06. Blogeintrag 01.02.2025 - 10.02.2025
47. Reisetag – Samstag, 01.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (1)
Das Wetter ist nach wie vor bescheiden.
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Die Karte aus dem Bordfernsehen zeigt die zurückgelegte (gelb) und die vor uns liegende (orange) Strecke.
(Die Landesgrenzen sind braun und ähneln leider sehr der orangen Streckenführung)
Das ist sehr schade, denn die imposanten Landschaften backbord und steuerbord entlang der Kanäle und Fjorde, die wir durchkreuzen, könnte man bei Sonnenschein und auf den Außendecks viel besser genießen.
So müssen uns halt mit dem Blick aus den Fenstern begnügen.
Gegen 15:30 Uhr klarte es rechtzeitig etwas auf, denn die ARTANIA steuerte im Peel Fjord auf den gigantischen Amalia-Gletscher zu.
Dem Apell des Kapitäns, sich dieses Naturereignis auf den Außendecks anzusehen, folgten die meisten Passagiere, obwohl genau parallel zu dieser Zeit die Kaffeestunde stattfand – Pech für den Kuchen.
Heute stellte ich einen weiteren Teil dieses Reiseblogs online, wofür ich einen intakten Internetzugang brauche. Das Internet auf dem Schiff ist mittlerweile stabil und genügend schnell. Der Ärger, dass man manchmal minütlich rausflog und sich neu anmelden musste oder der Verdruss über Totalausfälle und elend langes Warten, bis sich eine Seite aufgebaut hat, gehören nun endgültig der Vergangenheit an.
Die Internet-Flatrate auf der ARTANIA für die gesamte Reise ist zwar teuer (799,00 €), aber mittlerweile das Geld auch wert.
Noch vor einigen Jahren hatte ich diese Kosten gescheut und habe auf unseren Landgängen oft das Netbook im Rucksack mitgenommen, um freies WLAN zu suchen, damit ich Text und Fotos (etliche Megabytes) hochladen konnte. Das ist natürlich mit der Flatrate an Bord viel komfortabler und das Netbook braucht nicht mit an Land.
Auch die Beschaffung von Informationen über die verschiedenen Reiseziele im Internet selbst ist sehr viel einfacher geworden. Gerade über unsere Ziele der letzten Wochen in Südamerika gab es viele interessante Internetseiten auf Spanisch. Mit einem einzigen Mausklick übersetzt der Firefox-Browser fremdländische Sprachen, egal ob Spanisch, Englisch oder Portugiesisch mühelos in ein verständliches Deutsch.
48. Reisetag – Sonntag, 02.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (2)
Das Wetter blieb weiterhin unverändert trübe.
Gegen 12:00 Uhr, die ARTANIA kreuzte gerade im Messier-Kanal, “mussten“ alle Mann/Frau raus an Deck zum Fotografieren, denn wir passierten das Wrack des Frachters Capitàn Leonidas.
Das Schiff wurde am 7. April 1968 absichtlich auf Grund gesetzt.
Der Kapitän wollte das Schiff wegen eines Versicherungsbetrugs versenken. Das Schiff wurde jedoch nur auf Grund gesetzt und der Betrug flog auf. Das Wrack benutzt die chilenische Marine manchmal als Ziel für ihre Schießübungen.
Sonntags wird zur Kaffeestunde normalerweise Schwarzwälder Kirschtorte (Black Forrest Cake) angeboten. Normalerweise, denn wenn sonntags eine Themen-Kaffeestunde stattfindet, wie z. B. “Alles Schokolade“ oder “Wiener Kaffeehaus“, gibt es Gebäck und Süßspeisen, die dem jeweiligen Thema geschuldet sind, aber eben keine Schwarzwälder Kirsch.
Gegenüber dem Hoteldirektor flachsten wir vor einiger Zeit einmal tränenreich, dass wir das hinterhältige Aushebeln der Schwarzwälder-Kirsch-Verköstigung durch diese Sonderveranstaltungen missbilligen würden.
Und heute war es wieder soweit – Wiener Kaffeehaus – Schwarzwälder Kirsch ade!
Aber dann die glückliche Wende. Am Vormittag besuchte uns der Hoteldirektor im Büro (also in der Bibliothek), wo ich ein wenig am Blog arbeitete und er eröffnete uns, dass es trotz Wiener Kaffeehaus dennoch Schwarzwälder Kirsch geben würde. Wir könnten diese beim Kellner bestellen.
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Heute war das Wiener-Kaffeehaus-Buffet zusätzlich mit thematisch passenden Kohlezeichnungen dekoriert, die ein Crewmitglied angefertigt hatte.
Pünktlich um 15:30 Uhr eilten wir in das Restaurant Vier Jahreszeiten.
Dort wurde schon das Kuchenbuffet gestürmt, wo Sachertorte, Hawelkas Gugelhupf, Kaiserschmarren, Topfenstrudel etc. auf die ausgehungerten Passagiere wartete. Schwarzwälder war an dem Buffet natürlich nicht präsent, denn das wäre Stilbruch, politisch nicht korrekt und kulturelle Aneignung gewesen.
Wir nahmen an einem Tisch Platz und fragten vorsichtig beim Kellner nach, ob man tatsächlich Black Forrest Cake ordern könne. Der Kellner wusste tatsächlich Bescheid, entschwand und kam mit 2 Tellern wieder, auf jedem ein Tortenstück, doppelt so breit wie normal und auch noch doppelt so hoch. Der Konditor hatte anscheinende jeweils 2 breite Tortenstücke irgendwie übereinander drapiert.
Grinsend servierte uns der Kellner diese Ungetüme.
Genüsslich machten wir uns über die dargereichte Atzung her, die neidischen Blicke der benachbarten Kaffeehaus-Besucher ignorierend.
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Die grandiose vorbeiziehende Fjordlanschaft konnten wir wetterbedingt nur durch die Panoramafenster bewundern.
Zum Abendessen begnügten wir uns mit einem Teller Chilenische „Pantrucas“ Gaucho Suppe, für mehr war kein Platz.
49. Reisetag – Montag, 03.02.2025 – Seetag/chilenische Fjorde (3)
Im letzten Blogbeitrag (Eintrag vom 27.1.2025) hatte ich meine Verwunderung ausgedrückt, dass der MLP-Finanzberater Matthias Uffelmann an Bord Vorträge hält, ohne “zuzugeben“, dass er für den (teilweise umstrittenen) Finanzdienstleister MLP arbeitet.
In Facebook hat eine Passagierin als Reaktion auf meinen Blog diesen Kommentar gepostet, der genau auf meiner Linie liegt.
Diese Passagierin, Barbara Moormann, arbeitet als selbstständige Journalistin. Ihre Fachgebiete sind Geldanlagen und Steuern.
Sie sprach mich gestern in “meinem Büro“ an. Sie hatte Herrn Uffelmann direkt mit seiner MLP-Tätigkeit konfrontiert und ihm gegenüber geäußert, dass es sich gehören würde, wenn zumindest in den Vorankündigungen im Tagesprogramm ein Hinweis auf MLP erscheinen würde. Angeblich hat er erwidert, dass er damit kein Problem hätte. Allerdings waren für seine Vorträge am 1.2.2025 “Die Immobilie als Kapitalanlage“ und am 2.2.2025 “Pflegevorsorge - Gut abgesichert im Pflegefall“ wieder keine Hinweise auf MLP im Tagesprogramm zu finden.
Ich bin nach wie vor skeptisch. Zwar versicherte Herr Uffelmann der Dame, dass er keine Neukunden mehr annehme und deswegen auch keine Adressen akquirieren würde, aber er hatte in einem seiner Vorträge angeboten, dass Interessenten kostenlos ein an sich kostenpflichtiges Finanzanalyse-Tool nutzen könnten. Er hat zu diesem Tool einen persönlichen Internetzugang und würde diesen Zugang zur Verfügung stellen. Die Analyse kann anonym durchgeführt werden, man müsse “nur“ seine E-Mail-Adresse hinterlegen.
Nach solch einer Analyse steht sicherlich ein konkretes Finanzprofil verknüpft mit einer E-Mail-Adresse zur Verfügung und das im Zugriff eines MLP-Finanzberaters.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich Herrn Uffelmann schreiendes Unrecht tue, kann ich nicht glauben, dass solch ein Datenschatz ungenutzt bleibt, egal ob von ihm selbst oder von einem seiner MLP-Kollegen.
Auf alle Fälle sind seine Vorträge ein voller Erfolg. Das Bordkino, in dem er die Vorträge hält, ist immer bis auf den letzten Platz besetzt. Nach den Vorträgen bildet sich eine Traube von Fragestellern um den Referenten; die Leute sind sehr interessiert. Ja, wer möchte nicht, dass sich sein Geld wie von selbst kräftig vermehrt.
Ob sich aber Phoenix auf lange Sicht mit solch einem Vortragskonzept einen Gefallen tut, bleibt dahingestellt. Mir drängt sich in diesem Zusammenhang der Begriff “Kaffeefahrt“ auf.
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Auch am 3. Tag in den chilenischen Fjorden war das Wetter wieder schlecht. Trübe Sicht, sehr oft Regen und starker Wind.
50. Reisetag – Dienstag, 04.02.2025 – Castro/Insel Chiloé/Chile
Eigentlich hatten wir für heute über die Internetseite einen privaten Ausflug gebucht (u.a. Besuch einer Pinguinkolonie), den wir leider wieder stornieren mussten, da Doris kränkelte – ARTANIA-Husten + alle möglichen Erkältungssymptome.

Die wenigen Plätze "oben" im Tenderboot sind die beliebtesten, sie haben nämlich den Vorteil, dass man zu den Ersten gehört, die wieder aussteigen können. Der Zeitgewinn kann bis zu 5 Minuten gegenüber dem zuletzt Aussteigenden betragen. Doris und ich haben allerdings noch nie um diese Plätze gekämpft.
Die ARTANIA lag auf Reede und ich tenderte notgedrungen solo an Land ...
... und unternahm einen ausgiebigen Stadtrundgang in der quirligen City mit den unzähligen kleinen Läden und Geschäften.
Das Wetter zeigte sich endlich mit sonnigen 20° von seiner freundlicheren Seite.
Castro ist eine quirlige bunte Stadt mit 34.000 Einwohnern, die sich im Chiloé-Archipel befindet.
Eine der wenigen Sehenswürdigkeiten ist die zum Weltkulturerbe gehörende Pfarrkirche San Francisco de Castro.

Der zentrale Omnibus Bahnhof.
Unzählige Schalter der verschiedenen Busgesellschaften und ein Kommen und Gehen unzähliger Busse. Ich denke, hier kommt die Fahrplanauskunft von Google an ihre Grenzen.

Eine typische Geschäftsstraße. Wegen des dichten Verkehrs ist eine Aufnahme ohne ein Fahrzeug fast unmöglich.
Mein Trost: Dadurch wird die Aufnahme authentisch. 😊
Nach 3 Stunden ging es per Tenderboot wieder zurück zur ARTANIA.
Das heutige Tendern war die wahre Freude, keine Wartezeiten und das Boot nur halb gefüllt.
Um 20:00 Uhr wurde der Anker gelichtet und weiter ging die Reise.
51. Reisetag – Mittwoch, 05.02.2025 – Puerto Montt/Chile
Hier in Puerto Montt bestand wieder mal die Hafenbehörde darauf, ihre eigene Gangway an die ARTANIA anzuklöppeln. Erfahrungsgemäß geht so ein Vorhaben meist nie glatt. Wen wundert’s, dass die Durchsage kam:
"Die geplanten Ausflugszeiten verschieben sich mindestens eine halbe Stunde nach hinten, da es Schwierigkeiten gibt, die hafeneigene Gangway anzubringen.“
Der Wetterbericht sagte für heute bedeckten Himmel und Wind voraus, aber keinen Regen.
Den Landgang musste ich auch heute alleine antreten, da Doris immer noch von dem ARTANIA-Husten geplagt wurde. Der ARTANIA-Husten scheint seit vielen Jahren eine Dauerseuche hier auf dem Schiff zu sein, das halbe Schiff hustet.
Ich trabte also allein los, ohne genaues Ziel und Plan. In so einem Fall strebt man am Besten auf den Plaza de Armas (Paradeplatz) zu, den es anscheinend in jeder chilenischen Stadt gibt und der in den Reiseführern erwähnt wird.
Auf dem Weg dorthin kam ich an einem kleinen Fähranleger vorbei.
Von hier setzte ein kleines Fährboot zur nahe gelegenen Insel Tenglo über.
Die wenige Minten dauernde Fahrt sollte 1.000 Pesos (1 €) kosten und da meine chilenische Barschaft noch stolze 4.000 Pesos betrug, konnte ich mir eine Fahrt auf die Insel und - was besonders von Belang ist - auch die Rückfahrt leisten.
Somit wurde das Projekt „Plaza de Armas“ auf Eis gelegt.
Die Insel Tenglo mit den vielen Booten am Strand ...
... und dem Kreuz oben auf der Bergspitze hatten wir schon vom Promenadendeck der ARTANIA gesehen und sie hatte gewisse touristische Begehrlichkeiten geweckt.
Drüben angekommen ...

Isla Tenglo hat ca. 1000 Bewohner und anscheinend genausoviele freilaufende Hunde, die sich aber alle als harmlos erwiesen.
... machte ich mich gleich auf dem Weg zum “Gipfelkreuz“, ...
... das sich laut GPS 101 Meter über dem Meeresspiegel befindet.
Der Weg dorthin war steil, sehr steil.
Meine Smartwatch meldete einen Puls von 125, als ich oben ankam.
Die Aussicht war allerdings nur mittelprächtig bis trüb.
Zu allem Überfluss erwies sich die prognostizierte Regenwahrscheinlichkeit von 0% als unzutreffend, ...
... denn es fing an zu regnen, nicht besonders heftig, aber der starke böige Wind sorgte dafür, dass der Regen nicht von oben, sondern von vorn sein Unwesen trieb und mein Schirm rein gar nichts dagegen ausrichten konnte.
Der daraufhin eingeleiteter Rückzug erfolgte ohne besondere Vorkommnisse, wenn man davon absieht, dass ich nasser und nasser wurde.
Das Fährboot wollte gerade abfahren und wartete zum Glück dann doch noch freundlicherweise auf mich.
Völlig durchnässt kam ich auf der ARTANIA an.
Ich hoffe, dass das Regenabenteuer nicht der Beginn einer wunderbaren Freundschaft mit einem Infekt ist, egal ob bakteriell oder viral. ☹
Der eigentliche Grund, warum Puerto Montt angelaufen wird, ist unter anderem der 2652 m hohe Vulkan Osorno (und nicht unbedingt Isla Tenglo).
Einen wunderschönen Panoramablick auf den Osorno hat man vom Ufer des Llanquihue-See. Hierhin gingen heute auch einige Ausflüge.
Leider war den Ausflüglern der Panoramablick auf den kleiner Fuji, wie der Osorno auch genannt wird, auf Grund der Witterung verwehrt.
Die Abfahrt aus Puerto Montt wurde von ursprünglich 18:00 Uhr auf 17:00 Uhr vorverlegt.
Einer der Flüge übermorgen, der die abreisenden Passagiere nach Hause bringen soll, geht schon sehr früh am Morgen los. Deshalb will die ARTANIA übermorgen, nach einem Seetag, in San Antonio statt wie geplant um 8:00 Uhr, schon um 6:00 morgens ankommen.
Jetzt mussten sich die Hafenarbeiter, die Lebensmittel verluden, ein wenig beeilen. Nicht nur die frühere Abfahrt, sondern auch die fortschreitende Ebbe trieb sie zur Eile an. Wegen der Ebbe befand sich die Ladeluke auf Deck 1 jetzt unterhalb der Pier, sodass die Kisten nicht mehr mit Gabelstablern ins Schiffsinnere verbracht werden konnten, sondern mit einem Kran umständlich auf Deck 4 an die Phoenix-Bar gehievt und von dort von der ARTANIA-Crew in die Laderäume verfrachtet werden mussten.
52. Reisetag – Donnerstag, 06.02.2025 – Seetag
Den gestrigen Gala-Abend feierten wir mit Schnitzel und Hot Dogs, die wir über den Kabinenservice orderten. Getrübt wurde das Festmahl durch die Tatsache, dass das chilenische Bier, das ich in Castro gekauft hatte, nicht richtig temperiert war, obwohl es im Kühlschrank in der Kabine gelagert wurde.
Eine Temperaturmessung im Kühlschrank mit unserem Zimmerthermometer ergab eine Temperatur von viel zu hohen 18°.
Da der Kühlschrank keine Temperaturregelung besitzt, baten wir über die Rezeption einen Techniker zu schicken, der irgendwie eine tiefere Temperatur einstellen sollte.
Der Techniker kam, fackelte nicht lange und tauschte den Kühlschrank durch einen Neuen aus, der ordentlich kühlt.
Ein rustikales Mittagessen konnten wir im Rahmen des Bayerischen Frühschoppens einnehmen.
Da morgen der Reiseabschnitt zu Ende geht, luden der Kapitän und der Kreuzfahrtdirektor zum Abschiedscocktail in die Atlantik-Show-Lounge ein.
Die Prozedur und die Reden sind immer die gleichen und wir kennen das alles bereits zur Genüge, einschließlich der schmissigen Version von “Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“, zu der alle begeistert im 2/4-Takt mitklatschen.
53. Reisetag – Freitag, 07.02.2025 – San Antonio (1)/Chile
Die Idee, von San Antonio mit dem Bus in die gut 100 Kilometer entfernte Hauptstadt Santiago (5 Millionen Einwohner) zu fahren, hatten wir gestern Abend eigentlich wieder verworfen, weil Doris sich noch nicht fit genug fühlte.
Da sie aber heute Morgen meinte, wieder Bäume ausrei?en zu können, buchten wir bei für 11:00 Uhr eine Fahrt in die chilenische Hauptstadt (Fahrpreis für uns beide zusammen: 12,19 €) . Für die Rückfahrt wählten wir die Abfahrtszeit 14:45 Uhr. Damit hatten wir 2 Stunden in Santiago, was in Sachen Bäume ausreißen fürs Erste genügen sollte.
Bei der Buchung für die Rückfahrt nutzten wir die (kostenpflichtige) Option, die Sitzplätze selbst auszuwählen (Fahrpreis für uns beide zusammen: 14,45 €).
Wir wählten die besten Plätze, die es in einem Reisebus gibt, nämlich in der ersten Reihe die beiden Sitze rechts, denn da kann man nicht nur rechts aus dem Fenster sehen, sondern auch nach vorne durch die große Frontscheibe.
Diese exponierten Sitze werden bei Phoenix-Ausflügen ausschließlich von “Goldgästen“ besetzt.
Hierzu muss ich zum besseren Verständnis ein wenig ausholen.
Bei Phoenix gibt es 3 verschiedene “Klassen“ von Gästen.
- keine Bezeichnung: Gäste in den Kabinen ohne Balkon
- Silbergäste: Gäste in den Balkonkabinen
- Goldgäste: Gäste in den teuersten Suiten (die natürlich auch Balkone haben)
Die Gold- und Silbergäste erhalten zusätzlich Sekt, Blumen auf die Kabine und sonstige Goodies an Bord. Das ist auch vollkommen OK, denn die entsprechenden Kabinen sind ja auch signifikant teurer als die Unterkünfte in der “Holzklasse“.
Bei Ausflügen gibt es für die Goldgäste das zusätzliche Privileg, schon in die Ausflugsbusse einsteigen zu dürfen, wenn der Rest der Ausflügler (Silber und Holz) noch in der Atlantik-Show-Lounge warten muss, bis sie von der Lounge an die Busse geführt werden.
Logisch, dass dann die vorderen Reihen schon besetzt sind.
Ich finde dieses Privileg übrigens nicht in Ordnung, auch wenn wir kaum an solchen Ausflügen teilnehmen, denn für die Ausflüge wird klassenunabhängig von allen der gleiche Preis bezahlt.
Der Silber- und Holzgast hat also nie die Chance, einmal einen der begehrten Plätze in den vorderen Reihen zu ergattern.
Außerhalb des Schiffs und bei Leistungen, für die alle Gäste den gleichen Preis bezahlen, dürften die “Klassenunterschiede“ eigentlich keine Rolle mehr spielen - das tun sie aber!
Soviel zu den Goldgästen bei Phoenix, aber jetzt hatten wir uns ja für ca. 2 Euro einen Gold-Platz im FlixBus gekauft.
Der Busbahnhof in San Antonio war übersichtlich, sodass der richtige Bussteig mit nur einmal fragen gefunden wurde.
Der Bus war auf die Minute pünktlich.
Leider war die Sicht nicht sehr gut, sodass die Anden, an deren Fuß Santiago liegt, mit den schneebedeckten Gipfeln beim Annähern an die Stadt nicht klar zu sehen waren.
Nach 1 Stunde 45 Minuten kamen wir in Santiago in der Estación Central an.
Der Busbahnhof Terminal San Borja, der Teil der Estación Central ist, hat fast 100 Bussteige, also ist entsprechend groß und unübersichtlich.
Die Bussteige sind nummeriert, dass ist aber schon die einzige Hilfestellung, denn Fahrpläne und Monitore mit Informationen gibt es keine.
Wir wussten vom Busfahrer, dass wir von Bussteig 40, wo wir angekommen waren auch wieder zurückfahren müssen.
Jetzt hatten wir aber erst einmal das Problem, den Ausgang zu finden. Nach einiger Zeit kamen wir dahinter, dass sich der Busbahnhof quasi im Obergeschoss befand und ein Stock tiefer die Ausgänge sein müssten. Aber auch hier war zunächst einmal weit und breit kein Ausgang (oder entsprechende Wegweiser) zu finden. Wir schienen gefangen in einer unübersichtlichen Shopping Mall mit Kaufhäusern, Schuh- und Modegeschäften, Elektronik-Läden, allen möglichen Gastronomien und dem Fernbahnhof, aber nirgendwo Ausgänge.
Kein Wunder, wir befanden uns an der Stirnseite eines rechteckigen Gebäudekomplex und die Ausgänge waren auf der gegenüberliegenden Seite in 448 Meter Entfernung (ich habe das mit Google Maps nachgemessen).
Nachdem wir endlich draußen waren, erwartete uns ein buntes Treiben von Händlern und Ständen vor und hinter einem hohen grünen Metallzaun, der die Estación Central umgab.
Der Hauptstrom der Tausende von Menschen, die hier in diesem eingezäunten Bereich wuselten, kam anscheinend von der Metro, die hier auch ihre Ein- und Ausgänge hat, den beiden Parkdecks unterhalb der Estación Central, den Fernzügen und den Bussen.
Dieser Zaun schien unüberwindlich, sprich die Suche nach einem Ausgang begann von vorn.
Aber schließlich gab es doch ein kleines Schlupfloch, um ganz nach draußen zu kommen.
Nachdem wir in einem Schnellrestaurant etwas getrunken hatten, war es auch schon wieder an der Zeit uns in Richtung Busbahnhof zum Bussteig 40 zu bewegen.
Der grüne FlixBus kam und unsere Goldplätze erwiesen sich als der Flop des Jahrhunderts.
Statt freier Sicht auf Land und Leute, saßen wir praktisch vor einer Kunststoffwand.
Der komplette vordere Teil, wo der Busfahrer sitzt und sein Gefährt lenkt, ist eine Kabine mit Durchgang, durch den die Passagiere in den Mittelgang des Fahrgastraum gelangen um dann von dort ihre Plätze einzunehmen. Sind alle Passagiere im Bus, wird der Durchgang durch ein Paneel verschlossen.
Zu allem Überfluss befanden sich unsere Goldplätze über dem Vorderrad, sodass der Boden vor unseren Sitzen eine erhabene Rundung auswies. Ab 1,60 Meter Körpergröße saß man auch noch mit angezogenen Knien auf seinem Sitz, bedingt durch diese Bodenwelle.
Zum Glück war der Bus nur zur Hälfte besetzt, sodass wir uns reumütig zwei vernünftige Plätze aussuchen konnten.
Pünktlich auf die Sekunde (nicht übertrieben) fuhren wir los und kamen wohlbehalten in San Antonio wieder an.
54. Reisetag – Samstag, 08.02.2025 – San Antonio (2)/Chile
Für heute hatten wir uns nichts vorgenommen, da um 13:00 Uhr das Auslaufen terminiert war. Außerdem war bereits für 12:15 Uhr die für alle obligatorische Rettungsübung angesetzt, schließlich begann gestern ein neuer Reiseabschnitt, “Von Chile aus quer durch die Südsee nach Auckland!“, so der Titel.
Unser heutiger “Ausflug“ führte uns per Shuttlebus zum Passagier-Terminal am Hafenausgang, ...
... denn dort gab es freies WLAN.
Jetzt wird sich der aufmerksame Leser fragen, wieso wir wegen des WLANs ins Terminal fahren, wo wir doch auf dem Schiff unsere gekaufte Flatrate nutzen können und ich die Internetverbindung doch vor Kurzem erst gelobt hatte?
Die Antwort: Anscheinend beherrscht das Schiffs-WLAN nicht das gesamte Internet-Spektrum, der Fachmann spricht von Übertragungsprotokollen.
Der Verdacht kam bei uns deshalb auf, weil sich ein unbedingt notwendiges Update für die WhatsApp-Funktion unter WINDOWS nicht ausführen ließ. Es gab auch keine Fehlermeldung – es passierte einfach nix. Wir googelten uns den Wolf, um herauszufinden, woran das lag, aber wir fanden keinerlei Hinweise oder Problemmeldungen. Daher rührte unser Verdacht, dass das ARTANIA-Internet der Schuldige ist.
Im Passagierterminal angekommen meldeten wir uns im dort angebotenen WLAN an.
Und siehe da, das Update, das trotz einem Dutzend Versuche auf der ARTANIA nicht funktioniert hat, installierte sich hier klaglos, wenn auch sehr langsam.
Jetzt konnten wir wieder WhatsApp-Nachrichten auf dem PC senden und empfangen, was allemal komfortabler ist als auf dem Mini-Bildschirm des Smartphones.
Nach dem Ablegen kam kräftiger Wind auf, der sich zu einem Sturm entwickelt hatte, was „heftige Schiffsbewegungen“ (seemännischer Ausdruck für Schwanken) zur Folge hatte.
Das wiederum verursachte bei vielen Passagieren ein gewisses Unwohlsein, weshalb es zum Abendessen im Lido-Restaurant genügend freie Tische gab.
Das war heute beim Frühstück und zum Mittagessen ganz anders.
Schon beim Frühstück mussten die Gäste am Eingang warten, bis es freie Plätze gab auf die sie platziert wurden.
Der Engpass war meines Erachtens durch einen Planungsfehler verursacht. Die Restaurants ARTANIA und 4-Jahreszeiten schlossen bereits beide um 9:00 Uhr mit der Begründung, dass ab 9:00 Uhr ca. 300 Leute bereits mit Ausflügen unterwegs sind.
San Antonio selbst ist keine besonders attraktive Stadt, sodass für viele der verbliebenen 750 Gäste dieser Vormittag einen „Fast-Seetag“ darstellte und an solchen frühstückt man erfahrungsgemäß etwas später und hierfür stand nun mal einzig und allein das Lido mit seinen 280 Plätzen zur Verfügung.
Zum Mittagessen war die Situation noch gruseliger. Allerdings diesmal nicht wegen eines Planungsfehlers, sondern eher situationsbedingt.
Wegen dem Ende der Rettungsübung wurden die Öffnungszeiten auf 13:00 – 14:30 Uhr verlegt. Gleichzeitig lockte ab 13:00 Uhr die Auslaufparty mit kostenlosem Sekt, sodass die meisten Passageriere statt „in Ruhe“ in den Bedienrestaurants zu speisen, heute lieber das Selbstbedienungsrestaurant bevölkerten.
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Nachdem man glücklich eingelassen worden war, war man noch lange nicht an den Futternäpfen.
In diese lange Schlange mussten wir uns erst einmal einreihen und zwar ganz am Ende.
55. Reisetag – Sonntag, 09.02.2025 – Robinson Crusoe Insel/Chile
Diese knapp 50 km2 große Insel mit ca. 1000 Bewohnern liegt 670 Kilometer westlich von unserem letzten Ziel San Antonio im Pazifik.
Im Jahre 1704 wurde der schottische Seemann Alexander Selkirk auf dieser Insel ausgesetzt und lebte hier vier Jahre in völliger Einsamkeit.
Seine Geschichte inspirierte den Schriftsteller Daniel Defoe zu seinem Roman Robinson Crusoe.
Ursprünglich hieß die Insel Isla Más a Tierra und bekam erst 1966 ihren Namen in Anlehnung an die berühmte Romanfigur.
Die Insel hat keine große Pier, wo die ARTANIA anlegen könnte, also stand mal wieder Tendern auf dem Plan.
Der Sturm von gestern Abend hat sich im Laufe des heutigen Tages gelegt, aber ob getendert werden kann oder nicht, entscheidet sich immer erst vor Ort.

3 Tenderboote dümpelten in Wartestellung, während das vierte in Richtung Tenderpier zum Ufer unterwegs war.
Ich möchte es nicht allzu spannend machen und betitele deshalb die nächsten Zeilen mit
“Eine Choreographie des Nicht-Tenderns!“
Über die Bordlautsprecher informierte der Kreuzfahrtdirektor Klaus Gruschka (der Jörn Hofer vor 2 Tagen abgelöst hat) über den Stand der Dinge wie folgt:
- Die Tenderboote werden zu Wasser gelassen.
- (Optimismus)
Die Wetterbedingungen sind gut, wir werfen noch keinen Anker und driften.
(Die weißen Schaumkrönchen im Uferbereich stimmen Doris und mich allerdings ein wenig nachdenklich.) - Eines der Tenderboote fährt Richtung Land, um die Behörden an Bord zu holen, die die Schiffsfreigabe erteilen sollen.
- Die Chancen stehen gut im Zeitplan zu bleiben.
- (Erste Abweichungen vom zuvor geäußerten Optimismus):
Der Hafenmeister rät wegen der starken ablandigen Winde vom Tendern ab. - (neue Hoffnung):
Nicht der Hafenmeister entscheidet, ob wir Tendern können, sondern unser Kapitän. - (Hoffnung zerschlagen):
Der Hafenmeister hat den Hafen geschlossen. - (Einsicht):
Der starke Wind von 30 Knoten hätte das Anlegen des Tenders sehr erschwert und es hätte die Gefahr bestanden, dass das Boot Schaden nimmt. Da die Tenderboote Rettungsmittel sind, wäre ein Ausfall äußerst problematisch. - Die Sicherheit der Passagiere und der Crew steht an erster Stelle.
- (Trost):
Wir werden die Insel mit der ARTANIA umfahren.
Es war wirklich sehr schade, dass wir die Insel nicht betreten konnten, aber es gibt (neben der Inselumrundung mit der ARTANIA) noch einen Trost.
Statt des Landgangs konnten wir um 15:30 Uhr zur Kaffeestunde gehen. Heute ist nämlich Sonntag und da gibt es Schwarzwälder Kirsch!!!
56. Reisetag – Montag, 10.02.2025 – Seetag
Heute war der erste von vier Seetagen. Am 14. Februar werden wir vor der Osterinsel dann den Anker werfen.
Auf dieses Ziel freuen wir uns ganz besonders, nicht zuletzt, weil es unser 3. Versuch ist, einen Fuß auf die Osterinsel zu setzen, um die monumentalen Steinskulpturen, die Moai, aus der Nähe zu sehen.
Unseren ersten Versuch unternahmen wir 2017, ebenfalls mit der ARTANIA. Damals konnten wir wegen der bewegten See nicht an Land tendern und mussten uns mit einem Blick durch das Fernglas begnügen.
Der zweite Anlauf war drei Jahre später während der ARTANIA-Weltreise 2019/2020. Die musste aber wegen Corona im März 2020 in Sydney abgebrochen werden, womit die Weiterfahrt durch die Südsee Richtung Südamerika ins Wasser fiel und damit war auch der Versuch bei der Osterinsel anzulanden im Keim erstickt.
Nun hoffen wir innständig, dass es diesmal klappen wird.
Doch gleich zu Beginn dieser Etappe gab es diesbezüglich ein großes ABER.
Laut Plan sollten wir von Freitag, den 14.2., 8:00 Uhr bis Samstag, den 15.2, 13:00 Uhr auf Reede vor Hangaroa an der Westküste der Osterinsel liegen. Damit hätten wir 1½ Tage Zeit gehabt, die 1000 Passagiere peu à peu an Land und wieder zurückzubringen.
Jetzt soll aber plötzlich und unerwartet am 15.2. ein großes Kreuzfahrtschiff, die MSC Magnifica mit 2.500 Passagieren, ebenfalls vor Hangaroa auf Reede liegen.
Deshalb müssten wir uns mit diesem Mammutschiff am Samstag die Tenderpier teilen. Das macht wenig Sinn.
Deshalb hat Phoenix umdisponiert und wir werden in der Nacht von Freitag auf Samstag unseren Ankerplatz verlegen und zwar an die Nordküste. Dort soll es eine Behelfsplattform geben, an der wir mit unseren Tenderbooten bei entsprechend ruhiger See anlegen können.
Bei uns schrillten sämtliche Alarmglocken ob solcher Änderungen und Ankündigungen. Wir befürchten ein wenig, dass wir an diesem Samstag keinen Fuß auf festen Boden bekommen werden.
- Wird die See ruhig genug bleiben?
- Ist die Behelfsplattform kompatibel mit unseren Tenderbooten oder ist sie zu hoch oder zu niedrig?
- Wird uns die Hafenbehörde erlauben, den provisorischen Anleger zu nutzen (und das am Wochenende)?
- Hat Phoenix tatsächlich eine Anlandung geplant oder sind die Ankündigungen reine Makulatur?
Aber lassen wir vorerst das Unkenrufen und sehen der Sache optimistisch ins Auge.
Übrigens war heute schon wieder Gala angesagt. Begrüßungscocktail, Foto mit Kapitän und Kreuzfahrtdirektor und Schlips und Kragen auch für die Schwänzer dieser Vergnüglichkeiten. Dabei liegt der letzte Galaabend (Abschiedsgala) gerade mal vier Tage zurück. Das ist nun mal das schwere Los bei den Langzeitreisen über mehrere Etappen.
Ich vermute aber, dass sich das Mitleid der Leser dieses Blogs in Grenzen hält. 😊
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