August 2024 - Routenänderung
Bereits nach dem Ende der letzten Weltreise der ARTANIA 2023/2024 stellte sich die Frage, wie die endgültige Route für die Reise 2024/2025 aussehen wird. Denn geplant war, im Mai 2025 durch das Rote Meer zu fahren, um am 2. Juni 2025 in Savona/Italien festzumachen.
Die Weltreise 2024/2025 war bereits ab November 2022 buchbar und da begann damals gerade die Krise im Nahen Osten und die Angriffe der Huthi-Rebellen mit Raketen auf Schiffe im Golf von Aden, einem Fahrgebiet, welches die Schiffe, die durch das Roten Meer fahren wollen oder von dort kommen, nehmen müssen.
Das konnten die Planer von Phoenix bei der Konzeption der Reise natürlich noch nicht berücksichtigen.
Beim Umgang mit dieser Krise hatte sich dann Phoenix bei der Weltreise 2023/2024 allerdings nicht gerade mit Ruhm bekleckert, als Kapitän Hansen am 22.3.2024 auf der ARTANIA stolz die Entscheidung von Phoenix bekannt gab: „Wir fahren durchs Rote Meer“ und er würde nicht wie geplant in Dubai von Bord gehen, sondern er selbst würde die ARTANIA durch dieses kritische Fahrgebiet steuern.
In seiner Rede spielte er die Gefahr in unverantwortlicher, sträflicher Art und Weise herunter. Er bezeichnet die Huthi-Rebellen als lediglich kleine Terrorgruppe, gaukelte den in der Atlantic Show Lounge versammelten Passagieren vor, der Schutzschirm im Rahmen der militärischen Aktion Aspides böte einen absoluten Schutz und behauptete es würden täglich nach wie vor noch immer hunderte von Schiffen durch das Rote Meer fahren, was nachweislich eine Falschbehauptung war.
Als schon der letztmögliche Zeitpunkt verstrichen war, statt durchs Rote Meer zu fahren, doch die Route um Afrika herum zu nehmen und dennoch pünktlich und planmäßig am 15. Mai 2024 in Savona anzukommen, revidierte Phoenix diese Entscheidung.
Eine kluge Entscheidung – besser spät als nie.
Natürlich war jetzt alles durcheinander. Am 15. Mai 2024 war die ARTANIA nicht in Savona/Italien, sondern erst in Namibia. Das wiederum hatte immense Auswirkungen auf die Routenführung der nächsten beiden Reisen.
Am 29. August 2024 herrschte dann Klarheit. Phoenix gab bekannt, dass wegen der nach wie vor anhaltenden Nahost-Krise eine Fahrt durchs Rote Meer nicht in Frage kommt, was natürlich gravierende Änderungen des Fahrplans nach sich zieht.
Bis zum 29. April 2025 wird die Fahrt wie geplant verlaufen.
Vom 27. – 28. April wird die ARTANIA in Singapur liegen und am 29.April in Port Kelang/Kuala Lumpur/Malaysia.
Ab dann greift die Routenänderung. Die ARTANIA nimmt Südwest Kurs auf Richtung Kapstadt via Mauritius, La Réunion, Durban und Port Elizabeth.
Von Kapstadt geht es weiter die Westküste Afrikas hoch über Namibia, São Tomé, Banjul (Gambia), Dakar (Senegal) nach Las Palmas/Gran Canaria, wo die Weltreise dann endet.
Dadurch verändert sich auf dieser letzten Etappe (29.4 – 2.6.2025) das Verhältnis Hafentage zu Seetage signifikant.
- Ursprüngliche Verhältnis: 22 Hafentage zu 13 Seetagen
- nun gemäß neuer Route: 14 Hafentage zu 21 Seetagen
Das Verhältnis hat sich ziemlich genau umgekehrt.
Doch Doris und ich begrüßen die Entscheidung von Phoenix und können gut mit den ausgefallenen Destinationen und den vielen Seetagen leben.
Ins Grübeln kamen wir jedoch wegen des Angebots von Phoenix bezüglich der Folgereise.
Diese sollte ursprünglich von Savona nach Bremerhaven gehen und muss jetzt natürlich in Las Palmas/Gran Canaria starten. Sollten wir an Bord bleiben und statt von Las Palmas nach Hause zu fliegen mit der ARTANIA weiter bis nach Bremerhaven fahren, würde uns (und den anderen betroffenen Passagieren natürlich auch) ein Preisnachlass von 30% auf diese 17-tägige Reise eingeräumt.
Neben diesen 30% Ersparnis würden zusätzlich die 500 Euro für den Flug von Las Palmas nach Frankfurt (ca. 4 ½ Stunden) wegfallen.
Deshalb kamen wir ins Grübeln.
Das Ergebnis unserer Grübelei war eine Mail an Phoenix, in der wir unser Interesse an dieser Anschlussreise kundtaten. Wir würden diese auch verbindlich buchen. aber nur wenn wir in unserer Kabine 4243 bleiben könnten. Ein Umzug in eine andere Kabine käme für uns nicht in Frage.
Auf der Phoenix-Internetseite konnten wir selbst nicht nachschauen, ob unsere Kabine für diese Anschlussreise noch frei wäre,
da Phoenix dort erst einmal für sämtliche Kabinenkategorien im Internet den Status auf “Ausgebucht – nur Warteliste“ gesetzt hatte.
Nur einen Tag später erhielten wir folgende Mail:
Ob tatsächlich jemand die Reise in “unserer“ Kabine storniert hat oder ob die Kabine sowieso noch frei gewesen wäre und Phoenix uns unsere Entscheidung nur noch etwas schmackhafter machen wollte, bleibt im Dunkeln.
Die Verlängerung unserer Weltreise hat aber noch ein weiteres Goodie.
Am 2. Juni 2025 ist der Tag unserer Silberhochzeit. Solch einen Tag verbringt man doch lieber in angenehmer Atmosphäre auf einem Kreuzfahrtschiff, als auf einer Rückreise in Flughafenterminals und einem Flieger.
November 2024
Der Reisetermin rückte langsam in sichtbare Nähe und es wurde Zeit, sich auch mal um die Visa für Australien und Neuseeland zu kümmern.
Phoenix hatte bereits ein Informationsschreiben verschickt aus dem ersichtlich wurde, welche „Einreisepapiere“ für Australien und Neuseeland benötigt werden.
In den einschlägigen ARTANIA-Facebook-Gruppen, wurde speziell über die Visumfrage für Neuseeland schon heftig diskutiert. Es gab Stimmen, die besagten, dass für dieses Land kein Visum benötigt würde.
Ein anderer schilderte ein Problem, dass seine Frau eine Heiratsurkunde einreichen müsse, zusammen mit einer beglaubigten englischen Übersetzung.
Auch über die Kosten herrschte eine gewisse Verwirrung.
Die Frage, ob ein Visum für Neuseeland benötigt wird oder nicht, kann man tatsächlich mit „kein Visum erforderlich“ beantworten. Es besteht keine Visumspflicht bei der Einreise.
ABER
Bei der Einreise nach Neuseeland muss man als deutscher Passinhaber nämlich eine elektronische Einreisegenehmigung, die "New Zealand Electronic Travel Authority“, abgekürzt NZeTA, vorweisen.
Auch die Kostenfrage ist von neuseeländischer Seite eindeutig geregelt.
Die "New Zealand Electronic Travel Authority" kostet 17 Neuseeland-Dollar (NZD), (das sind ca. 9,40 € ), wenn man sie über die offizielle NZeTA-App beantragt.
Hingegen bei der Beantragung über die entsprechende Homepage https://nzeta.immigration.govt.nz kostet die Einreisegenehmigung 23 NZD (ca. 12,70 €).
Aber damit nicht genug. Zu den Gebühren für das Einreisepapier kommen seit dem 1. Oktober 2024 noch 100 NZD (55,20 €) für eine „Touristensteuer“ hinzu. Vor diesem Stichtag betrug dieses „Eintrittsgeld“ nur 35 NZD (19,30 €).
Man kann sich das Einreisepapier auch über diverse Dienstleister besorgen lassen, die sich ihre Dienstleistung natürlich gut bezahlen lassen. So kostet die Beschaffung (einschließlich Touristensteuer) dann schon mal statt 65 € stolze 150 €.
Solch eine Vielfalt der Preise und der Beschaffungsmöglichkeiten und die Unterscheidung zwischen Visum und Einreisegenehmigung feuert natürlich eine Facebook-Diskussion kräftig an, insbesondere wenn „Halbwissende“ mitdiskutieren.
Was sich nicht aufklärt ist die Forderung nach einer Heiratsurkunde, von der einer der Facebook-User berichtet hatte.
Vielleicht hat er ja als Einreisegrund angegeben: „Trennung von der Ehefrau“?😊
Jedenfalls ist es uns gelungen über die NZeTA-App die Einreisegenehmigung zu bekommen (ohne eine Heiratsurkunde vorlegen zu müssen).
Das Einschalten eines der bereits erwähnten Dienstleisters zur Beschaffung der Einreisepapiere, egal ob Visum oder nur Einreisegenehmigung, wie z. B der von Phoenix empfohlene Visa Dienst Bonn GmbH, macht trotz der Gebühren für viele Reisende durchaus Sinn. Zum einem sind hier die zahlreichen gestellten Fragen des Beschaffungsantrags ins Deutsche übersetzt worden und zum anderen kann bei Unklarheiten auch mal nachgefragt werden.
Nicht ganz so viel Facebook-Diskussionsmunition liefert das Visum für Australien, da es sich hier tatsächlich um ein Visum handelt und es außerdem kostenlos auf der Internetseite
https://immi.homeaffairs.gov.au/visas/getting-avisa/visa-listing/evisitor-651
(in englischer Sprache) beantragt werden kann.
Etwas aufwendiger als die Visumsbeschaffung, war die Tatsache, dass der Baukasten, mit dem ich meine Internetblogs erstelle, mich seit mehr als 15 Monaten mit der Meldung nervt, dass die Version, mit der ich seit Jahren arbeite (Joomla 3), nicht mehr aktuell ist und ich gefälligst die neuere Version (Joomla 4) einsetzen soll.
Da ich das Standard-Layout, das dieser Baukasten anbietet, seinerzeit mit erheblichem Aufwand meinem Geschmack angepasst hatte, habe ich mich vor dem Versionswechsel gescheut.
Ich habe aber dann doch in den sauren Apfel gebissen und mich für die neue Version entschieden, obwohl das bedeutet, dass ich für diesen Blog die erwähnten Anpassungen in den Müll werfen musste. Es folgten tagelange Bastelarbeiten am neuen Baukasten, wobei ich erst gar nicht versucht habe, das bisherige Layout vollständig nachzubauen. Deshalb ist das Erscheinungsbild jetzt etwas anders als bei meinen vorherigen Reiseblogs.
Die vorhandenen Komponenten und Menüpunkte sind natürlich alle geblieben, auch das Gästebuch. In der alten Joomla-Version gab es für das Gästebuch eine kostenlose Light-Version. Das war jetzt nicht mehr der Fall, sondern für diese Software war in der neuen Joomla-Version für die Pro-Version 40,00 € zu berappen. Aber ein Verzicht auf das Gästebuch kam nicht in Frage.
In den grauen Novembertagen gingen ja auch bekanntermaßen die Rot-Gelb-Grünen Lichter unserer Regierung aus und es wird deshalb im Februar Neuwahlen geben.
Ich sehe seit meinem 18. Lebensjahr leider zum ersten Mal überhaupt keine Möglichkeit, mein Wahlrecht wahrzunehmen, weil wir am 23.2.2025 irgendwo in der Südsee schippern werden.
Auch die Überlegungen von Doris und mir, irgendwie die Briefwahl nutzen zu können, liefen ins Leere. Das ist insofern sehr bedauerlich, weil wir keine Gegenstimmen zur AFD abgeben können.
Dezember 2024
Wenn man länger als 60 Tage von zu Hause weg ist und sich niemand um die Wohnung kümmert, verliert man im Normalfall den Versicherungsschutz der Hausratversicherung. Um nicht in diese Falle zu tappen, habe ich der Versicherung unsere längere Abwesenheit gemeldet und erklärt, dass beinahe täglich jemand in die Wohnung kommt, um unsere Post dort zu deponieren.
Außerdem wird unsere Haushaltshilfe auch während unserer Abwesenheit mindestens einmal die Woche nach dem Rechten sehen.
Auf Grund dieser Maßnahmen erklärte die Hausratsversicherung schriftlich, dass in diesem Fall der Versicherungsschutz nicht gefährdet sei.
Um unterwegs an Land Internetzugang zu haben, werden wir wieder die Technik mit der E-SIM-Karte nutzen. Wie das Ganze funktioniert, hatte ich bereits ausführlich in meinem letzten Blog beschrieben. Hier der Link, mit dem man direkt zu den entsprechenden Ausführungen springen kann:
https://2024.pehoelzer.de/index.php/reverse/106-04-blogeintrag-02-01-2024-xx-01-2024-stand-02-01-2024-22-00-uhr#esim
Für diese Reise haben wir beide bereits ein E-SIM-Paket vom Anbieter AIRALO gekauft und auf den Smartphones installiert; 20 GB für 136 Länder und einer Laufzeit von einem Jahr.
Noch ein kleiner Spar-Tipp: unter https://travel-dealz.de/ findet man in der Regel einen Gutscheincode für eine Preisreduzierung bei AIRALO von15%.
Und immer wieder gerne diskutiert: Die Kleiderfrage!
In diesen Tagen fiel mir auf, dass in den Tagesprogrammen von allen Phoenix-Hochseeschiffen der Bekleidungshinweis für die Galaabende neu formuliert wurde.
Bisher lautete der Hinweis kurz und bündig:
Was genau nun Elegant ist, liegt dann im Ermessen von jedem Einzelnen und im Auge des Betrachters.
Dass es einen Ermessungsspielraum gibt, habe ich auch aus dem entsprechenden Passus im Phoenix-Katalog entnommen und entsprechend interpretiert.
Seit Dezember 2024 findet man in den Tagesprogrammen der Phoenix-Schiffe ARTANIA und AMADEA folgenden “verschärften Hinweis“ zur Kleiderordnung
Bei der AMERA fasst man sich etwas kürzer:
An den Galaabenden waren (zumindest auf der ARTANIA) bisher Smoking und Dinner-Jacket eher die Ausnahme.
Ein großer Teil der Herren trug eine Kombination, also Stoffhose und Sakko.
Aber jetzt hat Phoenix den (Abend)anzug anscheinend als Mindeststandard postuliert.
Ob das eine so kluge Entscheidung war?
Ich habe spaßeshalber das Thema mal in zwei Facebookgruppen zur Diskussion gestellt.
- https://www.facebook.com/groups/558762859395064/posts/883185410286139/
- https://www.facebook.com/groups/306423309557687/posts/2722136014653059/
Unabhängig wie die Diskussion ausgeht, werde ich weiter mit meiner seit Jahren bewährten Kombination (dunkle Hose, weißes Hemd, helles Jackett und passende Krawatte) auftreten.
Die ARTANIA ist in meinen Augen eher ein "Volksdampfer" und ist in keinster Weise mit Luxuslinern wie z.B. der Queen Mary 2 zu vergleichen.
Unter anderem deshalb empfinde ich den abgehobene Bekleidungshinweis auf der ARTANIA als völlig überzogen.
Aber das ist im Grunde genommen unbedeutender Kleinkram und völlig bedeutungslos gegenüber einem wirklichen Problem, das uns für die kommende Reise sehr bedrückt.
Der Steward Florante Batul ist nicht an Bord und wird voraussichtlich auch nicht an Bord kommen. Er wartet verzweifelt seit Monaten zu Hause auf den Philippinen darauf, dass er wieder, wie all die vielen Jahre davor, einen Vertrag erhält.
Die Crewmitglieder bekommen immer nur befristete Verträge, gehen dann für 2-3 Monate nach Hause und werden meist dann wieder für mehrere Monate erneut angestellt.
Bei Florante war das jetzt nicht mehr der Fall.
Wir kennen Florante seit vielen Jahren und schätzten seinen hervorragenden und herausragenden Service im Lido-Restaurant. Florante ist nicht nur gut, er ist sehr gut. Er hat einen 360º-Rundumblick, sieht z. B. sofort, wenn an einem der Tische in seinem Servicebereich etwas zu tun ist. Sei es Geschirr abzuräumen, Getränke nachzuschenken, versehentlich heruntergefallenes Besteck zu ersetzen – oder was auch immer. Sofort ist er da oder schickt einen seiner Kollegen aus dem Team, das er leitet.
Wenn „seine“ Gäste das Lido betreten, begrüßt er sie sofort und sucht mit ihnen einen passenden Tisch.
Florante ist einfach außergewöhnlich, dazu herzlich und freundlich. Doris und ich sind nicht die Einzigen, die ihn schätzen. Man kann das allein daran erkennen, dass in seinem “Revier“ im Lido freie Plätze eher rar sind, während bei anderen Kellnern (die in der Regel ebenfalls einen guten Job machen) viel mehr Tische frei sind.
Wir haben mit Florante Kontakt über Facebook und er kann sich, genau wie wir, nicht erklären, warum seine Arbeit nicht mehr gefragt ist. Es habe auch keinen Vorfall gegeben, bei dem er irgendwie in “Ungnade“ gefallen sein könnte.
Ich kann nicht nachvollziehen, warum ein so erfahrener, engagierter und exponierter Mitarbeiter keinen Vertrag mehr erhält. Er ist im Mai 2024 regulär von Bord gegangen und seither hat sich sein Arbeitgeber (Sea Chefs, ein Subunternehmen, das den Hotel- und Restaurantbereich auf den Phoenix-Schiffen betreibt) nicht mehr bei ihm gemeldet.
Wir haben den Fall jetzt per Mail dem derzeitigen Kreuzfahrtdirektor auf der ARTANIA, Jörn Hofer, geschildert. Er wird, wie er uns geantwortet hat, der Sache nachgehen.
Der nächste Meilenstein bestand im Packen der ersten 3 Koffer, die der Gepäckservice Tefra nach Hamburg direkt aufs Schiff verfrachten soll.
Wir werden am 17.12.2024 mit dem Bus vom "Parkplatz P36" am Frankfurter Flughafen bis direkt vor das Hamburg Cruise Center in Hamburg-Altona fahren und werden dann noch zusätzliche Koffer dabei haben und ohne Tefra müssten wir uns dann mit 5 Koffern + Handgepäck auf dem großen Parkplatz bewegen und das wollten wir uns nicht antun.
Neben dem Packen selbst war noch eine kleine Bastelarbeit von Nöten, denn die Kofferanhänger lagen nur als PDF-Datei vor und mussten ausgedruckt und gefaltet werden, um sie dann an den Koffern per Heftklammern festzutackern.
Da Papier zwar geduldig aber nicht unbedingt reißfest und wasserbeständig ist, habe ich die Anhänger noch mit Hilfe von transparentem Paketband stabilisiert und gleichzeitig so vor Witterungsunbilden geschützt.
Am Vormittag des 12.12.2024 wurden die 3 Koffer schließlich abgeholt.
Anreise und "Leinen los!"
Am Dienstag, 17.12.2024 war es dann so weit. Um 7:30 Uhr kam das Taxi und brachte uns zum Parkplatz “P36“ des Frankfurter Flughafens. Von dort startete der von Phoenix gecharterte Reisebus, der uns nach Hamburg zum “Cruise Center Altona“ brachte.

Am Hamburger Cruiseterminal findet ein strenger Sicherheitscheck statt, wie z.B. auch an Flughäfen.
Später wird in vielen Häfen lediglich der Bordausweis kontrolliert, aber nicht der mitgeführte Rucksack oder der Hosentascheninhalt.
Sicherheitskontrolle und Check-in gingen zügig vonstatten.
Vor jeder Etappe einer Kreuzfahrt findet die obligatorische Rettungsübung statt, ...
.... an der wir auch diesmal teilnehmen mussten und auch bei den nächsten 7 Etappen wieder dabei sein müssen, auch wenn wir mittlerweile die immer gleichlautenden erklärenden Texte auswendig mitbeten können – Seerecht halt.
Pünktlich um 22:00 legte die Artania ab.
Die Nacht war leicht stürmisch und auch am nächsten Morgen war die See noch kabbelig.
2. Reisetag – Mittwoch, 18.12.2024 - Seetag
Dieser 2. Reisetag verlief völlig unspektakulär, insbesondere auch, weil Kofferauspacken angesagt war.
Am Vormitttag war Doris dran, die Sachen in den Schränken und Schubladen zu verstauen, während ich am Nachmittag diese Herkulesarbeit mit dem Einräumen meiner Siebensachen vollendete.
Ein Lichtblick war, dass unsere guten Freunde Elisabeth und Clemens Groth ebenfalls an Bord waren und wir bei sämtlichen Fütterungen der Passagiere (Frühstück, Mittagessen, Kaffeestunde und Gala-Abendessen) immer zusammen an einem Tisch saßen.
Beim heutigen Gala-Abend traten wir selbstredend im feinen Zwirn auf.
Wie ich im ersten Blogeintrag bereits thematisiert habe, hatte sich Phoenix bezüglich der Kleiderordnung an Galaabenden eine neue Formulierung einfallen lassen, die suggerierte, dass für die Herren jegliche Kleidung, die nicht in die Kategorie Smoking, Dinner-Jacket oder Abendanzug fiel, dem Anlass nicht angemessen sei. Eine schicke Kombination genügte demnach diesen gehobenen Ansprüchen nicht mehr.
Nachdem ich Anfang Dezember eine „Protest-Mail“ an Phoenix schickte und gleichzeitig in einer ARTANIA-Facebook-Gruppe eine Diskussion anzettelte, indem ich die neue „verschärfte Kleiderordnung“ dort postete, ruderte Phoenix zurück und das Thema Smoking & Co. war vom Tisch.
Nicht unbedingt wegen meiner E-Mail (eine Antwort habe ich nie erhalten), sondern wegen der Facebook-Diskussion mit weit über 300 Diskussionsbeiträgen. Der allgemeine Tenor war, dass hier Phoenix über das Ziel hinausgeschossen sei.
Schon wenige Tage später wurde für einen Galaabend, wie bisher auch, lediglich „elegante Kleidung“ vorgeschlagen.
3. Reisetag – Donnerstag, 19.12.2024 – Antwerpen/Belgien
Pünktlich um 7:30 Uhr laufen wir in Antwerpen ein.
Antwerpen liegt an der Schelde, 88 km vor ihrer Mündung in die Nordsee. Der Fluss weitet sich im Stadtgebiet zu einer breiten, von Seeschiffen befahrbaren Trichtermündung auf, die über den Meeresarm Westerschelde zur Nordsee führt.
(Quelle: Wikipedia)
Die Pier, an der die ARTANIA festmachte, liegt äußerst zentral in der Nähe des Stadtzentrums.
Gegen 10:30 Uhr starten wir unseren Landgang zusammen mit Elisabeth und Clemens Groth.
Es regnet und es weht ständig ein starker kalter Wind, was dem Wohlbehagen diametral gegenübersteht. Und auch das gleichzeitige Hantieren mit Schirm und Smartphone ist beim Fotografieren bemerkenswert umständlich.
Der erste Eindruck von Antwerpen ist äußerst positiv. Das prachtvolle Gebäudeensemble am „Grote Markt“ hat uns schwer beeindruckt
Aber trotz aller touristischen Verlockungen hatte das Auffinden eines Schuhgeschäfts die höchste Priorität. Warum das?
Weil Doris vorgestern während der Taxifahrt zum Frankfurter Flughafen auf halber Strecke festgestellt hat, dass sie noch ihre Hausschuhe anhatte. Wären das ausgelatschte Filzpantoffel gewesen, hätte sie den Fauxpas wahrscheinlich noch rechtzeitig bemerkt, was bei den „Hybrid-Schuhen“, die man sowohl zu Hause als auch durchaus auf der Straße tragen kann nicht der Fall war. Zum Umkehren war es nun zu spät ...
... und deshalb war jetzt die Anschaffung eines festen Straßenschuhs von Nöten.
Da ein Schuhkauf immer eine aufregende Sache ist, machten wir danach erst einmal Rast in einem urigen Café (Du Muze)
Ob des ekligen Wetters verkürzten wir unseren Stadtrundgang und außer einigen Weihnachtsmarkt-Buden, die sich auf der gesamten Innenstadt verteilten, blieben sonstige touristischen Ziele unbesucht.
Gegen halb drei waren wir dann auch schon wieder zurück auf der ARTANIA.
Wir waren noch nicht ganz in unserer Kabine angekommen, als eine Durchsage des Kreuzfahrtdirektors erfolgte. Er musste den Passagieren leider mitteilen, dass das für morgen geplante Anlaufen von Amsterdam ausfallen müsse. Grund sind die für morgen vorausgesagten starke Winde. Jetzt ist die ARTANIA recht sturmerprobt, aber um per Schiff nach Amsterdam zu gelangen, muss die Schleuse bei Ijmuiden passiert werden. Starker Wind, Schiff und Schleuse harmonieren nun einmal ganz und gar nicht und die Hafenbehörden haben gewarnt, dass eine entsprechende Passage zu gefährlich wäre.
Ergo würden wir erst am nächsten Tag nachmittags mit Ziel Hamburg unseren Liegeplatz in Antwerpen verlassen.
Als Trostpflaster wurde ein kostenloser Bustransfer nach Amsterdam angeboten. Der Bus würde um 8:00 Uhr losfahren und je nach Verkehrslage Amsterdam in 2-3 Stunden erreichen. Um 13:15 Uhr sollte bzw. musste es dann auch schon wieder zurückgehen.
Für uns war das keine Alternative.
Wir waren aber auch nicht böse, noch einen Tag länger in Antwerpen zu bleiben, schließlich sollte morgen das Wetter viel besser als heute sein, mit weniger Wind und ohne Regen.
4. Reisetag – Freitag, 20.12.2024 – Antwerpen/Belgien (2. Tag)
Nach dem Frühstück trabten wir in der gleichen Konstellation wie gestern, also zusammen mit den Groths, gegen 10: 00 Uhr wieder los.
Das Wetter war wie vorhergesagt, zwar mit recht niedriger Temperatur so um die 3° C, aber ab und zu ließ sich sogar die Sonne blicken.
Wie wir auf unserem Weg durch die Stadt feststellen konnten, sind nicht nur die Niederländer ein fahrradaffines Völkchen, sondern auch die Antwerpener.
Und sie sind gekonnte Radfahrer. Sie radeln mit rasantem Tempo auf Straßen und durch Fußgängerzonen. Dabei kann man bewundern, wie sie in den Fußgängerzonen mit viel Geschick und Können um die Fußgänger herumfahren, wie alpine Skifahrer um die Slalomstangen.
-20241220-111612_ji.jpg)
"Diamonds are the girls best friends"
Antwerpen ist die Stadt der Diamanten. An der Hauptgeschäftsstraße zum Antwerpen Centraal liegt ein Laden mit Diamantenschmuck neben dem anderen.
Unser Ziel war Antwerpen Centraal, der Hauptbahnhof, den wir nach einem 30-minütigen Fußmarsch erreichten.
Der Bahnhof kann sich wirklich sehen lassen, sowohl von außen als auch von innen.
In unmittelbarer Nähe des Bahnhofs stand ein Riesenrad mit dem klangvollen Namen „The View“, das uns magisch anzog. Als einzige Passagiere (von 216 möglichen Fahrgästen in 36 Gondeln) drehten wir exklusiv unsere Runden, um Antwerpen aus 50 Meter Höhe zu erleben.
In luftiger Höhe entdeckten wir ein chinesisches Tor, wie es in vielen Metropolen den Eingang zu einem Chinatown kennzeichnet.
Nach der Riesenradfahrt lenkten wir unseren Weg schnurstracks Richtung Chinatown. Chinatown entpuppte sich aber lediglich als eine kurze China-Street, mit einigen düsteren chinesischen Lebensmittelgeschäften und Restaurants.
Der nächste Punkt auf unserer To-Do-Liste war der Verzehr einer belgischen Waffel, alternativ eine Tüte belgische Pommes. Leider waren die Straßen rund um den Bahnhof 0815-City-Straßen mit Kaufhäusern und Fast-Food-Restaurants und sonstigen Läden, wie man sie in jeder Großstadt findet und die wenig bis gar kein Flair besitzen.
So war die Suche nach einer kleinen Konditorei oder einer Pommesbude, die nicht von McDonalds oder Burger King betrieben wird, erfolglos. Auch in den Seitenstraßen wurden wir nicht fündig.
Aber als brauchbare Alternative fanden wir eine kleine originelle Kneipe, wo wir mit heißem Kaffee und einem Teller mit Käsewürfeln versorgt wurden.
Auf dem Rückweg zur Artania kamen wir dann doch noch in den Genuss der angestrebten Waffel.
Das Ablegen der ARTANIA war für 17 Uhr vorgesehen, verzögerte sich aber um eine gute Stunde, weil einer der Busse mit den Ausflüglern in Amsterdam auf einen Passagier wartete, der bezüglich der Abfahrtszeit 13:15 Uhr mit 14:15 Uhr verwechselt hatte.
Ich fand es übrigens nicht so geschickt, dass der Kreuzfahrtdirektor bei seiner Ansage wegen der Verspätung, diese ganz offen mit dem Warten auf einen schusseligen Passagier begründete. Ich bevorzuge zwar offene, transparente und ehrliche Information und Kommunikation. Aber hier könnte der ein oder andere Spitzklicker daraus die Lehre ziehen, dass man es zwecks Einhalten einer vorgegebenen Abfahrtszeit eines Ausflugbusses gar nicht so genau nehmen muss. Schließlich weiß man ja jetzt, dass geduldig auf verspätete Trödler gewartet wird.
Als kleines Trostpflaster für die ausgefallene Destination Amsterdam und die verspätete Abfahrt von Antwerpen spendierte Phoenix beim Ablegen Sekt und O-Saft.
Nach dem Abendessen machten wir eine Stippvisite auf dem Phoenix-Weihnachtsmarkt in der Kopernikus-Bar auf Deck 8. Hier gab es (gratis) Bratwurst, gebrannte Mandeln und Linseneintopf, wovon die Gäste trotz vorheriger Mahlzeit gerne und reichlich Gebrauch machen.
Ich begnügte mich mit einem Glühwein, um kurz darauf ins gemütlichere Schiffsinnere zu verschwinden und mir in Harry’s Bar noch einen Absacker (alkoholfreies Weizenbier) zu gönnen.
5. Reisetag – Samstag, 21.12.2024 – Seetag
Schon gestern wurde der große Weihnachtsbaum im Foyer vor dem Restaurant "Vier Jahreszeiten" aufgestellt .
Wir vermissen noch die elektrische Eisenbahn, die in den letzten Jahren immer unermüdlich das schön geschmückte Nadelgehölz umkreiste.
Aber wir haben die Hoffnung, dass sie doch noch bis zum Heiligen Abend aufgebaut wird.
Morgen geht die Adventreise zu Ende und es startet die Weltreise.
Wie üblich fand am letzten Seetag der Reise von 11-12 Uhr der allseits beliebte “Stadl-Frühschoppen“ mit Freibier, Weißwurst, Schweinsbraten etc. statt. Wegen des usseligen Wetters wurde diese Vergnüglichkeit nicht im Freien auf Deck 8 in der Kopernikus-Bar, sondern im Schiffsinneren im Restaurant “Vier Jahreszeiten“ zelebriert.
Auch Doris und ich stürzten uns gegen 11:30 Uhr ins Gewühl, um wie hunderte andere Passagiere auch, deftige Speisen zu uns zu nehmen.
Zwar habe ich verabsäumt von diesem Event Fotos zu machen, aber da bis zum Ende unserer Reise noch weitere 7 Stadl-Frühschoppen auf dem Programm stehen werden, wird es irgendwann schon mal klappen.
Wahrscheinlich gehörten wir zu den wenigen Ausnahmen, die nicht um 12:30 Uhr schon wieder zum reich gedeckten Mittagstisch eilten. Wir suchten stattdessen zwecks Ausruhen unsere Kabine auf.
Um 15:30 Uhr mussten wir allerdings schon wieder das Restaurant “Vier Jahreszeiten“ aufsuchen, denn dort wartete die „Weihnachtliche Tee- und Kaffeestunde“.
Fast alle Mitreisenden müssen heute ihre Koffer packen, da sie morgen von Bord gehen.
Wir befürchteten beinahe, auch von Bord zu müssen, denn wir fanden in unserer Kabine 3 grüne Banderolen, die man an den Koffern befestigen soll. „Grün“ bedeutete: Bustransfer von Hamburg nach Frankfurt am 22.12.2024 um 10:00 Uhr.
Der Kabinensteward, der uns diese Abreise-Fazilität in die Kabine gelegt hatte, meinte, dass wir auf der entsprechenden Liste stünden. Er hat aber ohne Widerspruch die Banderolen wieder entgegengenommen, nachdem wir ihm glaubhaft versichern konnten, dass wir noch ein paar Tage länger an Bord bleiben würden.
6. Reisetag – Sonntag, 22.12.2024 – Hamburg
Der Tag begann gegen Viertel vor 5 mit Ungemach. Die Spülung der Vakuum-Toilette in unserer Kabine streikte. Vor dem Schlafengehen war noch alles in Ordnung.
Ein kurzer Anruf an der Rezeption genügte und der Notdienst-Klempner eilte herbei. Er inspizierte kurz unsere Toilette, um sofort wieder zu entschwinden, da das Problem im Leitungssystem außerhalb unseres Badezimmers lag.
Um viertel nach 5 war die Welt wieder in Ordnung, zumindest für uns Passagiere. Der Crew stand ein harter Tag bevor bzw. war der harte Tag schon im vollen Gange.
Seit 2 Uhr in der Nacht mussten die Koffer, die von den abreisenden Passagieren vor den Kabinen in die Gänge gestellt wurden, eingesammelt werden.
Nach dem Anlegen wurde das eingesammelte Gepäck in großen Käfige gestapelt per Kran von der ARTANIA an Land geschafft.
Die umgekehrte Prozedur erfolgt dann am Nachmittag, wenn die neuen Gäste angereist kommen (heute ca. 850 an der Zahl). Das heißt, dass mehr als 2000 Koffer vor die zugehörigen Kabinen, die auf den Kofferanhängern vermerkt sind, zu befördern sind.
Die Kabinenstewardessen und Kabinenstewards müssen die Kabinen auf Vordermann bringen und zwar zwischen 9:00 Uhr, wenn die abreisenden Gäste ihre Kabine geräumt haben müssen bis 15:00 Uhr, wenn die ersten neuen Passagiere an Bord kommen.
Für die Neuankömmlinge stehen sämtliche Crewmitglieder vom Housekeeping parat, um die Gäste auf ihre Kabinen zu geleiten.
Und noch tausend andere Dinge sind zu tun, um eine möglichst reibungslose Ein- und Ausschiffung zu gewährleisten, wie Check-in oder zusätzlicher warmer Imbiss am Nachmittag für hungrige Neuankömmlinge.
Auch der Kreuzfahrtdirektor hat zu tun, er steht mehrere Stunden an der Gangway, erst um jeden einzelnen Abreisenden zu verabschieden und später jeden einzelnen Ankömmling zu begrüßen. Heute allerdings hatte unser Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer Glück, weil jemand anders am Nachmittag die Rolle des Grüß-August übernommen hatte (dazu später mehr).
Dass Passagierwechsel sein muss liegt auf der Hand, aber wenn dieser Stress-Hoch-Drei-Tag alle 5-7 Tage stattfindet, wie jetzt im November und Dezember bei den Kurzkreuzfahrten, ist das schon eine ziemlich harte Nummer, denn normalerweise dauern Kreuzfahrten im Schnitt ca. 3 Wochen.
Also Hut ab vor der Crew!!!
Nach dem Frühstück verabschiedeten wir mit etwas Wehmut Familie Groth, die den Weg nach Hause antreten wollten.
Nachdem Familie Groth den Reisebus nach Hannover bestigen hatten, machten wir uns für unseren Landgang fertig.
Unser Weg führte (ähnlich wie in Antwerpen) zum Bahnhof. Aber nicht weil der Bahnhof Altona baulich so interessant wäre, sondern weil sich dort ein Lidl befindet. Es war zwar Sonntag, aber für die Geschäfte in Bahnhöfen galt das strenge deutsche Ladenschlussgesetz nicht.
Den Weg dorthin bewältigten wir zu Fuß. Da wir dort nicht nur einen geöffneten Lidl vorfanden, sondern auch eine genauso geöffnete Rossmann Drogerie konnten wir neben Bodylotion (da diesbezüglich vom Housekeeping nichts mehr in die Dusche geliefert wird) und Duschgel (weil das in der Dusche irgendwie nicht allzu toll ist) auch einen kleinen Schirm kaufen, da meiner noch zu Hause liegt, obwohl ich Stein und Bein schwören könnte, dass ich ihn eingepackt hatte.
Bei Lidl erstanden wir noch Batterien, um unser mitgebrachtes Zimmerthermometer damit bestücken zu können.

Gegen 13:00 Uhr trafen die ersten neuen Passagiere im Terminal ein. Die Zeit bis zum Beginn des Check-ins um 15:00 Uhr wurde musikalisch von einem Shanty-Chor überbrückt.
Zurück auf der ARTANIA konnten wir den Ballast, den wir eingekauft hatten, wieder abwerfen, um uns nun zu Fuß Richtung Landungsbrücken zu bewegen.

Ein Kurzbesuch des alten Elbtunnels. Der Eingang ist nur einen Steinwurf weit von den Landungsbrücken entfernt. Auf eine vollständige Unterquerung der Elbe haben wir verzichtet.
Den Rückweg von den Landungsbrücken nahmen wir über die Hafenstraße ...
Die Graffitis der linken Szene waren ein schönes Fotomotiv,
... während bei den 5 jungen zwielichtigen Männern, die augenscheinlich auf Kundschaft für irgendwelche Drogengeschäfte warteten, mein Handy in der Hosentasche blieb.

Dieses Schild befand sich direkt bei der Dealer-Ecke. Übersetzung:
Drogen zu verkaufen ist nicht unser Wunsch.
Wenn man uns erlaubt zu bleiben und zu arbeiten, würde hier niemand etwas verkaufen.
Da ist etwas Wahres dran!
Als wir an einem Fisch-Imbiss vorbeikamen, kam ich nicht umhin, mir dort ein Fischbrötchen (Bismarck) zu kaufen. Der Kauf hat sich gelohnt. Zwar war der Preis von 5,00 € kein Schnäppchen, aber einen so guten Fischweck hatte ich bisher noch nicht gegessen.
Im Hafenterminal trafen wir Hagenows, alte Bekannte, die wir von früheren Kreuzfahrten kennen. Sie fuhren allerdings nicht mit der ARTANIA mit, sondern waren nur da, um das Schiff beim Start für die Weltreise zu verabschieden.
Zurück an Bord dräute schon die für 18:00 Uhr angesetzte Rettungsübung. Über Lautsprecher wurden wir informiert, dass wir im Rahmen der Übung zusätzlich draußen an Deck 4 anzutreten haben und deshalb warme Kleidung anziehen sollten.
Dass es nach den üblichen Einweisungen für den Notfall an den Sammelpunkten, den sogenannten Musterstationen, im Gänsemarsch zu den Rettungsbooten an Deck ging, gehörte noch vor einigen Jahren zum Repertoire einer jeden Übung.
Irgendwann ist man davon abgekommen und dieser Teil einer Schiffsevakuierung wurde lediglich verbal thematisiert.
Warum nun ausgerechnet an so einem ungemütlichen Tag so verfahren wurde wie früher, blieb im Dunkeln. War es eine Idee von Kapitän Hansen, der heute Kapitän Alex Zinkovskyi abgelöst hat? War es Michael Schulz geschuldet? Michael Schulz ist ein “hohes Tier“ bei Phoenix und seines Zeichens “Direktor Schiffsreisen“. Er war heute an Bord, um die Ankömmlinge für die anstehende Weltreise zu begrüßen, eine Aufgabe, die ansonsten der Kreuzfahrtdirektor ausübt.
Aber es half alles nix, mit Hut und Mantel ging’s zur Musterstation, wo in einem ca. 20-minütigen Vortrag das Verhalten in einem Notfall erläutert wurde. Dann wurde das Anlegen der Schwimmweste geübt und mit umgeschnallter Schwimmweste ging es nach draußen.
Ob es gesund ist, erst im Warmen in voller Montur im Schiffsinneren im eigenen Saft zu schmoren, um sich anschließend in den kalten Wind zu stellen, ist sehr fraglich. Der berühmt-berüchtigte ARTANIA-Husten lässt grüßen.
Um 19:00 Uhr legte die ARTANIA ab, ohne viel Tamm-Tamm und Auslaufparty, nur mit einem Gläschen Sekt. Ein erhebendes Gefühl, so am Anfang einer hoffentlich grandiosen Weltreise zu stehen.
Um 20:30 Uhr eröffnete der Phoenix-Weihnachtsmarkt seine Pforten. Zwar fand dieses Event schon einmal vor zwei Tagen statt, aber die meisten Glühweintrinker und Würstchenesser von damals sind ja heute von Bord gegangen.
Für die Crew bedeutete das einen immensen Aufwand. Die gesamte Deko und die Buden mussten abgebaut werden, nur um zwei Tage später wieder aufgebaut und installiert zu werden.
War vor zwei Tagen hier reger Betrieb, waren heute nur eine Handvoll Leute zu sehen, da es regnete. Wirklich sehr schade für Crew und Gäste.

Wo sich vorgestern die Leute gegenseitig auf die Füße getreten sind, herrschte heute beinahe gähnende Leere.
7. Reisetag – Montag, 23.12.2024 – Seetag
Schon gestern Abend hat der Kreuzfahrtdirektor für die Nacht vor Sturm und hohen Wellen gewarnt.
Der morgige Gala-Abend wurde deshalb abgesagt und auf den 1. Weihnachtsfeiertag verschoben.
So ab 4 Uhr morgens fing es an, richtig zur Sache zu gehen. Das Schiff schwankte und schaukelte so stark, dass die ersten Gegenstände durch die Kabine flogen. Wir schoben die Sachen auf dem Schreibtisch möglichst weit von der Tischkante weg und hofften so, alle sicherungstechnischen Maßnahmen getroffen zu haben.
Aber am Morgen war ersichtlich, dass es doch den ein oder anderen Flurschaden gegeben hat.
Die Mandeln vom gestrigen Weihnachtsmarkt hatten ihre Papiertüte verlassen und verteilten sich auf dem Fußboden zusammen mit den Pralinen, die vom Galaabend noch übrig waren.
Schlimmer sah es im Bad aus. Dass sich der Inhalt von Doris‘ Kulturbeutel, den Mandeln nicht unähnlich, auf dem Badezimmerboden wiederfand, war nicht weiter schlimm. Allerdings ist auch ein gläserner Zahnputzbecher zu Bruch gegangen. Wegen der Scherben auf dem Boden, musste das morgendliche Duschen auf unbestimmte Zeit verschoben werden.
Neben dem Duschen fiel aus “windigen“ Gründen auch der heutige, für den Vormittag avisierte Maritime Frühschoppen aus.
Am späten Vormittag beruhigten sich Wind und Wellen allmählich.
8. Reisetag – Dienstag, 24.12.2024 – Seetag – Heiligabend
Heute trafen wir einige von unseren Bekannten an Bord wieder, die gestern wegen diverser Unpässlichkeiten, die der rauen See geschuldet waren, einen Aufenthalt in der Kabine vorgezogen hatten und insbesondere die Restaurants zu den Mahlzeiten mieden.

Obwohl der Sturm schon etwas nachgelassen hatte, waren die Pools noch nicht gefüllt, sodass ein erfrischendes Bad leider nicht möglich war.
Der Vormittag des Heiligen Abend an Bord unterschied sich nicht von den üblichen Seetagen. Shuffle Board, “Bauch, Beine, Po“ etc., also Animationsangebote wie sonst auch.
Ab Nachmittag wurde es dann schon feierlicher; hier einige Programmpunkte aus dem heutigen Tagesprogramm.
Nachdem wir uns während der weihnachtlichen Kaffeestunde ein Stück des sehr schmackhaften Stollens genehmigt hatten, ...
... versuchten wir die so angehäuften Kalorien im Fitnessraum wieder loszuwerden, während in dieser Zeit der Großteil der Passagiere sich zum Weihnachtsliedersingen im Foyer eingefunden hatte.
Zum Abendessen im Lido-Restaurant wurden Reh-Sauerbraten und der Klassiker „Würstchen mit Kartoffelsalat“ angeboten. Wir entschieden uns für die klassische Variante und krönten das Menü hinterher mit einem Eisbecher, womit ein erneuter Besuch im Fitnessraum für morgen wohl notwendig sein wird.
Unser Kabinensteward, Ruben, überraschte uns mit der Überbringung eines Pakets von der Familie Groth.

Das Glas mit Leberwurst wird irgendwann noch hier an Bord einen persönlichen Gourmet-Abend einleiten. 😊
Die elektrische Eisenbahn war tatsächlich aufgebaut, aber es fuhr kein Zug. Die Lokomotive stand bewegungslos mit nur einem angekoppelten Waggon auf dem Gleis, der zweite Wagen war hinter dem Weihnachtsbaum versteckt.
Als der Kreuzfahrtdirektor uns Frohe Weihnachten gewünscht hatte, nutzten wir die Gelegenheit ihm zu erklären, dass wir diese Kreuzfahrt eigentlich nur wegen der elektrischen Eisenbahn gemacht hätten und nun fuhr sie nicht, als hätte sie sich die Deutsche Bahn als Vorbild genommen.
Er kümmerte sich sofort um die notwendige Bahnsanierung und brachte die Lok mit dem Waggon zum Laufen.
Das Glück währte allerdings nicht lange, da der Waggon entgleiste und von der Schiene genommen werden mussten.
Ergo dreht die Lok nun ohne Waggons ihre Runden, wie weiland die Emma mit Lukas dem Lokomotivführer auf Lummerland.
Mit einer halben Tasse Gulaschsuppe und einigen Käsespießchen vom Late-Night-Snack-Buffet beendete ich den Heiligen Abend. (Doris hat heldenhaft das Buffet ignoriert.)
9. Reisetag – Mittwoch, 25.12.2024 - Seetag – 1. Weihnachtsfeiertag
Seetag ist auch immer Bürotag und "mein" Büro befindet sich seit Jahr und Tag in der ARTANIA-Bibliothek.
Der späte Nachmittag läutete den Galaabend ein, mit Kapitän-Fototermin und Vorstellung der wichtigen Offiziere und Crewmitglieder, wie z. B. die Küchenchefin Katrin Gabardi.
Ein idealer Zeitpunkt für einen Besuch des Fitnessraums, weil dieser dann erfahrungsgemäß leer ist.
Lobend erwähnenswert ist das heutige Gala-Abendessen. Es gab Gänsebraten, Klöße und Rotkohl pur ohne Aufpeppen mit irgendwelchem Schnickschnack der Nouvelle Cuisine oder was man hier an Bord dafür hält. Es hat ausgezeichnet geschmeckt.
10. Reisetag – Donnerstag, 26.12.2024 – Lissabon/Portugal – 2. Weihnachtsfeiertag

Die Linienbusse in Lissabon waren allerdings noch in Feiertagsstimmung (Feliz Natal = Frohe Weihnachten).
Auf der ARTANIA war Weihachten so gut wie vorbei, genau wie in Lissabon auch, denn hier ist der 26.12. kein Feiertag mehr.
Gegen 11:00 Uhr bog die Artania vom Atlantik in den Fluss Tejo. Die Passage verfolgten wir draußen auf dem Promenadendeck, denn wir passierten etliche Sehenswürdigkeiten von Lissabon, bevor wir unseren Liegeplatz an der Santa Apolonia Pier erreichten, als da wären:
- die Hängebrücke Ponte 25 de Abril, die eine große Ähnlichkeit mit der Golden Gate Bridge in San Francisco aufweist,
- die monumentale Christusstatue Cristo Rei, die der berühmten Statue in Rio de Janeiro nachempfunden ist,
- den Torre del Belem, eines der bekanntesten Wahrzeichen Lissabons,
- das Padrão dos Descobrimentos (Denkmal der Entdeckungen).
An der Phoenix-Bar wurde heiße Bouillon ausgeschenkt, die vorläufig unser Mittagessen ersetzen musste. Wir wollten nach der Schiffsfreigabe gegen 12:30 Uhr sofort unseren Landgang beginnen, da erfahrungsgemäß bei Ankunft um die hohe Essenszeit die gesamte Schar der Passagiere gleichzeitig die Restaurants flutet.
Für unseren Landgang hatten wir kein großartiges Konzept ausgearbeitet, sondern wollten lediglich ein wenig durch die nahegelegene Altstadt pengeln, allerdings mit einem ganz wichtigen Anlaufpunkt, der Patisserie Nataria Nacional.
Hier gibt es die zweitbesten Pasteis de Nata, eine Spezialität von Lissabon.
Wir hatten sie letztes Jahr schon einmal probiert und für sehr gut befunden.
Die besten und originalen Pasteis gibt es im Stadtteil Belem, aber es wäre etwas aufwendiger, um dorthin zu kommen.
Dass es dort die besten gibt, hat uns vor 3 Jahren ein Fremdenführer glaubhaft versichert und wir konnten uns von dieser Aussage durch Probieren überzeugen.
Aber der Unterschied zwischen Platz 1 und 2 ist kaum merkbar.

Eine Fahrt mit der nostalgischen Straßenbahn war nicht erstrebenswert, es sei denn, man liebt die Enge und Tuchfühlung mit Fremden.
Nach dem Genuss der Pasteis (1,40 €/Stück) ließen wir uns bei lauem Frühlingswetter ein wenig durch die Straßen treiben, um irgendwann zum Schiff zurückzukehren.

Während in Deutschland das Wetter noch kühl, nass und trübe ist, sitzt man hier in den Restaurants und Cafés schon draußen.
Um 19:00 Uhr, es war bereits dunkel, verließ die ARTANIA wieder Lissabon.
11. Reisetag – Freitag, 27.12.2024 – Seetag
Heute war ein ganz normaler Seetag ohne Höhen und Tiefen.
Einzig erwähnenswert ist vielleicht der Diebstahl eines halben Mohnbrötchens.
Und das kam so:
Am Frühstücksbuffet nahm sich Doris ein Mohnbrötchen, teilte es mit dem dort bereitliegenden Brotmesser in zwei Hälften und legte diese auf den Toaster, um selbige so ein wenig aufzupeppen. Nachdem sie noch diverse Leckereien vom Buffet eingesammelt hatte, kehrte sie zum Toaster zurück, um ihre Brötchen abzuholen. Da aber statt zwei nur noch ein halbes Brötchen auf dem Toaster lag, entfuhr ihr der Schreckensruf: „Da hat doch tatsächlich jemand mein Brötchen mitgenommen!“.
Ein in der Nähe stehender Herr spendete ihr mit Hinweis auf das vorhandene Buffet den zwar gutgemeinten, aber wenig passenden Trost: „Es ist ja noch von allem genügend da.“
Denn der Dieb kam ja ungestraft davon und Doris hatte jetzt nur noch die Wahl, entweder mit einem halben Brötchen zu darben oder sich mit eineinhalb Brötchen der Völlerei hinzugeben.
12. Reisetag – Samstag, 28.12.2024 – Arrecife/Lanzarote/Kanaren/Spanien
Sowohl die ARTANIA als auch das Phoenix-Schiff AMADEA waren heute auf dem Weg nach Arrecife, um am frühen Nachmittag dort einzutreffen.
Auf See beglückt uns unser Kapitän regelmäßig mit seiner 10-Uhr-Ansprache. Allerdings wiederholt er oft nur noch einmal mit eigenen Worten das, was der Kreuzfahrtdirektor wenige Augenblicke vor ihm bereits durchgesagt hatte. Oder er teilt uns lediglich irgendwelche Belanglosigkeiten mit, aber heute hatte er eine echte Nachricht. Die AMADEA werde sich etwas verspäten, weil sie vor der Küste von Lanzarote auf ein Flüchtlingsboot mit ca. 20 Leuten getroffen ist. Die AMADEA begleitet jetzt dieses Boot so lange, bis die Küstenwache eintrifft und sich um die Flüchtlinge und das Boot kümmern wird.

Die "Mein Schiff 5" lag an einer ganz anderen Pier, sodass wir uns nicht gegenseitig ins Gehege kommen konnten.
Die ARTANIA legte pünktlich um 13:00 Uhr an der Pier in Arrecife an.
Phoenix bot neben den üblichen Ausflügen auch einen Strandtransfer in den ca. 15 Kilometer entfernten Ort “Puerto del Carmen“ an. Der Transfer sollte 19,00 € pro Person kosten. Doris hatte jedoch über Google Maps und der Internetseite des örtlichen Verkehrsbetriebs (https://arrecifebus.com) herausgefunden, dass sich in der Nähe unseres Liegeplatzes eine Bushaltestelle befindet, von wo wir mit dem Linienbus Nr. 3 ebenfalls nach Puerto del Carmen kommen können und zwar für 3,40 € pro Person (hin und zurück).
Und Glück hatten wir bei dieser Aktion auch noch. Die Busse verkehren halbstündlich und als wir an der Bushaltestelle ankamen, kam schon nach 2 Minuten unser Bus.
Wir stiegen in Puerto Del Carmen auf gut Glück an der Station “Costa Mar“ aus. Hier befindet sich ein sehr breiter Strand, aber ansonsten steppte hier jetzt nicht gerade der Bär.
Eine Ausnahme bildete eine Bude, an der sich viele Leute für den heutigen “Carrera Navidena“ registrieren ließen. „Carrera Navidena“ ist ein 5-Kilometer-Weihnachts-Volkslauf für die ganze Familie.

Die Funktion dieses Turms hat sich uns nicht erschlossen, aber den Cache, der hier gut versteckt war, haben wir gefunden.
Wir nahmen nicht an diesem Lauf teil, sondern hoben stattdessen 2 Geo-Caches und fuhren mit dem Bus wieder zurück.
Auf der Hinfahrt hatten wir gleich beim ersten Stopp einen Lidl gesehen. Deshalb stiegen wir jetzt hier aus, um noch ein wenig zu shoppen. Danach machten wir uns zu Fuß auf zum Hafen. Google Maps meinte, dass ein Fußgänger die Strecke in einer knappen halben Stunde schafft.

Durch diese Mondlandschaft führte einmal ein direkter Weg zum Hafen. Der war nun gnadenlos weggebaggert.
Aber hier irrte Google. Wegen großer Baumaßnahmen war der Fußgängerweg, der normalerweise quer durch Lavafelder führte, gesperrt bzw. gar nicht mehr vorhanden.
Also mussten wir den wesentlich weiteren beschwerlichen Weg an der Hauptstraße entlang um das Lavafeld herum wandern, aus Sicherheitsgründen hinter der Leitplanke.
Zu allem Übel mussten wir am Hafen noch durch eine Sicherheitskontrolle. Neben der ARTANIA und der AMADEA lag noch die AMBITION von der Reederei Ambassador Cruise Line an der Pier. Also mussten von 3 Schiffen die heimwärts ziehenden Passagiere abgefertigt werden. Es standen aber nur 2 Gepäckscanner (für die Rucksäcke, Gürtel etc.) und ein einziger Personen-Scanner zur Verfügung, logisch, dass sich eine sehenswerte Warteschlange bildete.

Vor uns verließ die AMADEA Arrecife.
In Mindelo auf den Kapverden werden wir wieder aufeinander treffen.
Um 20:00 Uhr verließ die ARTANIA ihren Liegeplatz mit Kurs auf die Nachbarinsel Teneriffa.
13. Reisetag – Sonntag, 29.12.2024 – Santa Cruz/Teneriffa/Kanaren/Spanien
Anlegen 8:00 Uhr, Ablegen 13:00 Uhr.
An Tagen mit so einer kurzen Liegezeit kann man als Passagier zwar gut einen Ausflug mit Phoenix machen, aber die “Freigänger“ haben da eher schlechte Karten, insbesondere wenn das Schiff einen derart suboptimalen Liegeplatz hat, wie die ARTANIA heute.
Die Pier ist mehr als einen Kilometer lang und wir lagen ganz hinten.
Vor uns hatte die AMBITION, die wir noch von gestern kannten und das MSC-Schiff Opera festgemacht.
Für die beiden großen vor uns liegenden Schiffe gab es einen Shuttleservice zum Hafenausgang, für uns natürlich nicht.
Nichtsdestotrotz freuten wir uns sehr auf den heutigen Landgang, denn wir wollten uns mit unserer guten Freundin Katharina treffen, die über Weihnachten und Neujahr im Nord-Westen der Insel Urlaub macht. Per Bus kam sie hier nach Santa Cruz an die Nord-Ostspitze der Insel.
Gegen 9:00 Uhr trafen wir an der Plaza de España unter großem Hallo zusammen. Wir setzten uns erst einmal in ein Café, um in Ruhe einen Schwatz halten zu können.
Danach statten wir dem sonntäglichen Flohmarkt und der Obst-Markthalle einen Besuch ab.
Um 12 Uhr waren wir wieder zurück auf dem Schiff, diesmal ohne jegliche Kontrolle. Weder für den Bordausweis noch für unsere Rucksäcke interessierte sich ein Mensch außerhalb der ARTANIA.
14. Reisetag – Montag, 30.12.2024 – Seetag
An Seetagen findet regelmäßig in „meinem Büro“, sprich in der Bibliothek, ab 14 Uhr ein Skatturnier statt. Das bedeutet, dass von 8 Tischen 6 für das Turnier reserviert werden und so für die Nicht-Turnier-Teilnehmer, die den größten Teil der Passagiere ausmachen, nur noch zwei Tische übrigbleiben.
In der Vergangenheit konnte, wenn alle Tische belegt waren, in die Bodega-Bar ausgewichen werden, weil auch dort passende Tische und Stühle zum Arbeiten und Spielen zu Verfügung stehen, im Gegensatz zu Harry’s Bar, wo es nur niedrige Cocktail-Tischchen gibt.
Aber die Bodega gibt es in dieser Form nicht mehr. Beim letzten Werftaufenthalt vor einigen Wochen wurde sie zu einem „Pichler‘s“ umgebaut und umfunktioniert.
Namensgeber für das Pichler’s ist der “Culinary Director“ von Phoenix, das heißt, er ist der Ober-Chefkoch und zuständig für alle Phoenix-Kreuzfahrtschiffe.
Das Pichler’s ist nun ein Spezialitätenrestaurant mit einem besonderen Abendmenü. Um in den Genuss des von Pichler kreierten Dinners zu kommen, muss man sich anmelden, um einen Platz zu reservieren.
Als wir vor einigen Tagen an einem frühen Nachmittag keinen freien Platz mehr in der Bibliothek fanden, wollten wir, wie gewohnt in Bodega-Bar bzw. jetzt ins Pichler’s ausweichen, aber da waren schon alle Tische eingedeckt, sodass wir unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten.
Auch am heutigen Seetag sollte am Nachmittag ein Skatturnier stattfinden und dazu wurden um 11:00 Uhr laminierte Reservierungsschilder auf die Tische gelegt.
Das brachte eine Dame auf den Gedanken, wenn für Skatspieler reserviert wird, warum nicht auch für Bridgespieler.
Sie frage in der Bibliothek eine junge Phoenix-Mitarbeiterin, ob sie für ihre Bridgerunde nicht auch einen Tisch reservieren könne. „Machen Sie!“ war die kurze, positive Antwort der Phoenix-Dame.
Ein Din A4 Blatt mit „Reserviert für Bridge“ war schnell geschrieben ...
... und zur Sicherheit wurde auch gleich das gesamte Bridge-Equipment aufgebaut.
Blieb also für den Nachmittag nur noch ein Tisch für die restlichen ca. 800 Passagiere übrig, der nicht reserviert war.
Als zufällig der Kreuzfahrtdirekter vorbeikam, konnten wir im lockeren Gespräch unsere Sichtweise zu den Reservierungen schildern, dass wir "private“ Reservierungen genausowenig prickelnd fänden, wie auch die (See)-täglichen Skat-Reservierungen. Unser Unmut basierte natürlich auf rein egoistischen Überlegungen, weil an solchen Tagen möglicherweise unser Büro geschlossen bleiben müsste.
Aber unser sehr geschätzter Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer wusste Rat: „Ihr könnt doch ins Pichler’s ausweichen“. Dass dort schon nachmittags voll eingedeckt war, war gegen eine getroffene Vereinbarung zwischen dem Kreuzfahrtdirektor und der Restaurantleitung. Einige Tische sollten nämlich bis 17:00 Uhr nicht eingedeckt werden und frei bleiben, um sie für Spielen, Basteln etc. freizuhalten.
Jörn Hofer versprach sofortige Abhilfe. Und so war es auch.
Am Nachmittag konnten wir nach der Kaffeestunde ins Pichler’s ausweichen, da die Bibliothek voll war.
Wir waren’s voll zufrieden und: „Gut, dass wir darüber gesprochen haben“. 😊
Während der Kaffeestunde hatten wir Spaß, als wir beobachteten konnten, wie eine Passagierin aus dem zur Deko aufgestellte Lebkuchenhaus einen der dort verbauten Marshmallows mit viel Mühe aus dem Dach löste und genüsslich verspeiste.
Zum Glück sind solche Fälle der Genussmittelbeschaffung eher selten (kommen aber vereinzelt doch hin und wieder vor), sonst wären die überall auf dem Schiff platzierten Lebkuchenhäuser in Kürze nur noch Lebkuchen-Bau-Ruinen.
Am Abend wechselten wir von Harry’s Bar in die Casablanca Bar, um dort den von “Doro“ unterhaltsam und gekonnt vorgetragenen Musical-Liedern zu lauschen.
15. Reisetag – Dienstag, 31.12.2024 (Silvester) – Mindelo/São Vicente/Kapverdische Inseln
-P-20241231_174439_ji.jpg)
Von ganz hinten werden die Fotos nicht ganz so brilliant. Aber man erkennt Jörn Hofer trotzdem ganz gut.
Bis 17:29 Uhr hatten wir noch einen ganz normalen Seetag und ab 17:30 Uhr begannen die Silvesterevents und zwar mit dem 20-minütigen Bühnenstück „Dinner For One“ in der Atlantik-Show-Lounge mit unserem Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer als Butler James.
-P-20241231_173820_ji.jpg)
Besonders die Leute, die rechts hinter dieser stehenden Dame saßen, hatten schlechte Karten. Sie wollte tatsächlich so die gesamte Aufführung mit ihrem Smartphone filmen. Als Sie zur Ordnung gerufen wurde, trollte sie sich murrend.
Zwei Phoenix-Reiseleiterinnen übernahmen die beiden anderen Rollen, als da wären, die 90-jährige Miss Sofie und der liegende Tiger, über den der Butler bekanntermaßen immer stolperte.
Nach dem Besuch dieses Spektakels mussten wir auch schon gleich raus aufs Promenadendeck, denn wir machten in Mindelo fest.
Genau gegenüber von unserem Liegeplatz lag die AMADEA, die schon einige Stunden vorher angekommen war.
Mittlerweile war auch der Silvester-Gala-Abend im vollen Gange, dem wir uns bekleidungstechnisch natürlich angepasst haben.
Gegen 23:00 Uhr begaben wir uns zur Silvester-Party in die Phoenix Bar am Heck der ARTANIA. In diesem Jahr spielte hier nicht die Haus-Band, die stattdessen in der Pazifik Lounge auf Deck 9 einheizte, sondern ein Diskjockey sorgte mit entsprechender Musik für Stimmung.
Die Phonzahl konnte allerdings locker mit jedem Heavy Metall Konzert mithalten. Wir flohen deshalb drei Decks höher, wo die Lautstärke dann erträglich war.
Das eigentlich Highlight bestand darin, dass Doris in diesem Jahr mit alkoholfreiem Sekt um Mitternacht mit mir anstoßen konnte.
Wieso soll das ein Highlight gewesen sein? Da muss ich etwas weiter ausholen.
Silvester 2017, auf der AMADEA floss kurz vor und nach Mitternacht der Sekt in Strömen, aber für Doris, die keinen Alkohol trinkt, war nirgends ein Glas Orangensaft aufzutreiben und sie konnte daher mit mir nicht anstoßen, was sehr betrüblich war.
Aus dieser Erfahrung haben wir gelernt, dass wir uns um den Mitternachts-O-Saft selbst kümmern müssen, indem wir entweder den Bar-Manager oder alternativ den Hoteldirektor bitten, doch dafür zu sorgen, dass für Doris um Mitternacht ein Gläschen O-Saft zur Verfügung steht. Das hat dann auch mehr oder weniger gut geklappt. Nur einmal wurde der O-Saft-Wunsch dann doch vergessen und ein Kellner musste ihn dann von irgendwoher organisieren und kam gerade noch rechtzeitig kurz vor 24:00 Uhr damit zurück. Aber jedenfalls blieb seither Doris nie mehr auf dem Trockenen.
Eigentlich ist es Standard auf den Phoenix-Schiffen, dass z. B. beim Sektempfang beim Eintreffen der Gäste am Anfang einer Reise oder bei Auslaufpartys die Kellner neben den Gläsern mit Sekt auch immer Gläser mit O-Saft auf dem Tablett haben – nur eben an Silvester nicht und das ist grundsätzlich all die Jahre gewesen und war auch so dieses Silvester 2024.
Ob dem ein Aberglaube, etwa die Angst vor Klabautermännern, zu Grunde liegt oder ob einfach im Phoenix-Silvester-Organisationshandbuch das Kapitel “Organensaft“ fehlt, blieb uns bisher verschlossen.
Aber die Geschichte ging trotzdem sehr gut aus!
Nämlich gestern (30.12.) beim Frühstück kam die „Maître d’hôtel“, Gülten Cebeci, von allen nur Gül genannt, auf uns zu und fragte, was sie uns denn Gutes tun könne.
Sie wusste, dass wir, wie die Jahre zuvor auch, mal wieder das für die Weltreisegäste ausgerichtete Spezial-Dinner geschwänzt hatten, weil erfahrungsgemäß unsere proletarischen Geschmäcker mit der Menüfolge, wie z. B. Lobster und sonstigen exotischen Köstlichkeiten, nicht kompatibel sind.
Als Ersatz dürften wir uns etwas zu trinken wünschen. Doris erklärte, dass Sie mit einem Glas Orangensaft oder einem Gläschen alkoholfreien Sekt an der Phoenix Bar zum morgigen Jahreswechsel voll zufrieden wäre. Gül erhöhte auf eine ganze Flasche Sekt und mein Wunsch nach einem Weizenbier erhielt einen Upgrade auf eine Flasche Wein.
Am heutigen Silvesterabend in Harry’s Bar versicherte uns der Bar-Manager Juanico Amido de Guzmann noch einmal, dass bezüglich Sekt und Wein für uns an der Phoenix Bar alles vorbereitet sei. Er selbst wird dort auch anzutreffen sein, damit sichergestellt ist, dass wir unsere Goodies bekommen.
Und so war es dann auch. Trotz des Trubels und des Stresses, den der Bar Manager, die Kellnerinnen und die Kellner hatten, um die feiernde Meute zu versorgen, wurde ein Kellner abgestellt, die Gläser, die Flasche Sekt für Doris und die Flasche Wein für mich hoch zu uns auf Deck 7 zu bringen.
Für diesen tollen individuellen Service sagen wir ein ganz herzliches: „Dankeschön!“.
Der Count-Down erfolgte traditionsgemäß durch den Kapitän mit 12 Schlägen auf einer Schiffsglocke.
Doris und ich verspeisten, ebenfalls traditionsgemäß, einen Berliner (bzw. Kreppel, wie wir Hessen sagen).
Das Feuerwerk, dass die Stadt Mindelo gezündet hat, war recht beeindruckend und dauerte stolze 20 Minuten.
Kurz vor 1:00 Uhr waren wir dann im Bett, während die AMADEA schon wieder ablegte. Die AMADEA hat es etwas eiliger als wir, da deren Weltreise “nur“ 128 Tage dauert. Die Route ähnelt zwar der unseren, führt allerdings nicht um ganz Südamerika herum , sondern nimmt die Abkürzung durch den Panamakanal.
Und jetzt schau’n wir erst mal, was uns das neue Jahr bringen wird!
16. Reisetag – Mittwoch, 01.01.2025 (Neujahr) – Mindelo/São Vicente/Kapverdische Inseln
Ich bestellte mir das angebotene Katerfrühstück, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass man das auch ordern darf, wenn man keinen Kater hat.
Doris hat sich bereits eine Erkältung eingefangen, sodass heute keine größeren Aktivitäten auf dem Programm standen.
Wenn man aus dem Hafen herauskommt und sich nach rechts wendet, gelangt man in die City von Mindelo. Diesen Weg waren wir bereits zweimal gegangen, sodass wir diesmal nach links abbogen, wo wir zu einem hübschen Stadtstrand kamen.
Nach einem kurzen Fotostopp machten wir wieder kehrt, hoben noch schnell einen Geo-Cache und kehrten alsbald wieder zurück zum Schiff.
Um 17:00 Uhr legte die ARTANIA ab. Das Ablegemanöver beobachteten wir, wie so oft, auf dem Außendeck. Das Ablegen, verbunden mit einem neuen Ziel hat, obwohl schon so oft zelebriert, für uns nichts von seiner Faszination verloren.
17. Reisetag – Donnerstag, 02.01.2025 – Praia/Santiago/Kapverdische Inseln
Praia ist die Hauptstadt der kapverdischen Inselgruppe und ist mit 140.00 Einwohnern die größte Stadt des Landes.
Phoenix bot neben den typischen Ausflugsangeboten, wie z. B. eine Inselrundfahrt, für 7 € auch einen Shuttle in die City an und zusätzlich einen Transfer (ohne Betreuung durch eine örtliche Reiseleitung) in das ca. 15 Kilometer entfernte Cidade Velha (19 €/Person).
Diesen Transfer hatten wir gebucht.
Nach dem Frühstück entschied Doris, dass sie trotz der typischen Erkältungssymptome, wie Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit, den Transfer (mit Maske) mitmachen wollte.
Nach einer ca. 30-minütige Fahrt durch ein karge Gebirgslandschaft (erst hoch, dann wieder runter) erreichten wir gegen 11:00 Uhr das Städtchen Cidade Velha (deutsch: Alte Stadt).
Die Leute leben hier vom Fischfang, Landwirtschaft (Zuckerrohr, Kokosnüsse, Mangos) ...
... und vom (noch recht bescheidenen) Tourismus.

Etwas abseits vom touristischen Marktgeschehen, war dieser Verkaufstisch für die einheimische Kundschaft ausgelegt.
Auf dem Marktplatz wartete man schon auf die Touristen. Auf Tischen wurde ein größeres Angebot mit dem üblichen Andenken-Schnick-Schnack präsentiert.
In einem kleinen Kulturzentrum hingegen konnte man wirklich hübsche kunsthandwerkliche Arbeiten kaufen. Aber unsere Wohnung zu Hause ist bereits gut mit entsprechenden Mitbringseln gefüllt.

Der Pranger am Ort des historischen Sklavenmarktes.
Über drei Jahrhunderte waren die Inseln Schauplatz des transatlantischen Sklavenhandels.
Die Sehenswürdigkeiten waren schnell abgeklappert, als da sind der Pranger am historischen Sklavenmarkt und die „Rua da Banana“, die Bananenstraße, die älteste Straße der Kapverden.
Auf unserem kleinen Rundgang bemerkte ich plötzlich, dass meine Füße nicht, wie auf unseren Landgängen üblich, in dem halbhohen, stabilen, mit einer Profilsohle ausgestattetem Schuhwerk steckten, ...
... sondern ich nur meine leichten, halbhohen, textilen Bordschühchen trug.
Das nahm mit jetzt gehörig Wind aus den Segeln, kann ich doch Doris wegen ihrem Start der Weltreise in Hausschuhen nicht weiter aufziehen.
In einem hübschen Restaurant, dem "Restaurante Old City“ mit herrlichem Blick auf die Bucht, machten wir es uns bis zur Abfahrt unseres Busses um 14:30 Uhr bequem.
Die Preise waren für europäische Verhältnisse moderat - Cola oder Bier: 200 Kap-Verde-Escudo (CVE), das sind ca. 1,80 €, Hamburger mit Spiegelei und Pommes für 400 Escudos. Geschenkt, dass wir auf den Burger über eine Stunde warten mussten, da unsere Bestellung irgendwo untergegangen war, sowas kann passieren. Das Bier kam ja dafür sofort und war immer wunderbar gekühlt.
Dass der Burger, weil dann wohl auf die Schnelle zubereitet, halb roh war und wir den größten Teil übriglassen mussten, Schwamm drüber, die Pommes waren ja in Ordnung.
Auch das Bezahlen sollte eigentlich problemlos mit Kreditkarte funktionieren, zumindest theoretisch. Wegen Verbindungsproblemen mit dem Internet konnte das mobile Kartenlesegerät die Zahlung von 1.400 Escudos nicht abwickeln, wie uns die Bedienung erklärte. Also zahlten wir 15 € in bar, mangels Escudos.
Auf dem Schiff, als wir wieder Verbindung zum Internet hatten, bekam Doris eine Nachricht auf ihr Handy, dass von ihrer Kreditkarte 1.400 Escudos abgebucht worden seien.
Wir sind also auf einen ganz profanen Beschiss reingefallen.
Nachdem nämlich Doris ihre Kreditkarte kontaktlos dem Lesegerät präsentiert und ihre PIN eingegeben hatte, nahm ihr die Bedienung das Gerät sofort aus der Hand und machte uns auf Portugiesisch und viel Gestik klar, dass die Zahlung nicht geklappt hätte. Zur Demonstration streckte sie das Gerät in die Höhe, um anschließend mit betrüblicher Miene aufs Display zu schauen, um zu signalisieren: „Kein Netz!“
Noch völlig arglos, zahlten wir in bar.
Jetzt bringt uns der Verlust des abgebuchten Betrags von umgerechnet 12,70 € nicht um die Existenz, aber so etwas ärgert uns tierisch.
Jetzt könnte man das auch mit der allgemeinen Armut der Bevölkerung entschuldigen, aber gerade Leute, die an vorderster Front im touristisch-gastronomischer Umfeld einen Job haben, wie unsere weibliche Bedienung, sind gegenüber anderen Inselbewohnern sicherlich privilegiert.
Ich habe aus Prinzip den Vorfall per Mail der örtlichen Polizei gemeldet und auch über die E-Mail-Adresse des Restaurants angefragt, ob es sich nur um einen Irrtum oder um Betrug handeln würde und habe natürlich keinerlei Antwort erhalten, womit bewiesen wäre, dass es sich um keinen Irrtum gehandelt hat und dass die Polizei an solchen Bagatellen nicht interessiert ist.
Um 18:00 Uhr legten wir ab und werden nach 4 Seetagen Atlantiküberquerung Brasilien erreichen.
18. Reisetag – Freitag, 03.01.2025 – Seetag
Das Skatturnier findet seit unserem Gespräch mit dem Kreuzfahrtdirektor im Pichler’s statt und nicht mehr in der Bibliothek. Ob mich die Skatbrüder deswegen lieben werden, wage ich zu bezweifeln.
Am Abend in Harry’s Bar kam ich mit einer Kellnerin ins Gespräch. Sie erzählte, dass sie seit 6 Monaten an Bord ist und trotz eines Crashkurses in Deutsch gerade am Anfang Probleme hatte, die Gäste zu verstehen.
So wurde im Kurs z. B. folgendes geübt, zunächst auf Englisch:
Die Kellnerin fragt: Do you want some more coffee?
Mögliche Antworten des Gastes:
- No, thank you
- Yes, please
- Yes, a little
Und nun das Ganze auf Deutsch
Möchten sie noch etwas Kaffee?
- Nein, danke
- Ja, bitte
- Ja, ein wenig
Dass es für den Begriff „a little“ in Deutschland so viele Varianten gibt, waren ihr anfangs gar nicht bewusst gewesen und sie zählte auf:
- ein wenig
- ein bisschen
- a bisserl
- a wäng
- e bissje
- … und noch weiteren Varianten im germanischem Slang.
Viele Passagiere machen sich anscheinend überhaupt keine Gedanken darüber, dass sie, wenn sie in ihrem Dialekt und nicht Hochdeutsch sprechen, die Crew im Service, die hauptsächlich von den Philippinen und aus Indonesien stammt, in arge Verlegenheit bringen.
Für morgen steht der Maritime Frühschoppen auf dem Programm, auf dem frische Austern angeboten werden sollen.
Doris fragte zu diesem Thema unsren Kreuzfahrtdirektor flaxenderweise, wann denn heute Nacht der Austernkutter käme und längs an der ARTANIA festmachen würde, sie möchte das Manöver so gerne fotografieren.
Der gute Jörn Hofer wusste mit dieser Frage natürlich nichts anzufangen, bis Doris ihn aufklärte, dass es doch morgen frische Austern gäbe und die müssen, da wir ja mitten auf dem Atlantik sind, irgenwie herbeigeschafft werden.
Man einigte sich gütlich darauf, dass die Austern doch vor der Reise ganz frisch eingefroren worden sind. 😊
19. Reisetag – Samstag, 04.01.2025 – Seetag
Die Meldung des Tages:
Florante Batul wird endlich einen neuen Vertrag bekommen; er wird allerdings nicht auf der ARTANIA sondern auf der AMADEA zum Einsatz kommen.
Ich hatte ja im ersten Blogeintrag im Kapitel „Reisevorbereitung“ geschildert, dass unser Lieblingskellner Florante seit Monaten auf einen Vertrag wartet.
Normalerweise ist es so, dass nach dem Ablauf eines Arbeitsvertrags über 6 oder 9 Monate ein Vierteljahr „Vacation“, also (unbezahlte) Freizeit ansteht und anschließend ein neuer Vertrag gemacht wird.
Florante ist, warum auch immer, aus dieser sogenannten „Rotation“ herausgefallen.
Deshalb baten wir vor unserer Reise den Kreuzfahrtdirektor Jörn Hofer, in dieser Sache doch mal nachzuhaken, was er auch gewissenhaft getan hat.
Als wir an Bord kamen, erklärte er uns, dass sämtliche Vorgesetzte von Florante, angefangen von den Restaurant-Aufsichten, über Gül, die derzeitige Maître d’hôtel und auch der Hotel-Direktor an Bord, Remo Jahnkow, Florante äußerst schätzten und ihn lieber gestern als heute auf der ARTANIA im Einsatz hätten. Auch sie hatten keine Erklärung für sein „Fernbleiben“.
Die Causa „Florante Batul“ wurde daraufhin an den Hotel Operations Manager bei Sea chefs, Andreas Vespermann, übertragen. Sea chefs ist ein Subunternehmen, dass die Hotel- und Restaurantbetriebe auf den Phoenixschiffen - den sogenannten Hoteldepartments - betreibt. Andreas Vespermann ist seines Zeichens Flottenchef über sämtliche Hoteldepartments von allen Phoenix Hochseeschiffen.
Man hörte erst mal lange nichts, aber heute kurz nach 15:00 Uhr rief uns Jörn Hofer auf der Kabine an, das er wiederum vom Hoteldirektor Remo Jahnkow informiert wurde, dass Florante Batul auf der AMADEA eingesetzt werden wird.
Warum nicht auf der ARTANIA , bleibt derzeit noch im Dunkeln.
Aber egal, Hauptsache Florante hat wieder einen Job.
Und vielleicht ist er im nächsten Jahr wieder auf der ARTANIA, wo wir dann wieder seinen Super-Service genießen können.
Jetzt warten wir aber erst mal ab, bis Florante sich meldet und bestätigt, dass er unterwegs zur AMADEA ist.
20. Reisetag – Sonntag, 05.01.2025 – Seetag
Um 9:15 Uhr erfolgte die Durchsage des Kreuzfahrtdirektors, dass wir in Kürze den Äquator passieren werden.
Er fügte dann noch hinzu, wer ihm das schönste Foto von der Äquatorlinie präsentieren würde, der erhält ein Freigetränk.
Und keine Äquatorüberquerung ohne das Spektakulum der Äquatortaufe, das ab 11:30 Uhr seinen Lauf nahm.
Auch wenn ich diesmal wegen des Andrangs nicht jedes Detail fotografisch festhalten konnte, als da wären z. B. Neptun in Großaufnahme, Einseifen der Täuflinge und deren Sturz in den Pool etc.,

Der Kapitän (mitte) musste Neptun (rechts) Rede und Antwort stehen.
(Smartphone + großer Zoom ergibt unscharfe Fotos.)
... so kann ich als Trost auf noch drei weitere Äquatorüberquerungen auf dieser Reise verweisen.
Die nächste (von Süd nach Nord) erfolgt am 20.4.2024 auf der Höhe von Sulawesi/Indonesien. Die beiden weiteren erfolgen vor der Ostküste Afrikas (Nord nach Süd) und vor der Westküste Afrikas (Süd nach Nord).
21. Reisetag – Montag, 06.01.2025 – Seetag (Heilige Drei Könige)
Heute am Dreikönigtag kam Neptun noch einmal zum Einsatz. Ihm wurde der Wunsch-Weihnachtsbaum übergeben, der seit dem 4. Advent in Harry’s Bar steht.
Von der Möglichkeit auf einen Zettel seine Wünsche aufzuschreiben und an den Baum zu hängen wurde reichlich Gebrauch gemacht.
Noch vor einigen Jahren wurde der Baum an Neptun derart übergeben, dass er einfach über Bord geworfen wurde. Das macht man nicht mehr, um zu verhindern, dass Segel- oder Fischerboote mit dem Baum kollidieren.
Neuerdings holt also Neptun den Baum persönlich ab und schreddert ihn irgendwo im Bauch der ARTANIA. Das soll aber bezüglich der Erfüllung der Wünsche absolut geleichwertig mit dem Werfen über Bord sein.
Heiliger Klabautermann sind die Passagiere abergläubig, einschließlich Doris und mir!
Heute ging der 3. Blogeintrag online. Das ist für mich insofern interessant, dass ich sehen kann, ob und wie die Zugriffszahlen steigen.
Ein absoluter Rekord seit mehr als 10 Jahren Bloggerei war am 28.12.2024 zu verzeichnen. Das war ein Tag nachdem der 2. Blogeintrag online gegangen ist und dies über einen Newsletter und über Facebook publik gemacht wurde.
Der Zugriffszähler meldete damals fast 1.500 Besucher. An „normalen“ Tagen, dass sind Tage, an denen die letzte Veröffentlichung schon ein bisschen zurück liegt, liegen die Zugriffszahlen so zwischen 100 und 300 pro Tag.
22. Reisetag – Dienstag, 07.01.2025 – Recife/Brasilien
Anlegen im Liegen.
Um 6:30 Uhr machte die ARTANIA an der Pier in Recife (1,6 MIllionen Einwohner) fest, zu früh, um schon das Bett zu verlassen und an der Reling zu stehen.
Der Start in solche “Landtage“ ist bei uns immer gleich. Aufstehen 7:30 Uhr, Frühstück 8:30 Uhr bis 9:30 Uhr. Die Stunde hierfür brauchen wir, denn Frühstück ist jedes Mal der erste Höhepunkt des Tages.
Nach dem Frühstück wird sich für den Landgang fertig gemacht, dazu gehört Rucksack packen, Sonnenschutz auftragen, „Ausgeh-Klamotten“ anziehen (einschließlich vernünftigem Schuhwerk (siehe hierzu auch Eintrag vom 2.1.2025). Und dann noch dies und dann noch das, alles gemütlich und in Ruhe, und schwupps ist die nächste Stunde vorbei. Es ist fast immer genau 10:30 Uhr, wenn wir das Schiff verlassen.
Noch an Bord bekamen wir heute die Durchsage des Kreuzfahrtdirektors mit, dass sich im Hafenterminal eine Wechselstube befindet. Aber um Geld wechseln zu können, muss man einen Reisepass vorlegen können oder zumindest eine Fotokopie desselben. Alternativ könne man auch ein digitales Foto des Passes per WhatsApp oder E-Mail verschicken. Allerdings blieb bis dato, die Antwort, wohin schicken, noch offen.
An der Rezeption, wo alle Pässe aufbewahrt werden und zur Freigabe des Schiffes dort auch bleiben mussten, wurden jetzt auf Wunsch Fotokopien angefertigt, Das hätte dort zu einer langen Schlangenbildung geführt hätte und der Kreuzfahrtdirektor bat über Lautsprecher um Geduld.
Da wir farbige Passkopien schon zu Hause schon angefertigt hatten und diese auch immer mit an Land nehmen und die auch noch zusätzlich als PDF auf dem Smartphone haben, konnten wir froher Dinge mit dem Shuttlebus zum Terminal am Hafenausgang fahren, wo wir nach wenigen Fahrminuten ankamen.
An der Wechselstube waren Aushänge angebracht, die noch einmal bestätigten, was der Kreuzfahrtdirektor über die Reisepässe durchgesagt hatte, unter anderen auch, dass man eine Kopie per WhatsApp schicken könne. Aber auch hier fehlte die Angabe eines Ziels für das Versenden.
Der Andrang am Schalter (dem einzigen) der Wechselstube war überschaubar, nur zwei Leute vor uns.
„Schon“ nach 20 Minuten waren wir endlich dran.
Warum ein Wechselvorgang mehr als 10 Minuten gedauert hat? Hier die Erklärung:
Die Dame am Schalter musste bei jedem Geldwechsel erst einmal mühsam die Daten vom Pass oder der Kopie per Tastatur in den Computer übertragen. Das ist sicherlich für eine Brasilianerin nicht einfach, deutsche Straßennamen, Ortsnamen, Vor- und Nachnamen zu übertragen. Da wurde jeder Buchstabe einzeln angeschaut und auf die Tastatur übertragen. Nachdem das bewerkstelligt war, fotografierte die Dame die Kopie mit ihrem Handy und schickte das so angefertigte Foto über irgendeinen Kommunikationsweg (WhatsApp?) ebenfalls auf ihren Computer.
Über eine separate Rechenmaschine erfolgte die eigentliche Währungsumrechnung, deren Ergebnis ebenfalls noch in den Computer eingegeben werden musste.
Dieser spuckte dann eine Art Kassenbon aus, den man zu unterschreiben hatte und erhielt schließlich die brasilianischen Real (R$) ausgehändigt.
Wenn ich mich jetzt nicht verrechnet habe, konnten so in den folgenden 2 Stunden noch etwa 12 ARTANIA-Gäste abgefertigt werden. Da werden wohl nicht alle Wechselwilligen zum Zuge kommen.
Wir konnten jedenfalls mit 290 Real in der Tasche, die wir für 50 US-Dollar erhalten hatten, jetzt frohgemut in die Stadt ziehen.
Doris hatte eine Route ausgearbeitet, auf der einige Sehenswürdigkeiten lagen und wir trabten los.

An den touristischen Hotspots, wie hier im "Casa da Cultura", traf man auf die Phoenix-Ausflugsgruppen.

Ein Straßenzug in der Nähe des Rio Capibaribe war fest in der Hand zahlreicher Zierfischhändler. Artgerechte Tierhaltung geht anders.
Nach ungefähr 9 Kilometer bei 30° im Schatten (und Schatten war eher rar) und dem Erwerb einiger Schnäppchen, als da sind:
- eine Trinkflasche (10 Real ~ 1,70 €),
- ein Bluetooth-Lautsprecher (25 Real) und
- 12 bunte Karabinerhaken (10 Real),
kamen wir ziemlich groggy gegen 16:00 Uhr wieder am Hafenterminal an.
Zum Abendessen gingen wir heute nicht ins Lido-Restaurant, sondern bestellten uns in Harry’s Bar jeder eine Pizza-Salami, die uns sehr mundete.
Diverse kleine Gerichte kann man nämlich den ganzen Tag über in allen Bars oder in der Kabine ordern. Das offizielle Abendmenü hat uns heute nicht so richtig zugesagt. Zur Auswahl standen:
- Strammer Lachs,
- Hirsch Pot au Fu,
- Penne Pasta al Buffo con Tonno.
Am Abend fand in der Atlantik-Show-Lounge die beliebte Crew-Show statt, die, wie alle Shows dort, auf Kanal 55 des Bordfernsehens übertragen wurde. So konnten wir sie bequem vom Bett aus anschauen. Das Anschauen, zumindest von Ausschnitten, ist praktisch Pflichtprogramm, da die Teilnehmer in der Crew am nächsten Tag fragen, ob man die Show gesehen hat. Da darf man nicht ganz unwissend dastehen.
23. Reisetag – Mittwoch, 08.01.2025 – Maceió/Brasilien

Nach dem Frühstück war noch genügend Zeit um einen ersten Eindruck von unserem Liegeplatz und der Umgebung zu bekommen.
Und wieder haben wir schon um 6:30 Uhr angelegt und wieder standen wir nicht an der Reling.
Da wir im Hafengelände nicht laufen durften, gab es einen Shuttleservice, wobei das Wort Service jetzt nicht wörtlich zu nehmen ist.
Wir bestiegen den schon wartenden Bus, der Platz für 40-50 Personen hatte.
Wir saßen bereits eine gute Viertelstunde im Bus
als er plötzlich …
… immer noch nicht losfuhr.
Ein Passagier (einer von den fünf, die im Bus saßen) erbarmte sich und fragte den Fahrer, wann er denn losfahren wolle. Der Passagier sprach nur Deutsch und Englisch und der Busfahrer nur Portugiesisch. Der Passagier kam mit der Meldung zurück, dass die Fahrt in 15 Minuten starten würde (wie er das dem portugiesisch sprechenden Fahrer entlockt hat, weiß ich nicht). Kaum aber hatte er uns die Information überbracht, setzte sich der Bus in Bewegung und nach 3 Minuten waren wir am Hafenausgang. Da Shuttlebusse auf solchen Kurzstrecken nicht nach Fahrplan fahren, brauchte der Fahrer wohl einen kleinen Anschubs (Sprache egal) durch einen Passagier, um in die Gänge zu kommen.
Auf dem Parkplatz, wo wir ausstiegen, schien eine Völkerwanderung stattzufinden. Die Erklärung war ganz einfach. Mit uns lag das MSC-Schiff Grandiosa im Hafen. Dort passen fast 6.500 Passagiere drauf plus 1.700 Mann/Frau Besatzung.
Die Völkerwanderung zog zielstrebig in die nahegelegene große Markthalle „Mercado Artes 31“, um sich dort an den reichlich vorhandenen Souvenirständen zu tummeln oder die zahlreichen gastronomischen Angebote zu nutzen.
Doris und ich betraten ebenfalls die Halle, verließen sie jedoch gleich am anderen Ende wieder, um einen kleinen Stadtbummel zu starten. In der Stadt selbst waren Touristen eher rar.

Die Phoenix-Reiseleitung warnte vor der hohen Kriminalität in Brasilien und riet nur wenig Bargeld mitzunehmen und keinen auffälligen Schmuck zu tragen.
Aber in allen brasilianischen Häfen, in denen wir anlegten, sorgte die hohe Präsens von Polizei und Militär-Polizei für relativ große Sicherheit für uns Touris.

Gar nicht so weit von unserem Liegeplatz befand sich ein breiter, kilometerlanger, schöner Sandstrand.
Nach einer guten Stunde waren wir wieder an der Shuttlebus-Haltestelle. Diesmal gab es keine Wartezeiten und wir kamen, was für uns eher ungewöhnlich ist, rechtzeitig zum Mittagessen zurück aufs Schiff.
Am Abend fand noch einmal die Crew-Show statt, da bei dem regen Interesse der Gäste die Atlantik-Show-Lounge an nur einem Vorstellungstermin dem Besucherandrang nicht gewachesen gewesen wäre.
24. Reisetag – Donnerstag, 09.01.2025 – Salvador da Bahia/Brasilien
Heute war für die Crew um 10:00 Uhr eine Rettungsübung angesetzt. Diese Übungen sind etwas komplexer als die Rettungsübung für uns Passagiere. Hier trainiert die Crew z. B. die Aktivitäten, die beim Ausbruch eines Feuers an Bord notwendig sind.
Um 9:15 Uhr, wir saßen gerade im Restaurant ARTANIA beim Frühstück, erfolgte eine Durchsage, dass aufgrund einer unerwarteten externen behördlichen Kontrolle die Rettungsübung ersatzlos gestrichen werden muss. Für diese „externe Kontrolle“ werden wohl die Offiziere gebraucht, die eigentlich für die Durchführung und Überwachung der Übung notwendig gewesen wären.
Jedenfalls brach noch während der Durchsage bei dem anwesenden Servicepersonal, einschließlich der Restaurant-Aufsicht, tosender Jubel aus. Die Freude gipfelte in dem Gesang des Ballermann-Hits „Hey Baby“, der schon gestern Abend auf der After-Show-Party von den Show-Teilnehmern begeistert geschmettert wurde.
Der Ausfall der Übung bedeutet nämlich für viele eine ungeplante bzw. verlängerte Landgangsmöglichkeit.
Unser Liegeplatz lag günstig in der Nähe der Altstadt, genauer der Oberstadt. Die Oberstadt musste allerdings erst erklommen werden, da sie sich auf einem 60 Meter hohen Plateau befindet und unser Schiff sich, wie nicht anders zu erwarten, auf Meereshöhe befand.
Das "Erklimmen“ war allerdings recht bequem, denn hierfür konnten wir kostenlos die „Plano Inclinado“ nutzen, eine Standseilbahn aus dem Jahre 1889.
Ein wenig Schlangestehen war allerdings angesagt, bevor wir den Waggon besteigen konnten.
Das Beobachten des Auspressens von Zuckerrohr mit dieser Maschine verkürzte die Wartezeit in der Schlange.
Die Oberstadt ist hauptsächlich touristisch geprägt und so stürzen auch wir uns in das touristische Treiben.
Nach dem Besuch der Kathedrale und dem Betrachten von diversen Kolonialbauten, ähnlich denen, denen wir schon im Recife und Maceió begegnet sind, zog es uns wieder zurück aufs Schiff.
Da wir heute erst um 22:30 Uhr ablegen, wurde von Phoenix eine Folkloregruppe engagiert, die um 21:00 Uhr hinten an der Phoenix-Bar tanzte und musizierte.
Da es bereits um 20:00 Uhr nur noch Stehplätze mit nur geringer Chance dem folkloristischen Geschehen folgen zu können gab, blieben wir dem Ereignis fern.
25. Reisetag – Freitag, 10.01.2025 – Ilhéus/Brasilien
Auch der heutige Liegeplatz in Ilhéus, einer Stadt mit 220.000 Einwohnern, zeichnete sich nicht gerade durch seine betörende Schönheit aus.
Ein Shuttlebus brachte uns zu unserer gewohnten Zeit (10:30 Uhr), diesmal ohne längere Standzeiten, zum Hafenausgang (Fahrzeit 10 Minuten).
Unser Plan heute: Spaziergang zum ca. 3 Kilometer entfernten Monumento do Cristo Redentor, einer Statue, ähnlich der in Rio de Janeiro, nur nicht ganz so groß, statt 30 Meter bringt es die hiesige Statue nur auf 7 Meter.
Bei vielen unserer Unternehmungen ist der Weg das Ziel, weil es meist etwas zu entdecken gibt, etwas Schönes oder etwas Skurriles, was auch immer, etwas, wo man eben hinguckt.
Das war heute nicht so richtig der Fall. Wir marschierten auf einer langweiligen schattenlosen Promenade am Rande einer stark befahrenen 4-spurigen Straße.

In der Katedrale war die Krippe noch aufgebaut. Im katholischen Kirchenjahr geht die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar (Mariä Lichtmess).
Einer der wenigen Lichtblicke, die Catedral de São Sebastião. Wikipedia schreibt hierzu: Die Kathedrale São Sebastião wurde im neoklassischen Stil zwischen 1931 und 1967 gebaut.
Unser Ziel, die Christus Statue, stand auf einem geschotterten Parkplatz und mehr als ein Fotostopp war hier eigentlich nicht angebracht.
Aber nur einen Steinwurf weit weg befand sich eine kleine wunderschöne Halbinsel mit einem von Einheimischen genutzten Strand.
Gegenüber dieser Halbinsel befand sich eine bescheidene Strandbar, in der wir einkehrten. Wir waren die einzigen Gäste.
Strom gab es nicht, die Getränke wurden in Styroporkisten mit Eis gekühlt.
Die Preise waren Ok, die Dose Cola oder Fanta für umgerechnet 1 €.
Ermutigt durch unsere Zeche, bot uns die “Wirtin“ am Tisch einige Tütchen mit Erdnüssen an, die wir ihr zuliebe auch kauften. Die darauffolgende Verkaufsveranstaltung für Bonbons, Schokolade, Kekse und Sonstiges aus ihrem Sortiment konnten wir aber relativ rasch und unbeschadet überstehen. Unser freundliches „Não, obrigado!“ (Nein, danke) wurde nämlich ebenso freundlich akzeptiert.
Vor dem langweiligen Rückweg graute uns ein wenig, aber in Brasilien gibt es ja den Fahrdienst Uber. Und eine, wenn auch schwache Internetverbindung mit Hilfe unserer E-SIM-Karten, hatten wir auch, sodass wir ein Fahrzeug ordern konnten. Innerhalb weniger Minuten war es da und brachte uns für ungerechnet 1,50 € zurück zum Ausgangspunkt unserer kleinen Wanderung, wo uns der Shuttlebus zurück zur ARTANIA brachte.
Am Abend war Harry’s Bar ungewöhnlich voll. Das lag schlicht und ergreifend am Wetter – es regnete. Dadurch wurde die geplante Show „Viva la Vida“, die draußen an der Phoenix-Bar stattfinden sollte, ins Innere des Schiffs, in die Pazifik-Show-Lounge auf Deck 9, verlegt.
Aufführungen in der Pazifik-Show-Lounge sind eher nur für einen kleinen Publikumskreis geeignet. Eigentlich spielt hier abends eine Band zum Tanz auf. Die Bands wechseln alle paar Monate - zurzeit ist die Elena-Band an Bord.
26. Reisetag – Samstag, 11.01.2025 – Seetag
Wenn der Stadl-Frühschoppen stattfindet, ist das ein Indiz, dass der derzeitige Reiseabschnitt bald zu Ende geht. Diese Veranstaltung mit Freibier, Frohsinn und Ballermann-Musik findet in der Regel am letzten Seetag einer Reise statt – so auch heute.
Dieser Event trifft zieht dann meist noch die abendliche Abschiedsgala nach sich.
Da ich mit meiner täglichen Berichterstattung nun schon am Ende bin, kann ich den freien Platz hier auf der Internetseite dazu nutzen, über ein mittlerweile gelöstes Suppenproblem im Lido-Restaurant zu schreiben.
Wenn wir dort zu Mittag oder Abend essen, eilen wir nicht gleich zur Öffnungszeit dorthin, sondern gehen eher etwas später, weil dann der größte Schub an hungrigen Menschen bereits abgefüttert wurde und das Restaurant nicht mehr so voll ist.
Irgendwann fiel mir negativ auf, dass die Suppen, die eigentlich immer ganz gut schmecken, sehr oft nur noch lauwarm waren.
Deshalb sprach ich Antony, den wir schon seit vielen Jahren gut kennen, darauf an. Antony ist zur Zeit die Restaurantaufsicht im Lido.
Er versprach sich zu kümmern.
Und das hat er auch getan. Die Suppen waren fortan wieder heiß und das nicht nur am Anfang der Restaurant-Öffnungszeiten.
Die Erklärung war dann auch recht trivial. Die beiden Töpfe mit den Suppen, aus denen man sich selbst bedient, stecken in einer Anrichte und können elektrisch beheizt werden.
In einem der beiden Töpfe wurde eines Tages mittags Kaltschale angeboten und deshalb sinnvollerweise die elektrische Heizung abgestellt, genauer, es wurde der Temperaturregler auf Null zurückgedreht.
Leider hatte danach niemand mehr den Regler hochgestellt, bis Antony dann der Sache auf den Grund gegangen ist. 😊
Frage an die Kommentatoren in den Phoenix- und ARTANIA-Facebookgruppen, die gerne konstruktive Kritik mit Meckern gleichsetzen: Ihr hättet tatsächlich weiterhin klaglos lauwarme Suppe gelöffelt?
27. Reisetag – Sonntag, 12.01.2025 – Búzios/Brasilien
Búzios ist ein beliebter Ferienort im Bundesstaat Rio de Janeiro. Einst war es ein verschlafenes Fischerdorf und wurde dann in den 60er Jahren durch Brigitte Bardot „entdeckt“, es folgte einiges an Prominenz und heute gilt der Ort als die Perle der Costa do Sol in Brasilien. Rund 30.000 Einwohner sind hier zuhause; die wichtigsten Industriezweige sind der Fischfang und der Tourismus. Das historische Ortszentrum liegt auf einer 16 qkm großen, hügeligen Halbinsel. Rings um die Halbinsel liegen 25 Strandbuchten, die zu den schönsten Brasiliens gezählt werden. Auch das ganzjährig ausgeglichene maritime sowie die relative Nähe zu Rio de Janeiro (170 km) tragen zur Beliebtheit von Búzios bei, weiterhin das durch strenge Bauvorschriften gut erhaltene Fischerdorf-Ambiente.
Quelle: Phoenix-Landgangsinformation
Gegen 8:00 Uhr warf die ARTANIA den Anker vor Búzios, weil es hier keine Pier für so große Schiffe gibt.
Obwohl, so groß sind wir ja eigentlich gar nicht, das MSC-Schiff GRANDIOSA ist viel, viel größer und auch sie lag in Sichtweite auf Reede. Die GRANDIOSA mit ihren 5.000 Passagieren ist uns ja bereits vor einigen Tagen in Maceió begegnet.
Gegen 10:00 Uhr tenderten wir an Land und betraten, um es freundlich auszudrücken, einen quirligen Ort.
Ein nicht abreissender Strom von Menschen bevölkerte die Promenade.
Aus südlicher Richtung der Promenade, wo sich auch unser Anleger für das Tenderboot befindet, strömten die Massen von einheimischen Touristen Richtung Norden, infiltriert von einer vernachlässigbar kleinen Menge von „Artanianern“, die von den Tenderbooten im Viertelstunden-Takt ausgespuckt wurden. Aus der Gegenrichtung, also aus Norden, kamen die Passagiere der GRANDIOSA und die Einheimischen, die sich schon wieder auf dem Rückweg befanden.
Außer Restaurants, Hotels und Souvenirläden gab es noch die Bronzestatue der Brigitte Bardot.
Was der armen Statue so angetan wurde, natürlich in der Hauptsache von Männern, wäre auf keine Kuhhaut gegangen, aber Bronze kann das wohl ab.
Allzulange dauerte unser Landgang in dieser touristischen Hochburg nicht.
An der Tenderstation erwartete die Heimkehrwilligen eine Erfrischung.
Wenn die ARTANIA an einer Pier liegt, wird Saft oder Eistee an der Gangway angeboten.
Eine schöne Geste von Phoenix.
Irgendwann fuhren wir wieder zurück auf die ARTANIA, wo wir einen ruhigen, gemütlichen Nachmittag verbrachten.
Nur bei der Kaffeestunde ging es etwas ruckelig zu.
An „Landtagen“ findet sie oft nicht wie an Seetagen im Restaurant Vier Jahreszeiten plus in Harry’s Bar statt, sondern im Lido-Restaurant, weil dann sehr viel weniger Passagiere an Bord sind. Der Rest ist auf Ausflug oder erforscht auf eigene Faust die jeweilige Destination. Aber heute, bei einem solchen nicht besonders attraktiven und interessanten Ziel, waren am Nachmittag die meisten Passagiere schon wieder zurück.

Wenn diese beiden Lästermäuler, Waldorf und Statler, im Blog auftauchen, ist irgendetwas rund um die ARTANIA "suboptimal" gelaufen.
Das war auch zu erwarten, nur anscheinend von den Planern der Kaffee-Stunde nicht. Das Lido war rappelvoll und die Kellner kamen mit Kaffee einschenken, abräumen, wieder neu eindecken kaum nach. Kurzum, es war hektisch und ungemütlich und der gewohnte Service musste leiden.
Dann ging auch noch die Schwarzwälder Kirschtorte (die es nur an Sonntagen gibt) zur Neige und der daraufhin versprochene Nachschub blieb aus. Stattdessen wurde kommentarlos irgendein anderer Kuchen präsentiert.
Und genau diese Unbilden hatte Doris schon heute Morgen prophezeit. (Nur mit der Vorhersage der Lottozahlen tut sie sich noch ein wenig schwer.)
28. Reisetag – Montag, 13.01.2025 – Rio de Janeiro/Brasilien
So war es im Tagesprogramm zu lesen, das wir am Vorabend unseres 3-tägigen Aufenthalts in Rio de Janeiro erhalten hatten.
Die hohe Wahrscheinlichkeit Corcovado und Zuckerhut zu einer etwas christlicheren Zeit zu Gesicht zu bekommen, ließ uns die Einfahrt verschlafen. Wach wurden wir erst durch das Vibrieren des Schiffs, als es unter Zuhilfenahme der Bugstrahler an der Pier am Passagierterminal anlegte.
Beim Blick aus unserem Fenster sprang uns sofort die erste Sehenswürdigkeit ins Auge – das Etnias Mural (ethnisches Wandbild). Dieses Werk des Künstlers Eduardo Kobra gilt als größtes Graffiti der Welt mit einer Höhe von 15 und einer Länge von 170 Metern. Es wurde anlässlich der Olympiade 2016 in Rio geschaffen.
Eine genauere Inspektion des Werks musste ebenfalls auf später verschoben werden, denn um 10:00 Uhr sollte Marion am Ausgang des Terminals auf uns warten. Marion (Rölleke) ist lizenzierte Fremdenführerin. Vor ziemlich genau 10 Jahren hatte sie uns für 2 Tage die Hauptsehenswürdigkeiten von Rio gezeigt. (siehe auch den entsprechen Eintrag im Blog von 2015: hier der Link).
Wir waren mehr als zufrieden und haben sie deshalb gerne wieder gebucht, mit der Bitte Ziele auszusuchen, die wir noch nicht von damals kannten, mit Ausnahme des Zuckerhuts, auf den wir gerne auch ein zweites Mal hochfahren wollten. Unser einziger konkreter Wunsch war der Besuch einer Samba-Schule.
Am Terminalausgang gab es dann eine kleine Überraschung. Marion hatte ihre Tochter Julia mitgebracht, weil diese ein wenig in das Touristikgeschäft ihrer Mutter reinschnuppern wollte.
Nach einer überaus herzlichen Begrüßung fuhren wir los. Marion am Steuer, meine Wenigkeit daneben und die beiden “Mädels“ hinten, denn so hatte Marion die Sitzordnung festgelegt.
Die erste Station war die Kirche des Klosters Sao Bento do Rio de Janeiro, die uns Marion als die schönste Kirche Brasiliens angekündigt hatte.
Das war gewiss nicht übertrieben. Die Wände und die Decke des gesamten Kirchenschiffs sowie der sieben Seitenkapellen sind vollständig mit Holzschnitzereien verkleidet, teilweise vergoldet. Solch eine Pracht!
Obwohl schon beim letzten Mal aufgesucht, machten wir dennoch einen kurzen Abstecher an die Copacabana, dem berühmtesten Strand von Rio.
Eigentlich ist Copacabana ein Stadtteil von Rio mit 150.000 Bewohnern, aber im touristischen Sprachgebrauch ist „die Copacabana“ der Strand, den wir eigentlich gar nicht sooo toll finden. Marion gab uns recht und versprach, uns morgen einen schöneren zu zeigen, nämlich den Strand im Stadtviertel Barra da Tijuca, dem Viertel im Westen von Rio, wo sie auch lebt.
Das nächste Ziel, das wir ansteuerten, war der 360 Meter hohe Aussichtspunkt Dona Marta, wobei der Weg dorthin schon beinahe das Ziel war, denn wir fuhren durch die verschiedensten Stadtteile mit den unterschiedlichsten Charakteristika, die uns Marion wortreich nahebrachte.
Nachdem wir die Ausblicke in alle Himmelsrichtungen von Dona Marta genossen hatten, hatte wir schon die wichtigsten Highlights von Rio „“im Sack“, zumindest optisch,
als da wären: Der Zuckerhut, ...
... die Christus Statue, ...
<
... das Maracána Fussballstadion, die Guanabara-Bucht (hier fanden bei der Olympiade 2016 die Segelwettbewerbe statt) und die Lagune Rodrigo de Freitas.
Den krönenden Abschluss der heutigen City-Tour bildete der Besuch einer Sambaschule.
Unter einer Sambaschule ist keine Tanzschule zu verstehen, wo Samba gelehrt wird. Vielmehr handelt es sich um eine Art Karnevalsverein, wobei der „Vereinszweck“ die Teilnahme an der offiziellen Karnevalsparade beim Karneval in Rio im Sambódromo ist. Die verschiedenen Sambaschulen treten hierbei im Wettbewerb gegeneinander an.
Die Sambaschulen präsentieren sich dort für je 90 Minuten mit ihren Prunkwagen und Fuß- und Musikgruppen. In den Paraden treten bis zu 6000 Tänzer und Sambatrommler auf, die von einer Jury bewertet werden.
Ähnlich wie in der Fußball-Bundesliga gibt es auch hier verschiedene Ligen (A, B, C, …), deren zugehörige Sambaschulen im Wettbewerb stehen. Die bestbewerteste Schule einer Liga, steigt in die nächst höhere Liga auf, die Schule mit der schlechtesten Bewertung steigt ab. Die höchste Liga ist die A-Liga. Das große Finale der Liga A findet am Fastnachtsfreitag und am Rosenmontag im Sambódromo statt.
Ein Sieg in dieser Liga ist das Größte für eine Sambaschule und wird mehr gefeiert als eine Deutsche Meisterschaft in der Fußball Bundesliga.
So lernten wir also bei unserer Führung bei Acadêmicos do Grande Rio, dass die Karnevalsparade in Rio überhaupt nicht mit den Rosenmontagszügen im Mainz, Köln und Düsseldorf zu vergleichen ist.
-20250113_134323_ji.jpg)
Die Wagen in den Hallen waren streng geheim (Fotografierverbot).
Dieser hier ist wohl ein Überbleibsel aus dem Vorjahr.
Es ist fast unvorstellbar, welcher Aufwand für den Bau der Motivwagen und der Kostüme getrieben wird.
Diese Arbeiten werden in einer großen Halle durchgeführt. Hier wird das ganze Jahr über geschweißt, geschraubt, dekoriert, gebastelt, und geschneidert und das alles für die entscheidenden 90 Minuten.
-20250113_142722_ji.jpg)
Die junge Dame informierte umfassend über die Aktivitäten der Sambaschule Grande Rio, die sich 2022 als Sieger der A-Liga feiern konnte.
In dieser Fabrikhalle der Sambaschule war fotografieren streng verboten.
Wir bekamen deshalb alle einen Umhängebeutel ausgehändigt, in den wir unsere Smartphones stecken mussten.
Neben all diesen ausführlichen Informationen war auch noch genügend Raum und Zeit für echten touristischen Frohsinn und Mummenschanz. Die folgende kleine Fotostrecke soll einen Eindruck davon vermitteln.
Zum Abschluss gab es noch einen Probierschluck des brasilianischen Kultgetränks Caipirinha bzw. wahlweise eine alkoholfrei Limonade.
Ganz klar war dieser Besuch der Sambaschule das Highlight des Tages.
29. Reisetag – Dienstag, 14.01.2025 – Rio de Janeiro/Brasilien
Heute mussten wir “mitten in der Nacht“ aufstehen, denn wir waren schon um 8:00 Uhr mit Marion verabredet.
Unser erstes Ziel sollte der berühmte Zuckerhut sein und wir wollten schon vor der touristischen Rush-Hour dort sein.
In der Nähe der Seilbahn, die uns auf die Zuckerhut-Spitze bringt, parkte Marion ihr Auto.
Auf dem Weg zur Seilbahnstation fiel uns ein Fotoshooting mit einer Samba-Schönheit ins Auge und wir beschlossen, uns das näher anzusehen.
Der Plattenweg, auf dem wir liefen, war uneben und hatte lose Platten. Marion ermahnte uns, beim Gehen darauf zu achten.
Die eigentliche Gefahr waren aber nicht die Stolperfallen, sondern ein starker Ast. Doris konnte, da etwas kleiner als ich, erhobenen Hauptes drunter durchgehen, ich hingegen nicht. Der Ast bremste spontan die Vorwärtsbewegung des Kopfs, während die Beine einfach weiterliefen. Dadurch kam es zu einer instabilen Schräglage, was wiederum zur Folge hatte, dass ich mich auf meinen Hintern setzte und dadurch der von uns allen anvisierte Po der Samba-Schönheit etwas in den Hintergrund geriet.
Nachdem ich meine drei Damen (Marions Tochter Julia war auch wieder mit dabei) halbwegs beruhigt hatte, dass außer einer kleinen Beule und einer kleinen Schürfwunde keine weiteren Schäden entstanden waren, ...
... besorgte Julia bei einem Strandverkäufer einen Plastikbeutel mit Eiswürfeln, damit ich mein lädiertes Haupt kühlen konnte.
Die Verabreichung von Schmerztabletten, eine Therapie, die Marion favorisierte, lehnte ich ab, denn ich hatte ja keine Schmerzen, sondern es tat nur ein bisschen weh.
Der nächste Schock ereilte Doris und mich, als wir die ellenlange Schlange an der Kasse der Seilbahn sahen.
Ob wir vor Einbruch der Dunkelheit noch den Gipfel des Zuckerhuts erreichen würden? Eher unwahrscheinlich!
Aber Marion ging frohen Muts auf eine der anwesenden Ordnerinnen zu, verhandelte wortreich ...
... und wir konnten an der Schlange vorbei an einer wenig bevölkerten Priority-Kasse unsere Tickets lösen - umgerechnet ca. 32 € für uns beide, der Tarif für Personen über 60 Jahre; jüngere zahlen genau das Doppelte. (Marion brauchte als lizensierte Führerin nichts zahlen.)
Auch die nächste Schlange am Einstieg für die Gondel umschiffte Marion souverän.
Um auf den Gipfel (396 Meter) des Zuckerhut zu fahren, dient der niedrigere Nachbarberg (Morro da Urca, 220 Meter) als Zwischenstation.
Auf dem Morro da Urca mussten wir in eine weitere Seilbahn umsteigen, die uns dann schließlich ganz nach oben auf den berühmten Zuckerhut brachte.
Auf der Rückfahrt waren die Schlangen zwar nicht mehr so lang, aber auch hier konnte Marion unsere Wartezeiten erheblich verkürzen.
Den Besuch der Christus Statue hatten wir von Anfang an ausgeschlossen. Da wir dort schon vor 10 Jahren waren wussten wir noch, wie voll und ungemütlich es dort ist, weil im Gegensatz zu Morro da Urca und Zuckerhut auf dem Plateau des Cristo Redentor (so die portugiesische Bezeichnung) nur wenig Platz ist, und die Massen sich dort auf die Füße treten.
-20250114_121148_ji.jpg)
Die Barra Beach ist zur Straße hin mit einem grünen Gürtel abgeschirmt, wodurch sie allein dadurch viel gefälliger als die Cobacabana ist.
Wie gestern versprochen, kutschierte uns Marion zu einem schönen Strand, die Barra Beach, ...
... etwa 20 Kilometer von der Copacabana entfernt. Sie fuhr auch heute wieder bewusst Umwege, um uns die vielen Facetten der Stadt zu zeigen und zu erklären.
Da wir an der Barra Beach nicht vorhatten zu baden, war es nicht allzu tragisch, dass es anfing zu regnen.
Der letzte Punkt des heutigen Programms war der Vista Chinesa (chinesische Aussicht).
Dieser Aussichtspunkt liegt mitten im Tijuca-Nationalpark.
Nur wenige Kilometer außerhalb Rios fuhren wir auf einer engen, kurvenreichen Straßen (Estrada da Vista Chinesa) durch einen grünen Urwald.
Am Aussichtspunkt auf 380 Meter Höhe, also fast die gleiche Höhe wie der Zuckerhut, ...
... befindet sich ein unter Denkmalschutz stehender Pavillon im orientalisch-chinesischen Baustil, daher der Name Vista Chinesa.
Der Ausblick brauchte sich hinter dem des Zuckerhuts nicht zu verstecken und Eintritt musste auch nicht gezahlt werden.
Nun war es schon Zeit, zurück zum Schiff zu fahren. Eine Tagestour war immer mit 6 Stunden angesetzt, mehr als genug, um die vielen Eindrücke alle noch aufnehmen zu können.
Am Hafen mussten wir uns nun von Marion und Tochter Julia verabschieden, mit dem Versprechen, nicht erst wieder 10 Jahre bis zu einem Wiedersehen zu warten.
Sicherlich ist es für einige Leser von Interesse, wieviel so eine individuelle Führung kostet. 240,00 €/Tag (Eintrittspreise etc. zahlt man selbst) ist sicherlich nicht billig, aber die 2-tägige Tour war jeden Euro wert. Und wenn man bedenkt, dass wir für eine Tagestour vor 10 Jahren 220 € bezahlt haben, hält sich die Preissteigerung doch sehr in Grenzen.
Und genau wie vor 10 Jahren mache ich hier im Blog gerne noch ein wenig Werbung für Marion Rölleke.
Marion Rölleke
Telefon: +55 21 985852030
E-Mail:
Heute ging der erste Teilabschnitt der Weltreise “Von Hamburg nach Rio de Janeiro“, so die Bezeichnung laut Phoenix-Katalog, zu Ende und der Abschnitt “Vom Zuckerhut rund ums Kap Hoorn bis nach Chile“ fängt an. Viele Passagiere sind heute nach Hause geflogen und Neue kamen am Abend an.
Das Schiff ist dann mit 1.040 Passagieren gegenüber den vorherigen 880 proppenvoll.
30. Reisetag – Mittwoch, 15.01.2025 – Rio de Janeiro/Brasilien
Heute zogen wir auf eigene Faust los.
In Hafennähe lockte uns ein Riesenrad.
Das Rio Yup Star ist mit 88 Metern das höchste Riesenrad Lateinamerikas.
Auch hier kamen wir in den Genuss des „Renterrabatts“ und zahlten für die Fahrt pro Nase ca. 6 Euro.
Die nächste Unternehmung sollte eine Fahrt mit der modernen Straßenbahn sein.
Wir wussten zwar nicht genau, wohin wir fahren wollten, doch es reizte uns die Herausforderung des Ticketkaufs anzunehmen. Zwar hatte uns Marion noch erklärt, dass alle öffentliche Verkehrsmittel für Personen über 60 Jahre kostenlos seien und das gelte auch für ausländische Touristen. Diese bräuchten nur ihren Pass vorzeigen. Allerdings, so ganz sicher war sie sich aber doch nicht, ob jeder Kontrolleur das so akzeptieren würde.
Auf das Abenteuer als Schwarzfahrer eingestuft zu werden, wollten wir uns dann doch nicht einlassen.
Die Anzeigen auf dem Display des Ticketautomat waren nur portugiesisch, es gab keine Möglichkeit eine andere Sprache einzustellen. Am Anfang war es noch etwas ungewohnt, mit der Google-Übersetzungs-App die Anzeige zu fotografieren und übersetzen zu lassen, aber mit jedem Schritt wurden wir gewandter und wir kamen schließlich zu dem Punkt, wo wir mit 10 brasilianische Talern (ca. 1,60) den Automaten füttern mussten. Dann geschah lange nichts, sogar sehr lange nichts. Zwei Minuten können sich ziehen wie Kaugummi. Aber dann spuckte der Ticket-Automat tatsächlich ein Plastikkärtchen aus, das ein Guthaben von 5,30 Real auswies. Das Kärtchen selbst schlug mit 4,70 Real zu Buche.
Dann wurde Doris mutig und beschloss ihr Ticket mit der Kreditkarte zu bezahlen. Und tatsächlich, das Experiment gelang. Auch hier rotierte die Bitte-Warten-Anzeige gut 2 Minuten, aber mit unserem mittlerweile erworbenen Know-How warteten wir gelassen ab, bis auch diesmal der Automat bereitwillig ein Kärtchen lieferte. Außerdem wussten wir, dass nun, dass wir am Ausgabeschlitz das Kärtchen abfangen mussten, sonst schoss es, einem Toast in einem Toaster mit zu starker Feder nicht unähnlich, heraus und flog im hohen Bogen auf die Erde.
Die Straßenbahn der Linie 1 fuhr bis zum Aeroporto Santos Dumont, ein kleiner nationaler Flughafen, quasi mitten in der Stadt. Da wir ja nicht genau wussten, wo wir eigentlich hinwollten, fuhren wir mit bis zur Endstation. Zumindest konnten wir die öffentlichen Toiletten am Flughafen für eine Pippi-Pause nutzen, aber ansonsten war dies kein lohnendes Ausflugsziel.
Also fuhren wir wieder zurück und stiegen auf halber Strecke zwischen Flughafen und unserem Liegeplatz im Stadtteil Centro aus. Hier gab es Geschäfte und Verkaufsstände, die ein wenig zum Bummeln einluden.
-20250115_135758_ji.jpg)
Im Gegensatz zur Sao Bento do Rio de Janeiro, die wir vor zwei Tagen besucht hatten, war hier in der Catedral de São Sebastião wenig Holz, dafür viel Beton.
In diesem Viertel befindet sich auch die Catedral de São Sebastião, eine Kirche im Architekturstil der Moderne.
Einen letzten Stopp legten wir am futuristische Museu do Amanhã (Museum von Morgen) ein.
Das Museu do Amanhã ist ein riesiges Wissenschaftsmuseum, aber nicht für Wissenschaftler, sondern für Leute wie Du und ich.
Wir konnten, schon allein aus Zeitgründen, nur einen Blick ins Foyer werfen und den Museumsshop besuchen (ohne etwas zu kaufen).
Auf dem kurzen Weg vom Museum zum Schiff trafen wir einen ARTANIA-Passagier, der uns erzählte, dass den Kontrolleuren in der Straßenbahn sogar seine ARTANIA-Ship-Card (mit Bild und Geburtsdatum) genügt hätte.
Wir selbst wurden trotz unserer (unnötigen) Tickets auf keiner Fahrt kontrolliert. Nein, wir ärgerten uns natürlich nicht, sondern trösteten uns (halbherzig) mit unserer sozialen Verantwortung als Tourist gegenüber dem brasilianischen Volk und den Verkehrsbetrieben von Rio.
Um 18:15 Uhr fand die obligatorische Rettungsübung statt.
Diesmal mussten wir nicht, wie im sehr kalten und nassen Hamburg, mit unseren Schwimmwesten nach der Unterweisung in der Atlantik-Show-Lounge hinaus aufs Außendeck. Da stellt sich natürlich die Frage: "Ist das Raustreten wichtig im Sinne der Übung oder ist es das nicht?" Wenn es wichtig ist, warum wird es nicht jedes Mal durchgeführt. Wenn es nicht wichtig ist, was anscheinend der Fall ist, weil es seit Jahren nicht mehr praktiziert wird, warum wurde es dann aber im schlechten Wetter in Hamburg vom Kapitän Hansen angeordnet. Schikane? Wichtigtuerei? Die Antwort bleibt offen!
Nach der Übung wurden um 19:00 Uhr die Restaurants geöffnet. Normal startet das Abendessen um 18:30, aber auf Grund der Übung, an der alle teilnehmen mussten, hätte das wenig Sinn gemacht. Jetzt stand allerdings gleich um 20:00 Uhr das Auslaufen nebst Auslaufparty und Sekt auf dem Programm. Da nutzte es auch wenig, dass die Restaurants bis 21:00 geöffnet blieben, weil alle 1.040 Passagiere (Doris und ich inklusive) um 19:00 Uhr gleichzeitig speisen wollten, mit dem Ziel vor 20:00 fertig zu sein.
Dementsprechend war auch im Lido-Restaurant der Teufel los.
Wir bekamen gerade noch 2 Plätze und die Schlange am Buffet stand der Gestrigen an der Seilbahn zum Zuckerhut in nichts nach.
Die Ausfahrt von unserem Liegeplatz heraus aus der Guanabara-Bucht, vorbei am Zuckerhut, der Christus Statue und der Copacabana hatte schon etwas Besonderes.
31. Reisetag – Donnerstag, 16.01.2025 – Ilhabela/Brasilien
Ilhabela ist eine Insel im brasilianischen Bundesstaat São Paulo.
Die ARTANIA ankerte vor einem kleinen Urlaubs- und Badeort.
Um an Land zu kommen, mussten wir tendern, was aber heute problemlos vonstatten ging. Zum einen war die See ruhig und zum anderen der Tenderweg kurz.
Unser Landgangsprogramm war heute sehr einfach und bodenständig.
Ein kleiner Spaziergang am Strand und das war es schon. Nach 3 Tagen Rio lässt man es etwas ruhiger angehen.
32. Reisetag – Freitag, 17.01.2025 – Porto Belo/Brasilien
Gegen 12:00 Uhr sollten wir ankommen und auch heute sollte die ARTANIA wieder auf Reede liegen.
Aber schon am Morgen, die See war etwas kabbelig, prophezeite Doris, dass es mit dem Tendern wohl nichts werden wird.
Um 10:00 Uhr, bei der morgendlichen Ansprache an sein Volk, verkündete Kapitän Hansen, dass die Chance, tendern zu können bei 50:50 stünde. Solche Ansagen sind ein todsicheres Zeichen, dass Tendern nicht möglich sein wird, weil es für die Passagiere zu gefährlich ist. Das Umsteigen von der ARTANIA in ein Tenderboot bei unruhiger See erfordert ein gewisses sportliches Geschick, eine Voraussetzung, die nicht alle Kreuzfahrtgäste mitbringen.
Die Dramaturgie für solche Situationen ist immer dieselbe. Die Tender-Plattform wird an die Ausstiegsluke geflanscht. Dann wird ein Tenderboot zu Wasser gelassen und schließlich wird endgültig entschieden, die Sache abzublasen. Das Tenderboot wird wieder hochgezogen und die Plattform wieder abgebaut. Gleichzeitig erfolgt die Durchsage, dass bedauerlicherweise ...usw. …
Uns ist es recht. Einen zusätzlicher Seetag nehmen wir gerne mit.