Dann wird das entsprechende Foto in einem separaten Fenster "in groß" angezeigt.
33. Reisetag – Samstag, 18.01.2025 – Seetag
Der erste Seetag eines neuen Reiseabschnitts ist prädestiniert für den Kapitäns-Handshake und Galaabend und das hat die Reiseleitung wieder gnadenlos ausgenutzt. Aber mein benutztes weißes Hemd beim letzten Galaabend war für den Heutigen noch gut genug (2 x abends ist wie 1 x ganztägig). 😊
Erwähnenswert wäre höchstens noch diese kleine Facebook-Geschichte:
Die Übergabe hat dann auch problemlos geklappt. Man sieht, dass Facebook manchmal sogar nützlich sein kann. (Trotzdem mag ich Herrn Zuckerberg nicht besonders.)
34. Reisetag – Sonntag, 19.01.2025 – Rio Grande/Rio Grande do Sul/Brasilien
Rio Grande? Erinnert mich sehr an einen Western mit John Wayne. Aber der Rio Grande ist nicht nur ein Fluss zwischen USA und Mexiko, von dem der besagte Filmtitel herrührt, sondern ist auch der Name einer Stadt (210.000 Einwohner) im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul, die in der Lagune Lagoa dos Patos liegt. Im 18. Jahrhundert hielten die Portugiesen, als sie Südamerika kolonialisierten, die Lagune für einen großen Fluss, also für einen Rio Grande.
Rio Grande wurde nur deshalb angelaufen, weil hier der Papierkram für die Ausreise aus Brasilien, das sogenannte Ausklarieren, erledigt werden musste.

(Blick von Steuerbord)
Für uns Kreuzfahrer wurden ein paar Souvenierstände aufgebaut. Ansonsten herrschte im Hafen Sonntagsruhe.
An dieser Stelle kann ich kurz nachtragen, warum wir am Montag, den 6.1.2025, nicht in Natal angelegt haben, wo eigentlich die Einklarierung, also der Einreisepapierkram, erfolgen sollte.
An diesem Tag, Heilige drei Könige, wollten oder konnten die brasilianischen Behörden keine Papiere und Pässe stempeln. Also musste der Stempeltag auf den 7.1. und nach Recife verlegt werden. AM 8.1. war eigentlich ein Seetag vorgesehen, aber als Ersatz für das ausgefallene Natal wurde Maceio angelaufen.
Die geplante Liegezeit von 6:00 Uhr bis 13:00 Uhr ließ wenig Zeit für ausgeprägte Landgänge. Der Kreuzfahrtdirekt legte uns Passagieren nahe, im Hafen zu bleiben. Das ca. 2 Kilometer entfernte Stadtzentrum sei unattraktiv. Außerdem warnte er mehrmals vor Kriminatität und mahnte, einsame Straßen und Wege zu meiden.
Da wir sowieso keine konkreten Pläne hatten (außer vielleicht einen Geo-Cache zu heben) vertraten wir uns ein wenig die Beine im Hafen, wo wir uns an der Pier relativ frei bewegen konnten, was in dem meisten anderen Häfen nicht erlaubt ist.

Die Pier bot genügend Platz für mehrere Schiffe. Aber mit uns lagen hier nur noch 2 Frachtschiffe und einige Schlepper.
Um 13:00 Uhr legten wir ab.
Am späten Nachmittag wurde die See unruhig. Aufgrund dieser Tatsache und dass die Wetter-App für morgen in Punta del Este/Uruguay starken Wind voraussagte, gingen Doris und ich davon aus, dass morgen nicht getendert werden kann, denn wir sollten wieder mal auf Reede liegen.
35. Reisetag – Montag, 20.01.2025 – Punta del Este/Uruguay
Unsere gestrige Prophezeiung war falsch, denn wir konnten heute problemlos tendern. Weil der Tenderweg mit 2 Seemeilen (3,7 Km) sehr lang war, wurden zusätzlich zu unseren Tenderbooten zwei große lokale Boote, jeweils mit Platz für mehr als 100 Personen, bestellt, sonst hätte man die Landgangswilligen nicht innerhalb einer vernünftigen Zeit an Land bringen können.
Punta del Este, am nördlichen Ufer an der Mündung des Rio de la Plata gelegen, ist ein beliebter Badeort, viele Argentinier verbringen hier ihren Urlaub.
Allerdings herrschte heute kein ideales Badewetter. Bei bedecktem Himmel, starkem Wind und Temperaturen, gerade so um die 20°, lagen die Tausende von Urlaubern nicht am Strand, sondern bevölkerten die Straßen und die Restaurants.
Bei unseren ersten Zielen an Land, dem Leuchtturm (hier war ein Geo-Cache zu finden) und die daneben liegende Kirche, bemerkten wir von den Massen allerdings noch nichts.
Das änderte sich schlagartig als wir Ziel Nummer 3 anvisierten, La Mano (die Hand) eine Skulptur an der Playa Brava.
Am Strand fallen uns 2 Dixiklos auf, die wir auch ansteuern. Als wir uns nähern, erhebt sich die Betreiberin dieser Fazilitäten von ihrem Klappstühlchen im Schatten. Wir können beide für 1 US$ eines der Klos benutzen.
Wir waren uns anschließend einig. Noch nie, nirgendwo auf der Welt einschließlich Deutschland, haben wir ein so sauberes und gepflegtes Dixiklo benutzt.
Hut ab! Dieser Besuch war ganz bestimmt den Dollar wert.

Bumerangs, heute gesehen in einem Souvenierladen in Punta del Este. Ich werde mit Kapitän Hansen sprechen. Australien brauchen wir jetzt eigentlich nicht mehr anlaufen.
Auf dem Rückweg zum Schiff kamen wir an einer Wechselstube vorbei. Wir überlegten, ob wir uns für den morgigen Besuch in Montevideo ein paar uruguayischer Pesos eintauschen sollten. Wir kamen rasch zu dem Ergebnis, morgen kein Bargeld zu brauchen. Aber Doris kam auf die brillante Idee, sich stattdessen gleich hier argentinische Pesos zu beschaffen. Bei zwei Tagen Aufenthalt in Buenos Aires und jeweils einen Tag in Puerto Madryn und Ushuaia machte das Sinn.
Außerdem machten wir vor 10 Jahren bei unserem Besuch von Buenos Aires die Erfahrung, dass in der dortigen U-Bahn Bargeld unerlässlich war und am Hafen keine Wechselmöglichkeit bestand.
Für 50 US-Dollar erhielten wir 58.000 Pesos. Laut unser Währungs-App hätten das „nur“ 53.000 Pesos sein sollen. Schon hier wird man anscheinend mit der starken Inflation in Argentinien konfrontiert.
Bevor wir zurück zur ARTANIA pilgerten, erstanden wir in einem Supermarkt noch 2 Dosen einheimisches Bier, das wir mit der Kreditkarte bezahlen konnten.
Erst um 21:00 Uhr wurde der Anker eingeholt und wir schipperten gemütlich den Rio de la Plata flussaufwärts nach Montevideo. Für die zurückzulegenden 70 Seemeilen hatten wir bis morgen 7:00 Uhr genügend Zeit.
36. Reisetag – Dienstag, 21.01.2025 – Montevideo/Uruguay
Das Wetter war heute wieder so, wie man es sich für Südamerika vorstellt, sonnig und warm.

Heute kamen neue Crew-Mitglieder an Bord, anderea flogen nach Hause, so z. B. auch unser Kabinensteward Ruben.
Wie geplant, machten wir einen kleinen Stadtrundgang, vom Hafen zum Plaza Independencia (Patz der Unabhängigkeit) und wieder zurück. Am Plaza Independencia gibt es zwei Sehenswürdigkeiten, das Puerta de la Ciudadela (Zitadellen-Tor) und das Mausoleum Montevideo.
Das Puerta de la Ciudadela ist der älteste noch vorhandene Teil der Stadtmauer.
Man sieht sich das Tor an, macht ein Foto (oberste Touristenpflicht) und das war es dann auch schon.
Das unterirdische Mausoleum wurde 1977 eingeweiht und dient einzig und allein der Aufbewahrung der Urne mit der Asche des Nationalhelden José Gervasio Artigas.
Artigas war ein uruguayischer General und Politiker. Er wird auch als „Vater der Unabhängigkeit Uruguays“ bezeichnet.
Die Urne wird von 2 Soldaten einer Kavallerieeinheit bewacht. Wir dachten zuerst, dass es sich um lebensgroße Puppen oder Figuren handelt.
Nur aus der Nähe und an den Augen erkannten wir, dass es sich um lebende Menschen handelt, da ihre Pupillen sich leicht bewegten, ansonsten standen sie absolut regungslos auf ihrem Posten.
Was macht der arme Soldat denn, wenn ihm plötzlich die Nase juckt, er aber im absoluten „Stillgestanden“ verharren muss?
Ich weiß aus leidvoller Erfahrung aus meiner Bundeswehrzeit, wie langweilig und ätzend es ist, auf Wache stehen zu müssen Aber wir durften uns wenigsten bewegen und sogar die Nase putzen, wenn es erforderlich war.

Mit uns lag die Costa Diadema im Hafen.
Bis zu 4.947 Passagiere und 1.253 Besatzungsmitglieder passen auf diesen maritimen Plattenbau..
Um 18:00 Uhr legten wir ab, weiter den Rio de la Plata läppische 152 Seemeilen flussaufwärts mit Ziel Buenos Aires.
37. Reisetag – Mittwoch, 22.01.2025 – Buenos Aires/Argentinien
Wir lagen im Containerhafen und mussten zunächst mit einem Shuttlebus zum großen Passagierterminal gebracht werden.
Mit unseren argentinischen Peseten in der Tasche, die wir uns schon vor 2 Tagen in Uruguay besorgt hatten, machten wir uns auf dem Weg zur U-Bahn-Station Retiro. Wir hatten vor ziemlich genau 10 Jahren schon einmal Buenos Aires per Kreuzfahrtschiff bereist. Damals war es unerlässlich Bargeld zu haben, um mit der Subte, so nennt sich hier die U-Bahn, fahren zu können; Kreditkarten wurden nicht akzeptiert.
Auf dem ca. 15-20-minütigen Fußmarsch zur Station, wurden wir von einer Soldatin gefragt, ob sie uns helfen könne. Eigentlich brauchten wir keine Hilfe, wir kannten den Weg und wurden dabei noch von Google-Maps unterstützt.
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Die freundliche Soldatin der Luftwaffe (Fuerza Aerea) nahm, bevor dieses Foto gemacht wurde, ihr Namensschild ab.
Aber sie ließ es sich nicht nehmen, uns ein Stück zu begleiten, damit wir nicht vom rechten Weg abkommen.
An der U-Bahn-Station angekommen, galt nach wie vor: „Nur Bares ist Wahres!“
Zunächst mussten wir an einem Schalter für jeweils 1.500 Pesos (1,50 €) eine Subte-Karte kaufen, das ist eine Art Prepaid-Karte. Am Automaten konnte man dann ein Guthaben auf die Karte laden, indem man ihn mit 1000- oder 2000-Peseten-Scheinen fütterte. Laut Erkenntnis aus dem Internet sollte eine Fahrt 40 Peseten kosten, also fast nichts, sodass wir mit einem Guthaben von 1000 Peseten, mit denen wir unsere Karten aufgeladen hatten, gut aufgestellt waren.
Am Drehkreuz zum Bahnsteig hielten wir unsere Karten an den dafür vorgesehenen Sensor und konnten sehen, dass 150 Peseten von der Karte eingezogen worden waren. Aber auch mit umgerechnet 15 Euro-Cent ist eine Fahrt noch erschwinglich.
Unser Ziel war die Subte-Station Perú, die, ebenfalls laut Internet, wegen ihres Jugendstil-Interieurs besonders sehenswert sei.
Um dort hinzukommen mussten wir zwischendurch umsteigen.
Eine entsprechende Umsteigemöglichkeit suchten wir uns an einem ausgehängten Plan aus.
Ein Uniformierter (Polizist?) fragte nach unserem Vorhaben und dadurch erfuhren wir von ihm, dass unser Plan nicht ausführbar war, weil die Umsteigestation, die wir uns ausgesucht hatten, wegen Bauarbeiten geschlossen war. Seinen Alternativvorschlag, mit der Linie F zur Station Bolivar zu fahren und von dort die wenigen Schritte nach Perú zu laufen, nahmen wir dankend an.
In Bolivar angekommen, hoben wir unweit der Station schnell noch einen Cache. Auf Grund dieser „Schnitzeljagt“ kamen wir bereits in die Nähe der Plaza de Mayo, deshalb tappten wir auch dorthin. An diesem großen Platz steht die Casa Rosada (Rosa Haus), dem Sitz der argentinischen Präsidenten.
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Ein paar Fotos von diesem „Roten Rathaus 😊“ und dem weitläufigen Platz waren schnell im Kasten und schon konnten wir die beiden Sehenswürdigkeiten Palza de Mayo und Casa Rosado abhaken.
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Sein Hauptgeschäft ist eigentlich das Schuheputzen. Aber uns hatten es die neonfarbigen Schnürsenkel angetan. Wir kauften 2 Paar.
Unser eigentliches Ziel, die Metro-Station Perú erwies sich als Flop. Hier war aber rein gar nichts spektaktulär.
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Nicht alles was im Internet zu finden ist, ist auch zutreffend. Dieses angebliche touristische Highlight ist gar keins.
Die Stahlträger und die Lampen könnte man zur allergrößten Not noch als Jugendstil durchgehen lassen.
Aber ansonsten war das eine ganz gewöhnliche U-Bahn-Station.
Wir stellten fest, dass wir bei 30° im Schatten genug gelaufen waren und beschlossen, zurück zum Schiff zu fahren.
38. Reisetag – Donnerstag, 23.01.2025 – Buenos Aires/Argentinien
Im Terminal gab es einen Infostand. Dort fragten wir nach, ob man nicht per Bus zur Subte-Station Retiro fahren könnte, um sich den Fußweg dorthin zu sparen. Die Antwort war ein eindeutiges: „Nein“. Die einzige Möglichkeit wäre, sich ein Taxi zu nehmen.
Allerdings war keine 300 Meter vom Terminal entfernt, direkt auf der Strecke zu unserer Station Retiro, eine Bushaltestelle. Wir befragten Google und erhielten als Antwort, dass wir mit Bus Nummer 6, der in wenigen Minuten ankommen soll, uns die Lauferei nach Retiro sparen könnten.
Bus Nr. 6 kam tatsächlich, das Bezahlterminal im Bus gab grünes Licht, nachdem wir unsere Karte an den Sensor gehalten hatten und wir kamen bequem bei Retiro an.
Schönen Gruß an die Tourist-Info im Terminal. Habt ihr keine Ahnung oder hat die Taxi-Lobby Einfluss auf eure Aussagen?
Ursprünglich wollten wir von Retiro mit der Subte zum Friedhof Cementerio de la Recoleta fahren, aber ermutigt durch unsere gerade eben erfolgreich durchgeführte Busfahrt, wollten wir versuchen, mit dem Bus dorthin zu kommen, denn im Bus sieht man bekanntlich mehr von der Stadt als mit der unterirdischen Bahn.
Also zückten wir unsere Smartphones, befragten erneut Google-Maps und erfuhren, dass der Bus 101 fast bis an die Eingangspforte des Friedhofs fahren würde. Während unserer Recherche wurden wir von zwei Hilfspolizistinnen gewarnt, unsere Smartphones nicht so offen zu präsentieren, das sei sehr gefährlich. Wir gelobten Vorsicht und nutzten die Gelegenheit zu fragen, wo genau der 101er Richtung Friedhof abfahren würde.
Sie begleiteten uns die 20 Meter zur Haltestelle und warteten, bis wir in den Bus eingestiegen waren.
Da gab es allerdings ein Problem. Das Kartenlesegerät im Bus gab kein grünes Licht, irgendwie meinte ich aus der (spanischen) Fehlermeldung herauszulesen, dass ich meine Karte erst aufladen müsse. Die Schlange der Einsteigewilligen hinter mir, wurde leicht ungeduldig, ob meiner mehrfachen vergeblichen Versuche, den Kasten zu überzeugen, endlich grün zu leuchten. Auch der Fahrer rollte mit den Augen und seine für mich mangels Spanischkenntnissen unverständlichen Hinweise halfen nicht weiter. Also war die Busfahrt erst einmal ersatzlos gestrichen.
An den Automaten in der Subte-Station kann festgestellt werden, welcher Betrag auf der Subte-Karte noch vorhanden ist. Mit allergrößtem Erstaunen stellte ich fest, dass ich mit über 1000 Peseten im Minus stand. Auch Doris stand mit etwas mehr als 700 Peseten in der Kreide.
Eine Erklärung, wo die Kohle geblieben ist, haben wir bis heute nicht in Erfahrung bringen können und wissen auch nicht, warum Doris und ich verschieden hohe Schuldenberge angehäuft haben.
Es half ja alles nichts, wir mussten unsere Karten neu aufmunitionieren. Wir hielten einen Betrag von 3000 Peseten für angemessen, um unsere Schulden zu tilgen und noch ein Polster für die nächsten Fahrten zu haben.
Aber so einfach ist es nun auch wieder nicht, dem (nur spanisch kommunizierenden) Automaten klarzumachen, dass man ihn nun mit 3000 Peseten füttern möchte. Eine Subte-Mitarbeiterin, die bereits Leuten am benachbarten Automaten Hilfestellung leistete, kümmerte sich parallel auch um uns. Sie bearbeitet gekonnt den Touchscreen des Automaten, sodass dieser nun wissen wollte, was wir denn gedenken, ihm zukommen zu lassen. Nach Eingabe des gewünschten Betrags (3000 Pesos) boten wir ihm den ersten 1000-Pesos-Schein an seinem Eingabeschlitz an. Er zog ihn ein und spuckte ihn gleich angewidert wieder aus, obwohl der Schein absolut sauber und neuwertig war. Die Subte-Dame probierte einem Schein aus ihrem Fundus und scheiterte gleichfalls.
Sie umschiffte dieses Problem nun dadurch, dass Sie dem Automaten klar machte, dass jetzt nicht mit Bargeld, sondern mit ihrem Smartphone über einen QR-Code bezahlt würde. Das klappte dann auch und ich gab der Dame meine 3000 Pesos in bar.
Nun war Doris an der Reihe. Neuer Versuch mit Bargeld – und siehe da, es funktionierte, ohne dass der Automat zickte.
Nur die Option die Doris noch gewählt hatte, nämlich eine Quittung auszudrucken, ignorierte dieser arrogante Kasten kommentarlos.
Von einer Busfahrt nahmen wir erstmal Abstand und beschlossen, unserem ursprünglichen Plan zu folgen, mit der Subte zur Station Las Heras zu fahren und von dort zum Cementerio de la Recoleta zu laufen.
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An der Station Jujuy mussten wir umsteigen. Wir waren fasziniert von den wunderschönen Darstellungen mit den bunten Wandkacheln.
Der Friedhof La Recoleta (Cementerio de la Recoleta) liegt im gleichnamigen Stadtteil Recoleta der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, einem der teuersten Wohn- und Geschäftsviertel der Hauptstadt. Er wurde Ruhestätte zahlreicher wohlhabender und prominenter Einwohner.
Hier wurden argentinische Präsidenten bestattet, Profisportler, Wissenschaftler und Schauspieler; zu den bekanntesten zählt die zweite Ehefrau von Juan Perón, Eva Perón.
Der Friedhof umfasst eine Fläche von 5 Hektar auf der sich 6.000 Mausoleen und Gräber befinden.
Quelle: Wikipedia
Am Friedhof angekommen erlebten wir die nächste Pleite. Wir waren durchaus bereit, die 1.760 Pesten (ca. 16 €) Eintritt zu zahlen, aber das Kartenlesegerät akzeptierte die VISA-Kreditkarte von Doris nicht. Nach 2 Fehlversuchen versuchte ich es dann mit meiner VISA-Karte, mit dem gleichen negativen Ergebnis.
Wir waren sogar bereit unserer argentinischen Bargeldreserven anzugreifen, mussten aber erfahren, dass der Mensch an der Kasse unsere Peseten nicht annehmen wollte (oder nicht konnte oder nicht durfte).
Auch mit US-Dollars konnten wir ihn nicht erweichen, uns ein Ticket auszuhändigen.
Etwas genervt wandte er sich von uns ab und wendete sich dem nächsten Kunden zu.
Aus Frust kehrten wir in einen nahegelegen McDonalds ein. Dort wollten wir auch noch mal versuchen, mit der VISA-Karte zu zahlen, um vielleicht die Ursache für die Pleite am Friedhof herauszubekommen.
Beim Bezahlen mit der Karte bei MacDoof fiel Doris auf, dass sie am Friedhof bei der Pin-Eingabe einen Zahlendreher gemacht hatte und deshalb die Sache so nicht funktionieren konnte.
Mein Fehler hingegen war, dass ich die falsche Kreditkarte dabei hatte. Zwar haben meine beide Karten die gleiche PIN, aber die von AMAZON herausgegebene Karte hatte ich nicht für Auslandseinsätze freigeschaltet, im Gegensatz zu meiner Visa-Karte der HANSEATIC-Bank.
Jedenfalls konnten wir unsere beiden Cheeseburger und 2 x Cola ohne Pleiten, Pech und Pannen mit Doris‘ Karte bezahlen. Die Preise hier bei McDonalds sind übrigens genau so hoch wie in Deutschland. Unsere Zeche betrug umgerechnet ca. 13 €.
Nachdem wir fastfoodmäßig gestärkt waren, nahmen wir einen zweiten Anlauf für das Projekt Cementerio de la Recoleta, um zum Mausoleum der Familie Duarte zu pilgern, in dem auch Evita Peron geb. Duarte (Don’t cry für me Argentna) bestattet ist.
Auf diesem Prominenten-Friedhof sind unzählige mächtige, ja protzige Mausoleen beheimatet.
Wir hatten befürchtet, dass es schwierig sein könnte, das Durate-Mausoleum zu finden, aber auch hier konnte uns Google-Maps punktgenau hinführen.
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Auch ohne Google-Maps hätten wir das Grab von Evita Peron finden können - einfach den Touristentrüppchen folgen.
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No me llores perdida ni lejana, yo soy parte esencial de tu existencia, todo amor y dolor me fue previsto, cumplí mi humilde imitación de Cristo, quien anduvo en mi senda que la siga.
SUS DISCIPULAS
Trauert nicht um mich, ich bin ein wesentlicher Teil eurer Existenz, alle Liebe und alles Leid waren für mich vorgesehen, ich habe meine demütige Nachahmung Christi erfüllt, der auf meinem Weg gegangen ist, um ihm zu folgen.
DEINE DISZIPLINEN
Übersetzt mit deepl.com
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Ein wenig markaber, aber eine recht originelle Art der Straßenmusik. Ein "Geköpfter" mit einer singenden Säge vor dem Eingang des Cementerio de la Recoleta.
Nachdem wir auch diesen touristischen Hotspot abgearbeitet hatten, machten wir uns auf den Heimweg.
Auf dem Weg zum Friedhof hatten wir eine Bushaltestelle für den 101er entdeckt und wir nahmen einen erneuten Anlauf mit dieser Buslinie zu fahren, diesmal eben in die Gegenrichtung.
Der Bus kam auch nach wenigen Minuten und siehe da, unsere Karten beherbergten noch genügend Guthaben, sodass wir jetzt mitfahren durften und wir kamen so zu einer kleinen Sightseeing-Tour durch die Stadt.
Ein Herr, der uns im Bus gegenübersaß, gab mir per Zeichensprache zu verstehen, dass ich mein Smartphone lieber einstecken sollte, mit dem ich mir gerade per Google die Routenführung des Busses angeschaut hatte.
Allerdings kann man mir nicht ganz so einfach das Handy aus der Hand reißen und verschwinden, den es hängt an einer Kordel um meinen Hals. Aber um den Ratschlag des Herrn nicht unhöflicherweise zu ignorieren, steckte ich es weg.
An der Haltestelle Retiro stiegen wir und auch der besagte Herr aus. Er warnte uns noch einmal davor, dass es gerade hier in dieser Gegend bis runter zum Hafen äußerst gefährlich wäre.
Aber wir kamen am Hafen an, ohne bestohlen worden zu sein.
Die hohe Kriminalität hängt sicherlich auch mit der hohen Armutsrate zusammen. In den Straßen sahen wir unzählige Obdachlose, die wohl aus Sicherheitsgründen tagsüber auf den Bürgersteigen schlafen, um nachts auf sich und ihren wenigen Habseligkeiten aufpassen zu können.
Auch gibt es unzählige fliegende Händler mit nur ein paar Kaugummis oder Bonbons im Angebot. Einige versprechen sich von der folgenden Verkaufsmethode etwas Umsatz. Sie steigen in einen Waggon der Subte und legen den Fahrgästen z. B. eine Kaugummipackung auf die Beine, Rucksäcke, Handtaschen etc. Danach wird die „Ware“ bei denen, die nichts kaufen wollen, wieder eingesammelt. Bei unserer Fahrt Richtung Friedhof (15-20 Minuten) versuchten in unserem Waggon nacheinander 3 fliegende Händler mit der eben beschriebenen Methode (erfolglos) Umsatz zu machen; ein Bettler versuchte nach einer kurzen Rede Geld einzusammeln und eine junge blinde Frau sang ein Lied, bevor sie langsam durch den Waggon ging, in der Hoffnung, dass jemand ihr etwas zusteckt.
Gegen 19:00 Uhr legten wir ab, folgten dem Rio de la Plata flussabwärts bis zur Mündung und fuhren dann weiter mit südlichem Kurs an der argentinischen Küste entlang. Zwei volle Seetage lagen vor uns.
39. Reisetag – Freitag, 24.01.2025 – Seetag
Der heutige Seetag verlief fast ereignislos, also ganz nach unserem Geschmack.
Jetzt sind wir schon mehr als 5 Wochen an Bord. Vieles hier an Bord hat sich gegenüber den Vorjahren nicht geändert. Aber nach ganz kurzem Nachdenken, fallen mir doch 4 bedeutende Veränderungen ein.
- Kaffeemaschine.
- Wasserspender.
- Das Artania-Restaurant.
- Die Pfälzer Leberwurst.
1. In allen Kabinen und nicht nur in der Gold- und Silber-Kategorie befindet sich jetzt eine Kaffeemaschine.
Die zugehörigen Kapseln sind kostenlos und die verbrauchten werden täglich von der Kabinenstewardess/dem Kabinensteward ersetzt.
Es gibt verschiedene Sorten als da sind: Lungo, Espresso und Coffeinfrei.
Für eine Kaffeetante wie Doris eine absolute Verbesserung, die gerne und häufig genutzt wird.
2. Auf allen Decks findet gibt es jetzt Wasserspender, an denen man seine Trinkflasche(n) (leere Wasserflschen vom Aldi gehen auch) mit stillem Wasser auffüllen kann, wahlweise gekühlt oder ungekühlt. Auch dieser Service ist kostenlos.
Wie bisher, kann man auch Mineralwasser kaufen, das macht insofern Sinn, wenn man Wasser mit Kohlensäure haben möchte. Aber warum sollte man stilles Wasser kaufen, wenn die Spender selbiges kostenlos bereitstellen?
Das hat sich wohl auch Phoenix überlegt und bietet nun anstatt des schnöden Gerolsteiner, das in üblichen Glasflaschen daherkam, nun ein italienisches Wasser in blauen Designerflaschen an.
Andrea Eggert, die Flottenchefin des Housekeeping-Department, erläuterte uns, dass gegenüber des wegfallenden Gewinns aus den Verkaufserlösen, doch jetzt sehr viel weniger Glasabfall (Einwegflaschen!) anfällt. Und die Abfallentsorgung in den Häfen ist sehr teuer.
3. Das ARTANIA-Restaurant wurde komplett umgestaltet. Bis zum letzten Jahr wurde das Frühstücksbuffet in der Mitte des Restaurants aufgebaut, wofür mehrere große Tische genutzt wurden, die zum Mittag- und Abendessen wieder als „Esstische“ dienten. Die Stühle rund um diese Tische wurden zum Frühstück unter diese Tische verfrachtet und nach dem Frühstück wieder hervorgeholt.
Jetzt befindet sich das Buffet an einer Wand mit stationären Vitrinen, die mit den mittlerweile üblichen Scheiben, dem sogenannten „Spuckschutz“ ausgestattet sind. Für dieses Konstrukt fielen etliche Sitzplätze weg. In Summe hat das ARTANIA-Restaurant jetzt weniger Sitzplätze als vorher.
Das Buffet ist modern und gefällig, hat aber einen gravierenden Nachteil für Personen mit einer Körpergröße unter 2 Metern.
Das Buffet ist sehr tief, wenn man sich zum Beispiel Marmelade aus dem ganz hinten stehenden Gefäß nehmen möchte, klebt man zwangsläufig mit dem Gesicht an der Scheibe (dem Spuckschutz), weil sonst die Armlänge nicht reichen würde, um an das begehrte Frühstücks-Leckerli ranzukommen
Aber dadurch kann auch manchmal ein Tag gleich morgens ein unerwartetes Glücksmoment bereithalten, nämlich dann, wenn der Topf mit der von mir bevorzugte Orangenmarmelade nicht ganz hinten, sondern weiter vorn steht und ich mir ohne Dehnübungen und Verrenkungen ein Löffelchen davon holen kann.
4. Das Wurstangebot zum Frühstück und Abendessen war schon immer und ist immer noch nach unserem subjektiven Geschmack, bis auf wenige Ausnahmen, lediglich Mittelmaß. Herausragend war aber immer die Pfälzer Leberwurst, die ab und an angeboten wurde.
Leider wurde die Pfälzer Leberwurst ersatzlos gestrichen.
Das stattdessen angebotenen grobe Leberwürstchen ...
...ist geschmacklich etwas sehr gewöhnungsbedürftig - grob gesprochen.
Aber über Geschmack soll man bekanntlich nicht streiten und das Essen an Bord wird vielerorts frenetisch gefeiert. Leider gehören wir nicht zu der Fraktion, die in die Lobgesänge mit einstimmt.
Ja und trotzdem fahren wir immer wieder mit der ARTANIA, denn verhungern tun wir hier trotz allem nicht und die Routen und das Schiff selbst sind der Grund, weshalb wir „Wiederholungstäter“ sind.
40. Reisetag – Samstag, 25.01.2025 – Seetag
Seit ca. 2 Wochen zickt der Fernseher in unserer Kabine. Er hat manchmal keine Lust, sich, wie vorgesehen, mit der Fernbedienung anschalten zu lassen.
Dann müssen wir den Stecker aus der Steckdose, die hinter dem Fernseher versteckt ist, rausziehen und ihn anschließend wieder in die Dose fummeln.
Daraufhin startet das Gerät erst mal in aller Ruhe sein Betriebssystem und erst dann ist es wieder bereit, das anzuzeigen, was wir sehen möchten.
Das ist in der Regel der Kanal 1, denn hier läuft 24 Stunden am Tag die sogenannte Cruise-Show.
Das sind alle Informationen und Daten über Geschwindigkeit, Kurs der ARTANIA, das aktuelle Wetter, die Wetterprognosen und noch dies und das.
In gewissen Abständen werden auch die Bilder der Bugkamera eingeblendet.
Außerdem erfolgen über diesen Kanal wichtige Durchsagen des Kreuzfahrtdirektors und (meist weniger wichtige) Durchsagen des derzeitigen Kapitäns.
Nach dem wir das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel heute schon dreimal gespielt hatten und es, wenn es nach dem launischen Fernseher gehen sollte, nun noch ein viertes Mal spielen sollten, outeten wir uns als Spielverderber. Stattdessen zeigten wir das unfreundliche Verhalten des Geräts als Mangel bei der Rezeption an.
Es dauerte auch nicht lange, da erschien ein Mitarbeiter des Housekeepings und bevor wir irgendwelche Erklärungen abgeben konnten, zog er souverän den Stecker, steckte ihn gekonnt wieder ein und erklärte freudestrahlend, dass die Welt jetzt wieder in Ordnung sei.
Das sahen wir naturgemäß etwas anders und traten mit dem Herren in zähe Verhandlungen (und das mit unserem bescheidenen Schulenglisch).
Wie auch bei Gewerkschaften üblich, formulierten wir erst einmal unsere Maximalforderung, nämlich ein Austauschgerät.
Unser Verhandlungspartner erklärte sich schließlich, bereit unser Anliegen an der Rezeption vorzubringen.
Unsere Forderung nach einem Austauschgerät wurde aber erstmal abgelehnt. Begründung: Der Apparat ist noch keine sechs Monate alt. Stattdessen kam jetzt ein Mitarbeiter der IT-Abteilung in unsere Kabine, überprüfte Kabel und den Router, mit dem der Fernseher verbunden ist.
Er rief am Gerät ein Wartungsmenü auf (leider konnte ich nicht erkennen, wie er das gemacht hat) und surfte durch diverse Seiten dieses Menüs.
Nachdem er genug gesurft hatte, hoffte er, dass jetzt alles wieder gut sei, aber falls wider Erwarten doch nicht, sollen wir ihn über die Rezeption erneut ordern.
Um es vorwegzunehmen. Gleich am nächsten Morgen um 7:00 Uhr forderten wir den Herren erneut bei der Rezeption an. Schon nach wenigen Minuten war er da, aber anscheinend derart erschrocken, weil wir noch unsere Nachtgewänder trugen, dass er nur ganz schnell mit einer geheimen Tastenkombination auf der Fernbedienung das Wartungsmenü und in Folge das „normale“ Programm einschaltete und schnell wieder entschwand samt seinem mitgebrachten USB-Stick und dem Versprechen, in einer Stunde wiederzukommen, um die Software noch einmal komplett aufzuspielen.
Na dann schau‘n wir mal, ob die Geschichte weitergeht oder das Happy End bereits erreicht wurde.
41. Reisetag – Sonntag, 26.01.2025 – Puerto Madryn/Argentinien
Was man machen muss, wenn man in Puerto Madryn liegt, ist ein Ausflug zur Pinguin-Kolonie Punta Tombo, die wirklich sehenswert ist. Dieses Ausflugsziel ist allerdings 180 Kilometer weit entfernt. Wir hatten zunächst in Erwägung gezogen, diese Tour individuell mit einem lokalen Tourenanbieter durchzuführen. Das erschien uns aber wegen der großen Strecken dann doch zu riskant, falls z. B. bei Stau, Panne oder Unfall eine pünktliche Rückkehr zum Schiff nicht mehr möglich ist und dann stünde man im wahrsten Sinne des Wortes in der Pampa, welche hier in Patagonien vorzufinden ist.

Zumindest ein paar Seelöwen, die auf einem Gitter unterhalb unserer Pier dösten, bekamen wir zu Gesicht.
Wir hatten den Ausflug zu den Pinguinen vor 10 Jahren schon einmal gemacht und werden ihn im nächsten Jahr, wenn wir wieder hier sein werden, mit Phoenix durchführen.
Für heute begnügten wir uns mit einem ausgiebigen Strandspaziergang.
Der Strand war gleich am Ende der 500 Meter langen Pier und zog sich über viele Kilometer hin.

Uns fiel am Starnd schon von Weitem eine größere Menschenansammlung auf.
Als wir uns näherten, erkannten wir, dass es sich um einen Prediger ...
Wir begnügten uns mit den ersten 3 Kilometern, drehten dann um und wanderten zum Schiff zurück.
Hier hätte eigentlich der Tagesbericht geendet, wenn nicht am Nachmittag ein Sturm mit einer Windgeschwindigkeit von bis zu 60 Knoten (ca. 115 Kilometer/Stunde) aufgezogen wäre.
Ohne das Kapitän Hansen das Kommando “Leinen los“ gegeben hätte (das war erst für 19:00 Uhr vorgesehen), rissen gegen 17:00 Uhr zwei der Taue, mit denen die ARTANIA festgemacht war. Eine Windböe mit voller Breitseite hatte die ARTANIA getroffen. Dadurch driftete das Schiff einige Meter von der Pier ab. Das wiederum hatte zur Folge, dass die Verbindung zwischen der Ausstiegsluke und der Gangway abriss und niemand mehr an oder von Bord konnte.
Über das Walkie-Talkie eines Phoenix-Reiseleiters konnten wir mithören, dass sich noch 230 Leute an Land befanden.
Bei der Gangway handelte es sich nicht um die eigene der ARTANIA, die üblicherweise in Häfen genutzt wird,

Der Ingenieur konnte sich bei der Entwicklung dieses
Gangway-Ungetüms so richtig austoben.
Das Ergebnis erinnert ein wenig an einen
zusammengefalteten Eiffelturm.
sondern um ein vom Hafen gestelltes seltsames Ungetüm.
Manche Häfen bestehen darauf, dass ihre eigene Hafen-Gangway zu benutzen sei, was in aller Regel ein komplizierteres, langwieriges Manöver nach sich zieht, bis das Teil ordentlich an die ARTANIA angeflanscht ist und man ein- und aussteigen kann.
Auf der Pier, rund um die (zum Schiff verbindungslose) Gangway standen etliche Männer, Bedienstete des Hafens, und diskutierten heftig und beratschlagten sich.
Natürlich hielten viele Passagiere, Doris und ich eingeschlossen, an der Reling am Promenadendeck Maulaffen feil. Es dauerte aber nicht lange, da wurden wir per Lautsprecherdurchsage aufgefordert, uns ins Schiffsinnere zu begeben, angeblich aus Sicherheitsgründen, weil der Wind immer noch so stark pfiff.
An den Panoramafenstern der Bibliothek konnten wir das Geschehen aber dann weiterverfolgen.
Dann passierte erstmal eine gute Stunde lang nichts Entscheidendes, bis ein Gabelstapler die Gangway erst einmal zur Seite stellte und eine Neue herbeischaffte. Die neue Gangway war von der Konstruktion um vieles einfacher, letztlich ein breites metallenes Brett mit Geländer.
Das Anbringen schien aber nicht ganz so einfach, aber
teils mit Motorunterstützung, teils mit Muskelkraft gelang schließlich die Unternehmung.
Jetzt konnten die Wartenden zurück aufs Schiff.
Ein in weiß Uniformierter trieb mit entsprechenden Gesten die Leute zur Eile an. Warum? War die Konstruktion nicht ganz sicher? Wurde befürchtet, dass das Schiff wieder abdriften könnte? Ich weiß es nicht.
Aber es ging alles gut und alle Mann und alle Frau waren wohlbehalten an Bord zurück.
Um 19:00 Uhr war der Wind noch zu stark, um ein gefahrloses Ablegemanöver zu fahren. Aber schon eine dreiviertel Stunde später, der Wind hatte sich etwas gelegt, konnten wir dann ablegen. Vor uns lagen 2 Seetage, bevor wir im südlichsten Hafen der Welt, in Ushuaia, festmachen würden.
42. Reisetag – Montag, 27.01.2025 – Seetag
Der starke Wind hielt die ganze Nacht an, sodass die ARTANIA ordentlich schaukelte – In der seemännischen Sprache spricht man von Schiffsbewegungen.
Ansonsten verlief der Tag ohne besondere Vorkommnisse.
Was aber nicht heißt, dass es nichts gibt, worüber man sich Gedanken machen könnte. Wir haben nämlich einen Finanzberater an Bord, der ähnlich wie der Bordlektor, Vorträge hält. Aber nicht über Land und Leute oder Ackerbau und Viehzucht, sondern, wie es sich für einen gestandenen Finanzberater gehört, über Finanzen im Allgemeinen und im Besonderen.
Bisher hat er über folgende Themen referiert:
- Argentinien - Ein Land der wirtschaftspolitischen Extreme
- Geldanlage - Strategien in unsicheren Zeiten
- Die europäische Währungsunion
- Entnahmephase - Sinnvolle Strategien im Ruhestand
So weit, so gut, es ist durchaus begrüßenswert, wenn die ausgetretenen Pfade in Sachen Lektorat auch mal verlassen werden.
Uns machte ein wenig stutzig, dass der Referent, Mathias Uffelmann, ein (freier) Mitarbeiter von MLP ist. MLP ist ein Finanzdienstleister, der, wenn man dem Internet glauben darf, durchaus nicht unumstritten ist, siehe z. B.
- https://de.wikipedia.org/wiki/MLP_SE#Kritik oder
- https://www.dasinvestment.com/verbraucherzentrale-warnt-studenten-vor-finanzdienstleister-mlp/ ).
Allerdings erwähnte Herr Uffelmann sein Engagement bei MLP mit keinem Wort, als er sich im Rahmen seiner Vortragsreihe vorstellte, sondern er bezeichnete sich lediglich als selbstständiger Finanzberater.
Das ist de jure zwar vollkommen korrekt, aber de facto bleibt ein Geschmäckle, denn das Mitarbeiterkonzept von MLP sieht wie folgt aus:
Die Kunden werden von selbständigen MLP-Handelsvertretern betreut. Die Handelsvertreter, auch Berater genannt, durchlaufen eine „gezielte Weiterentwicklung“. Von ihnen wird die Bereitschaft erwartet, das MLP-Leistungsversprechen zu erfüllen und zum „Großen und Ganzen“ beizutragen.
Quelle: Wikipedia.
Das heißt nichts anderes, als dass ein freier Mitarbeiter bei MLP dort einen Fulltime-Job hat.
Aber auch das ist völlig Wurscht, solange es wirklich nur um Information geht und der Auftritt nicht stattdessen eine verdeckte Akquise ist, um hier an Bord für das Neukundengeschäft Kontakte zu knüpfen. Denn ein Teil der Passagiere ist mit Sicherheit das passende Klientel.
Die Leute vertrauen Phoenix, somit können sie doch auch einem Referenten vertrauen, den Phoenix an Bord geholt hat?
Wenn man sich die bisherige Vortragsreihe anschaut, sieht man, dass sich jeweils ein allgemeiner Vortrag über Wirtschaft und Finanzen mit einem Vortrag abwechselt, in dem es um Geldanlagestrategien geht, also um das Kerngeschäft eines Finanzberaters.
Doris und ich haben im Vortrag “Geldanlage - Strategien in unsicheren Zeiten“ am 19.1.2025 gelernt, das Tages- und Festgeld die schlechteste Strategie ist. Die Inflation frisst das Kapital trotz Zins auf. Außerdem ist diese Anlage gar nicht so sicher, wie man glauben mag, denn im Falle einer Bankpleite wird der Einlagesicherungsfond wahrscheinlich nicht ausreichen. Wurde da etwa unter den konservativen Sparern (wie auch wir welche sind) Angst und Schrecken verbreitet?
Herr Uffelmann betonte ausdrücklich, dass kein seriöser Finanzberater einen Gewinn garantieren kann, aber dennoch sei eine kluge Anlagestrategie unerlässlich.
Die dann erläuterten Anlagestrategien kann zwar jeder im Prinzip selbst managen, aber die Materie ist halt doch sehr komplex, somit ist der Vorteil einer professionellen Finanzberatung nicht von der Hand zu weisen, sagte uns der Finanzberater.
Über anfallende Gebühren und Courtagen, die erst einmal erwirtschaftet werden müssen, wurde wenig erzählt.
Irgendwie sehe ich Parallelen zu einer Aktion von MLP, zunächst “verdeckt“ an Unis und Hochschulen zu referieren, so wie auf der Internetseite “Das Investment“ beschrieben, um dann letztendlich den Studenten Geldanlageprodukte zu verkaufen. Werden hier an Bord lediglich Studenten durch vermeintlich betuchte Rentner ersetzt?
Ich betone, dass mein Bauchgrummeln über das Warum und Weshalb dieser Vortragsreihe mit einem MLP-Finanzberater reine Spekulation ist. Ich halte es dennoch für legitim, dies hier im Blog zu thematisieren. Es kann und soll sich jeder seine Meinung selbst bilden.
43. Reisetag – Dienstag, 28.01.2025 – Seetag
Seetage, ein volles Schiff und schlechtes Wetter sind eine sehr unglückliche Konstellation auf der ARTANIA.
Wobei schlechtes Wetter so zu definieren ist: Es nicht besonders gemütlich draußen zu sitzen.
Die Temperatur betrug heute nur ca. 15 Grad, es war bewölkt, aber trocken und es wehte ein teils kräftiger Wind, sprich wir hatten schlechtes Wetter gemäß obiger Definition.
Da die Leute sich wetterbedingt nicht auf den Außendecks um die Liegestühle streiten konnten, fand das Bordleben ausschließlich im Inneren statt.
Wir hatten Glück, in der Bibliothek den letzten noch freien Tisch zu erwischen.
Beim Mittagessen war jedoch etwas Geduld angesagt. Vor den Eingängen des Lido-Restaurants bildeten sich kleine Warteschlangen, denn die „freie Platzwahl“, wie sie im Katalog beschrieben ist, konnte mangels freier Plätze nicht erfolgen. Vielmehr musste man warten, bis man an der Reihe war und von der Restaurantaufsicht eingelassen wurde, wenn wieder PLätze freigeworden waren.
An solchen Tagen ist die 1 ½-stündige Öffnungszeit von 12:30 – 14:00 Uhr zu knapp bemessen.
Hier wird meines Erachtens der Betrieb mit einer zu dünnen Personaldecke gefahren, denn sonst könnte an solch “kritischen“ Tagen auch eine längere Öffnungszeit angeboten werden, etwa von 12:00 – 14:00 Uhr, was die Situation entzerren würde.
44. Reisetag – Mittwoch, 29.01.2025 – Ushuaia/Argentinien
Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt mit 83.000 Einwohnern, ist Ausgangspunkt für Expeditionsschiffe, die in die Antarktis fahren. Wobei die meisten dieser Expeditionen nicht wissenschaftlich orientiert sind, sondern rein touristisch.
Allerdings sind Kreuzfahrten auf diesen Schiffen, die eine spezielle Eisklasse nachweisen müssen, ...
... um ein Vielfaches teurer als „normale“ Kreuzfahrten. Eine 3-Wochenkreuzfahrt auf einem solchen Schiff kostet fast genau so viel wie eine Weltreise in der Holzklasse auf der ARTANIA.
An der Pier lagen neben der ARTANIA 3 weitere Kreuzfahrer und zwar sehr luxuriöse.
- Die ULTRAMARINE , ein Expeditionsschiff für nur 199 Passagiere aber mit 140 Mann/Frau Besatzung
- Die OCEAN VICTORY hat mit 200 Passagieren und der 100-köpfigen Besatzung ein etwas schlechteres Verhältnis von Passagieren zu Besatzung als die ULTRAMARINE. (Im Vergleich dazu die Artania 1260 Passagiere zu 510 Besatzungsmittglieder.)
- Die Odyssey VILLA VIE RESIDENTIALS hat gar keine Passagagiere, sondern Eigentümer, die eine der ca. 350 Kabinen gekauft haben.
Durch die Kreuzfahrtschiffe zunächst verdeckt, sahen wir, nachdem wir von Bord der ARTANIA gegangen waren, einen alten Segler mit einer Harpune am Bug.
Da Walfänger inzwischen aus der Mode gekommen sind, dachten wir, dass es sich um eine Art Museumsschiff handeln könnte.
Aber aus der Nähe stellten wir fest, das junge Leute an Bord waren und Lebensmittel gebunkert wurden.
Der Rumpf der EUROPA, so der Name des Seglers, war einst das Feuerschiff Elbe 4 (bis 1977) und wurde dann zu einem Segler umgebaut (siehe auch https://www.barkeuropa.com). Die Harpune ist wohl nur nostalgische Deko.
Außer als Startpunkt für Expeditionen in die Antarktis besticht Ushuaia durch seine Landschaft und Nationalparks.
Wir begnügten uns allerdings mit einem ausgiebigen Stadtrundgang.
Die Strecke wurde uns vorgegeben von einem sogenannten Adventure Lab. Hierzu nur soviel: Ein Adventure Lab ist mit einer Fußgängerrallye vergleichbar, gehört aber in die Familie der Geo-Caches.
So ergab sich ein Stadtrundgang von knapp 7 Kilometern.
Auf einem Parkplatz stach uns ein bunter klappriger Bus ins Auge.
Um ins Innere schauen zu können, presste ich neugierig meine Nase von außen an die Frontscheibe. Der Bus war innen zum Wohnmobil ausgebaut und an einem Tisch vor einem Laptop saß der Eigentümer und hatte mich natürlich sofort bemerkt. Er winkte mir freundlich zu und ich winkte zurück.
Er kam sogar heraus und er erzählte uns, dass er mit diesem Vehikel durch die Gegend reist.
Bei Interesse kann man seinen Instagram-Kanal besuchen.

Auf dieser Tafel stachen sofort die Farben schwarz-Rot-Gold ins Auge. Die Übersetzung des spanischen Textes: Dieses Werk ist eine Hommage an Gunther Plüschow, den Pionier der patagonischen Luftfahrt, der am
3. Dezember 1928 als erster Mensch Ushuaia per Flugueug erreichte.
Um 19:00 Uhr verließen wir Ushuaia und damit unseren letzten Hafen in Argentinien.
45. Reisetag – Donnerstag, 30.01.2025 – Seetag (Kap Hoorn)
„Vom Zuckerhut rund ums Kap Hoorn bis nach Chile!“, so lautet ja bekanntlich der offizielle Titel dieser Etappe. Also ist heute ein ganz besonderer Reisetag, denn der Teil „rund ums Kap Hoorn“, der südlichsten Spitze von Südamerika, stand an.
Diese Spitze befindet sich auf der kleinen Insel Isla Hornos (28 km2).
Laut Plan sollte die Passage zwischen 8:00 und 9:00 Uhr in Angriff genommen werden, demzufolge klingelte heute früh schon um 7:00 Uhr unser Wecker.
Das Wetter war zumindest in Ansätzen so, wie man es sich um Kap Hoorn vorstellt: Regen, Wind und schlechte Sicht.
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Die Positionsanzeige auf Kanal 1 des Bordfernsehens zeigte gegen 7:15 Uhr, dass es noch eine Weile dauern wird, bis der südlichste Punkt erreicht ist.
Anhand der angezeigten Schiffsposition auf Kanal 1 im Bordfernsehen und auf Google-Maps konnten wir uns ausrechnen, dass bis zum Erreichen des südlichsten Punktes unserer Reisen noch etwas Zeit ist.
Nach einem kurzen Ausblick auf Isla Hornos auf dem Promenadendeck gingen wir erst einmal zum Frühstück.
Gegen 8:30 Uhr, wir waren gerade mit dem Frühstück fertig, passierten wir die Westseite von Isla Hornos mit dem Leuchtturm und dem Denkmal für die vor Kap Hoorn ertrunkenen Seeleute (mehr als 10.000).
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Wir hatten Glück, die Sicht war besser geworden.
Der kleine Fleck links ist der Leuchtturm und
das silbrige Gebilde auf dem Hügel rechts ist das Denkmal.
Kapitän Hansen drehte noch eine zusätzlich Runde um Isla Hornos.
Beim erneuten Passieren des Leuchtturms hatte sich das Wetter erheblich verbessert. Doris, nun ausgestattet mit einem richtigen Fotoapparat und einem kräftigen optischen Zoom statt nur mit einem Smartphone, schoss noch einige Fotos , auf denen ein paar Details mehr erkennbar sind.
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Das Albatros-Denkmal mit dem Gedicht der Dichterin Sara Vial ist den etwa zehntausend Menschen gewidmet, die hier am größten Schiffsfriedhof der Erde ihr Leben verloren.
Die Übersetzung der Inschrift:
Ich bin der Albatros, der am Ende der Welt auf dich wartet.
Ich bin die vergessene Seele der toten Seeleute,
die Kap Hoorn ansteuerten von allen Meeren der Erde.
Aber sie sind nicht gestorben vom Toben der Wellen.
Denn heute fliegen sie auf meinen Flügeln in die Ewigkeit.
Nach diesem Rundkurs fuhr aber die ARTANIA nicht weiter westlich in den Pazifik, sondern machte kehrt, um am frühen Abend wieder in den Beagle Kanal einzubiegen, aus dem wir gestern in der Gegenrichtung von Ushuaia in den offenen Atlantik gefahren waren.
Genaugenommen war unsere heutige Route gar keine richtige Passage um das berühmt-berüchtigte Kap Hoorn, sondern nur ein kurzes Streifen oder Antippen. Umrundet wurde lediglich Isla Hornos
Aber egal, jetzt wollen wir mal nicht so pingelig sein.
Übrigens ist der Beagle Kanal kein künstlicher Kanal, wie etwa der Nord-Ostsee-Kanal, sondern eine Gewässerstrecke zwischen dem Inselgewirr, welches dem südamerikanischen Festland vorgelagert ist, und den Atlantik und den Pazifik verbindet.
Die erneute Einfahrt in den Beagle Kanal verzögerte sich allerdings wegen der dort herrschenden Windverhältnisse um 2½ Stunden. So lange dümpelten wir in einer Warteschleife im Atlantik, bogen dann schließlich wieder in den Beagle Kanal ein und passierten noch einmal Ushuaia.
Ab 21:00 Uhr erreichten wir die sogenannte Gletscherallee.
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Wir bezogen unseren Beobachtungsposten dann auf dem Promenadendeck (Deck 4).
Hier waren wir auch näher an unserer (warmen) Kabine.
Trotz Wind und niedrigen Temperaturen waren die meisten Passagiere auf den Außendecks unterwegs, um die „Gletscherparade“ abzunehmen.
In der Kopernikus-Bar wurde Eintopf angeboten, um den Witterungsunbilden besser trotzen zu können.
Von den 5 Gletschern, mit den Namen Holanda, Italia, Francia, Alemania und Romanche, die sich alle an der Steuerborseite befanden, konnten bis zu vollständigen Dunkelheit kurz nach 22:00 Uhr, die ersten vier noch bei Tageslicht bestaunt ...
... und vor allem fotografiert werden.
46. Reisetag – Freitag, 31.01.2025 – Punta Arenas/Chile
Über den Beagle Kanal und die Magellanstraße, ein unübersichtlicher Wirrwarr von Kanälen und Fjorden erreichten wir gegen 11:00 Uhr unsere erste chilenische Destination, Punta Arenas, eine Stadt mit 150.000 Einwohner.
An der Pier lag die VASCO DA GAMA von Nicko Cruises, sodass wir auf Reede liegen mussten und tendern, um an Land zu kommen.
Da die ersten Phoenix-Ausflüge erst für 12:30 angesetzt waren, durften die „freien Landgänger“ schon mit den ersten Tenderbooten übersetzen, die ab 11:45 Uhr ihren Dienst aufnahmen.
Satt Mittagessen stärkten wir uns notdürftig mit der 11-Uhr-Bullion, die, wenn die ARTANIA noch auf See ist, an der Phoenix-Bar ausgegeben wird.
Wir erwischten tatsächlich ohne Wartezeiten einen Tender, der uns an Land brachte.
Auch das Wetter war uns hold. War es am Vormittag noch bewölkt und kühl, zeigte sich jetzt die Sonne, dass wir bald eine Schale von unserer Zwiebel-Look-Garderobe ablegen konnten.
Unser Landgangskonzept war, wie in Ushuaia auch, dass wir uns über einen Adventure Lab fußgänger-rallye-mäßig durch die Stadt zu 5 verschiedenen Sehenswürdigkeiten lotsen ließen.
Uns fielen sehr positiv die rücksichtsvollen Autofahrer an den Zebrastreifen auf.
In Ushuaia hatten die Zebrastreifen einen rein dekorativen Charakter, denn die argentinischen Autofahrer dachten nicht im entferntesten daran, anzuhalten, wenn wir deutlich sichtbar die Straße überqueren wollten. Im Gegenteil, sie gaben noch ein wenig mehr Gas, wahrscheinlich deshalb, weil dadurch unsere Wartezeit am Straßenrand verkürzt wurde.
Ganz anders hier die chilenischen Fahrzeuglenker. Sobald wir uns auch nur einem Zebrastreifen näherten, hielten sie an, einige schalteten zusätzlich noch die Warnblinkanlage an.
Sogar wenn wir eine Straße ohne Zebrastreifen überqueren wollten, hielten viele Autos an und winkten uns über die Straße.

Monumento A Tripulantes Goleta Ancud
Dieses Denkmal ist den Besatzungsmitglieder des Segelschiffs ANCUD gewidmet, die die Magellanstraße 1843 für Chile annektiert hatten
Gegen 17:00 Uhr tenderten wir wieder zurück auf der ARTANIA.
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Um 19:30 wurde der Anker gelichtet. Vor uns lagen 3 Tage an denen wir in den chilenischen Kanälen und Fjorden kreuzen werden.
47. Reisetag – Samstag, 01.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (1)
Das Wetter ist nach wie vor bescheiden.
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Die Karte aus dem Bordfernsehen zeigt die zurückgelegte (gelb) und die vor uns liegende (orange) Strecke.
(Die Landesgrenzen sind braun und ähneln leider sehr der orangen Streckenführung)
Das ist sehr schade, denn die imposanten Landschaften backbord und steuerbord entlang der Kanäle und Fjorde, die wir durchkreuzen, könnte man bei Sonnenschein und auf den Außendecks viel besser genießen.
So müssen uns halt mit dem Blick aus den Fenstern begnügen.
Gegen 15:30 Uhr klarte es rechtzeitig etwas auf, denn die ARTANIA steuerte im Peel Fjord auf den gigantischen Amalia-Gletscher zu.
Dem Apell des Kapitäns, sich dieses Naturereignis auf den Außendecks anzusehen, folgten die meisten Passagiere, obwohl genau parallel zu dieser Zeit die Kaffeestunde stattfand – Pech für den Kuchen.
Heute stellte ich einen weiteren Teil dieses Reiseblogs online, wofür ich einen intakten Internetzugang brauche. Das Internet auf dem Schiff ist mittlerweile stabil und genügend schnell. Der Ärger, dass man manchmal minütlich rausflog und sich neu anmelden musste oder der Verdruss über Totalausfälle und elend langes Warten, bis sich eine Seite aufgebaut hat, gehören nun endgültig der Vergangenheit an.
Die Internet-Flatrate auf der ARTANIA für die gesamte Reise ist zwar teuer (799,00 €), aber mittlerweile das Geld auch wert.
Noch vor einigen Jahren hatte ich diese Kosten gescheut und habe auf unseren Landgängen oft das Netbook im Rucksack mitgenommen, um freies WLAN zu suchen, damit ich Text und Fotos (etliche Megabytes) hochladen konnte. Das ist natürlich mit der Flatrate an Bord viel komfortabler und das Netbook braucht nicht mit an Land.
Auch die Beschaffung von Informationen über die verschiedenen Reiseziele im Internet selbst ist sehr viel einfacher geworden. Gerade über unsere Ziele der letzten Wochen in Südamerika gab es viele interessante Internetseiten auf Spanisch. Mit einem einzigen Mausklick übersetzt der Firefox-Browser fremdländische Sprachen, egal ob Spanisch, Englisch oder Portugiesisch mühelos in ein verständliches Deutsch.
48. Reisetag – Sonntag, 02.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (2)
Das Wetter blieb weiterhin unverändert trübe.
Gegen 12:00 Uhr, die ARTANIA kreuzte gerade im Messier-Kanal, “mussten“ alle Mann/Frau raus an Deck zum Fotografieren, denn wir passierten das Wrack des Frachters Capitàn Leonidas.
Das Schiff wurde am 7. April 1968 absichtlich auf Grund gesetzt.
Der Kapitän wollte das Schiff wegen eines Versicherungsbetrugs versenken. Das Schiff wurde jedoch nur auf Grund gesetzt und der Betrug flog auf. Das Wrack benutzt die chilenische Marine manchmal als Ziel für ihre Schießübungen.
Sonntags wird zur Kaffeestunde normalerweise Schwarzwälder Kirschtorte (Black Forrest Cake) angeboten. Normalerweise, denn wenn sonntags eine Themen-Kaffeestunde stattfindet, wie z. B. “Alles Schokolade“ oder “Wiener Kaffeehaus“, gibt es Gebäck und Süßspeisen, die dem jeweiligen Thema geschuldet sind, aber eben keine Schwarzwälder Kirsch.
Gegenüber dem Hoteldirektor flachsten wir vor einiger Zeit einmal tränenreich, dass wir das hinterhältige Aushebeln der Schwarzwälder-Kirsch-Verköstigung durch diese Sonderveranstaltungen missbilligen würden.
Und heute war es wieder soweit – Wiener Kaffeehaus – Schwarzwälder Kirsch ade!
Aber dann die glückliche Wende. Am Vormittag besuchte uns der Hoteldirektor im Büro (also in der Bibliothek), wo ich ein wenig am Blog arbeitete und er eröffnete uns, dass es trotz Wiener Kaffeehaus dennoch Schwarzwälder Kirsch geben würde. Wir könnten diese beim Kellner bestellen.
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Heute war das Wiener-Kaffeehaus-Buffet zusätzlich mit thematisch passenden Kohlezeichnungen dekoriert, die ein Crewmitglied angefertigt hatte.
Pünktlich um 15:30 Uhr eilten wir in das Restaurant Vier Jahreszeiten.
Dort wurde schon das Kuchenbuffet gestürmt, wo Sachertorte, Hawelkas Gugelhupf, Kaiserschmarren, Topfenstrudel etc. auf die ausgehungerten Passagiere wartete. Schwarzwälder war an dem Buffet natürlich nicht präsent, denn das wäre Stilbruch, politisch nicht korrekt und kulturelle Aneignung gewesen.
Wir nahmen an einem Tisch Platz und fragten vorsichtig beim Kellner nach, ob man tatsächlich Black Forrest Cake ordern könne. Der Kellner wusste tatsächlich Bescheid, entschwand und kam mit 2 Tellern wieder, auf jedem ein Tortenstück, doppelt so breit wie normal und auch noch doppelt so hoch. Der Konditor hatte anscheinende jeweils 2 breite Tortenstücke irgendwie übereinander drapiert.
Grinsend servierte uns der Kellner diese Ungetüme.
Genüsslich machten wir uns über die dargereichte Atzung her, die neidischen Blicke der benachbarten Kaffeehaus-Besucher ignorierend.
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Die grandiose vorbeiziehende Fjordlanschaft konnten wir wetterbedingt nur durch die Panoramafenster bewundern.
Zum Abendessen begnügten wir uns mit einem Teller Chilenische „Pantrucas“ Gaucho Suppe, für mehr war kein Platz.
49. Reisetag – Montag, 03.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (3)
Im letzten Blogbeitrag (Eintrag vom 27.1.2025) hatte ich meine Verwunderung ausgedrückt, dass der MLP-Finanzberater Matthias Uffelmann an Bord Vorträge hält, ohne “zuzugeben“, dass er für den (teilweise umstrittenen) Finanzdienstleister MLP arbeitet.
In Facebook hat eine Passagierin als Reaktion auf meinen Blog diesen Kommentar gepostet, der genau auf meiner Linie liegt.
Diese Passagierin, Barbara Moormann, arbeitet als selbstständige Journalistin. Ihre Fachgebiete sind Geldanlagen und Steuern.
Sie sprach mich gestern in “meinem Büro“ an. Sie hatte Herrn Uffelmann direkt mit seiner MLP-Tätigkeit konfrontiert und ihm gegenüber geäußert, dass es sich gehören würde, wenn zumindest in den Vorankündigungen im Tagesprogramm ein Hinweis auf MLP erscheinen würde. Angeblich hat er erwidert, dass er damit kein Problem hätte. Allerdings waren für seine Vorträge am 1.2.2025 “Die Immobilie als Kapitalanlage“ und am 2.2.2025 “Pflegevorsorge - Gut abgesichert im Pflegefall“ wieder keine Hinweise auf MLP im Tagesprogramm zu finden.
Ich bin nach wie vor skeptisch. Zwar versicherte Herr Uffelmann der Dame, dass er keine Neukunden mehr annehme und deswegen auch keine Adressen akquirieren würde, aber er hatte in einem seiner Vorträge angeboten, dass Interessenten kostenlos ein an sich kostenpflichtiges Finanzanalyse-Tool nutzen könnten. Er hat zu diesem Tool einen persönlichen Internetzugang und würde diesen Zugang zur Verfügung stellen. Die Analyse kann anonym durchgeführt werden, man müsse “nur“ seine E-Mail-Adresse hinterlegen.
Nach solch einer Analyse steht sicherlich ein konkretes Finanzprofil verknüpft mit einer E-Mail-Adresse zur Verfügung und das im Zugriff eines MLP-Finanzberaters.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich Herrn Uffelmann schreiendes Unrecht tue, kann ich nicht glauben, dass solch ein Datenschatz ungenutzt bleibt, egal ob von ihm selbst oder von einem seiner MLP-Kollegen.
Auf alle Fälle sind seine Vorträge ein voller Erfolg. Das Bordkino, in dem er die Vorträge hält, ist immer bis auf den letzten Platz besetzt. Nach den Vorträgen bildet sich eine Traube von Fragestellern um den Referenten; die Leute sind sehr interessiert. Ja, wer möchte nicht, dass sich sein Geld wie von selbst kräftig vermehrt.
Ob sich aber Phoenix auf lange Sicht mit solch einem Vortragskonzept einen Gefallen tut, bleibt dahingestellt. Mir drängt sich in diesem Zusammenhang der Begriff “Kaffeefahrt“ auf.
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Auch am 3. Tag in den chilenischen Fjorden war das Wetter wieder schlecht. Trübe Sicht, sehr oft Regen und starker Wind.
50. Reisetag – Dienstag, 04.02.2025 – Castro/Insel Chiloé/Chile
Eigentlich hatten wir für heute über die Internetseite einen privaten Ausflug gebucht (u.a. Besuch einer Pinguinkolonie), den wir leider wieder stornieren mussten, da Doris kränkelte – ARTANIA-Husten + alle möglichen Erkältungssymptome.

Die wenigen Plätze "oben" im Tenderboot sind die beliebtesten, sie haben nämlich den Vorteil, dass man zu den Ersten gehört, die wieder aussteigen können. Der Zeitgewinn kann bis zu 5 Minuten gegenüber dem zuletzt Aussteigenden betragen. Doris und ich haben allerdings noch nie um diese Plätze gekämpft.
Die ARTANIA lag auf Reede und ich tenderte notgedrungen solo an Land ...
... und unternahm einen ausgiebigen Stadtrundgang in der quirligen City mit den unzähligen kleinen Läden und Geschäften.
Das Wetter zeigte sich endlich mit sonnigen 20° von seiner freundlicheren Seite.
Castro ist eine quirlige bunte Stadt mit 34.000 Einwohnern, die sich im Chiloé-Archipel befindet.
Eine der wenigen Sehenswürdigkeiten ist die zum Weltkulturerbe gehörende Pfarrkirche San Francisco de Castro.

Der zentrale Omnibus Bahnhof.
Unzählige Schalter der verschiedenen Busgesellschaften und ein Kommen und Gehen unzähliger Busse. Ich denke, hier kommt die Fahrplanauskunft von Google an ihre Grenzen.

Eine typische Geschäftsstraße. Wegen des dichten Verkehrs ist eine Aufnahme ohne ein Fahrzeug fast unmöglich.
Mein Trost: Dadurch wird die Aufnahme authentisch. 😊
Nach 3 Stunden ging es per Tenderboot wieder zurück zur ARTANIA.
Das heutige Tendern war die wahre Freude, keine Wartezeiten und das Boot nur halb gefüllt.
Um 20:00 Uhr wurde der Anker gelichtet und weiter ging die Reise.
51. Reisetag – Mittwoch, 05.02.2025 – Puerto Montt/Chile
Hier in Puerto Montt bestand wieder mal die Hafenbehörde darauf, ihre eigene Gangway an die ARTANIA anzuklöppeln. Erfahrungsgemäß geht so ein Vorhaben meist nie glatt. Wen wundert’s, dass die Durchsage kam:
"Die geplanten Ausflugszeiten verschieben sich mindestens eine halbe Stunde nach hinten, da es Schwierigkeiten gibt, die hafeneigene Gangway anzubringen.“
Der Wetterbericht sagte für heute bedeckten Himmel und Wind voraus, aber keinen Regen.
Den Landgang musste ich auch heute alleine antreten, da Doris immer noch von dem ARTANIA-Husten geplagt wurde. Der ARTANIA-Husten scheint seit vielen Jahren eine Dauerseuche hier auf dem Schiff zu sein, das halbe Schiff hustet.
Ich trabte also allein los, ohne genaues Ziel und Plan. In so einem Fall strebt man am Besten auf den Plaza de Armas (Paradeplatz) zu, den es anscheinend in jeder chilenischen Stadt gibt und der in den Reiseführern erwähnt wird.
Auf dem Weg dorthin kam ich an einem kleinen Fähranleger vorbei.
Von hier setzte ein kleines Fährboot zur nahe gelegenen Insel Tenglo über.
Die wenige Minten dauernde Fahrt sollte 1.000 Pesos (1 €) kosten und da meine chilenische Barschaft noch stolze 4.000 Pesos betrug, konnte ich mir eine Fahrt auf die Insel und - was besonders von Belang ist - auch die Rückfahrt leisten.
Somit wurde das Projekt „Plaza de Armas“ auf Eis gelegt.
Die Insel Tenglo mit den vielen Booten am Strand ...
... und dem Kreuz oben auf der Bergspitze hatten wir schon vom Promenadendeck der ARTANIA gesehen und sie hatte gewisse touristische Begehrlichkeiten geweckt.
Drüben angekommen ...

Isla Tenglo hat ca. 1000 Bewohner und anscheinend genausoviele freilaufende Hunde, die sich aber alle als harmlos erwiesen.
... machte ich mich gleich auf dem Weg zum “Gipfelkreuz“, ...
... das sich laut GPS 101 Meter über dem Meeresspiegel befindet.
Der Weg dorthin war steil, sehr steil.
Meine Smartwatch meldete einen Puls von 125, als ich oben ankam.
Die Aussicht war allerdings nur mittelprächtig bis trüb.
Zu allem Überfluss erwies sich die prognostizierte Regenwahrscheinlichkeit von 0% als unzutreffend, ...
... denn es fing an zu regnen, nicht besonders heftig, aber der starke böige Wind sorgte dafür, dass der Regen nicht von oben, sondern von vorn sein Unwesen trieb und mein Schirm rein gar nichts dagegen ausrichten konnte.
Der daraufhin eingeleiteter Rückzug erfolgte ohne besondere Vorkommnisse, wenn man davon absieht, dass ich nasser und nasser wurde.
Das Fährboot wollte gerade abfahren und wartete zum Glück dann doch noch freundlicherweise auf mich.
Völlig durchnässt kam ich auf der ARTANIA an.
Ich hoffe, dass das Regenabenteuer nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit einem Infekt ist, egal ob bakteriell oder viral. ☹
Der eigentliche Grund, warum Puerto Montt angelaufen wird, ist unter anderem der 2652 m hohe Vulkan Osorno (und nicht unbedingt Isla Tenglo).
Einen wunderschönen Panoramablick auf den Osorno hat man vom Ufer des Llanquihue-See. Hierhin gingen heute auch einige Ausflüge.
Leider war den Ausflüglern der Panoramablick auf den kleiner Fuji, wie der Osorno auch genannt wird, auf Grund der Witterung verwehrt.
Die Abfahrt aus Puerto Montt wurde von ursprünglich 18:00 Uhr auf 17:00 Uhr vorverlegt.
Einer der Flüge übermorgen, der die abreisenden Passagiere nach Hause bringen soll, geht schon sehr früh am Morgen los. Deshalb will die ARTANIA übermorgen, nach einem Seetag, in San Antonio statt wie geplant um 8:00 Uhr, schon um 6:00 morgens ankommen.
Jetzt mussten sich die Hafenarbeiter, die Lebensmittel verluden, ein wenig beeilen. Nicht nur die frühere Abfahrt, sondern auch die fortschreitende Ebbe trieb sie zur Eile an. Wegen der Ebbe befand sich die Ladeluke auf Deck 1 jetzt unterhalb der Pier, sodass die Kisten nicht mehr mit Gabelstablern ins Schiffsinnere verbracht werden konnten, sondern mit einem Kran umständlich auf Deck 4 an die Phoenix-Bar gehievt und von dort von der ARTANIA-Crew in die Laderäume verfrachtet werden mussten.
52. Reisetag – Donnerstag, 06.02.2025 – Seetag
Den gestrigen Gala-Abend feierten wir mit Schnitzel und Hot Dogs, die wir über den Kabinenservice orderten. Getrübt wurde das Festmahl durch die Tatsache, dass das chilenische Bier, das ich in Castro gekauft hatte, nicht richtig temperiert war, obwohl es im Kühlschrank in der Kabine gelagert wurde.
Eine Temperaturmessung im Kühlschrank mit unserem Zimmerthermometer ergab eine Temperatur von viel zu hohen 18°.
Da der Kühlschrank keine Temperaturregelung besitzt, baten wir über die Rezeption einen Techniker zu schicken, der irgendwie eine tiefere Temperatur einstellen sollte.
Der Techniker kam, fackelte nicht lange und tauschte den Kühlschrank durch einen Neuen aus, der ordentlich kühlt.
Ein rustikales Mittagessen konnten wir im Rahmen des Bayerischen Frühschoppens einnehmen.
Da morgen der Reiseabschnitt zu Ende geht, luden der Kapitän und der Kreuzfahrtdirektor zum Abschiedscocktail in die Atlantik-Show-Lounge ein.
Die Prozedur und die Reden sind immer die gleichen und wir kennen das alles bereits zur Genüge, einschließlich der schmissigen Version von “Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“, zu der alle begeistert im 2/4-Takt mitklatschen.
53. Reisetag – Freitag, 07.02.2025 – San Antonio (1)/Chile
Die Idee, von San Antonio mit dem Bus in die gut 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Santiago (5 Millionen Einwohner) zu fahren, hatten wir gestern Abend eigentlich wieder verworfen, weil Doris sich noch nicht fit genug fühlte.
Da sie aber heute Morgen meinte, wieder Bäume ausrei?en zu können, buchten wir bei für 11:00 Uhr eine Fahrt in die chilenische Hauptstadt (Fahrpreis für uns beide zusammen: 12,19 €) . Für die Rückfahrt wählten wir die Abfahrtszeit 14:45 Uhr. Damit hatten wir 2 Stunden in Santiago, was in Sachen Bäume ausreißen fürs Erste genügen sollte.
Bei der Buchung für die Rückfahrt nutzten wir die (kostenpflichtige) Option, die Sitzplätze selbst auszuwählen (Fahrpreis für uns beide zusammen: 14,45 €).
Wir wählten die besten Plätze, die es in einem Reisebus gibt, nämlich in der ersten Reihe die beiden Sitze rechts, denn da kann man nicht nur rechts aus dem Fenster sehen, sondern auch nach vorne durch die große Frontscheibe.
Diese exponierten Sitze werden bei Phoenix-Ausflügen ausschließlich von “Goldgästen“ besetzt.
Hierzu muss ich zum besseren Verständnis ein wenig ausholen.
Bei Phoenix gibt es 3 verschiedene “Klassen“ von Gästen.
- keine Bezeichnung: Gäste in den Kabinen ohne Balkon
- Silbergäste: Gäste in den Balkonkabinen
- Goldgäste: Gäste in den teuersten Suiten (die natürlich auch Balkone haben)
Die Gold- und Silbergäste erhalten zusätzlich Sekt, Blumen auf die Kabine und sonstige Goodies an Bord. Das ist auch vollkommen OK, denn die entsprechenden Kabinen sind ja auch signifikant teurer als die Unterkünfte in der “Holzklasse“.
Bei Ausflügen gibt es für die Goldgäste das zusätzliche Privileg, schon in die Ausflugsbusse einsteigen zu dürfen, wenn der Rest der Ausflügler (Silber und Holz) noch in der Atlantik-Show-Lounge warten muss, bis sie von der Lounge an die Busse geführt werden.
Logisch, dass dann die vorderen Reihen schon besetzt sind.
Ich finde dieses Privileg übrigens nicht in Ordnung, auch wenn wir kaum an solchen Ausflügen teilnehmen, denn für die Ausflüge wird klassenunabhängig von allen der gleiche Preis bezahlt.
Der Silber- und Holzgast hat also nie die Chance, einmal einen der begehrten Plätze in den vorderen Reihen zu ergattern.
Außerhalb des Schiffs und bei Leistungen, für die alle Gäste den gleichen Preis bezahlen, dürften die “Klassenunterschiede“ eigentlich keine Rolle mehr spielen - das tun sie aber!
Soviel zu den Goldgästen bei Phoenix, aber jetzt hatten wir uns ja für ca. 2 Euro einen Gold-Platz im FlixBus gekauft.
Der Busbahnhof in San Antonio war übersichtlich, sodass der richtige Bussteig mit nur einmal fragen gefunden wurde.
Der Bus war auf die Minute pünktlich.
Leider war die Sicht nicht sehr gut, sodass die Anden, an deren Fuß Santiago liegt, mit den schneebedeckten Gipfeln beim Annähern an die Stadt nicht klar zu sehen waren.
Nach 1 Stunde 45 Minuten kamen wir in Santiago in der Estación Central an.
Der Busbahnhof Terminal San Borja, der Teil der Estación Central ist, hat fast 100 Bussteige, also ist entsprechend groß und unübersichtlich.
Die Bussteige sind nummeriert, dass ist aber schon die einzige Hilfestellung, denn Fahrpläne und Monitore mit Informationen gibt es keine.
Wir wussten vom Busfahrer, dass wir von Bussteig 40, wo wir angekommen waren auch wieder zurückfahren müssen.
Jetzt hatten wir aber erst einmal das Problem, den Ausgang zu finden. Nach einiger Zeit kamen wir dahinter, dass sich der Busbahnhof quasi im Obergeschoss befand und ein Stock tiefer die Ausgänge sein müssten. Aber auch hier war zunächst einmal weit und breit kein Ausgang (oder entsprechende Wegweiser) zu finden. Wir schienen gefangen in einer unübersichtlichen Shopping Mall mit Kaufhäusern, Schuh- und Modegeschäften, Elektronik-Läden, allen möglichen Gastronomien und dem Fernbahnhof, aber nirgendwo Ausgänge.
Kein Wunder, wir befanden uns an der Stirnseite eines rechteckigen Gebäudekomplex und die Ausgänge waren auf der gegenüberliegenden Seite in 448 Meter Entfernung (ich habe das mit Google Maps nachgemessen).
Nachdem wir endlich draußen waren, erwartete uns ein buntes Treiben von Händlern und Ständen vor und hinter einem hohen grünen Metallzaun, der die Estación Central umgab.
Der Hauptstrom der Tausende von Menschen, die hier in diesem eingezäunten Bereich wuselten, kam anscheinend von der Metro, die hier auch ihre Ein- und Ausgänge hat, den beiden Parkdecks unterhalb der Estación Central, den Fernzügen und den Bussen.
Dieser Zaun schien unüberwindlich, sprich die Suche nach einem Ausgang begann von vorn.
Aber schließlich gab es doch ein kleines Schlupfloch, um ganz nach draußen zu kommen.
Nachdem wir in einem Schnellrestaurant etwas getrunken hatten, war es auch schon wieder an der Zeit uns in Richtung Busbahnhof zum Bussteig 40 zu bewegen.
Der grüne FlixBus kam und unsere Goldplätze erwiesen sich als der Flop des Jahrhunderts.
Statt freier Sicht auf Land und Leute, saßen wir praktisch vor einer Kunststoffwand.
Der komplette vordere Teil, wo der Busfahrer sitzt und sein Gefährt lenkt, ist eine Kabine mit Durchgang, durch den die Passagiere in den Mittelgang des Fahrgastraum gelangen um dann von dort ihre Plätze einzunehmen. Sind alle Passagiere im Bus, wird der Durchgang durch ein Paneel verschlossen.
Zu allem Überfluss befanden sich unsere Goldplätze über dem Vorderrad, sodass der Boden vor unseren Sitzen eine erhabene Rundung auswies. Ab 1,60 Meter Körpergröße saß man auch noch mit angezogenen Knien auf seinem Sitz, bedingt durch diese Bodenwelle.
Zum Glück war der Bus nur zur Hälfte besetzt, sodass wir uns reumütig zwei vernünftige Plätze aussuchen konnten.
Pünktlich auf die Sekunde (nicht übertrieben) fuhren wir los und kamen wohlbehalten in San Antonio wieder an.
54. Reisetag – Samstag, 08.02.2025 – San Antonio (2)/Chile
Für heute hatten wir uns nichts vorgenommen, da um 13:00 Uhr das Auslaufen terminiert war. Außerdem war bereits für 12:15 Uhr die für alle obligatorische Rettungsübung angesetzt, schließlich begann gestern ein neuer Reiseabschnitt, “Von Chile aus quer durch die Südsee nach Auckland!“, so der Titel.
Unser heutiger “Ausflug“ führte uns per Shuttlebus zum Passagier-Terminal am Hafenausgang, ...
... denn dort gab es freies WLAN.
Jetzt wird sich der aufmerksame Leser fragen, wieso wir wegen des WLANs ins Terminal fahren, wo wir doch auf dem Schiff unsere gekaufte Flatrate nutzen können und ich die Internetverbindung doch vor Kurzem erst gelobt hatte?
Die Antwort: Anscheinend beherrscht das Schiffs-WLAN nicht das gesamte Internet-Spektrum, der Fachmann spricht von Übertragungsprotokollen.
Der Verdacht kam bei uns deshalb auf, weil sich ein unbedingt notwendiges Update für die WhatsApp-Funktion unter WINDOWS nicht ausführen ließ. Es gab auch keine Fehlermeldung – es passierte einfach nix. Wir googelten uns den Wolf, um herauszufinden, woran das lag, aber wir fanden keinerlei Hinweise oder Problemmeldungen. Daher rührte unser Verdacht, dass das ARTANIA-Internet der Schuldige ist.
Im Passagierterminal angekommen meldeten wir uns im dort angebotenen WLAN an.
Und siehe da, das Update, das trotz einem Dutzend Versuche auf der ARTANIA nicht funktioniert hat, installierte sich hier klaglos, wenn auch sehr langsam.
Jetzt konnten wir wieder WhatsApp-Nachrichten auf dem PC senden und empfangen, was allemal komfortabler ist als auf dem Mini-Bildschirm des Smartphones.
Nach dem Ablegen kam kräftiger Wind auf, der sich zu einem Sturm entwickelt hatte, was „heftige Schiffsbewegungen“ (seemännischer Ausdruck für Schwanken) zur Folge hatte.
Das wiederum verursachte bei vielen Passagieren ein gewisses Unwohlsein, weshalb es zum Abendessen im Lido-Restaurant genügend freie Tische gab.
Das war heute beim Frühstück und zum Mittagessen ganz anders.
Schon beim Frühstück mussten die Gäste am Eingang warten, bis es freie Plätze gab auf die sie platziert wurden.
Der Engpass war meines Erachtens durch einen Planungsfehler verursacht. Die Restaurants ARTANIA und 4-Jahreszeiten schlossen bereits beide um 9:00 Uhr mit der Begründung, dass ab 9:00 Uhr ca. 300 Leute bereits mit Ausflügen unterwegs sind.
San Antonio selbst ist keine besonders attraktive Stadt, sodass für viele der verbliebenen 750 Gäste dieser Vormittag einen „Fast-Seetag“ darstellte und an solchen frühstückt man erfahrungsgemäß etwas später und hierfür stand nun mal einzig und allein das Lido mit seinen 280 Plätzen zur Verfügung.
Zum Mittagessen war die Situation noch gruseliger. Allerdings diesmal nicht wegen eines Planungsfehlers, sondern eher situationsbedingt.
Wegen dem Ende der Rettungsübung wurden die Öffnungszeiten auf 13:00 – 14:30 Uhr verlegt. Gleichzeitig lockte ab 13:00 Uhr die Auslaufparty mit kostenlosem Sekt, sodass die meisten Passageriere statt „in Ruhe“ in den Bedienrestaurants zu speisen, heute lieber das Selbstbedienungsrestaurant bevölkerten.
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Nachdem man glücklich eingelassen worden war, war man noch lange nicht an den Futternäpfen.
In diese lange Schlange mussten wir uns erst einmal einreihen und zwar ganz am Ende.
55. Reisetag – Sonntag, 09.02.2025 – Robinson Crusoe Insel/Chile
Diese knapp 50 km2 große Insel mit ca. 1000 Bewohnern liegt 670 Kilometer westlich von unserem letzten Ziel San Antonio im Pazifik.
Im Jahre 1704 wurde der schottische Seemann Alexander Selkirk auf dieser Insel ausgesetzt und lebte hier vier Jahre in völliger Einsamkeit.
Seine Geschichte inspirierte den Schriftsteller Daniel Defoe zu seinem Roman Robinson Crusoe.
Ursprünglich hieß die Insel Isla Más a Tierra und bekam erst 1966 ihren Namen in Anlehnung an die berühmte Romanfigur.
Die Insel hat keine große Pier, wo die ARTANIA anlegen könnte, also stand mal wieder Tendern auf dem Plan.
Der Sturm von gestern Abend hat sich im Laufe des heutigen Tages gelegt, aber ob getendert werden kann oder nicht, entscheidet sich immer erst vor Ort.

3 Tenderboote dümpelten in Wartestellung, während das vierte in Richtung Tenderpier zum Ufer unterwegs war.
Ich möchte es nicht allzu spannend machen und betitele deshalb die nächsten Zeilen mit
“Eine Choreographie des Nicht-Tenderns!“
Über die Bordlautsprecher informierte der Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka (der Jörn Hofer vor 2 Tagen abgelöst hat) über den Stand der Dinge wie folgt:
- Die Tenderboote werden zu Wasser gelassen.
- (Optimismus)
Die Wetterbedingungen sind gut, wir werfen noch keinen Anker und driften.
(Die weißen Schaumkrönchen im Uferbereich stimmen Doris und mich allerdings ein wenig nachdenklich.) - Eines der Tenderboote fährt Richtung Land, um die Behörden an Bord zu holen, die die Schiffsfreigabe erteilen sollen.
- Die Chancen stehen gut im Zeitplan zu bleiben.
- (Erste Abweichungen vom zuvor geäußerten Optimismus):
Der Hafenmeister rät wegen der starken ablandigen Winde vom Tendern ab. - (neue Hoffnung):
Nicht der Hafenmeister entscheidet, ob wir Tendern können, sondern unser Kapitän. - (Hoffnung zerschlagen):
Der Hafenmeister hat den Hafen geschlossen. - (Einsicht):
Der starke Wind von 30 Knoten hätte das Anlegen des Tenders sehr erschwert und es hätte die Gefahr bestanden, dass das Boot Schaden nimmt. Da die Tenderboote Rettungsmittel sind, wäre ein Ausfall äußerst problematisch. - Die Sicherheit der Passagiere und der Crew steht an erster Stelle.
- (Trost):
Wir werden die Insel mit der ARTANIA umfahren.
Es war wirklich sehr schade, dass wir die Insel nicht betreten konnten, aber es gibt (neben der Inselumrundung mit der ARTANIA) noch einen Trost.
Statt des Landgangs konnten wir um 15:30 Uhr zur Kaffeestunde gehen. Heute ist nämlich Sonntag und da gibt es Schwarzwälder Kirsch!!!
56. Reisetag – Montag, 10.02.2025 – Seetag
Heute war der erste von vier Seetagen. Am 14. Februar werden wir vor der Osterinsel dann den Anker werfen.
Auf dieses Ziel freuen wir uns ganz besonders, nicht zuletzt, weil es unser 3. Versuch ist, einen Fuß auf die Osterinsel zu setzen, um die monumentalen Steinskulpturen, die Moai, aus der Nähe zu sehen.
Unseren ersten Versuch unternahmen wir 2017, ebenfalls mit der ARTANIA. Damals konnten wir wegen der bewegten See nicht an Land tendern und mussten uns mit einem Blick durch das Fernglas begnügen.
Der zweite Anlauf war drei Jahre später während der ARTANIA-Weltreise 2019/2020. Die musste aber wegen Corona im März 2020 in Sydney abgebrochen werden, womit die Weiterfahrt durch die Südsee Richtung Südamerika ins Wasser fiel und damit war auch der Versuch bei der Osterinsel anzulanden im Keim erstickt.
Nun hoffen wir innständig, dass es diesmal klappen wird.
Doch gleich zu Beginn dieser Etappe gab es diesbezüglich ein großes ABER.
Laut Plan sollten wir von Freitag, den 14.2., 8:00 Uhr bis Samstag, den 15.2, 13:00 Uhr auf Reede vor Hangaroa an der Westküste der Osterinsel liegen. Damit hätten wir 1½ Tage Zeit gehabt, die 1000 Passagiere peu à peu an Land und wieder zurückzubringen.
Jetzt soll aber plötzlich und unerwartet am 15.2. ein großes Kreuzfahrtschiff, die MSC Magnifica mit 2.500 Passagieren, ebenfalls vor Hangaroa auf Reede liegen.
Deshalb müssten wir uns mit diesem Mammutschiff am Samstag die Tenderpier teilen. Das macht wenig Sinn.
Deshalb hat Phoenix umdisponiert und wir werden in der Nacht von Freitag auf Samstag unseren Ankerplatz verlegen und zwar an die Nordküste. Dort soll es eine Behelfsplattform geben, an der wir mit unseren Tenderbooten bei entsprechend ruhiger See anlegen können.
Bei uns schrillten sämtliche Alarmglocken ob solcher Änderungen und Ankündigungen. Wir befürchten ein wenig, dass wir an diesem Samstag keinen Fuß auf festen Boden bekommen werden.
- Wird die See ruhig genug bleiben?
- Ist die Behelfsplattform kompatibel mit unseren Tenderbooten oder ist sie zu hoch oder zu niedrig?
- Wird uns die Hafenbehörde erlauben, den provisorischen Anleger zu nutzen (und das am Wochenende)?
- Hat Phoenix tatsächlich eine Anlandung geplant oder sind die Ankündigungen reine Makulatur?
Aber lassen wir vorerst das Unkenrufen und sehen der Sache optimistisch ins Auge.
Übrigens war heute schon wieder Gala angesagt. Begrüßungscocktail, Foto mit Kapitän und Kreuzfahrtdirektor und Schlips und Kragen auch für die Schwänzer dieser Vergnüglichkeiten. Dabei liegt der letzte Galaabend (Abschiedsgala) gerade mal vier Tage zurück. Das ist nun mal das schwere Los bei den Langzeitreisen über mehrere Etappen.
Ich vermute aber, dass sich das Mitleid der Leser dieses Blogs in Grenzen hält. 😊
57. Reisetag – Dienstag, 11.02.2025 – Seetag
Schreck in der Morgenstunde (7:30 Uhr)!
Eine der ersten Tätigkeiten nach dem Aufstehen, noch vor dem Zähneputzen, besteht darin, Kanal1 des Bordfernsehens einzuschalten. Hier in der sogenannten Cruise-Show erfahren wir die aktuellen Kurs- und Wetterdaten. Bei den Kursdaten stutzen wir. Geschwindigkeit 10 Knoten, Entfernung zum nächsten Ziel, den Osterinseln, mehr als 1.000 Seemeilen. Die Ankunft ist in 3 Tagen um 8:00 Uhr vorgesehen, das heißt in 72 Stunden.
Eine einfache Rechnung ergibt:
10 Knoten x 72Stunden = 10 Seemeilen/Stunde x 72 Stunden = 720 Seemeilen.
Das hieße schlicht und ergreifend wir kämen viel zu spät an. Haben wir einen Maschinenschaden?
Entwarnung nach einigen Minuten!
Unser Dampfer nimmt wieder Fahrt auf und hält dann eine Geschwindigkeit von mehr als 16 Knoten.
Neue Rechnung:
16 Knoten x 72 Stunden = 1.152 Seemeilen.
Wir werden höchstwahrscheinlich rechtzeitig ankommen.
58. Reisetag – Mittwoch, 12.02.2025 – Seetag
Es ist schon etliche Tage her, dass wir mit dem Chefkoch, Aleksei Anisimov, zufällig gesprochen und erwähnten, dass Doris es bedauert, dass bei Grill-Events in der Kopernikus-Bar die Sauercreme für die Folienkartoffeln grundsätzlich mit Knoblauch versetzt ist.

Das Grillen an der Kopernikus-Bar erfreut sich immer großer Beliebtheit. Außerdem entlasten diese Veranstaltungen die Platzknappheit im Lido-Restaurant, das sich auf dem gleichen Deck befindet.
Doris hat, in den vielen Jahren als Berufspendlerin, in den vollen S- und U-Bahnen eine “Knoblauchallergie“ entwickelt.
Aleksei Anisimov zeigte volles Verständnis und meinte, dass er für Doris eine Portion knoblauchfreie Sauercreme bereithalten würde.
Heute war der Tag, an dem sich weisen sollte, ob der gute Küchenchef sich noch an seine Worte erinnern würde? Er wirbelt an der Grillstation hin und her und hält so den Laden am Laufen.
Aber als er uns erblickte, wandelte sich sein bis dato so angestrengter Gesichtsausdruck zu einem Lachen und er überreichte Doris ein Schüsselchen mit der Doris-Spezial-Sauercreme.
10 von 10 möglichen Punkten auf der Hut-ab-Skala für Herrn Anisimov. 😊
59. Reisetag – Donnerstag, 13.02.2025 – Seetag
Seit heute Vormittag fährt die ARTANIA nur noch mit spritsparenden 8,5 Knoten.
Eine kurze Rechnung (einfacher Dreisatz) ergab, dass wir rechtzeitig ankommen würden.
Abends, so ab halb zehn, zieht in Harry’s Bar das “Schnapsi-Duo“ seine Kreise.
Die Getränke-Stewardess Maricel und der Getränke-Steward Ervin präsentieren im täglichen Wechsel verschiedene hochwertige Spirituosen und weisen ihnen nicht ganz ernstgemeinte Eigenschaften zu (z. B. spräche man nach dem Genuss eines Gläschens Grappa hinterher perfekt Italienisch).
60. Reisetag – Freitag, 14.02.2025 – Hangaroa/Rapa Nui (Osterinsel)/Chile
Wir konnten es kaum glauben, pünktlich um 8:15 Uhr fuhren für die Vormittags-Ausflügler die ersten Tenderboote an Land.
Der Anleger lag am Rand der einzigen Stadt der Osterinsel, Hangaroa. Hier leben auch die meisten der ca. 8.000 Inselbewohner.
Wir hatten, entgegen unseren Gewohnheiten, für heute bei Phoenix einen Ausflug gebucht.
Die Chance auf der Osterinsel anlanden zu können ist schlechter als 50:50 und die Entscheidung, ob es klappt oder nicht wird sehr kurzfristig getroffen, sodass die Buchung eines individuellen Ausflugs ein hohes Risiko darstellt, auf den Kosten sitzen zu bleiben, insbesondere da die Ausflüge keine Schnäppchen sind.
Bei Phoenix-Ausflügen hingegen fallen keinerlei Stornokosten an, falls der Ausflug nicht stattfinden kann. Das ist bei einem Ausflugspries von 170 Euro pro Person durchaus ein Argument. In diesem Ausflugspreis ist der Eintritt für den Nationalpark in Höhe von 80 US-Dollar enthalten.
Zu diesem Nationalpark gehört praktisch die gesamte Insel bis auf die Stadt Hangaroa.
Das Sammeln für unseren Ausflug in der Atlantik-Show-Lounge war zwar erst für 13:00 Uhr angesetzt, aber wir tenderten schon am Vormittag an Land, denn es gab auch die Option, erst an Land zur Ausflugsgruppe hinzuzustoßen. Und am allerwichtigsten war für uns, erst mal einen Fuß an Land zu bekommen. Weiß man, was die Wellen am Nachmittag vorhaben werden? Und zurückbringen auf die ARTANIA wird man uns auf alle Fälle schon irgendwie – so unsere Gedankengänge.
Aber um die Spannung vorwegzunehmen, Wetter, Wind und Wellen blieben den ganzen Tag äußerst tenderfreundlich.

Noch vor dem Anlegen an der Tenderpier erspähten wir durch eine Luke des Tenderboots unseren erst Moai.
Um 11:00 Uhr betraten wir beinahe ehrfurchtsvoll Rapa Nui, so lautet der polynesische Name der Osterinsel.
Die Osterinsel liegt 3.500 Kilometer vom südamerikanischen Festland entfernt und gehört zu Chile. Aber des einzige chilenische auf dieser Insel ist die Währung und die spanische Amtssprache, kulturell und ethnisch gehört sie eindeutig zu Polynesien.

Dieser Wagen mit den seltsamen Figuren erinnerte uns stark an einen Motivwagen im Rosenmontagszug.
Wir sollten später noch erfahren, dass wir damit gar nicht so falsch lagen.
Da wir bis zum Beginn des Ausflugs noch gut zwei Stunden Zeit hatten, machten wir einen Spaziergang in die nahegelegene Stadt Hangaroa.
Unser Ausflug am Nachmittag nannte sich
Akahanga Ahu, Rano Raraku und Ahu Tongariki.
Im Ausflugstitel verbergen sich ausschließlich polynesische Bezeichnungen (ausgenommen das Bindewort „und“), also deshalb hier die wichtigsten Begriffe:
- Rapa Nui ist der polynesische Name der Osterinsel.
- Ein Ahu ist eine zeremonielle Plattform auf der Moais aufgestellt werden.
- Ein Moai ist eine steinerne monolithische humanoide Statue, die typisch für die polynesische Osterinsel ist.
- Der Rano Raraku ist ein erloschener Vulkan mit einer Höhe von bis zu 126 Metern im Südosten der Osterinsel. Hier wurden die Moais aus dem vulkanischen Tuffstein geschlagen.
Man weiß nicht sicher, mit welcher Technik die bis zu 10 Meter hohen und mehrere Tonnen schweren Figuren von hier über die gesamte 162,5 km² große Insel verteilt worden sind. In halber Höhe rund um den Kraterrand stehen 396 fertige, halbfertige und auch beschädigte Moais. - Akahanga ist der Name eines Geländes an der Südküste der Insel. Hier befinden sich die Überreste eines alten Dorfes und viele auf dem Gesicht liegende Moais.
- Ahu Tongariki ist der Name des größten und eindrucksvollsten Ahu von Rapa Nui.

Die Erklärungen der örtlichen Reiseleiterin erfolgen über ein Funkmikrofon. Jeder Ausflugsteilnehmer hat einen Empfänger mit Ohrhörer (siehe türkisen Knopf im Ohr bei Doris).
Das Ausflugsdrumherum war, wie Ausflüge in der Masse halt so sind, nicht unser Ding.
Aber wegen der unzähligen Moais in einer grandiosen Landschaft und überhaupt wegen des Traums, hier auf der Insel sein zu können, fiel unsere Massen-Ausflug-Phobie überhaupt nicht ins Gewicht.
Ich entsinne mich dabei an die Fernsehdokumentation “Kontiki“, die ich als kleiner Junge Anfang der 1960er Jahre im Fernsehen gesehen habe.
1947 segelte der Norweger Thor Heyerdahl mit der Kontiki, einem Floß aus Balsaholz, von Peru nach Rapa Nui.
In dem (schwarz-weißen) Dokumentarfilm wurden auch die steinernen Statuen der “Langohrmenschen“ gezeigt, was damals den kleinen Jungen total fasziniert hatte.
Die frühen Bewohner von RapaNui trugen schweren Ohrenschmuck, wodurch sich die Ohren in die Länge zogen. Bei diesem Foto eines Moai sind die langen Ohren ganz gut zu erkennen
Und jetzt mehr als sechs Jahrzehnte später stehen wir vor diesen steinernen Kolossen.
Ich spare mir hier die weiteren Ausführungen von historischen Details über die Moais, Besiedlung und Geschichte der Insel; das kann bei Interesse jederzeit im Netz nachgelesen werden.
Stattdessen einfach eine kleine Fotostrecke.

Rückenansichten am Akahanga .
Diese Moais sind nicht einfach umgefallen, sondern wurden aus spirituellen Gründen auf das Gesicht gelegt.
Die lokale Ausflugsbegleitung, die ihre Erklärungen in Englisch abgab, war sehr darauf bedacht, dass wir die vorgesehene Ausflugszeit von 3 Stunden einhielten, denn heute war der Höhepunkt des mehrtägigen traditionellen Tapati-Festivals.
Im Rahmen dieses Fests werden verschiedenste sportliche und kulturelle Veranstaltungen durchgeführt. Diese haben auch das Ziel, die alten und uralten Traditionen zu bewahren
Wegen des anstehenden Festzugs sollten Straßensperren erfolgen, ...
... somit mussten wir vor der Sperrung mit unseren beiden klapprigen Minibussen, auf die sich unsere Ausflugsgruppe aufteilte, wieder am Tender-Anleger sein.
Etwas abseits unseres Anlegers in und rund um eine hölzerne Freilufthalle, bereiten sich die Einheimischen auf den heutigen Abschluss des Tapati-Festivals vor.
Natürlich erschloss sich uns nicht die Bedeutungen der Körperbemalungen ...
... und das “Einschmieren“ (mir fällt kein passenderes Wort ein) der Körper mit einer lehmartigen Masse.
Die ARTANIA-Gäste (einschließlich Doris und ich) mischten sich neugierig unter das lebhafte Treiben, wobei uns die Einheimischen nicht weiter beachteten.
Wenn man allerdings fragte, ob man fotografieren darf, stellten sie sich gerne in Pose.
Leider konnten wir nicht bis zum Start des Festzugs am Abend warten, da das letzte Tenderboot schon um 20:00 Uhr zurück zu ARTANIA fuhr, obwohl wir über Nacht unseren Ankerplatz behielten. Tendern bei Dunkelheit ist auf Grund örtlicher Behördenauflagen nicht gestattet.
61. Reisetag – Samstag, 15.02.2025 – Anakena Beach/Rapa Nui (Osterinsel)/Chile
Gegen 6:00 Uhr in der Frühe verließ die ARTANIA ihren Ankerplatz vor Hangaroa, denn es drohte die Ankunft der MSC Magnifica mit ihren 2.500 Passagieren. Damit hat sie gegenüber unserem Schiff nicht nur die absolute Mehrheit, sondern sogar eine qualifiziere 2/3-Mehrheit.
Das sahen die Behörden von Hangaroa genauso und hätten der ARTANIA nur noch alle 45 Minuten die Anlandung eines Tenderbootes gestattet. Die restliche Zeit war für die Magnifica reserviert.
Da in ein Tenderboot ca. 75 Passagiere passen, braucht es, um die 1.000 Passagiere an Land zu bringen etwa 13 Fuhren. 13 x 45 Min = 585 Min = 9,75 Stunden.
Bei der heute geplanten Liegezeit bis 13:00 Uhr hätte man also die Plätze im Tenderboot verlosen oder an die Meistbietenden verkaufen müssen.
Da war es wirklich klüger, diesen Liegeplatz im Osten zu verlassen. Die Artania sollte vor der Nordküste dümpeln und versuchen an den Anakena-Strand zu tendern, wo es eine behelfsmäßige Tenderpier gibt.
Pünktlich um 8:00 Uhr begann
Eine Kurz-Choreographie des Nicht-Tenderns*.
- Der Kreuzfahrtdirektor äußert über Bordlautsprecher große Bedenken, ob Tendern wegen der starken Dünung überhaupt möglich ist.
- Der Kreuzfahrtdirektor kündigt an, dass dennoch ein Boot zu Wasser gelassen wird, um zumindest zu versuchen, ob ein Tendern doch möglich sein könnte.
- Der Kapitän Alex Zinkovskyi bläst kurzerhand alle derartigen Aktionen und Versuche ab.
- Die Sicherheit der Passagiere und der Crew steht an erster Stelle.
- (Trost): Wir werden die Insel mit der ARTANIA umrunden.
*siehe auch Blogeintrag vom 9.2.2025
Da nach dem Aufstehen ein Blick aus dem Kabinenfenster genügte, um zu sehen, dass der starke Schwell ein Tendern unmöglich machte, gingen wir erst einmal in Ruhe frühstücken. Nach dem Frühstück war die Inselumrundung allerdings schon weit fortgeschritten und der Anakena Strand war schon nicht mehr in Sichtweite.
Somit war eine Fotoaufnahme des Strandes einschließlich des dort befindlichen Ahu Nau Nau mit sieben Moai nicht mehr möglich. Die hätten wir auf unserem Weg über das Promenadendeck zum Frühstück bewerkstelligen müssen.
Aber so schlimm war das nun auch wieder nicht, schließlich hatten wir die Übung des Nicht-Tenders an den Anakena Strand am 31.1.2027 schon einmal durchgeführt und damals hatten wir Fotos angefertigt (mit mäßigem Erfolg mangels Teleobjektiv).
Hier die beste der misslungenen Aufnahmen aus dem Jahr 2017.
62. Reisetag – Sonntag, 16.02.2025 – Seetag
Wie wir alle wissen, ist auf der ARTANIA sonntags der Tag der Schwarzwälder Kirsch Torte – normalerweise.
Auch heute hat man uns wieder mal einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn statt der „normalen“ Kaffeestunde wurde
im Tagesprogramm angekündigt
Und der Gag mit der Schwarzwälder-Sonderedition für Doris und mich, wie vor 2 Wochen, wurde leider nicht noch einmal wiederholt.
Dass das Tagesprogramm auch eifrig außerhalb der ARTANIA auf der entsprechenden Internetseite* gelesen wird (link siehe unten), zeigt die WhatsApp-Nachricht unseres Freundes Wolfgang „Wolle“ aus Ramelsloh, die uns schon am Vormittag erreicht hatte.
* Link zur Phoenix-Internetseite auf der man die Tagesprogramme abrufen kann:
https://www.phoenixreisen.com/hier-ist-die-artania-heute-.html
63. Reisetag – Montag, 17.02.2025 – Seetag

So sieht das normale Hauptmenü des Kabinenfernseher aus.
Man sieht, dass das Gerät viel mehr kann, als nur TV-Programme zeigen.
Unser Fernseher zickt immer noch. Mal lässt er sich nicht mehr einschalten, ...
... mal blendet er zusätzlich zum normalen Bild noch irgendwelche Texte ein, die dort gar nicht hingehören.
Oder auf einem "nackten" Bildschirm wird ein kryptische Text eingeblendet.
Diese Phänomene haben den Nebeneffekt, dass die Sonderfunktionen, wie z.B. das Anzeigen der aktuellen Bordrechnung nicht mehr aufgerufen werden können.
Wie ich schon im Januar beschrieben hatte, kann man das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel spielen, um die Kiste wieder zum Laufen zu bringen oder an der Rezeption Bescheid sagen. Anfangs schickten sie einen Techniker, der mit Hilfe einer geheimen Tastenfolge auf der Fernbedienung ein Service-Menü aufrief und damit das Gerät wieder in den Normalzustand zurückversetzten konnte.
Irgendwann kam der Techniker gar nicht mehr in die Kabine, sondern löste „remote“, also aus der Ferne, einen Neustart aus, das sogenanntes Booten (ausgesprochen: [ˈBuːtən]), um den Fernseher in einen geordneten Zustand zurückzuversetzen.
Ein Austausch des Geräts wurde durch den Techniker kategorisch abgelehnt, mit der Begründung, dass der Fernseher ganz neu sei und deshalb die Ursache des Fehlers dort nicht liegen könne.
Ich sehe das anders, denn auch Neugeräte können eine Macke haben.
Jetzt war es aber wieder mal soweit, dass ich an der Rezeption anrufen musste. Diesmal bat ich aber inständigst um eine dauerhafte Lösung und nicht einfach mit einem neuen Boot-Vorgang das Problem einfach nur zu vertagen.
Die Dame an der Rezeption zeigte, wie sie es gelernt hatte, vollstes Verständnis und versprach mein Anliegen genau so weiterzugeben.
Nach zwei Minuten rief sie erfreut an, dass der Techniker aus der Ferne gebootet hätte und die Hoffnung geäußert hat, dass das Problem damit dauerhaft gelöst sein könnte.
Da ist mir die Hutschnur geplatzt und ich forderte vehement einen Gerätetausch. Das wurde von der Rezeptionistin abgelehnt, obwohl das gar nicht ihre Entscheidung sein konnte. Trotz eindringlicher wiederholter Forderung meinerseits blieb sie stur. Ich stellte sie vor die Alternative entweder meine Forderung weiterzugeben oder mir einen Termin mit dem Kreuzfahrtdirektor zu machen. Sie blieb dabei, ich solle abwarten, ob der gegenwärtige „Lösungsversuch“ dauerhaft sei und ich protestierte, kein Versuchskaninchen sein zu wollen und so verblieben wir, dass sie einen Termin mit dem Kreuzfahrtdirektor machen soll. Damit war das etwas unfreundliche Telefonat beendet.
Keine 5 Minuten später klopfte es an unsere Kabinentür, davor stand der Techniker, den wir ja mittlerweile sehr gut kennen und ein Kollege mit einem Fernseher unterm Arm. Innerhalb weniger Minuten war der Austausch erfolgt.
Warum nicht gleich so. Und nun schau’n wir mal, ob das etwas gebracht hat.
64. Reisetag – Dienstag, 18.02.2025 – Adamstown/Pitcairn/Großbritannien
Das Inselchen Pitcairn liegt wirklich am A… der Welt. Die Entfernung nach Südamerika beträgt 5.400 Kilometer und nach Neuseeland 5.000 Kilometer.
Die Bewohner der 4,5 km² kleinen Insel sind zu einem Teil Nachfahren der Meuterer von der Bounty und ihrer polynesischen Frauen. Über die Anzahl der Bewohner kursieren zwei Zahlen. Einmal etwas mehr als 50 und einmal knapp über 30.
Bereits gestern teilte uns der Kreuzfahrtdirektor über Bordlautsprecher mit, dass auf Grund der Wetterlage ein Landgang nicht möglich sein wird. Wir hätten sowieso nicht mit unseren Tenderbooten an Land fahren können, weil diese nicht mit Pier kompatibel sind.
Vielmehr hätten wir uns von den Inselbewohnern mit ihren Langbooten, die einer Badewanne nicht unähnlich sind, übersetzen lassen müssen. Hierbei ist der Umstieg von der ARTANIA nicht ganz ungefährlich und setzt ein gewisses sportliches Geschick voraus.
Deshalb kann es passieren, dass selbst bei guter Witterung der Kapitän einem Landgang nicht zustimmt.
Stattdessen kommen in der Regel die Einheimischen an Bord und verkaufen Souvenirs und selbsterzeugten Honig.
Auch heute mussten wir uns die knappe Ressource Zeit mit der MSC Magnifica teilen.
Dieser vermaledeite Dampfer hatte uns heute Nacht überholt und nahm auch zuerst die Einheimischen an Bord.
Wir drehten derweil eine Warteschleife um die Insel, ...
... denn erst gegen halb zwölf war die ARTANIA dran, die Pitcairner an Bord zu nehmen.
Als es soweit war, hatten Doris und ich einen super Platz an der Reling auf der Steuerbordseite, um das Boarden der Pitcairner zu beobachten.
Die ARTANIA-Crew begann damit die Tenderplattform ...
... und Gangway halb herunterzulassen, ...
... womit man uns komplett die Sicht versperrt hatte. Die Insulaner „enterten“ die ARTANIA gar nicht, wie zunächst geplant und angenommen, über die Gangway,

Die Einstiegsluke befindet sich rechts von der ausgeklappten Gangway an der Bordwand, auf die jetzt die Sicht versperrt war.
sondern über die Ladeluke, aus der auch die Lotsen zurück auf ihr Lotsenboot umsteigen.
Warum der verantwortliche Offizier dann die Gangway nicht wieder zur Bordwand hin einklappen ließ, wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben. Die Gangway hatte jetzt mit der halb drin-halb-draußen-Lage keinerlei Nutzen mehr, außer dass sie die Sicht versperrte.
Alle Leute, die mit uns in diesem Bereich der Reling standen, hatten dadurch praktisch ein großes metallenes Brett vorm Kopp.
Aber der diensthabende Offizier hatte (im übertragenen Sinn) anscheinend ein noch viel Größeres vor seiner Birne.
Die Plätze an der Reling jenseits der Gangway waren natürlich mittlerweile alle belegt, an einigen Stellen sogar in Doppelreihen.
Aber wenn man höflich fragte, wurde man für eine Fotoaufnahme für einen kurzen Moment vorgelassen.
Nachdem alle Insulanerinnen und Insulaner trotz des heftigen Schwells irgendwie ins Innere der ARTANIA geklettert waren, ...
... breiteten sie gleich in Harry’s Bar auf den bereitgestellten Tischen ihre Waren aus. Parallel dazu hielt in der Atlantik-Show-Lounge ein Dame aus dem illustren Trüppchen einen Vortrag über Fauna, Flora, Land und Leute von Pitcairn.
Hätte ich mir den Vortrag bis zu Ende angehört wüsste ich jetzt bestimmt, ob nun 30 oder 50 Leute die Insel bevölkern.
War das Gedränge an den Ständen schon während des Vortrags enorm, ...
... wo noch mehrere hundert Leute in der Show-Lounge saßen, ging dann, als diese sich noch dazugesellten, der Punk erst so richtig ab, ...
... wie im Sommerschlussverkauf früher an den Wühltischen.
Kurz nach 14:00 Uhr stiegen die Nachfahren der Meuterer, einer nach dem anderen ...
... über eine Jakobsleiter in ihr schwankendes auf den Wellen auf und ab tanzendes Langboot zurück.
Diesmal versperrte uns keine Gangway die Sicht.
Mit gezückter Handy-Kamera wollte ich jetzt die Abfahrt fotografieren. Aber da musste ich mich noch über eine halbe Stunde gedulden.
Mit Erstaunen sah ich, wie – nicht gelogen -, im Sekundentakt Karton um Karton aus der Luke, aus der die Pitcairner ausgestiegen waren, geworfen und von einem “Fänger“ im Boot aufgefangen wurde. Die Kartons wurden von dem Fänger in einer fließenden Bewegung ...
... an einen Kollegen weitergereicht, ...
... der das Ladegut dann blitzschnell in einer der Ladeluken verstaute.
Manchmal konnten wir sehen, was da aus der Luke geflogen kam, nämlich z. B. Papppaletten mit Cola- und Fanta-Dosen. Was in den geschlossenen Kartons sonst noch für Schätze verpackt waren? Unsere Neugier blieb unbefriedigt.
Als die Ladeluken voll waren, wurden die weiteren Kartons auf dem Boden im Boot verteilt.
Irgendwann versiegte der Strom der fliegenden Kartons,...
... das Boot drehte daraufhin ab, zurück Richtung Adamstown ...
... und wurde mit einem dreimaligen langgezogenen und lauten Tuuuut des Typhon, dem Nebelhorn der ARTANIA, verabschiedet.
Die ARTANIA nahm Nord-Westkurs auf, zwei volle Seetage vor sich, um dann vor Fakarava/Französisch Polynesien den Anker zu werfen.
65. Reisetag – Mittwoch, 19.02.2025 – Seetag
Der Fernsehtechniker hatte also recht. Das Austauschgerät zickte genauso wie das Vorherige auch.
Immerhin kann man jetzt sicher sein, dass das eigentliche Problem im Server bzw. im Netzwerk zu suchen ist, in dem alle TV-Geräte der ARTANIA eingebunden sind.
Wo der Techniker nicht recht hatte, ist seine Aussage, dass dieses Problem nur bei uns und sonst bei niemandem auftreten würde.
Wir wissen von mehreren Leuten, die regelmäßig das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel spielen müssen. Es ist wenig glaubhaft, dass ich bisher der Einzige war, der die regelmäßigen sporadischen Ausfälle an geeigneter Stelle angezeigt und bemängelt hat.
Ja und ich weiß aus beruflicher Erfahrung, dass in IT-Systemen die Analyse von sporadische Fehlern, die man nicht beliebig reproduzieren kann, äußerst knifflig sein kann.
Was also tun? Den Techniker immer wieder neu booten lassen? Die Hoffnung, dass man ernsthaft nach der Ursache sucht, habe ich aufgegeben.
Ein Sprichwort besagt: Hilf Dir selbst, dann hilft dir Gott.
Anhand des Typenschilds konnte ich die genau Modellbezeichnung des TV-Geräts ermitteln und auf der Internetseite von Samsung eine ausführliche Bedienungs- und Installationsanleitung finden und als PDF herunterladen.
In diesem Manual wurde die Tastenfolge auf der Fernbedienung “verraten“, mit der das Service-Menü aufgerufen werden kann.
Damit bin ich nun selbst in der Lage, relativ einfach und ohne das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel den Fernsehapparat wieder zur Vernunft zu bringen.
66. Reisetag – Donnerstag, 20.02.2025 – Seetag
Heute war eigentlich ein Seetag ohne besondere Ereignisse, bis auf eine Kleinigkeit.
Patricia, eine treue Leserin des Blogs, kennt die etwas versteckte Seite “Blogeintrag im Aufbau“, wo man schon mal vorab in den Entwicklungstand eines noch im Entstehen befindlichen Blogeintrags kiebitzen kann. Deshalb kannte sie bereits meine Ausführungen über das Stecker-raus-Stecker-rein-Spiel und hat sogleich den folgenden Eintrag im Gästebuch verfasst:
Damit wurde die Aussage des Technikers, dass dieses Phänomen einzig und allein nur bei uns in der Kabine auftreten würde, endgültig in den Bereich der Märchen und Sagen verbannt.
67. Reisetag – Freitag, 21.02.2025 – Fakarava/Tuamotu-Archipel/Franz. Polynesien
Doris konnte sich noch von unserer Kreuzfahrt 2017 daran erinnern, dass die Artania eine ganz enge Einfahrt passieren musste, um in das Innere des Atolls zu gelangen. Diese Passage war sehr spektakulär gewesen.
Doris war damals extra früh aufgestanden, während der Gemahl faul im Bette liegen blieb. Dieser Schlendrian sollte diesmal nicht Einzug halten. Der Wecker klingelte um 6:15 Uhr und nach einer kurzen Katzenwäsche standen wir am Bug der ARTANIA, um die tolle Einfahrt zu genießen.
Leider fand die tolle Einfahrt gar nicht statt, denn das Atoll Fakarava ist kein kreisförmiges Korallenriff, sondern hat mehr die Form eines auf dem Kopf stehendem “L“. Um zu unserem Ankerplatz vor dem (einzigen) Ort Rotoava zu gelangen, braucht es keine Einfahrt, sondern die ARTANIA konnte einfach direkt dorthin darauf zu fahren. Ansonsten hat Fakarava alle typischen Eigenschaften eines Atolls. Das Korallenriff bildet einen Saum von äußerst schmalen Inseln. Die See im inneren Teil ist ruhig und eignet sich zum Baden, während die Außenküste mit starker Brandung und gefährlichen Strömungen zum Baden und Schnorcheln nicht geeignet ist.
Das Rätsels Lösung für die fehlende spektakuläre Einfahrt: Es handelte sich damals um das Atoll Rangiroa, das zwar auch zum Tuamotu-Archipel gehört, aber 230 Kilometer nordwestlich von Fakarava liegt.
Damals fuhren wir zuerst Fakarava und einen Tag später Rangiroa an, diesmal halt nur Fakarava. Hätten wir mal eher in unseren Blog von 2017 nachgeschaut, da stand das alles drin.
Somit hatten wir jetzt sehr viel Zeit bis 9:30 Uhr, dem Zeitpunkt, an dem alle Bewohner von Deck 4 (und Deck 8) zum Tendern in der Atlantik-Show-Lounge gesammelt und geordnet zur Tenderplattform geführt wurden.

Das Tendern ging bisher immer sehr zügig ohne lange Wartezeiten voran, das war die Jahre davor nicht immer so. Liegt's an den nagelneuen Tenderbooten?
Das Wetter war so, wie es sich für die Südsee gehört, sonnig und warm (30 ° im Schatten).
Unser Ziel: Spaziergang zum 3 ½ Kilometer entfernten Leuchtturm von Topaka, der 1957 erbaut wurde und das Aussehen einer Maya-Pyramide hat.
Auf dem Rückweg wollten wir eigentlich noch kurz im Meer schwimmen.
Aber es zog sich zu und kräftiger Wind kam auf, ...
...sodass wir dieses Vorhaben für später verschoben, schließlich standen für die nächsten Tage noch einige Südseeinseln auf dem Programm.
Unser Versuch, zur Tenderpier zurück per Anhalter zu fahren schlug fehl, was auch dem geringen Verkehrsaufkommen geschuldet war. Das erste Auto hielt nicht an und das zweite bremste zwar ab, aber es war schon voll besetzt, was uns einer der Insassen quasi als Entschuldigung zurief.

Mit der App "KOMOOT" haben wir unseren kleinen Spaziegang aufgezeichnet.
Man kann auf der Karte gut erkennen, wie schmal die Insel ist.
"A" ist der Startpunkt an der Tenderpier.
Um 15:00 lichtete die ARTANIA den Anker mit dem Ziel Moorea.
68. Reisetag – Samstag, 22.02.2025 – Moorea/Franz. Polynesien
Die Insel Moorea gehört, genau wie Fakarava, zu dem französischen Überseegebiet Französisch-Polynesien: Aber während Fakarava ein flaches Korallenriff ist, ist Moorea von vulkanischem Ursprung mit bis zu 1.200 Meter hohen Bergen.
Auch Moorea hat, wie alle unsere Ziele in der Südsee (mit Ausnahme von Papeete), keine Pier, die für die ARTANIA groß genug ist.
Also ist wieder Tendern angesagt.

In der Südsee werden Kreuzfahrtgäste musikalisch begrüßt. Das wichtigste Instrument hierbei ist die Ukulele.
Doris hatte uns für heute das Cook's Bay Hotel rausgesucht. Mit dem Erwerb eines sogenannten Tagespasses kann man die dortigen Einrichtungen, wie Pool, Hotelstrand, Umkleide, Dusche, WC etc. nutzen. Weiterhin beinhaltet der Pass Hand- und Badetücher, eine Schnorchelausrüstung, sowie ein Mittagessen. Ganz billig ist der Spaß nicht, denn so ein Tagespass kostet 75 US-Dollar.
Denn Pass kann man schon vorab im Internet buchen.
Von dieser Vorab-Buchung machten wir aber keinen Gebrauch, da wir ja erst ein Taxi brauchten, um dorthin zu kommen. Und ob man mit den Taxifahrern handelseinig wird, weiß man vorher nie so genau.
Gegen 10:00 Uhr tenderten wir an Land. Große Verhandlungen mit der Taxifahrerin, die uns angesprochen hatte, waren nicht nötig, da die Fahrt mit einem Taxameter mit den gesetzlich geregelten Tarifen erfolgen sollte, wie in Deutschland auch. Geklärt werden musste nur, ob wir mit Kreditkarte bezahlen können (“nein, nur Cash“) oder mit US-Dollars (“kein Problem“).
Die Küstenstraße entlang ging es die 15 Kilometer zum Cook's Bay Hotel. Wir baten unsere Fahrerin, noch zu warten, bis uns im Hotel Einlass gewährt würde. Leider wurde uns der Einlass nicht gewährt, sondern verwehrt. Mit ehrlichem, großen Bedauern teile uns die nette Dame an der Rezeption mit, dass die Kapazität bezüglich der Tagesgäste bereits voll erschöpft sind. All unser Weinen, Bitten und Betteln half nichts – wegen Überfüllung geschlossen.
Auf unsere Frage nach einer Alternative, nannte uns die Dame das Hilton-Resort, von dem wir aber wussten, dass der Tagespass dort so richtig teuer ist. Plan B war also abgelehnt, aber Plan C klang gut. Ein paar Meter weiter befand sich das Hotel Kaveka. Die Rezeptionistin rief dort an und teilte uns freudig mit, dass wir dort erwarten würden.
Also wieder rein ins Taxi und nach einer Minute waren wir am Hotel Kaveka.
Das Taxameter zeigte den Fahrpreis in der hiesigen Währung, knapp 3.500 CFP-France, was auch genau dem Tarif für diese Strecke entsprach. (1.000 CFP Grundgebühr + 160 CFP pro Kilometer).
Meine Umrechnungs-App zeigte, dass dies etwa 30,68 US-$ sind.
Auf solche krumme Umrechnungsfaktoren war unsere Fahrerin aber nicht eingestellt, 100 CFP sind 1 US-Dollar, das kann man ganz leicht im Kopf rechnen. Also zahlten wir klaglos 35 $.
Wir vereinbarten noch, dass sie uns um 16:00 Uhr wieder abholen soll.
Das Kaveka war nicht so mondän, wie das Cook's Bay, es hatte z. B. keinen Pool, aber es gefiel uns trotzdem sehr gut.
Tim, der dortige Rezeptionist und Bar-Mann, hatte uns schon erwartet und erklärte uns, dass wir für unseren reinen Aufenthalt nichts bezahlen müssten, aber wir würden ja sicherlich etwas trinken und essen.
Badetücher und Schnorchelausrüstung konnten wir gegen Gebühr ausleihen.
Gebühren: 500 CFP pro Handtuch (oder 5 $), 1.000 CFP für eine einfache Tauchermaske + Schnorchel (oder 10 $).
Da war er wieder der beliebte Umrechnungskurs. Doris war aber so pfiffig und bezahlte mit Kreditkarte in Landeswährung, weil die Kreditkarte auch mit krummen Umrechnungskursen sehr gut zurechtkommt und wir so fast 15% sparen konnten:
Die Kaution für Badetücher und Tauchermasken in Höhe von stolzen 90 $ zahlten wir in wieder in bar, da wir nicht vorhatten, die Sachen zu verlieren oder zu behalten und somit die Chance, das Geld wieder zu bekommen, sehr hoch war.
Wir hatten schon seit einer Ewigkeit nicht mehr geschnorchelt, hatten es aber noch nicht verlernt und es war wieder großartig, die Fische zwischen den bizarren Korallenformationen zu beobachten.
Unser Mittagessen, ein Burger zu 2.500 CFP (= 25 $ bei Barzahlung) war jetzt nicht gerade ein Schnäppchen, aber auf Grund des “freien Eintritts“ in das Ressort völlig OK.
Wir waren fast die einzigen Gäste. Ein junger Mann an einem Tisch vor einem Laptop sah irgendwie nicht nach Urlauber aus.
Neugierig wie wir waren, kamen wir ins Gespräch und es stellte sich heraus, dass er für die Organisation „Coral Gardeners“ (Korallen-Gärtner) arbeitet.
Diese Organisation hat sich, grob gesprochen, die Aufgabe gestellt, zerstörte oder abgestorbene Korallenriffe wieder „aufzuforsten“.

An einem großen Bildschirm zeigte uns Alex ein wenig über die Arbeit der Coral Gardeners.
(Bei Aufnahmen gegen die Sonne kommen Smartphones an ihre Grenzen, da hilft auch hinterher ein Bildbearbeitungsprogramm nichts mehr.)
Der junge Mann, Alex sein Name, war der Tourenmanager der Coral Gardeners.
Alex organisiert Schnorcheltouren zu den „Korallengärten“, die die Organisation auf Moorea anlegt und pflegt.
Wenn wir in 2 Jahren wieder hier sein werden (siehe 2027.pehoelzer.de), werden wir sicherlich eine solche Tour buchen.
Bis dahin begnügen wir uns damit, eine Koralle zu adoptieren, was über die Homepage von Coral Gardeners angeboten wird.
Pünktlich um 16:00 Uhr holte uns unsere Taxifahrerin wieder ab und brachte uns (wieder für 35 $) an die Tenderpier zurück.
Um 18:00 Uhr lichtete die ARTANIA den Anker, ...
... um keine 2 Stunden später an der Pier von Papeete, der Hauptstadt von Französisch-Polynesien, festzumachen.
Nach dem Anlegen warteten wir auf die Bekanntgabe über Bordlautsprecher, dass das Schiff von den Behörden zum Landgang freigegeben worden sei. Nachdem wir schon länger gewartet hatten, sahen wir aber vom Promenadendeck aus, dass Passagiere schon fleißig Gebrauch von der ausgebrachten Gangway machten. Eine Phoenix-Mitarbeiterin, die uns zufällig über den Weg lief, sprachen wir auf dieses Mysterium an und erfuhren, dass die Freigabe vor 10 Minuten erfolgt und vom Kreuzfahrtdirektor über Lautsprecher bekannt gegeben worden sei. Zu diesem Zeitpunkt saßen wir noch im Lido-Restaurant und dort kam definitiv die Durchsage nicht, wie sonst üblich, an.
Die Phoenix-Mitarbeiterin war darüber sehr erstaunt und versuchte sofort über ihr Walkie-Talkie den Kreuzfahrtdirektor zu erreichen. Für uns war die Sache erst einmal erledigt und wir verfolgten ihre Bemühungen nicht weiter. Von anderer Stelle erfuhren wir, dass auch in dem großen Restaurant Vier-Jahreszeiten die Durchsage nicht angekommen war.
Nur wunderten wir uns jetzt erst recht, dass die Durchsage trotzdem nicht wiederholt wurde.
Sonst wird doch auch jeder Kiki-Kram, der sowieso schon dick und fett im Tagesprogramm steht, noch einmal akustisch über das gesamte Schiff verteilt.
Warum sich also sehr viele Gäste die Info über die Freigabe selbst irgendwie beschaffen mussten, können vielleicht die Herren Waldorf und Statler klären.
Aber jetzt ging es raus an Land, denn zum Einbruch der Dunkelheit wird rund um den Anleger ein bunter quirliger Food-Market aufgebaut, mit Essenständen und mobilen Garküchen. Und dort herrscht ein reges und buntes Treiben und genau da wollten wir hin.
Soweit die Theorie.
Dort, wo immer dieser Markt aufgebaut wurde, (dieses Wissen stammt aus unseren beiden Kreuzfahrten 1999 und 2017) steht jetzt ein nagelneues Passagierterminal.
Mehr aus Zufall fanden wir hinter dem Terminal einen jämmerlichen Abklatsch von dem, was einmal war.
Drei einsame Foodtrucks versuchten notdürftig die Tradition des ehemals sehens- und erlebenswerten Food-Market hochzuhalten.
Enttäuscht kehrten wir auf die ARTANAIA zurück in Harry’s Bar, wo Wolfgang Krik auf dem Flügel für dezente Pianoklänge sorgte. Da weiß man, was man hat!
Doris trinkt dort ihren allabendlichen Espresso, ich mein alkoholfreies Weizenbier und zur Krönung des Abends genehmige ich mir vom Late-Night-Buffet noch 2 Käsespieße (Käsewürfel mit Traube).
69. Reisetag – Sonntag, 23.02.2025 – Papeete/Franz. Polynesien
Eigentlich hätten wir schon am gestrigen Samstag früh morgens in Papeete anlegen und dann heute in aller Frühe nach Moorea schippern sollen. Aber gestern kreuzte die MSC Magnifica wieder mal unsere Route. Wir hätten uns deshalb mit einem weiter außerhalb liegenden Liegeplatz begnügen müssen (also Festmachen an der “Katzen-Pier“).
Deshalb hat die ARTANIA die Liegezeiten von Papeete und Moorea getauscht.
Nach dem Aufstehen, so gegen 7:10 Uhr gab es schon die ersten Prognosen aus Deutschland über den Ausgang der Bundestagswahl, denn dort war es bereits 18:10 Uhr.
Meinen Unmut über das Wahlergebnis (20% für eine als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestufte Partei) lasse ich hier nicht weiter aus, denn der Blog ist weitestgehend unpolitisch.
Bis Doris und ich gegen 10:00 Uhr fertig für den Landgang waren, hatte einer der Touristenmagnete, die große Markthalle, bereits geschlossen, schließlich war es ja Sonntag. (Danke MSC Magnifica! ☹)
Wir ließen uns wieder mal von einem Geocache Adventure Lab durch die Stadt führen und liefen folgende Stationen an:
- Place Vai'ete, das ist der Platz wo gestern der müde Food-Market stattgefunden hat.
- Marché municipal Mapuru a Paraita, die bereits erwähnte Markthalle, die um 10:00 Uhr geschlossen wurde.
- Cathédrale Notre-Dame.
- Assemblée de la Polynésie française; hier tagt das Parlament von Französisch-Polynesien.
- Jardins De Paofai, ein hübscher Park.
Es war heiß und drückend, sodass es uns nach der Beendigung unserer touristischen Pflicht auf das klimatisierte Schiff zog, nicht zuletzt wegen der Aussicht auf ein Stück Schwarzwälder Kirsch während der Kaffeestunde, denn heute war ja Sonntag.

Mit uns lag die Star Breeze der Reederei Windstar Cruises im Hafen, ein Luxus-Kreuzfahrer für maximal 312 Gäste.

.. während der Getränkeservice für die heimkehrenden Phoenix-Passagiere auf der Pier eher rustikal daherkommt.
Aber dem Durst sind solche Unterschiede völlig egal.
Gegen 18:30 Uhr schwammen wir noch eine Runde im Pool. Zur hohen Abendbrotzeit stand uns der Pool exklusiv allein zur Verfügung. Sehr bald dämmerte es und die Poolbeleuchtung schaltete sich ein – beinahe eine neue Erfahrung, Schwimmen bei Nacht. 😊
70. Reisetag – Montag, 24.02.2025 – Huahine/Franz. Polynesien
Einen genauen Plan für heute hatten wir nicht, nicht Mal einen Ungenauen. Wie auch! In der Landgangsinformation war zu lesen:
- Tenderpier: Baie Maroe an der Nordküste von Huahine Iti ca. 10 km vom Hauptort Fare entfernt. In der Regel ist an der Pier der eine oder andere private Tourenanbieter sowie Autoverleiher aus Fare präsent.
- Transport: Taxis kaum gegeben; evtl. offeriert ein privater Anbieter einen Shuttleservice nach Fare.
Zuviel eventuell und vielleicht, daher unser Konzept „schau’n wir mal“.
Also tenderten wir erst mal mit leichtem Gepäck an Land.
Es wurde tatsächlich ein Shuttle nach Fare angeboten. Dort sollte sich auch ein schöner Strand befinden.
Es war abzusehen, dass die Nachfrage nach einem Platz im Shuttle größer war als das Platzangebot.
Damit kam zumindest jetzt für uns der Shuttle nicht in Frage, weil wir Kämpfe um knappe Ressourcen in der Regel verlieren.
Es war wieder sehr heiß und so bogen wir erst einmal von der schmalem Küstenstraße ab, dorthin wo Bäume Schatten versprachen.
Neben einem Feld mit für uns unbekannten Pflanzen ...
... arbeiteten eine Frau und ein Mann.
Sie befreiten rübenartige Früchte von der anhaftender Erde.
Mit Hilfe der Übersetzungs-App Deutsch-Französisch / Französisch-Deutsch kamen wir ins Gespräch.
Auf dem Feld bauten die beiden Taro an. Taro wird häufig auch als „Kartoffel der Tropen“ bezeichnet, wie ich später im Internet nachlesen konnte.
So richtig spektakulär wurde es, als der Mann für mich mit der Machete eine Kokosnuss “köpfte“.
Doris hat dieses Schauspiel in einem kleinen Video festgehalten und auf YouTube hochgeladen.
Wir zogen weiter, jetzt wieder in der Sonne am Ufer entlang, als wir eine Stelle entdeckten, von der man bequem ins zunächst seichte Wasser waten konnte. Schwimmen wäre ungefährlich, da wir uns tief in einer Bucht befanden.
Die Stelle hatte zwar mit einem Traumstrand gar nichts gemein,
... aber das türkisblaue Wasser zog uns magisch an.
Mangels Badesachen tenderten wir zum Schiff zurück und kamen ausgestattet mit Badebekleidung, Badeschuhen (wichtig wegen der Korallen) und Badetüchern wieder zurück.
Nachdem wir reichlich geschwommen und geplantscht hatten, musste noch das etwas umständliche Umziehen ohne Umkleidekabine bewerkstelligt werden.
Mittlerweile hatte unser Beispiel Schule gemacht und den ein oder anderen badewilligen Artanier angelockt.
Wir waren sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages, der ja so völlig planlos begonnen hatte.
71. Reisetag – Dienstag, 25.02.2025 – Bora Bora/Franz. Polynesien
Bora Bora wird gerne synonym für den Südseetraum an sich genannt.
In der Tat ist die Landschaft kolossal und der Hauptstrand Matira Beach sehr schön. Aber dass sich beides signifikant von den anderen Südseeinseln abhebt, können wir eigentlich nicht bestätigen.
Berühmt wurde Bora Bora schon vor sehr vielen Jahren durch die ins Wasser gebauten Bungalows.
Bora Bora gilt als einer der exklusivsten und luxuriösesten Urlaubsorte in der oberen Preisklasse und gehört zu den teuersten Reisezielen der Erde (lt. Wikipedia).
Wir waren diesmal nicht so planlos wie gestern, denn wir wollten zum Matira Beach. Das „Wie“ stand allerdings noch offen.
Das Tendern klappte wieder ohne große Wartezeiten.
An der Tenderpier wurden diverse Bootstouren angeboten, aber von dem in Aussicht gestellten Shuttle zum Strand fehlte bei unserer Ankunft jede Spur und auch die Auskünfte darüber waren eher schwammig.
Wir taten uns deshalb mit noch drei anderen Paaren zusammen, um mit einem Großraumtaxi zum besagten Strand zu fahren. Die Preisverhandlung war einfach, denn der geforderter Fahrpreis von 5 US-$ pro Person war völlig OK.
Der Strand war sehr langezogen und einige Bäume spendeten auch etwas Schatten.
Was uns jedoch sehr entgegen kam, war ein einfaches Strandrestaurant, zu dem auch ein kleiner "Biergarten" mit einigen Tischen und Stühlen gehörte, wo ein großer Baum reichlich Schatten spendete.
Da wir lieber auf Stühlen sitzen als auf einer Decke zu liegen, bezogen wir hier gerne für 2½ Stunden Quartier. Für 12:30 Uhr hatten 3 Paare als Taxi-Fahrgemeinschaft die Rückfahrt bei unserer Fahrerin geordert. Für uns war diese Zeit für einen Strandaufenthalt genügend und die beiden anderen Paare hatten am Nachmittag noch Termine, nämlich Ausflüge mit Phoenix.
In dieser Zeit konnten wir in Ruhe ein Bier trinken (5$ für 0,33 l), Schwimmen und Meer und Landschaft auf uns wirken lassen.

Das ARTANIA-Restaurant hat heute Mittag geschlossen, so dass die dort normalerweise eingesetzten Crew-Mitglieder frei hatten.
Pünktlich um 12:30 Uhr traf sich unsere Fahrgemeinschaft an der vereinbarten Stelle. Allerdings war unser Taxi nicht da. Um 12:35 Uhr wurden die anderen unruhig und schauten sich nach Alternativen um, die es auch gab. Mit Pritschenwagen auf denen Bänke mit Platz für etwa ca. 10 Personen auf der Ladefläche montiert waren, konnte man sich für 5$ pro Person zur ca. 5 Kilometer entfernten Tenderpier transportieren lassen.
Um 12:40 Uhr wollte man nicht mehr länger warten und enterte den nächsten Pritschenwagen.
Kurze Zeit darauf kam ein richtiger großer Reisebus, mit einem Schild im Frontfenster, der ihn als den Shuttlebus auswies, von dem heute Morgen schon die Rede war. Mittlerweile hatte sich auch ein Grüppchen Crew-Mitglieder eingefunden, die den Bus bestiegen.
Das war für uns irgendwie das Signal, auch einzusteigen.
Kaum saßen wir drinnen, kam unser Taxi angefahren und die Fahrerin suchte überall ihr 6er-Grüppchen, schaute auch in den Bus, hat uns beide aber nicht erkannt oder nicht gesehen.
Jetzt stellte sich für uns die Frage, wie wir uns verhalten sollten. Was passiert, wenn wir mit dem Taxi zurückfahren würden? Würde die Fahrerin versuchen, uns in Sippenhaft zu nehmen und die jeweiligen 5 $ für die anderen vier entschwundenen Fahrgästen von uns einfordern? Oder würde sie erst dann wieder zurückfahren, wenn ihr Großraumtaxi wieder voll wäre? Es schien für uns auf alle Fälle stressfreier, still im Bus sitzen zu bleiben, zumal für die Fahrt auch hier der Einheitspreis von 5 $ zu entrichten war.
Als der Bus losfuhr meldete sich dann doch ein etwas schlechtes Gewissen und das Mitleid mit der Fahrerin.
Es ist wahrscheinlich zu einfach, ihr vorzuwerfen, dass sie unpünktlich war und deshalb selbst schuld an der Situation ist (in der Südsee gehen die Uhren wahrscheinlich ein wenig langsamer). Aber sie müsste doch eigentlich wissen, dass Kreuzfahrtpassagiere wegen ihrer Termine Wert auf Pünktlichkeit legen. (Obwohl zumindest deutsche Bahnkunden Unpünktlichkeit als normal empfinden müssten.)
Vielleicht hatte sie noch schnell eine Fuhre dazwischengeschoben und war deswegen unpünktlich, sodass ihr Einnahmeverlust dadurch bereits wieder ausgeglichen war.
Wie dem auch sei, ein bisschen schaler Beigeschmack ist geblieben.
Um 18:30 Uhr verließ die ARTANIA ihren Reedeplatz, ...
.. während gleichzeitig am Heck die Party „Auf Wiedersehen Französisch Polynesien!“ in vollem Gange war.
Aus gegebenen Anlass wurde statt der üblichen Auslaufmelodie Tony Marshalls Hit „Bora Bora“ aus dem Jahr 1978 über die Bordlautsprecher gespielt.
2008 wurde Tony Marshall auf Grund dieses Hits zum Ehrenbürger von Bora Bora ernannt.
Das Abspielen von „Bora Bora“ gibt mir die prima Gelegenheit, ein wenig klug zu sch… .
Der Refrain dieses Liedes ist nämlich geografisch gesehen absoluter Unsinn und dazu noch grammatikalisch falsch.
Die beanstandeten Zeilen des Refrain lauten:
Bora Bora he,
Bora Bora in Tahiti he
Bora Bora und Tahiti sind zwei Inseln die 250 Kilometer auseinanderliegen.
Wenn Bora Bora tatsächlich ein Teil von Tahiti wäre, zum Beispiel ein Berg, ein Fluss, ein Naturschutzgebiet oder was auch immer, dann müsste es heißen „Bora Bora auf Tahiti he“ und nicht „in Tahiti“.
Nur wenn Tahiti ein Land wäre, wäre auch „in Tahiti“ richtig, wie z. B. „Bora Bora in Franz. Polynesien“.
Ich will aber nicht nur kritisieren, sondern auch gerne mit einem Lösungsvorschlag die von mir angekreideten Fehler ausmerzen:
Bora Bora he
Bora Bora humba täterää
72. Reisetag – Mittwoch, 26.02.2025 – Seetag
Die Nutzung des Pools auf Deck 9 bei Seegang hat seine Reize, denn dann mutiert er zu einem quirligen Wellenbad und das Wasser schwappt kräftig über den Beckenrand. Und wenn, wie am heutigen Spätnachmittag, außer uns niemand anders noch wellenbadet, machte es doppelt Spaß, sich von den Wellen im Pool hin und her schubsen zu lassen.
Hiermit wäre der Tagesbericht beinahe schon fertig gewesen, aber dann fanden wir das Tagesprogramm für morgen auf der Kabine:
Hier war zu lesen, dass die morgige Abfahrtszeit von Rarotonga um 18:00 Uhr sei und das letzte Tenderboot von Land um 17:30 abgehen würde.
In den uns vorliegenden „Hafeninformationen“, die wir von Phoenix als DinA4-Blatt erhalten hatten, war aber von 22:00 Uhr Abfahrt die Rede. Auch im derzeitigen Bordportal, das für alle Passagiere kostenlos über das Bord-Intranet aufgerufen werden kann, war die Abfahrt auf 22:00 Uhr terminiert.
Das war für uns insofern von Bedeutung, da wir für morgen privat eine Schnorcheltour an der Südspitze der Insel gebucht hatten, Beginn 13:00 Uhr voraussichtliches Ende 15:00 Uhr.
Wir begannen für den „worst case“ zu rechnen: Die Tour endet etwas später um 15:30 Uhr. Bis wir uns umgezogen und unserer Siebensachen verpackt haben ist es 16:00 Uhr. Der öffentliche Bus fährt nur einmal pro Stunde, also wenn wir Pech haben erst um 17:00 Uhr. Und für die 15 Kilometer lange Fahrt zurück zur Nordspitze braucht er eine gute halbe Stunde. Das Fazit für solche Sicherheitsfanatiker wie uns: Es könnte knapp werden.
Wir fragten an der Rezeption nach dem Grund der Planänderung, aber dort konnte man uns auch nichts Näheres sagen, versprachen aber, die Frage zu klären.
Kurz darauf rief uns der Kreuzfahrtdirektor auf unserer Kabine an und bat um Entschuldigung für die Informationspanne. Die frühere Abfahrt war schon seit Beginn dieses Etappenabschnitts bekannt. Die Behörden hätten verfügt, dass die ARTANIA noch bei Tageslicht ihre Weiterfahrt antreten müsse.
Dies wurde zwar in dem knapp 1-stündigen Vortrag im Bordfernsehen „Auf ein Wort“ erwähnt. Das haben wir allerdings in dem Sammelsurium von Informationen (Showprogramme, Nutzung des Bordausweises, Kleidungsvorschläge für die Restaurants und und und …) nicht zur Kenntnis genommen, insbesondere, da wir damals noch keinerlei entsprechende Pläne für Rarotonga hatten.
Aber der Kreuzfahrdirektor beruhigte uns und meinte, dass er keinerlei Schwierigkeiten sieht, dass wir nicht zeitig zurück sein könnten.
73. Reisetag – Donnerstag, 27.02.2025 – Rarotonga/Cookinseln
Die Cookinseln (englisch Cook Islands) sind ein unabhängiger Inselstaat in „freier Assoziierung mit Neuseeland“ und eine Inselgruppe im südlichen Pazifik. Die Fläche beträgt 236,7 km² und hat 14.987 Einwohner (Stand 2021). Die Hauptstadt ist Avarua auf der Insel Rarotonga (67, 1 km² und 10.863 Einwohner).
Quelle Wikipedia.
Das Bussystem, dieser fast kreisförmigen Insel ist recht einfach. Es gibt eine ca. 30 Kilometer lange Küstenstraße rund um die Insel. Die eine Buslinie umrundet die Insel im Uhrzeigersinn, die andere Linie gegen den Uhrzeigersinn.
Es gibt zwar Haltestellen, aber man kann den Bus auch per Handzeichen an einer beliebigen Stelle anhalten und zusteigen. Analog gilt diese Regelung auch für den Ausstieg.

Die ARTANIA lag wieder auf Reede, konnte aber bei einer Wassertiefe von 300m bzw. durfte wegen vorhandener Korallenbänke nicht ankern.
Stattdessen musste sie triften, d.h. sie treibt im Wasser und um die Position zu halten, muss auf der Brücke immer wieder gegengesteuert werden.
Mit dem 11-Uhr-Tender kamen wir an Land, an die Nordspitze der Insel.
Die Tourist-Information an der Pier erklärte uns, wo die Bushaltestelle in der Nähe ist und was eine Fahrt kostet, nämlich 5 Neuseeland-Dollar (NZD), alternativ 5 US-Dollar oder 5 Euro.
Hier war sie wieder, die vereinfachte Wechselkursarithmetik der Südsee, denn 5 NZD sind tatsächlich 2,86 US-Dollar oder 2,27 Euro:
Wir waren aber bereits mit Neuseeland-Dollars angereist, so dass uns das großzügige Aufrunden des Fahrpreises nicht betraf.
Wir waren noch 200 Meter von der Bushaltestelle entfernt, da kam auch schon der Bus und er hielt tatsächlich auf unser Handzeichen hin an, wir stiegen ein und bezahlten. Dann setzte sich der Bus wieder in Bewegung und fuhr die 200 Meter zur „offiziellen“ Haltestelle und nahm die dort Wartenden, meist Phoenix-Gäste, auf.
Die Fahrt zu „Snorkel Cook Islands“, dem Veranstalter unserer gebuchten Schnorchel-Tour dauerte 30 Minuten.
Damit hatten wir bereits die erste Hälfte einer kompletten Inselumrundung absolviert.
Der Veranstalter warb für seine Schnorcheltour wie folgt:
Swim with turtles at our top-rated snorkeling spot in Rarotonga! Encounter majestic turtles, vibrant coral gardens, and a variety of tropical fish.
Übersetzung:
Schwimmen Sie mit Schildkröten an unserem bestbewerteten Schnorchelplatz in Rarotonga! Begegnen Sie majestätischen Schildkröten, lebhaften Korallengärten und einer Vielzahl von tropischen Fischen.

Schilder warnten vor gefährlichen Strömungen. Schwimmen und Tauchen ohne qualifizierte Führer nicht erlaubt.
Was soll ich sagen, die Tour hielt, was sie versprach.
Zunächst erhielten wir eine ausführliche Einweisung in Englisch über die Ausrüstung (Badeschuhe, Flossen und Tauchermaske mit Schnorchel), die starken Strömungen, Verhaltensmaßregeln usw. Das meiste hatten wir aber nicht verstanden, ob es an unserem geringen englischen Wortschatz lag oder am Slang unseres Guides, blieb offen.
Über eine Sandbank wateten wir zu einer Stelle, von der wir zu den Riffen schwimmen konnten, wo sich die Schildkröten und Fische tummelten.
Aber anstrengend war das mehr als eine Stunde dauernde Schnorcheln dann schon. Für das lange Schwimmen an sich brauchte es schon eine gewisse Kondition und das Strampeln mit Flossen an den Füßen ermüdet die Beine bei gleichzeitigen Strömungen, die nicht zu verachten waren.
Aber es war auf alle Fälle ein tolles Erebnis!
Natürlich waren wir hinterher die Letzten, die die Station verlassen haben. Bis wir geduscht und uns umgezogen hatten, waren alle anderen schon verschwunden, einschließlich des Guides und seiner Helferinnen. Diese Helferinnen fungierten als Rettungsschwimmer und haben aufgepasst, dass alle die Tour gut überstanden haben.
Für die Rückkehr zur Tenderpier hatten wir jetzt zwei Möglichkeiten, wir konnten sowohl mit der Uhrzeigersinn-Linie fahren oder auch mit der Gegen-den-Uhrzeigersinn-Linie, denn beide Strecken zur Nordspitze waren ziemlich gleich lang.
Der erste Bus, der kam, war von der Sorte Gegen-den-Uhrzeigersinn. Somit hatten wir am Ende eine komplette Inselrundfahrt absolviert.
Zurück an Bord (rechtzeitig!), klingelte das Kabinentelefon. Der Kreuzfahrtdirektor war dran und erkundigte sich, ob wir unser Landgangs-Pensum trotz verkürzter Aufenthaltsdauer stressfrei absolvieren konnten. Das konnten wir ihm uneingeschränkt bestätigen. Er gelobte Besserung in Sachen Informationsweitergabe und ließ es sich nicht nehmen, uns am Abend ein Getränk in Harry’s Bar zu spendieren.
74. Reisetag – Freitag, 28.02.2025 – Seetag
Zusammen mit dem heutigen Tag liegen vier Seetage vor uns, bis wir in Auckland/Neuseeland festmachen werden.
Unser Kurs ist Süd-West, wir bewegen uns also vom Äquator weg und schon wird das Wetter schlechter, nur mehr etwas über 20°, bewölkt und ab und zu Regen, also ideale Bedingungen, um im Büro den 7. Blogeintrag fertigzustellen und dies per E-Mail und Facebook bekannt zu geben.
Laut Routenplan, so wie er auch immer noch im Internet steht, sollte am heutigen Freitag in der Nacht die Datumsgrenze überfahren werden.
Das hätte bedeutet, dass der Samstag (1.3.2025) übersprungen worden wäre und wir direkt im Sonntag (3.3.2025) gelandet wären.
Der Datumssprung fand aber gar nicht heute statt, sondern sollte erst morgen erfolgen. Das verriet uns das morgige Tagesprogramm, das wir heute am frühen Abend erhalten haben.
Wie es zu der Diskrepanz zwischen Routenplanung und Realität gekommen ist, blieb bisher im Dunkeln.
Jetzt könnte der geneigte Leser einwerfen, dass dies doch bei den vier Seetagen völlig egal ist, wann die Datumsgrenze überfahren wird und somit der Datumssprung erfolgt.
Es ist mitnichten egal!!! ☹
Bei der ursprünglichen Planung wäre der Samstag ausgefallen, jetzt aber fällt der Sonntag aus und damit drückt sich die ARTANIA erneut davor, die sonntägliche Schwarzwälder Kirschtorte zu kredenzen.
Wir können uns das nur so erklären, dass es an Bord eine geheime, bösartige Black-Forrest-Cake-Verschwörung gibt.
Das seit einigen Tagen bemerkbare leichte Kribbeln in der Nase hat sich heute zu einer richtigen Erkältung gemausert. Jetzt hat sie mich also auch erwischt, die ARTANIA-Seuche.
Das heißt, nach dem Abendessen den Tag nicht in Harry’s Bar beenden, sondern gleich Abmarsch ins Bett.
75. Reisetag – Samstag, 01.03.2025 – Seetag
Die Erkältung hält sich in Grenzen und ich konnte am normalen Bordleben teilhaben.
Reisetag, den es gar nicht gibt – Sonntag, 02.03.2025
Wie ist das nun genau mit dieser Datumsgrenze?
Seit wir Hamburg verlassen haben, wurde immer, wenn wir wieder 15 Längengrade von Ost nach West überfahren haben, die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Das machte ja auch insofern Sinn, weil die Sonne im Osten aufgeht, verschiebt sich der Sonnenaufgang je weiter man sich westlich bewegt.
Wenn man 24-mal jeweils solche15-Längengrad-Pakete überfahren hat, hat man in Summe 360 Längengrade überfahren (24 x 15 =360), also ist einmal rum um die Erde.
Bis heute haben wir die Uhr 11-mal zurückgestellt und beim Passieren des nächsten 15-Grad-Abschnitts werden wir die Uhr dann schon 12-mal zurückgestellt haben.
Wenn wir das Spiel so weitertreiben würden, hätten wir die Uhr genau 24 mal zurückgestellt, wenn wir wieder in Hamburg (bzw. Bremerhaven) ankommen. Dann hätten wir bei einem Abreißkalender auf dem Schiff ein Blatt weniger abgerissen als jemand, der während unserer Reisezeit in Deutschland geblieben wäre. Das Schiffsdatum würde mit dem Datum in Deutschland um einen Tag differieren, sprich hinterherhinken.
Spätestens jetzt müssten wir noch ein zusätzliches Kalenderblatt an Bord abreißen, damit die “Datümser“ wieder synchron sind.
Jetzt wurde uns, wenn wir die Uhr eine Stunde zurückstellen durften, diese Stunde nicht einfach geschenkt, wie oft behauptet wurde, sondern wir haben diese Stunde nur geliehen.
Wenn wir jetzt die Datumsgrenze überschreiten, müssen wir zuerst die Uhr noch einmal eine Stunde zurückstellen, aber gleichzeitig müssen wir auch unsere Zeitschulden bezahlen, d. h. wir müssen die Uhr jetzt um 12 Stunden vorstellen. Aber das Zeitgeschäft ist damit immer noch nicht angeschlossen, denn wir müssen noch weitere 12 Stunden “einzahlen“, sprich die Uhr um weitere 12 Stunden vorstellen. Jetzt haben wir die Uhr um 24 Stunden vorgestellt und somit ein “Zeitguthaben“ von 12 Stunden. Dieses Vorstellen der Uhr um 24 Stunden auf einen Schlag bedeutet, dass wir ein Kalenderblatt zusätzlich abreissen müssen.
Jetzt hinken wir der deutschen Zeit nicht mehr 12 Stunden hinterher, sondern sind 12 Stunden voraus.
Diese 12 Stunden bekommen wir nun peu à peu "zurückbezahlt", indem wir die Uhr Stunde um Stunde zurückstellen, je weiter wir nach Westen fahren, bis wir die wieder in Deutschland sind.*
Phoenix hat dieses Phänomen im Tagesprogramm vom Samstag, den 1. März, wie folgt erklärt:
* Bei meiner Erklärung habe ich so getan, als ob Hamburg genau auf dem 0. Längengrad liegen würde und zur gleichen Zeitzone wie London/Greenwich gehört, was beides nicht stimmt. Aber dadurch, dass in Deutschland zurzeit die Winterzeit gilt, passt meine Erklärung trotzdem.
76. Reisetag – Montag (Rosenmontag), 03.03.2025 – Seetag
Der mit Spannung erwartete Rosenmontagszug auf Deck 4 begann beinahe pünktlich um 11:00 Uhr. Die kleine Verspätung war der Tatsache geschuldet, dass sinnvollerweise erst das Ende des Vortrags vom Bordlektor Uwe Lexow “Neuseeland im Überblick“ abgewartet wurde.
Der Zug wurde von Kapitän Alex Zinkovski und Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka angeführt.
Die Motivwagen (Transportkarren und Einkaufswagen) sowie die Fu0gruppen wurden von den verschiedenen Abteilungen der ARTANIA gestaltet und besetzt.
Das Phoenix-Team.
Das Show-Ensemble.
Das Restaurant-Team, featuring Ani, unsere Lieblingskellnerin aus dem Lido-Restaurant.
Das Houskeeping-Team, erkannbar als solches an den mitgeführten Klopapierrollen.
Last but not least:
Das Getränkekellner-Team.
Deren Kostümierung bestand weitgehend darin, dass sie das weiße Hemd, das sie normalerweise unter ihrer Weste tragen, einfach weggelassen haben.
So bekam der Rosenmontagszug zum Schluss noch eine besondere sexy Note. 😊
Um ein Fazit zu ziehen:
An der Qualität und Originalität der Zugnummern gab es aber auch diesmal rein gar nicht zu bekritteln.
Aber: Früher war mehr Lametta!
Der Zug umkreiste diesmal das Deck nur einmal, im letzten Jahr gab es noch zwei Umdrehungen.
Die Ausbeute an „Kamelle“ war äußerst dürftig, was nicht nur an der fehlenden Runde gelegen hatte, sondern die Wurffrequenz und die jeweilige Wurfmenge waren eher verhalten. Es muss halt überall gespart werden und außerdem ist das besser so für die Zähne.
In diesem Sinne: ARTANIA Helau und Alaaf.
Die größte Überraschung gab es dann am Nachmittag zur Kaffeestunde.
Es gab Schwarzwälder Kirschtorte.
Wie war das möglich, schließlich war doch Montag und nicht Sonntag?
Da muss ich zwecks Erklärung dieses Wunders etwas weiter ausholen.
Benjamin von der Phoenix-Reiseleitung sitzt meist, wenn er nicht gerade Reisen leitet, an Seetagen in der Bibliothek ...
... und ist für den Gold- & Silber-Service zuständig.
Dieser Service dient als Anlaufstelle für die Gäste der Kabinenkategorien Gold und Silber für jedwede Fragen, Anregungen und Beschwerden. Benjamin ist dann praktisch die Schnittstelle zu den verschiedensten Departments auf der ARTANIA und insbesondere zu seinen Phoenix-Kollegen, die ja alle auch ganz spezielle Aufgaben innehaben.
Er hat für alles ein offenes Ohr, aber vor allem hat er keine zwei offenen Ohren, denn sonst ginge ja das Gesagte zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.
Wir mögen seine Art, wie er mit den Gästen umgeht und wie er bei Problemen kompetent nach Lösungen sucht und sie findet.
Und sein bereits erwähntes offenes Ohr ist auch sehr hellhörig. So bekam er vor einigen Tagen mit, wie wir in der Bibliothek mit einem Ehepaar am Nachbartisch über die Black-Forrest-Cake-Verschwörung flaxten.
Obwohl wir gar keine Gold- oder Silbergäste sind und wir auch nur geflaxt hatten, nahm er den Flax ernst, kam auf uns zu und gab an zu versuchen, gegen die besagte dunkle und im geheimen agierende Verschwörung vorzugehen.
Es gelang ihm tatsächlich, was wir nicht zu hoffen gewagt hatten, die Verschwörer zu neutralisieren. Am Kuchenbuffet strahlte uns die Schwarzwälder Kirschtorte entgegen.
Natürlich bedankten wir uns nach der Kaffeestunde bei Benjamin für seinen Einsatz, für den er übrigens einen sehr hohen Preis bezahlt hatte.
Denn montags ist eigentlich der Tag für den New-York-Cheese-Cake, sein Lieblingskuchen, auf den er sich die ganze Woche freut. Denn gab es heute natürlich nicht.
Im Eifer des Gefechts für die gute Sache hatte er die Konsequenzen seines Handelns nicht vollständig auf dem Radar gehabt und hat sich so selbst ins Knie geschossen.
Für seinen Einsatz gebührt ihm auf jeden Fall der Rosenmontagsorden am Band, ein kräftiger Tusch und der Narrhallamarsch.
77. Reisetag – Dienstag, 04.03.2025 – Seetag
Heute war der letzte Seetag des derzeitigen Reiseabschnitts. Somit standen Stadl-Frühschoppen, Abschiedscocktail und Galaabendessen auf dem Programm.
78. Reisetag – Mittwoch, 05.03.2025 – Auckland/Neuseeland
Um 7:00 Uhr machten wir an der Pier in Auckland fest. Da wir hier 3 Tage liegen werden, war keine besondere Eile bei den Vorbereitungen für unseren Landgang geboten.
So stornierten wir zunächst einmal die für morgen geplante 4-stündige Walbeobachtung, die wir im Internet über die Plattform Tripadvisor gebucht hatten. Stornierungen bis 24 Stunden vor Tourbeginn sind kostenlos.
Bei der Buchung war nicht klar, mit welcher Art Boot die Tour durchgeführt wird. Man muss erst buchen, erst dann kann man mit dem Veranstalter Kontakt aufnehmen. Aber der Veranstalter hielt es nicht für nötig, unserer Frage nach dem Boot zu beantworten.
So wussten wir nicht, ob es sich um ein „Freiluft-Schiff“ handelt oder ob es auch Innenräume hat. Bei Temperaturen um die 20 ° (und einer gerade überstandenen Erkältung) wäre es nicht besonders prickelnd 4 Stunden lang dem Fahrtwind ausgesetzt zu sein.

Foto aus 2023: Trotz Halstuch und Strickjacke hatten wir uns auf dieser windigen Fahrt eine Erkältung eingefangen.
Eine ähnliche Fahrt bei ähnlichem Wetter hatten wir vor einigen Jahren zusammen mit Bekannten 2023 im Khasab/Oman unternommen (Delfinbeobachtung), haben uns den Allerwertesten dabei abgefroren und wurden anschließend fast alle krank (siehe Blog von 2023).
Gleich ein Eye-Catcher nach dem Verlassen des Passagierterminals, ein Werbeplakat der All Blacks, der Rubgy-Nationalmannschaft von Neuseeland.
Die Mannschaft ist Kult und gehört zu Neuseeland genau so wie das Nationalsymbol, der Kiwi.
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Das Downtown Ferry Terminal am Fährhafen.
Ein altes, aber sehr schön restaurierte Gebäude; ein Relikt aus einer anderen Zeit inmitten der mordernen Hochhäuser.
Unser heutiger Landgang führte uns zunächst zu den Fähranlegern.
Dort konnten wir feststellen, dass das Boot für die Walbeobachtung ein ausgewachsener Katamaran war und kein offenes Bötchen nur mit einem Sonnensegel ausgestattet.
Also sollte es kein Problem, die Tour erneut zu buchen. Es war aber doch ein Problem und zwar ein unlösbares. Es gab für morgen keine freien Plätze mehr.
Ein Alternativprogramm war aber schnell gefunden. Vom selben Fährhafen gab es auch eine Verbindung zur gut 10 Kilometer entfernten Insel Rangitoto.
Fahrkarten hierfür konnten wir direkt am Automaten kaufen.
Wir zogen gleich für morgen 10:30 Uhr unsere Tickets. (Für uns beide zusammen 116 NZD = 63 € für Hin und Rückfahrt.)
Nun konnte unser eigentliches Programm starten, nämlich ein Stadtrundgang mit dem virtuellen Stadtführer Adventure Lab.
Er führte uns zu den folgen Sehenswürdigkeiten:
- Memorial Beacon (Leuchtturm zur Erinnerung).
Dieses Denkmal befand sich ganz in der Nähe unseres Liegeplatzes an der Uferpromenade.
Im Gegensatz zu anderen Kriegsdenkmälern, die in der Regel nur an die Gefallenen erinnern, erinnert diese Denkmal namentlich an alle Mitarbeiter der Auckland Harbor Board (Hafengesellschaft von Auckland), die während des 1. Weltkriegs zum Militärdienst eingezogen wurden, also auch an die, die den Krieg überlebt haben. - Downtown Ferry Terminal, ebenfalls an der Uferpromenade gelegen. Ein 1912 fertiggestelltes Gebäude im Neo-Barock-Stil.
- Old Custom House, das alte Zollhaus aus dem Jahre 1880. Es wurde im neoklassizistischen Baustil errichtet.
- St. Patrick's Square, ein charmantes und ruhiges Plätzchen mitten im hektischen Großstadtgetümmel von Auckland.
- St. Patrick's Cathedral, eine römisch-katholische Kirche.
Während eines Aufenthalts in Auckland ist eigentlich der Sky Tower ein absolutes Muss, aber da wir dort 2017 bereits ganz oben waren, haben wir ihn diesmal links liegen gelassen. Stattdessen machten wir noch einen kleinen Bummel durch die sehr noble Queen Street. Sie ist die bekannteste Straße der Stadt.
Mit heiß gelaufenen Füßen kehrten wir am Nachmittag zum Schiff zurück.
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Während wir uns ins der Stadt vergnügten, bunkerte die ARTANIA Lebensmittel und sonstige wichtige Dinge, wie z. B. Toilettenpapier.
79. Reisetag – Donnerstag, 06.03.2025 – Auckland/Neuseeland
Der zweite Tag unseres Neuseelandaufenthalts bedeutet: Neuer Reiseabschnitt und Passagierwechsel.
Der neue Reiseabschnitt wurde von Phoenix mit „Das Beste Neuseelands und Tasmaniens!“ betitelt.
Während viele der Gäste sich im Abreisestress befanden, frühstückten wir erst einmal in Ruhe und bereiteten uns anschließend auf den Landgang vor. Das heißt z. B. Sonnenschutz auftragen. Obwohl die Temperaturen sich maximal um die 20° bewegen, ist die Sonne trotzdem sehr heimtückisch.
Nachdem auch der Rucksack fertig gepackt war, machten wir uns auf den kurzen Weg zum Fähranleger, um von dort zur Insel Rangitoto überzusetzen. Die Tickets hatte wir ja gestern schon gekauft.
Dort bestiegen wir die Fähre, die uns in einer knappen halben Stunde zur Insel Rangitoto brachte.
Die kleine runde Insel (Durchmesser ca. 5,5 Kilometer) ist unbewohnt.
In den 1920er und 1930er Jahre gab es her noch etliche Ferienhäuser. Diese waren dann aber seit 1937 verboten und wurden abgerissen, bis auf eine kleine Anzahl, die praktisch als Freiluftmuseum dienen.
Die Insel vulkanischem Ursprungs ist heute ein Naturreservat und außer Spazierengehen und Wandern kann man hier nichts unternehmen.
Die gut 100 Leute, die das Fährschiff auf der Insel abgeladen hatte, "verflüchtigten" sich sehr schnell und waren bald aus unserem Blickfeld verschwunden.
Die meisten machten sich wohl auf den Weg zum 260 Meter hohen Gipfel, was uns zu strapaziös erschien und so blieben wir die meiste Zeit nur knapp über dem Meeresspiegel.
Wir hatten das Gefühl, als wären wir ganz alleine auf dieser schönen Insel.
Menschen begegneten wir erst wieder, als wir in die Nähe des Stegs kamen, der zum Fähranleger führte.
80. Reisetag – Freitag, 07.03.2025 – Auckland/Neuseeland
In und um Auckland gibt es eine Reihe von erloschenen Vulkanen. Der Mount Eden ist einer davon und ist ein beliebtes Ausflugsziel.
Mit dem Bus (der Linie 27H oder 27W fährt man vom Zentrum ca. 5 Kilometer bis zur Haltestelle Tahiki Reserve und gelangt so an den Fuß des Vulkankegels Mount Eden.
Das Bezahlen der Busfahrt (ca. 1,50 € pro Strecke) erfolgt sehr einfach, kontaktlos mit der Kreditkarte. Zuerst beim Einsteigen, dann wieder beim Aussteigen hält man die Karte an das Lesegerät und der Fahrpreis wird von der Karte abgebucht.
Mit 196 Meter Höhe ist der Mount Eden die höchste Erhebung von Auckland.
Die letzten 100 Höhenmeter mussten wir zu Fuß bewältigen.
Oben angekommen, konnten wir einen Blick in den 50 Meter tiefen grasbewachsenen Krater werfen und hatten einen wunderbaren 360° Rundumblick auf die Stadt und die Umgebung.
Unser Rückweg führte uns zum nahegelegenen Friend & Whau Café.
Hier konnten wir uns vom Auf- und Abstieg vom Mount Eden erholen.
In den Räumen des Cafés gab es auch eine interessante Ausstellung über die Geschichte des Vulkans.
Sowohl geologische Aspekte als auch die Besiedlung dieses Vulkankegels durch das indigene Volk der Māori wurden durch Fotos, Texttafeln und Exponate erklärt.
In einem kleinen Kino lief in Endlosschleife ein Film, der die Ausstellung ergänzte und Lust auf die anderen Vulkanberge in und um Auckland machte.
Noch eine kleine ARTANIA-Episode zur Abrundung des Tages. Der Episode gebe ich mal den Arbeitstitel “Skandal der Herzen“.
Zu Beginn einer jeder Reise bzw. jedes Reiseabschnitts fanden wir bisher in der Kabine zwei Schoko-Herzen vor. Aber diesmal verlief der Start der neuen Etappe für uns absolut herzlos.
Von unserer Kabinenstewardess erfuhren wir, dass deren Supervisor, das ist ihr direkter Vorgesetzter, verfügt hatte, dass sogenannte Transitgäste ab sofort von der Herzensgabe auszuschließen seien. Zur Erklärung, Transitgäste sind Passagiere, die bereits bei der vorherigen Etappe dabei waren und nicht neu an Bord gekommen sind.
Die Schoko-Herzen sind ein Willkommensgeschenk und der Transitgast wurde ja bereits willkommen geheißen. Diese revolutionäre Erkenntnis muss der Auslöser für die innovative Sparmaßnahme gewesen sein.
Das Streichen dieses kleinen Goodies mitten in einer Weltreise ist meines Erachtens aber hochgradig albern. Das sah der Kreuzfahrtdirektor übrigens genauso ...
... und am Abend fanden alle Transitgäste wie gewohnt ihre Schokoherzen auf der Kabine vor.
Nach der beinahe erfolgreichen Einführung „Kein Herz für Transitgäste“ könnte man ja mal über „Keine Rettungsübung für Transitgäste“* nachdenken. 😊
Heute um 19:45 Uhr mussten wir hierzu zum 5. mal samt Rettungsweste erscheinen.
* Anmerkung:
Die Rettungsübungen sind laut internationalem Seerecht auch für Transitgäste obligatorisch, während die Gabe von Schokolade international nicht geregelt ist und somit nicht verpflichtend.
81. Reisetag – Samstag, 08.03.2025 – Bay of Islands/Neuseeland
Bay of Islands bezeichnet eine nördlich von Auckland gelegene bekannte Urlaubsregion, die aus den Orten Paihia, Russel, Kerikeri und Kawakawa besteht sowie aus mehr als 140 Inseln und Eilanden.
Wir hatten im Internet über die Plattform einen Ausflug gebucht, der von den Zielen und der Dauer fast identisch mit einem Phoenix-Ausflug war. Preislich war unsere Buchung sogar preiswerter als bei Phoenix (dort 139 €/Person). Das ist aber nicht entscheidend. Für eine Tour mit wenigen Teilnehmern (hier: maximal 11 Personen) wären wir durchaus bereit gewesen, etwas mehr zu zahlen.
Unser Ausflug, durchgeführt von Mullarkey Tours nannte sich “Kawiti Glow Worm Caves, Hundertwasser Exhibition Centre & Opua Forest Walk Tour“.
Der Ausflug sollte schon um 9:30 Uhr losgehen, aber wir wären als private Landgänger laut Tagesprogramm erst um 10:15 Uhr mit dem Tendern dran gewesen. Für solche Fälle ist die Phoenix-Reiseleitung flexibel und wir durften als Beipack mit dem 8:45 Uhr Tender mitfahren.
An Land wartete bereits unser Guide Holger und die 6 anderen Tourteilnehmer auf uns. Holger ist ein gebürtiger Deutscher, der irgendwann nach Neuseeland ausgewandert ist.
Da unsere 6 Mit-Ausflügler ebenfalls ARTANIA-Passagiere waren, konnte die Tour in Deutsch statt in Englisch durchgeführt werden.
Mit Holger als Guide hatten wir das Glück, dass seine Erklärungen nicht nur in Deutsch, sondern auch verständlich, immer kurzweilig und oft humorvoll waren.
Im Mini-Van ging es los und nach einigen Fotostopps kamen wir bei der Glühwürmchenhöhle an.
Eine einheimische Maori-Guide führte uns durch die Höhle.
Vorher wurden wir vergattert die Wände der Höhle und die Stalaktiten und Stalagmiten nicht anzufassen. Außerdem durfte nicht fotografiert werden.
Die Höhlendecke mit den leuchtenden Glühwürmchen sah aus wie ein Sternenhimmel. Wir hätten auch viel über die Lebensform der Glühwürmchen lernen können, wenn unsere Englischkenntnisse besser wären, denn die Führung war in Englisch.
Gerade als unsere Führung zu Ende war, kam ein vollbesetzter Bus mit Phoenix-Ausflüglern an, deren direkter Weg gleich nach dem Aussteigen zu dem Toilettenhäuschen führte.
Auch wir hatten gleich nach der Ankunft bei der Höhle diese Einrichtung genutzt.
Wir konnten aber das Häuschen „just in time“ nutzen, während sich bei den 50 Ausflugsteilnehmern zwangsläufig sofort eine Warteschlange gebildet hatte.
Bei der Höhlenführung musste dann die Busladung noch in mehrere Teilgruppen aufgeteilt werden, die dann nacheinander durch die Höhle geführt wurden.
Der Vorteil einer kleinen Gruppe ist einfach unbezahlbar
Unser nächstes Ziel war die Hundertwasser-Toilette in Kaewakawa.
Der bekannte österreichische Künstler Friedensreich Hundertwasser
(* 15.12.1938 – † 19.2.2000) ...
... lebte über einen längeren Zeitraum für jeweils 6 Monate im Jahr hier in der Gegend, um seine „Batterien aufzuladen“, wie uns Holger erklärte. Der Zyklus, immer für 6 Monate hier zu sein, war den Visa-Bestimmungen geschuldet. Ein Visum hat eine maximale Gültigkeit von 6 Monaten und erst nach Ablauf von weiteren 6 Monaten kann ein Neues beantragt werden.
Während seines Aufenthalt war eine öffentliche Toilette in Planung und Hundertwasser plante mit und sein Entwurf wurde schließlich realisiert.
2020 wurde das Hundertwasser Cultural Centre eröffnet, dass natürlich im Hundertwasser-Stil gestaltet ist, einschließlich der dortigen Toiletten.
Das Souveniergeschäfte an der Hauptstraße, wo sich auch das berühmte Toilettenhäuschen befindet, imitiert den Hundertwasser-Stil

Man lasse sich durch die Aufschrift "15 min" nicht täuschen. Mit Holger dauerte der Opua Kauri Walk mehr als eine Stunde."
Nach der Kultur stand jetzt noch einmal die Natur auf dem Programm, der Opua Forest.
Das Besondere an diesem Wald sind die Kauri-Bäume, die bis zu 4.000 Jahre alt werden können.
Die Kauri-Bäume sind kerzengerade und sehr hoch.
Das hatte zu Zeiten der Segelschiffe die Begehrlichkeiten der Schiffsbauer geweckt, denn diese gerade gewachsenen Bäume eigneten sich ausgezeichnet als Schiffsmasten.
Deshalb gibt es heute hier nur noch wenige Exemplare, die streng geschützt sind.
Der Opura Kauri Walk ist ein schmaler Pfad, der in den Wald hineinführt.
Vor dem Betreten des Pfads mussten wir uns mit groben Bürsten die Schuhsohlen säubern, damit nichts in den Wald hineinkommt, was da nicht hingehört, insbesondere fremde Samen und Sporen.
Schon auf dem Weg hierher, eine schmale Schotterstrecke, wären große Reisebusse gescheitert und 50 Leute hier durch den Naturpfad zu schleusen, hätte sowieso wenig Sinn gemacht.
Holger brachte uns auf dem Pfad die Besonderheiten und Eigenarten der Bäume und Pflanzen dank seiner Erzählkunst näher.
Nach über 4 interessanten und unterhaltsamen Stunden brachte er uns zur Tenderpier zurück, wo wir uns von ihm verabschiedeten.
Solche tollen Ausflüge, wo man sagen kann, dass sie jeden Euro wert waren, sind ein echter Glücksfall.
82. Reisetag – Sonntag, 09.03.2025 – Seetag (mit Begrüßungsgala)
Heute wäre, von der Gala einmal abgesehen, ein normaler Seetag gewesen, wenn die Black-Forest-Cake-Verschwörung auch an diesem Sonntag nicht wieder ihr Unwesen getrieben hätte.
Das Unheil kündigte sich schon zur Mittagszeit an, ...
... um dann am Nachmittag voll zuzuschlagen.
Schwarzwälder Kirsch Torte ade!!!
Unser Held Benjamin, der vor zwei Wochen dafür gesorgt hatte, dass trotz des wegen Datumssprung ausgefallenen Sonntags dann am Folgetag die heißgeliebte Torte angeboten wurde, ist nicht mehr auf der ARTANIA. Er begleitet das Nachprogramm in Auckland und fliegt anschließend nach Hause; er hat dann Urlaub, konnte also nichts für uns tun.
Missmutig machten wir uns um 15:30 Uhr auf den Weg in das Restaurant Vier Jahreszeiten und kreisten lustlos um das Kuchenbuffet.
Da sprach uns unerwartet Antony an, der hier als Supervisor die Aufsicht führte. Wenn wir wollten, könnte er uns Schwarzwälder Kirsch besorgen. Das wollten wir.
Auf welchen Kanälen diesmal der Schlag gegen die Black-Forest-Cake-Verschwörung gelungen war, blieb im Dunkeln. Vielen Dank an den Robin Hood des Black-Forest, der im Stillen und im Untergrund wirkt.
83. Reisetag – Montag, 10.03.2025 – Gisborne/Neuseeland
Gleich nach dem Aufstehen, die ARTANIA hatte bereits den Anker vor Gisborne geworfen, genügte ein Blick aus dem Fenster und es war klar: Heute kann nicht getendert werden.
Alsbald erfolgten auch die entsprechenden Durchsagen über Bordlautsprecher und das Bordfernsehen.
Ursprünglich wollte man noch 2 Stunden abwarten, ob das Wetter vielleicht doch besser wird, aber sowohl der Wetterbericht als auch der Hafenmeisters legten uns nahe, dass das Warten auf besseres Wetter keine Aussicht auf Erfolg haben würde.
Die Idee, schon heute nach Napier zu fahren, um dort am späten Abend festzumachen, wurde ebenfalls fallen gelassen.
Das Anlegen schon heute Abend gegen 22:00 Uhr hätte mit 85.000 NZD (ca. 45.000 €) an zusätzlichen Hafengebühren zu Buche geschlagen. Da das Nachtleben von Napier eher sehr übersichtlich sein soll, wäre das Kosten-Nutzen-Verhältnis ungünstig, also hohe Kosten, wenig Nutzen. So hatte die Reiseleitung dann beschlossen, gemächlich Richtung Napier zu fahren und dort wie geplant am morgens um 7:00 Uhr anzukommen. Eine Entscheidung, die wir gut nachvollziehen können.
Gegen 9:00 Uhr wurde das schnell auf die Beine gestellte neue Tagesprogramm bekannt gegeben.
Bei der Bekanntgabe des Programmpunkts „Locker vom Hocker“ im Bordkino durchzuckte es uns.
„Locker vom Hocker“ war nämlich bis 2020 im Bordkino eine humorvolle Vortragsreihe von Professor Gerd Habenicht. Professor Habenicht war Stammgast auf der ARTANIA und bekam vom Phoenix-Entertainment-Manager immer mal wieder die Gelegenheit, im Bordkino etwas zum Besten zu geben.
Er, auf einem Barhocker sitzend mit einer kecken Fliege um den Hals, trug vor und seine Frau Elke bediente die Technik, speziell Laptop und Beamer. Neben seinen humorvollen Vorträgen (z. B. zum Thema Limericks) referierte er auch über Richard Wagners Ring der Nibelungen.
Sehr viele Passagiere haben Prof. Habenicht und seine Frau Elke gekannt. Beide waren äußerst beliebt. Auch wir haben oft beim Essen zusammen mit Familie Habenicht gesessen und uns unterhalten.
Prof. Habenicht hätte gerne im Januar 2021 auf der ARTANIA seinen 90. Geburtstag gefeiert, aber wegen Korona gab es zu dieser Zeit keine Kreuzfahrten.
Am 12. Oktober 2021 ist er verstorben. Wir fanden damals mehr zufällig die Todesanzeige in der Süddeutschen Zeitung.
Vielleicht kann der Leser jetzt ein wenig verstehen, dass sich für uns „Locker vom Hocker“ im Zusammenhang mit Sitzgymnastik im Bordkino irgendwie nicht richtig anfühlt.