Rekord im Genießen dieser schönen, abwechslungseichen Strecke.
Am Ende dieser kleinen Wanderung brachte uns der Bus Nr. 333 direkt zur Haltestelle von unserem Shuttlebus.
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Nicht nur die Passagiere hatten gewechselt, sondern auch Teile der Crew wurden ausgetauscht.
Heute nach dem Frühstück ging Gerald, unser Lieblingskoch aus dem Lido, in den wohlverdienten Urlaub nach Hause auf die Philippinen.
Bei unserer Rückkehr auf dem Schiff war der Passagierwechsel auf der ARTANIA bereits vollzogen.
Wir nahmen erfreut vom Kreuzfahrtdirektor zur Kenntnis, dass wir jetzt zweihundert Passagiere weniger sind als auf der Etappe zuvor, nämlich „nur“ noch 850.
98. Reisetag – Dienstag, 25.03.2025 – Sydney/Australien – 3. Tag
Da wir gestern Kings Cross und Wanderung zum Bondi Beach absolviert hatten, hätten wir heute eigentlich die so erarbeiteten Überstunden abfeiern können, aber es zog uns doch noch einmal zum Circular Quai und von dort zur Oper.
Für heute war kein Regen angesagt und trotzdem mussten wir uns ins Innere der Oper flüchten, um nicht nass zu werden.
Was lernen wir daraus: In Sydney kann man sich auf die Wetterberichte nicht verlassen.
Gleich neben der Oper befindet sich der große botanische Garten (Royal Botanic Gardens), indem sich der Aussichtspunkt Mrs Macquarie’s Chair befindet, wo wir prompt auf einen Phoenix-Ausflug stießen.
Aber für den Ausflugs-Fotostop war nur eine kurze Zeit eingeplant, sodass sich der Trubel schnell wieder gelegt hat.
Die nächste Bushalltestelle war gut 5 Minuten entfernt, was uns die Entscheidung leicht machte, jetzt unser Sightseeing-Programm zu beenden und zur Shuttlestation zu fahren, um aufs Schiff zurückzukehren.
Um 17:45 Uhr fand anlässlich des neuen Reiseabschnitts die obligatorische Rettungsübung statt.
Um 18:30 Uhr hieß es Leinen los für die Etappe „Von Sydney auf Südwest-Kurs bis nach Bali“, wie sie offiziell im Katalog und im Tagesprogramm betitelt wird.
Wie immer, wenn eine neue Etappe beginnt, spendiert Phoenix den Sekt zur Auslaufparty (der aber sicher schon im Reisepreis mit einkalkuliert worden ist 😊).
99. Reisetag – Mittwoch, 26.03.2025 – Seetag
Dieser Seetag ist bitter nötig, damit ich einen Bürotag einlegen kann, denn nach 4 ausgefüllten Hafentagen bin ich mit dem Blog zwangsweise ins Hintertreffen geraten.
Als ich den letzten Absatz vom gestrigen Tag geschrieben hatte, fiel mir im Titel der neuen Etappe das Wort „Südwest-Kurs“ auf.
Bali liegt aber von Sydney aus gesehen eindeutig in nordwestlicher Richtung.
Lediglich der erste Hafen auf dieser Etappe, Burnie auf Tasmanien, liegt auf Südwest-Kurs. (Wir machen nämlich noch mal einen kurzen Abstecher nach Tasmanien, um dann die australische Westküste hochzufahren - also Richtung Nord-West.)
Bestimmt tatsächlich die erste Destination den Begriff „Von Sydney auf Südwest-Kurs“?
Egal, es genügt ja, wenn der Kapitän weiß, dass ab morgen Abend nach dem Ablegen ein Nordwest-Kurs gefahren werden muss.
Die zweite Sache, die ich (noch) nicht verstehe, ist das Tarif- und Abrechnungssystem des öffentlichen Nahverkehrs von Sydney.
Ich hatte ja kurz beschrieben das man beim Einstieg z. B. in einen Bus die Kreditkarte an ein Lesegerät hält (Tap On) und das Gleiche beim Aussteigen machen muss (Tap Off).
Kurz nach dem Tap On wird auf der Kreditkarte ein Betrag von 1 AUD (= 58 Euro-Cent) vorgemerkt, also noch gar nicht abgebucht. Darüber erhält man über die App für die Kreditkarte eine entsprechende Nachricht. Und dann passiert nichts mehr. Auch nach mehreren Fahrten mit vielen Tap Ons und Tap Offs, wird die Karte nicht belastet. Es bleib bei der 1-Dollar-Vormerkung. Meine Vermutung, dass am Ende des Tages eine Tagesabrechnung erfolgt, hatte sich nicht bestätigt.
Am Tag 2 und Tag 3 das gleiche Spiel!
Jetzt haben wir Sydney schon fast einen ganzen Tag hinter uns gelassen und es bleiben weiterhin nur 3 x 1 AUD Vormerkungen.
Wird erst am Ende der Woche abgerechnet oder gar erst am Ende des Monats? Oder wird wegen eines Softwarefehlers gar nicht abgerechnet? Es bleibt spannend.
100. Reisetag – Donnerstag, 27.03.2025 – Burnie/Tasmanien/Australien
Nachdem wir die ganze Nacht südwestlichen Kurs gehalten hatten, machten wir um 9:00 Uhr im Hafen von Burnie fest. „Begrüßt“ wurden wir von zwei riesigen Bergen von Sägemehl.
Das Sägemehl wird nach China verschifft und dort für die Papierherstellung verwendet.
Ohne große Pläne fuhren wir mit dem kostenlosen von der Stadt bereitgestellten Shuttlebus in die nahegelegene City.
Bereits im Bus wurden wir von einer „Volunteer“ umfassend über die touristischen Möglichkeiten wie Museum, Art Center, Bücherei, Burnie Park, Pinguin-Beobachtungszentrum etc. informiert. Die Volunteers waren überaus freundliche, ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die in den Shuttlebussen und an der Haltestelle uns Kreuzfahrtgästen mit Rat und Tat zur Verfügung standen.
Einen richtigen Plan für unseren Landgang hatten wir für heute nicht.
Als wir an der Haltestelle ausstiegen, sahen wir einen Mann mit einem Schild, auf dem „Wing’s Wildlife Park Shuttle“ zu lesen war.
Das war genau unser Ding!
Bereits gestern Abend hatten wir vergeblich überlegt, wie man in den 40 Kilometer entfernten Tierpark kommen könnte. Phoenix hatte zwar einen entsprechenden Ausflug im Angebot, aber diese Art von Ausflügen sind bekanntermaßen nicht so nach unserem Geschmack.
Jetzt war die Sache einfach. Für 90 AUD (53,00 €) pro Person fuhr ein Mini-Van uns und 8 weitere Personen zum Wing’s Wildlife Park. In diesen 90 australischen Dollars war der Eintrittspreis bereits enthalten. Nach 1½ Stunden wurden wir wieder abgeholt und zur Haltestelle des Shuttlebusses zum Hafen zurückgebracht.
Allein die Fahrt zum Park und zurück kann man zu 100% als tolle landschaftliche Panoramafahrt verbuchen.
Der Besuch des liebevoll angelegten Parks mit seinen Freigehegen, Vogelvolieren und Terrarien war wirklich lohnenswert.
Der absolute Liebling im Park war der Koala.
In Tasmanien gibt es keine freilebenden Koalas, sodass man diesen Kameraden vom australischen Festland einbürgern musste.

Dieser Ziegenbock signalisierte, dass er sehr stark an dem Futter, das wir gekauft hatten, interssiert war.
Auf der Rückfahrt wurde noch ein Fotostop bei einem überlebensgroßen Plastikpinguin in der Ortschaft Penguin (deutsch: Pinguin) eingelegt. Dieser Fotostop scheint für alle Touristen verpflichtend zu sein, denn kurz nach unserer Ankunft hielt hier auch ein Phoenix-Ausflugsbus. Der Pinguin selbst war ausgesprochener Kitsch, aber das Panorama dahinter war OK.
101. Reisetag – Freitag, 28.03.2025 Melbourne/Australien
Für die Überfahrt von Burnie an der Nordspitze Tasmaniens nach Melbourne an der Südspitze des Kontinents musste die ARTANIA nur etwa 200 Seemeilen zurücklegen.
Kurz nach 8 Uhr machte die ARTANIA an der Station Pier in Melbourne fest.
Die schiffeigenen Gangways wurden vorbereitet, aber auch an der hafeneigenen Gangway, die mit ihrem „Finger“ das Passagierterminal mit dem Schiff verbinden kann, waren Aktivitäten zu beobachten.
Das ließ nichts Gutes vermuten.
Untermauert wurde unsere Vermutung dadurch, weil Mitarbeiter der Port-Authority, die unten auf der Pier standen mit den oben auf dem Deck der ARTANIA stehenden Offizieren, die das Anlegemanöver durchgeführt hatten, ganz furchtbar stritten.
Irgendwie war da schon klar, dass das Unheil seinen Lauf nehmen würde. Und so war es dann auch, denn was folgte, war ganz großes Kino.
Wir saßen seit halb neun gemütlich beim Frühstück im ARTANIA-Restaurant und es hätte eigentlich spätesten um 9 Uhr die Durchsage kommen müssen, dass das Schiff zum Landgang freigegeben ist und dass alle Passagiere, die privat an Land gehen möchten, dies jetzt tun können.
Stattdessen kam, später als erwartet eine Durchsage, dass es Schwierigkeiten gäbe, die hafeneigene Gangway anzubringen und man versuche jetzt, dies an einer Luke in der Nähe des Eingangs zum ARTANIA-Restaurant zu bewerkstelligen.
Nach langen und zähen Verhandlungen hätte man sich aber bereits darauf einigen können, dass zumindest die Phoenix-Ausflügler über eine schiffseigene Gangway das Schiff verlassen dürfen, weil die Ausflugsbusse direkt an der Pier vorfahren und direkt bei der Gangway halten könnten.
Die privaten Landgänger mussten noch nach wie vor an Bord bleiben. Dass sich am ARTANIA-Restaurant eine Ausstiegsluke befindet, war uns bis dato völlig unbekannt. Welche Nachteile diese Luke hat, sollten wir gleich erfahren. Wegen der Nutzung dieser Luke mussten die Eingangstür und die zugehörige Feuertür geschlossen werden, denn hierher mussten die bordeigenen Computer für die Erfassung der ein- und aussteigenden Passagiere und Crew-Mitglieder herbeigeschafft werden. Auch die Anlage zur Durchleuchtung der Taschen und Rucksäcke der zurückkehrenden Landgänger musste dort aufgebaut werden. Das alles versperrte den Restauranteingang.
Allerdings hatte man es verabsäumt, dies den im Restaurant verbliebenen Gästen mitzuteilen und vor allem zu sagen, wie man jetzt aus dem Restaurant wieder herauskommen konnte. Aber zumindest die Kellner wussten das und gaben ihr Wissen schließlich an die umher irrenden Frühstückler preis.
Durch eine Stahltür, wo ein großes Schild „Crew Only“ angebracht war, konnte man in Pichler’s Restaurant gelangen und dieses dann ganz normal verlassen, was wir so um viertel nach 9 auch taten.

Die Schlange ging nach hinten weiter bis zum Pichler's und dann noch um die Ecke bis fast zur Cassablanca Bar.
Vor der Ausstiegsluke hatte sich eine lange Schlange von privaten Landgängern gebildet, ...
... obwohl überhaupt noch nicht absehbar war, ob und wann die Verbindung ARTANIA-Passagierterminal über diesen vermaledeiten Finger gelingen könnte, denn zwischen Finger und ARTANIA klaffte immer noch eine Lücke.
Um die Wartenden bei Laune zu halten wurden inzwischen von irgendwoher Bar- und Servicekräfte aktiviert, ...
... die unablässig Sekt und Orangensaft anboten, als stünde eine Auslaufparty auf dem Programm.

Einige ließen die Schlange Schlange sein, machten aus der Not eine Tugend und ließen sich in der Casablanca Bar gemütlich nieder.
Wir betrachteten eine Zeitlang dieses sehenswerte Schauspiel und gingen dann über das Promenadendeck zu unserer Kabine.
Dabei bemerkten wir, dass auch auf der anderen Seite des Fingers eine Traube von Phoenix-Passagieren stand, die gerne aufs Schiff wollten (und nicht konnten). Dieses illustre Trüppchen war nämlich in Sydney für einen Überlandausflug zum Uluru/Ayers Rock von Bord gegangen ...
... und wollten jetzt hier in Melbourne wieder zusteigen.
Für sie gab es allerdings aus nachvollziehbaren technischen Gründen keinen Sekt.
Nachdem wir uns in der Kabine in Ruhe für unseren Landgang fertig gemacht hatten, peilten wir die Lage.

Mit diesem mobilen Brückchen schlossen die Australier schließlich die problematische Lücke zwischen dem Gangway-Finger und der ARTANIA.
Und siehe da, es gab keine Schlangen mehr.
Es wäre aber gar nicht schlimm gewesen, wenn durch die Reiseleitung zwischenzeitlich eine informelle Durchsage erfolgt wäre, dass das Verlassen des Schiffs jetzt möglich ist und der Stau sich aufgelöst hat. Das hätte sicher den ein oder anderen, der keine Lust hatte, sich in die Schlange zu stellen, interessiert.
Gleich im Terminalgebäude konnten wir uns eine sogenannte aufladbare myki-Karte kaufen. Die braucht man, um mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren zu können. Für uns Kreuzfahrer gab es die Tageskarte mit einem „aufgeladen“ Tarif, sodass wir den ganzen Tag die Öffis nutzen konnten (17 AUD ~ 10 €).
Das Riesenrad, das wir von der ARTANIA aus gesehen hatten, sollte unser erstes Ziel sein. Zum Glück bekam Doris während des Kaufs unserer myki-Karten die Info, dass sich der „Melbourne Star“ seit Jahren nicht mehr dreht.
An Tagen, an denen hier Kreuzfahrtschiffe liegen, wird die (öffentliche) Buslinie 109 aktiviert. Sie fährt nonstop vom Hafen ins 6 Kilometer entfernte Zentrum.
Hier war unser Ziel der Eureka Tower mit dem Skydeck. Der Eureka Tower ist mit 300 Meter einer der höchsten Wohntürme der Welt (556 Apartments). Im Stockwerk 88 befindet sich das Skydeck, eine Aussichtsplattform, der Grund warum wir hierhin wollten.
Als wir gegen 11 Uhr dort ankamen standen wir vor verschlossenen Türen, weil der Laden erst um 12 Uhr aufmacht.
Also vertrieben wir uns die Zeit bis dahin mit der Suche nach Geo-Caches.
Kurz nach 12 Uhr kamen wir zurück. Der Andrang war überschaubar. Mit dem Express-Aufzug ging es in 40 Sekunden die 88 Stockwerke nach oben.
Auf der Plattform hatten wir erwartungsgemäß einen schönen Ausblick über die Stadt.
Als Zusatzoption hatte ich den „Edge“ gebucht, eine Würfelplattform aus milchigen Glasscheiben, die drei Meter weit aus dem Gebäude herausgefahren und auf Knopfdruck durchsichtig wird, einschließlich des Bodens.

Für "The Edge" musste man einen zusätzlichen Obolus entrichten. Dieses Foto war aber im Preis inbegriffen.
Der erwartete Nervenkitzel blieb allerdings aus, denn viel anders als im Inneren der Aussichtsplattform war die Sache auch nicht. Daran änderten auch das Donnern und Grollen aus dem Lautsprecher nichts.
Beschaulich und entspannend war der Spaziergang durch die Queen Victoria Gardens.
In den Straßen rund um den sehenswerten Bahnhof Flinders Street Station ist es laut. Aber nicht wegen des Verkehrs, sondern wegen der Musikbeschallung, die aus jedem der unzähligen Restaurants und Lokale dröhnte.
Wir wollten eigentlich irgendwo in Ruhe eine Tasse Kaffee trinken, aber die Läden waren modern, mit yuppiemäßigem kühlem Interieur und wie schon erwähnt laut – hier waren wir irgendwie falsch.
Also fuhren wir zurück zum Schiff, um dort Kaffee zu trinken und hinterher noch eine Runde im Pool zu schwimmen.
102. Reisetag – Samstag, 29.03.2025 Seetag
Die Verkehrsgesellschaft von Sydney hat nun tatsächlich die Fahrten von unseren Kreditkarten abgebucht.
(Buchungstag ist nicht gleich Tag der durchgeführten Fahrten.)
Das heutige Abendessen war besonders lecker, denn wir haben die erste von unseren drei mitgebrachten Wurstdosen aufgemacht und im Lido-Restaurant (dort gibt es Brot und Gürkchen) verspeist.
103. Reisetag – Sonntag, 30.03.2025 Adelaide/Australien
Die ARTANIA hat am Morgen in Outer Harbour, das ist ein Vorort von Adelheit, festgemacht.
Die hafeneigene Gangway wurde vollkommen problemlos an die ARTANIA angeflanscht. Das hätte man doch eigentlich mit Sekt feiern müssen.
Bis in die City sind es 20 Kilometer, dorthin zu kommen war aber absolut problemlos.
Gegenüber vom Passagierterminal befindet sich der kleine Bahnhof von Outer Harbour.
Dort wurden Tagestickets für 10 AUD (knapp 6 €) angeboten, mit denen wir beliebig viele Fahrten mit Zug, Bussen und Tram im gesamten Gebiet von Adelaide machen konnten.
In gut 30 Minuten brachte uns der Zug, der alle halbe Stunde fuhr, ins Zentrum von Adelaide.
Gleich als wir dort den Bahnhof verließen, sahen wir eine Schwarz-Rot-Goldene Fahne, was uns etwas erstaunte.
Dieses Rätsel löste sich mit der Zeit auf, als wir ständig auf Leute trafen, die Schwarz-Rot-Goldene Shirts und Schals trugen.
Wir schlossen messerscharf, dass es sich hier nicht um Anhänger der deutschen National-Fußballmannschaft handelt, insbesondere weil DFB-Devotionalien doch irgendwie anders aussehen.
Nach einer kurzen Google-Recherche wussten wir, dass diese Menschen Anhänger des Footballvereins Adelaide Crows (Krähen von Adelaide) waren. Und die Vereinsfarben der Crows sind aber nicht Schwarz-Rot-Gold, sondern Marineblau-Rot-Gold.
Über unseren Stadtbummel gibt es nichts zu berichten.

Obwohl es Sonntag war, waren die Geschäfte in der Fußgängerzone geöffnet.
Aber die Fußgängerzone hier war genauso langweilig wie in anderen großen Städten.
Als wir hungrig wurden, suchten und fanden wir eine Alternative zu McDonald's und Hungry Jack's (der australische Ableger von Burger King).
Diese fanden wir bei Benny's Burger in der Hindley Street. (Insbesondere die Pommes waren super.)
Hier stärkten sich mit uns Fans der Crows.
Deshalb stellten wir uns – und dann Google – die Frage, wann und wo und welches Spiel denn stattfinden sollte. Die Antworten:
- Wann: in einer halben Stunde.
- Wo: Im Adelaide Oval, ca. 10 Gehminuten von hier.
- Was: Australien Football; Adelaide Crows gegen die North Melbourne Kangaroos.
Da war urplötzlich der Gedanke da, zum Stadion zu pilgern, um zu schauen, was denn da so abgeht.
Auf dem Weg dorthin meinte Doris: Warum nur die Atmosphäre vor dem Stadion schnuppern, lass uns doch das Spiel im Stadion anschauen.“
Ja, warum eigentlich nicht!
Die Schilder „General Admission Tickets Sold Out“ (Allgemeine Eintrittskarten ausverkauft) an den Kassen sprachen allerdings nicht gerade für die Verwirklichung unseres Plans.
Fragen kostet nichts, entschied Doris, und der junge Mann an der Kasse tippte daraufhin wild auf seinem Computer herum und konnte uns tatsächlich noch zwei Karten anbieten.
Für den Kauf mussten wir eine Telefonnummer angeben, warum auch immer.
Das Stadion fasst 55.000 Zuschauer, ist also recht groß.
Unsere Plätze waren in der Reihe “Y“, fast ganz oben.

Auf dem Feld befinden sich 18 Spieler von jeder Mannschaft plus 3 Hauptschiedsrichter, 2 Torschiedsrichter und 4 Linienrichter.
Da wir keinerlei Ahnung vom Football im Allgemeinen und vom Australian Football im Besonderen hatten, machten wir uns noch schnell via Internet mit den wichtigsten Grundbegriffe und Regeln vertraut.
Beim australischen Football sind die Spieler nicht wie beim American Football mit Protektoren gepanzert, obwohl auch diese spezielle Variante des Football sehr körperbetont ist.
Die Stimmung im Stadion war großartig.
Wir jubelten natürlich für die Crows, die das Spiel gegen die Kangaroos am Ende mit 114:78 Punkten gewonnen hatten.
So endete ein Landgang, der eigentlich keine besondere Höhepunkte versprochen hatte mit einem echten Knaller.
Dieser Stadionbesuch war ein richtig tolles Erlebnis!
Nicht unerwähnt bleiben soll, dass hier nicht wie bei Fußballspielen in Deutschland, ein großes Polizeiaufgebot in Hab-Acht-Stellung vor Ort bereitstand. Ein Feuerwehrauto und ein Krankenwagen – mehr war nicht. Selbstverständlich wurden auch keine Bengalos gezündet.
Diese Großveranstaltung konnte uneingeschränkt von ganzen Familien mit Kindern besucht werden – und von touristischen Football-Greenhorns.
Für den Weg vom Stadion zum Bahnhof bauchten wir nur wenige Minuten und um 18:30 Uhr waren wir wieder auf dem Schiff.
Um 20:00 Uhr verließ die ARTANIA ihren Liegeplatz an der Pier von Outer Harbour.
104. Reisetag – Montag, 31.03.2025 Penneshaw/Kangaroo Island/Australien
Schon gestern Abend wurden wir darauf vorbereitet, dass wegen des aufkommenden starken Windes heute ein Tendern problematisch werden könnte.
Heute die erste Durchsage des Kreuzfahrtdirektors hörte sich dagegen sehr optimistisch an, die zweite dann schon etwas weniger.
Statt der 4 Tenderboote könnten heute nur zwei Boote zum Einsatz kommen, weil die Boote auf der Luv-Seite nicht heruntergelassen werden können. Die Erklärung hierzu habe ich nicht ganz verstanden, aber irgendwie machte die Konstellation der Strömung und des Windes Schwierigkeiten.
Wir wurden deshalb auf längere Wartezeiten eingestimmt, das war die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht kam 10 Minuten später. Der Kapitän hatte entschieden nicht zu tendern, wodurch ja die angedrohten Wartezeiten wiederweggefallen sind.
Ein alternatives Tagesprogramm wurde von Phoenix schnell erstellt, somit wir nun einen ganz normalen Seetag vor uns hatten.
105. Reisetag – Dienstag, 01.04.2025 Seetag
Das Tagesprogramm für den heutigen Seetag enthielt einige aussergewöhnliche Veranstaltungen und Hinweise.
Den folgenden Tagesordnungspunkt "Ecooking Show" im Pichler's Restaurant hielt ich ebenfalls für einen Aprilscherz. Es gibt ja z. B. auch das E-Learning, das "elektronische Lernen", also das Lernen im Internet.
Aber Kochen im Internet? Soll man die erwähnten natürlichen und bilogischen Inhaltsstoffe downloaden?
Aber weit gefehlt. Ecooking ist kein Aprilscherz, sondern eine Kosmetik-Marke und die Ecooking-Show ist eine Verkaufsveranstaltung der Bord-Boutique.
Auf der (englischen) Internetseite von Ecooking kann man nachlesen:
Wir von ECOOKING glauben, dass Ihre Haut ein persönliches Rezept verdient. Deshalb haben wir das Beauty-Kochbuch entwickelt, damit Sie Ihr persönliches Rezept entdecken können.
Vielleicht wäre es geschickter gewesen, diese Veranstaltung erst am morgigen Seetag durchzuführen.
106. Reisetag – Mittwoch, 02.04.2025 Seetag
Unser morgiges Ziel lautete ursprünglich Esperance.
Gestern zur Kaffeestunde erfolgte jedoch eine Lautsprecherdurchsage, dass es eine kleinere Kursänderung geben würde.
Für genauere Informationen könne man sich ab sofort auf Kanal 8 im Bordfernsehen eine Sondersendung anschauen.
Es wurde noch ausdrücklich betont, dass dies kein Aprilscherz sei.
Es entstand erwartungsgemäß sofort eine gewisse Unruhe, was die etwas kryptische Durchsage zu bedeuten hatte. Warum wurde nicht einfach durchgesagt, wir fahren aus den und den Gründen nicht nach A sondern stattdessen nach B. Aber so schießen die Spekulationen ins Kraut.
In der „Sondersendung“ auf Kanal 8 waren dann der Kreuzfahrtdirektor und der Kapitän auf der Kommandobrücke zu sehen.
Der Kreuzfahrdirektor erklärte, dass wir vor Esperance nicht wie geplant ankern, weil wegen des zu erwartenden Wellengangs ein Tendern nicht möglich sein wird. Stattdessen wird das weiter westlich liegende Albany angelaufen. Zwar müssen wir auch dort tendern, aber Albany liegt in einer geschützten Bucht, da stehen die Chancen für ein gefahrloses Tendern besser.
Der Kapitän wiederholte das bereits gesagte auf Englisch und da war die Sondersendung auch schon vorbei, begann sofort wieder von vorn und lief in einer Endlosschleife immer weiter.
Wir vermuten, dass es wegen des bereits ausgefallenen Tenderns vor Penneshaw Ärger gegeben hat und man mit Kapitän und 2 Monitoren mit bedrohlichen Wettergrafiken die Notwendigkeit der Maßnahme deutlich machen wollte.
Das ausgefallene Penneshaw war bereits ein Ausweichhafen, denn ursprünglich stand für den 31.3.2025 Kingscote auf Kangaroo Island auf dem Routenplan. Dort wäre auf Grund eines zugewiesenen ungünstigen Ankerplatzes der Tenderweg mit 45 Minuten viel zu lange gewesen, deswegen damals die Umroutung.
Und am 7. April wird Geraldton ganz ausfallen, weil dort die Pier noch gar nicht fertiggestellt ist. Das wissen wir aber schon seit Anfang der Etappe.
Die „Wellenvorhersage“ windy.com für die Bucht von Albany sah für den 3.4.2025 mit einer Wellenhöhe von 2,50 Meter und einer Dünung von über 2 Meter gar nicht gut aus.
Bleibt zu hoffen, dass diese Voraussage nur für die offene See gilt und nicht für die Bucht von Albany.
Denn wird ein Tendern möglich sein, wenn die Prognose stimmt?
107. Reisetag – Donnerstag, 03.04.2025 Albany/Australien
„Albany, hoch in den Bergen von Norton Green …“, so sang Roger Whittaker im Jahr 1982 (Platz 3 d. deutschen Hitparade).
In dem Lied ging aber um das schottische Albany. Zu dieser schottischen Stadt gehört (noch heute) ein englischer Adelstitel, nämlich „Duke of York and Albany“ und nach einem Frederick, Duke of York and Albany wurde die 1826 gegründete australische Strafkolonie Albany benannt.
So jetzt haben wir die Verbindung zwischen Roger Whittaker und der australischen Stadt Albany, wo wir heute früh um 6 Uhr an der Pier festgenacht hatten, hergestellt.
Wikipedia sei Dank!
Zitat aus dem Reiseblog von 2017 (Montag, 20.03.2017)
So ganz stimmt die Analogie mit 2017 nicht, denn heute konnten wir erstens nicht an die Pier und mussten tendern und zweitens wurde der Anker erst um 7:00 Uhr geworfen und nicht schon um 6:00 Uhr.
Die See und der Wind waren zwar nicht optimal zum Tendern, aber auch nicht so heftig, um den Landgang abzublasen. Wegen des langen Tenderwegs (30 Minuten) war der im Tagesprogramm angegebene Zeitplan für das Tendern nach Decks hinfällig. Über Bordlautsprecher wurde zwischendurch gesagt, dass das nächste der 4 im Einsatz befindliche Tenderboote erst in einer dreiviertel Stunde wieder zurück bei der ARTANIA sei. Also mache es keinen Sinn, in die ARTANIA-Show-Lounge zu kommen, in der sich die Tenderwilligen bekanntermaßen versammeln und geordnet zum Einstieg ins Boot geführt werden.
Diese Information hatte zur Folge, dass sich innerhalb kürzester Zeit Dutzende Passagiere aufmachten, um schnellen Schrittes in die Show-Lounge zu marschieren.
Um 10:30 Uhr war die morgendliche Tender-Rushhour vorbei und wir fuhren, ohne vorher große Wartezeiten in der Show-Lounge verbringen zu müssen, an Land.
Dort stromerten wir zunächst mal ein wenig im Yachthafen umher.
Gleich in der Nähe befindet sich der ANZAC Peace Park.
In Australien und Neuseeland gibt es praktisch in jeder Stadt Denkmäler und Gedenkstätten für die heimischen Soldaten, die an den verschiedensten Kriegen teilgenommen hatten.
(ANZAC = Australian and New Zealand Army Corps)
In den bisherigen ANZAC Gedenkstätten, die wir besucht hatten, ging es bei den Texten auf den Informations- und Hinweistafeln eher um Trauer um die Gefallenen und um die Hoffnung auf Frieden.
Hier in Albany wurde der Einsatz der ANZAC-Soldaten im 1. Weltkrieg glorifiziert und die Tapferkeit und der Heldenmut in den Vordergrund gestellt und nicht die Schrecken des Krieges. Das hat uns nicht so gefallen.
Vom westlichen Ausgang des Parks stieß man nach wenigen hundert Metern auf den originalgetreuen Nachbau an Land des Segelschiffs Brig Amity.
Die Amity war eine 148-Tonnen-Brigg, die für Erkundungs- und Siedlungsreisen in Australien im frühen 19. Jahrhundert eingesetzt wurde.
Für ein kleines Eintrittsgeld konnten wir das Innere des Schiffs besichtigen.
Dadurch bekamen wir eine ungefähre Vorstellung, wie die Mannschaft und die Siedler, zusammen etwa 50 Leute, in der Enge unter Deck hausten und das wochenlang.
Über eine App konnten wir uns detaillierte Erklärungen zu den einzelnen Bereichen unter Deck geben lassen.
Wir zogen weiter westwärts und stießen dabei auf einen idyllischen See, der von verschiedensten Vögeln bewohnt war.
Wir waren jetzt schon mehrere Stunden unterwegs und kehrten zurück zur Tenderstation.
Der Wind hatte stark zugenommen.
Seit 14:00 Uhr, so erführen wir später, wurden keine Passagiere mehr an Land getendert. Wind und Wellen ließen ein sicheres Einsteigen von der schiffseigenen Tenderplattform ins Tenderboot nicht mehr zu.
Nichtsdestotrotz mussten die Leute, die noch an Land waren, zurückgeholt werden.
Vor der Rückfahrt wurden wir instruiert, dass die Fahrt äußerst unruhig verlaufen und auch länger als eine halbe Stunde dauern wird. Unterwegs dürften wir auf keinen Fall aufstehen Dieser Hinweis war insbesondere an die Fotofreunde gerichtet, was allerdings bei einem Zeitgenossen nichts gefruchtet hat.
Dieser Bootsidiot hat, um die aufgeregte See zu filmen, seinen Platz verlassen und sich an die offene Tür gesetzt.
Die Fahrt war tatsächlich ein sehr heftiges Auf und Ab und das anfängliche Juchzen und Gelächter bei jeder Welle verstummte nach und nach und machte gespannter Ruhe Platz.
Zwei Damen, die uns gegenübersaßen wurden mit der Zeit blass und blasser. Kotztüten waren im Boot keine ausgelegt. Damit konnten wir zwar auch nicht dienen, hatten aber Plastiktüten im Gepäck, die wir immer dabei haben, falls wir Abfall produzieren, den wir abtransportieren müssen.
Die Damen ließen sich nur zu gerne mit den Beuteln versorgen. Der einen Dame genügte die Existenz der Tüte, um die Fahrt nun gelassener fortsetzen zu können. Die andere hätte durchaus Neptun geopfert, wenn sie etwas gegessen hätte, aber so kam nur etwas heiße Luft.
Die Überfahrt war nicht das Kritische, sondern das Ausseigen, nachdem das Boot an der Tenderplattform festgemacht hatte. Zwei Mann von der Crew im Boot und zwei Mann auf der Plattform gaben Hilfestellung, indem sie im richtigen Moment, wenn Ausstieg und Plattform in etwa auf gleicher Höhe waren, das Kommando „Jetzt!!!“ gaben und durch Schieben bzw. Ziehen den notwendigen großen Schritt unterstützten, den wir machen mussten, um über die ca. 50 Zentimeter große Lücke vom schwankenden Tender auf die sichere Plattform zu gelangen. Schon einen Augenblick später konnte das Boot um einen Meter absacken und der nächste Passagier musste erst auf den nächsten günstigen Moment warten.
Von der Plattform ging es über die Gangway, vorbei am Schiffsdoktor, der für alle Fälle dort parat stand, ins Schiffsinnere.
Das war wirklich eine sehr heikle Sache und ich möchte betonen, dass hier die Crew Großartiges geleistet hat. Dank deren professionellen Handelns ging die ganze Aktion ruhig und unaufgeregt über die Bühne.
108. Reisetag – Freitag, 04.04.2025 Seetag
Nach dem Frühstück hatte ich einen Termin im Bordhospital. Ich war aber nicht krank, sondern holte mir eine „Überweisung“ für den Zahnarzt.
Am letzten Freitag (28.4.2025) ist ein Stück vom meinem Backenzahn abgebrochen. Er fing irgendwann auf der Fahrt an, etwas kälteempfindlich zu werden. Außerdem kam es (selten) vor, dass bei einer „ungeschickten“ Kau-Konstellation der Kamerad ganz kurz weh getan hat, aber damit konnte ich prima leben.
Natürlich war ich kurz vor der Reise noch beim Zahnarzt zum Check. Meine Hoffnung den besagten Zahn ohne weitere Komplikationen nach Hause bringen zu können, hatte sich nicht erfüllt.
Tags darauf begab ich mich ins Bordhospital, nicht um mich behandeln zu lassen, denn einen Zahnarzt gibt es dort nicht. Vielmehr kann der Schiffsarzt bzw. seine Krankenschwestern über den Agenten Termine bei einem Zahnarzt an Land organisieren.
Zum Glück tut der kaputte Zahn nicht weh und bei besagter ungeschickten Kau-Konstellation reagiert er sogar nicht einmal mehr mit Aua. Nur etwas kälteempfindlicher ist der Kamerad geworden. Deshalb musste ich lernen, beim Biertrinken das Getränk am Zahn vorbei zu lavieren.
Jetzt hat mit das Bord-Hospital einen Termin am Sonntag (6.4.2025) um 17:00 Uhr in der On Point Dental Clinic in Fremantle besorgt, mit dem schriftlichen Hinweis „Bitte nehmen Sie ausreichend Bargeld und Kreditkarte mit“.
Kurz vor 12 Uhr mittags erfolgte schon wieder eine kryptische Meldung über Bordlautsprecher. Diesmal würde uns der Schiffsarzt auf Kanal 8 des Bordfernsehens über ein gesundheitliches Thema informieren, was unserem nächsten Hafen in Bunbury betrifft.
Die Auflösung dieses Mysteriums:
In Bunbury sind in einer Klinik und im Gefängnis einige Fälle von Masern aufgetreten und die Behörden haben veranlasst, dass wir Passagiere darüber informiert werden müssen.

Breaking News auf Kanal 8.
Schiffsarzt Dr. Wolfgang Röske(li.) und der Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka (re.).
Jetzt ist dieser Masernausbruch für die meisten Passagiere nicht bedrohlich, da bis 1970 in Deutschland Impfpflicht gegen Masern bestand. Wer geimpft ist oder als Kind bereits die Masern gehabt hat, ist vor einer weiteren Infektion geschützt.
Ein ähnliches Foto hatte ich bereits 5 Jahre vorher aufgenommen. Die damalige Kreuzfahrt wurde am 14.3.2020 in Sydney abgebrochen, weil wegen Korona eine reguläre Weiterfahrt nicht mehr möglich war, da die meisten Häfen geschlossen wurden.
Ein Teil der Passagiere ist nach Hause geflogen, aber der größere Teil ist an Bord geblieben, um mit der ARTANIA auf direktem Weg zurück nach Bremerhaven zu fahren.
Eine Woche später, am 21.3.2025, wurde bekannt, dass einer der Passagiere, die zurückgeflogen waren, mit Korona infiziert war.
Darauf hin gab es auf Kanal 8 eine Sondersendung mit Dr. Röske, Klaus Gruschka und Kapitän Hansen.
Haupttenor der Sendung war, hoffen, dass niemand an Bord infiziert ist und der dringende Apell, sich immer und überall die Hände zu desinfizieren.
Wie wir wissen hat weder der Apell etwas genützt (Ignoranten gab es genügend), noch hat sich die Hoffnung bestätigt, dass die ARTANIA koronafrei geblieben ist.
Die ARTANIA ist schließlich in Fremantle gestrandet, wo wir Passagiere mit Unterstützung vom Auswärtigen Amt am 30.3.2020 nach Deutschland ausgeflogen wurden.
In Fremantle werden wir übrigens in 2 Tagen (diesmal planmäßig) festmachen.
109. Reisetag – Samstag, 05.04.2025 Bunbury/Australien
Ein Besuchermagnet in Bunbury ist das Dolphin Discovery Center.
Hier hatten wir eine Dolphin Eco Cruise gebucht, was nichts anders war als eine Bootsfahrt, bei der man hofft, Delfine zu sehen, die hier an der Küste sehr zahlreich sind.
Mit einem Shuttlebus wurden wir ins Stadtzentrum gebracht. Bis zum Dolphin Discovery Center war noch einmal ein kleiner Fußmarsch von 20 Minuten erforderlich.
Bei der 90-minütigen Bootsfahrt gab es tatsächlich sehr viele Delfine zu sehen.
Leider sah man von diesen Meeressäugern meist nur den Rücken oder die Schwanzflosse.
Fotografieren war äußerst schwierig, denn bis wir die Kamera in Position gebracht hatten und den Auslöser drücken konnten, waren die Tiere schon wieder untergetaucht.
Aber alles in allem hat uns die Fahrt gut gefallen.
Für den Rückweg zur Haltestelle des Shuttlebusses wählten wir einen etwas anderen Weg als heute Vormittag.
Diesem Umstand verdankten wir der Begegnung mit hunderten von weißen Kakadus, die die Wiesen und Bäume in einem Park bevölkerten.
Diese Vögel ließen sich viel einfacher fotografieren als die Delfine.
Für den Abend hatte der Kreuzfahrtdirektor ins Bordkino eingeladen und zwar diejenigen Passagiere, die 2020 mit der ARTANIA wegen Corona in Fremantle gestrandet waren.
Im Bordkino trafen geschätzte 30-40 Leute ein.
Angekündigt war ein 70-minütiger Film über die (Irr)Fahrt von Sydney, wo die Weltreise abgebrochen wurde, bis zur Evakuierung der an Bord verbliebenen 850 Passagiere in Fremantle.
Der Film wurde aus dem Material zusammengeschnitten, das in dieser Zeit aufgenommen wurde und zeigte nicht nur das Geschehen rund um die Passagiere, sondern auch die Aktivitäten der Crew und der Führungsriege “hinter den Kulissen“.
Dieser Film wird eigentlich von der Phoenix-Geschäftsführung unter Verschluss gehalten, wie der Kreuzfahrtdirektor zu berichten wusste, und dürfe nur heute und nur ausnahmsweise vor dem handverlesenen Publikum vorgeführt werden.
Dann würde er für alle Zeiten im Archiv verschwinden und nie mehr gezeigt werden.
So wurde es von der Phoenix-Geschäftsleitung in Bonn beschlossen und hier an Bord verkündet.
Diese strenge Restriktion, einschließlich der Bitte, nicht zu fotografieren (ebenfalls Anweisung von ganz oben), kann ich allerdings nicht so richtig nachvollziehen, da dieses Zeitdokument keinerlei Szenen enthält, die Phoenix oder die damalige Reiseleitung in irgendeiner Art und Weise hätten diskreditieren können.
Allerdings haben Doris und ich einige kritische Vorkommnisse vermisst.
So wurde ein kurzzeitiger Streik der Crew und die Gründe dafür „verschwiegen“.
Eine andere Sache, die uns damals unangenehm auffiel, war Folgende: Das Hoteldepartment hatte die Aufgabe zu überwachen, dass sich die Passagiere vor dem Betreten der Restaurants die Hände desinfizieren. Dieser Aufgabe ist das Department nur sehr lückenhaft nachgekommen, da die Leitung des Hoteldepartments die Notwendigkeit dieser Maßnahme augenscheinlich nicht realisiert hatte. Die Mitarbeiter, die an den Restauranteingängen die Gäste zum Desinfizieren der Hände anhalten sollten, wurden immer wieder abgezogen und zum normalen Service abkommandiert und das trotz wiederholter Intervention der Phoenix-Reiseleitung.
Auch können wir uns noch gut daran erinnern, dass während der anfänglichen Teil-Quarantäne, bei der deckweise für eine Stunde am Tag ein „Freigang“ genehmigt wurde, eine Gruppe Passagiere diese Regelung völlig ignorierte und stundenlang eine fröhliche Sektparty an Deck gefeiert hatte. Dies und weitere Beispiele können im damaligen Blog nachgelesen werden.
Unbestritten bleibt, dass der damalige und auch jetzige Kreuzfahrdirektor Klaus Gruschka und der Bordarzt Dr. Wolfgang Roeske physisch und psychisch am Limit gearbeitet haben und nicht sicher sein konnten, dass die Sache am Ende glimpflich ausgehen würde. Solche Erlebnisse hinterlassen möglicherweise noch heute emotionale Spuren.
110. Reisetag – Sonntag, 06.04.2025 Fremantle/Australien
An den Anblick des Terminalgebäudes von Fremantle konnten wir uns noch gut erinnern, schließlich war dies 2020 während der 3-tägigen Quarantäne das Einzige, was wir in unserer Kabine durch das Fenster nach draußen zu sehen bekamen. Schön waren diese Erlebnisse gewiss nicht, aber das ist für Doris und mich bewältigte Historie, schließlich ging die Sache am Ende gut aus.
Bei herrlichsten Wetter starten wir unseren Spaziergang in die City.
Die Altstadt ist voll von schön restaurierten Gebäuden im Kolonialstil.
Über eine Innenstadtbelebung braucht man in Fremantle nicht weiter nachzudenken.
Die vielen Kneipen, Cafés und Restaurants waren alle sehr gut besucht, die Straßen belebt und die große Markthalle proppenvoll mit Menschen.
Gegen 15:00 Uhr traten wir den Weg zurück zum Schiff an.
Zum einen, weil es Sonntag war und ab 15:30 Uhr die Schwarzwälder Kirschtorte lockte und zum anderen, weil um 17:00 Uhr der Zahnarzttermin drohte.
Das Hospital hatte im Rahmen der Organisation für den Zahnarztbesuch ein Taxi geordert, das uns auch pünktlich am vereinbarten Treffpunkt vor dem Passagierterminal abgeholt hat und uns die kurze Strecke zur Zahnklinik gefahren hat.
Der Sonntagstermin, den ich hatte, war kein besonderes Privileg. Zu den normalen Öffnungszeiten dieser Praxis gehören auch der Samstag und der Sonntag.
Die Behandlung war absolut schmerzfrei (dank der Betäubungsspritzen). Die zwei notwendigen Füllungen wurden mit äußerster Sorgfalt und Präzision durchgeführt. Ich saß hierfür gut 45 Minuten im Behandlungsstuhl.
In dem Fragebogen, in dem ich vorab meinen Gesundheitsstatus dokumentieren musste, sollte ich auch meine Lieblingsmusikrichtung angeben. Diese lief dann als Hintergrundmusik im Behandlungszimmer. Als weiteres Ablenkungsmanöver war an der Decke ein Fernsehmonitor angebracht, auf dem Nachrichtensendungen (ohne Ton) mit Untertiteln liefen.
Der Spaß hatte natürlich seinen Preis. Mit 858 AUD (481,91 €) wurde ich am Ende zur Kasse gebeten.
Den Rückweg von knapp 1½ Kilometer bewältigten wir (Doris war natürlich mitgekommen) zu Fuß.
Da wir heute eine lange Liegezeit bis 23:00 Uhr im Hafen hatten, nutzte die Phoenix-Reiseleitung die Möglichkeit um 21:00 Uhr eine lokale Folklore-Tanzgruppe zu engagieren.
Die Darbietung sollte in der Phoenix-Bar am Heck stattfinden. Auch wenn dort die Möglichkeit besteht, von den höheren Decks das Spektakulum zu verfolgen, blieben wir aus früherer Erfahrung diesem Event fern.
Das beschränkte Platzangebot und das daraus resultierende Gedränge und die zusätzliche Aufgeregtheit der Fotografen und Filmer verhindert einen eher ungetrübten Kulturgenuss.
Deshalb muss an dieser Stelle das Foto eines Info-Screens genügen, die sich an mehreren Stellen im Schiff befinden und über die jeweiligen Abendveranstaltungen informieren.
111. Reisetag – Montag, 07.04.2025 Seetag
Dieser Hinweis im heutigen Tagesprogramm zur Zollerklärung für Bali verursachte bei etlichen Passagieren eine gewisse Aufregung, da doch etwas Knowhow im Umgang mit Smartphone oder Computer vorausgesetzt wird.
Erschwerend kam hinzu, dass die erwähnte Ausfüllhilfe für das in englischer Sprache gehaltene Online-Formular zunächst im erwähnten Bordportal noch nicht vorhanden war und einer der beiden PCs in der Bibliothek nicht betriebsbereit war.
In der Bibliothek herrschte ein Gewusel einem Bienenschwarm nicht unähnlich.
Aber wie in der Vergangenheit bei ähnlichen Online-Formalitäten lösten sich die anfangs scheinbar unüberwindbaren Hürden in Wohlgefallen auf.
Mit Hilfe der Phoenix-Mitarbeiter und der Hilfe der Passagiere untereinander konnten alle Schwierigkeiten überwunden werden.
Aufkommende Fragen der Art: „Wie macht man einen Screenshot?“ oder „Wie finde ich den Screenshot auf meinem Smartphone wieder?“ und „Wie kann man den QR-Code am PC ausdrucken?“ wurden schnell geklärt und der Einreise nach Bali in einigen Tagen steht nichts mehr im Weg.
112. Reisetag – Dienstag, 08.04.2025 Seetag
Laut Plan hätten wir heute in Geraldton an die Pier gehen sollen. Aber da die Pier noch gar nicht fertiggestellt wurde, wurde dieses Ziel ersatzlos gestrichen. Die Streichung wurde bereits am Anfang der Etappe bekannt gegeben, kam also nicht überraschend.
113. Reisetag – Mittwoch, 09.04.2025 Exmouth/Australien bzw. Seetag
Wie immer ist die erste Aktion nach dem Aufstehen Einschalten des Fernsehers auf Kanal 1 ein, wo rund um die Uhr die sogenannte Cruise-Show mit den laufend aktualisierten Kurs- und Wetterdaten läuft.
Die angezeigte Windstärke von 25 Knoten (46 km/Std) war das erste Indiz, dass ein Tendern heute nicht möglich sein wird.
Kurz danach erfolgte auch schon die erste Durchsage, dass auf Grund einer medizinischen Ausschiffung ein Tenderboot an Land fahren wird, aber ein „Massentransport“ wird nicht möglich sein.
Also Anker wieder hoch und Abfahrt Richtung Broome, unseren letzten australischen Hafen.
Für den Abend um 18:30 Uhr wurden die Weltreisenden zu einem „Tropicana Barbecue“ in die Kopernikus Bar eingeladen.
Gegenüber den sonstigen Grill-Events unterschied sich der heutige Abend dadurch, dass festlicher eingedeckt wurde, das Grill-Angebot reichhaltiger war, das Showensemble einige Gesangseinlagen darbot und alle Getränke frei waren. Natürlich gab es „richtigen“ Wein und nicht den aus den Tetra-Packs, wie er (ebenfalls kostenlos) zu den Mahlzeiten in den Restaurants ausgeschenkt wird.
Der Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka hielt eine kleine Eröffnungsrede, bei der er seine „Ablösung“ Moritz Stedtfeld vorstellte. Der turnusmäßige Wechsel wird in Bali erfolgen, was bereits seit längerem bekannt war. Neu war die Tatsache, dass auch Kapitän Alex Zinkovskyi durch Burkard Müller abgelöst wird, dessen ruhige und sachliche Art wir sehr schätzen.
Beide Wechsel sind nicht ungewöhnlich, aber ungewöhnlich ist, dass in Bali auch Kapitän Hansen an Bord kommen wird, aber nicht in irgendeiner nautischen Funktion, sondern als „gewöhnlicher“ Passagier und bis Singapur bleibt. Wobei wir sehr hoffen, dass Herr Hansen, wie jeder Passagier auch, keine Gelegenheit erhält, Ansprachen über die Bordlautsprecher zu halten.
An diesem Abend bestätigte uns der Kreuzfahrtdirektor das Gerücht, dass der private Sender Vox an Bord der ARTANIA neue Folgen für die Doku-Soap „Volle Kraft voraus“ drehen wird.
Das erklärt vieleicht dann auch die Anwesenheit des aus der ARD-Doku-Soap „Verrückt nach Meer“ populären und mit Starruhm behafteten Kapitän Hansen. Er könnte als Special Guest in dem Vox-Film auftauchen. Ob er sich damit einen Gefallen täte? Die bisherigen Folgen von „Volle Kraft voraus“ waren vom Niveau her durchaus mit billigen Groschenromanen vergleichbar.
114. Reisetag – Donnerstag, 10.04.2025 Seetag
Wieder ein ruhiger Seetag ohne Höhen und Tiefen.
115. Reisetag – Freitag, 11.04.2025 Broome/Australien
Das Anbringen der hafeneigenen Gangway verzögerte den Landgang lediglich um eine gute Viertelstunde.
Als wir 2017 hier in Broome festgemacht hatten, gab es zwei Möglichkeiten, den Landgang zu gestalten.
Wir konnte uns kostenlos mit einem Kleinbus über die 750 Meter lange Pier ans Ufer bringen lassen und dort gleich links oder rechts zum Strand gelangen.
Für 10 Euro fuhr ein Shuttlebus ins 8 Kilometer entfernte Zentrum.
Damals nutzen wir beide Möglichkeiten; vormittags City und nachmittags Strandspaziergang.
Der schöne Strand mit seinen roten Felsen war diesmal für uns unerreichbar.
Auf der Pier durfte man nicht laufen und die Minibusse gab es nicht mehr. Die hätten diesmal auch keinen Sinn gemacht, denn auf der einen Seite im Uferbereich der Pier wurde gebaut und auf der anderen Seite befanden sich jetzt große Treibstofflager, so dass die Zugänge zum Strand versperrt waren.
Die Shuttlebusse, die Phoenix eingesetzt hatte, waren diesmal kostenlos. Vielleicht deshalb, um die Gäste wegen der ausgefallenen Häfen in Geraldton und Exmouth ein wenig friedlich zu stimmen?

Broome war vormals eine Hochburg der Perlenzüchter und -taucher.
Aus dieser Tradion heraus gibt es in der Stadt unzählige Läden für Perlenschmuck.
Unser Ausflug in die City war sehr kurz und nach knapp 2 Stunden zu Ende.
Unser eigentliches Ziel, der Stadtstrand ca. 1 Kilometer südlich von der City gelegen, wurde kurzerhand gestrichen
Die mörderische Hitze von mehr als 35° im Schatten machte uns zu schaffen. Bisher war das australische Wetter eher durchwachsen, wenn auch trocken, sodass wir uns an die die hohen Temperaturen, die wir auch die nächsten Wochen haben werden, erst langsam gewöhnen müssen.

Blick durch das Fenster am Nachmittag im Restaurant Vier Jahreszeiten auf Deck 2.
Die Ebbe hatte ihren Tiefststand erreicht.
Normalerweise liegt Deck 2 mehrere Meter oberhalb der Pier.
Das Auslaufen um 18:00 Uhr wurde von einer Auslaufparty begleitet; wir verließen heute schließlich einen Kontinent.
116. Reisetag – Samstag, 12.04.2025 Seetag
Heute war der letzte Seetag der Etappe „Von Sydney auf Südwest-Kurs bis nach Bali“ und somit ein hoher Bordfeiertag, an dem die Vergnüglichkeiten kein Ende zu nehmen schienen.

Carmela und Anthony Galang
(Sie: Getränke-Kellnerin; Er: Restaurant-Supervisor)
Wir kennen das Ehepaar schon seit vielen Jahren.
- Um 11:00 Uhr der allseits beliebte Stadl Frühschoppen mit Freibier, deftiger bayerischer Kost und der Verlosung der Seekarte dieses Reiseabschnitts.
- Um 15:30 Uhr das Wiener Kaffeehaus.
- 17:45 Uhr Abschiedscocktail mit Kapitän Alex Zinkovskyi und dem Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka.
- Ab 18:00 Uhr Gala-Abendessen in den Restaurants.
117. Reisetag – Sonntag, 13.04.2025 Rinca Islands/Indonesien
Das heutige Ziel war der Ersatz für Komodo Island, das wir hätten morgen anlaufen sollen. Da dort sowohl heute als auch morgen jeweils ein dicker Pott mit mehreren tausend Passagieren die Insel überflutet, ist die ARTANIA nach Rinca Island ausgewichen.
Komodo ist berühmt für seine Komodowarane.
Da diese bis zu 70 Kg schweren Riesenechsen aber nicht nur auf Komodo, sondern auch auf weiteren zum Archipel „Kleine Sundainseln“ gehörenden Eilanden heimisch sind, sollte die heutige Destination ein gleichwertiger Ersatz sein.
Um es vorweg zu nehmen: Ersatz ja, gleichwertig nein.
Bei unseren Besuch von Komodo in 2017 ging es mit den Rangern in das Gelände, wo sich sehr viele dieser Tiere aufhielten.
Diesmal wurden wir lediglich über einen langen Holzpfad ...
... zu einer Aussichtsplattform mit einem Informationszentrum und einem Souvenirshop geführt. Von dort konnte man mehr schlecht als recht einige Warane beobachten.

Ein echter Glücksfall: Dieser Komodowaran verließ seinen Schattenplatz und konnte deshalb recht gut fotografiert werden.
Diese lagen, bis auf diese eine Ausnahme (Foto rechts), alle im Schatten, so dass sie nur schwer zu erkennen waren.
Unsere Fotoaufnahmen mit dem Smartphone waren meist qualitativ sehr schlecht und unbrauchbar und taugen nur als schlechtes Beispiel hier im Blog.

Erst die Ausschnittsvergrößerung und das Aufhellen mit einem Bildbearbeitungsprogramm (JPG-Illuminator) lassen erkennen: Tatsächlich ein Komodowaran!
Doris hatte ihre Kamera mit einem 30-fachen Zoom mitgenommen. Damit gelangen einige annehmbare Aufnahmen.
Bei diesem Landgang hatten wir entgegen unseren Gewohnheiten an einem Phoenix-Ausflug teilgenommen und keine private Tour gebucht.
In der Beschreibung des Ausflugs von Phoenix „Rundgang und Besuch der Komodowarane“ war nämlich wörtlich zu lesen: „Ein Landgang ist nur in Verbindung mit dem Ausflugsprogramm möglich“. Dieser Passus ist durchaus missverständlich, denn er bedeutete nicht, dass man nur über einen gebuchten Phoenix-Ausflug an Land darf.
In einer Durchsage heute Morgen wurde nämlich gesagt, dass man nur an Land tendern kann, wenn man den Phoenix-Ausflug oder privat eine Führung mit einem Ranger gebucht hat.
Hier hätten wir im Vorfeld zumindest versucht eine private Führung zu organisieren, wenn Preis und Leistung gepasst hätten, insbesondere da es die Möglichkeit gegeben hat, mit einem Ranger eine Führung auch im Gelände zu unternehmen.
118. Reisetag – Montag, 14.04.2025 Gili Trawangan/Indonesien
Gili Trawangan ist eine der drei kleinen sogenannten Gili Inseln, die der bekannten Insel Lombok vorgelagert sind.
Doris hatte eine Schnorcheltour gebucht, wobei das Boot ausschließlich für uns beide zur Verfügung stehen sollte. Ein Ehepaar an Bord (Gaby und Harry - echte Kölsche), das reges Interesse an unserem Vorhaben zeigte, wurde von uns kurzerhand dazugebucht.
Die Artania warf gegen 12:00 Uhr den Anker, sodass es kein Problem war, pünktlich zum Tourbeginn um 14:00 Uhr an Land zu tendern.
Treffpunkt mit dem Veranstalter war in der Sama-Sama Reggae Bar, sehr nah an unserer Tenderpier gelegen.
Dort erhielten wir eine kurze Einweisung, stiegen in „unser“ Boot ein und nahmen Kurs zu den verschiedenen Schnorchelplätzen.
Die Besatzung des Boots bestand aus dem Schiffsführer und dem Guide, der unsere Schnorchelaktivitäten begleitete und mit seiner Unterwasserkamera viele Aufnahmen machte, die er uns hinterher auf unsere Smartphones überspielt hat.
Für die Dauer dieser Tour waren 4 Stunden vorgesehen, in denen an 3 verschiedenen Stellen geschnorchelt wurde:
- Fische und Unterwasser-Statuen
- Schildkröten
- Korallen

Warung - so heißen in Indonesien die einfachen Restaurants. Hier sind wir bei Mama Melani Warung auf der Insel Gili Meno.
Wie geplant schipperten wir anschließend nach Gilo Meno, um uns in einem Restaurant zu stärken.

Er ist wohl der Einzige an diesem Strandabschnitt, der ein Lesegerät für Kartenzahlung besitzt.
Die Zeche bei Mama Melani sowie die von Gaby und Harry getätigten Souvenireinkäufe in den kleinen benachbarten Buden, wurden hier bezahlt.
Hier auf dem Inselchen Gili Meno (400 Einwohner) befand sich auch eine Aufzuchtstation für Meeresschildkröten, die uns die Bewohner stolz präsentierten.
Die Rückfahrt am späten Nachmittag war wegen des aufgekommenen Winds und den Wellen, sagen wir mal, sehr bewegt, wie diese Video zeigt.
Zum Glück waren wir alle vier seefest und die 2-Mann-Besatzung natürlich auch.

Gili Trawangan wird auch manchmal als die Party-Insel bezeichnet.
Aber bevor das Nachtleben so richtig losging, waren wir schon wieder auf der ARTANIA.
Um 19:00 Uhr saßen wir im Tenderboot, das uns zurück zur Artania brachte, mit dem Gefühl, einen großartigen Tag erlebt zu haben.
Fall es von Interesse sein sollte, das Vergnügen hat in Summe 140 Euro gekostet, also 35 Euro pro Person, also sehr preiswert, wie vieles in Indonesien.
119. Reisetag – Dienstag, 15.04.2025 Benoa/Bali/Indonesien
Benoa ist eine Halbinsel ganz im Süden von Bali. Hier machte die ARTANIA für 3 Tage an der Pier des Bali Cruise Ship Terminal fest.
Bali, die Insel der Götter und der 1000 Tempel war einmal ein Traum. Mittlerweile ist es im Süden, wo sich auch die Strände und touristischen Hochburgen befinden, zumindest verkehrstechnisch ein Albtraum.
Aus leidvoller Erfahrung aus 2017 und 2020 wussten wir, dass für einen Tagesausflug in den Norden erst einmal der Großraum Denpasar durchfahren werden muss und dafür braucht es mindestens 2 Stunden.
Dasselbe Drama findet dann bei der Rückfahrt noch einmal statt.
Das würde bei unserer 3-tägigen Liegezeit ein Drama in 6 Akten mit einer Spieldauer von 12 Stunden bedeuten.
Das wollten wir uns diesmal nicht mehr antun. Deshalb haben wir ein schönes Hotel in Ubud gebucht, wohl wissend, dass dieses ehemalige Künstlerdorf, bis in die 1980er Jahre Ziel von Rucksacktouristen und Aussteigern, seine Ursprünglichkeit verloren hat und der Massentourismus auch hier Einzug gehalten hat.
Aber hier oben, weiter nördlich sind es nur ganz wenige Kilometer, bis Natur und Landwirtschaft die Oberhand gewinnt. Von hier sind lohnende Unternehmungen bequemer durchführbar, so unser Kalkül.
Auch für die Hin- und Rückfahrt war schon gesorgt. Diese haben wir, genau wie das Hotel über booking.com gebucht und das zum Festpreis, d. h. das mühsame Feilschen vor Ort mit dem Fahrer entfällt.
Pünktlich um 11:00 Uhr trifft nicht ein Fahrer, sondern eine Fahrerin am vereinbarten Treffpunkt, dem Ausgang des Passagierterminals, ein und fährt uns in rekordverdächtigen 1½ Stunden zu unserem Hotel Adiwana Bisma in Ubud.
Das auf Bali die Frauen anscheinend noch eine untergeordnete Rolle spielen, wurde uns bei der Anmeldung im Hotel klar.
Im Rahmen der Check-In Prozedur musste ein digitaler Anmeldebogen auf einem Tablet ausgefüllt werden. Da Doris das Hotel auf ihren Namen gebucht hatte und ich nur als 2. Person bei der Buchung angegeben wurde, dachte Doris, dass sie auch das Formular ausfüllen musste. Aber weit gefehlt!
Das Feld Name und Zuname war bereits ausgefüllt und da stand laut und deutlich „Peter Hoelzer“ und die Empfangsdame überreichte mir wie selbstverständlich das Tablet.
Eine Diskussion über Emanzipation wäre in diesem Moment nicht zielführend gewesen, also füllte ich das Formular brav aus.
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Das Vorhandensein des Infinity-Pools hat sicher die Entscheidung für dieses Hotel positiv beeinflusst.
Zum Arrangement im Hotel gehörte eine balinesische „Willkommens-Massage“ von 15 Minuten. Dieses Goodie nahmen wir gleich in Anspruch, nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten und wählten die Variante „Schulter und Nacken“.
Die zierlichen Balinesinnen, die die Massage ausführten, verstanden ihr Handwerk. Schnell fanden sie die neuralgischen Punkte und bearbeiten diese mit einem ordentlichem Druck, der sich hinter dem unseres Physiotherapeuten, dem kräftigen Herrn Schmidt in Bad Soden/Taunus, nicht zu verstecken brauchte.
Davon angetan, buchten wir gleich für übermorgen, unserem Abreisetag, eine 30-Minuten-Massage.
Nach dem 15-Uhr Tee im Hotel machten wir uns dann auf, Ubud zu erkunden.
Ubud selbst ist nicht unbedingt eine Reise wert.
Der Verkehr, ein Gemenge aus Autos, Mopeds und Fußgängern, erfordert volle Aufmerksamkeit, ...
... insbesondere, weil es für Fußgänger kaum Gehwege und Bürgersteige gibt und man gleichzeitig aufpassen muss, dass man nicht in ein Schlagloch stolpert.
Das klassische Kunsthandwerk der Balinesen (Holz, Stein, Silber) ist kaum zu finden.
Tattoostudios, Taxis, Tourenanbieter, Wechselstuben und Restaurants prägen das Straßenbild.
Und nicht zu vergessen, das Überangebot für Massagen.
Vor den unzähligen Massagesalons stehen oder sitzen (ausschließlich) Damen, die die Passanten auch ansprechen. Wohlgemerkt, es handelt sich hierbei um klassische Massagen und nicht etwa um schlüpfrige Offerten.
Wir fanden aber aber auch Oasen der Ruhe.
Das sind sowohl Tempel, aber auch Ressorts oder Restaurants, die im balinesischem Stil gestaltet sind, mit wunderbar angelegten Gärten.
Von außen kann der Laie nicht unterscheiden, ob er vor einem Tempel oder einem Gästehaus steht.
120. Reisetag – Mittwoch, 16.04.2025 Benoa/Bali/Indonesien
Für den zweiten Tag auf Bali stand ein Besuch der Kajeng Reisfelder auf dem Programm. Diese sind von unserem Hotel etwas mehr als 2 Kilometer entfernt, da wäre es vielleicht sinnvoll bei der Hitze sich nach einer Fahrgelegenheit umzuschauen.
Mit unserem ersten Verhandlungspartner wurden wir nicht handelseinig.
Beim Zweiten war der Fahrpreis nur noch halb so hoch, aber er erklärte uns, dass er uns nur 500 Meter fahren könne, da der Rest der Strecke für PKW verboten sei (was Google Maps übrigens vehement abstritt) und empfahl uns, doch lieber zu laufen.
Der Mann hatte recht und nicht Google. Nachdem wir von der Hauptstraße abgebogen waren, durften dort nur noch Zweiräder verkehren.
An diesem autofreien Sträßchen reihte sich über mehrere hundert Meter sowohl links als auch rechts ein Andenkengeschäft an das andere.
Dort wurde ausschließlich Kitsch „Made in China“ verkauft.
Kunsthandwerk und tradionelle balinesische Produkte, wie Batik-Textilien, klassische Holzschnitzereien mit Motiven aus der balinesischen Mythologie, Figuren aus Leder für das indonesische Schattenspiel Wayang, etc. etc. wurden hier nirgends mehr angeboten.
Als wir die Reisfelder und Reisterrassen endlich erreicht hatten, hatten wir gleichzeitig den ganzen Trubel hinter uns gelassen.
Hier war genau das, was wir gesucht hatten, dieses tiefe Grün, diese kunstvoll angelegten Felder und Terrassen und die Ruhe.
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In diesem Becken keimen die Reiskörner zu den Setzlingen, die dann in Reih und Glied in die Felder gesetzt werden.
In einem kleinen Restaurant mitten in den Feldern, das Dicaric Warung, konnten wir eine Rast einlegen.
Wir wunderten uns ein wenig, dass die Tochter der Betreiberin ein Foto von uns machen wollte, hatten aber natürlich nichts dagegen.
Den Grund, warum man uns abgelichtet hat, stellte ich abends fest, als ich das Lokal zwecks Aufarbeitung des Tags gegoogelt habe.
Das Foto wurde in deren Instagram-Account gepostet. 😊
Für den Rückweg zur Hauptstraße entdeckten wir eine Alternative, den sogenannten Sweet Orange Walk Trail.
Er führte durch die Reisfelder und umging somit die belebte Souvenirstraße.
Dieser Gehweg war zunächst mit Betonplatten befestigt.
In diese Platten waren verschiedenste Namen eingeprägt.
Wir kamen schließlich an eine Stelle, wo sich die Sache aufklärte.
Man kann eine solche Platte für umgerechnet ca. 20 Euro kaufen und bestimmen, was dort „eingraviert“ werden soll.
Irgendwann wird diese Platte entweder hier am Trail oder auch sonst irgendwo in Ubud verlegt.
Den späten Nachmittag nutzten wir, um im Hotelpool eine Runde zu schwimmen.
Nach dem Abendessen (Alam Pizza) machten wir es uns auf unserer Terrasse mit direktem Zugang zum Garten gemütlich.
121. Reisetag – Donnerstag, 17.04.2025 Benoa/Bali/Indonesien
Und schon war wieder Abreisetag. Um 11:00 Uhr ließen wir uns, wie bestellt, Schultern und Nacken massieren. Hier im Hotel kostete eine Massage das Mehrfache von dem, was wir so an Angeboten in der Stadt gesehen haben. Dort kostet die halbe Stunde nur etwas mehr als umgerechnet 5 Euro. Für einen Qualitätsvergleich fehlte uns leider die Zeit.
Unser für 12:00 Uhr bestellte Fahrer war pünktlich. Er erzählte uns, dass er bereits um 9:00 Uhr in Denpasar gestartet war, um uns hier abzuholen.
Die Rückfahrt zum Schiff dauerte ziemlich genau 2 Stunden.
Gestern wurde bekannt gegeben, dass es kleinere Routenänderungen auf der neuen Etappe „Von der Götterinsel Bali bis nach Südafrika!“ geben würde.
So wird morgen kein Seetag sein, sondern wir werden um 8:00 Uhr auf der Nachbarinsel Lombok festmachen. Dafür findet übermorgen ein Seetag statt.
Doris nimmt sich gerne viel Zeit, um sich auf künftige Ziele und unsere dortigen Aktivitäten vorzubereiten. Diese Zeit hatte sie für Lombok nun nicht mehr.
Warum, verdammt noch mal, gibt man solche Informationen nicht weiter, sobald sie bekannt sind, sondern wartet erst damit, bis alle Gäste für den betroffenen Abschnitt angereist sind.
Eine frühzeitige Information wäre eine Sache des Respekts von Phoenix seinen Kunden gegenüber. Stattdessen werden diese wie kleine unmündige Kinder behandelt.
Es gibt E-Mail, es gibt das Bordportal, wo es ein Klacks wäre, solche Infos zeitnah zu publizieren.
Mich ärgert nicht die Routenänderung selbst, die Gründe sind nachvollziehbar, sondern diese grottenschlechte Informationspolitik von Phoenix.
Die Routenänderungen waren Phoenix schon länger bekannt. Doris machte vor zwei Wochen einen Termin für eine Fußpflege im Spa-Bereich mit Wunschtermin an einem Seetag. Man schlug ihr Samstag den 19.4. vor. Auf Doris‘ Einwand, dass an diesem Tag doch Pare-Pare in Sulawesi angelaufen wird, erklärte man ihr, dass wegen Routenänderungen dieser Samstag jetzt tatsächlich ein Seetag sei. Dabei merkte die Dame im Spa, dass sie wohl versehentlich ein Betriebsgeheimnis ausgeplaudert hat und hielt sich plötzlich mit näheren Auskünften sehr bedeckt.
Um 18:30 Uhr hieß es „Leinen los“ für die neue Etappe mit nur noch 600 Passagieren an Bord.
122. Reisetag – Freitag, 18.04.2025 Gili Mas/Lombok/Indonesien
Der Bericht über den heutigen war schnell abgefasst.
Unser Liegeplatz war "jwd" und konkrete Pläne für den Landgang hatten wir nicht.
Deshalb wollten wir nach dem Frühstück ins Terminalgebäude gehen, um vielleicht mit einem Tourenanbieter einig zu werden.
Diesen Plan ließen wir schnell wieder fallen, als es anfing in Strömen zu regnen und simulierten an Bord einen Seetag, so wie ursprünglich im Routenplan vorgesehen.
Uns taten nur die vielen Ausflügler etwas leid, die einen 4-stündigen Strandaufenthalt gebucht hatten.
123. Reisetag – Samstag, 19.04.2025 Seetag
Am ersten Seetag eines neuen Reiseabschnitts wird in der Regel der Maritime Frühschoppen zelebriert. Diese Regel wurde heute gebrochen, vielleicht deswegen, weil parallel zum Mittagessen in der Kopernikus Bar Thunfisch gegrillt wurde.
Dieses kleine Symbol „Film ab!“ an einigen Stellen des Tagesprogramms weist darauf hin, dass bei diesen Programmpunkten das Filmteam der Produktionsfirma Bewegte Zeiten für den Fernsehsender Vox für die Doku-Soap „Volle Kraft voraus“ filmen wird.
Dies ist durchaus als Warnhinweis für diejenigen zu verstehen, die nicht versehentlich als Komparse für relativ niveaulose Filmchen in Erscheinung treten wollen.
Diese meine Kritik bezieht sich nicht auf die Filmteams an Bord, die können nichts dazu und machen nur ihre Arbeit. Das Konzept haben schließlich irgendwelche Redakteure von Vox verbrochen.

Eines der Film-Teams an Bord.
(v.l.n.r)Teamleiterin, Kameraman, Tontechniker.
(von hinten) Eine der ProtagonistInnen, die von der Produktionsfirma gecastet wurden.
Hierbei handel es sich meist um Laiendarsteller, die dann mehr oder weniger sich selbst spielen.
Das Filmteam, von denen wir einige schon von den Dreharbeiten von „Verrückt nach Me(e)r“ (nur vom Sehen) kennen, arbeitet an Bord, ohne den Betrieb und die Gäste zu stören.
Der Nachmittag und der Abend stehen ganz im Zeichen der Begrüßungsgala.
Dieses sich auf jedem Reiseabschnitt wiederholende Ereignis mit der Möglichkeit, sich mit dem Kapitän und dem Kreuzfahrtdirektor fotografieren zu lassen, möchte ich heute deshalb nicht unerwähnt lassen, da wir einen neuen Kapitän und einen neuen Kreuzfahrtdirektor an Bord haben.
Kapitän Burkhard Müller ist jetzt Chef auf der Brücke der ARTANIA ...
... und Kreuzfahrtdirektor Moritz Stedtfeld ist jetzt Chef über alle Phoenix-Mitarbeiter an Bord und Ansprechpartner für jegliche Anliegen der Passagiere.
124. Reisetag – Sonntag, 20.04.2025 (Ostersonntag) Pare Pare/Sulawesi/Indonesien
Das heutige Ziel ist ein sehr außergewöhnliches und exotisches, das von Kreuzfahrtschiffen äußerst selten angelaufen wird. Für die ARTANIA ist der Hafen in Pare Pare auf der Insel Sulawesi eine Premiere.
Aber auch für Pare Pare scheint unsere Ankunft etwas Besonderes gewesen zu sein.
Als die ARTANIA um 12:00 Uhr an der Pier festmachte, warteten schon viele Schaulustige rund um das Terminal.
Als wir von Bord gingen wurden wir - und natürlich die anderen Landgänger auch – fotografiert, als wären wir Promis.
Eine resolute sulawesische Dame packte mich bei den Schultern, um mit mir als Trophäe ein Selfie zu machen.
Doris und ich machten uns auf den Weg zum gut 1½ Kilometer entfernen Markt. Überall zogen wir hellhäutigen Exoten die Blicke auf uns. Sobald man die Blicke erwiderte und lächelte, wurde zurückgelächelt und gewunken.
Besonders Kinder wollten gerne fotografiert werden. Sobald wir das Handy nur zückten, stellten sie sich schon stolz Positur.
Auf dem Markt erstanden wir 5 Muskatnüsse und einen Gürtel.
Wir sollten in Zukunft unsere Muskatnüsse immer auf Sulawesi kaufen, denn der Preis von 5.000 Rupien (0,26 €) für alle 5 Nüsse war unschlagbar. Auch der Kunststoff-Gürtel für 25.000 Rupien (1,30 €) riss jetzt kein Loch in die Urlaubskasse. Was ich damit ausdrücken will: Hier gibt es kaum Tourismus und es wird bei den Preisen nicht zwischen Einheimischen und Touristen unterschieden. Zum Vergleich: In Dubai auf dem Gewürzmarkt haben wir im letzten Jahr pro Muskatnuss 1 US-Dollar abdrücken müssen.
Nach knapp 3 Stunden kehrten wir völlig verschwitzt und voller Eindrücke zurück aufs Schiff.
Bereits beim Frühstück hatten uns die Osterbrote angelacht, die verteilt über das ganze Buffett als dekoratives Osternest dazu dienten, dass die Ostereier nicht wegrollten.
Auch am Abend im Lido-Restaurant war diese Deko allgegenwärtig.
Da mir deswegen wieder das Wasser im Mund zusammengelaufen war, fasste ich mir ein Herz und fragte den Supervisor – so nennt man hier die Restaurantaufsicht – ob ich nicht etwas von dem Osterbrot bekommen könnte. Als Filipino war er mit den deutschen Osterbräuchen und Gewohnheiten nicht so sehr vertraut und dachte, ich mache einen Scherz und lachte pflichtbewusst darüber. Als er merkte, dass ich es ernst meinte und der Gast sowieso immer recht hat, Schnitt er mir ein ordentliches Stück aus dem Osternest. Die Kellner wollten sich schlapp lachen – ein Gast, der die Deko verzehrt!
Neugierig fragten sie Doris und mich, ob es uns den schmecken würde. Und das tat es, mit Butter bestrichen - ein Genuss.
125. Reisetag – Montag, 21.04.2025 (Ostermontag) Seetag
Mit fast 20 Knoten steuert die ARTANIA auf die Insel Borneo zu, die wir übermorgen erreichen werden.
Am frühen Vormittag hatten wir den Äquator überquert und befinden uns nun wieder auf der Nordhalbkugel. Das damit verbundene Spektakel der Äquatortaufe fand wie immer an der Kopernikus Bar statt. Ich habe diese Veranstaltung mal wieder geschwänzt (Neptun möge mir verzeihen), schließlich sollte heute noch der 11. Teil dieses Reiseblogs online gehen.
Aber Doris hat pflichtbewusst zumindest 3 Fotos geschossen. Hier ist eines davon.
126. Reisetag – Dienstag, 22.04.2025 Seetag
In der Kopernikus Bar wird am Vormittag das „Tropische Früchte Buffet – Ein exotisches Erlebnis“ aufgebaut und um 11:00 eröffnet.
Da uns die langen Schlangen, die sich auch während der ganzen Buffetzeit bis 12:00 Uhr nicht abbauten, abschreckte, ...
... begnügten wir uns mit dem üblichen Obst und Früchteangebot im Lido Restaurant zur Mittagsessenszeit.
Hier gibt es seit Beginn der Reise, neben den täglich angebotenen Melonen in allen denkbaren Stadien der Reife und der Unreife, oft und gerne die Fruchtsorte Blassanas. Die kannten wir vor unserer Reise auch noch nicht.
Blassanas, so haben wir die hellen, fast weißen, sauren Ananasscheiben getauft.
Davon muss es an Bord einen unerschöpflichen Vorrat geben.
Dazwischen gibt es aber an manchen Tagen zusätzlich, das muss ich wahrheitsgemäß erwähnen, auch gelbe und süße Ananas, die man sich dann mit etwas Geschick herausfischen kann.
127. Reisetag – Mittwoch, 23.04.2025 Kota Kinabalu/Sabah/Borneo/Malaysia
Borneo ist nach Grönland und Neu Guinea die drittgrößte Insel der Welt. Borneo ist aufgeteilt zwischen den drei Staaten Indonesien, Malaysia und Brunei. Davon befindet sich lediglich von Brunei das gesamte Staatsgebiet auf Borneo, während sich Malaysia und Indonesien noch auf weitere größere Inseln erstrecken.
Sabah ist ein Bundesstadt von Malaysia und hat keinerlei Bezug zu der in Europa sowohl als biblische Figur als auch als Oper bekannten Königin von Saba, denn die schreibt sich hinten ohne „H“.
Heute früh sind wir bereits vor dem Frühstück von Bord gegangen.
Vor der ARTANIA an der Gangway standen folkloristisch gekleidete Damen und verteilten farbige Kettchen.
Hätten wir erst, wie gewohnt, gefrühstückt und uns in Ruhe für den Landgang fertig gemacht, wären die Damen wieder weg gewesen und wir hätten nie erfahren, was eigentlich genau verteilt wurde. Und Neugier ist des Touristen höchste Verpflichtung. Aus zahlreichen vorherigen Anlandungen wussten wir, dass meist bis spätestestens um 10:00 Uhr die entsprechenden Darbietungen zur Begrüßung der ARTANIA, wie Tänze und/oder Musik, bereits wieder zu Ende waren und höchstens noch ein gelangweilter Bordfotograf an der Gangway wartete, um von solchen trödelnden Nachzüglern wie uns das übliche Foto machen zu können.
Nachdem unsere Neugier gestillt war und uns die hübsche Willkommensaufmerksamkeit überreicht wurde, konnten wir beruhigt erst einmal unser Frühstück einnehmen.
Da für den Nachmittag starker Regen vorausgesagt war, wurde der Phoenix-Ausflug „Fahrt mit dem Katamaran“ vom Veranstalter abgesagt.
Das war natürlich ärgerlich für die Teilnehmer. Noch ärgerlicher war für sie sicher, dass es den ganzen Tag trocken blieb.
Uns kam diese Fehlprognose zu Gute. Lediglich die Mitnahme eines Regenschirms erwies sich für unseren Landgang als unnötig.
Unser Plan für einen Stadtrundgang war sehr einfach strukturiert. Er sah einen Besuch der Plattform des Signal Hill Observatory Tower vor. Außerdem lag auch der Atkinson Clock Tower auf unseren Weg. Unsere Hoffnung, dass uns noch das ein oder andere Interessante über den Weg läuft, hatte sich zunächst nicht erfüllt.
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Eigentlich war es brüllend heiß. Aber aus dem Eingang dieses Kaufhauses strömte so viel kalte Luft, sodass es in der näheren und weiteren Umgebung noch merklich abkühlte.
Ob der starken Hitze wurde Ziel Nr. 1 ersatzlos gestrichen, ...
... weil das Erreichen des Signal Hill nun mal eine schweißtreibende Hügel-Besteigung erfordert hätte.
Ziel Nummer 2, der Atkinson Clock Tower war Bestandteil einer größeren Baustelle.
Und der Weg entlang einer 4-spurigen Straße war auch nicht das sonst so sprichwörtliche Ziel.
Wir wollten schon wieder zurück zum Schiff, als wir in der Gegenrichtung am Wasser Buden sahen, die sich langsam mit Leben füllen, sodass der Heimweg noch etwas warten musste.
Bei den Buden handelte es sich um einen Foodcourt, der nach und nach für die abendlichen Gäste aufgebaut wurde.
Angeboten wurden die frischesten Fische und Meeresfrüchte, die aus dem nebenan liegenden Fischereihafen stammen.
Wir streunen weiter und gehen zwischen den arbeitenden Menschen und den frischen Fischen, die auf ihre Zubereitung warten. Es ist sehr landestypisch, hoch interessant und es riecht fast gar nicht nach Fisch.
Am Weg liegt auch eine Anlegestelle für einfache, offene Holzboote mit Außenborder.
Ein quirliges Kommen und Gehen dieser Wassertaxis nahm unsere Aufmerksamkeit in Anspruch. Diese Boote fuhren von hier zu einer rund 2 Kilometer entfernten Insel. Die Insel selbst ist unbewohnt, aber rundherum im Wasser erstreckten sich mehrere Ansiedlungen, bestehend aus einem Gewirr von Hütten auf Holzpfählen.
Hier an diese „Taxi-Station“ verirrten sich nur wenige Touristen und mit den wenigen, die sich hierhin verirren, macht man anscheinend gerne Geschäfte. Auch uns wurde vielfach ein Trip „to the village“ angeboten.
Bei dem ersten Angebot, wo auch ein Preis genannt wurde, nämlich 50 Ringgit (= 10 Euro), traten wir in weitere Verhandlungen ein.
Unser Gegenangebot von 40 Ringgit (8€) wurde klaglos akzeptiert.
Der Einstieg ins Boot über den Bug war etwas wackelig, aber mit der Hilfestellung eines kleinen Jungen, der uns bei der Hand nahm, ging es.
Die Fahrt zwischen den Hütten, die auf Pfählen im Wasser gebaut sind, war eindrucksvoll.
Wie dort der Alltag aussieht, können wir uns wahrscheinlich gar nicht vorstellen.
Zurück an Land in Kota Kinabalu ging unser Streifzug weiter zum Fischereihafen und dem zugehörigen Markt.
Zufrieden kehrten wir am späten Nachmittag auf die ARTANIA zurück.
Unsere Schuhe deponierten wir vorsichtshalber im Badezimmer, um Fischgerüche in der Kabine zu vermeiden.
128. Reisetag – Donnerstag, 24.04.2025 Muara/Brunei/Borneo
Da der Name Bandar Seri Begawan äußerst unhandlich ist, wird es von den Einheimischen mit BSB abgekürzt. Ich werde mit diesem Namensungetüm genau so verfahren.
Wir hatten vor, uns irgendwie in die Hautstadt Bandar Seri Begawan durchzuschlagen, mit dem Linienbus hin und mit dem Taxi wieder zurück. Die Rückfahrt mit dem Taxi deshalb, um sicherzustellen, dass wir pünktlich bis spätestens 16:30 Uhr wieder zurück sind.
Aber zuerst mussten wir mittels Shuttlebus das Hafengelände verlassen. Entgegen der Ankündigung war die Haltestelle nicht am Busbahnhof, sondern an einer kleinen Wartehalle mehr als 500 Meter davon entfernt und von hier fuhren keine Öffis ab.
Aber es gab Alternativen. Zum einen standen Taxis mit Festpreis zur Verfügung und an einem Schalter wurden Tickets für einen Transfer in die Hauptstadt angeboten. Der Fahrpreis für die Hin- und Rückfahrt war flexibel gehalten: 10 Brunei-Dollar (6,71 €) oder 10 Singapur-Dollar (6,72 €) oder 10 US-Dollar (8,79 €). Gegenüber dem öffentlichen Bus hatte dieses Angebot erhebliche Vorteile, obwohl eine einfache Fahrt mit den Öffis lediglich 1 Brunei-Dollar gekostet hätte:
- Ersparnis von 500 Meter Fußweg in der prallen Sonne ist unbezahlbar.
- Fahrzeit Transfer-Bus ½ Stunde gegenüber 1 Stunde des Öffis.
Der nächste Transfer sollte um 11 Uhr losgehen.
Statt eines Ticket gab es einen Stempel auf die Hand.
Mit nur 4 Personen war der Minibus nicht gerade überfüllt. Als wir nach einer halben Stunde in BSB angekommen waren, erklärte uns der Busfahrer, dass der letzte Bus zurück um 13:00 Uhr fahren würde. So hatten wir eigentlich nicht gewettet, sondern gingen stillschweigend davon aus, dass bis zur Abfahrt der ARTANIA alle Stunde ein Bus zurückfahren würde. Langer Rede kurzer Sinn, wir hatten die Wette stillschweigend verloren und uns verblieben nur 1½ Stunden, um die Stadt zu erkunden.
Eine Sehenswürdigkeit in BSB ist ein überdimensionaler Bilderrahmen (The Frame).
Was daran so besonders ist, erschließt sich erst, wenn man direkt davorsteht und hindurch blickt, ...
... denn dann umrahmt er die prächtige Sultan Omar Ali Saifuddin Moschee.
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Zwei Gastarbeiter aus Bangladesch, die die Parkanlagen in Ordnung halten. Uns waren ein paar Schritte in der Sonne schon zuviel, unvorstellbar hier arbeiten zu müssen.
Das Laufen war in der unerträglichen Hitze mangels Schatten sehr schweißtreibend ...
... und so waren wir eigentlich recht froh, dass wir um 13:00 Uhr schon wieder zurück zum klimatisierten Schiff fahren konnten.
Etwas verspätet legte die ARTANIA um 17:15 Uhr ab, weil noch auf die Rückkehr von 3 Ausflugsbussen gewartet werden musste.
Das zeigt den wohl größten Vorteil der Phoenix-Ausflüge gegenüber privaten Touren. Kommt eine private Tour verspätet am Hafen an, ist der Dampfer weg.
129. Reisetag – Freitag, 25.04.2025 Seetag
Heute stand ein Abschiedscocktail auf dem Programm, obwohl das Ende dieser Reiseetappe erst am 12. Mai sein wird.
Des Rätsels Lösung:
In Bali sind neben den Passagieren, die ganz normal die Reiseetappe von Bali nach Durban gebucht haben, wie sie im Katalog angeboten wird, zwei kleinere Reisegruppen zugestiegen deren Reise in Singapur am 28. April schon wieder zu Ende sein wird. Diese Reisen waren so eigentlich nicht buchbar, aber zwei Reiseunternehmen haben für diese Teilstrecke ein gewisses Kontingent an Kabinen gechartert und eigenständig vermarktet.
Bei dem einen Reiseunternehmen handelt es sich um Holdenried Reisen
und das andere ist das auf Kreuzfahrten spezialisierte österreichische Reisebüro anBORD.
Die Geschäftsführerin von anBord ist Waltraud Hansen, die Ehefrau von Kapitän Morten Hansen. Das wiederum erklärt jetzt, warum auch Kapitän Hansen als normaler Passagier seit Bali mit an Bord ist. Dadurch erweist sich meine vormals hier im Blog geäußerte spekulative Vermutung als falsch, dass Kapitän Hansen als Spezial-Gast vor der Kamera für die Dokusoap „Volle Kraft voraus“ agieren soll. Er begleitet mit seiner Frau die Reisegruppe von anBORD und hat mit den Filmaufnahmen gar nichts am Hut.
130. Reisetag – Samstag, 26.04.2025 Tioman Island/Malaysia
Die kleine Insel Tioman mit seinen 400 Bewohnern lebt hauptsächlich vom nationalen und internationalen Tourismus.
Die ARTANIA lag seit 9:30 Uhr auf Reede ...
... und wartete darauf, dass „die Behörden“ an Bord kommen, um das Schiff freizugeben, damit die Passagiere per Tenderboot peu à peu an Land gebracht werden können.
Die Ankunft dieser Behörden hat sich zunächst verzögert, um dann aber mit 20 Leuten (das entspricht 5% der Insel-Bevölkerung) auf der ARTANIA einzumarschieren. Das Schiff wurde rasch freigegeben und danach konnten sich die 20 Frauen und Männer in Ruhe am Frühstücksbuffet stärken. Es sei ihnen gegönnt. 😊

Dreharbeiten für die Vox-Doku-Soap "Volle Kraft voraus".
Kapitän Burkhard Müller tendert nebst seinem Fahrrad an Land.
Wir tenderten kurz nach 12:00 Uhr, ausgestattet mit Badesachen, an Land, um ein wenig im lauwarmen Meer zu baden.
An der Tenderstation wurden Schnorcheltouren angeboten, was sofort unser Interesse weckte.
Für 70 Ringgit (14 €), so das Angebot, würde man ganz in der Nähe zu einem kleinen Riff gebracht werden, wo eine Stunde lang geschnorchelt werden konnte – Tauchermaske inbegriffen.
Sofort wurden unser Badeambitionen durch die angebotene Schnorcheltour ersetzt. Allerdings sollte es erst um 14:00 Uhr losgehen, sodass wir genügend Zeit hatten in einem großen Ressort etwas zu trinken.
Pünktlich um 14:00 Uhr fanden wir uns am Stand des Schorcheltouranbieters ein, um zu erfahren, dass sich die Sache noch etwas verzögert.
Mit uns hatte noch ein anderes Pärchen, Yvonne und Kevin, die Tour gebucht. Man kam ins Gespräch und wir erfuhren, dass die beiden zu den Protagonisten von „Volle Kraft voraus“ gehörten.
Sie wurden von der Produktionsfirma „Bewegte Zeiten“ gecastet.
Ihre Rolle an Bord war die Zeremonie „Eheversprechen“ zu feiern. Wir erfuhren weiter, dass sie die einzigen Amateure gegenüber den anderen Protagonisten seien. Diese wären alle durchweg Promis.
Da wir bisher an Bord keinen einzigen Promi gesehen hatten, wollten wir wissen, um welche Promis es sich denn handeln würde. Sie zählten etliche Namen auf und im welchen Zusammenhang sie prominent sind. Anscheinend sind wir völlig aus der Zeit gefallen, denn wir kannten davon keinen einzigen Namen. Auch die Fernsehsendungen, aus denen sich deren Promi-Status ableitete, sagte uns wenig bis nichts, bis auf das Dschungelcamp ("Ich bin ein Star, holt mich hier raus"), da hatten wir vor 20 Jahren mal reingeguckt.
Als unsere Tour um 14:30 Uhr immer noch nicht losging, mussten wir etwas massiv werden, um Bewegung in die Sache zu bringen.
Schließlich kam dann doch unser Boot und ruck zuck war die Stunde um.
Es ist immer wieder schön und macht Spaß, die bunten Fische und ganze Schwärme zu beobachten.
Da das Boot an derselben Pier festmachte wir unsere Tenderboote, stiegen wir, nass wie wir waren, um und tenderten zur ARTANIA zurück.
131. Reisetag – Sonntag, 27.04.2025 Singapur/Singapur
Die Einreisekontrollen in Singapur waren immer sehr zeitaufwendig, doch diesmal ging alles mehr oder weniger automatisch, weitgehend ohne Personal. Pass einscannen, Daumenabdruck und Iris scannen lassen und schon geht eine kleine Schranke auf und man kann „einreisen“. Wenn die Technik aber nicht so will wie sie soll, dass passiert ab und an, eilt sofort ein lebendiger Mensch herbei, um weiterzuhelfen.
Wir lagen diesmal zentral am Harbour Front Centre und nicht wie im letzten Jahr außerhalb am neueren Marina Bay Cruise Centre.
Mit der Metro fuhren wir direkt vom Harbour Front Centre mit der Nord-East-Line der Metro nur drei Stationen bis zur Station Clarke Quai.
Wobei „direkt“ hier nicht ganz wörtlich zu nehmen ist, denn der Weg zum Schiff durch die Kontrollen weiter durch die riesige Shopping Mall im Harbour Front Centre zieht sich über mindestens 500 Meter.
Die Station Clarke Quai befindet sich am Singapore River und ganz in der Nähe fahren die Ausflugsboot ab, die für 28 Singapore-Dollar (19 €)in einer ca. 40-minütigen Tour einige Sehenswürdigkeiten abklappern. Bei so einer Kurzkreuzfahrt wollten wir mitfahren.
Die Crew auf diesem Boot, das von einem Elektromotor angetrieben wurde, bestand aus 2 Männern, dem Schiffsführer und einem „Matrosen“. Die Hauptaufgabe des „Matrosen“ war, mit den Smartphones der Gäste Fotos von denselben und von den diversen Sehenswürdigkeiten zu machen.
Eine clevere Idee. So blieben die Leute auf ihren Plätzen sitzen und rannten nicht nach vorn oder hinten, um sich so eine bessere Position zum Fotografieren zu erkämpfen.
Nachdem wir wieder festen Boden unter den Füßen hatten, machten wir uns auf ins Malaysische Viertel, das in Reiseführern als noch sehr ursprünglich und sehenswert beschrieben wird.
Richtig ist, dass die Häuser noch nicht irgendwelchen Betonbauten weichen mussten und das Viertel ist wirklich nett anzuschauen.
Aber ansonsten herrscht hier der übliche Touristentrubel, wie z. B. in Chinatown auch.
Zu Fuß wechselten wir vom Malaysischen Viertel nach Bugis. In diesem Viertel herrscht immer reges Markttreiben und in dieses wollten wir uns stürzen.
Aber am heutigen Sonntag war dort solch ein Betrieb, dass wir nach kürzester Zeit lieber Reißaus nahmen und mit der Metro zurück zum Schiff fuhren.
132. Reisetag – Montag, 28.04.2025 Singapur/Singapur
Bevor die ARTANIA um 15:00 Uhr Singapur verlassen würde, wollten wir vorher noch den obligatorischen Rundgang durch Chinatown unternehmen.
Die MRT-Station „Chinatown“ war nur zwei Metrostationen vom Harbour Front Centre entfernt.
Unser Hauptanliegen war nachzusehen, ob in der Smith Street immer noch tote Hose herrschte oder ob hier wieder die mobilen chinesischen Garküchen Einzug gehalten haben.
Hier hatten wir schon mehrmals gut und zünftig gespeist, aber seit dem letzten Jahr waren die Stände verschwunden. Auch in 2025 herrschte in dieser Straße weiterhin eine gewisse Tristesse.
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Das war neu: An vielen Fassaden wurden sehr schöne, großformatige Gemälde angebracht, die das Chinatown aus vergangenen Tagen darstellen.
In den Paralellstraßen wie der Temple Street oder Pagoda Street brodelte das touristische Leben weiter.
Da man, ohne etwas gekauft zu haben nicht wirklich in Chinatown gewesen war, erweiterten wir unsere Sammlung solarbetriebener chinesischer Winkekatzen.
Außerdem erstanden wir mehrere Paar Socken zum Schnäppchenpreis.
Dann wurde es auch schon wieder Zeit, zum Schiff zurück zu kehren.
Um 15:00 Uhr verließen wir die Metropole Singapur.
133. Reisetag – Dienstag, 29.04.2025 Port Kelang/Malaysia
Rund um das Passagierterminal von Port Kelang ist nichts, aber auch gar nichts. Auch Frachtschiffe sucht man hier vergebens, denn der eigentliche Hafen ist eine ganze Ecke weiter. Port Kelang ist der Hafen der 50 Kilometer entfernten Hauptstadt Kuala Lumpur.
Auf Empfehlung eines Mitreisenden hatten wir die Batu Caves am Nordrand von Kuala Lumpur im Visier.
Über die Internetplattform TripAdvisor buchten wir ein Fahrzeug mit Fahrer, der uns dorthin bringen sollte. Vorab konnte der Kontakt mit Izam, so hieß unser Fahrer, bereits über WhatsApp hergestellt werden.
So konnten wir vereinbaren, dass er am Terminal mit einem Schild auf uns wartete.
Für die 60 Kilometer zu den Batu Caves (Batu-Höhlen) benötigten wir gut anderthalb Stunden, teils über mehrspurige Mautstraßen, wo wir flott vorankamen, aber auch über Straßen, wo es eher etwas zähflüssig lief.
Bei den Batu Caves handelt es sich um Kalksteinhöhlen, die mehrere Hindutempel beherbergen.
272 steile Treppenstufen führten vom Vorplatz hinauf zum Eingang der Haupthöhle.
Unser erster Gedanke war: „Das tun wir uns nicht an!“, schließlich gab es auf dem Vorplatz auch einiges zu sehen, einschließlich mehrerer Tempel, Souvenirläden und Restaurants.
Der zweite Gedanke war, zumindest ein Stück der farbigen Treppe zu erklimmen.
Letztendlich waren Ehrgeiz und Neugier größer als der innere Schweinehund, der uns davon abhalten wollte, bei den schwülwarmen Temperaturen sportliche Höchstleistungen an den Tag zu legen.
Oben angekommen ...
... und nach dem Betreten der Höhle, das gleiche Spiel von vorn, ...
... waren doch im Höhleninneren weitere Stufen zu bewältigen.
Zuerst hatte der innere Drückeberger wieder die Oberhand, wurde dann aber doch von der ebenfalls vorhandenen inneren touristischen Fraktion zum Schweigen gebracht.
Der anschließende Treppenabstieg zurück zum Vorplatz war:
- alternativlos (weil wir sonst für immer in der Höhle verweilen müssten),
- nicht besonders anstrengend.
Das eigentlich zweidimensionale Muster der Pflastersteine auf dem Vorplatz spielte dem menschlichen Gehirn einen Streich, indem ihm vorgegaukelt wurde, auf übereinander getürmten Würfeln zu stehen.
Ließ man den Blick über den Platz schweifen, war von einer optischen Täuschung wenig zu merken, …
… aber ganz anders wenn man den Blick nach unten richtete.
Nach der Beendigung des Besuchs der Batu Höhlen hatte unser Fahrer noch ein reichhaltiges Besichtigungsprogramm in Kuala Lumpur selbst mit uns vor. Aber nach 2 Tagen Singapur stand uns nicht so richtig der Sinn nach Wolkenkratzern und Hochhäusern. Also dampften wir sein Programm auf die folgenden 3 Punkte ein:
- Königspalast Istana Negara
- Central Market
- Petronas Twin Towers
Der Königspalast war nur aus der Ferne durch die Gitterstäbe eines schmiedeeisernen Zauns zu besichtigen
Am Central Market gab es keine freien Parkplätze mehr, also lud uns der Fahrer dort ab, um irgendwo anders einen Parkplatz zu finden.
Wir vereinbarten, dass er uns in einer halben Stunde hier wieder einladen könne.
Wir hatten uns unter dem Central Market einen bunten exotischen Markt vorgestellt.
Der Markt war aber nur eine große klimatisierte Shopping-Mall mit Boutiquen, schicken Restaurants, Schmuckläden und Ähnlichem.
Nach 10 Minuten waren wir hier durch. Jetzt erwies es sich als großen Vorteil, dass wir mit dem Fahrer eine WhatsApp-Gruppe gegründet hatten. Per WhatsApp-Sprachanruf konnten wir ihm mitteilen, dass er uns jetzt und sofort wieder abholen könne.
Am Central Market waren wir auf eine Phoenix-Ausflugsgruppe gestoßen. Von einer Teilnehmerin erfuhren wir, dass sie bereits bei den Petronas Twin Towers waren und in einem Park die Türme sehr schön sehen konnten. Das wäre viel besser als der Fotostop an der Straße.
Mit diesem Insiderwissen konnten wir unseren Fahrer problemlos umrouten und uns zu besagtem Park bringen lassen. Wie alles bei Izam: „No problem“.
Um auf die Besucherplattform hochzufahren, hätten wir ewig lange in einer Menschenschlange ausharren müssen. Hierzu hatten wir weder Lust noch Zeit.

Erkenntnis beim Tankstopp:
Benzin ist billiger als in Deutschland. Super kostet hier 3,18 Ringgit pro Liter, das sind umgerechnet 0,66 Euro.
Die Rückfahrt nach Port Kelang dauerte mit 2 Stunden etwas länger als die Hinfahrt.
Bei unserer Rückkehr sahen wir, dass inzwischen einige Foodtrucks am Terminal Station gemacht haben.
Über mangelnde Kundschaft schienen sie nicht klagen zu müssen, denn viele Crewmitglieder ließen es sich hier schmecken.
Um 18:00 Uhr legte die ARTANIA ab, wegen der dort herrschenden starken Strömungen mit der Unterstützung von 2 Schleppern.
Dabei kam es beim Schlepper, der über ein Tau mit dem Heck der ARTANIA verbunden war, zu einem Problem. Das Tau hatte sich am Schlepper mit einem der Reifen, die als Stoßpuffer dienen, verheddert.

Foto: © Karberg & Hennemann GmbH & Co. KG
Da ich selbst kein passendes Foto habe,
hier eines aus dem Netz.
Das Bild soll nur die Situation etwas verdeutlichen.
Dadurch konnte der Schlepper das Tau nicht mehr über seine Seilwinde einziehen.
Ein Besatzungsmitglied des Schleppers versuchte verzweifelt, das Tau wieder freizubekommen, was nicht ganz ungefährlich war und was immer wieder misslang.
Diese Fehlversuche erheiterten ein Grüppchen, das neben uns an der Reling stand, außerordentlich. Mit jedem Fehlversuch wurde ihr schadenfrohes Gelächter lauter und lauter. Als das Besatzungsmitglied bei einem weiteren Versuch stürzte, konnten sie sich vor Freude kaum noch zurückhalten.
Angewidert suchten wir uns einen anderen Platz.
Schließlich löste die ARTANIA die Verbindung und der Schlepper fuhr im Rückwärtsgang zurück zum Hafen und zog das lose Tau hinter sich her.
Vor uns lagen jetzt 7 Seetage. Da wir nicht, wie ursprünglich mal geplant, durchs Rote Meer und den Suezkanal zurück nach Europa fahren können, muss der Umweg rund um Afrika gehen. Deshalb nahmen wir direkten Südwestkurst nach Mauritius ohne jeden Zwischenstopp.
134. Reisetag – Mittwoch, 30.04.2025 Seetag
Hurra, das Artania-Restaurant ist seit gestern wieder dauerhaft für das Frühstück geöffnet.
Mit Beginn des neuen Reisabschnitts auf Bali hatte irgendeine oberste Heeresleitung (Hotel-Department?, Phoenix Bonn?) beschlossen, das Artania-Restaurant für das Frühstück nicht mehr zu öffnen.
Der Grund lag auf der Hand, wir waren ab Bali nur noch 600 Passagiere und ab Singapur nur noch 350, da kann man eine Kostenstelle einsparen.
Zu den Mittags- und Abendmahlzeiten war das Artania-Restaurant aber nach wie vor offen.
Von der Schließung waren wir unmittelbar betroffen, da wir seit Beginn dieser Reise und auch auf den Reisen davor immer im Artania gefrühstückt haben.
Ein Ausweichen auf die Restaurants Vier Jahreszeiten oder Lido war keine befriedigende Alternative, weil das Ambiente dort mit dem Artania nicht vergleichbar ist. Das sehr viel größere Vier Jahreszeiten gleicht ein wenig einem Speisesaal und nicht einem gediegenen Restaurant und das Lido ähnelt sowieso eher einer Werkskantine. Und lauter als im Artania ist es in beiden.
Deshalb haben wir sofort gegen die Schließung protestiert.
„Halt, Halt" wird jetzt der aufmerksame Leser einwerfen. Zum Mittag- und Abendessen geht ihr doch ins kantinenenartige Lido. Warum geht ihr da nicht ins "ambientösere" Artania?
Antwort: Das ist eine Frage des Abwägens.
ARTANIA und Vier Jahreszeiten sind Bedienrestaurants. Das heißt hier kann bzw. muss man Mittags und Abends aus drei Menüs eines auswählen und ab dann wird gegessen, was auf den Tisch kommt.
Im Lido kann vom Buffet sowohl Menge als auch Zusammenstellung selbst bestimmen werden. Wenn man es denn will (und es gerade angeboten wird), kann man sich ein Menü à la Griesbrei mit Rollmops zusammenstellen.
Kurzum: Buffetauswahl hat für uns die höhere Priorität gegenüber Ambiente.
Und da Frühstück in allen drei Restaurants in der uns genehmen Buffetform angeboten wird, ist klar, warum wir da dem Artania den absoluten Vorzug geben.
Aber zurück zu unserem Protest.
Im Gespräch mit dem Kreuzfahrtdirektor erklärten wir unsere Sichtweise und wiesen auch auf den Phoenix-Katalog hin, wo wörtlich nachzulesen ist: „Zwei gleichwertige Restaurants stehen zur Auswahl. … Das Lido Buffet-Restaurant … bietet auch abends mit Buffets eine weitere Option.“
Wir argumentierten, dass aus Kostengründen das Artania geschlossen wird und damit aber eine zugesagte Leistung, nämlich die Auswahlmöglichkeit, wegfällt. Gegen eine verkürzte Öffnungszeit wäre aus unserer Sicht allerdings nichts einzuwenden.
Der Kreuzfahrtdirektor versprach, mit den Verantwortlichen noch einmal Rücksprache zu halten.
Das Ergebnis der Rücksprache war allerdings nicht in unserem Sinne. Das Artania würde nach wie vor zum Frühstück geschlossen bleiben, aber keineswegs aus wirtschaftlichen Gründen. Vielmehr hätten ökologische Gründe den Ausschlag gegeben. Wäre das Artania weiterhin offen, müsste viel zu viele Lebensmittel vernichtet werden, denn was einmal aus der Küche rauskommt, darf nicht noch einmal verwendet werden.
Im Umkehrschluss bedeutet das, dass wir an der Lebensmittelverschwendung schuld sind, sollten wir weiter auf einer Öffnung bestehen.
Da der Kreuzfahrtdirektor nur der Überbringer der schlechten Nachricht ist und nicht derjenige der die Entscheidung getroffen hat, gingen wir friedlich auseinander.
Was uns aber nicht davon abhielt, eine kurze E-Mail an Phoenix Bonn zu schreiben, in der sinngemäß stand, wenn man kleinere Platten und kleinere Schüsseln aufs Buffet stellt, dann bleibt auch weniger übrig.
Mit dem ökologischen Scheinargument dürfte nämlich kein Hotel und kein Gasthof mit weniger als 100 Frühstücksgästen überhaupt ein Buffet anbieten.
Ob es nun unsere E-Mail war oder auch andere Gäste interveniert haben, wissen wir nicht und ist auch egal.
Die Hauptsache ist, dass nach 12 Tagen Schließung das Artania morgens wieder geöffnet ist.
135. Reisetag – Donnerstag, 01.05.2025 Seetag
Heute war wieder mal Tag des Visums. Im Tagesprogramm und im Bordportal wurde informiert, dass wir für einen Landgang in Namibia (18.5 -19.52025) jeweils ein Visum benötigen, das im Internet zu beantragen ist. Entweder beantragt man das Visum im Internet selbst oder beauftragt Phoenix gegen eine Gebühr von 15 €.
Das entsprechende Online-Beantragungsformular, das das Ministry of Home Affairs, Immigration, Safety and Security verbrochen hat, ist nicht so ganz ohne.
So müssen z. B. der Reisepass im PDF-Format und zusätzlich das zugehörige Passbild im JPG-Format auf den Server des Ministeriums hochgeladen werden. Die Visumgebühr von 300 Namibischer Dollar (14,25 €) ist ebenfalls online per Kreditkarte zu entrichten.
Auch wenn bis zu unserer Ankunft in Namibia noch etwas Zeit ist, waren heute Vormittag etliche Gäste an ihren Smartphones und Tablets aktiv, um den Kampf mit dem Online-Beantragungsformular aufzunehmen.
Blöd nur, dass es gerade heute Vormittag massive Probleme mit dem Internetzugriff über das ARTANIA-WLAN gab. Die Verbindungen brachen immer wieder ab, es gab sogenannte Time-Out Fehler, kurzum, die Beantragung des Visums war zum Scheitern verurteilt.
Bei einer Rückfrage an der Rezeption räumte man ein, dass es Probleme gibt.
Die IT (Information Technology) würde daran arbeiten, man solle es später noch einmal versuchen.
Wann „später“ sein sollte, konnte man uns nicht sagen.
Und so versuchten viele der mutigen Antragsteller ungefähr alle 15 Minuten wieder ihr Glück, um erneut auf den Bauch zu fallen. Einige wussten gar nicht, dass das Problem nicht bei Ihnen, sondern am Schiffs-WLAN lag.
Und genau hier setzt meine Kritik an.
Technische Pannen können immer passieren, das ist nicht die Frage.
Aber ich hätte erwartet, dass die Passagiere über das stotternde Internet informiert worden wären, damit sich nicht jeder Einzelne diese Info abholen muss.
Und vor allem wäre es sehr hilfreich gewesen, später bekannt zu geben, dass die Internet-Chose wieder am Laufen war.
Stattdessen lässt man die Leute lieber im Dunkeln tappen.
Etwas mehr Respekt den Gästen gegenüber könnte nicht schaden.
Hier hat auch anscheinend die Kommunikation zwischen dem verantwortlichen Department und der Phoenix-Reiseleitung nicht richtig funktioniert, denn der Kreuzfahrtdirektor war einer der Letzten, der von der Internet-Problematik erfahren hat.
136. Reisetag – Freitag, 02.05.2025 Seetag
Um 16:00 Uhr hielt Kapitän Burkhard Müller einen sehr interessanten technischen Vortrag über die Brücke der ARTANIA.
Moderiert wurde die Veranstaltung vom Kreuzfahrtdirektor Moritz Stedtfeld. Gekonnt warfen sich dabei Müller und Stedtfeld die Bälle zu und der Kapitän bewies erneut, dass er ein wunderbarer Erklär-Bär ist, der technische Sachverhalte verständlich und klar formuliert rüberbringen kann.
Heute Morgen gegen 6:00 Uhr hatten wir erneut den Äquator überquert. Erst vor 11 Tagen am Ostermontag hatten wir den 0. Breitengrad von Süd nach Nord überfahren und jetzt befinden wir uns schon wieder auf der Südhalbkugel.
Da die Äquatortaufe mit allem Drum und Dran auf dieser Etappe bereits schon einmal zelebriert wurde, gab es heute nur eine Zeremonie light.
137. Reisetag – Samstag, 03.05.2025 Seetag
Mittlerweile hatten wir heute den 4. Seetag in Folge.
Die Reiseleitung lässt sich immer wieder etwas einfallen, damit es den Leuten nicht langweilig wird und sie am Ende einen Lagerkoller bekommen.
So gab es im heutigen Tagesprogramm wieder einige völlig neue Programmpunkte wie den Tanztee oder das Wale-Suchen.
Aber auch der beliebte Grillabend wurde wieder angeboten.
Doris nahm heute an einer sogenannten Küchenbesichtigung teil, die den Namen allerdings nicht so richtig verdient hatte.
Die Besichtigungsruppe wurde in einen Vorraum geführt und der Küchenchef Aleksei Anisimov hielt einen längeren Vortrag ...
... und stellte die Köche vor.
Die Räume der Großküche durften aus Sicherheits- und Hygienegründe nicht besichtigt werden und somit gab es keine Möglichkeiten, mal in die überdimensionalen Töpfe zu gucken.
Hier könnte doch die Idee der gestrigen „virtuellen Brückenführung“ kopiert werden. Bei der virtuellen Brückenführung präsentierte der Kapitän in der Atlantik Lounge detaillierte Fotos von der Brücke und den dort vorhandenen Gerätschaften und erklärte deren Funktionen. Die „echte“ Brückenbesichtigung war dann nur ein schnelles Durchschleusen der Leute, um die Störungen der dortigen Arbeitsabläufe zu minimieren.
Bei einer „virtuelle Küchenführung“ könnte man dann auch in die Töpfe gucken.
138. Reisetag – Sonntag, 04.05.2025 Seetag
Und am Seetag Nummer 5 gab es wieder etwas völlig Neues. Die Phoenix-Ideenschmiede arbeitete anscheinend auf Hochtouren.
Am Ende konnten mehr als 600 gelaufene Runden bilanziert werden.
139. Reisetag – Montag, 05.05.2025 Seetag
Auch heute wurden die Passagiere mit Programmpunkten, die es bisher noch nicht gegeben hatte, bei Laune gehalten.
Da ist zunächst der Captain‘s Talk zu nennen.
Kapitän Burkahardt Müller erläuterte in einem Powerpoint-Vortrag technische Aspekte rund um Schiffe im Allgemeinen und um die ATTANIA im Besonderen. So lernte der aufmerksame Zuhörer etwa physikalische Details über das Zusammenspiel zwischen Schiffsschraube und Ruder oder inwieweit starker Wind das Anlege- oder Ablegemanöver erschweren kann. Für die Windgeschichte musste sogar ein wenig Mathematik herhalten. Die Kraft, die auf das Schiff wirkt, kann über die Formel
F = K × A × V2
berechnet werden:
Wobei:
- F: Kraft,
- K: schiffsspezifische Konstante (Koeffizient),
- A: (Angriffs)Fläche,
- V: Geschwindigkeit.
Interessant an dieser Formel ist, dass die Windgeschwindigkeit als quadratische Größe eingeht, das heißt, dass z. B. doppelte Windgeschwindigkeit eine 4-fache Kraft bewirkt.
Die Atlantik Lounge war sehr gut besucht.
Erst ab 17:45 Uhr verließ dann doch der ein oder andere Zuhörer den Saal, was aber nicht an der in geringen Dosen eingestreuten Physik und Mathematik gelegen hat, sondern wohl eher dem Abendessen geschuldet war, für das ab 18:00 Uhr die Pforten der Restaurants geöffnet werden. Denn es ist bei einigen ein beliebter Brauch, sich schon vor den Öffnungszeiten an den Restauranttüren zu positionieren, um sofort bei deren Öffnen dem Lieblingstisch zuströmen zu können.
Nachdem der Kapitän noch einige Fragen aus dem Auditorium beantwortet hatte, ging nach zwei Stunden eine gelungene Veranstaltung zu Ende.
Ich hoffe auf eine Fortsetzung.
Ebenfalls neu war die Einstimmung auf die heutige abendliche Show.
Da die Show „Crazy“ sein würde, wurde das Treppenhaus vor der Atlantik Show Lounge für eine halbstündige verrückte Mini-Party „missbraucht“.
140. Reisetag – Dienstag, 06.05.2025 Seetag
Heute war der letzte der 7 Seetage am Stück. An Bord gab es keine besonderen Vorkommnisse, während in Deutschland der neue Kanzler mit gewissen Hindernissen gewählt wurde.
Nach der Kaffeestunde spielten Doris und ich, wie sehr oft an Seetagen, in der Kopernikus Bar eine Partie Scrabble.
Meist gewinnt Doris.☹
Sonnenuntergang war bereits um 17:40 Uhr.
141. Reisetag – Mittwoch, 07.05.2025 Port Louis/Mauritius
Nach 7 Tagen auf See und zurückgelegten 3.205 Seemeilen (5.935 Kilometer) machte die ARTANIA in Port Louis, der Hauptstadt des Inselstaats Mauritius an der Pier des Passagier-Terminals fest.
Wir lagen hier auch schon in 2020 und 2023 für jeweils 3 Tage. Seinerzeit fand hier jeweils ein Passagierwechsel statt, deshalb damals die langen Liegezeiten. Wir hatten natürlich die reichlichen Liegezeiten genutzt, Port Louis und die nähere und weitere Umgebung zu erkunden.
Dementsprechend begannen wir unseren heutigen Landgang eher entspannt und wir gehörten nicht zu der Klientel, die schon an der Ausstiegsluke steht, bevor überhaupt die Gangway angebracht worden ist. 😊.
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Bevor wir das Schiff verlassen konnten, mussten wir erst noch das Beilegen des Versorgungsschiffs an die ARTANIA beobachten.
Die ARTANIA wollte 700 Tonnen Treibstoff bunkern.
In der von Phoenix am Vorabend herausgebrachten Landgangsinformation war zu lesen, dass die Kosten für eine Taxifahrt ins 2 Kilometer entfernte Zentrum 40 Euro kosten sollte. Das klang zwar unwahrscheinlich, aber es schien zumindest zu signalisieren, dass Taxifahrten nicht zum Schnäppchenpreis zu haben waren.
Die Preisverhandlungen begannen allerdings nicht bei 40 €, sondern „nur“ bei 20 € und waren dann aber bei10 € restlos ausgereizt.
Da der Fußweg sogar noch um 500 Meter kürzer war als die 2 Straßenkilometer für PKW, war Laufen beinahe alternativlos.
Aber mit den knapp 2 Kilometern bis zur Waterfront und weiter zum Place d'Armes und der Markthalle war es nicht getan.
Diesmal nahmen wir die Zitadelle „Fort Adelaide“ in Angriff. Bei unserem letzten Aufenthalt betrachteten wir diese Steinfestung aus dem 19. Jahrhundert nur von unten, da sie, wie bei Festungen nicht unüblich, auf einem 100 Meter hohen Hügel gebaut wurde und der schweißtreibende Aufstieg ein erhebliches mentales Hindernis darstellt.
Aber diesmal gingen wir es tatsächlich an.
Gemäß den Standardtexten in den einschlägigen Reiseführern wurden wir nach einem anstrengendem Aufstieg mit einem atemberaubenden Ausblick belohnt.
Auf dem Rückweg kauften wir noch ein paar Bananen und Apfelsinen ein und kehrten total durchgeschwitzt auf die ARTANIA zurück.
Man kann sich übrigens nicht nur mit einem „atemberaubenden Ausblick“ belohnen, sondern auch gleich nach der Rückkehr mit einem kühlen Bier aus dem Kabinen-Kühlschrank.
Ein echter Passagierwechsel fand diesmal nicht statt, weil hier ja kein Reiseabschnitt gemäß Katalog zu Ende gegangen war.
Allerdings stiegen etwa 150 neue Passagiere ein. Platz genug war vorhanden, da wir seit dem Start der Etappe „Von der Götterinsel Bali bis nach Südafrika!“ mit nur 350 Gästen unterwegs waren.
Die Reisebüros Holdenried Reisen und COLUMBUS Reisen hatten für die Strecke Port Louis – Kapstadt ein entsprechendes Kabinenkontingent gechartert.
Somit waren jetzt 500 Passagieren an Bord, eine immer noch angenehme Anzahl.
Um 18:00 Uhr verließ die ARTANIA ihren Liegeplatz am Passagierterminal und nahm Kurs auf den nur 138 Seemeilen entfernten Hafen Le Port auf La Réunion.
142. Reisetag – Donnerstag, 08.05.2025 Le Port/La Réunion
La Réunion gehört zu den sogenannten französischen Überseegebieten und gehört somit auch zur Europäischen Union, aber nicht zum Schengen-Raum, schreibt Wikipedia.
Ganz wichtig für die meisten Passagiere war, dass für Telefon und mobilen Internetzugang keine Roaming-Gebühren anfallen, da wir uns ja quasi “mitten“ in Europa befanden.

Riesige Einzelteile von Windrädern aus dem französischen Mutterland lagern hier im Hafen.
Von den Bergen drohen Regenwolken.
Der Name Le Port (franz.: Der Hafen) für eine Hafenstadt ist einfach und zweckmäßig, aber nicht sehr kreativ.
Le Port liefen wir, genau wie Mauritius, schon 2023 und 2020 an und zwar in jedem der Jahre zweimal, was an der etwas außergewöhnlich Routenführung lag:
- Anlaufen Le Port (Liegezeit 1 Tag),
- danach Anlaufen Port Louis/Mauritius (Liegezeit 3 Tage mit Passagierwechsel)
- und danach wieder Le Port (Liegezeit 1 Tag).
Warum ich das extra erwähne? Um zu erklären, warum heute unser Landgang äußerst kurz ausgefallen ist, da wir hier schließlich schon viermal waren. Sightseeing in Le Port selbst und auch in der Hauptstadt Saint-Denis muss man nicht unbedingt mehrmals machen. Außerdem war heute Feiertag, der sogenannte VE-Day (Victory in Europe), der Gedenktag an das Ende des 2. Weltkriegs durch die Kapitulation Deutschlands.
Das hatte schon mal zur Folge, dass der sonst eingesetzte (kostenpflichtige) Shuttle in die City heute nicht fuhr.
Dass die Geschäfte weitgehend geschlossen blieben, war jetzt nicht so entscheidend.
Die Information am Hafenausgang konnte uns auch nicht den ungefähren Taxipreis in die Stadt nennen. Die Auskunft, „die fahren mit Taxameter“ konnten wir nicht in Euro (der hier Zahlungsmittel ist) umrechnen.
Die Wetterprognose war auch nicht so rosig, da Regen angesagt war.

Wohlwissend, dass am Feiertag die Haltestelle am Hafen nicht angefahren wird, nahmen wir hier erst mal Platz, um unser weiteres Vorgehen zu beratschlagen.
So fiel letztlich die Entscheidung, vom Hafenausgang mit dem Hafen-Shuttle (nicht zu verwechseln mit dem City-Shuttle) zurück zur ARTANIA zu fahren, eine Runde im Pool zu schwimmen und schwerpunktmäßig zu faulenzen.
143. Reisetag – Freitag, 09.05.2025 Seetag
Mit beinahe Höchstgeschwindigkeit (20 Knoten = 37 km/h) rasen wir auf Durban/Südafrika zu – Ankunft am Montag, 12.5.2025.
Madagaskar lassen wir links liegen (eigentlich steuerbord, also rechts), weil wir keine Zeit haben. Wir müssen ja noch um ganz Afrika rum, weil die Abkürzung durch das Rote Meer und den Suezkanal zurzeit zu gefährlich ist.
Als vor 3 - 4 Jahren die Route von Phoenix geplant wurde, gab es das Problem mit der Terrororganisation der Huthis noch nicht.
Aber dann musste im Nachhinein bei gleicher Zeitvorgabe (2.6.2025 Ankunft zumindest irgendwo in Europa) und viel längerem Weg eine Alternative gefunden werden. Die Alternativroute hat nun den Nebeneffekt, dass viel und schnell gefahren wird und sich außerdem zwangsläufig die Anzahl der Landgänge reduziert.
144. Reisetag – Samstag, 10.05.2025 Seetag
In den Tagesprogrammen sind immer mal wieder die folgenden Hinweise zu lesen …
- AUS GEGEBENEN ANLASS Wir möchten Sie bitten, keine Liegen auf den Außendecks sowie im Ruheraum des Spa-Bereichs über längere Zeit ungenutzt zu reservieren.
- Es wird gebeten, davon abzusehen, Füße auf Stühle, Polster oder Fensterbänke zu legen.
- Es wird gebeten, sich vor dem Betreten der Restaurants die Hände zu desinfizieren.
… aber ob in China ein Sack Reis umfällt oder ein gewisser Bodensatz des hiesigen Publikums sich nicht an diese Regeln hält, ist ungefähr das Gleiche, es passiert nichts weiter.
Die Phoenix-Reiseleitung und das Hotel-Department sorgen nicht einmal ansatzweise für die Einhaltung dieser Regel.
Sollen das die Gäste unter sich regeln? Wer’s mal versucht hat und deshalb übelst beschimpft wurde, lässt es beim nächsten Mal lieber sein.
Auch ist in den Restaurants offiziell keine Tischreservierung möglich, abgesehen von einmaligen Events, wie Geburtstage etc.
Im Gegenteil, angeblich ist das Reservieren den Kellnern strikt untersagt, gegen ein kleines (oder größeres) Entgelt dafür zu sorgen, dass der Lieblingstisch freigehalten wird.
Soweit die Theorie. Leider kann kein laminiertes Schild „Reserviert für Familie Schummel“ angebracht werden, um andere Gäste fernzuhalten. Eine weitere Möglichkeit könnte sein, den Tisch erst dann einzudecken, wenn Familie Schummel Platz genommen hat. Das geht aber auch nicht, da grundsätzlich alle Tische eingedeckt werden, selbst bei niedriger Passagierzahl, wie erst vor kurzem, als nur 350 Passagiere an Bord waren, wo man durchaus in allen Restaurants die Hälfte der Plätze hätte einsparen können.
Was ist also zu tun? Ganz einfach: Kurz vor Öffnung des Restaurants stellt ein Kellner auf den zu reservierenden Tisch schon mal Gläser mit Saft oder Wasser hin und legt die aufrecht drapierten Servietten um, so dass der Eindruck entsteht, dass hier schon jemand sitzt und sich nur gerade am Buffet einen Salat holt.
Die Saalaufsichten, die sogenannten Supervisor, müssten das eigentlich erkennen und vor allem unterbinden. Aber entweder sind sie blind oder sie schauen bewusst weg.
Jetzt, wo wir relativ wenige Passagiere an Bord sind, sind solche Reservierungen hochgradig albern.
Aber ab dem 2. Juni auf der Passage von Gran Canaria nach Bremerhaven wird der Dampfer pickepacke voll sein, dann können die Plätze in den Stoßzeiten schon mal knapp werden und durch solche Reservierungstechniken wird die Knappheit noch verstärkt.
145. Reisetag – Sonntag, 11.05.2025 Seetag
Beim Frühstück verriet uns ein Kellner, dass der für heute am inzwischen 3. Seetag anstehende Stadl-Frühschoppen nicht als Open-Air-Veranstaltung in der Kopernikus Bar stattfinden wird, sondern im Restaurant Vierjahreszeiten. Der Grund: Starker Seegang. Von dem war aber beim Frühstück noch gar nichts zu spüren.
Wir gingen mit unserem Insiderwissen ein wenig hausieren, aber wegen des geringen Schaukelns ging man davon aus, dass wir vielleicht etwas missverstanden haben müssten.
Bei seiner 10-Uhr-Durschsage ging der Kapitän näher auf das zu erwartende Wetter ein. Wind und Wellen sollten stetig mehr werden. Anschließend gab der Kreuzfahrtdirektor offiziell die Verlegung des Frühschoppens bekannt.
Und siehe da, um 11 Uhr war das Schwanken des Schiffs schon so stark angeschwollen, dass ein Schunkeln zur Frühschoppenmusik nicht mehr notwendig war.
Am heutigen Sonntag wäre bei der Kaffeestunde eigentlich Schwarzwälder-Kirsch-Tag gewesen, aber da auch Muttertag war galt:
Muttertag sticht Schwarzwälder-Kirsch-Tag!
Deshalb gab es aus gegebenen Anlass stattdessen eine rosarote Torte.
Der Wind wurde stärker (bis zu Windstärke 11).
Die Wellen wurden hoch und höher und zusätzlich zu der stetigen Schaukelei kam es immer mal wieder zu einer unerwartet sehr heftigen Schiffsbewegung, verursacht dadurch, dass die ARTANIA mit dem Bug heftig auf dem Wasser aufschlug.
Irgendwann flogen ungesicherte Gegenstände durch die Kabine und durch das Badezimmer.
Zu so einer Bewegung kann es auch am Abend, als wir in Harry‘ Bar saßen und die Kellnerin gerade Doris‘ Espresso und mein Weizen auf dem Tischchen, an dem wir saßen, abgestellt hatte. Bierglas und Tasse setzten sich in Bewegung. Doris‘ Versuch die marschierenden Behältnisse aufzuhalten, schlug fehl. Behältnisse nebst Flüssigkeiten (Bier ½ Liter) landeten zusammen mit Tagesprogramm und Landgangsinformation auf dem Boden. Zum Glück überstanden Tasse und Bierglas den Sturz, ohne zu zerbrechen.
Leider hatte ich in dem Schreck verabsäumt, das Stillleben auf dem Fußboden zu fotografieren. Bleibt nur noch zu erwähnen, dass der Teppich innerhalb kürzester Zeit die gesamte Flüssigkeit aufgesaugt hatte, bis auf denjenigen Kaffeeanteil, der auf Doris‘ Hose und Schuh verblieben war.
Ein neuer Kaffee und ein neues Weizen ging dann dankenswerterweise aufs Haus.
146. Reisetag – Montag, 12.05.2025 Durban/Südafrika
Über die Internetplattform TripAdvisor hatten wir eine private, individuelle Tour zur Nelson Mandela Capture Site (Ort der Gefangennahme von Nelson Mandela) und den Howick Wasserfällen gebucht; Kosten ca. 300 Euro.
Sobald man gebucht hat, ist es möglich, über den TripAdvisor Messanger mit dem Tourenveranstalter Kontakt aufzunehmen.
Allerdings war die Kommunikation mit dem Anbieter unterirdisch. Als wir mit ihm eine alternative Uhrzeit und den Treffpunk festlegen wollten, passierte erst einmal gar nichts. Erst auf erneute Anforderung meldete er sich und stellte uns die Frage, um welchen Ausflug es sich handeln würde, obwohl wir Buchungsnummer und Datum der Tour angegeben hatten. Da uns das nicht gefallen hat und wir befürchteten, dass es da wohl noch weitere organisatorische Mängel geben könnte und wir die Zuverlässigkeit bezweifelten, hatten wir bereits vor zwei Tagen die Sache wieder storniert, was bei TripAdvisor kein Problem ist. Man kann bis 24 Stunden vor Tourbeginn kostenlos stornieren und bekommt umgehend seine Zahlung zurückgebucht.
Heute früh um 7:30 Uhr, die ARTANIA hatte Durban noch gar nicht erreicht, erhielt Doris einen Anruf über WhatsApp. Der Fahrer unserer stornierten Tour wollte wissen, wo wir denn blieben und wo wir eigentlich gerade sind. Nachdem Doris erklärte hatte, dass die Tour storniert wurde, beendet er wortlos die Verbindung. Er hatte übrigens schon mal um 5:30 Uhr versucht anzurufen, aber da war Doris‘ Telefon noch auf „stumm“ geschaltet gewesen
Unser Verdacht auf Organisations-Chaos hatte sich dadurch noch einmal bestätigt.
Nach des Passkontrolle verließen wir kurz vor 10 Uhr das Terminalgebäude von Durban und standen alsbald einem Mann gegenüber, der ein Schild trug, auf dem diverse Ziele in und um Durban aufgeführt waren, auch die Howick Wasserfälle und die Nelson Mandela Capture Site.
Eine Tour für uns beide in einem Taxi zu diesen beiden Destinationen? Kein Problem, eine Stunde hin 2 Stunden Aufenthalt und eine Stunde zurück, so der Schildträger. Es folgte die Aufforderung, mitzukommen und in ein Fahrzeug einzusteigen. Es wäre ein absoluter Anfängerfehler gewesen, jetzt keine Preisverhandlungen zu führen.
Unsere Frage: „How much?“ wurde freundlich mit: „500 US-Dollar“ beantwortet. Damit war für uns jedwede Verhandlung obsolet, also verabschiedeten wir uns mit einem mehr oder weniger entsetztem, mitleidigem Lächeln.
Wir waren noch keine 5 Schritte gelaufen, da holte uns der tourenverkaufende Schildträger ein und fragte, was wir denn zahlen wollten. Wir erklärten: „200 Dollar – not more!“ und der Deal war perfekt.
Jetzt wurde der Fahrer, Chris, herbeigerufen und wir klopften noch einmal alle Eckdaten fest – Ziele, Preis und Dauer – und los ging die Fahrt.

Die Schilder mit der Geschwindigkeitsbegrenzung auf der N3 hatten für Chris, unseren Fahrer, nur symbolischen Wert und dienten eher dekorativen Zwecken.
Nach wenigen Kilometern durch Durban fuhren wir auf den Highway N3 auf.
Auf dieser Autobahn mussten wir fast 100 Kilometer bleiben, ehe wir die Ausfahrt 107 Richtung Tweedie erreichten. Von dort wäre es dann nur noch ein Katzensprung zur Nelson Mandela Capture Site gewesen.
Ich schreibe ganz bewusst „wäre“,
denn unser Fahrer fuhr seelenruhig an dieser Ausfahrt vorbei.
Mir fiel das nur deshalb auf, weil ich kurz vorher auf meinem Smartphone nachsehen wollte, wie weit es noch wäre, da wir trotz rasanter Fahrweise von Chris schon fast 1½ Stunden unterwegs waren. Die Ursache für diese Irritation erklärte sich dadurch, dass das Smartphone unseres Fahrers, über das er sich routen ließ, die Verbindung zum Internet verloren hatte und er nach Gefühl fuhr, obwohl er sich in der Gegend hier überhaupt nicht auskannte, wie sich nach und nach herausstellte.
Ich zumindest hatte keine Probleme mit dem Internet. Vielleicht liefen unsere Smartphones über einen anderen (besseren?) Mobil-Provider oder unser Fahrer hatte sein Datenkontingent erschöpft – oder ich weiß doch auch nicht, warum.
Selbst wenn wir auch die Internetverbindung verloren hätten, hätten wir uns weiter über Google Maps routen lassen können, da wir vorher die notwendigen Kartenausschnitte zur Offline-Verwendung heruntergeladen hatten. Dann funktioniert die Sache immer noch wie ein ganz normales Navi. Nur die aktuellen Verkehrs- und Staumeldungen würden dann ausbleiben.
Langer Rede kurzer Sinn, ab sofort gab ich als Beifahrer die Kommandos wie: „In 100 Meter links ab …“, etc.
Über einen Umweg von etwa 10 Kilometer auf unbefestigten Straßen erreichten wir dann glücklich kurz vor 12:00 Uhr unser Ziel.
Die Nelson Mandela Capture Site, das ist ein modernes Museum über die Geschichte Nelson Mandelas und des ANC (African National Congress).
Es befindet sich rund drei Kilometer nördlich von Howick in der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal.
Was uns hierhin zog war eigentlich weniger das Museum, sondern eine ganz außergewöhnliche Skulptur.
Diese besteht aus 50 Stahlsäulen – jede zwischen 6,5 und 9,5 Meter hoch.
Bewegt man sich auf dem gepflasterten Weg auf diese Stahlsäulen zu, entsteht aus der anscheinend wirren Anordnung ...
... das Porträt Nelson Mandelas.
Um zur Skulptur zu gelangen, führt der Weg unweigerlich durch das hochmoderne Museum. Hier hielten wir uns nun doch länger auf als ursprünglich vorgesehen. Neben verschiedenen Videoinstallationen ist die Geschichte Mandelas mit gut lesbaren Schrifttafeln ...
und vielen interessanten Ausstellungsstücken ...
... in einer langen Reihe von Vitrinen anschaulich und lebendig dargestellt.
Eigentlich braucht man Stunden, wenn nicht Tage, um alles zu lesen und sich anzuschauen. Wir konnten uns nur einzelne Episoden aus dem Leben Mandelas, seinem Kampf gegen die Apartheit, seiner Gefangenschaft und seinem Aufstieg zum Präsidenten von Südafrika herauspicken.
Nachdem wir dann auch lange die Skulptur bestaunt hatten, lotste ich unseren Fahrer zu den 10 Kilometer entfernten Howick Wasserfällen, die zu Recht als Sehenswürdigkeit anpriesen werden.
Mein amateurhaftes Foto gibt in keinster Weise die grandiose Landschaft, in der sich die Fälle befinden, wieder.
Bemerkenswert fanden wir auch die zahlreichen Souvenirstände, denn hier wurde nicht der übliche China-Ramsch angeboten (für den wir teilweise durchaus etwas übrig haben, siehe unsere Winkekatzen).
Vielmehr wurden durchweg sehr hübsche kunsthandwerkliche Dinge angeboten.
Als wir zurück zu unserem Taxi kamen, war unser Fahrer damit beschäftigt, mit einem Kabelbinder einen mechanischen Defekt im inneren Gestänge des Schalthebels zu beheben. Die Lederverkleidung um den Schalthebel hatte er zu diesem Zweck entfernt.
Das er dabei viel Stress hatte und seine Nervosität war ihm anzumerken.
Irgendwie hat er das Problem dann mit Hilfe des Kabelbinders (zumindest provisorisch) gelöst.
Erleichtert gab er an, dass er jetzt eine sehr trockene Kehle hätte. Wasser hatte er allerdings nicht dabei. Da wir nie ohne Wasser im Rucksack das Schiff verlassen (weder in Afrika noch im hohen Norden), konnten wir ihn mit Flüssigkeit versorgen. Wer will sich schon von einem dehydrierten Fahrer chauffieren lassen?
Dank Google Maps konnte ich Chris dann problemlos zurück auf den Highway N3 dirigieren, denn er hatte auch hier keinen Plan, wie er dorthin kommen sollte. Auf dem Highway selbst lief er wieder zu der alten Form auf und bedurfte meiner Hilfestellung nicht mehr.
Schließlich lieferte er uns um 16:00 Uhr wohlbehalten am Nelson Mandela Cruise Terminal wieder ab. Dort bekam er seine 200 US $ und ein Trinkgeld und jeder ging seine Wege.
Heute begann der letzte Abschnitt der Weltreise unter dem Titel
“Von Durban und Kapstadt bis zu den Kanaren!“
Nach erfolgtem Passagierwechsel betrug die Anzahl der Gäste jetzt ca. 650.
Am Freitag in Kapstadt werden 150 Passagiere aussteigen. Dies sind genau die beiden Gruppen, die in Mauritius zugestiegen waren.
Nach der unvermeidlichen Rettungsübung und während der allseits beliebten Auslaufparty hieß es um 21:30 Uhr “Leinen los!“ mit Kurs auf Port Elizabeth.
147. Reisetag – Dienstag, 13.05.2025 Seetag
Der erste Seetag an einem neuen Reiseabschnitt, bewirkt unweigerlich die Begrüßungsgala mit entsprechendem Gala-Dinner.
Das war’s auch schon für den heutigen Tagesbericht.
148. Reisetag – Mittwoch, 14.05.2025 Port Elizabeth/Südafrika
Die Hafenstadt Port Elizabeth wurde von einem gewissen Sir Rufane Donkin, gegründet. Er war Gouverneur dieser Region und benannte die Siedlung nach seiner Frau Elizabeth. Der Name hat also nichts mit der Queen Elisabeth zu tun, was gerne mal angenommen wird.
Seit Februar 2021 heißt die Stadt offiziell Gqeberha, um sich von der englischen kolonialen Vergangenheit zu distanzieren und zu emanzipieren.
Doris hatte bei dem Tourenveranstalter ZASENDLE Adventure für heute eine Ganztagestour gebucht: Private Full-Day Addo Park & Giraffe Walk.
Gleich vorweg, sowohl den Veranstalter als auch die Tour und den Guide selbst können wir uneingeschränkt weiterempfehlen: Note 1+ mit Sternchen.
Leider hat uns Phoenix im Vorfeld durch eine gewisse Wurstig- und Gedankenlosigkeit einige Steine in den Weg gelegt, um am Hafen mit unserem gebuchten Guide zusammen zu finden.
Man muss verständlicherweise im Vorfeld mit dem Veranstalter den genauen Ort und die Zeit vereinbaren, wo und wann man sich treffen wird.
Insbesondere das „Wo“ hängt ganz entschieden vom konkreten Liegeplatz ab, denn Häfen sind in der Regel groß und weitläufig.
In der sogenannten Hafeninformation, die man am Beginn eines Reiseabschnitts von Phoenix erhält, sind unter anderem die Liegezeiten und die Liegeplätze der kommenden Häfen aufgeführt.
Anhand dieser Informationen vereinbarten wir mit dem Tourenveranstalter Zeitpunkt und Ort der Abholung.
Am Vorabend eines Ziels erhält man die sogenannte Landgangsinformation, in der ebenfalls noch einmal Liegezeiten und Liegeplatz aufgeführt sind mit einem zusätzlich Lageplan. Im ebenfalls am Vorabend ausgeteilten Tagesprogramm sind auch noch mal Zeiten und Liegeplatz angegeben.
Jetzt kann es im Laufe einer Reiseetappe durchaus passieren, dass sich ein Liegeplatz nach dem Austeilen der Hafeninformation noch ändert. Das ist kein außergewöhnlicher Vorgang, aber leider erfährt der Passagier in der Regel von dieser Änderung zeitnah erst mal nichts, sondern erst am Vorabend via besagter Landgangsinformation.
Jetzt war es für Port Elizabeth so, dass sich der Liegeplatz sehr kurzfristig, nämlich einen Tag vor der Ankunft, geändert hat. Die Landgangsinformation war schon gedruckt, einschließlich des nicht mehr gültigen Lageplans. Im Tagesprogramm, das gleichzeitig mit der Landgangsinformation verteilt wird, wurde aber der korrekte Liegeplatz genannt, aber nirgends wurde mit einen augenfälligen Hinweis auf diese Änderung hingewisen.
Doris Argusauge hatte zum Glück die Diskrepanz zwischen Landgangsinformation und Tagesprogramm am frühen Abend entdeckt. Es war dann auch nicht ganz einfach jemanden an Bord zu finden, der bestätigen konnte, was denn nun richtig sei und wo jetzt im Plan der Liegeplatz zu finden ist. Irgendwann war dann klar, dass die Angabe im Tagesprogramm die Gültige ist. Ein weiteres Glück war, dass das Büro des Veranstalters noch besetzt war. So konnte über WhatsApp ein neuer Abholpunkt vereinbart werden.
Für diese miserable Informationspolitik gebührt Phoenix leider ein dicker Statler und Waldorf.
Der Kreuzfahrtdirektor, Moritz Stedtfeld, dem wir später unser Leid geklagt hatten, hat für die Zukunft Besserung gelobt.

Tagesprogramm für den 14.5.2025. Stand 13.5.2025
(Den roten Kreis habe ich nachträglich hinzugefügt.)
Aber jetzt zu unserer Tour.
Riaan, unser Guide, erwartete uns um 9:00 Uhr direkt an der Gangway und wir marschierten nach der Begrüßung zusammen die knapp 500 Meter zum Parkplatz am Hafenausgang.
Hier stand das Fahrzeug, ein Kleinbus für 7 Personen (einschließlich Fahrer), der exklusiv für uns zur Verfügung stand.
Nach einer halben Stunde hatten wir den ca. 40 Kilometer vom Hafen entfernten Südeingang des Addo-Elefanten-National-Parks erreicht
Der Addo Elephant National Park ist mit 1.640 km2 der drittgrößte Nationalpark Südafrikas, nach dem Kruger-Nationalpark mit 19.485 km² und dem Kgalagadi Transfrontier Park mit 9.591 km².
Nun konnte sie losgehen, unsere „Jagd“ auf die Elefanten. Wie bei solchen sogenannten Pirschfahrten üblich, genügen sie einer gewissen Dramaturgie, in dem die Tiererlebnisse sich nach und nach steigern. Begonnen wurde mit in der Ferne weidenden Zebras, südafrikanischen Kuhantilopen und Kudus, die wir dann aber auch aus der Nähe beobachten konnten.
Die nächste Steigerung manifestierte sich über eine Ansammlung von Büffeln an einem Wasserloch.
Aber es ging auch noch etliche Nummern kleiner.

Aus dem Dung formt er eine Kugel, die er an eine geeignete Stelle transportiert und vergräbt. Das Weibchen legt die Eier dann an die vergrabene Kotkugel, von der sich die Larven später ernähren.
Auf einem der überall herumliegenden Elefantenküddel waren einige Pillendreher (Scarabaeus sacer) bei der Arbeit und veranlassten Riaan zu einem kurzen Stopp.
Im Nationalpark darf man das Fahrzeug nicht verlassen (Zuwiderhandlung wird sehr teuer), aber es gibt abgegrenzte erlaubte Ausstiegsbereiche.
Hier kochte Riaan uns erst einmal einen Kaffee.
Während der Kaffeepause konnten wir aus der Nähe einen Termitenhügel begutachten.
Dann, um 10:56 Uhr (gemäß Zeitstempel der JPG-Datei) entdeckten wir den ersten Elefanten und es sollte nicht unser letzter sein.
In einem Restaurant mitten im Park wollten wir unser Mittagessen einnehmen. Wir studierten gerade die Karte, als ein großer Bus mit Phoenix-Ausflüglern auf dem Restaurant-Parkplatz vorfuhr. Zugleich wurde die Speisekarte Nebensache, denn wir suchten lieber erst mal die Toiletten auf, bevor es dort zur Schlangenbildung mit erheblichen Wartezeiten kommen würde.
Nach der Mittagspause verließen wir den Addo-Elefanten-Park durch das Nordtor, um den zweiten Teil des Ausflugs in Angriff zu nehmen, den „Giraffe Walk“, also den Giraffenspaziergang.
Das darf man sich jetzt nicht so vorstellen, dass man mit einer Giraffe an der Leine spazieren geht, sowie es in Deutschland z. B. mit Alpakas angeboten wird.
Es geht hierbei um Giraffenbeobachtungen, aber nicht von einem Fahrzeug aus, sondern zu Fuß in einem Mini-Reservat von vielleicht 10 - 20 km2.
Die Giraffen haben, wie die Menschen, so erklärte es uns Riaan, eine sogenannte Komfortzone. Je nach Tagesform und Laune beträgt sie mal 25 Meter, mal nur 15 Meter. Die Komfortzone bildet eine unsichtbare Grenze. Wenn der Mensch sie überschreitet und dem Tier zu nahekommt, vertreibt man es.
Riaan hat 12 Monate gebraucht, um diese Fluchttiere ganz langsam an die Menschen zu gewöhnen.
Zunächst fuhren wir langsam eine gute halbe Stunde auf einer Straße durch das Reservat, um erst einmal die „Langhälse“ zu sichten.
Dichtes Buschwerk und Bäume erschwerten das Vorhaben, aber unser Guide hatte sie schließlich gefunden.
Nun verließen wir das Fahrzeug, schlugen uns in die Büsche und näherten uns auf schmalen Trampelpfaden vorsichtig den Giraffen.
Anfangs entfernten sie sich immer wieder gemächlichen Schrittes, sobald sie uns gewahr wurden.
Aber irgendwann war es so weit, dass Mensch und Tier sich in einer Entfernung von vielleicht 5 Metern Auge in Auge gegenüberstanden.
Ein ganz großartiges, emotionales Erlebnis, das sich gar nicht richtig beschreiben lässt.
Bei ihm, Riaan, kämen zuallererst die Tiere, dann die Gäste und dann erst das Geld.
Kleines Video von der Giraffenbeobachtung
Gegen 17:00 Uhr lieferte Riaan uns am Hafen ab. Mit Ihm hatten wir in jeder Hinsicht einen Glücksgriff getan. Das ging schon los mit seiner Art zu sprechen; wir verstanden sein Englisch. Das Englisch, wie es sehr viele Südafrikaner sprechen, ist für Doris und mich so gut wie unverständlich. Da wird z. B. ein „u“ schon mal zum „ü“, Betonungen und Aussprache sind völlig unterschiedlich zum klassischen Englisch und das gepaart mit einer unglaublichen Sprechgeschwindigkeit, da verstehen wir nur Bahnhof.
Das Riaan tiefgreifendes Wissen von Tieren, Pflanzen und der Landschaft hat, braucht nicht extra erwähnt zu werden. Bei den Tierbeobachten schien er genau so begeistert und ergriffen zu sein, wie wir es waren.
100 Punkte für diesen Tag!
Um 20:00 Uhr verließen wir Port Elizabeth mit dem Ziel Kapstadt.
149. Reisetag – Donnerstag, 15.05.2025 Seetag
Keine besonderen Vorkommnisse, außer dass die in Fremantle angebrachte Füllung im Zahn unten rechts wieder rausgefallen ist.
Die erneute Sanierung hat jetzt Zeit, bis wir zurück in Deutschland sind.
150. Reisetag – Freitag, 16.05.2025 Kapstadt
Wir waren heute zum dritten Mal in Kapstadt und kannten den Tafelberg bisher nur von unten.
Hierfür gab es für das touristische Betragen die Note „mangelhaft“. Diese Scharte wetzten wir heute aus, wenn auch nicht gleich und sofort.
Als das Schiff um 6:45 Uhr zum Landgang freigegeben worden war, lagen wir noch in den Federn.
Aber dann, um 10:30 Uhr, bestiegen wir ein Uber-Fahrzeug, das uns vom Cruise Terminal zur 6 Kilometer entfernten Talstation der Seilbahn brachte.
Der Kauf der Seilbahntickets (ca. 25 € pro Person für Hin- und Rückfahrt) erfolgte ohne Schlangestehen an einem Automaten.
Auf die Schlange stießen wir erst etwas später, dort wo der Zugang zu den Gondeln war.
Dort war vor uns die Busladung vom Phoenixausflug Nummer 9 und es dauerte nicht lange bis Ausflug Nummer 10 sich hinter uns einreihte.
Nach einer guten halben Stunde waren wir mit 62 anderen Tafelberg-Besteigern in der runden Gondel (maximale Personenzahl 64 + Gondelführer).
Recht pfiffig fanden wir die Gondeltechnik. Die drehte sich nämlich währen der Fahrt um die eigene Achse, ..
... sodass wir mal bergauf und ...
... mal bergab blicken konnten.

Hier sieht man eine alternative Aufstiegsmöglichkeit. 😊
(Wenn Sie nichts erkennen können, einfach mal auf das Bild klicken, dann wird es vergrößert angezeigt.)
Oben angekommen verteilten sich die Massen recht schnell.
Mit dem Wetter hatten wir Glück, da keine Wolken die Sicht behinderten.
Das Plateau des markanten 1000 Meter hohen Bergs bot genug Auslaufmöglichkeiten, sowohl für kleinere als auch größere Spaziergänge.
Nach 2 Stunden traten wir die Rückfahrt an. Diesmal war kein Schlangestehen mehr notwendig.
Für eine Rückkehr zum Schiff war es noch viel zu früh, also bestellten wir per App ein Uber-Fahrzeug, um uns in das Viertel Bo-Kaap bringen zu lassen, das auch als „Malaienviertel“ bezeichnet wird.
Das Besondere dort sind die bunten Häuser.
Bis in die 90er Jahre waren die Häuser schlicht in Weiß gehalten.
Erst nach dem Ende der Apartheit 1994 bekamen die Fassaden ihre farbenfrohen Anstriche.
Ich habe mal die künstliche Intelligenz ChatGPT nach dem „warum“ gefragt und eine ausführliche Antwort erhalten, die sie dann selbst wie folgt zusammenfasste:
„Kurz gesagt: Die Farben sind mehr als nur Dekoration – sie sind ein Symbol für Befreiung, Identität und Stolz auf die eigene Kultur und Geschichte.“

Der Elefant wurde aus Plastikverschlüssen
von Flaschen hergestellt und dient als Eye-Catcher
für ein kleines Atelier.
Im Viertel stießen wir zufällig auf eine kleine Kunstgalerie.
Der Künstler erstellt seine Objekte aus Blechdosen, Flaschenverschlüssen und Draht.
Besonders eindrucksvoll sind seine dreidimensionalen Bilder, auf denen meist Städteansichten und auch Townships, also die Armenviertel, dargestellt sind.
Leider kommt bei den Fotos das plastische dieser Werke nicht zur Geltung.

Der Löwe aus Maschendraht hätte uns schon gefallen, aber wegen Platzmangels in unseren Koffern musste er in Kapstadt bleiben.
Ein kleineres dieser Bilder/Reliefs (etwa DinA4-Größe) haben wir gekauft.
Die 2 ½ Kilometer zurück zum Hafen sind wir bei sonnigem Wetter und Temperaturen ein wenig über 20° gelaufen.

Im Souvenirshop in der Talstation der Tafelberg-Seilbahn ist uns der kleine Büffel zugelaufen.
Das Lämmchen begleitet uns schon seit Auckland.
Um halb fünf waren wir zurück und erhielten im Terminalgebäude unseren Ausreisestempel in den Pass. Der späteste Termin wäre 17:30 Uhr gewesen, obwohl die Abfahrt erst um 19:30 Uhr erfolgen sollte. Die Behörden wollten es so. Spätestens 2 Stunden vor der Abfahrt mussten sich alle Passagiere ihren Ausreisestempel abgeholt haben.
Danach war ein Landgang nicht mehr möglich, so beschlossen und verkündet von der Behörde.
Um halb acht, der Tafelberg war nur noch als Silhouette erkennbar, verließ die ARTANIA Kapstadt.
151. Reisetag – Samstag, 17.05.2025 Seetag
Heute Abend im Lido-Restaurant haben wir die vorletzte Dose unseres von zu Hause mitgebrachten Wurstvorrats vertilgt.
152. Reisetag – Sonntag, 18.05.2025 Lüderitz/Namibia
Lüderitz, unser erster Hafen in Westafrika, ist ein beschauliches Städtchen mit 17.000 Bewohnern. Außer der Felsenkirche und ein paar Spuren der unrühmlichen deutschen Kolonialzeit hat der Ort nicht viel zu bieten.
Dies alles hatten wir vor zwei Jahren schon in Gänze abgeklappert und …
- Außerdem kostet neuerdings jeder Tag in Namibia 16 € „Eintritt“ (Visum-Gebühr).
- Außerdem musste getendert werden und ob das klappt, weiß man vorher nie.
- Außerdem war die Liegezeit sehr kurz (7:00 – 14:00) - letzter Tender zur ARTANIA: 13:30 Uhr.
- Außerdem musste für die Zeit für den Landgang von der Liegezeit noch die nicht unerhebliche Dauer des Facechecks abgezogen werden.
Kurzum, wir blieben an Bord.
Weniger schön war, dass plötzlich und unerwartet seit heute Nacht an Bord kein Internet mehr zur Verfügung stand. Elon Musks StarLink-Satelliten dürfen in Namibia wegen fehlender Telekommunikationslizenz nicht genutzt werden.
Das wusste auch an Bord die IT-Abteilung und die Phoenix-Reiseleitung. Wir waren deshalb zunächst sauer, weil man uns das nicht bereits erzählt hatte, als das Internet an Bord noch funktionierte. Dann hätten wir noch einiges erledigen können, was eigentlich für heute geplant war.
Der Kreuzfahrtdirektor konnte aber glaubhaft erklären, dass für die StarLink-freie Zeit eine Ersatzlösung geplant war. Die hat leider Gottes wider Erwarten nicht funktioniert.
Diese Erklärung ist dann auch der Grund, weshalb an dieser Stelle Statler und Waldorf nicht in Erscheinung treten.
Die namibischen Behörden hatten zwecks Face-Check und Passkontrolle mein Büro annektiert, ...
... deshalb musste ich am Vormittag in Harry’s Bar ausweichen.
Um 14:00 Uhr wurde der Anker gelichtet.
Drei Stunden später verbanden uns Musks Satelliten wieder mit dem World-Wide-Web. Vorher konnten wir uns, ohne das Internet zu vermissen, zur Kaffeestunde ein Stück Schwarzwälder Kirsch einverleiben.
153. Reisetag – Montag, 19.05.2025 Walvis Bay/Namibia
Heute wollten wir an Land und hatten auch die hierfür notwendigen Visa im Internet besorgt. Um es vorwegzunehmen, der Landgang war eine totale Pleite, aber der Reihe nach:
Der Hafenausgang war mehr als 500 Meter von unserem Liegeplatz entfernt, was den Tourenanbietern, die direkt an der ARTANIA ihre Dienste anboten, in die Karten spielte.
Wir wollten die Tausende Flamingos in der „Lagoon“ besuchen. Das erste Angebot, für eine Fahrt dorthin betrug 20 US-Dollar pro Person, was uns für eine Strecke von weniger als 5 Kilometer doch sehr hoch erschien. Nach kurzer Verhandlung reduzierte sich der Preis für uns beide auf 10 Dollar, immer noch ein stolzer Preis, aber die Leute wollen ja auch leben.
Nicht ein Taxi, sondern ein neutraler PKW brachte uns zur besagten Lagune.
Nur, sämtliche 1.000 Flamingos hatten sich leider zurückgezogen und waren nur als kleine dunkle Punkte sichtbar.
Unser Fahrer erklärte uns, wenn wir um die ganze Bucht herumlaufen würden (ca. 15 Kilometer) könnten wir dann tatsächlich die Flamingos sehen.
Alternativ könnte er uns auch dorthin fahren.
Aber uns war die Lust an Flamingos irgendwie genommen.
Schon auf der Fahrt zur Lagune pries der Fahr eine Tour nach Swakopmund an. Dort erinnert noch sehr viel an die deutsche Kolonialzeit, einschließlich des Restaurants „Brauhaus“. Aber auch hierfür konnte er uns nicht begeistern.
Vielmehr wollten wir noch einmal ein Viertel besuchen, wo es uns vor zwei Jahren zufällig hin verschlagen hatte, als wir mit einem einheimischen Fahrer auf der Suche nach einem Geschäft für passende Batterien für Doris‘ Hörgerät waren. Dieses Viertel war lebhaft und sehr afrikanisch. Und eine Fahrt von der Lagune in die City war Bestandteil unserer Verhandlungen gewesen und somit im Fahrpreis von 10 Dollar bereits enthalten.
Unser Fahrer weigerte sich aber, uns dorthin zu fahren. Es sei nicht nur für uns, sondern auch für ihn viel zu gefährlich (Vermutlich eine Ausrede, warum wissen wir nicht.). Aber er würde uns woanders hinfahren, wo es auch Einkaufsmöglichkeiten gäbe, denn wir hatten (auch) von Obsteinkäufen gesprochen. Nach einer Stunde würde er uns dort dann wieder abholen – Preis: 5 Dollar.
Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte. Hier wurden wir abgesetzt.
Wir waren froh als die Stunde rum war und wir um halb eins wieder zurück auf die ARTANIA konnten.
Im Hafenwasser nahe unseres Liegeplatzes trieben tausende tote rote Quallen.
Bereits im April 2025 berichtete der Daily Maverick über ein massives Sterben von Oktopussen, Krustentieren und kleinen Fischen an den Stränden zwischen Swakopmund und Walvis Bay.
Es wird vermutet, dass der Grund dafür Temperaturänderungen oder Sauerstoffmangel im Wasser waren.
Um 19:00 Uhr legten wir ab, vor uns 3 volle Seetage.
154. Reisetag – Dienstag, 20.05.2025 Seetag
Keine besonderen Vorkommnisse.
Der 13. Blogeintrag ist heute online gegangen. Nach 17 Tagen wurde es mal wieder Zeit dafür.
155. Reisetag – Mittwoch, 21.05.2025 Seetag
Heute Vormittag war Fototermin für das Gruppenfoto der 180 Weltreisegäste an Bord. Hierzu sollten wir uns am Heck auf Deck 4 einfinden.
Als wir dort 5 Minuten vor dem angegebenen Termin einfanden, waren Deck 4, 5 und 6 bereits bevölkert.
Wir reihten uns auf Deck 6 ein, weil dort noch am meisten Platz war. Hier waren wir allerdings falsch, denn hier standen Passagiere, die das Fotoshooting nur beobachten wollten. Irgendwie fehlte ein Kommandeur, der die Herde der Weltreisenden in geordnete Bahnen lenkt.
Auf Deck 5 und 4 waren nur noch Plätze in den hinteren Reihen frei, gemäß dem Motto: "Die Großen nach vorn, die Kleinen nach hinten."
Auf der Treppe von Deck 4 auf Deck 5 fanden wir dann doch noch ein Plätzchen.
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Der Kreufartdirektor überprüft knieend das Gesamtarrangement und die beiden Bordfotografen (weiße Hemden) warten auf den Startschuss.
Mal sehen, ob wir auf dem Foto überhaupt drauf sein werden. 😊
Am Abend war mal wieder Gala angesagt, die sogenannte Mittelgala, die ohne sonstiges Brimborium nur aus einem besonderen Abendessen mit Kleidervorschlag „elegant“ bestand.
156. Reisetag – Donnerstag, 22.05.2025 Seetag
Morgen Vormittag werden wir erneut den Äquator überqueren, diesmal mit Wechsel von der Süd- zur Nordhalbkugel. Die dazugehörige Äquatortaufe fand aber schon heute statt, da Äquatortaufen grundsätzlich an Seetagen stattfinden. Und morgen ist kein Seetag, sondern der Inselstaat São Tomé und Príncipe wird angelaufen.
Doris hat pflichtbewusst einige Fotos geschossen.
Eine kleine Episode zu dem folgenden Hinweis aus dem heutigen Tagesprogramm zum Thema „Durchsagen“.
Die dort beschriebene Regelung gilt schon seit einigen Tagen und wurde seinerzeit bereits mündlich kommuniziert. Dabei geht es um Folgendes.
Reiseleiter Philip Heggemann informiert immer per Durchsage zur Geschichte, Sehenswürdigkeiten und Wissenswertes zu einem Ziel, kurz bevor wir dort einlaufen. Dies geschieht meist zu Zeiten, wo gerade in den Restaurants gefrühstückt wird. Zwar sind die Durchsagen informativ und interessant und die Art der Vortragsweise kann mit einem Radiosprecher locker mithalten, aber dennoch fühlten sich einige Gäste während des Frühstücks dadurch gestört und haben sich beschwert. Also wurde beschlossen und verkündet, diese Durchsagen nicht mehr in die Restaurants durchzustellen.
Uns irritierte dabei nur, dass diese Durchsagen weiterhin im Lido-Restaurant erfolgen. Auf unsere Frage nach dem warum, wurde von einem Phoenix Mitarbeiter wörtlich geantwortet: „Weil das Lido zur Public-Area gehört“.
Aha, das Lido ist also gar kein richtiges Restaurant. Das Outfit mancher dort Speisender lässt dies durchaus plausibel erscheinen und vermuten, dass es sich um eine Strandbar handelt. 😊
Der Kreuzfahrtdirektor konnte die Sache dann aber gerade rücken.
Die Public Area ist eine spezielle „Verdrahtung“ der Schiffslautsprecher. Am Mikrofon für die Durchsagen gibt es verschiedene Knöpfe, die man drücken muss bzw. kann. Wird der Knopf „Public Area gedrückt, geht das gesprochene Wort über die Lautsprecher in den Außenbereichen, die Bars, die Flure und eben auch über die Lautsprecher im Lido. Das Lido ist nur deshalb Public Area, weil es in der Lautsprecheranlage so verdrahtet ist. Es gibt noch die Knöpfe „In die Kabinen“ und „Restaurants“. Mit diesem Knopf sind die Lautsprecher im Lido nicht verbunden.
Aber, so versicherte der Kreuzfahrtdirektor, sei das Lido nach wie vor ein vollwertiges Restaurant.
157. Reisetag – Freitag, 23.05.2025 São Tomé/São Tomé e Principe

Die Flagge von São Tomé e Principe als Grafitti an einer Wand an der Uferpromenande des morgigen Ziels Pricipe.
Der kleine afrikanische Inselstaat São Tomé e Principe liegt 250 Kilometer vor der Westküste des afrikanischen Kontinents.
Er besteht aus der Insel São Tomé (860 km2) mit der gleichnamigen Hauptstadt und der kleineren etwa 100 Kilometer entfernten Insel Principe (140 km2).
Seit Tagen wabert das Thema Malaria durchs Schiff mit der Frage, wie gefährlich sind diesbezüglich die nächsten Häfen im Allgemeinen und São Tomé e Principe im Besonderen.
Deshalb wurde heute um 10:00 Uhr kurzfristig eine Fragestunde mit den beiden Schiffsärzten ins Programm aufgenommen.
Die Quintessenz: Möglichst wenig freie Haut, also lange Hosen und lange Ärmel und gut einreiben mit Insektenschutz, auch die Körperteile, die bedeckt sind, weil die Malariamücken auch durch Stoff stechen können. Für die Kleidung gilt: gedeckte Farben.
Und wenn man trotzdem gestochen wird und Fieber bekommt, gibt es gute Therapiemöglichkeiten.
Es gibt zwei gute Wirkstoffe, um die Viecher abzuhalten, DEET (z. B. in Anti Brumm Forte) und Icaridin (z. B. in Authan Tropical). Bei dem wirksameren DEET muss man darauf achten, dass man sich nach dem Einreiben die Finger gut wäscht, weil es ansonsten bei Berührungen mit Kunststoff zu unerwünschten Reaktionen kommen kann. So kann man sich etwa mit DEET-Fingern die Brille ruinieren.
Auf die Frage, ob diese Mittel an Bord zu kaufen seien, wurde uns gesagt, dass dies prinzipell natürlich möglich sein, nur leider zur Zeit nicht mehr, da der Vorrat durch offensichtliche Hamsterkäufe, die zu spät erkannt und gestoppt werden konnten, aufgebraucht sei.
Gegen 10:30 Uhr, die Fragestunde (bzw. Fragehalbestunde) war gerade vorbei, als die ARTANIA ihren Ankerplatz erreichte.
Ein Blick über die Reling ließ allerdings nichts Gutes erwarten, das Meer war unruhig und eine langgezogene Dünung war zu beobachten.
Es dauerte auch nicht lange bis die Durchsage vom Kapitän kam, dass das für ab 12:00 Uhr nach Abwicklung des behördlichen Papierkrams vorgesehene Tendern auf Grund der Wellen und des Windes nicht möglich ist.
Neu bei dieser Absage war, dass erst gar nicht Hoffnungen geweckt wurden, dass vielleicht später doch noch …
Die übliche Dramaturgie des Nichttenders wurde nicht abgespult.
Neu war nicht nur die ausgefallenen Dramaturgie und Choreographie rund um das Nichttendern, sondern auch eine für den Nachmittag anberaumte Veranstaltung in der Atlantik-Show-Lounge.
Hier erläuterte der Kapitän im Detail, warum ein Tendern bei einer Wellenhöhe von 2 Metern viel zu gefährlich ist und wie es konkret jetzt zu den Wellenbildungen gekommen ist, trotz eigentlich vielversprechender Wetterprognosen. Zum einen sind die Prognosen im derzeitigen Fahrgebiet nicht so zuverlässig wie in anderen Regionen und außerdem gibt es lokale thermische Gegebenheiten, die tagsüber zu starken ablandigen Winden führen können, die nicht zu prognostizieren sind.
Ab 15 Uhr wurde dann doch noch ein Teil der erwähnten und gewohnten Choreografie durchgeführt – die übliche Inselumrundung mit der ARTANIA.
Zwar gibt es bei einer Entfernung von 5 Seemeilen zum Ufer nichts zu sehen bzw. man kann nichts erkennen, aber dafür wurde der Äquator dabei noch zweimal überfahren, wie der Kapitän um 16:00 Uhr augenzwinkernd über Bordlautsprecher verkündete. (Der Äquator verläuft nur ca. 2 Seemeilen südlich von São Tomé.)
158. Reisetag – Samstag, 24.05.2025 Príncipe/São Tomé e Príncipe
Auch heute lagen wir wieder auf Reede und Wind und Wetter waren fürs Tendern eher suboptimal. Ich glaube, der Kapitän hat nur schweren Herzens einer Anlandung mit den Tenderbooten zugestimmt.
Umgekehrt hätte das bedeutet, dass wir dann 9 Seetage am Stück gehabt hätten. Denn unser nächstes Ziel, Banjul in Gambia, ist 4 Seetage entfernt und von Namibia bis São Tomé waren wir 3 Seetage unterwegs plus 2 x Ausfall in São Tomé e Príncipe ergibt 9!
Da hätte es durchaus zu Unmutsbekundungen seitens der Passagiere kommen können, der Meuterei auf der Bounty nicht unähnlich.

Eine genügend große Anzahl von BehördenmitarbeiterInnen sorgte nach einem Frühstück Im Restaurant ARTANIA für wichtige Stempel auf wichtigen Papieren.
Es wurde mehrmals über Lautsprecher gewarnt, dass der Ausstieg an der Tenderpier kritisch ist, da zwischen dem Ausstieg des Tenders und Tenderpier auf Grund der aktuellen Tide eine Höhe von einem halben Meter zu überwinden ist. Also eine gewisse Beweglichkeit wurde vorausgesetzt.
Es war sehr interessant zu beobachten, wie manche Leute den ärztlichen Bekleidungsvorschlag zwecks Malariaprophylaxe umgesetzt hatten. Manche waren eingepackt wie zu einer Wanderung im deutschen November. Sogar eine Mütze mit Ohrenklappen kam zum Einsatz.
Wir ließen uns Zeit und starteten unsere Überfahrt zum Land erst gegen 10:30 Uhr. 20 Minuten brauchte der Tender für eine Überfahrt. Auf halbem Weg fing es an zu regnen. Obwohl es schon den ganzen Morgen stark bewölkt war, waren Doris und ich wie blutige touristische Anfänger ohne Schirme losgezogen. Nachdem der Hölzer’sche Krisenstab getagt hatte, wie ohne Schirm weiter zu verfahren wäre, wurde einstimmig beschlossen, im Tender sitzen zu bleiben und gleich wieder zurück zum Schiff zu fahren, um die Schirme zu holen.
Die zweite Überfahrt gegen 11:30 Uhr war sehr exklusiv.
Außer uns beiden und der 2-köpfigen Tendercrew war nur noch Christine, die Deutschlehrerin für das Hotelpersonal der ARTANIA mit an Bord.
Endlich an Land - dort fiel mir auf, dass ich bei der Aktion „Hole den Schirm“ in der Kabine den Umhängebeutel mit dem Handy zwecks T-Shirt-Wechsel zwangsläufig abgelegt hatte, aber dann verabsäumte, ihn wieder umzuhängen. Jetzt hatte ich zwar einen Schirm, aber kein Handy zum Fotografieren.
Eine erneute Rück- und wieder Herfahrt kam nicht in Frage. Zwecks Fotografieren teilte Doris ihr Smartphone mit mir.
Von der Tenderpier lenkten wir unseren Schritt nach rechts, weil wir wussten, dass man so auf eine kleine Siedlung mit Holz- und Wellblechhütten stößt, fast ohne jegliche Infrastruktur – Afrika. Diesen Weg waren wir vor zwei Jahren schon einmal gegangen.
Leider konnten wir unser Vorhaben nicht ganz zu Ende führen.
Auf Grund des Regens waren die engen oft steilen Wege durch den Regenwald matschig und deswegen glatt, ...
... weshalb wir nicht den gleichen Rundgang wie damals machen konnten und vorzeitig umkehren mussten.

Die Bananen hatten 2 ganz entscheidende Nachteile.
1. Sie hingen zu hoch.
2. Sie waren noch nicht reif.
Da noch genügend Zeit war, passierten wir die Tenderpier und machten noch einen Abstecher in die Ortschaft Santo António.

Die Uferpromenade von Santo António.
Man sieht deutlich, dass das Wetter keine idealen Tenderbedingungen bietet.
Hier waren die Straßen asphaltiert und es gab Strom und fließendes Wasser, aber das ein oder andere Gebäude wurde dem Verfall preisgegeben,...
... deshalb ist „morbider Charme“ vielleicht eine passende Charakterisierung.
Am Abend, die ARTANIA war schon wieder unterwegs, wurde im Bordkino die Übertragung des DFB-Pokal-Finale Bielefeld vs. Stuttgart gezeigt.
159. Reisetag – Sonntag, 25.05.2025 Seetag
Principe war gestern der letzte Tenderhafen dieser Weltreise. Nach fast einem halben Jahr der Tenderei mit den neuen Tenderbooten ist es der Schiffsleitung und der Phoenix Reiseleitung immer noch nicht gelungen, die Passagiere derart zu disziplinieren, dass ein gefahrloses Einsteigen in die Boote möglich ist.
Ob es nun Interesselosigkeit ist, die aufgestellten und sinnvollen Regeln durchzusetzen oder schlicht und ergreifend Ignoranz, das sei dahingestellt.
Möglicherweise bzw. verständlicherweise kann der Leser des Blogs die Heftigkeit meiner Äußerungen (noch) nicht nachvollziehen, deshalb fange ich am besten ganz von vorne an.
Die Tenderboote sind so konstruiert, dass man nach dem Einsteigen in einen der 6 schmalen tiefer gelegenen Bereiche über jeweils 3 Stufen gelangt, wo sich in jedem dieser Bereiche zwei gegenüberliegende Sitzbänke befinden.
Seit Menschengedenken wird appelliert, dass die Leute, nachdem sie sich gesetzt haben, nach hinten durchrutschen sollen und nicht gleich vorne sitzenbleiben, damit die Nachfolgenden nicht behindert werden und über deren Füße stolpern, denn hier unten ist es sehr eng.
Es gibt, ebenfalls seit Menschengedenken, immer wieder Passagiere, die sich störrisch und egoistisch weigern, durchzurutschen, was gerade bei einem schwankenden Boot allen Nachfolgenden das Balancieren erschwert und man höllisch aufpassen muss, nicht zu stürzen.
Die Besatzungen der Tenderboote duldeten schon immer dieses asoziale Verhalten. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie je von der Schiffsleitung, sprich Kapitän oder Sicherheitsoffizier, angewiesen worden sind, in solchen Fällen einzuschreiten.
Aber selbst wenn Phoenix-Leute mit im Boot sind, ändert sich nichts, denn auch sie schreiten nicht ein, frei nach dem Motto, das sollen die Passagiere unter sich regeln.
Aber versuche mal, einen ignoranten Passagier zu bitten, er möge durchrutschen. Erfahrungsgemäß sind Menschen, die ihre Mitreisenden ohne irgendwelche Bedenken behindern, Argumenten nicht sehr offen zugänglich. Im Gegenteil, meistens spiegeln die Antworten auf eine Bitte um Weiterrutschen diese asoziale Einstellung sehr deutlich wider.
Bei den neuen Tenderbooten kommt eine weitere Gefahrenquelle hinzu, die wohl anfangs von den Verantwortlichen als solche gar nicht erkannt worden war.
Auf der Ebene des Einstiegs befinden sich hohe Sitze, die man mit einem Barhocker vergleichen könnte.
Die „Armlehnen“ dieser Sitze dienen als Haltegriffe, wenn man die 3 bereits erwähnten Stufen hinuntersteigen muss.
Obwohl diese "Hochsitze" denkbar unbequem sind, sind es die ersten, die in Beschlag genommen werden.
Dann sind aber die Haltegriffe ihrer Funktion beraubt, weil der Allerwerteste des oder der Sitzenden verhindert, den Griff umfassen zu können.
Irgendwann ist Phoenix darauf gekommen, dass diese Sitze frei bleiben müssen, bis alle eingestiegen sind, dann kann eventuell ein Nachzügler dort noch platziert werden. Aber das ist reine weltfremde Theorie, auch wenn im Tagesprogramm und in den Durchsagen darauf hingewiesen wird.

Auszug aus dem Tagesprogramm vom 24.5.2025.
Die Regel "Durchrutschen" ist hier gar nicht (mehr) aufgeführt, wurde aber meist per Lautsprecherdurchsage am Tag des Tenderns noch einmal bekannt gegeben.
Da auch diese Notwendigkeit, nämlich die "Hochsitze" frei zu lassen, nicht durchgesetzt wird, haben wir jetzt noch eine Gefahrenquelle mehr.

Wenn man hier trotzdem versucht den Griff zu umfassen, wird das eventuell noch als übergriffig ausgelegt.
Wenn man nun von einem auf dem begehrten "Hochsitz" thronenden gut genährtem Hintern genötigt wird, ohne sich festhalten zu können, freihändig in einem schwankendem Boot drei Stufen hinunter zu balancieren, ist das nicht nur unnötig, sondern auch gefährlich.
Aus diesem Grund werde ich auch einen entsprechenden Appell an Phoenix in Bonn richten:
Liebe Phoenix-Reiseleitung!
Mit einem halbherzigen Appell im Tagesprogramm ist es nicht getan. Sie müssen ihre Anordnung nicht als vage Bitte artikulieren, sondern auch ernsthaft durchsetzen. Oder wird man erst wach, wenn etwas passiert, jemand stürzt und sich dabei zu allem Überfluss auch noch verletzt?
Ich weiß, Phoenix ist eine andere Firma als die Schiffsbesatzung, die von BSM Cruise Service gestellt wird. Aber Phoenix ist mein Vertragspartner, also wirken Sie bitte darauf hin, dass die Tendercrew autorisiert und qualifiziert wird, die zwei simplen Regeln durchzusetzen.
- Obere Sitze freilassen
- Durchrutschen
Auf der jetzigen Weltreise gibt es zum Glück keine Tenderhäfen mehr. Aber im nächsten Jahr werden wir, sofern wir gesund bleiben, wieder an Bord sein. Dann dürfen wir wohl erwarten, dass das Tendern nicht wieder ein ständiger Quell der Gefährdung und des Ärgernisses ist, weil wir seiltänzerische Fähigkeiten haben müssen, um unversehrt einen Sitzplatz im Tenderboot einzunehmen.
Oder ist Phoenix als Veranstalter tatsächlich unfähig, offensichtliche Gefahrenquellen für Passagiere beim Tendern dauerhaft zu beseitigen? Wird uns nicht ständig gesagt, Sicherheit sei oberstes Gebot an Bord? In Bezug auf das Tendern scheint das tatsächlich leeres Geschwätz zu sein.
160. Reisetag – Montag, 26.05.2025 Seetag (2/4)
Da sich heute nichts besonderes ereignet hat, kann ich über ein Internetproblem und über dessen Lösung berichten. Gleich vorweg, das Problem lag nicht am ARTANIA-WLAN, im Gegenteil. Der IT-Offizier hatte zur Lösung beigetragen.
Irgendwann im Indischen Ozean, als wir Afrika näher kamen, konnte ich auf einmal die Seite meiner Bank nicht mehr erreichen. Beim Aufruf der Seite erschien folgende Fehlermeldung:
Ich schilderte dieses Problem sowohl meiner Bank als auch der IT-Abteilung der ARTANIA. Die Antworten der Bank waren wenig hilfreiche Tipps wie z. B. den Browser-Cache zu löschen (was ich längst getan hatte) oder den Router neu zu starten.
Die ARTANIA-IT konnte zwar konkret auch nicht sagen, wo genau das Problem lag, aber ich sollte mal versuchen mit Hilfe der kostenlosen Basisversion der Software Planet VPN wieder auf die WEB-Seite der Bank zu gelangen.
VPN ist die Abkürzung für Virtual Private Network. Und was bedeutet das? Eigentlich dient VPN dazu, anonym und standortunabhängig im Netz surfen zu können (wird aber auch gern mal von Internet-Kriminellen missbraucht), hat aber auch den Nebeneffekt, dass man beim Zugriff auf eine WEB-Seite dieser vorgaukeln kann, man hätte die Zugriffsanfrage z. B. aus Deutschland gestellt.
Und siehe da, kaum hatte ich über die VPN-Software “Verbinden“ und “Deutschland“ ausgewählt, klappte auch der Zugriff auf Weltsparen.de wieder.

In der kostenlosen Basisversion für Windows stehen nur Server in Deutschland, Niederlande, USA und Großbritannien zu verfügung. Das genügte vollkommen für meine Zwecke.
Vor einigen Tagen musste ich eine Rechnung bezahlen. Weder mit PayPal noch über die Kreditkarte hat das geklappt, die Zahlung wurde nicht akzeptiert. Also kam Planet VPN wieder zum Einsatz. Jetzt erkannte ich auch, wieso die Zahlung abgelehnt wurde. Die Satelliten von Elon Musk, über die das Schiffsinternet läuft, bauten die Internetverbindung über einen Server in Nigeria auf. Das kam den Bezahldiensten anscheinend verdächtig vor. Die Information, über welchen Server in welchem Land man normalerweise verbunden ist, sieht man direkt nach dem Aufruf von Planet VPN.

Mittlerweile peilen die Satelliten einen Server in Spanien an, deshalb braucht bei kritischen Internetzugriffen die VPN-Software nicht mehr aktiviert zu werden.
In den entsprechenden Stores gibt es diese Software auch für Android- und Apple-Samrtphones.
161. Reisetag – Dienstag, 27.05.2025 Seetag (3/4)
Der dritte Seetag der Passage nach Gambia war pickepackevoll mit nicht-alltäglichen Programmpunkten.
Los ging es zur Mittagszeit mit
Am Nachmittag mussten wir für 15:30 Uhr eine schwierige Entscheidung treffen. Entweder Kaffeestunde oder
Wir entschieden uns für den Captain‘s Talk, weil das beim letzten Mal interessant und kurzweilig war.
Leider war der Vortrag von unserem Kapitän Müller fast identisch mit dem von vor knapp 2 Wochen.
In der Zwischenzeit gab es in Durban bekanntlich einen Passagierwechsel und für zugestiegenen Passagiere war der Vortrag natürlich neu.
Am Abend gab es für die Weltreisegäste ein besonderes Bonbon, den „Highway No. 1“. Hinter diesem Titel verbirgt sich eine Einladung in die Katakomben des Schiffs ganz unten auf Deck 1. Hier gibt es einen schmalen Gang durch das gesamte Schiff. Links und rechts vom Gang befinden sich verschiedenste Räume wie Werkstätten, Läger etc. Die meisten dieser Räume waren nach wie vor tabu und durften nicht betreten werden.
Aber entlang des gesamten Gangs waren etliche Ess- und Getränkestationen aufgebaut, ...
an denen wir uns bedienen durften. Sowohl das Getränkeangebot (Bier, Wein, Spirituosen) als auch die Auswahl an Speisen war äußerst vielfältig (von Sushi bis Hamburger).
Es muss ein unheimlicher Arbeitsaufwand gewesen sein, das alles aufzubauen und zu dekorieren.

... wenn man Nachschub holen wollte, musste man zurück auf den vollen Highway to Hell - pardon Highway No. 1.
Wir blieben jedoch nicht allzu lange dort: Zuviel Gedränge und zu laute Musik (obwohl die Musikauswahl recht gut war, z. B. Queen).
So hatten wir Gelegenheit der Premiere
beizuwohnen.
Die aus Schweden stammende Sängerin Dorotea Katthän fesselte mit ihrer gesanglichen Darbietung von Liedern aus verschiedensten Filmen, gepaart mit ausgewählten emotionalen Filmszenen, die Zuschauer.
Das war eine gelungene kurzweilige Dreiviertelstunde.
Anschließend genehmigten wir uns noch einen Absacker in Harry’s Bar, einschließlich zweier Käsespieße vom Late-Night-Buffet, bevor es in die Falle ging.
162. Reisetag – Mittwoch, 28.05.2025 Seetag (4/4)
Die ARTANIA war heute im Vampir-Fieber. Am Abend kam das Musical „Tanz der Vampire“ zur Aufführung.
Das hatte Auswirkungen bis zur Deko am Buffet zum Late-Night-Snack.
Die Aufführung war ein großer Erfolg und wurde von allen Seiten sehr gelobt.
163. Reisetag – Donnerstag, 29.05.2025 (Himmelfahrt) Banjul/Gambia
Da heute auch Vatertag war, lud Phoenix alle Väter und solche die es hätten sein können um 9:30 Uhr zu einer Deckwanderung mit Bollerwagen und Dosenbier ein.
Da unsere Ankunft im Hafen von Banjul erst um 11:00 Uhr erfolgen sollte, war für solche Vergnüglichkeiten noch genügend Zeit.
Gegen 11:30 Uhr trafen wir uns am Hafenausgang mit Ziggy.
Ziggy ist ein einheimischer Guide, mit dem wir vor zwei Jahren eine wunderschöne Tour unternommen hatten. Seitdem sind wir in Kontakt geblieben. Da seine Geschäfte eher schlecht laufen, habe ich für ihn schon vor längerer Zeit eine kleine Internetseite gebastelt (https://ziggy.hoelzer24.de ) und einige Tage vor der Ankunft der ARTANIA in Banjul auf Facebook nochmals die Reklametrommel für ihn gerührt und das sogar mit Erfolg.
Das Ehepaar Daniela und Frank sind so auf ihn aufmerksam geworden und haben eine Tour bei ihm gebucht.
Für uns hat Ziggy im Vorfeld einen Fahrer gebucht, der uns lediglich zu einem Ressort, dem Kombo Beach, fahren und am späten Nachmittag wieder abholen sollte.
Die Fahrt zu dem 17 Kilometer entfernten Ressort sollte hin und zurück 25 € kosten. Uns war von Anfang an klar, dass diese Preisangabe nur für die einfache Strecke gilt, trotz gegenteiliger Beteuerung. Und so war es auch. Kurz vor dem Einsteigen in das Fahrzeug und unserer obligatorischen Frage, ob es sich bei den 25 € um den Betrag für beide Fahrten handeln würde, war von einem Missverständnis und von 50 € die Rede. Der fällige Kompromiss pendelte sich bei 40€ ein. Ein extra Trinkgeld war da natürlich nicht mehr drin.
Gleich nach dem Start machte uns der Fahrer ein Zusatzangebot: Einschalten der Klimaanlage für 10 € Aufpreis. Wir begnügten uns mit dem Öffnen der Seitenfenster, das war in den 40 € inklusive.
Die nächste Hürde, die wir allerdings mit Bravour gemeistert haben, war 500 Meter vor dem Kombo Beach.
Dort befindet sich eine Brücke, die jetzt allerdings für Fahrzeuge gesperrt war.
Da wir im gleichen Ressort vor 2 Jahren schon mal waren, kannten wir den Weg dorthin, sodass wir das Angebot des Fahrers, uns dorthin zu begleiten (ohne Aufpreis!) ausschlagen konnten.
Vor zwei Jahren hatte der Tagespass vom Kombo Beach nur 250 Gambia Dollar (GMD) gekostet, das waren etwas mehr als 3 Euro. Jetzt mussten wir 2.000 GMD pro Person berappen (ca. 25 €), allerdings beinhaltete dieser Preis einen Verzehrgutschein für umgerechnet 10 €.
Nachdem wir Poollandschaft und Restaurant ausgiebig genutzt hatten, wurde es Zeit für einen kleinen Spaziergang an dem wenig bevölkerten Strand.
Am Strand waren ca. 20 Männer damit beschäftigt mühsam und mit viel Krafteinsatz ein Schleppnetz an Land zu ziehen.
Die Ausbeute war sehr bescheiden.
Das Netz wurde danach mit einem kleinen Ruderboot an einer anderen Stelle wieder ausgebracht und die Prozedur ging wieder von vorne los.
Im Laufe unseres Spaziergangs gesellte sich ein junger Einheimischer zu uns. Nach den üblichen Fragen „How are you“ und „Where do you come from” wich er nicht mehr von unserer Seite. Unsere Befürchtung, dass er uns etwas verkaufen oder irgendeine Dienstleitung anbieten wollte, traf nicht zu. Zur baldigen Verabschiedung machte ich noch ein paar Fotos.
Tamsir, so nannte sich der junge Mann, bat darum, ihm die Fotos mit WhatsApp zu schicken, was ich sofort machte, als wir wieder im Ressort waren, wo es WLAN gab (unsere Welt-Sim-Karte funktionierte in Gambia nicht).
Er bedankte sich, ebenfalls per WhatsApp, mit diesem Foto. Ist das tatsächlich der gleiche nette junge Mann vom Strandspaziergang?
Unser Fahrer erwartete uns pünktlich um 17:00 Uhr an der Rezeption und wir wanderten zu seinem Fahrzeug jenseits der Brücke und er brachte uns zurück zum Hafen.
Wegen der langen Liegezeit bis 23:00 Uhr war es kein Problem, noch ein wenig durch die Hafengegend zu stromern, ...
... denn hier herrschte reges afrikanisches Treiben, in das wir eintauchen wollten.
Es war nicht immer ganz einfach, die „Begleiter“, die sich uns ungefragt anschlossen („How are you“), um uns dann dies oder das zu zeigen, wieder los zu werden. Manchmal mussten wir ein wenig massiv werden.
Voller Eindrücke kehrten wir gegen halb acht zurück zum Schiff.
Daniela und Frank waren übrigens von ihrer Tour mit Ziggy restlos begeistert.
In der Nacht schaffte die ARTANIA ganz locker die 100 Seemeilen bis Dakar.
164. Reisetag – Freitag, 30.05.2025 Dakar/Senegal
Heute hatte wir genau ein Ziel im Auge: das Monument de la Renaissance africaine (Denkmal der afrikanischen Wiedergeburt).
Als wir uns langsam für den Landgang fertig machten (Sonnenschutz, Rucksack packen etc.) erfolgte eine Durchsage, dass die für heute 10:00 Uhr angesetzte Rettungsübung für die Crew derart ablaufen soll, dass dabei sämtliche 500 Crewmitglieder das Schiff verlassen werden.
Sodann soll eine Demonstration über den Gebrauch einer Rettungsinsel erfolgen.
Die Rettungsboote sind für die Passagiere, die Rettungsinseln sind hauptsächlich für die Besatzung vorgesehen.
Das Foto zeigt einen Container, in dem die Insel (für 25 Personen) verpackt ist.
Ganz klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen konnten, das Monument musste warten.
Als wir uns auf der Pier schon mal positionierten, sahen wir, dass an unserer Anlegestelle ein großer Teppich aus ölverschmierten Plastikmüll trieb.
Es sah nicht so aus, dass die Quallen in dieser Brühe noch lange leben würden.
Der erste Teil der Rettungsübung bestand darin, dass ein Team im Inneren des Schiffs eine Bombe suchen sollte. Wie diese Suchaktion ausging, kann ich nicht sagen, aber das Resultat war, dass der Kapitän das Kommando zum Verlassen des Schiffs gab.
Über die beiden Gangways wurde das Schiff evakuiert.
Es dauerte seine Zeit, bis alle 500 Frauen und Männer der Schiffsmannschaft an der Pier angetreten waren.
An einem Kran hing die Rettungsinsel über die Reling, noch verpackt in ihrem weißen Container.
Mit einem lauten Knall barsten die beiden Hälften des Containers auseinander und die Rettungsinsel blies sich in Sekundenschnelle auf.
Langsam wurde sie die Bordwand heruntergelassen und dabei nahm das Zelt über den aufgeblasenen Gummiwulsten Form und Gestalt an.
Nachdem die Rettungsinsel am Boden angekommen war, mussten sämtliche Crewmitglieder auf der einen Seite in die Insel hineinklettern und auf der anderen Seite wieder hinaus.
Auch das nahm ordentlich Zeit in Anspruch.
Zu guter Letzt wurde das Kohlendioxyd herausgelassen , mit dem die Schwimmkörper aufgeblasen worden waren und mit vereinten Kräften wurde, wie aus einer Luftmatratze, der Rest herausgequetscht.
Bewundernswert fand ich, dass die Insel zusammengerollt und zurück in den Container verfrachtet wurde und das beim ersten Versuch.
Wenn ich früher meinen Schlafsack zusammenzurollte, passte er nie auf Anhieb in seine Hülle. Und beide Aktivitäten – Schlafsack und Rettungsinsel zusammenrollen - sind durchaus vergleichbar.
Mit vereinten Kräften mehrerer starker Männer wurde der Container über eine Ladeluke zurück ins Schiffs verfrachtet.
Dort wird die Insel wahrscheinlich wieder fit gemacht, um als Rettungsmittel an seinem vorgesehenen Platz für alle Fälle zur Verfügung zu stehen. So ein Teil kostet schließlich so um die 5.000 Euro.
Das eben beschriebene Schauspiel dauerte gut 1 ½ Stunden, sodass wir unseren eigentlichen Landgang erst um 11:30 angehen konnten.
Um zu dem Monument, dass man laut Reiseführer gesehen haben muss, zu gelangen, brauchte es ein Taxi, denn die 12 Kilometer dorthin zu Fuß zu gehen, wäre keine gute Idee gewesen.
Gleich an der Pier standen einige gelbe Taxen und man sah uns schon von Weitem an, dass wir eines bräuchten. Die übliche Verhandlung begann damit, dass wir klar und deutlich unseren Wunsch artikulierten:
- Fahrt zum Monument de la Renaissance africaine (12 Km) ohne Zwischenstopps Märkte, Panoramafahrten.
- 1 Stunde Aufenthalt am Monument.
- Fahrt zurück zum Hafen ohne irgendwelche Schnörkel.
Das Angebot kam prompt und wie aus der Pistole geschossen: 100,00 Euro!
Leider kannten wir nicht die englische Übersetzung von: „Wir sind doch nicht mit dem Klammersack gepudert.“
Wir beendeten die Diskussion und sofort standen weitere Verhandlungspartner zur Verfügung. Auch Angebote über 50 € und 35 € lehnten wir ab.
Dann schwangen wir selbst die argumentative Keule.
Laut Internet-Taxi-App kostet die einfache Fahrt ca. 5 €, daher unser Angebot: 5€ für hin, 5€ für zurück und 5€ obendrauf. (Leider funktionierte unsere Welt-E-Sim,-Card auch hier im Senegal nicht, sonst hätten wir über die Taxi-App uns ein Fahrzeug besorgt).
Ein junger Mann aus dem Trupp der Anbieter nahm unser Angebot an und bat uns, ihm zu folgen.
Wir gingen mit ihm ein Stück des Wegs und gelangten zu einem Parkplatz. Wir nahmen an, dass dort sein Auto steht, aber weit gefehlt. Wir überquerten den Parkplatz und er beschwichtigte uns, dass wir bald da seien, denn wie bereits erwähnt, hielten wir es für keine gute Idee, zu Fuß zum Monument traben, denn in Afrika ist es meistens sehr heiß.
Schließlich liefen wir tatsächlich auf ein gelbes Taxi zu. Da saß aber schon ein Fahrer drin. Der junge Mann bat uns einzusteigen (beide bitte hinten) und er stieg vorne ein. Wir klopften noch einmal die Eckpunkte unserer Verhandlungen ab und die Fahrt ging los.
Die ersten Kilometer durch die City der 1,2 Millionenstadt waren wegen der vielen Autos auf den Straßen sehr zäh, aber nach einer knappen halben Stunde waren wir am Ziel.
Wir wollten einige unserer Sachen im Fahrzeug lassen, aber davon riet uns der junge Mann ab, denn das Taxi fuhr, nachdem wir drei ausgestiegen waren, wieder weg.
Bis zur Plattform am Fuß des gewaltigen Monuments mussten wir erst noch etwas mehr als 200 Stufen bewältigen.
Der junge Mann wollte uns begleiten, aber das erließen wir ihm, worüber er anscheinend recht dankbar war.
Das Monument ist mit 52 Metern Höhe die höchste Statue Afrikas.
Ich wunderte mich etwas über die recht freizügige Darstellung der Frau, schließlich ist der Islam mit über 90% Anteil im Senegal vertreten.
Wie ich später nachlesen konnte, führte dies auch tatsächlich zur Kritik, aber da stand das Monument, das von einer nordkoreanischen Firma zwischen 2008 und 2010 errichtet wurde, schon unverrückbar auf dem Sockel.
Wir brauchten nicht ganz die vereinbarte Stunde, um wieder unten anzukommen.
Unser junger Mann hielt ein Taxi an, von denen ständig welche vorbei kamen, sprach mit dem Fahrer und das Taxi fuhr weiter.
Jetzt erst begann ich das Geschäftsmodel des jungen Mannes zu begreifen.
Er handelt einen Pries mit einem Touristen aus und besorgt die Taxis, mit denen er ebenfalls einen Fahrpreis für eine Teilstrecke aushandelt. Er muss nun so verhandeln, dass von dem Geld, das er von dem Touristen bekommt, noch etwas übrig bleibt.
Die Taxifahrer sind also praktisch nur seine Subunternehmer und er selbst ist Dienstleister, der sich um die Transporte kümmert.
Es war wohl nicht ganz einfach, ein Taxi zu finden, dass in unserem Preissegment lag, ...
... aber schließlich hielt eine Rostlaube an, mit der das Budget anscheinend nicht überschritten wurde.
Wir konnten also einsteigen, unser Dienstleister wieder vorn.
Doris und ich beschlossen, unser Zahlung um 5 Euro zu erhöhen, weil die Gewinnmarge sonst doch etwas schwach ausgefallen wäre.

Heute war Freitag, also der Tag des Freitaggebets des Islam.
Wir kamen auf der Fahrt zum Hafen durch eine Straße, an der auf beiden Seiten auf einer Länge von mehreren hundert Metern die Gläubigen mit ihren Gebetsteppichen standen, bereit sich hinzuknien zum Gebet.
Die Rückfahrt ging etwas schneller als die Hinfahrt, wo im Hafen immer noch Taxen auf Kundschaft warteten, genau wie die Souvenierhändler, die etwas abseits von der ARTANIA in der prallen Sonne auf Decken ihre Waren feil boten.
Bei aller afrikanischen Exotik, die wir gestern in Banjul und heute bei der Fahrt in Dakar auf den Straßen gesehen haben, ist eines klar, unseren ersten 6er im Lotto hatten wir gewonnen, als wir in Deutschland geboren wurden und nicht in Afrika.
Dies war heute der letzte Hafen in Afrika. In 2 Tagen, am Montag, werden wir auf Gran Canaria wieder in Europa sein. Hier geht die Weltreise zu Ende.
Doris und ich werden aber noch knapp 3 weitere Wochen auf der ARTANIA bleiben
165. Reisetag – Samstag, 31.05.2025 Seetag
Gestern Abend fanden wir in der Kabine ein Schreiben vor, in dem uns der Kapitän für heute um 10:45 Uhr um ein Gespräch bat.
Zwar war nicht angegeben, worüber das Gespräch geführt werden sollte, aber ich konnte mir den Grund der „Einladung“ schon denken.
Ich hatte ja im Blog unter dem Datum 25.5.2025 über das Problem geschrieben, dass Passagiere beim Tendern die oberen „Hochsitze“ besetzen, obwohl von der Reiseleitung darauf hingewiesen wird, diese frei zu halten (Regel Nr. 1). Die Seitenlehnen dieser Sitze dienen quasi als Treppengeländer für die 3 Stufen, die im Boot hinunter gestiegen werden müssen, um auf den „regulären“ Sitzbänken Platz zu nehmen. Wenn aber die Hochsitze besetzt sind, kann man den Griff nicht mehr greifen und muss die Stufen freihändig hinab steigen, was bei einem schwankenden Tenderboot ein gewisses Gefahrenpotential darstellt. Wenn dann auch noch unten im Boot ignorant nicht durchgerutscht wird, muss man gezwungenermaßen zusätzlich auch noch an diesen Füßen vorbei balancieren.
Das geforderte Durchrutschen habe ich als Regel Nr. 2 bezeichnet. Bei jeder Tenderfahrt gibt es uneinsichtige Menschen, die diese Regeln zumeist bewusst missachten.
Nun habe ich diese Problematik nicht nur im Blog beschrieben, sondern dies in einer E-Mail mit dem Betreff „Gefährliches Tendern“ auch an Phoenix Bonn gemeldet, mit der Aufforderung dafür zu sorgen, dass diese eigenen Regeln zum sicheren Tendern auch eingehalten werden.
Da an den Tagen an denen getendert wird 4 Boote ständig parallel im Einsatz sind, kann Phoenix nicht 4 Mitarbeiter abstellen, um diese Regeln zu überwachen und durchzusetzen. Deswegen bat ich Phoenix Bonn die von ihr beauftragte Firma BMS, die das nautische Personal einschließlich Kapitän stellt, anzuweisen, die Tendercrews zu autorisieren und in die Lage zu versetzten, bei besagten Regelverstößen einzuschreiten. Nur so ist meines Erachtens gewährleistet, dass die Regeln auf Dauer eingehalten werden und somit das Gefahrenpotential, im Tender zu stürzen, minimiert wird.
So, jetzt sind auch die Leser, die den Tenderbeitrag im letzten Blogeintrag nicht gelesen haben, über die Problematik informiert.
Um kurz vor 10:45 Uhr warteten wir in Harry’s Bar auf den Kapitän. Der hatte sich aber Verstärkung mitgebracht in Person von Herrn Michael Schulze von Phoenix Bonn, seines Zeichens Direktor Schiffsreisen und dem Kreuzfahrtdirektor Moritz Stedtfeld. Herr Schulze gehört zum erweiterten Kreis der Geschäftsführung, ist aber natürlich nicht extra wegen uns auf der ARTANIA, sondern ist üblicherweise zum Ende einer Weltreise für ein paar Tage an Bord.
Also drei gegen zwei.
Zunächst fragte mich der Kapitän, wo denn die Regeln, von denen ich in meiner E-Mail geschrieben hätte, eigentlich stünden. Ich erwiderte, dass sie sowohl in den Tagesprogrammen als auch in Lautsprecherdurchsagen an Tendertagen bekannt gemacht werden.
Ich wurde daraufhin belehrt, dass es sich hierbei nicht um Regeln handelt, sondern um Hinweise. Für die Einhaltung von Regeln sei er als Kapitän durchaus verantwortlich, aber nicht für derartige Hinweise. Die müssen von den Passagieren selbst beachtet werden, obwohl es natürlich immer wieder Menschen gäbe, die wissentlich diese Hinweise missachten, so wären Menschen nun mal.
Des Weiteren seien die erwähnten Hochsitze sehr wohl zur Nutzung vorgesehen, insbesondere für gehbehinderte Menschen, denen die erwähnten drei Stufen nicht zumutbar seien.
Neben den Griffen an den Hochsitzen gäbe es noch genügend andere Griffe und Stangen im Tender, mit deren Hilfe man die Stufen gefahrlos bewältigen könne, auch wenn die Hochsitze besetzt seien. Er habe sich selbst davon überzeugt. Ich gab zu bedenken, dass besagte Stange und die Bügel über den Sitzreihen unten im Tender viel zu weit von den Stufen entfernt und somit von dort gar nicht erreichbar sind, was ich anhand eines Fotos auch zeigen konnte. Darauf ging er aber nicht weiter ein.
Mein Vorschlag bzw. meine Forderung, dass die Crew bei entsprechendem Regelverstoß - pardon - bei Nichtbeachtung der entsprechenden Hinweise einschreiten soll, wurde kategorisch abgelehnt. Dies könne die Crew nicht leisten, sie sprechen erstens nur englisch und zweitens sei das nicht deren Aufgabe.
Ich sehe das anders. Mindestens 75% der Passagiere sprechen ausreichend Englisch, um einen Satz mit entsprechender Gestik wie z. B.:“ Please leave this seat free and go there“ zu verstehen. Wenn jemand trotz der Gestik nicht kapiert, was er tun soll, wird schon jemand den Satz ins Deutsche übersetzen. Gleiches gilt für:“Please slide through“.
Die Aussage, dass die Crew das nicht leisten könne, steht im krassen Widerspruch zu dem, was allen Passagieren bei jeder Rettungsübung eingeschärft wird: „In einem Notfall folgen sie unbedingt den Anweisungen der Crew, sie ist dafür ausgebildet“.
Jawohl, ich habe verstanden! Die Crew wäre durchaus in der Lage, im Tender für Ordnung zu sorgen, aber das ist so nicht gewollt, warum auch immer.
Ok, das war zumindest die Auffassung von Kapitän Müller. Aber selbst wenn er allen meinen Vorschlägen zugestimmt hätte, wäre das Problem trotzdem nicht auf Dauer gelöst, denn schon beim nächsten Wechsel des Kapitäns, der im Übrigen schon in drei Tagen erfolgen wird, kann ja der Nachfolger die Sache ganz anders sehen.
Hier wäre jetzt die Geschäftsführung gefordert, ein Machtwort zu sprechen und die „Hinweise“ in den Stand verbindlicher Regeln zu befördern und als Auftraggeber die Firma BSM anzuweisen, für deren Einhaltung zu sorgen.
Aber klar, dass sich Herr Schulze und der Kapitän vorher abgesprochen hatten und somit beide ins gleiche Horn stießen.
Ein kleiner Lichtblick kam vom Kreuzfahrtdirektor Moritz Stedtfeld. Er sagte zu, seine Leute zu sensibilisieren, damit sie einschreiten, wenn sie einen derartigen Regelverstoß – nochmal pardon – ein Nichtbeachten der Hinweise beobachten. Er wird dies auch in einem Dokument für die nachfolgenden Kreuzfahrtdirektoren auf der ARTANIA festhalten.
Da aber die meisten Tenderfahrten ohne Phoenixbegleitung erfolgen, bleibt in der Hauptsache alles so wie es ist.
Fazit:
Wir werden uns also weiterhin über impertinente, rücksichtslose Mitreisende, die uns und andere gefährden, ärgern und können nur hoffen, dass niemand deswegen im Tender stürzt und sich verletzt.
Wenn doch, wird sich Phoenix nicht darauf zurückziehen können, dass es entsprechende Hinweise an Passagiere gegeben hätte und sie damit aus jeglicher Verantwortung entlassen sind oder gar von einer Gefahrenquelle nichts wissen konnten.
166. Reisetag – Sonntag, 01.06.2025 Seetag
Heute mussten wir um 12 Uhr mittags die Uhren um eine Stunde vorstellen, also wurde es schlagartig 13:00 Uhr.
Mit dieser Zeitumstellung startete der tradionelle Frühschoppen, der heuer unter dem Titel „MS Artania Biergarten!“ stattfand und gleichteitig öffneten die Restaurants ihre Pforten für das Mittagessen.
Der „MS Artania Biergarten!“ unterschied sich außer in der Namensgebung vom sonst üblichen „Stadl-Frühschoppen“ in keinster Weise. Ein Frühschoppen der erst um 13:00 Uhr beginnt, kann natürlich nicht Frühschoppen heißen, da hat jemand richtig mitgedacht.
Aber warum wurde diese Schoppen-Veranstaltung nicht einfach um 11:00 Uhr angesetzt, wie sonst auch? Ganz einfach, weil um 10:15 Uhr, statt des an Seetagen üblichen Lektorats, eine Präsentation mit Michael Schulze, dem Direktor Schiffsreisen stattfand, deren geplante Dauer die üblichen 45 Minuten überschritt.
Eine Überschneidung von Frühschoppen und Präsentation sollte ausgeschlossen sein.
Wenn man es geschickt anstellte, konnte man durchaus erst eine halbe Stunde Frühschoppen zelebrieren, mit Freibier, Schweinebauch, Leberkäs‘ und Weißwurst und dann noch schnell zum Mittagessen eilen.
Zur Kaffeestunde am Nachmittag gab es wieder die allseits beliebte Schwarzwälder-Kirsch-Torte.
167. Reisetag – Montag, 02.06.2025 Las Palmas/Gran Canaria/Spanien
Hier in Las Palmas auf der Insel Gran Canaria endete die Weltreise. Von den 180 Weltreisenden stiegen ca. 100 aus, aber die restlichen 80 fahren weiter bis Bremerhaven. Die 17-tägige Reise dorthin nennt sich „Zu den schönsten Inseln und Küsten Westeuropas!“
Während der Weltreise legte die ARTANIA eine Strecke von 40.094 Seemeilen (74.254 Kilometer) zurück.
Interessant ist vielleicht in diesem Zusammenhang, dass die Anzahl der Zugriffe auf den Blog bis heute ebenfalls etwas mehr als 40.000 betrug. Das bedeutet, dass pro zurückgelegter Seemeile ein Zugriff erfolgt ist. Diese rein statistische Erkenntnis hat aber keinerlei höhere Bedeutung und ist absolut nutzlos. 😊
Gran Canaria war während der Zeit, als wir noch gearbeitet haben, in vielen Jahren im Januar unser Urlaubsziel gewesen, um dem deutschen Winter zu entkommen. Wir hatten immer Quartier in einem Apartment in Playa del Inglés bezogen. Wir wollten jetzt noch einmal auf unseren damaligen Spuren wandeln und fuhren mit dem Bus Nr. 30 vom Busterminal in Las Palmas zur 50 Kilometer entfernten Südspitze der Insel.
Ein touristischer Hotspot dort war immer das Cita Shopping Center, ein Mix aus kleinen Geschäften, Supermärkten und vor allem eine große Auswahl an Restaurants, Kneipen, Bierschwemmen. Das Ganze verteilt auf 2 Etagen.
Heute ist die 2. Etage, wo vor allem die Gastronomie zu Hause war, verwaist wie eine verlassene Goldgräberstadt.
Hier, in der Pizzeria Pinocchio, gab es die beste Pizza, die wir je gegessen hatten.
Der Laden steht, wie viele andere auch, seit Jahren zum Verkauf.
Die besten Zeiten von Playa del Inglés scheinen vorbei zu sein.
Ein kleiner Spaziergang an der Promenade mit den berühmten Dünen ist praktisch obligatorisch.
Die Dünen sind das Aushängeschild und ziehen sich ca. 3 Kilometer bis nach Maspalomas.
Zurück an Bord, hatte sich das Schiff schon kräftig mit neuen Gästen gefüllt.
Um 21:00 Uhr waren die letzten Neuankömmlinge vom Flughafen eingetrudelt und die obligatorische Rettungsübung konnte beginnen.
Wir waren nun 1.100 Passagiere an Bord, die ARTANIA war also knallevoll bis unters Dach.
Nicht nur die Passagiere haben gewechselt, sondern auch der Kapitän. Morten Hansen führt jetzt wieder das Kommando.
Da der Lotse und der bestellte Schlepper sich um eine halbe Stunde verspäteten, konnten wir erst um 22:30 Uhr ablegen.
PS
Über die Glückwünsche zu unserer heutigen Silberhochzeit von Leserinnen und Lesern des Blogs haben wir uns sehr gefreut. Gratuliert wurde persönlich an Bord, per Mail, per WhatsApp und übers Gästebuch des Blogs. Wir möchten uns auf diesem Weg bei Ihnen/bei Euch bedanken.
Es ist bewundernswert, dass Sie sich/Ihr Euch an dieses Datum erinnert habt, schließlich hatte ich es vor fast einem halben Jahr im allerersten Blogabschnitt „Reisevorbereitung“ erwähnt, weil Silberhochzeit und Rückreisestress nicht so gut zusammenpassen und wir deshalb die Anschlussreise gebucht hatten.
168. Reisetag – Dienstag, 03.06.2025 San Sebastián/La Gomera/Spanien
Von Las Palmas bis San Sebastian auf der kleinen kanarischen Insel La Gomera ist es nur ein Katzensprung von 136 Seemeilen, sodass wir trotz der gestrigen verspäteten Abfahrt überpünktlich um 8:00 anlegen konnten.
Bevor die Landgangsfreigabe bekannt gegeben wurde, erfolgte die Durchsage, dass die Abfahrt heute Abend von 20:00 Uhr auf 19:00 Uhr vorverlegt werden musste. Grund dafür war ein starker Wind, der gegen Abend laut Wetterbericht noch zunehmen sollte. Wind, so hatten wir von Kapitän Müller in seinem Vortrag gelernt, wirkt ab einer Stärke von 25 Knoten mit solchen Kräften auf die ARTANIA, dass die Maschinen einschließlich Bugstrahler nur schwer dagegen ankommen. In solchen Fällen wird normalerweise ein Schlepper bestellt, damit das Schiff beim Anlege- und Ablegemanöver nicht unkontrolliert im Hafenbecken havariert. Nur gab es hier auf La Gomera leider keine Schlepper.
San Sebastian ist ein hübsches beschauliches Urlaubsörtchen.
Dessen wenige Sehenswürdigkeiten schritten wir mit Hilfe eines Geocache-Adventure-Labs ab, wie etwa die Casa de Colón, wo angeblich seinerzeit Christoph Columbus übernachtet hat, was aber historisch mittlerweile widerlegt ist.
Silvester 2021 befanden wir uns mit unseren Freunden Elisabeth und Clemens auf der Kreuzfahrt mit dem Titel „Über Weihnachten und Neujahr zu den Kanaren“ schon einmal hier in San Sebastian. Clemens und Elisabeth hatten ein Auto gemietet und waren mit uns über die Insel gefahren. Das war natürlich weitaus spektakulärer als der heutige beschauliche Spaziergang.
Spektakulär war auch heute das Ablegemanöver.
Der Wind machte der ARTANIA und damit dem Kapitän auf der Brücke erhebliche Probleme. Wir mussten rückwärts aus dem Hafen herausfahren.
Dabei versuchte der Wind die Artania immer wieder gegen die Pier zu drücken, was ihm auch teilweise gelang.
Wenn sich die ARTANIA mühsam mit Hilfe des Bugstrahlers und der Hecksteuerung ein Stück von der Kaimauer entfernte hatte, drückte sie der Wind immer wieder zurück.
An der steinernen Pier hingen, wie auf allen Häfen dieser Welt, die dicken Fender aus Gummi, um in solchen Fällen eine Beschädigung des Schiffsrumpfes zu verhindert. Die ARTANIA schrappte ab und zu an diesen Gummipolstern entlang, was zu höchst unschönen Geräuschen führte. Der schwarze Gummi hat sicherlich schwarze Striemen auf dem weißen Schiffsanstrich hinterlassen. Die werden dann bei Gelegenheit in einem der nächsten Häfen entfernt bzw. überstrichen.
Auf alle Fälle ist das sehr schwierige und durchaus kritische Manöver erfolgreich gelungen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass Kapitän Hansen dabei leicht erhöhten Blutdruck bekommen haben könnte. Da spielten Können, Erfahrung und gute Nerven die entscheidende Rolle.
169. Reisetag – Mittwoch, 04.06.2025 Santa Cruz /La Palma/Spanien
Santa Cruz de La Palma, so lautet der vollständige Name der Inselhauptstadt. Sie befindet sich an der Ostküste. Dieser lange Name macht durchaus Sinn, da es auf den Kanaren noch das Santa Cruz de Tenerife gibt, die ja beide nicht verwechselt werden wollen. Und den Inselnamen La Palma bitte nicht mit Las Palmas verwechseln, der Hauptstadt der Kanaren auf Gran Canaria.

An der Küstenstraße Avenida Maritima stehen die Casas de Los Balcones mit den für die Kanaren typischen Holzbalkonen.
Santa Cruz ist mit dem gestrigen San Sebastian vergleichbar, hübsch und beschaulich, touristisch erschlossen, aber nicht überfrachtet.
Imposant hier ist, wie schon auf La Gomera auch, das steile Gebirge.
Eine Fahrt durch diese Gebirgswelt ist imposant. Vor zwei Jahren fuhren wir mit dem Linienbus auf die Westseite. Die Strecke über die Berge hatte schon was.
Heute begnügten wir uns mit einem ausgiebigen Stadtbummel.
Um 18:00 Uhr hieß es „Leinen los“. Diesmal blies der Wind gnädiger Weise nicht so stark, aber selbst wenn, es wäre ein Schlepper vor Ort gewesen.
170. Reisetag – Donnerstag, 05.06.2025 Funchal/Madeira/Portugal
Um 11:00 Uhr machte die ARTANIA an der North Pier, Molhe Pontinha fest.
Das ist der beste, weil zentralste, Liegeplatz im Hafen von Funchal, direkt an der Promenade in Höhe des Hotel Pestana CR7, an dem Christiano Ronaldo beteiligt ist.
Wir haben in Funchal schon weitaus schlechter gelegen, etwa 1½ Kilometer von Ronaldos Hotel entfernt.
Leider konnten bzw. wollten wir nicht wie die anderen sofort nach der Freigabe Funchal erobern, denn jetzt hatte sie mich doch erwischt, die ARTANIA-Influenza. Fast ein halbes Jahr habe ich dieser immer wieder aufkommenden Schiffs-Seuche getrotzt, die immer mal wieder in Wellen das Schiff ereilt. Doris schwamm auf diesen Wellen kräftig mit und laboriert zur Zeit immer noch mit den Nachwehen.
Vorgestern ging es beimir mit leichten Halsschmerzen los, die einen Tag später ersatzlos durch einen leichten Schnupfen ersetzt wurden. Dieser verstärkte sich und der gefürchtete, hartnäckige ARTANIA-Husten hat sich angemeldet. Zum Schluss bleibt nur der Husten, an dem man, wenn man Pech hat (siehe Doris) manchmal wochenlang noch "Spaß" hat. Dieser Verlauf ist typisch und seit Jahren unverändert.
Ergo musste heute ein Schontag eingelegt werden.
Erst gegen Abend machten wir uns auf, um in einer nahegelegen Pizzeria zu speisen.
Anscheinend hatte sich der Wunsch nach einer leckeren Pizza beim Schreiben über das verwaiste Pinocchio auf Gran Canaria im Unterbewusstsein festgesetzt.
171. Reisetag – Freitag, 06.06.2025 Funchal/Madeira/Portugal
Auch heute musste ich den Schongang einlegen, aber zumindest Doris machte einen kleinen Streifzug durch die nähere Umgebung.
Sie berichtete nach ihrer Rückkehr, dass sie im Parque de Santa Catarina gewesen war.
Nach dem Mittagessen stellten wir fest, dass es in unserem Bad weder warmes noch sauberes Wasser gab. Während mit der Zeit die Trübung nachließ, kam die Temperatur nicht in die Gänge.
Ein kurzer Anruf an der Rezeption bewirkte, dass 2 Techniker im Marsch gesetzt wurden. Das Problem lag aber nicht irgendwo in unserer Kabine, sondern außerhalb an irgendeinem Verteilerstrang hinter einer Decke.
Die Techniker bekamen das Problem rasch in den Griff.
Somit blieben uns kalte Duschen erspart.
Um 17:00 Uhr verließen wir unseren zentalen Liegeplatz und nahmen Kurs auf Tanger in Marokko.
172. Reisetag – Samstag, 07.06.2025 Seetag
Auf diesem 17-tägigen Reiseabschnitt gibt es nur 3 Seetage. Heute war der erste davon.
Das Wetter war für ein so volles Schiff eher suboptimal; bewölkt, windig mit Seegang. In den Außenbereichen und auf den Sonnendecks hielten sich nur winddichte und wetterfeste Passagiere auf, der Mainstream bevölkerte das Schiffsinnere.
Erster Seetag, das bedeutet Gala-Abend.
Heute früh in seiner 10-Uhr-Durchsage hatte Kapitän Hansen bereits dem Handshake beim Fototermin eine Absage erteilt, eine Maßnahme, um sich vor Viren zu schützen
Ein Indiz, dass ich mit meiner (glücklicherweise schon wieder abklingenden) Erkältung einem Trend auf der ARTANIA gefolgt bin.
173. Reisetag – Sonntag, 08.06.2025 (Pfingstsonntag) Tanger/Marokko
Trotz der heutigen langen Liegezeit von 8:00 Uhr – 21:30 Uhr ging unsere Planung für den Landgang eher in Richtung Stippvisite.
Vor zwei Jahren machten wir hier in Tanger an einer Bude, mit einigen Tischen davor, Rast und tranken den für Nordafrika typischen Pfefferminztee mit aufgebrühten frischen Pfefferminzblättern. Der Tee war vorzüglich und der Budenbesitzer urig und nett. (Siehe Reiseblog 2022/023 Eintrag 3.4.2023).
Da wollten wir noch einmal hin und anschließend ein wenig durch die Medina tappen.
Dieses Programm war innerhalb weniger Stunden zu absolvieren.
Unser Liegeplatz lag etwas ungünstig, denn bis zum Hafenausgang zog es sich ein wenig, nämlich ca. 600 Meter.
Vor uns hatte das Luxus-Kreuzfahrtschiff Scenic Eclipse festgemacht.
Die Scenic Eclipse ist in den Ausmaßen etwa kleines als unsere ARTANIA und fährt mit maximal 228 Passagieren an Bord. Ausgestattet ist das Schiff ausschließlich mit Suiten, 2 Helikoptern und einem Mini U-Boot. Der Tagespreis pro Person beginnt bei etwa 1200 Euro, also nichts für uns.
Hinter dem Hafenausgang musste ein großer Verkehrskreisel überwunden werden. Die Zebrastreifen zeigten aber nur Wirkung, wenn man mutig die Straße betrat. Hätten wir am Straßenrand gewartet bis die Fahrzeuge freiwillig halten, würde wir wahrscheinlich jetzt noch dort stehen.
Nachdem diese Hürde genommen war, stießen wir auf eine Null-Kilometer Marke, die es vor zwei Jahren noch nicht gegeben hat.
Ähnliches hatten wir schon in der ein oder anderen Stadt gesehen. Normalerweise handelt es sich dabei um einen Ausgangspunk für Kilometerangaben von Fernstraßen. Hier jedoch war das anders, wie uns ChatGPT wie folgt belehrte:
Der Zero Kilometre of Africa in Tanger ist keine technische Nullpunktmarkierung, sondern ein symbolischer Meilenstein. Er symbolisiert den Beginn Afrikas aus europäischer Perspektive. Da hat ChatGPT bezüglich „Beginn Afrikas“ durchaus recht, den Tanger liegt am westlichen „Südufer“ der Straße von Gibraltar, also der Meerenge, die Europa und Afrika trennt.
Die gesuchte Bude für unsere Teepause hatten wir relativ schnell gefunden, aber unser „Wirt“ von damals war nirgends zu sehen. Vorsorglich hatten wir die Fotos von damals wieder aufs Handy geladen und zeigten sie dem jungen Mann, der hier die Gäste bediente. Wir fragten, ob wir hier richtig waren. Ja, wir waren hier richtig – im Prinzip. Nur war es so, dass die Bude zweigeteilt war, es sich also um zwei Läden handelt und der andere Laden heute geschlossen hatte. Die Zweiteilung hatten wir damals nicht bemerkt. Da war die Verkaufsklappe zu, die heute offen war. Damals war es also genau umgekehrt.
Aber selbstverständlich konnten wir auch hier und heute einen Pfefferminztee bekommen. Wir hatten keine marokkanische Dirhams, aber wir könnten auch mit Euro zahlen, 1 € pro Tee.
Erfreut gaben wir unsere Tee-Bestellung auf, die nach einiger Zeit auch an unseren Tisch gebracht wurde. Kännchen und Gläser wurden abgestellt und der junge Mann entschwand wieder. Was diesmal nicht vollzogen wurde, war die damalige Tee-Zeremonie, sprich den Tee im hohen Bogen aus der Kanne in das kleine Glas gießen und von dort zurück in die Kanne befördern und das Gläschen erneut füllen.
Also selbst ist der Mann bzw. die Frau, schließlich wussten wir ja, wie das geht.
Als wir den ersten Schluck nahmen, war der Geschmack nicht der, den wir erwartet hatten. Es fehlte der volle, reine Minzgeschmack. Die Erklärung war einfach, es handelte sich um schwarzen Tee, der mit einigen Blättchen Pfefferminz aufgepeppt war.
Das war wieder mal ein Beispiel, dass billig nicht gleich gut ist. Vor zwei Jahren kostete der Tee 15 Dirham, wie ich in meinem Blog 2022/2023 nachlesen konnte. Das waren damals wie heute ca. 1,50 Euro. Qualität hat halt seinen Preis.
Ein wenig enttäuscht verließen wir den gastronomischen Betrieb, so ist das, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden.
Der Gang durch die Altstadt, die Medina, ist selbstredend für den Touristen obligatorisch, auch wenn, wie heute, viele Läden geschlossen blieben.
Denn seit dem 6. Juni bis morgen 9. Juni fanden die Tage des islamischen Opferfests (Eid al-Adha; arabisch: عيد الأضحى) statt. Das Opferfest ist von der Wichtigkeit mit dem christlichen Weihnachtsfest vergleichbar, auch wenn die religiöse Bedeutung eine ganz andere ist.
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Free Palastine! Diese Parole haben wir immer wieder in den verschiedensten Ländern in denen der Islam verbreitet ist, als Graffiti an Hauswänden gesehen.
Dieses seit Jahrzehnten ungelöste Problem muss endlich gelöst werden.
Nach dem Rundgang durch die Medina kehrten wir zur ARTANIA zurück.
Auch hier stand noch ein bedeutendes Ereignis an, dass zwar nicht den Stellenwert des hiesigen Opferfestes hatte und es wurde auch zur Feier des Tages kein Lamm geschlachtet, aber es gab zumindest zur Kaffeestunde Schwarzwälder Kirsch Torte. 😊
Am Abend wurde die Übertragung des Finale der UEFA Nations League zwischen Portugal und Spanien sowohl im Bordkino als auch hinten an der Phoenix-Bar gezeigt (Sieger Portugal: 2:2 n. V. und 5:3 i. E).
174. Reisetag – Montag, 08.06.2025 (Pfingstmontag) Málaga/Spanien
Jetzt waren wir endgültig in Europa angekommen. Zwar gehören die Kanaren (Spanien) und Madeira (Portugal), die wir vor einigen Tagen angelaufen hatten, politisch zu Europa, aber geologisch und geografisch zählen sie zu Afrika.
Wir lagen mit zwei weiteren Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Málaga. Unser Liegeplatz war wieder mal nicht der Beste.
Noch etwas weiter hinten und damit noch weiter vom Zentrum entfernt lag die Crystal Serenity (740 Passagiere) ...

Die Seven Seas Splendor von der Reederei Regent, die zur Norwegian Cruise Line Holdings Ltd. gehört.
... und vor uns, an etwas besserer Position, die Seven Seas Splendor (750 Passagiere), ...
... diese beide Schiffe werden im Netz als Luxus-Kreuzfahrtschiffe oder Luxus-Liner bezeichnet.
Die Pole-Position jedoch hatten 3 Super-Luxus-Jachten inne, an denen wir vorbei kamen, nachdem wir schon 1,5 Kilometer zu Fuß unterwegs waren.
Direkt in die City wollten wir nicht, da bei unserem letzten Besuch hier in Málaga die Straßen rund um den Dom von Touristen überschwemmt worden waren. Wir befürchteten, dass es heute nicht anders sein würde, was wir aber nicht unbedingt überprüfen wollten. 😊
Somit begnügten wir uns bei bedecktem Himmel und milden Temperaturen mit einigen schönen Parks, ...
... die sich zwischen Hafen und dem modernen Zentrum befinden.
Als virtuellen Reiseführer nutzten wir wieder die Geocache-Adventure-Lab-App.
Bevor es zurück zum Schiff ging, kehrten wir an der modernen, schicken Hafenpromenade in einem Restaurant noch für eine Cola ein. Das ist insofern erwähnenswert, da ein Glas Cola (0,5 l) mit nur 2€ zu Buche schlug, wo doch gegenüber die millionenschweren Luxusjachten festgemacht hatten und das Preisniveau an schicken Promenaden in der Regel etwas höher ausfällt.
Erst spät gegen 23:00 Uhr wurden die Leinen gelöst und die ARTANIA nahm Kurs auf Lissabon, wo wir ziemlich am Anfang der Reise schon einmal angelegt hatten.
175. Reisetag – Dienstag, 10.06.2025 Seetag
Zwar ist die Weltreise offiziell zu Ende, aber inoffiziell geht sie wohl doch noch bis zum 19.6.2025 nach Bremerhaven.
Für diese Annahme gibt es 2 Indizien:
1. Der Kilometer- bzw. Seemeilenzähler wurde in Las Palmas, wo die Weltreise zu Ende gegangen ist, noch nicht auf Null zurückgestellt. Das wird vermutlich erst mit der Ankunft in Bremerhaven geschehen. Ab dann wird der Reset der Seemeilen nach dem Ende an jeder der ca. 3-wöchigen Sommerreisen erfolgen.
Über den Link https://www.phoenixreisen.com/hier-ist-die-artania-heute-.html?v=1 können die aktuellen Reisedaten der ARTANIA abgerufen werden. Von dort kann man aber auch auf die Daten der Vergangenheit zugreifen.
2. Heute wurde noch einmal ein Fototermin für die verbliebenen Weltreisegäste einberaumt.
Dazu versammelten wir uns am Vormittag auf dem Vorschiff auf Deck 4, ein Bereich, der normalerweise für Passagiere nicht zugänglich ist.
Ein unangenehmer Wind blies uns kräftig um die Ohren.
Deshalb war ich froh, dass die Ansprachen des Kapitäns und Kreuzfahrtdirektors erfreulich kurz ausfielen.
Neu für mich war dabei die Information, dass die bisher kursierende Zahl von 80 an Bord verbliebenen Weltreisenden nicht korrekt war; es waren nämlich noch mehr als 90. Das rührte wohl daher, dass die Anzahl der Ausgestiegenen mit der Zahl der Verbliebenen verwechselt wurde.
Gut, dass das jetzt geklärt ist. 😊
Zum Mittagessen wurde zusätzlich in der Kopernikus-Bar Paella in großen Pfannen zubereitet und angeboten. Da kamen Erinnerungen hoch. Wer kann sich noch an Villarriba und Villabajo aus der Fairy Ultra Werbung erinnern?
Und die Vergnüglichkeiten nahmen kein Ende. Am Nachmittag kredenzte die Zuckerbäcker-Chefin der Phoenix-Flotte, Roberta, ihre Zimtschnecken-Kreationen.
Und der Abend wurde abgerundet durch:
176. Reisetag – Mittwoch, 11.6.2025 Lissabon/Portugal
Die Einfahrt nach Lissabon auf dem Tejo ist etwas Besonderes. Wir hanen sie jedoch verschlafen, was aber nicht weiter schlimm war. Zum einen wurde Lissabon zu Beginn der Weltreise bereits einmal angelaufen und zum anderen sind die Sehenswürdigen an den Ufern (Torre de Belem, Denkmal der Entdeckungen, Ponte 25 de April, Santuario de Cristo Rei) bei der Ausfahrt gegen 18:00 Uhr immer noch vorhanden, nur halt in der umgekehrten Reihenfolge.
Viel hatten wir uns für den heutigen Tag nicht vorgenommen. Zum einen wollten wir in einer ganz bestimmten Patisserie Pastéis de Nata kaufen. Dabei handelt es sich um ein teuflisch gut schmeckendes Blätterteigtörtchen mit einer Eiercremefüllung.
Außerdem stand der Erwerb eines mehrfarbigen USB-Kabels auf der Einkaufsliste. Solch ein Kabel hatte sich Doris seinerzeit hier gekauft, wobei sich bei mir im Laufe der Zeit ein gewisses Neidgefühl einstellte, da ich nur schnöde schwarze Kabel besitze.
Die Pasteis genossen wir bei einer Tasse Kaffee im „Nataria Nacional“.
Nur 2 Häuser weiter, im Geschäft Ale Hop, gibt es allerlei nützlichen und weniger nützlichen Schnickschnack, ...
... aber alles irgendwie originell und pfiffig, unter anderem auch die bunten Kabel.
Der Bluetooth-Lautsprecher, der statt einer der üblichen fitzeligen Gummitastaturen, große, ordentliche Steuertasten hat, die man auch ohne Brille bedienen kann, stand eigentlich nicht mit auf der Einkaufsliste, gehört aber jetzt zu unserem Hausrat.
Aber nicht nur Völlerei und Kaufrausch waren angesagt, sondern auch gemütliches Bummeln durch die Altstadt.
Dabei kommt man unweigerlich an dem Rossio, offiziell Praça de Dom Pedro IV vorbei, einer der drei wichtigsten innerstädtischen Plätze.
Das wellige Muster des Kopfsteinpflasters erfordert allerdings eine gewisse Schwindelfreiheit des Betrachters.
Nur wenige Schritte weiter gelangt man zum Praça da Figueira, einem weiteren zentralen Platz der portugiesischen Hauptstadt. Hier waren unzählige Buden aufgebaut, um die Touristen, die hier in Scharen verweilten, mit allem nur erdenkbar Ess- und Trinkbaren zu verköstigte. Das kulinarische Angebot wurde durch Textilien und Lederwaren ergänzt.
Ich bin ziemlich sicher, dass genau diese Buden auch am Weihnachtsmarkt wieder zum Einsatz kommen.
Sowohl der Hinweg als auch unser Rückweg zum Schiff führte über den Praça do Comércio.
Damit hatten wir die drei wichtigsten Plätze dieser Stadt abgeschritten.
Zur Kaffeestunde waren wir wieder auf der ARTANIA zurück ...
... und vertilgten jeder noch ein Pastel de Nata, die wir in kluger Voraussicht aus der Stadt mitgebracht hatten.
Beim Ablegen der ARTANIA gegen 18:00 Uhr konnten wir noch einmal einen letzten Blick auf die herrliche Kulisse von Lissabon werfen.
Am Abend um 21:48 Uhr kam der Mond hinter dem Horizont hervor und und zwar als sogenannter Erdbeermond.
177. Reisetag – Donnerstag, 12.6.2025 Leixões/Portugal
Leixões ist der Name des Hafens von Porto, wo wir heute gegen 11:00 Uhr, eine Stunde früher als geplant, festgemacht haben.
Schon um 11:30 Uhr, gleich nach der Freigabe gingen wir von Bord. Das ist zwar nicht unsere Art, gleich vorneweg bei den ersten zu sein, aber heute hielten wir das aus den folgenden Gründen für sinnvoll.
Von 12:00 – 14:00 Uhr gab es Mittagessen und wir gingen davon aus, dass von den 1.100 Passgiere bestimmt so um die 1.000 gleich um 12:00 Uhr verköstigt werden wollten und somit ein Run auf die Restaurants erfolgen würde, wo Doris und ich auf der Strecke bleiben und keinen freien Platz mehr im Lido ergattern würden.
Der erste große Schwung der Mittagesser wäre dann nach unseren Berechnungen spätestens um 12:30 abgefüttert und würde sogleich den Schuttlebus zum Hafenausgang stürmen. Auch bei diesem Event wären unsere Ellenbogen nicht breit genug.
Alldem gingen wir aus dem Weg, indem wir uns (gut gefrühstückt) mit der um 11-Uhr am Heck ausgegebenen Boullion und einer Scheibe Weißbrot begnügten, und vor der „Rushhour“ von Bord gingen.
Vom Hafenausgang waren es noch 10 Minuten zu Fuß zur Metro-Station.
Der Fahrscheinkauf am Automaten war nicht ganz unproblematisch, weil sich das Verkaufsgerät weigerte, sich auf Englisch umschalten zu lassen. Dank dem Google-Übersetzer und der Mithilfe einer freundlichen jungen Frau schafften wir es, dem Gerät begreiflich zu machen, welche Art von Tickets wir benötigen. Als wir zahlen wollten, mussten wir festzustellen, dass der Automat kaputt war.
Der andere von den zwei Automaten an der Haltestelle war dann weniger zickig und gab seine Anweisungen auf dem Display auf Wunsch auch auf Englisch aus. Auch wussten wir von unserem vorherigen Bemühungen, dass man die Frage „Rechnung mit steuerlichen Angaben“ auf keinen Fall mit „Ja“ beantworten durfte, weil uns der Automat dann aufforderte, unsere portugiesische Steuernummer einzugeben, womit wir leider nicht dienen konnten.
Schließlich saßen wir tatsächlich mit gültigen Fahrausweis in der Metro, die uns in 30 Minuten nach Porto brachte.
An der Station Jardim do Morro am Südufer des Douro stiegen wir aus.
Von hier hat man einen fantastischen Ausblick auf die Altstadt von Porto am Ufer gegenüber und auf die gigantische Brücke Ponte Dom Luís I.
Die stählerne Fachwerk-Bogenbrücke ist 385 Meter lang und 60 Meter hoch.
Über die Ponte Dom Luís I gelangten wir in die Altstadt und auf unseren Rundgang streiften wir die wichtigsten Sehenswürdigkeiten als da sind:
- die Kathedrale,
- Igreja dos Clérigos, die Kirche mit dem höchsten Kirchturm von Portugal (76 Meter),
- Bahnhof Porto São Bento mit den überdimensionalen typisch portugiesischen Fliesenbildern in der Vorhalle.

Einige der Fliesenbilder sind deshalb so "blass", weil sie zur Zeit komplett mit Gaze-Tüchern abgedeckt sind.
Mit der Metro ging es problemlos wieder zurück zum Hafen Leixões.
Erst um 23:00 Uhr legte die ARTANA planmäßig ab. Bis zum nächsten Hafen in Vigo sind es ja auch nur wenige Seemeilen (ca. 85).
178. Reisetag – Freitag, 13.6.2025 Vigo/Spanien
Heute Nacht wurden die Uhren umgestellt und zwar ein Stunde vor. Jetzt waren wir synchron mit der Zeit in Deutschland, ein untrügliches Zeichen, dass die Reise bald zu Ende geht.
Vigo ist ein Hafen, der oft angelaufen wird und so kannten wir diese Stadt (300.000 Einwohner) in der Region Galicien schon recht gut. Sogar O Castro, die alte Festung von Vigo, hatten wir schon besucht. Sie liegt auf einem 150 Meter hohen Berg, der über unzählige Treppenstufen bewältigt werden musste. So eine „Expedition“ muss man nicht unbedingt ein zweites Mal unternehmen.
So begnügten wir uns mit einem ausgiebigen Bummel ...

Die Bronzestatue zeigt Jule Verne.
In seinem Roman "20.000 Meilen unter dem Meer" erwähnte er die Bucht von Vigo.
In einer Szene spricht Captain Nemo darüber, wie er in der Bucht von Vigo Schätze aus den versunkenen Wracks der spanischen Silberflotte hebt.
... entlang der Uferpromenade ...

"Hay ostras", übersetzt "Es gibt Austern".
In der "Rúa da Ostras" (dt. „Austernstraße“), offiziell die Calle Pescadería, werden frische Austern verkauft.
In der Bucht von Vigo herrschen ideale Bedingungen für Muschel- und Austernzucht.
Wir selbst sind allerdings keine guten Freunde dieser Meeresfrüchte.
... und durch die Altstadt.
Kurz vor der Abfahrt um 18:30 Uhr informierte der Kreuzfahrtdirektor über Bordlautsprecher über eine Routenänderung.
In 3 Tagen stand eigentlich die Kanalinsel Jersey auf dem Plan, wo die ARTANIA vor Anker gehen sollte, um per Tenderboot die Passagiere an Land zu bringen.
Auf Grund der Windprognosen, die zwar nicht allzu schlecht, aber auch nicht allzu gut vorhergesagt wurden, hat man sich entschieden, statt Saint Helier auf Jersey, die Nachbarinsel Guernsey anzusteuern und dort per Tender in St. Peter Port anzulanden.

Neues Ziel: Statt Jersey nun Guernsey.
Die beiden Kanalinseln liegen ca. 25 Seemeilen voneinander entfernt.
Das Ganze wurde uns mit den folgenden Argumenten schmackhaft gemacht:
- Der Ankerplatz vor Guernsey liegt geschützter als Saint Helier.
- Der Tenderweg ist erheblich kürzer. Das Tendern in Jersey hätte pro Fahrt ca. 35 Minuten gedauert.
- Das Zentrum von St. Peter Port liegt direkt an der Tenderpier. In Jersey ist das Zentrum vom Anleger 600 Meter entfernt.
- In Guernsey können sogar Ausflüge angeboten werden, was in Jersey nicht der Fall war.
Ich stelle mir jetzt mal die ketzerische Frage, warum diese schlagenden Argumente nicht bereits von Anfang an bei der Routenplanung in die Waagschale geworfen wurden, denn es sind ja keine Tatsachen, die erst gestern über Nacht vom Himmel gefallen sind.
Macht es sich vielleicht im Katalog besser, wenn da „Jersey“ statt „Guernsey“ steht? Oder was sind die Hintergründe für diesen Sinneswandel?
Um dem ein oder anderen Facebook-User den Wind aus den Segeln zu nehmen und den Kommentar: “Der meckert ja nur deshalb rum, weil er den Reisepreis mindern will!“ zu ersparen, sei folgendes gesagt:
Diese Routenänderung ist vertragsrechtlich durchaus strittig, aber wir haben gewiss nicht vor, hieraus einen Reisemangel zu konstruieren und Schadenersatz zu fordern.
Aber ein wenig wundern dürfen wir uns wohl schon!
179. Reisetag – Samstag, 14.6.2025 Seetag
Unsere Fahrt durch die Biskaya verlief sehr ruhig. Das ist nicht immer so, denn hier herrscht oft starker Seegang.
Dennoch lässt das Wetter zu wünschen übrig. Seit Tagen kratzen die Temperaturen gerade mal so mit Ach und Krach die 20-Grad-Marke, während in Deutschland hochsommerliche Temperaturen herrschen.
Um die Passagiere bei Laune zu halten und den Andrang in den Restaurants zum Mittagessen an Seetagen etwas zu mildern, wurde in der Kopernikus-Bar wieder ein zusätzliches Leckerli angeboten:
Hübsch anzusehen war das in die Melonen geschnitzte „ARTANIA“.
Das zeigt, dass es noch Crew-Mitglieder gibt, die das Gemüseschnitzen beherrschen. Dieses Fruit Carving ist insbesondere in Asien eine anerkannte Kunstform, die dort gelehrt wird. Vor der Corona-Pandemie wurden auf der ARTANIA Buffets regelmäßig mit wunderschönen Gemüseschnitzereien geschmückt. Nach Corona fiel dieses Schmankerl im Zuge etlicher Sparmaßnahmen dem Rotstift zum Opfer.
180. Reisetag – Sonntag, 15.6.2025 Brest/Frankreich
Schon zu Beginn der Reise wurden wir in der sogenannte Hafeninformation über die „Eckdaten“ der anzulaufenden Häfen informiert. Über Brest war folgendes zu lesen.
Erfreulich war die Tatsache, das uns ein kostenloser Shuttlebus ins Stadtzentrum bringen sollte, aber dass leider nur alle 30 Minuten.
Hierzu machte ich folgne grobe Schätzung und Überschlagsrechnung:
Von den 1.100 Passagieren nehmen etwa 600 an Phoenix-Bus-Ausflügen teil und brauchen deshalb keinen Shuttle. Von den so verbliebenen 500 Gästen wollen fast alle in die Stadt. In einen Bus passen etwa 50 Leute. Für die somit notwendigen 10 Fahrten, die nötig sind, um alle 500 in die Stadt zu verfrachten, ist ein Zeitaufwand von 5 Stunden zu veranschlagen. Das heißt Busfahrt Nummer 10 startet gegen 13:30 Uhr, wenn man davon ausgeht, dass die Schiffsfreigabe gegen 8:30 Uhr erfolgen wird. In der Regel wollen die Leute aber bereits am Vormittag nach dem Frühstück an Land.
Meine Prognose: Es kann für Passagiere, die, obwohl sie schon eine halbe Stunde auf den nächsten Bus gewartet haben, aber wegen Überfüllung nicht mehr einsteigen können, zu Wartezeiten bis fast zu einer Stunde kommen.
Ich trug meine Bedenken am Phoenix-Schalter vor, dass der 30-Minuten-Zyklus vielleicht nicht ausreichen würde. Meine Bedenken wurden nicht geteilt, denn in der Vergangenheit hätte es beim Shutteln in Brest nie Probleme gegeben und außerdem stellt ja der Hafen den Bus, sodass daran nichts zu ändern ist.
Ich denke schon, dass etwas zu ändern gewesen wäre, gegen „Aufpreis“ wäre sicher zumindest zu den Stoßzeiten ein zweiter Bus möglich gewesen, aber das wollte ich jetzt nicht weiter am Phoenix-Schalter diskutieren. Taxen im Hafen waren übrigens auch nicht vorgesehen.
Als wir gegen 10:30 Uhr die Gangway hinunter gingen, sahen wir schon die lange Schlange von Passagieren, die auf besagten Bus warteten.
Wir stellten uns hinten an, blieben aber nicht lange das Schlusslicht, denn die Schlange baute sich kontinuierlich weiter auf. Nach 20 Minuten kam zwar der Bus, aber wir waren skeptisch, ob wir mit dieser Fuhre überhaupt mitkommen würden. Doch wir hatten Glück, im Bus gab es auch Stehplätze. Das ist nicht selbstverständlich, denn es war sehr oft der Fall, dass Stehen in den Shuttlebussen nicht erlaubt war. Wir bekamen tatsächlich noch einen der letzten Stehplätze. Die Leute, die sich nur ganz kurze Zeit hinter uns in die Schlange eingereiht hatten, mussten auf die nächste Möglichkeit warten.
Die Fahrt zum Zentrum dauerte etwas mehr als 15 Minuten, wird also zurück zum Schiff genauso lange dauern und somit lag ich mit meiner Prognose nicht daneben, dass die Wartezeit im ungünstigen Fall für Pechvögel fast eine Stunde dauern kann. Aber Phoenix weiß, dass der Gast in der Regel geduldig und leidensfähig ist und somit kann das heutige Shutteln in Brest ohne Bedenken wieder als problemlos bezeichnet werden.
Der Shuttlebus brachte uns zum Jardin Kennedy.
Von dort steuerten wir unser erstes Ziel an, die Pont de Recouvrance.
Der ersten Eindruck von Brest, den wir auf diessen 20-minütigen Fußweg bekamen, war eher ein langweiliger.
Die Stadt wurde im Krieg fast völlig zerstört und beim Wiederaufbau standen Flair und Schönheit nicht ganz oben auf der Liste.
Bei der Pont de Recouvrance handelt es sich um eine beeindruckende Hubbrücke und ist ein technisches Wahrzeichen von Brest. Sie überquert den Fluss Penfeld. Leider wurde das Heben des Fahrweges, während wir uns dort aufhielten, nicht durchgeführt.
Der nächste Punkt auf unseren „Tourenplan“ war das Sträßchen Rue de Saint-Malo, das uns mein neuer Freund, der ChatGPT, empfohlen hatte, Der Weg dorthin war wieder genauso uninteressant, wie der, den wir bereits zurückgelegt hatten.
Die Rue de Saint-Malo ist ein kleines mittelalterliche Sträßchen in Brest, das im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert wurde.
Hierhin hat sich eine Art alternative Szene eingerichtet, mit einem bisschen Kunst und ein paar urigen Cafes.
Hinter den Steinhäusern aus dem 17. Und 18. Jahrhundert befinden sich herrliche Terrassengärten, ...
... die frei zugänglich sind und die wir durchstreifen durften.
An den Sonntag Nachmittagen im Juni findet ab 15:00 Uhr in der Rue de Saint-Malo ein Straßenfest statt, unter dem Motto „Les beaux Dimanches“ (die schönen Sonntage).
Leider passte das für uns zeitlich nicht, daran teilzunehmen, da wir bereits um 18:00 Uhr wieder auf dem Schiff sein mussten. Ehe das Fest richtig losgegangen wäre, hätten wir schon wieder aufbrechen müssen (siehe hierzu auch Warte- und Fahrzeiten des Shuttlebusses).
Also musste das Fest ohne uns stattfinden. Bei eine Tasse Kaffee schauten wir den Leuten zumindest bei den Festvorbereitungen zu. In der Rue de Saint-Malo hat es uns außerordentlich gut gefallen und Brest konnte so einige Pluspunkte dazu gewinnen.
Wir hatten noch genügend Zeit die Téléphérique De Brest, die Seilbahn über den Fluss Penfeld, zu suchen und zu finden ...
...und natürlich auch damit zu fahren. (Fahrpreis 2,20 €/Person).
Das Shutteln zurück zum Schiff war diesmal tatsächlich problemlos. Zum einen passten alle Leute in den Bus, niemand brauchte zu stehen und wir mussten nicht einmal warten, da der Bus, als wir ankamen schon abfahrbereit anscheinend nur noch auf uns gewartet hat.
Am Hafen angekommen, stach mir der Geruch von Popcorn in der Nase, aber weit und breit gab es keinen derartigen Verkaufsstand.
Ich konnte nur vermuten, dass der liebliche Geruch aus einem der riesigen Silos enstammte, in denen aber sicherlich kein Popcorn lagerte.
Mein mittlerweiler guter Freund ChatGPT wusste wieder mal Rat und bestätigte meine Vermutung, indem er mir mitteilte:
In Häfen wie dem von Brest werden in solchen Silos häufig Getreide, Mais, Soja oder andere landwirtschaftliche Produkte gelagert. Besonders Mais hat beim Erhitzen oder bei natürlicher Fermentation einen süßlich-röstigen Geruch, der stark an Popcorn erinnern kann. Auch bei der Verladung oder Entladung der Silos können durch Reibung, Wärmeeinwirkung oder Feuchtigkeit leicht flüchtige Aromastoffe freigesetzt werden.
181. Reisetag – Montag, 16.6.2025 St. Peter Port/Guernsey

Die Anzeige im Bordfernsehen hatte bis heute die Routenänderung nicht mitbekommen. Wir landen nicht in Saint Helier auf Jersey an, sondern unser Ziel ist St. Peter Port auf Guernsey.
Die Kanalinsel Guernsey (63.00 Einwohner) gehört politisch nicht zu Großbritannien, sondern ist als Kronbesitz ein autonom verwaltetes Gebiet unter der Oberhoheit der britischen Krone. Guernsey gilt, wie auch die Nachbarinsel Jersey als Steueroase. Das bedeutet nichts anderes, als dass Privatpersonen und Firmen die Gelegenheit geboten wird, durch Tricksereien und Gründung von Briefkastenfirmen den eigenen Staat um die ihm eigentlich zustehende Steuer zu bescheißen. Dass sich die Staaten nicht ernsthaft oder auch nur halbherzig dagegen wehren und entschieden dagegen vorgehen, ist genauso verwerflich.
Gegen 8:00 warf die ARTANIA den Anker. An Bord wurden von den hiesigen Behörden die Pässe nur kurz in Augenschein genommen. Für unsere Einreisegenehming ETA (Electronic Travel Authorisation), die wir uns für 16 £ (ca. 20 Euro) aus dem Internet beschaffen mussten, interessierte sich kein Mensch. Naja, hier ist ja auch gar nicht richtig Großbritannien. Vielleicht brauchen wir dieses Dokument morgen in Portsmouth, das dann richtig und wahrhaftig in Great Britain liegen soll.
Nach dieser laxen Kontrolle wurden wir an Land getendert.
Bemerkenswert an dieser Stelle ist, dass weder im Tagesprogramm noch durch Lautsprecherdurchsagen auf die notwenigen Verhaltensregeln (besser Verhaltenshinweise) beim Tendern eingegangen wurde, wie es bisher immer üblich war.
Keine Regeln, also auch keine Regelverstöße?
Keine Hinweise, daher keine Missachtung derselben?
Ich mach' mir die Welt widde-widde wie sie mir gefällt?
Oder steckt gar nichts dahinter und es wurde einfach nur vergessen?
Für unseren Landgang hatten wir gar nichts vorbereitet und wollten einfach nur durch den Ort pengeln.
Zufällig sahen wir an einer Gebäudewand einen Bus-Streckenplan hängen.
Uns fiel sofort die rote Buslinie (91/92) auf, die einmal rund um die Insel führte. Der daneben hängende Fahrplan zeigte uns, dass in 5 Minuten die 91 vom Busterminal abfahren würde. Das Terminal war nur ein paar Schritte entfernt. Der Busfahrer bestätigte, dass er einmal um die Insel rumfährt und das Ganze ca. 1½ Stunden dauern würde. Da gab es kein langes Überlegen mehr und wir stiegen ein. Die Tickets konnten wir beim Fahrer mit Kreditkarte bezahlen und waren erstaunt über den Preis, nämlich 1,60 £ pro Person, das sind etwa 1,80 €.
Auf der Fahrt (ca. 40 Kilometer) bekamen wir einen guten Eindruck von der üppig grünen Insel.
Wir fuhren nicht die ganze Runde bis zurück zum Busterminal, sondern stiegen schon ein paar Stationen früher aus, um doch noch ein wenig durch St. Peter-Port zu spazieren.
Erst einmal kamen wir nicht sehr weit, weil wir im Foresters Arms, einem Pub, einkehrten.
So gestärkt ging es schließlich zurück zur Tenderstation und von dort zur ARTANIA.
Ab dem späten Nachmittag standen die Zeichen auf Abschiedsgala, die mittlerweile 9. auf unserer Reise, wenn wir richtig gezählt haben. Die ersten Koffer haben wir schon aus dem Depot kommen lassen und fangen langsam an zu packen.
182. Reisetag – Dienstag, 17.6.2025 Portsmouth/Großbritannien
Heute war klar, dass der Kauf einer Einreisegenehmigung (ETA Electronic Travel Authorization) zwar vorgeschrieben ist, aber an keiner Stelle kontrolliert wurde, da scheinen die Behörden überfordert zu sein. Als Großbritannien noch in der EU war, brauchte man als Deutscher natürlich weder ETA noch Visum.
Aber jetzt muss der Brexit, der Great Britain unermesslichen Reichtum bescheren sollte, irgendwie finanziert werden.
Was aber ausgezeichnet funktioniert hat, war der kostenlose Shuttle-Service, den die Hafenbehörde von Portsmouth anbot.
Der Bus fuhr nacheinander folgende 4 Ziele an:
- Stadtzentrum mit Haupteinkaufsstraße, „Guildhall“ und Charles Dickens Museum.
- „Southsea“ mit Schloss und dem D-Day Museum.
- „Hoverport“ mit der Altstadt und Fährverbindung nach Isle of Wight.
- „Gunwharf Quays“ mit Einkaufsmöglichkeiten, dem 170 m hohen „Spinnaker Tower“ und der Schiffswerft „Portsmouth Historic Dockyard“.
Die Busse fuhren alle 15 Minuten und sogar nach einem festen Fahrplan, was bei Shuttlebussen im Allgemeinen unüblich ist. Normalerweise handelt es sich bei der angegebenen Taktfrequenz lediglich um unverbindliche Circa-Angaben.

Die Dame sieht nur auf dem Foto so ernst aus. Nett und freundlich hat sie uns Touris alles Wichtige erzählt.
In den Bussen fuhren sogenannte Volunteers mit, also ehrenamtliche Männer und Frauen, die während der Fahrt ausführliche Erklärungen zu den vier Zielen gaben.
Unser heutiger Plan war ein Besuch des Mary Rose Museums. Bei der Mary Rose handelt es sich um das Flaggschiff von Heinrich VIII., bitte nicht mit der Schlagersängerin Mary Roos verwechseln. 😊
Also, die Mary Rose sank nach 34 Jahren im Dienst am 19. Juli 1545 unweit des Hafens von Portsmouth.
1971 wurde das Wrack wiederentdeckt und 1982 wurden die Wrackteile in unzähligen Tauchgängen geborgen und anschließend 35 Jahre lang konserviert.
Um das so konservierte Wrack herum wurde auf dem historischen Werftgelände, dem Historic Dockyard, im Hafen von Portsmouth das modernes Mary Rose Museum gebaut.
Unsere Recherche, wie man am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Historic Dockyard hinkommt, war hinfällig, weil Station Nummer 4 des Shuttlebusses für uns maßgeschneidert war.
Da die Entfernung zwischen der Shuttlestation “Hover Port“ und “Historic Dockyard“ nur 2 Kilometer betrug, stiegen wir schon beim Hover Port aus.

Die Fährverbindung Portsmouth - Isle of Wight wird sowohl mit den schnellen Luftkissenfahrzeugen ...
Wir hatten Glück, denn es startete gerade von einem kleinen Strand mit riesigem Getöse ein Hovercraft Luftkissenboot.
Hier am Hover Port gibt es "leider" keine Pier, denn Luftkissenfahrzeuge brauchen keinen Anleger, sie starten direkt vom Strand aus. "Leider" deshalb, weil sich auf einer typisch englischen Pier meist ein kleines Vergnügungsviertel befindet, mit Imbissbuden und Spielhöllen.
Also keine Pier, kein Vergnügen?
Doch! Man hat einfach an der Uferpromenade alle notwendigen Fazilitäten aufgebaut.
An der Uferpromenade entlang kamen wir zum Historic Dockyard.
Neben dem Mary Rose Museum gab es noch etliche weitere Museen, die alle etwas mit dem Thema Schifffahrt zu tun hatten.
Der Eintrittspreis von 35 £ (ca. 40 Euro) war trotz des Rabatts von 1 £ für Senioren immer noch stolz, aber gerechtfertigt.

Gleich zu Beginn der Ausstellung begrüßte uns Heinrich VIII., nicht die einzige Videoinstallation in dieser Ausstellung.
Die Präsentation des Wracks und die lebendige und anschauliche Darstellung über das damalige Leben an Bord waren ihr Geld wert.

Auf 3 Ebenen rund um das Wrack schilderten unzählige Artefakten und Erklärtafeln den Alltag der ca. 500 Besatzungsmitglieder auf der Mary Rose.

Bei der Ausfahrt kamen wir noch einmal am Historic Dockyard vorbei. Nicht alles dort ist jedoch "historic", denn am Kai liegt auch der hochmoderne englische Flugzeugträger "HMS Queen Elizabeth".
Bei der letzten Ausfahrt dieser Reise waren wir natürlich auf dem Außendeck.
Für den Late-Night-Snack in Harry’s Bar hatte sich die Küche etwas ganz besonderes ausgedacht, es wurden sogenannte “Pub Snacks “ angeboten, wieder mal nichts für kulinarische Banausen wie uns.
Gut, die Bratwurst im Brötchen war ganz OK, dann war noch der Shepherd’s Pie im Angebot , ein mit Lamm-Hack gefülltes Küchlein und last but not least das schottische Nationalgericht Haggis, das aus verschiedenen Innereien des Schafs zubereitet wird.
Das Haggis stand auch bei anderen Passagieren nicht unbedingt ganz oben auf der Gourmet-Skala. Aber zum Glück galt ja nicht der Grundsatz „Was auf den Tisch (bzw. aufs Buffet) kommt, wird gegessen!“.
Auf alle Fälle hat der Küchenchef Kreativität und Mut bewiesen.
183. Reisetag – Mittwoch, 18.6.2025 Seetag
Der letzte Seetag ist immer der schlimmste, das kann auch der fröhliche Stadl-Frühschoppen nicht rausreißen, denn heute war finales Packen angesagt.
Packen ist eine äußerst unbeliebte Tätigkeit und dabei ist immer die Angst im Nacken, dass nicht mehr alles in die Koffer passt.
Selbst das Freibier beim Frühschoppen hatte ich mir verkniffen, um für diese Herausforderung fit zu bleiben.
Eine schöne Idee war der am späten Nachmittag angesetzte „Weltreise Abschied“ in der Casablanca Bar auf Deck 3. Hier hatten alle die Gelegenheit, den Reisegefährtinnen und Reisegefährten, die man näher kennen gelernt hatte, „Lebewohl“ zu sagen ...
... und stieß mit dem einen oder andern mit einem Gläschen Sekt auf eine gute Heimreise an.
Der Kapitän und der Kreuzfahrtdirektor verzichteten auf große Reden und verabschiedeten sich stattdessen persönlich von den noch verbliebenen Weltreisenden.
Kurzum eine nette und harmonische kleine Veranstaltung.
184. Reisetag – Donnerstag, 19.6.2025 Bremerhaven/Deutschland und Eschborn-Niederhöchstadt/Hessen
So früh waren wir während der gesamten Reise nicht aufgestanden; 6:00 Uhr, also mitten in der Nacht, denn unser Zug sollte schon um 9:30 Uhr vom Bahnhof Bremerhaven Richtung Heimat abfahren.
Um halb neun verließen wir die ARTANIA mit einem Koffer und zwei Trollis, der Rest (3 Koffer, 1 Reisetasche) wird am kommenden Montag von Tefra nach Hause geliefert.
In Hannover legten wir einen Zwischenhalt von knapp 4 Stunden ein, um uns dort mit Freunden (Elisabeth und Clemens) zu treffen.
Mit dem ICE ging es weiter, direkt nach Frankfurt, wo wir pünktlich auf die Minute ankamen. Pech hatten allerdings die Zugreisenden, die mit diesem Zug noch weiter bis Stuttgart fahren wollten, denn der Zug endete unplanmäßig hier in Frankfurt. Er wurde ganz kurzfristig, wie ein Zugbegleiter die Fahrgäste informierte, als Evakuierungszug für einen anderen, irgendwo liegengeblieben Intercity gebraucht.
Mit der S-Bahn kamen wir rasch nach Niederhöchstadt, wo am Bahnhof schon ein Taxi wartete. Um 18:00 Uhr waren wir endgültig wieder zu Hause angekommen.
Ziemlich genau ein halbes Jahr waren wir jetzt unterwegs gewesen, haben 43119 Seemeilen (=79.856 Kilometer) zurückgelegt und unheimlich viel gesehen und erlebt.
Dass wir so viel gesehen und erlebt haben, ist in erster Linie Doris zu verdanken, aber natürlich auch der ARTANIA, die uns (fast) überall hingebracht hat.
Aber Doris hat die Landgänge geplant und organisiert, sei es mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit lokalen Tourenanbietern. Sie hat in akribischer Arbeit mit Hilfe von Google und Co. herausgefunden, wohin es sich an Land lohnt hinzugehen oder hinzufahren. Das hat sehr, sehr viel Zeit gekostet, aber ihr Aufwand hat sich jedes Mal gelohnt.
So, jetzt bin ich fast am Ende dieses Blogs, möchte mich an dieser Stelle für den Zuspruch bedanken, den ich auf vielerlei Weise erhalten habe, was mich (ich hoffe das klingt nicht zu eitel) ein wenig stolz macht.
An Bord wurde ich einige Male von Mitreisenden angesprochen („Sie sind doch der Herr Hölzer, der den Blog schreibt!“).
Auch im Gästebuch (über 100 Einträge) war manch schöner Satz zu lesen, der runter ging wie Öl.
Das Gästebuch bleibt übrigens auch nach dieser Reise noch offen und hat durchaus auch Platz für Kritik und Anmerkungen.
Dass auf die Statistik Verlass ist, zeigt die Anzahl der Zugriffe auf den Blog und die zurückgelegten Seemeilen.
Es ist dabei geblieben dabei: Pro zurückgelegter Seemeile erfolgte ein Zugriff auf den Blog.
Dass dem so war, verdanke ich Ihnen, meine lieben Leserinnen und Leser. Ihr Interesse, für das ich mich hier gerne und ganz herzlich bedanke, hat schließlich für diese beachtlichen Zugriffszahlen gesorgt.
Bleiben Sie gesund und wenn Doris und ich es auch bleiben, gibt es im nächsten Jahr wieder eine große Reise, auf der ich bloggen werde. Das Gerüst des Blogs steht sogar schon: https://2026.pehoelzer.de .
Auf ein Neues im nächsten Jahr!







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